Hersfel-er Tageblatt
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Nr. 104
Dienstag. den .5 Mai
1925
Das Wichtigste.
— Wie aus Paris verlautet, wird die französische Antwort auf den deutschen Sicherheitsv or- schlag beschleunigt.
— Die französischen Gemeinderats, wählen am vergangenen Sonntag haben den Linksparteien einen vollen Sieg gebracht. Die Rechtsparteien müssen den Sieg zugestehen und bemerken, daß er bei Hindenburgs Wahl in Deutschland um so bedeutungsvoller wäre.
— Vor dem Untersuchungsausschuß für die Ruhrkredite legte Reichsaußenminister D r. Stresemann die damalige Notlage der Ruhrindustrie dar und betonte die Notwendigkeit des Eingreifens der Regierung.
Das amtliche Endergebnis der Reichspräsidentenwahl.
Nach den Berechnungen des Reichswahlleiters stellt sich das endgültige amtlidje Ergebnis der Reichspräsidentenwahl vom 26. April wie folgt:
Zahl der Stimmberechtigten nach der Stimmliste 38 930 298; Zahl der abgegebenen Stimmscheine 493 357; Zahl der Stimmberechtigten zusammen 39 423 655; Zahl der ungültigen Stimmen 261051; Zahl der gültigen Stimmen 30 351948. Davon sind entfallen auf
Hindenburg Marx . . . Thälmann zersplittert
14 655 766;
13 751615;
1931151;
13 416.
Die Luftwaffe der Zukunft
Von Wilfried Diehard.
Wohl auf keinem Gebiet stellen sich der Erforschung fremd- ländischer Verhältnisse solche Schwierigkeiten entgegen wie beim Studium des Flugwesens eines fremden Staates. _ So zahlreich auch die Nachrichten und Pressemeldungen eintreffen, so widersprechend und irreführend sind sie. Die Gründe sind verständlich: denn: 1. ist die Luftwaffe im Zukunftskriege ein kriegsentscheidendes Kampfmittel. Kein Staat wird daher wichtige Nachrichten über diese Waffe verbreiten, sondern zu täuschen suchen, um sich das Moment der Ueberraschung zu sichern; 2. ist das Flugzeug ein technisches Kunstwerk mit ungeahnten Entwicklungs- und Ve^endungsmöglichkeiten, an dessen Geheimhaltung sowohl die Industrie wie der Staat das größte Interesse haben; 3. stellt in keinem Staat die augenblickliche aktive Lufttruppe einschließlich ihrer Material- resevven den wirklichen Stand der Luftmacht dar, sondern die Gesamtheit seiner Luft- und Luftverkehrsorganisationen und insbesondere der Stand seiner Lustindustrie. Bei keiner anderen Waffe besteht infolgedessen eine ähnliche Abhängig-
ländischer
Eine Rheinlandkundgebung in Wien.
Bei der großen Rheinlandkundgebung in Wien am vergangenen Sonntag führte Vizekanzler Dr. Waber in seiner Festrede u. a. noch aus: „Erst dann, wenn sich die Sprach- und die Staatsgrenzen decken, wird der Aufbau und der Ausgleich unter den Völkern Europas im Sinne des Selbstbestimmungsrechts vollzogen sein. Der europäische Frieden, der auch das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes war, ist aber die Voraussetzung der nationalen, wirtschaftlichen und sittlichen (Entfaltung aller Völker Europas und die Voraussetzung für einen wahren Weltfrieden und die wahre Weltgeltung. Wie die Westmark ihre besonderen Auf- gaben gegenüber dem deutschen Volke hat, so müssen wir im Osten eingedenk sein, daß nur der'Anschluß an das große, einheitliche deutsche Wirtschaftsgebiet die Entwicklung des deutschen Volkes in Oesterreich fördern kann. Für uns in der Ostmark wie für das Rheinland gilt der Satz: Das Gut eines Landes ist immer dann am größten, wenn seine Einheit mit dein deutschen Vaterlande am festesten geschlossen ist. Der Zusammenhang mit dem Deutschen Reich wirb in Zukunft immer enger gestaltet werden müssen." Für die Großdeutsche Volkspartei gab D r. Wotawa eine Erklärung ab, in der es heißt: „Die Großdeutsche Volkspartei erwartet von den Regierungen des Deutschen Reiches und Oesterreichs, daß alle
