Einzelbild herunterladen
 

Reisfelder Tageblatt

Anzeigenpreis für die einspaltige Petitzelle 10 Pfg. für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezelle 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dachlah. + Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk In Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8.

Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfels

Der Bezugspreis betrügt durch die Post bezogen monatlich I. Mk., ausschllehl. Beltellgeld, für Bersfeld 1. Oik. bei freier Zustellung, Abholer .80 mit. * Druck und Verlag non hudmig Funks Buchdruckerei in Bersfeld, (illtglled des VDZV.

Nr. 113

Freitag, den 15. Mai

1S2S

Das Wichtigst«.

Die französifcheNoteüberdiedeutschen Verfehlungen in der Abrüstungsftage liegt in Lon­don zur Prüfung vor.

Frankreichs Antw ort au f den deutschen Sich erheitsvorfchlag stellt sich als ein Fühler dar, denn nach den bisherigen Auslassungen will Frank­reich Deutschland zu einem neuen Schritt in der Sicherheitsfrage veranlassen.

Reichspräsident von Hindenburg emp­fing am Mittwoch Abordnungen aus dem Reiche und am Donnerstag mittag das auswärtige diploma- tische Korps. . -.----------

Der Faktor England. R

Von Wilfried Diehard.

Seit Abschluß des Schandvertrages gibt England der Welt Rätsel auf. Die sonst so klare englische Politik ist von Lloyd George verfahren worden, und seine Nachfolger haben es noch nicht fertiggebracht, dem Lande seine alte Stellung M-elderzugeben.

Dom 16. Jahrhundert an regierte in England der Adel, bis ihm nach dem Burenkriege die Kraft dazu entschwand. Hier setzte die Sätiigteit des englischen Erzberger, Lloyd Georges, ein. Er brächte es auch zuwege, daß die staats­rechtliche Stellung des Oberhauses zertrümmert wurde.

Um die Jahrhundertwende, als alle Kräfte der Welt- politik in höchster Bewegung märend, als Rußland sich stark in Ostasien betätigte, und England in Afrika vorging, sah alles auf die Mittelmächte, daß diese sich nicht auf eine Seite der ringenden Kräfte stellten. In diese Zeit fällt das eng­lische Bündnisamgebot an Deutschland, Hier mutete Gag- land uns zu, kaum daß die Verhandlungen begannen, StWQifrWMiMiiiM^^

Mandschurei auszudehnen, Rußland zu brüskieren und schließlich endgültig gegen uns auszuspielen. Andererseits suchte England uns auf Marokko als Ausbeutungsland auf- nievksam zu machen, gerade zu der Zeit, als das ganze Denken und Trachten Dslcaffäs, des französischen Außenministers, auf den Erwerb dieses Landes gerichtet war. Es wollte eben unt aller Gewalt versuchen, uns festzulvgen; die Ver- Handlungen waren mir Mittel.

Durch die englische Politik geht wie ein roter Faden der Grundzug: England ist immer her Gegner der stärksten FMandsnracht. Das war Deutschland aber inzwischen ge- worden. Entweder mußte es nun unser Gegner werben, oder sich so fest mit uns verbünden., daß unsere Interessen gleichli^fsn. England und Deutschland verbün. det, würden die Herren der Erde sein.

Damit, daß England sich an die Entente kettete, beging es den größten Fehler der neueren Geschichte. England, ob­wohl auf Seiten der Sieger, verlor mit uns zusammen den Krieg, denn es verlor seine politische Handlungsfreiheit. Lloyd George schloß mit den Franzosen so ungeheure Kom­promisse, daß England sich heute gezwungen sieht, mit den Franzosen durch dick und dünn zu gehen. Das englisch- französische Freundschaftsverhältnis hat sich aber schon sehr getrübt. England fühlt sich heute durch, Frankreich selbst stark bedroht. Der Franzose besitzt die stärkste Luft­flotte der Welt, 'deren Bedeutung noch wächst, weil sie zu zwei Dritteln aus Bonibenstaffsln besteht und darum offen­siven Charakter trägt. Er hat in Ealais und an der Küste 1ö0-Kilvmeter-Geschütze aufgebaut, dtrrch ein Militärabkom­men mit Belgien, das sich in der Hauptsache gegen England rietet, hat Frankreich auch die belgische Küste in der Hand. Der Ausbau des Hafens bei Zeebrügge als .Flottenstützpunkt zeigt England, wo der Franzose hinaus will.. Die Haupt- schwierigwiten Großbritanniens liegen aber in leinen Be­sitzungen. Sei es in Irland, sei es in Indien, Kanada, Australien, Asglypten usw., wo man hürsieht, hat Frank­reich seine Finger im Spiel. Das größenwahnsinnige Frank- reich will seinen ehemaligen Verbündeten vernichten, um sich selbst an seine Stelle zu setzen.

