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^ersfelöse Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 128

Donnerstag, den 4. Juni

1925

Das Wichtigste.

Die Veröffentlichung der Kontrallnote ist abermals hinaus geschoben worden. Die Note ist diesen Donnerstag in Berlin überreicht worden, ihre Veröffentlichung wird jedoch kaum vor Sonnabend erwartet.

In der Garantiepaktfrage ist endlich eine Einigung zwischen England rmd Frankreich zustandegekommen.

Nach Meldungen Reisender ist die bulgarische Haript- stadt Sofia von der Außenwelt völlig abgeschnitten. Bisher ist noch nicht ^bekannt geworden, welche Vorgänge sich in der Stadt abspielen.

Die Entwaffnungsnoit und der Gicherheiispakt.

Von Wilfried Diehard.

Wenn diese Zeilen im Druck erscheinen, sind wir mit der Pfingstüberraschung des Feindbundes beglückt, ist die Ent- waffnnngsnote in Berlin überreicht.

Die Votschafterkonfere'NF hüt diese State einstimmig ge- bMgt, wie es heißt. Bei genauer Betrachtung kommt jedoch nur eine formelle Billigung heraus, denn die verschiedenen Ziele, die England und Frankreich mit dieser Note verfolgen, konnten mit den unzureichenden Vollmachten der Botschafter­konferenz gar nicht ausgeglichen werden.

Im Lager der Alliierten zeigt sich deshalb eine große Verlegenheit. In London, wie in Paris weiß man, daß man vor großen Entscheidungen steht und man nicht mehr das Deutschland von 1919 vor sich hat, wo die HerrenNeger" nur mit der Stirn runzeln brauchten, und die Unterschrift war da.

Zudem ist die Stellung Frankreichs nicht mehr so ge­sichert wie bisher und die Zusammenarbeit mit England sehr MM^^WMMWWM«MM»WWe> ocn rattt- zügen, die er machen mußte, weil die übrigen Kabinettsmit- glieder seine Wege mcht mehr mitmachen konnten, schwer er- schlittert und die Tage seiner Amtszeit sind sicher gezählt.

Amerika will sein Geld zurück haben, und der Marokko- feldzug drückt schwer auf Frankreichs Finanzen. So erlebt man jetzt also, daß Briand in scharfen Tönen redet, Frank­reich gedenkt nichts vonseinem Siege" zu opfern, natürlich nur, um die Verlegenheit zu decken.

Mit der jetzt vorliegenden Entwaffnungsnote ist Eng­land, wie so oft nach dem Kriege, wieder einmal gründlich eingewickelt worden. Frankreich will die englischen Kräfte jetzt endgültig in feinen Dienst spannen. Nicht nur die fran­zösischen Grenzen soll England anerkennen, sondern auch die der übrigen Räuberstaaten, Polens, der Tschechoslowakei nnb Italiens. Das ist der Erfolg des deutschen Sicherheits- angebotes.

Verzweifelt wehrte sich England in letzter Minute gegen diese Zumutungen, doch die frankophile Politik Chamberlains hatte es festgelegt. Es wünschte wohl auf der einen Seite die Aufzählung einer Anzahl von Entwaffnnngsverstößen, um die Nichftäumung Kölns zu entschuldigen, forderte aber auch eine derartig Formulierung, daß die Erfüllung seitens Deutschlands in kürzester Zeit ermöglicht werden konnte. .

Daß aber Frankreich mit Deutschland überhaupt keine Verständigung haben will, Hat- es nicht nur deutlich ausge­sprochen, sondern auch durch seine politische Haltung gezeigt, Es wollte unklare Formulierung und schroffe Form der Note, daß es Deutschland dadurch unmöglich gemacht wird, jemals diesen Forderungen nachzukommen. Eine nochmalige Mi­litärkontrolle soll dieses bestätigen.

Mit dieser Entwaffnungsnote wird auch ein Antworts- entwurf Briands an Deutschland bekannt. Briand sagt, nur im Rahmen des Versailler Vertrages gäbe es Paktmöglich­keiten. Für jeden denkenden Menschen aber ist der Ver- sailler Vertrag nur eine Verklausulierung des größten Betruges der Weltgeschichte, ganz dazu angetan, Europa, solange es besteht, in dauerndem Kriegszustand zu halten, nur bamit das aussterbende, dege- nerierte Frankreich seinen Machtgelüsten nachgehen und die erste Geige in Europa spielen kann.

