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yersfelöer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt^ Mmtlichsx Mnzeiger für den Kreis Hersfels

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Nr. IM

Freitag, den 1. April

1925

Das Wichtigste.

Generalfeldmarschall von Hindenburg hat durch ein Schreiben an den Reichswahlleiter erklärt, daß er seine Wahl annehme.

Dr. Marx hat aus Sigmaringen an Hinden­burg ein Telegramm gerichtet, in dem er ihm die Hilfe des Volksblocks zusagt.

Die Rede Dr. Luthers auf dem Industrie- und Handelstag hat bei den Alliierten starken Ein­druck gemacht und ihnen die Gewißheit gegeben, daß sich in der Innen- und Außenpolitik Deutschlands nichts ändert.

Hindenburg nimmt seine Wahl an.

Generalfeldmärschall v. Hindenburg hat in einem Don­nerstag beim Reichswahlleiter eingegangenen Schreiben vom 29. April erklärt, daß er bereit sei, die Wahl anzunehmen.

Die Danksagung Hindenburgs.

Generalfeldmarschall von Hindenburg übermittelt zur Verbrerttrng folgende Danksagung:Allen den Dielen, die meiner gelegentlich der Relchspriisidentenwahl freundlich ge­dacht haben, kann ich nur auf diesem Wege meinen herzlichen, tiefempfundenen Dank sagen, weil ich anderweitig sehr be-

ansprucht bin.

v. Hindenburg.

Dr. Marx an Hindenburg.

Dr. Marx hat von Sigmaringen aus an den General­feldmarschall von Hindenburg ein Schreiben gerichtet, in dem er in folgenden Worten zur Wahl Hindenburgs Stellung nimmt:

Euer Exzellenz! Das deutsche Volk hat Euer Exzellenz zum Reichspräsidenten gewählt. Es entspricht dem Geiste echter Demokratie, daß nunmehr jeder, der sich zu ihr bekennt, zur Entscheidung der verfas-

richtigen Wunsch und die Hoffnung auszAsprechen, daß unter Ihrer Präsidentschaft das deutsche Volk die innere Ruhe und den äußeren Frieden finden möge, wonach unser aller Streben geht. Möge der eingeleitete wirtschaftliche Gesundungspro- zetz zum Segen von Volk und Reich ungestört fortschreiten; möge die Durchdringung des ganzen öffentlichen Lebens in wahrhaft demokratischem und sozialem Geiste jene Krank- Heitserscheinungen heilen, die der Krieg und Deutschlands Zusammenbruch hinterlassen haben, und damit die sittliche Reinigung unseres Volkes beschleunigen. Möge es unserem deutschen Volke vergönnt sein, auf dem eingeschlagenen Wege der internationalen Verständigung in Frieden und Wohlfahrt recht bald wieder die Stellung in der Welt einzunehmen, auf die es dank seinen Fähigkeiten und seinen Leistungen An­spruch hat.

Mit der Versicherung meiner llesonderen Hochachtung bin ich Euer Exzellenz ergebener

gez. Marx, Reichskanzler a. D.

Marx an seine Wähler.

Reichskanzler a. D. Marx hat an die Parteien und Wühler des Volksblocks eine Kundgebung erlassen, in der es heißt:Es ist mir ein tiefempfundenes Bedürfnis,, den über 13^ Millionen deutscher Männer und Frauen, die am Wahltag mit' mir ein aufrichtiges Bekenntnis zum republikanisch-demokratischen Staat abgelegt haben, herz­lichsten Dank zu sagen. Die Entscheidung ist gegen uns ge­fallen. Generalfeldmarschall von Hindenburg ist zwar nicht mit absoluter Mehrheit zum Reichspräsidenten gewählt, aber infolge der staats- und arbeiterfeindlichen Haltung der Kom­munistischen Partei hat sich doch eine relative Mehrheit des deutschen Volkes für den Kandidaten des Reichsblocks er­geben. Es ist für uns indes ein stolzes Bewußtsein, daß die Wähler des Volksblocks sich von klarer politischer Erkenntnis leiten ließen. Wir als Schützer der Verfassung haben die heilige Pflicht, in dem verfassungsmäßig gewählten Reichs­präsidenten den Repräsentanten des deutschen Volkes und der deutschen Republik zu achten. Wir dürfen nicht in den Fehler unserer Gegner verfallen, die ehe Huec Ver­unglimpfung und Verdächtigung des Vorgängers des jetzigen Reichspräsidenten zurückschreckten, und damit sich gegen die Gebote der Staatsautorität schwer versündigt haben. Wir schämen uns nicht unserer Niederlage, denn wir haben als aufrechte Männer und Frauen ehrenvoll und nicht ohne Erfolg gekämpft. Uns-eint die klare Erkenntnis der harten Notwendigkeiten unserer Außenpolitik; uns eint das Bewußtsein, daß ein unzweideutiges Bekenntnis zur deutschen Republik die notwendige Voraussetzung einer starken Staatsautorität ist; uns eint der Wille, unser ganzes öffentliches Leben mit sozialem Geiste zu durchdringen."

