lftrüscher Zerstörer, eine fvanzösische Schaluppe;, ein italie- msches uiti> drei japanische Kanonenboote.
Einem Telegramm des Korrespondenten der „Chicago Tribune" zufolge hat die chinesische Handelskammer für die Beilegung des Schanghaier Zwischenfalls folgende Förde- rungen aufgestellt:
L Die Aufhebung des Ziotgefetzes.
2. Zurückziehung der ausländischen Marine.
3. Entlassung der Gefangenen.
4. Bestrafung der Polizei, die für die Schießerei auf die Studenten verantworMch ist.
5. Schadloshaltung der Familien der Getöteten und Verwundeten.
6. Eine Entschuldigung von Großbritannien und Japan.
7. Entlassung des englischen Sekretärs des „Rates für die Erlaubniserteilung zu Reden innerhalb der ausländischen Niederlassungen an Chinesen".
8. Einstellung des Straßenbahnbaues auf chinesischem Gebiet.
9. Die Vollmachten des gemischten Gerichtshofes sollen der chinesischen Gerichtsbarkeit übertragen werden.
10. Chinesische Vertreter in dem Rat der ausländischen Konzessionen.
11. Beschäftigung von Chinesen an Stelle von ausländischer Polizei.
Die Handelskammer hat für diese Forderungen ein Zeitlimit gegeben, was praktisch nichts anderes ist als ein Ultimatum. Wenn die Forderungen nicht angenommen werden, dann wird die Handelskammer erklären, daß der Boykott der japanischen und britischen Waren über ganz China ausgedehnt wägten soll.
Spanische Verhandlungen mit Abd el Krim.
❖ Paris, 15. Juni. Dem „Matin" wird aus Madrid gemeldet, daß das Direktorium den bekannten Schiffsreeder Echevarrieto nach Alhucemas zu Verhandlungen mit Wd el Krim entsandt hat. Der Zeitpunkt der Landung spanischer Truppen in der Bucht von Alhucemas soll erst nach Beendigung der Besprechung mit Abd el Krim festgesetzt werden. Das Direktorium ist bereit, ein größeres Geldopfer zu bringen, um eine Einigung mit Abd el Krim zu erreichen. Man rechnet damit, daß die Verhandlungen zwischen Spanien und den Rifftaaten nicht vor der französisch-spanischen Madrider Konferenz zu Ende geführt werden. __ _
Polens zerrüttete Wirtschaft.
Ein Beweis für polnische Unfähigkeit.
£ Warschau, 15. Juni. Auf dem Parteikongreß der polnischen christlich-demokratischen Partei sprach Korfanty über die politische und wirtschaftliche Lage Polens. Er wies darauf hin, daß man im Wirtschaftsleben Polens einen allgemeinen Stillstand sehe. Die Produktionspreise seien oft höher als die Verkaufspreise, die Handelsbilanz sei passiv, Kredite seien schwer zu erlangen. In wirtschaftlicher Beziehung sei das östliche Polen abgestorben. Er könne nicht den Optimismus des Ministerpräsidenten Grabski teilen und stelle fest, daß gegenüber der Kriegszeit, die Kohtenvroduk- tion sich um fünfzig Prozent, die Eisenproduktion um vierzig Prozent verringert habe. Denselben Rückgang könne man in der Naphtha- und Textilindustrie beobachten. Polen hätte es versäumt, Handelsverträge mit seinen nächsten Nachbarn zu schließen. Mit denDeutschenmüsse Polen gleichfalls die Beziehungen regeln.
Deutscher Reichstag.
Man hält es fast für unmöglich, die großen Aufgaben, die der Reichstag noch vor den Ferien erledigen will, zum Abschluß zu bringen. Wohl hat man in dieser Hinsicht von parlamentarischen Schwierigkeiten gesprochen, die aber wenigstens in den bisher angegebenen Punkten nicht unlösbar sein dürften. Die Zollvorlage ist bisher nicht gefährdet, und bei der Verfassungsrevision befindet man sich in Vorverhandlungen. Schwieriger werden die Verhandlungen fein, die zwischen den Parteien im Hinblick a u f Sicherheitspakt und Entwaffnungsnote gepflogen werden müssen, so daß man nunmehr nicht vor dem Herbst mit einer Einigung rechnen kann. In den Fräsen der Auiwertuna
Die Frau des Konsuls.
Roman von Reinhold Ortmann,
44 ] (Nachdruck verboten.)
