KersMerTageblatt
iKmMMHHmmmHiimmwwiimimiiMMMUM
Hneeigenpreis für die einspaltige Petffzelle lOPfg. für amtliche und ausmärtige Anzeigen 15 Pfg„ ■ ■ die ReWamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen ■ Dadilab. + Für die Schriftleitung Deranimortlldi :: Franz Funk in Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8. i
hersfel-er KreieMatT
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
Der Bezugspreis betrügt durch die Post bezogen monatildi 1.— lvk., aussdiliebl. Bestellgeld, für Bersfeld 1.— MK. 'bei freier Zustellung, Abholer —.80 M. X Dru* und Verlag non hud®lg Funks Bucbdrudierei in Bersfeld, Itlliglied des VDZV.
Nr. 120
Montag, den 25. Mai
1925
Das Wichtigste.
— Briand hat die ihm von Chamberlain zurück- gereichte Note über den Sicherheitspakt umge- arbeitet und sofort wieder wach London gesandt. Es ist wahrscheinlich, daß die Note Anfang dieser Woche an Deutschland abgesandt wird.
— Das Haager Schiedsgericht hat in dem Streit zwischen Polen und Danzig über die Anbringung polnischer Briefkasten zugunsten Polens entschieden.
— Von den Flugzeugen der Amundsen° Expedition, die am Donnerstag zum Flug nach dem Nordpol starteten, liegt bisher keine Nachricht vor.
England und der Sichecheilspakt.
Die Besprechungen zwischen Paris und London über den Sicherheitspakt gehen jetzt schon seit Wochen hin und her, ohne daß es dabei schon zu einer Uebereinstimmung in den Ansichten beider Länder über die Art des Garantiepaktes mit Deutschland gekommen wäre. Der Grund der Verzögerung liegt bei England. Das Sicherheitsangebot Deutschlands hatte in englischen Kreisen von vornherein starken Anklang gefunden. Doch England sitzt mit seiner Politik derart in der Zwickmühle, daß ihm eine Entscheidung schwer fällt. Wie die Entscheidung ausfällt, daran wird man die künftige Politik Englands erkennen können. Englands Außenminister Cham- b e r lain hat ohne Frage starke Sympathien für die Franzosen, Sympathien, die so weit gehen, daß er imstande wäre, sein Land an Frankreich zu verkaufen. Wenn er nicht schon längst auf all die Bedingungen Frankreichs für einen Sicherheitspakt ohne Zögern ein gegangen ist, so hat das seinen Grund allein darin, daß im englischen Parlament und der englischen Diplomatie klare Köpfe in richtiger CrkenntnlL.M_ land in sich birgt, mit ihrem Widerspruch und ihren Bedenken nicht zurückhalten.
Zum größten Teil sind diese Gegner Chamberlains in den Kreisen um Churchill zu suchen. Namen wie Lord Virkenhead, Amery und Churchi ll gelten aber, wenngleich sie nicht in den Vordergrund treten, sehr viel in der englischen Politik. Diese alten Parlamentarier haben Frankreich längst durchschaut und die wahren inneren Kräfte dieses Landes erkannt. Man soll aus ihrer Gegnerschaft gegen Chamberlains Politik nun nicht gleich schließen wollen, daß sie deutschfreundlich sind, das wäre ein recht voreiliger Fehlschluß. Aber sie erkennen den geringen Wert Frankreichs als Bundesgenossen. Frankreich ist morsch in seinem Mark, all seine Macht und Größe sind künstlich aufgeblasen. Frankreichs Kraft ist verbraucht und zehrt sich, je größer die Anstrengungen sind, mehr und mehr auf. Der Keim des französischen Volkes ist krank, und keine Regierung wird imstande sein, dies Volk, das längst auf dem absteigenden Aste feiner Machtskala ist, zum Weltvolke zu machen.