vorstreckenden Industrie zu treten. Wenn das Reich nicht in der Loge war, die Zahlungen zu leisten, so mußten sie eben das Risiko übernehmen, die Auslandskredite aus eigenen Mitteln zu decken, eventuell zusammenzubrechen oder einen anderen Weg zu finden. In einer Sitzung des Wiederaufbauministeriums vom 1& Januar 1924 ist bereits die gesamte Belastung Der Zechen aus den Repa- cationsverträgen auf mehr als 50 Millionen im Monat geschätzt worden Die Herren haben mitgeteilt, daß ihre Hoffnung auf rusländische Kredite sich nur zum Teil erfüllt hätten und daß sie vollkommen am Ende wären, wenn damals nicht schon direkt eine Mitwirkung des Reiches bet der Tragung der Micumlasten erfolg, wäre. Die Verhandlungen mit den Sachverständigen ließen uns damals schon erhoffen, eine Anleihe für das Reich zu bekommen. In den Verhandlungen der Micum mit der Sechserkommission vom 9. April 1924 hat der französisch« Delegierte Franzen die Leistungen des Ruhrbergbaues bereits auf 200 Millionen Gold- mark geschätzt. Er hat erklärt, er lehne Ermäßigungen in bezug aus Kohlensteuer usw. ab. weil da» Reich durchaus in der Lage sei, die Micumverträge zu finanzieren. C» handelte sich um vorgestreckte Reparationszahlungen des Deutschen Reiches, die das ©eutfdx Reich zu übernehmen hatte und die zu übernehmen es sich verpflichtet hat, sobald seine Finanzen in Ordnung wären. Hieraus ergibt sich für mich, daß das Reich auch eine privatrechtlich «Bindung übernommen hat Es ist auch in den Verhandlungen dieses Ausschusses davon gesprochen worden, daß anscheinend eine spezielle Ausschaltung der der So- noldemokratie ang -hörenden Mitglieder des Reichskabinetts bet tiefer Frage stattgefunden hätte. Eine derartige Autsch al tu ng ist nicht erfolgt. Auch der Wiederaufbau- minister Schmidt ist nicht etwa ausgeschaltet worden. Nach diesen Verhandlungen haben Besprechungen in Anwesenheit der Minister Sollmann, Schmidt und Braun mit den Herren Stinnes und Mögler stattgefunden. Irgendein Grund, die socialdemokratischen Minister auszuschliesten, kann auch politisch gar nicht Vorgelegen haben.
tes ist daher eine ganze Reihe von Faktoren zu ergründen und in Zusammenhang zu bringen, von denen folgende die
Prof. Hoetzsch über die Politik der Deutschnationalen.
DieDeutjchnationaleVolkspartei, Wahl- kreisWestfalen-Süd, hielt am Sonntag in der Stadthalle in Hagen i. W. ihren diesjährigen Parteitag ab^ Reichs- gärig ben Swg des":latdmasen
Gedankens. Mit Ergebnis müsse und werde sich auch das Ausland abfinden. DerRedner befürwortetcden Fortbestand des Reichsblocks als des Ein-
• " ' teien, der segensreiche
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wichtigsten sind:
1. Stärke der aktiven Lufttruppe und ihrer Reserven Personal und Material, 2. Grad der Ausbildung des flieg den und technischen Personals, 3. Stand des zivilen Flugwesens und seine Bedeutung für den Kriegsfall, 4. Zusammenwirken zwischen den militärischen und zivilen Luftbehör- den, Organisationen und der Luftindustrie, 5. Stand der Flugtechnik, 6. Leistungsfähigkeit der Luft- und deren Hilfsindu- strie, 7. die Betriebsstofflage. Aus dieser Aufzählung ist ohne weiteres zu erlernten, daß man die Luftmacht eines Staates nicht nach der Zahl seiner Dienstflugzeuge beurteilen darf, wie man es etwa bei den Stärkeangaben einer Flotte zu tun pflegt; die Friedensgliederungen der Luftstreitkräfte eines Staates können uns höchstens einen ungefähren Anhalt über seine Schlagkraft bei Eröffnung der Feindseligkeiten geben.
Eine weitere Schwierigkeit in der Beurteilung der rein militärischen Stärke einer Luftmacht liegt noch darin, daß bisher nur England und Italien eine zweckentsprechende Teilung in die drei gleichberechtigten Waffen: Heer, Flotte und Luftstreitkräste, durchgeführt haben, während bei allen übrigen Mächten die Zahlen über das Personal und die Ausgaben für die Luftwaffe mit denen für Heer und Flotte übergreifen.