„Die Polizei ist da, Herr Konsul I — Soll ich die Herren hierherführen?"
Gernsheim sprang auf. „Nein — in den großen Salon. — Sie entschuldigen, Stuart, wenn ich Sie nicht brtte, mitzukommen. Aber ich muß zunächst allein mit den Beamten reden."
Wenn er doch den Revolver vergäße! dachte Milner, obwohl er durchaus keine klare Vorstellung davon hatte, was er in diesem Fall hätte beginnen sollen, um das verräterische Ding aus der Welt zu schaffen.
Aber der Konsul vergaß die Existenz desselben nicht. Mit einer Gebärde des Widerwillens nahm er die Masse vom Tisch und verließ mit ihr das Zimmer. Sobald sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, fiel Stuart Milner völlig entmutigt in einen Stuhl.
Das Knirschen von Wagenrädern auf dem Kies zeigte das Erscheinen des telephonisch herbeigerufenen Chirurgen an. Stuart Milner hörte, wie Türen geöffnet und wieder vorsichtig geschlossen wurden. Dann blieb für eine lange Zeit alles totenstill, und es war ihm, als müsse inzwischen schon die halbe Nacht vergangen sein, als sich endlich wieder der schwere Schritt des Konsuls näherte und seine auch in ihrer Gebeugtheit noch immer imponierende Gestalt im Türrahmen erschien.
„Auch Doktor Evers hat die Kugel nicht entfernen können. Er fürchtet, die Verletzung in der Lunge dadurch zu verschlimmern. Aber er hält die Wunde nicht für unbedingt tödlich. Er sagt, daß noch viel schlimmere Lungen- schüsse glatt zur Heilung gelangen. Sie ist jetzt bei vollem Bewußtsein und Eva ist bei ihr. Darum werden Sie Ihre Braut heute nicht mehr sehen können, Stuart."
Milner dankte in der Stille seines Herzens dem Himmel, der es ihm ersparte. Indem er seinen ganzen Mut zusammennahm, fragte er beklommen: „Und der Täter? — Was sagte Ihre Gattin von dem Täter?"
wird versucht werden, noch eine weitere Erhöhung der bisher genannten Prozentsätze herauszudrücken, trotz- dem man in dieser Hinsicht mit starkem Widerstand bei Wirtschaft und Landwirtschaft rechnen muß. Ueberraschend wirkt im Reichstag eine Annäherung zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten. Man glaubt, daß die Kommunisten in der kommenden Zeit den Sozialdemokraten noch mehr Entgegenkommen zeigen werden, so daß eine gemeinsame sozialdemokra- tisch-kommunistische Front gegenüber den Regierungsparteien nicht ausgeschlossen erscheint.
Präsident Löbe eröffnet die Sitzung.
Die zweite Lesung des Haushaltsplans des Reichsministeriums des Innern wird fortgesetzt. Verbunden damit wird die Vorlage über das Rotverordnungsrecht, die Frage der Feiertage, der Antrag auf Aufhebung' des Republikschutzgesetzes und die Frage des Minderheitenschutzes und des Auslandsdeutschtums.
Abg. Koch-Weser (Dem.) warnt vor einem vorschnellen Urteil über die Verfassung.
Abg. Petzold (Wirtsch. Der.) bestreitet, daß die Befürwortung eines Verfassungsausschusses reaktionäre Ziele verfolge. Die Hinaufsetzung des Wahlalters sei unumgänglich notwendig. Zur Aenderung der Reichsfarben sei die Zeit noch nicht gekommen.
Abg. Rolle gibt für die Deutsch-hannoversche Partei eine Erklärung ab, in der gegen jeden Versuch der Antastung des Artikels 18 der Reichsverfassung schärfster Protest erhoben wird. Nicht Abbau, sondern Ausbau der im Art. 18 festgelegten Grundsätze sei ein Gebot der Stunde.
Abg. Leicht (Bayer, Vp.) tritt für die Einsetzung eines Der- fassungsausschusses im Reichstage ein, der ein Sicherheitsventil für eventuelle Erregungen darstellen würde, und auf- und ausbauend wirken müsse. Es genüge nicht, die Länder durch Klammern zufammenzuhalten, vielmehr müsse das Fundament des Reiches befestigt werden.