Neben dieser Erkenntnis ringt sich aber in England mehr und mehr die Auffassung durch, daß diese enge Freundschaft mit Frankreich erhebliche Gefahren in sich birgt und einen Hemmschuh für die englische Außenpolitik bedeutet. Seit dein Kriegsende hat Frankreich systematisch seine Politik dahin eingestellt, England in sein Schlepptau zu nehmen. Der Zerfall der englischen Weltmacht durch die Selbständigkeitsbestrebun- gen seiner Dominions hat das französische Vorhaben nur gestärkt, und heute ist England so weit, daß es seine Ueber- flügelung durch Frankreich nicht mehr leugnen kann. Natürlich nutzt Frankreich diese Situation für sich aus, indem es jetzt feine Bedingungen stellt, immer in der festen Zuversicht, daß England zu schwach ist, um sich dagegen zu wehren. So hat Frankreich in seinem Garantiepaktentwurf sehr geschickt die Sicherung der Ost grenzen Europas, von denen im Anfang gar nicht die Rede war, hineingeflochten und verlangt nun die Anerkennung dieser durch die Friedensvertrage geschaffenen Grenzen von England. In England herrscht heute kein Zweifel mehr darüber, daß die willkürlichen Erenz- berichtigungen der Oststaaten keine sichere Gewähr für dauernden Frieden in Europa bieten können, die Existenzberechtigung und -fähigkeit der neuen Staaten im Osten und Südosten Deutschlands wird stark in Zweifel gezogen. Würde aber England bedingungslos den französischen Garantiepaktvorschlag annehmen, so würde es sich verpflichten, für Sicherung und Erhaltung dieser Willkürgrenzen an der Seite Frankreichs zu kämpfen. Daraus könnten ernste Verwickelungen für England entstehen, die absolut nicht im Interesse seiner Außenpolitik lägen. Angenommen, Deutschland würde mit einem der östlichen Vasallenstaaten Frankreichs in einen Krieg verwickelt, und Frankreich verlangte den Durchmarsch durch Deutschland zur Unterstützung seines Verbündeten, so würde sich England in diesem Falle als Teilhaber des Garantiepaktes vor die peinliche Tatsache gestellt sehen, diesem Oststaate gu liebe, an dem es keinerlei Interesse hat,, mit Deutschland noiens volems in ein feindliches Verhältnis zu kommen.
England steht an dem Wendepunkt seiner Geschichte. Die Entscheidung über den Sicherheitspakt ist gleichzeitig die Ent- scheidung über seine künftige Politik und sein Schicksal.
Dr.
Der umgearbeitete Antwortentwurf auf die Sicherheitsnote wieder in London.
y Paris, 25. Mai. Der französische Antwortentwurf auf das deutsche Sicherheitsangebot wurde gestern nachmittag auf
Grund der englischen Anregungen von Philipp Berthelot, dem Generalsekretär des Auswärtigen Amtes, und dem Polizeidirektor Laroche umgearbeitet und von Briand gutgeheißen.
Das Schriftstück ist nach dem „Petit Journal" noch gestern abend nach London übermittelt worden und wird in den ersten Tagen der nächsten Woche der deutsche« Regierung überreicht werde«.
Im britischen Kabinett ist eine wachsende Stimmung gegen den Pakt festzustellen. Chamberlain, der sich für das Projekt ausgesprochen hatte, stünde heute, so wollen Londoner Blätter wissen, fast allein da. Eine endgültige Ableh- nung hätte aber seinen Rücktritt zur Folge und würde dadurch eine sehr schwierige Lage zwischen Frankreich und England schaffen.
Der Danzig-Polnische Briefkastenkonflikt zugunsten Polens entschieden.
es London, 25. Mai. Zur Entscheidung des ständigen internationalen Gerichtshofes über die Danziger Briefkasten- frage, wonach Polen das Recht hat, nur innerhalb der Grenzen des Hafens von Danzig einen Postdienst einzurichten, hat, wie an hiesiger zuständiger Stelle verlautet, der Völkerbund die Grenzlinie derart gezogen, daß die von der polnischen Regierung angebrachten Briefkästen noch gerade in das Danziger Hasengebiet fallen. Die Frage ist somit zugunsten Polens entschieden worden.
Die Entscheidung des Haager Schiedsgerichtshofes im Danziger Poststreit wird von der polnischen Presse mit der
günstig, da Chamberlain schon im März eine Polen günstige Haltung eingenommen hat und gegenwärtig England und Frankreich einen neuen Konfliktsstoff vermieden sehen wollten. „Kurier Poranny" hält die endgültige Definition des Hafenbegriffes für eine unpolitische, rein technische Frage. Das Blatt hofft, daß Danzig endlich einsehen werde, daß die Versuche, technische Fragen zu politischen Problemen zu machen, bei den internationalen Faktoren keine Unterstützung fänden.