An erster Stelle unter den Luftmächten steht Frankreich. Trotzdem es noch keine einheitliche oberste Lüftbehörde hat, treibt es seit dem Jahre 1919 eine zielbewußte, klare Lustpolitik. Es organisierte frühzeitig einen weit-gestreckten Lustverkchr, der heute im Osten bis Warschau und Konstan- tinopel, im Norden bis Amsterdam, im Westen bis London, im Süden bis Ajazzio auf Korsika und Dakar im französischen Aeauatorialafrika reicht.
Es nahm das Luftwesen Polens und der Tschechei unter seine Leitung, stellte eine aktive Lufttruppe auf, die mit 12 Luftregimentern und einer selbständigen Luftgruppe mit zusammen 106 Staffeln im Inland und mit 2 Luftregimentern und vier selbständigen Luftgruppen mit zusammen 26 Staffeln außerhalb des Mutterlandes die stärkste der Welt ist.
Die Organisation der affinen ßu f t st r et t f r ä f t e zeigt einen ausgesprochenen offensiven C ha - rakter': ein Drittel aller Lufttegimenter sind mittlere und schwere Bombenregimenter, die im Kriege, zu Luftbrigaden und Luftdivistonen zusammengefaßt, den Angrsff sofort auf das feindliche Gebiet nach Ausbruch der Mobilmachung eröffnen können. Das bisher vernachlässigte Marineflugwesen wird seit dem vorigen Jahre erheblich ausgebaut. Die Industrie, die nach dem Kriege in technischer Hinsicht zweifellos einen Rückschritt gemacht hatte, erlebt zurzeit einen nicht zu unterschätzenden Aufschwung; ihre Leistungsfähigkeit wird von keinem Lande übertroffen. Der mißlichen Betriebsstoff- läge Frankreichs wird durch großzügige Anlage von Oeltanks
an
fliegen»
daß alle dip puvlizhii
Dienst dieser Aufgabe gestellt werden."
Eine Anfrage im Reichstag zu dem Stargarder Eisenbahnunglück.
Die Deutsch nationale Reichstagsfrak- tion hat anläßlich des schweren Eisenbahnunglücks im polnischen Korridor folgende Interpellation eingebrachi:
„Am 1. Mai, früh hat sich im sogenannten polnischen Korridor ein furchtbares Eisenbahnunglück des l)-Zuges 4 ereignet, bei dein nach den jetzt vorliegenden Zeitungsnach- richten 25 Fahrgäste tödlich verunglückten und eine noch größere Anzahl mehr oder weniger schwere Verletzungen erlitten. Dieser durchgehende v-Zug wird fast ausschließlich von deutschen Reisenden benutzt. Nach weiteren Zeitungsnachrichten scheint die polnische Regierung die Schuld an dem Unglück einem verbrecherischen Attentat zuschreiben zu wollen.
Ist die Regierung berett, nötigenfalls durch energische Einwirkung
1. die polnische Regierung zu veranlassen, daß den Hinterbliebenen der beklagenswerten Ostfer ausreichende - ------- ezahlt werden?
mit der polnischen Regierung
„„„ che Reichsbahngesellschaft zur ver-
antwortlichen Instandhaltung des Oberbaues und der Kunst- bauten der früheren deutschen Bahnen auf dem jetzigen polnischen Territorium mit herangezogen wird und daß bie - — ~ chgaugszüge auf polnischem Gebiete auch von
mbeamten begleitet werden?"
deutschen Dur, deutschen Bah:
eitsblocks
sierte die Politik
zu steuern gesucht. '
So ist Frankreich nach dem Kriege die erste Luftmacht der Welt geworden und macht alle Anstrengung, sich in dieser Vormachtstellung gegenüber dem britischen Reiche zu behaupten, das heute ernstlich bemüht ist, seine Luftgeltung zurückzugewinnen, die es während des Krieges besessen hatte.
Der Reichsaußenminister vor dem UntersuchungS- Ausschuß für Ruhrkredite.