Briand gibt sich aber so naiv, zu erklärender könne den Abschluß eines Sicherheitspaktes nur davon abhängig machen, daß Frankreich im Falle einer Auseinandersetzung Deutsch­lands mit seinen östlichen Nachbarn bas_ Durchzugsrecht er­hält, daß eine Grenzregulierung im Osten überhaupt nicht zur Diskussion gestellt werden darf, und daß Frankreich sein Militärbündnis mit den Oststaaten aufrechterhalten kann.

Als Briand diese Forderungen kürzlich in seiner Etats­rede vorbrachte, zeigte sich jedoch die Uneinigkeit mit London. Es forderte von Frankreich Aufklärung über die Auslegung des Artikels 19 des Völkerbundes betreffs Revision der Der- träge und was mit dem Durchzugsrecht durch Deutschland gemeint sei. Ebenso wie die englische Regierung gegen Frank­reich mit dieser Anftage demonstrieren wollte, lehnt die eng­lische Presse den Antwortsentwurf Briands einmütig ab.

Wenn wir auch auf die Haltung Englands, die sich schon oft als wankelmütig gezeigt hat, nicht viel geben können, so wird es diesmal insofern aufrichtige Ablehnung sein, als Eng­land durch seine bisherige Politik sich so festgefahren hat, daß es sich unbedingt von Frankreich lösen muß; denn die Do­minions machen diese Politik nicht mehr mit.

Unsere Pazifisten sollten sich aber denneuen Geist, der seit London" herrscht, zu Gemüte führen. Hier liegt sein bester Beweis vor.

Sie englisch-französische Einigung in der Harantiepalifrage.

Den Franzosen der Durchmarsch durch die Rheinlandzone gestattet.

Paris, 4. Juni. Jules Sauerwein veröffentlicht im PariserM a t i n" folgende Darstellung über den Stand der französisch-englischen Garantieverftagsverhandlungen, die er von maßgebender Stelle erhalten hat: Die territoriale Ordnung Europas sei durch gesetzliche Verträge, besonders durch die Artikel 1016 des Völkerbundpaktes zum inter­nationalen Recht erhoben. Nach Artikel 4244 bestehe ein besonderes Regime für die Rheinlandzone, deren Verletzung eine feindselige Handlung gegenüber den Signatarmächten bedeute. Frankreich hätte durch eine dauernde Besetzung wirksame Garantien erlangen wollen, habe aber bei den Garantieverftagsverhandlungen mit England und den Ver­einigten Staaten darauf verzichtet. ©er Vertrag sei von Washington nicht ratifiziert worden, und seitdem versuche Frankreich, sich andere gleichwertige Garantien zu verschaffen. Mit England sei jetzt eine Verständigung erzielt worden. Donnerstag abend oder Freitag werde eine Note nach Lon­don abgehen, die sich nur noch auf Einzelfragen beziehe. Me wesentlichen Punkte der Verständigung seien folgende: Groß­britannien unterzeichne einen Pakt der Westmächte mit Frank- reich und Deutschland, nach dem es sämtliche Streitkräfte gegen einen Angreifer aufbiete, der die Neutralitätszone längs der belgischen und französischen Grenze angreife. An­dererseits halte England an sämtlichen Vertragsklauseln fest, Wenn Frankreich also im Falle eines Angriffes gegen eine ejgitiigti

bestimmten Sonderabmachungen seinen Verbündeten zu Hilfe zu kommen, werde England dem nichts in den Weg legen, Bei der Vielfältigkeit der Intereffen des britischen Reiches könne aber Großbritannien im voraus nur bei einer Ver- letzung der Rheingrenze militärische Verpflichtungen über- nehmen. Die britische Regierung sei schließlich der Meinung, daß der Garanttepatt erst nach Eintritt Deutfchlands in den Völkerbund in Kraft treten könne. Die französische Regie- rung wünsche ähnliche Abmachungen auch mit anderen Staaten, namentlich mit Italien, zu treffen. Die Frage sei jetzt, ob Deutschland den Pakt in dieser Form annehmen werde. Wenn Deutschland die Fortsetzung der Verhand­lungen, die es selbst angeregt habe, unter dem Vorwande ab- lehne, daß Frankreich auch weiterhin auf den bestehenden Ver- trägen fußen wolle, so erbringt es bamit den Beweis, daß die deutschen Vorschläge lediglich auf die Erschütterung dieser Verträge abgezielt hätten. Die alliierten Mächte werden dann andere Mittel zur Wahrnehmung ihrer Sicherheit aus­findig machen (!).

