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HersMer Tageblatt

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Amtlicher Anzeiger für öen kreis HersfelS

Nr. 96 (Erstes Blatts Sonnabend, den 25. April 1925

Der Bezugspreis betrögt durch die Post bezogen monatlich L Mk., aussdiflefil. Bestellgeld, für Bersleid 1. MK. bei freier Zustellung, Abholer .80 Mk. * Druck und Verlag Don Ludwig Funks Buchdruckerei in Bersleid, (uliglled des VDZV.

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Das Wichtigste.

Täglich gehen Telegramme der ameti fa ichenFinanzweltein, diedieLegendevon der Sperrung der a m e r i k a n i s ch en Kredite im Fall« der Wahl Hindenburgs aufs schärfste verurteilen

Der Reichsblock in Berlin veranstaltete am Freitag eine Kundgebung, in der Dr. Saures einen flammen d«n Aufruf für Hindenburg erließ.

Der jugoslawisch-bulgarische Konfli kt spitzt sich immer mehr $ u. Jugoslawien hat eine scharfe Note an Bulgarien gerichtet.

Der F o ch b e r i ch t über Deutschlands .Verfehlungen liegt in London zur Begutachtung vor.

Briand hat gesprochen. . .

In den maßgebenden Berliner außenpolitischen Kreisen wird die außenpolitische Rede, die der neue französische Mi­nister des Äeußern, Briand, in der Kammer gehalten hat, ehr lebhaft kommentiert. Es muß natürlich besonderes Ans­ehen erregen, daß Briand besonders betont hat, es seien chwierige Verhandlungen im Gange. Diese Aeußerung läßt klar darauf schließen,daß jetzt wieder zwischenLondon undsParis die Verhandlungen ununterbrochen geführt werden, ohne daß Deutschland irgendwie in den Gang der Diskussionen eingreifen könnte, obwohl es in der Hauptsache um Verhandlungen geht, die die Behandlung Deutschlands in den Völkerbund fragen betreffen. Das neue Kabinett Briand, das das Erbe Herriots übernahm, scheint mit einem Male wenigstens nach außen hin besonderen Wert auf die Freundschaft Englands zu legen; denn nach der gchaltenen Rede will Briand in erster Linie darauf bedacht sein, den französisch-englischen Block Wiederaufleben zu lassen, wenn er betont, daß das wesentliche Moment für die Sicherheit Frankreichs in einer beständigen Freundschaft mit seinen Alliierten bestünde. Trotzdem läßt es Briand darauf ankommen, in anderer Weise durch ein wohl- nrftruiertes Diplomatenkorps im Orient den Engländern zu- gekennzeichnete Hinweis Briands ist außerordentlich be­merkenswert insofern, als damit die auch von Herriot viel­fach ausgestellte These von der Notwendigkeit der Faustpfänder im besetzten Gebiet stark ins Wanken gekommen ist, wenn nicht gar direkt widerlegt wird. In seiner Rede hat dann auch Briand wirklich erwähnt, daß allerdings noch einige Momente der Sicherheit be­stünden, deren Bedeutung' nicht übertrieben zu werden brauche. Das Berliner Auswärtige Amt hält es die viel­fachen trüben Erfahrungen vor Augen für verfrüht und zu optimistisch, aus dem Regierungswechsel in Frankreich auch nur die geringsten Hoffnungen auf eine stärker betonte Verständigungspolitik" zu setzen. Dies Mißtrauen ist voll­auf gerechtfertigt, denn die französische Politik ist durchaus nicht geneigt, von ihrem Prinzip, gegen das völlig ohnmächtige Deutschland die stärksten Sicherheitsmaßnahinen zu ergreifen, abzugehen.

Aus allzu begreiflichen Gründen wird die gegenwärtige Politik Briands darauf abzielen, nötigenfalls unterAnwendung irgendwelcher Druckmittel, Deutschland zu veranlassen, in die offenen Arme des Völkerbundes zu laufen. Dort soll Deutschland nichts weiter tun als die Regelung der Kon­trollfrage anzuerkennen, die schon vor längerer Zeit vom Völkerbundrat erörtert und festgelegt worden ist. ohne daß man es für nötig hielt, den, den sie angeht, also Deutschland, auch nur gehört oder orientiert zu haben. Welcher vernünf­tige Kaufmann würde den von einem unsicheren Kontra­henten vorgelegten Blankowechsel auf Treu und Glauben unterschreiben?