Polnische Hetze gegen Ostpreußen.
ö" Danzig, 25. Mai. In einem langen Artikel nimmt das Danziger Polenblatt „Gazeta Gdanska" gegen Ostpreußen Stellung, das von dem Blatt als „Quelle der zukünftigen Kriegswirren" bezeichnet wird. Das Blatt behauptet zunächst, daß Deutschland über eine große Armee verfüge und bringt die geradezu lächerliche Erklärung zustande, daß die Zahl der versteckten Maschinengewehre in Deutschland zur Ausrüstung von 100 Divisionen ausreicht. Der Verfasser des Artikels hat anscheinend in seinem Leben noch sehr wenig mit dem Militär zu tun gehabt, denn er versteigt sich weiter zu dem Urteil, daß die Mo-orpflüge sehr leicht zu Panzer- tanks umgearbeitet werden könnten, und daß die Privatflug- zeuge sehr leicht zu Kriegsflugzeugen umzugestalten seien.
Als Hauptkriegsarsenal wird dann Ostpreußen bezeichnet, das angeblich bereit sein soll, auch ohne das übrige Deutschland gegen Polen loszuschlagen. Natürlich würde ihm aber dann nach Ansicht des Verfassers das Deutsche Reich zu Hilfe kommen.
Worauf dieser Artikel hinausläuft, merkt man aber dann sehr rasch, indem nämlich der Verfasser verstärkte Rüstungen Polens, und vor allen Dingen eine starke Militärmacht an der ostpreußischen Grenze verlangt. Gleichzeitig wird die unwahre Behauptung aufgestellt, daß die polnische Armee nur 320 000 Mann zähle, von denen 150 000 ungeschälte Rekruten seien. Dem stehen die Erklärungen des polnischen Kriegsministers während seines Aufenthalts in Frankreich gegenüber, der davon sprach, daß Polen jederzeit eine Mil - lionenarmee in Bereitschaft habe.
Es wäre an und für sich belanglos, was für Abrüstungs- politik ein kleines Polenblüttchen macht, wenn nicht all solche Dinge nur zu gern vom Auslande aufgegriffen würden. Deswegen muß man diese Ausführungen als das festnageln, was sie sind, nämlich Verdrehung und Unsinn.
Erregung in Südtirol über die Rede Mussolinis.
es Innsbruck, 25. Mai. Die Rede Mussolinis hat in Süd- tirol ungeheure Erregung hervorgerufen. Die Innsbrucker Nachrichten erklären, niemand in Deutschland oder Oesterreich denke daran, Südtirol mit Waffengewalt von Italien zu reißen. Aber d i e Deutschen Südtirols hätten das Recht, in kultureller und wirtschaftlicher Beziehung nicht derartig verfolgt zu werden, wie jetzt. Was die Zukunft angehe, so könne auch Mussolini nicht genau sagen, wie sich die Verhältnisse gestalten werden.
Unterdrückung des Deutschtums in der Tschechoslowakei.
c? Paris, 25. Mai. Nach einer Meldung aus Prag hat der Innenminister die Postbehörden angewiesen, darauf zu achten, daß während der Dienststunden nicht Deutsch gesprochen wird. Auch deutsche Angestellten dürfen unter Androhung sofortiger Entlassung nur Tschechisch sprechen.
Schwere Ausschreitungen französischer Soldaten in Bingen.
es Berlin, 25. Mai. Vor einigen Tagen gegen 10 Uhr abends trieben sich in Bingen ein französischer Korporal und zwei Soldaten in stark angetrunkenem Zustande auf der Straße umher. Auf dem Markt entstand deswegen eine Menschenanscunmlung. Als der 23jährige Techniker Johann Münch hinzutrat, kam einer der Franzosen auf ihn zu und versetzte ihm ohne jede Veranlassung einen heftigen Schlag auf das rechte Auge und nahm ihm den Stock ab. Der an- dere Soldat versetzte dem Mönch ebenfalls mehrere Faustschläge ins Gesicht. Als der Polizeiwachtmeister Kunz hin- zukam, stieß einer der Franzosen ihm mit der Faust gegen den Hals. Der andere Soldat hatte inzwischen ein langes, offenstehendes Messer gezogen und versetzte damit plötzlich dem ruhig dastehenden Zuschauer Sperling von der Seite aus einen Stich in den Leib, an dem Sperling seitdem lebensgefährlich daniederliegt. Der Soldat ergriff darauf sofort die Flucht. Der Wachtmeister Kunz nahm den anderen Soldaten darauf fest und brächte ihn zur Wache. Während dieser Vorfälle befand sich der Korporal auf der Salzstraße und bedrohte dort die Passanten mit seinem blanken Seitengewehr. Zwei deutschen Schutzleuten gelang es nur mit Mühe, ihn zu über- wältigen und zur Polizeiwache zu bringen.