Vor dem Untersuchungsausschuß des Reichstages über die der Ruhrindustrie gezahlten Entschädigungen wurde Montag vor. mittag der von seiner Krankheit genesene Reichsaußenminister Dr. Stresemann vernommen. Dr. Stresemann, der zu der frag- lichen Zeit als Reichskanzler den Briefwechsel mit Stinnes geführt hatte, erklärt« über die Absichten der Parteien bei dem Vertragsabschluß folgendes: Bei den damaligen Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und dem rheinisch-westfälischen Kohlenberg- bau sind die Verpflichtungen der Reichsregierung weit über den Charakter einer moralischen Verpflichtung hinausgegangen. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß beide Parteien davon ausgegangen sind, daß das Reich eine Verpflichtung übernommen hatte, die auch unter Umständen von der anderen Seite einklagbar gewesen wäre. Es geht das aus den Verhandlungen hervor, an denen ich wesentlich mit teilgenommen habe, und in denen die Gegenseite eine Erklärung der Regierung forderte mit folgender Begründung: Sie sönne den Ruhrbergbau nur dann wieder in Ordnung bringen, wenn es ihr gelinge, Auslandskredite aufzu- nehmen. Ihre eigenen Mittel reichten dazu in keiner Weife aus. Die Aufnahme ausländischer Kredite sei lehr schwierig. Man brauche ein Instrument, um diese Kredite zu erreichen, und das sei die Verpflichtung der Reichsregierung, nach Ordnung der Rcichsfinanzen ihrerseits an die Stelle der die Reparationslasten
Arbeit geleistet habe. Er kri der Zentrumspartei, die entgegen ihrer Ueberzeugung sich mit den Sozialdemokraten liiert habe, um ihren Kan- didaten durchzubringen. Er hoffe, daß das Zentrum sich wie- der besinnen werde und auch die Demokraten ins bürgerliche Lager zurückfänden, um die Sozialdemokraten zu zwingen, eine staatsbürgerliche Politik zu treiben. Hindenburg werde sich niemals im Dienste einer Partei mißbrauchen lassen. Die Deutschnationalen hätten immer den Standpunkt vertreten, die Verfassung anzuerkennen und auf ihrem Boden zu arbeiten. Eine menberung auf gesetzmäßigem Wege könne man ihnen nicht verargen, denn die Weimarer Der- fassung sei letzten Endes kein unabänderliches Dogma und kein Meisterwerk. Die Deutschnationale Volkspariej habe den Wählern die Reform und Ordnung des Zollsystems, die Lösung der Aufwertungsfrage. der Frage der Handelsverträge und des Schutzes der Währung versprochen. Dieses Versprechen müsse und wolle man halten. An den Handelsverträgen bemängelt der Redner, daß es Provisorien nur so geregnet habe, aber keines zu einem befriedigenden Ende gekommen sei. Zur Außenpolitik übergehend, betonte der Redner, daß er einer derjenigen Abgeordneten der Deutschnationalen Volkspartei gewesen sei, der für die D a w e s g e s e tz e gestimmt habe, obwohl er sich über die Schwierigkeiten und die Nachteile, die sie mit sich bringen mußten, nicht im unklaren gewesen sei. Er habe sich jedoch von der Mitarbeit Amerikas viel versprochen. Der Dawes- plan sei nur durchführbar im Rahmen der Leistungsfähigkeit unseres Volkes.
Enttäuschung im Völkerbund.
Es verlautet, im Sekretariat des Völkerbundes sei man über das Ausbleiben eines Gesuches Deutschlands um Auf- nähme in den Völkerbund sehr enttäuscht. Es wird erklärt, man könne unmöglich Deutschland weitere Zugeständnisse machen.
Kein „Ruck nach rechts" in Frankreich.
Sieg der Linken bei den französischen Gemeinderatswahlen.
Am Sonntag fanden in Frankreich die Wahlen für die Gemeinderäte statt. Insgesamt waren 430 000 neue Gemeinderäte zu wählen. Im allgemeinen war die Wahlbeteiligung sehr rege. Unter den Kandidaten befinden sich 251 Abgeordnete, 50 Senatoren und zwei Minister. Im letzten Augenblick erging die Weisung, daß Stimmzettel von weiblichen Kandidaten angenommen werden dürfen, obwohl sie nicht wählbar sind. Doch kann die Stimmenzahl, die sie erhalten, für den männlichen Kandidaten Stichwahl zur Folge haben. Man sieht zahlreiche Stichwahlen voraus, da die Zahl der Kandidaten die der vorhandenen Sitze um fast