yersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt'
Amtlicher Anzeiger M den kreis Hersfelö
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Nr. 13t
Montag, den 15. Juni
1925
Die Überreichung der französischen SicherheitSnote.
- Paris, 15. Juni. Am Quai d'Orsay wurde erklärt, daß die französische Antwortnote auf das deutsche Garantieangebot nicht vor Anfang dieser Woche abgehen wird. Die belgische Regierung hat mitgeteilt, daß sie mit dem Wortlaut der Note einverstanden sei, die italienische Antwort steht noch aus. Die französische Antwortnote wird entweder dem deutschen Botschafter überreicht oder dem Berliner französischen Botschafter zur Aushändigung an die Reichsregierung zugestellt werden. Wahrscheinlich wird letzterer Weg beschritten werden.
Der vermutliche Inhalt der französischen SicherheitSnote.
❖ Paris, 15. Juni. Der Pariser „Matin" erwähnt aus der Inhaltsangabe der französischen Antwortnote folgende Punkte:
1. Einen Garantiepakt der Rheinstaaten, der die Möglichkeit eines Krieges auf dem Wege der Volksabstimmung aus- schließt.
2. Einen Schiedsgenchtsvertag zwischen Frankreich und Deutschland, der durch einen deutsch-belgischen Vertrag ergänzt wird. -
3. Schiedsgerichtsverträge mit anderen Ländern, wobei solche mit Polen und der Tschechei unerläßlich seien. Frankreich knüpft hieran sogar die Voraussetzung für den Garantie- pakt der Rheinstaaten.
4. Entgegen dem Wunsche Deutschlands, daß die Vereinigten State» die Schiedsgerichtsverträge garantieren, will sich Frankreich damit begnügen, wenn Amerika ein bloßes Interesse au den Sicherheitsverträgen bekundet. den ® in tritt Deutschlands in den Volker- b u n ü vor Inkraftsetzung der Verträge. Ausdrücklich betont es, daß eine Zwangsmaßnahme, die sich aus der Verletzung der Verträge durch eine der unterzeichneten Mächte ergebe, nicht als Angriff zu bezeichnen sei.
Mehr und mehr kommen wir schon heute, bevor die Rote offiziell in deutschen Händen ist, zu dem Eindruck, daß Frankreich allein seine Interessen bei dem Abschluß dieses Sicher- Heitspaktes mit Deutschland in den Vordergrund stellt. Bezeichnend ist der Satz über die Zwangsmaßnahmen, der in dieser Form eine Legitimierung der widerrechtlichen Besetzung deutschen Gebietes darstellt.
Lloyd George, der Warner.
A London, 15. Juni. Lloyd George erklärte in einer Rede in Scarborough, er könne mindestens zwölf Streitigkeiten zwischen Nationen nennen, von denen jede zu offenem Konflikt führen könne, wenn nicht Mittel gefunden wurden, um Reibungen zu vermeiden und diese Streitigkeiten durch friedliche und rechtliche Mittel zu beenden. Eine Ursache von endlosen möglichen Schwierigkeiten sei die engherzige, ungerechte und harte Anwendung der Bedingungen des Versarller .Vertrages. Dieser sei ein'schwerer Vertrag, aber dies fet um so mehr ein Grund, ihn mit Toleranz, Wahrheit und Weitherzigkeit auszulegen. Er enthalte Bestimmungen, welche es möglich machten, ihn von Zeit zn Zeit abzuänder» und zu beschränken. Dies bedeute, daß die Bestimmungen, so hart sie auch seien, billig ausgelegt werden müssen. Das ge- schehe aber nicht und dies sei eine der Gefahren des Augen- blicks. Obgleich die Alliierten den Geist der Bedingungen mit bezug auf die Reparationen durchgeführt hatten, träfe dies nicht zu bezüglich anderer Fragen. Lloyd George erwähnte das Ruhrgebiet, wo die Forderungen der Franzosen im großen und ganzen von einer Art seien, welche die Leidenschaften einer Bevölkerung, die ganz natürlich ihrem Vaterland anhänge, erregen müsse. In Oberschleften sei nicht das Urteil gefällt worden, das man von einem unparteiischen rechtlichen Tribunal erwartete. Dies werde in Zukunft weitere Schwierigkeiten für Europa schaffen. Man nehme weiter den
Fall der
Nichträumung Kölns.