Reichsminister Schiele weist darauf hin, daß es heute mehr denn je notwendig fei, das Recht der Selbstbehauptung und Selbst- erhaltung, der eigenen Rechtsauffassung und des Eigenlebens zu betonen. Wir werden in der nächsten Zeit zu Taten gezwungen fein und müssen daher den Glauben an die Nation mit heiligem Ernst empfinden und betätigen. Sein Ministerium habe den Gedanken frtr Reichseinheit zu vertreten, aber auch den Gedanke» -r sozialen Einheit. Am allerwenigsten dürften korfteikionelle Fragen diese Einheit stören. Eine seiner wichtigsten Aufgaben sei aber auch, den Reichsgedanken gegenüber allen Zersplitterungs- und Absplitterungsversuchen zu sichern. Diese Betonung des Reichsgedankens bedeute aber nicht eine Abwehrstellung gegen verfassungspolitische Wünsche der Länder. Darum sei es heute auch die wertvollste Aufgabe einer Reichsregierung, den Reichsgedanken mit den berechtigten Wünschen auf ein Eigenleben der deutschen Stämme in Einklang zu bringen. Der Minister hebt hervor, daß er die geltende Verfassung als bindendes Recht und als verfassungsrechtliche Grundlage feiner amtlichen Tätigkeit ansehe. Heute stehe nicht die Frage der Staatsform, sondern das Staaswesen im Vordergründe. Die geltende Reichsverfassung empfinde sich selbst als unfertig und unvollständig, wie die zahlreichen Lücken und Verweisungen auf noch kommende Gesetze erkennen lassen. Auch Herr Sollmann habe als Innenminister die Notwendigkeit einer grundlegenden Aenderung des Verhältnisses von Reich, Ländern und Kommunen anerkannt.
Der Minister geht dann zur Flaggenfrage über und weist darauf hin, daß die Reichsfarben schwarzrotgold selbstver- Kreisen unseres Volkes werde die Wiederkehr zu den alten Reichsfarben erstrebt. Es sei daher ein tiefbedauerlicher Streit um die Reichsfarben entbrannt, den aus der Welt zu räumen eine der dringendsten Ausgaben sei. Er vergesse durchaus nicht, daß auch im schwarzweißroten Deutschland die Farben schwarzrotgold ein Gegenstand der Verehrung gewesen seien. Unter schwarzweißrot sei ein starkes Deutsches Reich durch fast 50 Jahre hindurch Bürge des Weltfriedens gewesen. Das lebe im Gedächtnis unseres Volkes unauslöschlich eingeprägt. Besonders betrüblich sei es, daß der Streit um die Reichsfarben geradezu zu einem Parteistreit geführt habe. Die Flaggenfrage sei nicht nur eine Frage geschichtlicher Betrachtung oder eine Zweckmäßigkeitsfrage, sondern auch eine Frage des Herzens und Nationalempjindens. Es müsse deshalb eine Lösung gefunden werden, die dem innersten Empfinden unseres Volkes Rechnung trägt. Der Minister behandelt dann die eigentlichen Fragen seines Ressorts. Auf dem Gebiete unseres geistigen Lebens dürfe die Vereinheitlichung und Verinnerlichung nicht verwechselt werden mit Uniformierung. Gerade hier müsse sich stammesartige Freiheit mit völkisch-deutscher Einheit verbinden. Es ist eines der wesentlichsten Verdienste der deutschen Dynastien, daß sie es verstanden haben, vorzugsweise in ihren Residenzen Kulturzentren
„Sie hat nichts von ihm gesehen und sie erinnert sich überhaupt an nichts, als daß sie plötzlich einen Schlag oder Stoß im Rücken gefühlt habe, und daß es ihr schwarz vor den Augen geworden sei. Mit weiteren Fragen haben wir sie nicht gequält, denn das Sprechen ist ihr streng verboten. Es bedurfte auch ihres Zeugnisses nicht, denn der Mörder ist durch den aufgefundenen Revolver, der seinen Namen trägt, hinlänglich überführt. Es ist derselbe, den Sie an meinem Hochzeitsabend draußen auf der Terrasse faßten. Die Beamten, die ihn suchen und verhaften sollen, sind bereits unterwegs."
Das war das Fürchterliche, vor dem Stuart Milner gezittert hatte. Er schluckte und würgte, als ob er etwas sagen wollte; aber es kam dann doch nichts anderes über seine Lippen als eine gemurmelte Wiederholung seiner vorigen Äußerung: „Er muß Wahnsinns sein — man hätte ihn längst in ein Irrenhaus sperren sollen."