Der Volksblock dankt Marx.

Unter Führung des Reichstagsabgeordneten Dr. Haas- Karlsruhe hat sich eine Abordnung des Volksblocks zum Reichskanzler a. D. Marx nach Sigmaringen begeben, um ihm im Namen des Volksblocks für die aufopferungsvolle Arbeit Dank zu sagen, die er als Präsidentschaftskandidat für die vom Volksblock vertretene«ruÄikanisch-demokratiscks

Zdee geleistet hat. Reichskanzler a. D. Marx hat gebeten, >ei seiner Rückkehr von jeglichem Empfang abzusehen. Er oird noch einige Tage in Sigmaringen verbringen.

Die Rede des Reichskanzlers.

Reichskanzler Dr. Luther hat in seiner Rede vor dem Deutschen Industrie- und Handelstag das Schweigen gebro­chen, das seit mehr als zwei Monaten auf der ganzen außen- politischen Lage gelastet hatte. Nachdem die diplomatischen Erörterungen der Sicherheits- und Räumungsfrage zum Stillstand gekommen sind, hat die deutsche Regierung den Wunsch, die Diskussion möglichst schnell wieder in Fluß zu bringen. Dr. Luther hat den gegenwärtigen Augenblick wahr­genommen, um im Hinblick auf die Wahl des Generalfeld- narschalls Hindenburg zum Reichspräsidenten vor aller Welt zu demonstrieren, daß die bisherige Regierungspolitik in Deutschland unverändert fortgeführt werden soll. Der Kanzler betonte dieses Prinzip in dem Satz:Eine Politik der Klarheit und der Gewißheit muß vom Gesetz der Kon­tinuität beherrscht sein und kann nicht willkürlich ihre Rich--

tung ändern."

Großen Eindruck hat es auf die politischen Kreise ge­macht, was der Kanzler über das Räumungsproblem aus- geführt hat. Danach wird die noch immer völlig unklare Haltung der alliierten Regierungen hinsichtlich der Räumung der nördlichen Rheinlandzone von deutscher Seite nicht nur als ein schweres Unrecht, sondern auch als ein Umstand der höchsten Unsicherheit betrachtet. Wenn der Kanzler nach mehr als drei Monaten des Aufschubs der Räumung der nörd­lichen Rheinlandzone jetzt eine substantiierte Begründung für die Richträumung fordert, so kündigt er damit einen diplomatischen Schritt an, den die Reichsregierung inner­halb der nächsten acht Tage zu unternehmen gedenkt.

Auffallend kurz hat sich der Reichskanzler über die Sicherheitsfrage ausgesprochen. Er beschränkte sich darauf, mit Nachdruck zu betonen, daß sich der Standpunkt der Reichsregierung in dieser Frage nicht im minbeften geändert habe. Wir glauben zu wissen, daß diese Zurückhaltung des liti feben

die Sichsi , _ in den Hintergrund gestellt haben, würde es die Lage der deutschen Regierung außerordentlich schwächen, wenn jetzt gerade von deutscher Seite der Versuch gemacht würde, die Diskussion vorzeitig wieder in Gang bringen zu wollen. Solange die alliierten Regierungen sich noch nicht zu den deutschen An­regungen geäußert haben und ihrerseits auf dem Standpunkt verharren, daß Deutschland seinen Eintritt in den Völker­bund vollziehen müsse, ehe die offiziellen Verhandlungen über einen Sicherheitspunkt beginnen können, muß sich die deutsche Regierung so lange abwartend verhalten, bis die alliierten Regierungen ihren bisherigen Standpunkt geändert haben. Man glaubt daher in den Kreisen des Auswärtigen Amtes nicht, daß vor dem Spätsommer überhaupt ernsthafte Sicher­