Englands Stellung zur Sicherheitsfrage.

London, 4. Juni. Der diplomatische Berichterstatter des LondonerDaily Telegraph" schreibt zur Sichsrheits- frage, die Anregungen der britischen Denkschrift seien weder detailliert, noch endgültig gewesen. Bindende Vorschläge könnten nicht ohne Mitwirkung der Dominions erfolgen. Tat­sächlich sei man in London der Ansicht gewesen, daß alle ins einzelne gehenden Fragen zurückgestellt werden sollten, um ie später durchzuarbeiten, wenn das erste Stadium erledigt ei. Der Berichterstatter fährt fort: Wenn auch die Frag« >er Verpflichtungen Frankreichs gegenüber Polen und der Tschechoslowakei im Zusammenhänge mit der entmilitarisierten Rheinzone eine Detailfrage sei, fei sie doch sehr wesentlich, und es sei nicht überrasche,>d, daß die französische Regierung sie bereits aufgeworfen habe und im Begriffe fei, ihre An- sichten in dieser Beziehung in einer für London bestimmten Note niederzülegen, die im Laufe der Woche zu erwarten sei. Es handle sich darum, daß die verriegelte Tür der entmilita­risierten Zone Frankreich (oder eventuell angesichts der Tat­sache, daß der Patt auf Gegenseitigkeit beruhe, auch Deutsch­land) offenstehen sollte. Diese Frage könne in verschiedener Weise geregelt werden, nämlich

1. im Zusammenhänge mit besonderen schiedsgerichtlichen und Schlichtungsverträgen, die zwischen Deutschland und seinen Nachbarn abzuschließen wären,

2. durch die in der Völkerbundsatzung vorgesehene Me- thode der Regelung von Streitigkeiten, oder

3. durch ein besonderes Verfahren, welches in dem Patte dargelegt wird und welches die Rechte und Verantwortlich- leiten der Unterzeichner regeln würde.

Mit anderenWorten, der Schlüssel zur Tür würde sich nicht in der Hand eines einzigen Treuhänders befinden, son­dern im Einklang mit der Gerechtigkeit benutzt werden. Wenn :. B. die Deutschen sich weigern würden, einer schiedsgericht- Jm Entscheidung zuzustimmen oder sich dem Schiedsspruch ji unterwerfen und einen ihrer östlichen Nachbarn plan- g anzugreifen, dann würde England zwar beiseite stehen, - der freie Durchmarsch der französischen Truppen durch . . entmilitarisierte Zone würde vorausüchtlich au» keinen bri.

tischen Widerstand stoßen. Wenn aber Poleü gegen »ü« Satzungen verstoße, so würde die entmilitarisierte Zone zwei­fellos unpassierbar bleiben. Die Bedingungen der französisch- polnischen Militärkonventton, die bisher geheimgehalten war. den seien, würden daher möglicherweise einer Aenderung unterzogen werden müssen, um sie mit dem neuen Pakt in Uebereinstimmung zu bringen. Der Berichterstatter schließt, es werde vielleicht noch einige Monate dauern, bis der Patt ausgearbeitet werden könne. Wenn die entmilitarisierte Zone unter allen Umständen für unverletzlich erklärt werden sollte, so würde die Ausgabe der Staatsmänner beträchtlich ein- facher sein.

Verzögerung in der Veröffentlichung der Botschafternote.

Paris, 4. Juni. Die Pariser Presse bestätigt nunmehr, daß der französische Botschafter in Berlin die Note der Bot- schasterkonferenz erhalten und sie sofort den alliierten Bot­schaftern übermittelt hat. Die Ueberreichung der Note wird nach den Blättern erst Donnerstag erfolgen, da Dr. Luther infolge der Abwesenheit Dr. Stresemanns das diplomatische Korps nicht vor Donnerstag empfangen kann. Das Ber­liner Auswärtige Amt soll außerdem Lord d'Abernon daraus hingewiesen haben, daß es infolge der Länge des Schriftstücks nicht in der Lage sei, die Veröffentlichung innerhalb der Frist von zwölf Stunden vorzunehmen. Infolgedessen werde um eine Verlängerung der Frist gebeten und angeregt, die Note in den Berliner Morgenausgaben vom 6. Juni erscheinen zu lassen.