Obwohl Deutschland ein dringendes Interesse barem- hat, daß die allzu einseitigen Beschlüsse über die Fortführung der Abrüstungskontrolle in Deutschland einer gründlichen Revi­sion unterzogen werden, darf doch nicht verkannt werden, daß unter solchen Umständen die Frage eines Eintritts Deutsch­lands in den Völkerbund mit neuen Schwierigkeiten verknüpft ist. Briand dürfte sich daher einer angenehmen Täuschung hingeben, wenn er davon spricht, daß Deutschland in kurzer Zeit wie die anderen Nationen im Völkerbund sitzen werde. Wenn UNS auch zugesichert worden ist, daß wir die gleichen Rechte im Völkerbund haben werden, wie die anderen Staaten, z. B. Bel­gien, so weiß man bei uns doch, daß wir als Außenseiter einer geschlossenen Front ^genüberstchen würden. Der Zertpunkt zu einer Lösung der Völkerbundfrage ist noch längst nicht in greifbare Nähe gerückt, denn auch wir müssen auf dem Stand- Punkt stehen, daß vor einem Eintritt zunächst noch neben anderen für uns lebenswichtigen Fragen die Frage des Sicherheitspaktes einwandfrei geklärt wird. Und hierbei können wir wohl auf einen Beistand Englands hoffen, das der Welt gegenüber für den deutschen Vorschlag eingetreten ist. Diesen Standpunkt samt uns Frankreich nicht nehmen, wenn auch zugegeben wird, daß die dchlstche Regierung lieg fortgesetzt mit der Völkerbundfrage beschäftigt. .Wenn Briand zum Schluß feiner Rede sagte, daß durch ferne Worte die öffentliche Meinuiig der Welt nicht beuvi'igtgt werdenstolle, denn die ganze Welt bedarf gedeihlicher c nkwictlung,fried­licher" 21 weiten des Friedens und der Ruhe, so, Wunen wir das nur als eine Phrase auffaffen. die mit den wirklichen ub- ftrtjten Frankreichs und mit den Maßnahmen, die es Deutsch- land gegenüber anzuwenden beliebt, im krassen Widerspruch steht. M. L,

HmdenbNrg und Marx

a« das deutsche Volk.

Die beiden bürgerlichen Kandidaten utr die Reichs Präsidentenwahl, GeneralseiomarschaL von Hindenburg und Reichskanzler a. T. Dr. Marx, haben am Freitag Abend Rundfunkreden gehalten, die über ganz Deutsch­land verbreitet wurden. Als erster sprach dindenbur^ etwa eine Stunde später Marx-

Die Rede Hindenburgs.

Hindenburg erklärte n. a.: Die letzten Jahre hatten leider nur immer Trennendes und nicht Einigendes gebracht, und doch tue dem deutsche« Volke nichts so not, als Einigkeit. Dem deutschen Volke ist, so fuhr Hin- denburg fort, der Glaube an sich selbst verloren gegan­gen. Wir dürfen nns aber dieser Stimmung des Ver­zichts nicht hingeben. In dem großen Wettstreit der Völker um die Förderung und Veredelung der Mensch­heit darf keine Nation freiwillig ihren Platz verlasse«. Wir wollen die Kräfte der Nation sammeln und ein­setzen, um durch diese wieder hoch zu kommen. Deutsch­land ist in der großen Entscheidung ses Weltkrieges unterlegen. Das deutsche Volk ist entschlossen, dieser Tatsache Rechnung zu tragen und ihre Folgen auf sich zu nehmen, bis zu der Grenze, die durch die unbedingte Lebeusnotwendigkeit seiner selbst gezogen ist. Durch die internationale« Vereinbarungen der letzten Jahre ist eine Grundlage geschaffen, auf der versucht werden muß, den Verpflichtungen Deutschland aus dem verlorenen Kriege gerecht zu werden. Erweise« sich im Verlaufe der kommenden Jahre die übernommenen Verpflichtun­gen als undurchführbar, so werden wir in friedlicher Zusammenarbeit mit anderen Nationen nach einer bes­seren Lös«na zn suchen haben. Wenn bei allen Völkern der Erde ruhige Neberleguug nnd Gewissen zu ihrem Rechte kommen, wird es nns erst möglich sein, in fried­lichen Vereinbarungen Lösungen zu linden. Ich erkläre vor der ganzen Welt, daß es immer mein heiligstes Be­streben sein werde, neue Kriegsschrecken fern zu halten und den Kriegsopfern der Vergangenheit nach Kräfte« zu helfen.