Hatte schon Lloyd George die Karre verfahren, Mac- Donald gab ihr den Rest. Die Dominions suchen sich vom Mutterland« zu trennen, und es war höchste Zeit für das Land, daß eine konservative Regierung ans Ruder kam.

Die Lage Englands wurde zwar in kürzester Zeit gün­stiger, welche Schwierigkeiten aber für England bestehen, zeigt die Nichtväumung Kölns.

Trotzdem es in letzter Zeit versucht hat, den Vertrag einAuhalteNv mußte es sich wieder auf die Seite Frankreichs schlagen, um für seine Wünsche tat Orient Zugeständnisse zu erhalten.--

England wird niemals deutsche Politik treiben. Beide Länder sind aber in derselben Lage, sie sind von Frank- reichs Gnaden abhängig. Es ließen M sicher Wege finden, in England einen Verbündeten zu stoben. Hier darf keine Gefühlspokitik aufkommen; für uns kann es nur die eine Frage geben: Wie kommen mir von Frankreich los?

England wird sich aber nicht an einen politischen Leich­nam hängen. Wenn wir aktive LttchenpolMk ttewen müssen wir uns vor allem im Innern stärken. Bundnis- fühig ist nur, wer innerlich stark ist.

Hindenburg empfängt.

Der Reichspräsident empfing das - _,^^

Präsidium des Reichstages, den Präsidenten Löbe, den Vizepräsidenten Dr. Dell und den Vizepräsidenten Graef-Thüringen; Vizepräsident Dr. Rießer hatte sich wegen Krankheit entschuldigen lassen. Der Reichs­präsident erwiderte dem Reichstagspräsidium auf feine Glückwünsche:Ich freue mich, Sie bei mir begrüßen zu können. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß diese Be- Snung der Anfang einer durch keine Mißverständnisse ge. bten vertrauensvollen Zusammenarbeit sein wird. Ich bin mir bewußt, daß gerade in einer Republik die Würde und das Ansehen der Nation in hohem Maße in die Hände des Parlaments gelegt ist. Das Ausland wird uns um so mehr Achtung zollen, je mehr wir selbst in unserem ganzen Auftreten die Selbstachtung eines aufrechten und stolzen Volkes bewähren. Helfen Sie hierzu mit, meine HerrenI"

Der Vertretung des Reichsrates

erwiderte Reichspräsident von Hindenburg:Ich freue mich, meine Herren, in Ihnen die Vertreter derjenigen Stelle unseres Derfassungslebens begrüßen zu können, der in ihrem Doppelcharakter als Organ des Reiches und als Vertretung der Länder eine besonders wichtige Aufgabe obliegt: Dem reichen Eigenleben der deutschen Länder haben wir ein gutes Teil der Vielgestaltigkeit und Fruchtbarkeit der geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung unseres Volkes zu danken. Wir würden die besten Quellen unserer Kultur verstopfen, wenn wir gewaltsam an der Selbständigkeit der Länder rütteln wollten. Sie dürfen überzeugt sein, daß ick/ es mir stets zur Aufgabe machen werde, die berechtigten Gigmarten der einzelnen deutschen Länder zu schonen und ihre Wünsche und Bedürfnisse nach Kräften zu fördern."

Die preußische Staatsregierung überbrachte danach die Glückwünsche Preußens, worauf der Reichspräsident folgende Ansprache hielt:Ich danke Ihnen,

Sie Mühe unterzogen haben,

mir bei Antritt meines Amtes in Berlin einen WillkoEens- gruß zu entbieten. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie innig ich mich persönlich mit unserem alten Preußen ver­bunden fühle. Möge es Ihrer Arbeit beschieden sein, getreu den großen Ueberlieferungen des preußischen Staates, den besonderen Pflichten Preußens innerhalb des Deutschen Reiches gerecht zu werden, damit Preußen weiterhin die feste Klammer bleibe, die unsere Ost- und Westmark an den Körper des Deutschen Reiches kettet."