Man glai nicht, daß

' " c Fluß gebracht werden können. Die

früherer Verhandlungen wäre nur dann ge­geben, wenn die englische Diplomatie wieder die Initiative ergreifen und auf die französische Regierung einen ent­sprechenden Einfluß ausüben sollte.

Im gegenwärtigen Augenblick ist es von besonderer Mchtigkeit, darauf hinzuweisen, daß die Erklärungen des Reichskanzlers unmittelbar nach seiner Besprechung mit dem neuen Reichspräsidenten von Hindenburg abgegeben worden sind. Diese Tatsache läßt darauf schließen, daß der neue Reichspräsident sich mit den politischen Richtlinien des gegen­wärtigen Reichskabinetts vollkommen einverstanden erklärt hat. Es Sammt daher den Erklärungen Dr. Luthers dem Auslande gegenüber auch eine gewisse demonstrative Be-

heitsverhandlungen in Möglichkeit früherer '

deutung zu.

Der Eindruck der Kanzlerrede bei den Alliierten.

Amerika zur Luther-Rede.

Die New Yorker Presse beschäftigt sich eingehend mit der Luther-Rede und beurteilt die politischen Verhältnisse, wie sie durch die Reichspräsidentschaft Hindenburgs ge- schaffen siind, nicht ungünstig. New York Times glaubt, daß sowohl in der Innen- wie in der Außenpolitik alles beim Alten bleiben werde. Die Blätter betonen, daß der Dawes- Plan nicht gefährdet fei.

Auch in amerikanischen Wirtschaftskreisen hat die Rede einen außerordentlich günstigen Eindruck gemacht. Besonders die Versicherung des Kanzlers, daß Deutschland den Ver- pflicktungen des Dawes-Planes nachkommen werde, hat die letzten Befürchtungen zerstört, daß die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten einen Kurswechsel der deutschen Außenpolitik bringen könnte. Die Erklärungen des Kanzlers über die Räumung Kölns und des Ruhrgebietes finden, ebenso wie der Wunsch nach einer Aussprache über den Sickerheitspakt, starkes Verständnis. Nur die Losung der drei brennenden Fragen, der Räumungs- und Sicherheits- frage und des Dawes - Abkommens, könne den dauernden europäischen Frieden gewährleisten.

Die LondonerTimes"

sagt in einem Leitartikel, Reichskanzler Luther habe nach einer Besprechung mit dem Reichspräsidenten eine be­deutende Rede gehalten, in der er erklärte, daß die Haupt- mtschen Außenpolitik unverändert blieben,

deutende Rede gel,-------, ... ..

richtlinien der deutschen Außenpolitik unverändert

). h. mit anderen Worten, daß die Paktvorschlüge heute aoch Gültigkeit besäßen, und daß der Weg für die Staats­männer der westlichen Mächte offen sei, diese Verhandlungen sortzusetzen. Dr. Luther habe in feiner Rede angebeutet, Saß eine weitere Verzögerung der Abrüstungsfrage und die Kichträumung Kölns den Abschluß des Sicherheitspaktes er­schweren würde.

Das Echo in Paris.

Die Rede des Reichskanzlers erregte in Paris um so größeres Interesse, als angenommen wird, daß Marschall hindenburg sich an der Abfassung beteiligt habe. Besondere Bedeutung wird der Feststellung beigelegt, daß das Siche- rungsangebot aufrechterhalten werde. Aus der Rede gehe unzweideutig hervor, daß der deutschen Regierung daran liege, das Ausland mit der Tatsache der Wahl Hindenburgs auszusöhnen.O e u v r e" meint, man wolle in Deutsch­land zu geflissentlich nachweisen, daß die Wahl Hindenburgs keinerlei politische Tragweite habe. Luther gehe sogar so­weit, zu behaupten, daß Deutschland einen Eicherungspakt mit Frankreich nur abzuschließen wünsche, um endlich ge­schützt zu sein. Bei allen Uebertreibungen sei der Kanzler im Recht, wenn er die Veröffentlichung der wichtigsten Stellen des Kontrollberichtes fordere.