Sturz des belgischen Kabinetts.
y Paris, 25. Mai. Der Mißtrauensantrag gegen das Kabinett Ban d e Vyvere, der durch den liberalen Abgeordneten Max eingebracht wurde, ist mit 98 Stimmen.dLL
Gotiken bei neun Enthaltungen angenommen worden. Ban de Vyvere hat sich unmittelbar darauf in das Palais begeben, um dem König seine Demission zu unterbreiten.
Der König hat darauf den sozialistischen Kammerpräsidenten Brunet mit der Kabinettsbildung beauftragt.
Herriot zur Marokkosrage.
y Paris, 25. Mai. Auf der Tagung des Generalrates des Rhonedepartements sprach Herriot über die Marokko» frage. Er sagte u. a., man beschuldige ihn, er habe seine Pflicht nicht getan. Er stehe über diesen Verleumdungen. Zwischen ihm und Lyautey habe immer völliges Einverneh- men bestanden, der stets die internationalen Verpflichtungen Frankreichs geachtet und sich gegenüber den Spaniern der größten Korrektheit befleißigt habe. Dem Marschall sei der Vorwurf gemacht worden, daß er unvorsichtigerweise eine Stellung jenseit der Ouergha besetzte. Die Stellung liege aber innerhalb der französischen Grenze. Ihre Besetzung sei aus Gründen der Sicherheit dringend geboten gewesen. Die Tat- sache, daß sich der Kampf innerhalb der französischen Hoheits- zone abspiele, sei ausschlaggebend. Die Schuld für das Blutvergießen falle auf die zurück, die die Rifkabylen zur Ermordung der französischen Soldaten verleitet hätten.
Nach dem offiziellen Bericht vom Kriegsschauplatz in Marokko ist es General Chambrun gelungen, das ganze Gebiet des oberen Ouergha vom Feinde zu säubern^ Auf dem rechten Flügel hätten die französischen Truppen nach heftigen Kämpfen gestern abend die Gegend von Mediuna erreicht. Der linke Flügel habe den Feind nach Norden zurückgedrängt und Mulay-Ain-Djemen besetzt. Die Verluste der Franzosen seien verhältnismäßig gering. Im Osten übe der Feind einen starken Druck auf verschiedene Stämme aus, so daß die Lage dort immer noch sehr ernst sei.
Der Mißerfolg Malvys.
Paris, 25. Mai. Malvy ist aus Madrid zuröckgekehrt. Nach dem „Journal" konnte Malvy nur die Erlaubnis für die französischen Truppen erwirken, bei der Verfolgung der Rif- leute in die spanische Zone einzudringen. Selbstverständlich müssen sie sich nach der Bestrafung des Feindes wieder zu- rückziehen.
Der Reichspräsident in Hannover.
es Hannover, 25. Mai. Reichspräsident vonHinden - bürg ist Freitag nachmittag in Begleitung seines Sohnes, des Majors von Hindenburg, in Hannover eingetroffen. Ein besonderer Empfang war nicht vorgesehen. Der Reichspräsident, der auf dem Bahnhof stürmisch begrüßt wurde, begab sich sofort im Auto nach seiner Villa in der Seelhorststraße. Heute abend werden die Programmpunkte des am Sonntag vom Hannoverischen Rennverein verunstalteten „Hindenburg- rennens" festgelegt werden. Sonnabend nachmittag veran- staltete der Deutsche Iägerbund, der in Hannover vom 23. bis 25. Mai seinen dritten Bundestag abhält, einen Vorbeimarsch am Hause des Reichspräsidenten. Er hat dem Reichspräsidenten eine Ehrenadresse überreicht. Der Reichspräsident wird voraussichtlich erst am Donnerstag oder Freitag dieser Woche nach Berlin zurückkehren.
4......