Der Abordnung der Wehrmacht antwortete Hindenburg:Wehmut und Stolz erfüllen mein altes Sol'datenherz, wenn ich Sie, meine Herren, die Der- treter der heutigen deutschen Wehrmacht, begrüße. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, mit wie großer innerer Anteil­nahme ich in den Jahren meiner stillen Zurückgezogenheit die schwere und hingebende Arbeit verfolgt habe, die Sie unter den schwierigsten Verhältnissen geleistet haben. Mit stolzer Genugtuung dürfen Sie auf Ihr. Werk blicken. Die kleine deutsche Wehrmacht steht heute, unberührt von den Kämpfen der Parteien und politischen Meinungen, aufrecht da. Sie wird getragen von dem Gefühl der Verpflichtung gegenüber der großen Tradition unseres alten Volksheeres. Möge es Ihnen auch weiterhin gelingen, aus der deutschen Reichswehr das wirksame Instrument ehrlichenFriedenswillens zu umchen, das sie allein fein soll. Meiner, Ihres Oberbefehls­habers, Unterstützung dürfen Sie bei diesen Bestrebungen stets gewiß sein."

Unseren deutschen Eisenbahnern

gab der deutsche Reichspräsident den Wunsch mit auf den Weg:Aus Ihren fteundlichen Begrüß ungsworten habe ich eine Bestätigung der besonderen Schwierigkeiten entnehmen müssen, unter denen Sie, meine Herren, und die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft zu arbeiten haben. Sie sollen die doppelte Aufgabe erfüllen, große Erträge zur Erfüllung unserer internationalen Verpflichtungen herauszuarbeiten, dabei aber gleichzeitig unsere schwer darniederliegende Wirt­schaft zu fördern. Ich vertraue, daß es Ihnen doch gelingen wird, trotz aller Schwierigkeiten diesen Forderungen gerecht zu werden, und freue mich, von Ihnen zu hören, daß die deutschen Eisenbahner willens sind, alle ihre Kräfte zu diesem Ziele, der Wiedererstarkung des Vaterlandes, einzusetzen."

Später überbrachte der Oberpräsident der

Provinz Brandenburg

die Glückwünsche der Provinz, die Hindenburg mit den Worten erwiderte:Ich bitte Sie, Herr Oberpräsident, der ganzen Provinz und ihren truen Bewohnern meinen herz­lichsten Dank zu sagen für die mancherlei Kundgebungen der Zuneigung und des Vertrauens, die ich in den letzten Tagen erfahren habe und denen auch Sie soeben fteundlichen Aus­druck gaben. Mein langes Soldatenleben hat mich oft mit Söhnen dieses Kernlandes des preußischen Staates und damit des Deutschen Reiches zusammengebracht, und überall habe ich ihr aufrechtes Wesen und ihre Arbeitsamkeit schätzen gelernt. Ich hoffe zuversichtlich, daß wir auch weiterhin gute Freunde und Nachbarn bleiben werden." '

Außerdem empfing Hindenburg die Vertreter der Reichsbank, der Stadt Berlin, der Berliner Polizei usw., denen er in seiner überaus fteundlichen und gütigen Art für ihre Glückwünsche dankte.

Der Empfang der Staatssekretäre.

Der Reichspräsident empfing dann die Staatssekretäre des Reichs. In ihrem Namen richtete Staatssekretär D r. Ioel (Reichsjustizministerium) folgende Worte an den Herrn Reichspräsidenten:

Herr Reichspräsident!

Namens der Staatssekretäre der Reichsministerien ge­statte ich mir, Ihnen unsere ehrerbietigen Glückwünsche beim Antritt Ihres hohen Amtes auszusprechen. Die in den Staatssekretären der Reichsministerien vertretene Beamten­schaft des Reiches ist durch die Staatsumiwälzung und die damit verbundene politische und wirtschaftliche Umschichtung vor scbwerste Aufgaben gestellt worden. Getreu ihren großen Traditionen, hat die Beamtenschaft in zäher, oft entsagungs­voller Arbeit alle Kraft darangesetzt, das Reich vor der Auf­lösung zu bewahren und die staatliche Ordnung sicherzu» stellen." ( .

Der Herr 'Reichspräsident erwiderte hierauf: 4! MMT Meine Herren!

Ich danke Ihnen für die fteundlichen Wünsche, die Sie mir dargebracht haben, und freue mich, Sie persönlich kennen- zulernen. Ich bin mir voll bewußt, daß die Beamtenschaft des Reiches in selbstloser und hingebender Arbeit wesentlich dazu beigetragen hat, daß in den schweren Jahren nach dem Zusammenbruch die staatliche Ordnung und die Einheit des Reiches erhalten geblieben sind.