„Ich hoffe, man bringt ihn jetzt an einen Ort, wo er noch sicherer aufgehoben ist als im Irrenhause," erwiderte der Konsul. „Aber es ist spät geworden, mein lieber Stuart, und Sie sehen sehr erschöpft aus. Soll ich Ihnen einen Wagen zur Heimfahrt anspannen lassen?"
Milner wehrte ab. Was verschlug es ihm, den weiten Weg zu Fuß zurückzulegen, wenn er dadurch nur eine Viertelstunde früher von hier fortkam — aus diesem Hause des Schreckens, darin er sich wie ein an Händen und Füßen gefesselter Gefangener fühlte.
Als er fünf Minuten später die kühle Nachtluft an seinen fieberheißen Schläfen spürte, atmete er auf, wie ein entsprungener Sträfling aufatmen mag, dann eilte er mit langen Schritten der Stadt und seiner Behausung zu, nur von dem brennenden Verlangen erfüllt, sich endlich volle Gewißheit zu verschaffen, wie grausam und niederschmetternd auch immer diese Gewißheit sein mochte.
Seine Hände zitterten, so daß er Mühe hatte, in seinem Zimmer die Lampe anzuzünden. Er suchte zunächst nach einem etwa inzwischen abgegebenen Briefe. Aber er fand nichts, und dann, während es in seinen Ohren sauste und sein Herz zum Zerspringen klopfte, machte er stH an dM
eigenen, bodenständigen Charakters zu pflegen. Es ist nicht zu leugnen, daß auch heute noch die überwiegende Mehrheit unseres Volkes die Kräfte der christlichen Religion für die Erziehung ihrer Kinder fordert. Auf die Aufgaben der deutschen Wissenschaft im Zusammenhang mit der Wiederaufrichtung der deutschen Wirt- fchaft übergehend, betont der Minister, er werde bestrebt sein, die Notlage der geistigen Arbeiter nach Möglichkeit zu mildern. Besonders zu danken sei der Mitarbeit der Presse, deren Freiheit und innere Unabhängigkeit für die Erfüllung ihrer Aufgaben unerläßlich sei. Der Zuwanderung fremdstämmiger Elemente nach Deutschland müsse man besonderes Augenmerk widmen. Gerade diejenigen Länder, die ihre Fremdstämmigen gern nach Deutschland abschöben, unterdrückten die deutschen nationalen Minderheiten. Der Wille zur Selbstbehauptung müsse sich immer eindrucksvoller entfalten, dann würden wir auch jenseits der politischen Grenzen dem Deutschtum zu neuem Ansehen und neuer Blüte verhelfen.
Nach dem Minister ergreift der völkische Abg. Kube das Wort. Der Redner fordert eine Reinigung in der politischen Be- amtenschaft.
In der zweiten Rednerreihe erhält dann zuerst das Wort Abg. Rosenfeld (Soz.). Der Redner fordert, daß die kommende Amnestie alle politischen Gefangenen umfasse.
Abg. Schlange (Dn.) ruft den Westmächten zu, daß das heutige Deutschland niemand bedrohe und bedrohen wolle. Wenn man aber mit den wirtschaftlichen und innerpolitischen Forderungen und den Eingriffen in unsere Souveränität so fortfahre, wie bisher, dann werde man ein Deutschland schaffen, das gegen seinen eigenen Willen zu einem Brandherd der Not und Verzweiflung wird, den keine Regierung und kein Innenminister verhindern kann.
Nach einigen Ausführungen des volksparteilichen Abg. V. Kardorff, über feine Stellung zum Gemeindewahlrecht schlägt Präs. Löbe Vertagung vor. Wegen Beschlußunfähigkeit wird die Sitzung abgebrochen und auf Montag 2 Uhr vertagt.
Preußischer Landtag.
In der Sitzung des Landtages wurde die Aussprache über den Landwirtschaftsetat und die dazu vorliegenden zahlreichen Anträge fortgesetzt.