Der frühere Reichskanzler Dr. Marx führte «. a. aus: Z«r nationale« «nd wirtschaftliche« Erholung des deutschen Volkes gehört eine friedliche Entwicklung Eu­ropas. Die Wohltat einer stabile« Währung, einer neue« Anknüpfung internationaler wirtschaftlicher Beziehun­gen, kurz alles, was immerhin «ach dem furchtbare« Ruhftkavkpfe langsam erreicht worden ist, mar nur durch friedliche Entlastung der europäischen Politik möglich. Das Deutschland der nationalen Demokratie, das neue Deutschland hat diesen Fortschritt erzielt und ein ge­wisses Vertrauen bei aßen vernünftigen Kreisen des Auslandes gewonnen, ein Vertrauen das wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen. Die deurokratische Staatsform verhindert es, daß eine Klasse durch die an­dere erdrückt werde. Wir brauche« znr wirtschaftliche« Erholung den Beistand mächtiger auswärtiger Staaten. Wir brauchen den europäischen Frieden, damit n«s das Recht zum Stirnen bleibe. Das gesamte politische und wirtschaftliche Denke« dieser Länder ist gerades« ge­wohnheitsmäßig devrokraftsch. Wir dürfe« in dieser Welt nicht als ein Fremdkörper da stehen. Wer über Deutschlands Zukunft mit heißem Herzen, aber gleich­zeitig mit kühlem Kopfe sich eine Meinung bilde« will, ka«u keine berauschenden Worte sagen. Er kann nur wiederholen, daß wir die Gegensätze ausgleichen, was vor allem auch a«f konfessionellem Gebiete gilt. Die übergroße Mehrheit will in besonnener Arbeit neue Wege zu friedlichen Zielen für Deutschland nnd Europa. _ *

Hindenburg hat seine Rundfunkrede von seinem Arbeitszimmer in Hannover aus gehalten, während Dr. Marx von Nürnberg aus sprach.

Dr. Jarres Aufruf für Hindenburg.

Eine Riesenkundgebung in Berlin.

Im Berliner Sportpalast fand eine machtvolle Kundgebung für Hindenburg statt, an t^e äch über 20 000 Menschen beteiligten.

Nach einem zündenden Vorspruch Paul Warnckes be« grüßte Abgeordneter Laverenz im Namen des Reichsblocks Groß-Berlin die Versammelten. Mit besonderer Wärme be­grüßte Abgeordneter Laverrenz im Namen des Reichsblocks Ovationen dargebracht wurden.

Danach ergriff Dr. Jarres das Wort: Unerwartet wurde mir die Ehre zuteil, im ersten Wahlkampfe um den höchsten Vertrauensposten des deuftchen Volkes mit meinem Namen und mit meiner Person dienen zu dürfen. Ich habe mich bem gestellt:Es hat viel Lärm in der Gasse geumcht." Meine Mahnung, den Kamps ritterlich zu führen, ist wir­kungslos verhallt. Erhebend aber bleibt auf der anderen Geste die Tatsache, daß der große Gedanke einer überpartei­lichen Bewegung aus nationaler, christlicher und sozialer GrunNage, der ich meinen Namen geben durfte, schon im ersten Wahlgang einen so starken Widerhall im deutschen Volke gefunden hat. Von Beginn der Wahlbewegung an war es der Wunsch des Reichsblocks, das gesamte deutsche Bürger­tum in allen feinen Schichten, ohne Unterschied des Bekennt­nisses und der Lebensstellung Arbeitgeber und Arbeitneh­mer, Arbeiter des Geistes und Arbeiter der Hand in Stadt und Land auf breitester Basis M vereinigen. Don mir wußte

man, daß meine Person kein Hindernis für eine solche Der- stäUdigung bilden würde. Wir klagen die Parteien der Wei- marer Koalition an, daß sie die Wahl des deutschen Staats­oberhauptes zum Gegenstand eines politischen Tauschgeschäftes herabgewürdigt haben. Durch ^dieses Vorgehen wird der Sinn bet Versassung in sein Gegenteil verkehrt. Angesichts dieses unnatürlichen Wahlbündnisses des Zentrums mit der Soziakdemokrafte ergab sich für uns nur noch um so stärker die Notwendigkeit, unsere Kampffront nach Möglichkeit zu verbreitern. Ich empfinde es als eine Ehre, im ersten Wahl­gang in der Bresche gestanden zu haben. Nunmehr mache ich einem Größeren, bem besten deutschen Manne, Platz.

Hindenburg soll und wird uns zum Siege führen.