MeinungSverschiedenheiten in der Botschafterkonferenz.

Der französische Außenminister B r i a n d empfing am Mittwoch Jules Cambon, den Vorsitzenden der Bot­schafterkonferenz, sowie M a r s ch a l l Fach, den Präsiden­ten des Interalliierten Militärausschusses. Die Beratung soll in Zusammenhang mit der Sitzung der Botschafterkonfe- renz stehen. Es gehen Gerüchte um, nach denen sich zwischen den französischen und englischen Vertretern in der Botschaf­terkonferenz wieder recht weitgehende Meinungsverschieden­heiten über die Deutschland äuszuerlegenden Bedingungen ergeben hätten.

MMbWt^W Aussprache verschoben.

Wie der diplomatische Korrespondent des Daily Tele- graph meldet, hat d e F l e u r i a u weder eine schriftliche Antwort der französischen Regierung auf die deutschen Sicherheitsvorschläge mitgebracht, noch über den in Aussichl genommenen Besuch Briands in London gesprochen. So­wohl in der Frage der deutschen Abrüstung wie des Sicher- Heitsproblems halte man den Zeitpunkt für einen persön- ichen Gedankenaustausch zwischen den Ministern noch nicht ur gekommen. Die Kernfrage des französischen Kabinetts ei die Finanzlage, die die Aufmerksamkeit des ganzen Mini- teriums für geraume Zeit binde, da die Richtlinien der Finanzpolitik in spätestens zwei als drei Wochen festgelegt sein müßten.

Chamberlain und die Räumung Kölns.

Austen Chamberlain erwiderte auf eine Anfrag, im englischen Unterhaus, daß er denTag der Räu - mung Kölns noch nicht angeben könne. Der Ab geordnete Thomson fragte, ob Chamberlain eine Andeutunj machen könne, wann er in der Lage sein wezde, die Erklä rung abzugeben. Chamberlain antwortete:Rein." 6h liberales Mitglied fragte hierauf, ob Chamberlain sich übei die Wirkung dieser fortgesetzten Verzögerung auf die öffent liche Meinung in Deutschland und die Frtedensaussichte, Europas klar wäre. Chamberlain sagte darauf:Ich glaubt nicht, daß diese Frage in Erwartung einer Antwort gestellt worden ist."

Der Rheinseitenkanal.

Auf der Mittmochsttzung der Fentral-Rheinkommifsior wurde über den Schweizer Plan der Rheinregulie, r u n g und den französischen Plan der Rhein-Seitenkanäll beraten. Schließlich wurde der schweizerische Plan angenom men, jedoch mit wesentlichen Abänderungen zugunsten bei französischen Planes. Die Vertreter Deutschlands übler Stimmenthaltung.

Preußischer Landtag.

Braun verteidigt sich.

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Nachdem der Landtag zunächst Anträge auf Linderung der Kreditnot von Landwirtschaft, Handel und Gewerbe dem Haupt­ausschuß überwiesen hatte, setzte er die politische Aussprache über die Regierungserklärung fort. Dabei ergriff als erster

Ministerpräsident Braun das Wort. Er begannt mit einer Berichtigung seiner ersten Rede, in der er bekanntlich Herrn von Zitzewitz mit Barmat auf eine Stufe gestellt hatte. Nachdem er sich informiert habe, daß andere Herren in ein Strafverfahren verwickelt seien, bleibe er dabei, daß es zur Gesundung der poli­tischen Verhältnisse beitragen würde, wenn man das Urteil ab- warte, bevor man die Geschäfte des Landtages durch solche Er­örterungen aufhalte. Er wandte sich dann weiter gegen den deuischnationalen Abg. Lüdicke, der ausgeführt habe, er, der Mi­nisterpräsident, hätte sich zur Schuldlüge bekannt. Diese Behaup­tung sei falsch, und ebenso eine Lüge, wie die, daß Deutschland und seine Verbündeten d'e allein Schuldigen am Kriege seien. 3 m weiteren Verlauf seiner Ausführungen