Es gäbe nichts Gefährlicheres für den Frieden als die Besetzung eines Landes durch die Truppen eines anderen Landes. Die Engländer hätten Köln bereits im Januar räumen müssen, hätten es aber immer noch nicht getan. Weshalb? Die Franzosen entdeckten plötzlich, daß die Deutschen die Abrüstungsbestimmungen des Vertrages nicht durchgeführt hätten. Lloyd George fuhr fort, er sage keineswegs, daß der Vertrag nicht hier und da ein wenig verletzt worden sei, aber im wesentlichen hätten die Deutschen ihn durchgeführt. Lloyd George erklärte, es sei ein wenig seltsam, daß er, der eine führende Rolle im Kriege gespielt habe, hierher komme, um für einen Feind zu plädieren. Er tue dies aber im Interesse der (Gerechtigkeit und Billigkeit und als einer, der im Interesse des britischen Reiches seinen Namen unter den Vertrag gesetzt hätte. Er wolle sehen, daß diese Unterschrift von feiten Großbritanniens eingehalten werde.
Zur
Pattfrage übergehend, führte Lloyd George aus, er halte mit seinem Urteil zurück, bis er den Wortlaut der englisch-französischen Vereinbarungen kenne. Er habe aber die Veröffentlichungen in der französischen Presse über den Pakt nicht gern gelesen. Es scheine, daß Frankreich seine Grenzen durch England und Deutschland garantiert sehen wolle, daß es jedoch die Freiheit haben wolle, durch Deutschland zu marschieren, wenn ein Streit mit Polen, der Tschechoslowakei oder irgendeiner anderen Macht eintrete.. Wenn Frankreich sagen würde, daß es in jedem derartigen Streitfall um einen Schiedsspruch ersuchen würde, so würde dagegen nichts einzuwenden sein, aber wenn England dem Pakt beitrete, nur, um Frankreich eine Sicherheit zu geben, die es ihm ermöglichen würde, un- gestrast gegen Deutschland Krieg zu führen, so sei das ein Ereignis, welches die Engländer nicht billigen könnten. Man müsse zusehen, daß in dieser Frage der richtige Schritt getan werde. Lloyd George erklärte unter Beifall, vor allem müsse der Völkerbund gestärkt werden. Die Forderung von Frankreich könne lauten: „Steht zu dem Friedensvertrag!" Lloyd George sagte: „Ja, aber zum gesamten Vertrag, bei dem die ersten 20 Bestimmungen die Verfassung des Völkerbundes bilden! Die ersten Seiten des Paktes sind eine feierliche Satzung, die von den Nationen unterzeichnet ist, daß Strei- tigkeiten in Zukunft durch rechtliche Erwägung und nicht durch Gewalt geschlichtet werden müssen. Laßt uns darauf bestehen, daß der Völkerbund das Recht hat, zu entscheiden." Lloyd Georg« schloß: „Ich will nicht, daß das britische Reich mit dem Kainsmahl auf der Stirn durch die Zeiten geht. Laßt Großbritannien seine Pflicht tun und nichts fürchten."
Beratungen über den Garantiepakt in Rom.
^ Paris, 15. Juni. Aus Rom wird gemeldet, daß Mussolini mit den Botschaftern von Frankreich und Belgien eine lange Aussprache über das Garantieprojekt hatte.
Kritik an der englischen Außenpolitik._______
❖ London, 15. Imii. 'Die Londoner „Saturday Review" bringt in einem Leitartikel eine scharfe Kritik an der gegenwärtigen Politik des Außenministers. Sie schreibt: Die vollständige Uebereinstimmung zwischen der englischen und französischen Regierung in der Frage des Sicherheits- paktes ist nur eine Uebereinstimmung in den allgemeinen Grundsätzen. Briand und Chamberlain haben den Iounalisten erst am Montag nachmittag von ihrer Uebereinstimmung erzählt. Am Dienstag morgen sind sehr verschiedene Versionen in der englischen und französischen Presse erschienen. Es ist nicht sehr lobenswert für Chamberlain, daß die völlige Uebereinsttmung die Engländer mehr erschreckt hat, als die Franzosen. Die Engländer befürchten, daß der englische Außenminister seinem französischen Kollegen nicht gewachsen war und Nfi er einem Text zugestimmt hat, dessen Bedeutung er selbst nicht versteht.