In ihm verkörpert sich unser Programm. Er war uns, er ist uns und er bleibt uns der ideale Vertreter deutschen Wesens: Im Glück und im Unglück. Der Name Hindenburg bürgt uns für eine klare und besau neue Polstik. In den schlichten unb unantastbaren Erklärungen, die der Feldmarschall am ver­gangenen Sonntag in Hannover abgegeben hat, ist das Re- gierungsptogtamm eines weisen Volksführers enthalten. Wer es nad) diesen Erklärungen, die sich mit der grundsätzlichen Einstellung des Reichsblocks decken, noch fernerhin wagt, Hin­denburg als einenMilitaristen" hinzustellen, der betreibt bewußt die Geschäfte unserer schlimmsten Gegner im Ausland. Wenn ein Hindenburg die Verfassung beschwört, so hält er diesen Eid, wie er immer sein Wort in seinem ganzen Leben gehalten hat. Wir sehen in der Verfassung von Weiarar nicht das Ideal unserer sta^atsrechtlichen Ordnung. Wir sind nach wie vor der Auffassung, daß die Staatsumwätzung dem deut­schen Volke keinen Gegen gebracht hat. Wir wollen im Rah­men ber Verfassung einer fortschrittlichen Entwicklung dienen und unser staatliches Leben erneuern. Dazu gehört aber auch, daß wir ihm die Reinheit miebergeben, die das beste Erbe der Vergangenheit bleibt, und die wir in den letzten Jahren allzu häufig vermissen mufften, dazu gehört ferner, daß wir dem Eigenleben der ßänber innerhalb des Reichs- Verbandes wieder zu der nötigen Geltung verhelfen. Wir verwahren uns aber auch dagegen, daß man das Schicksal unseres preußischen Staates irgendwelchen Experimenten ausliesert. Wir wünschen an der Spitze des Deuftchen Reiches eine Persönlichkeit zu sehen, die, außerhalb des Partei- betriebes stehend, die besten Kräfte ohne Ansehen ber, y er- und Sitte schirmt, den Frieden unter den Bekenntnissen und Berufen fördert, für gerechten und sozialen Ausgleich sorgt und das Reich mit Würde vertritt. In unserem Hindenburg haben wir diesen Mann. Er ist nicht der politische Ge­fangene irgendeiner Partei oder irgenbeiner Parteikonsted lation. Fällt die Wahl des beutfd)en Volkes auf ihn, so wird er in der Lage fein, frei von jeder politischen Bindnny nur mit dem eigenen Genüssen verantwortlich der Gefamifjeit des Volkes zu 'dienen. Seine Persönlichkeit bietet uns die Ge­währ, daß er diese Freiheit des Gewissens und Handelns nach allen Seiten und in jeder Beziehung wahrnehmen wird. Er bürgt uns dafür, daß der deutsche Name in der ganzen Welt zu Ehren kommt. Mit Stolz hat es mich erfüllt, daß

der treue Eckart des deutsche« Volkes

beim ersten Mahlgang seinen Segensspruch mit auf den Weg gab. Heute geht mein Mahnruf von meinen Lippen und meinem Herzen an das deutsch Volk, diesem würdigen Ban­nerträger unserer großen vaterländ-ischen Sache zu folgen. Die Millionen, welche bei der ersten Wahl mich mit ihrem Vertrauen beehrt haben, werden so bin ich überzeugt meiner Parole folgen. Aber das genügt nicht. Das

Heer der Nichtwähler,

»er Gleichgültigen und Lauen, die sich tut ersten Wahlgang rbseits hielten, auf ihr Wahlrecht verzichteten, gilt es jetzt mobil zu machen. Sie stellen durchweg auf unserem poli­tischen Boden. Solche Gleichgülftgkeit mag bei der Ungewiß- Heit des ersten Wahlganges verzeihlich erscheinen; jetzt aber, wo es um die Entscheidung geht, würde sie zu einer schweren Versündigung am Volke werden. Die Rede wurde mit türmischem, langanhaltendem Beifall ausgenommen. Nach Vorführung vaterländischer Lichtbilder sprachen noch für dieWirtschaftsparteiderAbgeordneteDre» witz, für bie Deutschvölkische Freiheits­bewegung der Abgeordnete Kube und für den Frauenausschuß der Deutschnationalen Volkspartei Annagrete Lehumnu. Das Schlußwort sprach der deuftchootrsparteitiche Abgeordnete Dr. Eurtius.

Hindenburg, der Retter Deutschlands.

Aufruf des evangelischen Volksbundes für Hindenburg.

Der deuftche evangelische Volksbund für öffentliche Mis­sion des Christentums erläßt folgenden Auftuf:Der 26. April 1925 wird über das deutsche Schicksal enftcheiden. Der Geist, der sich in der Persönlichkeit des neuen Staats- Oberhauptes verkörpert, wird die deutsche Zukunft bestimmen. Es muß der Geist einer bewußten christlich-sittlichen Weltan- schauung und Lebensbetätigung, der Geist eines bewußten nationalen Denkens und Wollens, der Geist konfessioneller Versöhnlichkeit unb sozialer Gerechtigkeit sein. Von ihm allein hängt der innere Friede unseres Volkes ab. Dem ' Mann«, dessen weltgeschichtliche Persönlichkeit unserm Volke