Der Empfang der Staatssekretäre

Der Reichspräsident empfing am Donnerst^ mittag hie Glückwünsche der beglaubigten ftemden Missionschefs. Hierbei hielt der Doyen des diplomatischen Korps, der apostolische Nuntius Monsignor Pacelli, in französischer Sprache eine Ansprache, die in Uöbersetzung wie folgt lautet:

Herr Reichsp'väsidenti

Das biplomatisdje Korps ist hocherfreut, heute sich um Ihre Person vereinigen zu können, um dem neuen Reichs­präsidenten, seine aufrichtigen und ehrerbietigen Glückwünsche darzübringen. Wir hegen den Wunsch, daß unter Ihrer

!iwgS!SBwe*w|iieM

:s)i'c materielle Wohlfahrt, ihre Arbeits- und Produktwns- fähigkeit, sondern auch die Güter höherer Ordnung zur Müte bringen möge, die die sicherste Gewähr für ZivMsation und Fortschritt der menschlichen Gesellschaft bieten. Mr wün­schen, »daß unter Ihrer höchsten Leitung der deutsche Staat nach außenhin seine Beziehungen zu den anderen Völkern befestigen möge zum Tri-umph der großen Sache der Weltbeftiedarng. In diesem Sinne sei es dem, der es sich zur Ehre und Freude rechnet, heute das Wort an Sie zu Ächten, gestattet, die göttlichen Segnungen auf Sie, Herr Reichspräsident, und die deutsche Ziation herabzu- flehen."

Der Reichspräsident erwiderte mit folgenden Worten:

Herr Nuntius!

Die Worte, die Eure Exzellenz im Namen des diplo- inatischen Korps an mich als den vom Deutschen Volke er­wählten Reichspräsidenten zu richten die Güte hatten, er- widere ich mit Enrpfindungen aufrichtigen Dankes. Seien Sie versichert, Herr Nuntius, daß ich die von Ihnen ausgesproche­nen GedaMen der Entwicklung aller Elemente des merffchlichen Fortschritts in vollem Maße würdige. Wer an die Spitze eines großen Volkes berufen ist, kann keinen höheren Wunsch kennen, als -den, sein Volk in Frieden und Gleichberechtigung an den Aufgaben der Welt mitwirken zu sehen. Was an mir liegt, auf diesem hohen Platz zur Lösung der unserer Reit gestellten Ausgaben beizutragen, das soll mit Ernst, mit Ge- rvissenhaMgkeit, mit voller Hingabe geschehen. Wenn alle Völker gleichen Willens sind, wird auch Gottes Segen, den Sie, Herr Siuntius, für uns anrufen, der Welt nicht fehlen."

Die Räumung des SanktionSgebieteS.

Die Pariser Blätter ermatten, daß bei der Abfassung der Kontrollnote mühelos volles Einvernehmen zwischen den Bot­schaftern erzielt wird. Die noch bestehenden Meinungsver- schiedenhetten zwischen Frankreich und England seien nur technischer Art und bezögen sich in der Hauptsache auf die Methode des einzuschlagenden Verfahrens. Auf französischer Seite lege man besonderen Nachdruck auf gewisse Verfehlun- gen, denen die englische Regierung seine besondere Bedeu­tung beimesse. Ueber die Räumnngsftage bestehe volle Ueber- einftimmung. Die Kölner Zone werde erst ge- räumt, wen Deutschland die Verfehlungen wiedergutgemachthoibe. WiePettt Paristen" mel- det, wird'die Note nach der Ueberreichung in Berlin nett öffentlicht werden, ebenso das Gutachten des Marschalls Foch und wesentliche Auszüge aus dem Bericht der interalliierten Kontrollkommission. Die Räumung des Ruhrge- bietes werde nach dem Londoner Abkommen am 1. September erfolgen. In den letzten Monaten seien Abtransporte französischer Truppen ständig fort- gesetzt worden. DieRäumungDuisburgs.Ruhr- örts und Düsseldorfs sei jedoch eine Frage für sich, weil die Besetzung diese,r drei Städte als Sanktton für Verstöße gegen Vertragsklauseln vorgenommen worden sei Wahrscheinlich werde die Räumung der drei Städte noch vor der Räumung der Kölner Zone erfolgen, wenn Deutschland eine Reihe der Verstöße abgestellt habe.