Major von Hindenburg inS Reichswehrministerium versetzt.

Hannover, 4. Juni. Major von Beneckendorff und Hindenburg, der bisher in der Kavallerieschule in Hannover tätig war, ist in seiner Stellung als persönlicher, totoU des «MSflnmrn^^ rium versetzt worden. Sein Nachfolger in der Kavallerieschule ist der Major Brenken vom Gruppenkommando 2.

Hilfe für das besetzte Gebiet.

^ Aachen, 4. Juni. Dienstag vormittag traf der preu­ßische Handelsminister Dr. Schreiber zu einer mehrwöchi­gen Informationsreise durch das Industriegebiet in Aachen ein. Er besichtigte zunächst in der näheren Umgebung einige Bergwerksbetriebe, sodann in der Stadt selbst mehrere Fa­briken. Um 6 Uhr fand im Regierungsgebäud-, eine Bespre­chung mit den Spitzen der Behörden, Vertretern der Wirt­schaft, des Handels, der Handwerkskammer, der Berufsschulen und der Gewerkschaften statt. An der Besprechung nahmen auch mehrere Abgeordnete und Landräte des Aachener- Be­zirks teil.

Essen, 4. Juni. Reichsverkehrsminister Dr. Krohne traf zu Beginn einer zehntägigen Informationsreise durch das besetzte Gebiet in Begleitung von Ministerialdirektor Gutbrod, Abteilungsdirigent Geheimrat Koenig und Mini- fterialrat Niemack hier ein. Der Minister wünschte über die verschiedenen Verkehrsbedürfnisse des rheinisch-westfälischen Industriegebietes von maßgebender Stelle unterrichtet zu werden. In kleinem Kreise wurden insbesondere die allge­meinen Verkehrs- und Siedlungsfragen behandelt, die das Programm des SiedlungsverbandesRuhrkohlenbezirk" bil­den. In einer eingehenden Erörterung wurden darauf Fra­gen des Eisenbahnverkehrs und der Binnenschiffahrt im In- buftriegebiet behandelt. Eine kurze Besichtigung durch die Essener Siedlungen beschloß den Vormittag. Am Nachmittag fuhr der Minister nach Duisburg weiter-.

Treubekenntnis der Deutschen in der Tschechei.

^ Prag, 4. Juni. Der Deutsche Kulturverband in der Tschechoslowakei hielt in den P fingst tagen in der altehrwürdi- gen Bergstadt Iglau seine Hauptversammlung ab. Die Tagung war von den Vertretern der Ortsgruppen und Be­zirksverbände aus allen Seilen der tschechischen Republik sehr stark besucht, und zahlreiche Abgeordnete und Senatoren der deutschen Parteien nahmen daran teil. Direktor Dr. Pro - haska erstattete den Schulbericht und schilderte die schweren Sümpfe, die der Verband um die weggenommenen Schulen und Kindergärten zu führen habe. Der Errichtung von Pri- vaffchulen werden die une^örteften Hindernisse in den Weg gestellt, und ähnlich wie mit den Schulen sind die Verhältnisse hezüglich der Kindergärten des Verbandes. Der Bericht schließt mit dem Hinweis auf das weite Arbeitsgebiet, das sich dem Verbände in den deutschen Ansiedlungen in der Slowakei und Karpathenrußland eröffnet ^ü. Die Tagung, die in ihrem ganzen Verlauf den Charakter einer ernsten Arbeits- schau trug und von raufchenden Festlichkeiten und äußer­lichem Ponrp Abstand nahm, legte einmütiges Treuebekennt­nis zum Deutschtum ab.

Der französische Wiederaufbauminister zu den Reparationsleistungen.

$ Paris, 4. Juni. Der PariserMatin" veröffentlicht eine längere Erklärung des Wiederaufbaunnnisters Schmidt über die Reparationsleistungen. Bei der Durchführrmg der Naturalleistungen solle selbstverständlich soweit wie möglich