Frankreichs VerhetzungSpolitik.
^ Paris, 15. Juni. Der durch seine Hetze gegen Deutsch- land sattsam bekannte französische General Bourgeois, der als Referent für die Entwaffnung Deutschlands am Quai d'Orsay fungiert, hielt vor der Senatstommiffion für auswärtige Angelegenheiten einen Vortrag über den Stand der deutschen Rüstungen. Wie nicht anders zu erwarten, benutzte er die Gelegenheit zu neuen maßlosen Verleumdungen und wärmte wiederum das Märchen von der Reorganisation des großen Generalstabes in Deutschland und von dem Bestehen umfassender Geheimverbande und der militärischen Ausrüstung der Jugend auf. Seine Rede beendete er damit, daß er nachzuweisen suchte, daß der Stand der deutschen Rüstungen das Deutsche Reich für einen Konflikt gewappnet habe, und die junge Generatton für diesen Zweck ausgebildet sei.
Dieser neue Beweis von französischer Hetze gegen Deutsch- laub läßt erkennen, was wir von unserem westlichen Nachbar zu erwarten haben. Früher war es der General Foch, dann der General Rollet, die abwechselnd ihre Verleumdungen gegen Deutschland in die Welt hinausschrien. Jetzt ist es der General Bourgeois, und morgen wird es ein anderer sein, der das Verleumdungswerk Frankreichs fortsetzt. Wie soll man sich einen Sicherheitspakt mit einem solchen Volke denken, das kein anderes Ziel als die völlige Vernichtung des deutschen Volkes im Auge hat?
Eine volksparteiliche Entschließung zur
Entwaffnungsnote. ,
£ München, 15. Juni. In einer Versammlung der Deutschen Volkspartei gegen die Entwaffnungsnote erklärte General Karl G ch o ch, daß Frankreich in dieser Note seine Rache bis zum letzten auskosten wolle, während England die Gelegenheit benutze, um schon jetzt das Entstehen einer deutschen Konkurrenz zu verhindern, einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, die die Ueberzeugung ausspricht, daß die deutsche Regierung alles tun werde, um Deutschlands Ehre und Rechte zu wahren und die schon lange widerrecht- lich verzögerte Räumung der Kölner Zone durchzusetzen. In diesem schweren Kampf um Deutschlands Ehre und Freiheit
stellt sich die Versammlung in felsenfestem Vertrauen hinter den Reichspräsidenten von Hindenburg und die deutsche Reichsregierung.
Die Vaterländischen Verbände Bayerns gegen die Entwaffnungsnote.
München, 15. Juni. Das Präsidium der Vereinigte» Vaterländischen Verbände Bayerns wurde in Sachen der Entwaffnungsnote beim Ministerpräsidenten vorstellig, um ihn dringend zu ersuchen, sich in Berlin mit aller Kraft dafür ein» zusetzen, daß die Note zurUckgewiesen wird.
Vor der Wiederaufnahme der deutfch-italienischev Handelsvertragsverhandlungen.
£ Rom, 15. Juni. Ministerialdirektor Dehn hart, der Nachfolger des erkrankten Ministerialdirektors Stock- hämmern als Vorsitzender der deutschen Handelsdelegation, ist in Rom eingetroffen. Die Verhandlungen werden sich voraussichtlich nur auf einzelne technische Fragen erstrecken, da das neue Tarifgesetz noch nicht angenommen. ist. Die Verhandlungen werden auch durch die nur bedingte Annahme des spanischen Handelsvertrages ungünstig beeinflußt, da die landwirtschaftlichen Kreise Italiens befürchten, daß bei der Ratifikation wesentliche Puntte abgeändert werden könnte» und die industriellen Kreise wenig geneigt sind, Zirgeständ» nisse zugunsten der Landwirtschaft zu machen, die zum Abschluß des Vertrages notwendig sind.