Abg. Dr. Hermes (Ztr.) führte aus: Durch die neuen Verhandlungen mit dem Auslande muß eine völlig neue Ordnung der handelspolitischen Beziehungen herbeigeführt werden. Die Schwierigkeit, einen neuen Absatzmarkt zu gewinnen, muß überwunden werden. Die Passivität der Handelsbilanz lastet schwer auf unserem Lande. Der Dawesplan legt uns nach wenigen Jahren Verpflichtungen auf, die ich immer für unerfüllbar gehalten habe. Nichts hat die Erfüllungsmög- lichkeiten Deutschlands so zunichte gemacht, als die deutschfeindliche Politik. Landwirtschaft nnd Industrie haben das größte Interesse daran, daß die Landwirtschaft wieder kaufkräftiger wird. Die Landwirtschaft muß leistungsfähig erhalten bleiben. Wenn die Jn- dustriezölle nicht abgebaut werden, muß auch die Landwirtschaft einen höheren Zollschutz genießen. Wir sehen, daß England dabei ist, entgegen dem Geist einer hundertjährigen freihändlerischen Ueberlieferung die einheimische Industrie gegen das Ausland zu schützen.
Die Vereinigten Staaten haben als praktische Nation sofort einen Schutzwall errichtet. Der deutsch-spanische Handelsvertrag wirkt sich verhängnisvoll aus. Der wirtschaft.
Darauf ergriff für die Kommunisten der Abg. Skjellerup das Wort.
Abg. Wachhorst de Wente (Dem.) erklärte, seine Partei lehne die Getreidezölle als Mindestzölle ebenso einmütig ab, wie sie den Abschluß von Handelsverträgen für eine deutsche Lebens» Notwendigkeit betrachte.
Darauf gab Landwirtschaftsminister Steiger eine kurze Dar- stellung über die Verwendung der Kredite für die Landwirtschaft. In der Frage der Rentenbankkreditanstalt habe das preußische Staatsministerium den Standpunkt vertreten, daß die Anstalt in der Hauptsache Grundkredite gegeben habe und nur für den Uebergang Personalkredite. Da die Anstalt für die Zukunft sich zu einem außerordentlich wichtigen agrarischen Institut auswachsen werde, sei Preußen dafür eingetreten, daß die Einflußnahme der Länder entsprechend gesichert werden solle, dadurch, daß der Reichsrat beteiligt werde. Die anderen Länder seien dieser Stellungnahme Preußens beigetreten. Die inneren Verhältnisse zwingen uns, für die Landwirtschaft einen entsprechenden Zoll zu verlangen. Getreidezölle sind wohl berechtigt, wie das Beispiel der Vorkriegszeit zeigt.
Als letzter Redner forderte Abg. Gieseler (Deutschvölk.) den
Fach im Schreibtisch, darin er noch vor zwei Tagen den Revolver gesehen hatte.
Es war leer.
Achtzehntes Kapitel.
Eberhard Lettinger hatte die bitterste Enttäuschung und den tiefsten Schmerz seines Lebens erfahren. So jäh war er durch die Mitteilung von Evas Verlobung aus all seinen Himmeln gestürzt worden, daß er noch immer Mühe hatte, an die Wirklichkeit und Unabänderlichkeit des Unbegreiflichen zu glauben.
Er war eben im Begriff gewesen, sich zu einem Besuch in der Villa Antonie zu rüsten, als man ihm den Bries des Konsuls überbracht hatte. In den artigsten Wendungen, die wiederholt seine unauslöschliche Dankbarkeit betonten, teilte ihm Rudolf Gernsheim mit, daß er seine Tochter durch die erfolgreiche ärztliche Behandlung, die ihr von feiten Lettingers zuteil geworden, als hinlänglich wiederhergestellt angesehen habe, um in ihr Verlöbnis mit Herrn Stuart Milner zu willigen, und daß er diesen freudigen Anlaß benutze, um ihm, dem Lebensretter, auch einen kleinen äußeren Beweis seiner großen Erkenntlichkeit zu geben. Er werde sich natürlich dessenungeachtet auch weiterhin als seinen Schuldner betrachten und bitte, jeder- zeit unbedenklich über seine Dienstbereitschaft zu verfügen.
Eine Bankanweisung auf dreitausend Mark hatte dem Briefe beigelegen, das fürstlichste Honorar jedenfalls, das dem jungen Arzt während der bisherigen Dauer seiner Praxis zuteil geworden war. Aber er hatte das mit einer solchen Eröffnung verbundene Geschenk nur wie brennende Schmach empfunden, und nachdem er den Brief, der alle seine Hoffnungen vernichtete, noch einmal mit Abwägung jedes einzelnen Wortes vom Anfang bis zum Ende ge- lesen, hatte er mit ihm zugleich auch den Scheck in kleine Fetzen zerrissen.
(Fortsetzung folgt)