Zersetzung der Deutsch-sozialen Partei.
^ Berlin, 15. Juni. Unter dieser Spitzmarke ist ei» Bericht durch die Presse gegangen, der, nach persönlicher Mit- teilung des Abg. K u n z e , den Tatsachen nicht entspricht. Von einer Zersetzung der Deutsch-sozialen Partei kann keine Rede sein. Unwahr ist, daß der erste Vorsitzende eine einheitliche Bewegung der Völkischen abgelehnt hat. Wahr ist lediglich nur, daß eine Anzahl Vertreter, unter ihnen Lehrer D r e w in, der frühere Vorsitzende des Landesverbandes dick und dünn geht, und elf andere Personen aus der Partei ausgetreten sind.
Eisenbahntarifreform.
❖ Berlin, 15. Juni. Am Sonnabend vormittag 10 Uhr trat im Sitzungssaals der Eisenbahndir^ktion Berlin der Reichseisenbahnrat zu einer Sitzung zusammen. Im Vorder- gründ der Verhandlungsgegenstände stand die Tariffroge. Auf Grund der Berichte über die Entwicklung der Tarifver» Hältnisse kam man im Ständigen Ausschuß einmütig zu der Auffassung, daß an Stelle des bisherigen schematischen Tarif- wesens, wenn auch nicht sofort, das individuelle zu treten haben werde. Während insbesondere die Vertreter der Be« amtenschast und der Konsumenten den Standpunkt vertraten, die Frachten bis zu 50 Kilometer seien viel zu teuer, bei großen Entfernungen dagegen zu billig, wodurch die Nah. zonen fast vollständig dem Automobilverkehr ausgeliefert würden und somit die Einnahmen aus dem Güterverkehr schwer beeinträchtigten, vertraten andere, namentlich süd. deutsche Kreise, den entgegengesetzten Standpunkt. Bei dieser Gelegenheit wurde amttich mitgeteilt, daß die Einnahmen ttt Reichseisenbahngesellschaft im Monat Mai trotz der zehn- prozenttgen Perfonentariferhöhung und trotz des erheblich gesteigerten Pfingstverkehrs weit hinter dem Voranschlag zu- Sblieben seien. Das Manko ist ausschließlich auf da« des verringerten Güterverkehrs zu setzen, dem seinerseits wieder sowohl die Wirtschaftskrise wie auch die K«t- kurrenz der Lastkraftwagen zugrunde liegen. Im Ständige« Ausschuß kam als einmütige Meinung zum Ausdruck, Das die 50 Millionen Vorzugsaktien, über die das Reich verfügt, nicht veräußert werden sollen, um ihren Hergang in ausländische Hände zu verhindern.
Kanton von den Regierungstruppen genommen.
Die Forderungen für die Wiederkehr der Ruh« in Schanghai.
❖ New Work, 15. Juni. Die Kantoner Regierung-arme« begann am Frettag morgen das Bombardement auf Kanton. Der Angriff erfolgte mittags von allen Seiten. Abends war Kanton genommen.
In Hankau blieb es ruhig. Die chinesischen Truppen unter General Hsimyaonang bewachten die Frenrüenviertek und unterdrückten alle Versuche, zu demonstrieren.
Kanton, 15. Juni. 3000 Mann der Kanton-Truppen überschritten von der Insel Honan aus den Strom und gingen drei Meilen östlich von Tungshan an Land. Oestlich von Tungshan, einer Vorstadt von Kanton, begann sodann ein Gefecht. Später drangen die Kantontruppen weiter in die Stadt ein. Sie kümpfen jetzt in der Nähe der Universität von Kanton, Ijalbwegs zwischen Tungshan und dem Ausländerviertel Schauten.
In Hankau befinden sich augenblicklich drei britische Kanonenboote, zwei amerikanische Kanonenboote, ehr amert»