Einzelbild herunterladen
 

yerskl-er Tageblatt

Anzeigenpreis Nr Sie einspaltige Petltzelle 10 Pfg. Nr amtliche und ausmarttge Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dachlab. + Für die Schrlfileitung verantwortlich Franz Funk In Bersfetd. + Fernsprecher Dr. 8.

Der Bezugspreis beträgt durch die Post bezogen monatlich L Mk., ausschllebL Bestellgeld, für Bersfetd 1. Alk. bei freier Zeitteilung, Abholer .80 Mk. * Druck und Verlag von hudelg Funks Budtdruckerel in Bersfetd, (Ditgtied des VDZV.

Hersfel-er Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

Nr. 85 (Erstes Statt) Gonnabend, den 11. April 1925

Das Wichtigste.

Der Reichsblock hat zur Kandidatur Hin- d e n b u r g s einen Aufruf erlassen, in dem er alle Deut, schon auffordert, sich ihrer Ehrenpflicht gegen Hin, denburg durch die Wahl am 26. April zu er­innern.

Das KabinettHerriotiststarkgefährdet. Nach einem Mißtrauensvotum im Senat ist ein Rücktritt des Kabinetts nicht unwahrscheinlich.

Rumänien macht eine ernste Krise durch, da die Opposition gegen Ministerpräsident Bratianu zunimmt. Der König trägt sich mit dem Gedanken seines Rücktritts.

Da sich der Kurdenauf st and weiter aus breitet, als zuerst angenommen wurde, hat die türkische Regierung die allgemeine Modi, lisation angeordnet. - .......

Deutsche Ostern.

Don Universitäts-Professor D. Niebergall-Marburg o. L.

Winter und Frühling, Karfreitag und Ostern, Sterben und Auferstehung das sind Begriffspaare, die uns in diesen Tagen vielfach umschweben. An ihren Klang von Jugend an gewöhnt, bilden wir uns ein, daß wir an sie glauben. In Wirklichkeit aber ist es häufig ganz anders. Wir lassen uns in unserer Not von diesen Holden Klängen einlullen. Machen wir die Augen auf, dann gewahren wir wieder das alte graue Elend. Wir sehen die schrankenlose Selbstliebe und Genußsucht, den nur notdürftig unter idealen Redens­arten versteckten Haß der Klassen widereinander, die furcht­bare Geldgier und das Wühlen im Gemeinen, in dem sich oft eine tiefe Unzufriedenheit Vergessen zu schaffen sucht., $5 ist zum Verzweifeln. Die größte Katastrophe der Welt­geschichte hat nicht vermocht, erneuernd in das Innere unse­res Volkes cinzudringen. Es ist, zumFl-erL«LcLräsül~ diese Bei

Denn im Rückschlag gegen all dies Elend muß es ja ein paar Tausend Menschen in Deutschland geben, denen die Augen aufgegangen sind und die sich nach einer Aufersteheng aus Sem Tode sehnen.

Wie kommt es über das Sehnen hinaus zur Erfüllung? Wie ist eine Auferstehung überhaupt möglich?

Kann man in unser Volk hineinrufen: stehet auf von dem Tod? Kann man einem Toten überhaupt etwas zumuten? Und wenn der beste Wille zum eigenen Tun vorhanden . nöte, wir bedürfen eines neuen Werdens und eines echten Seins.

Dies kann niemals von uns selbst kommen. Auferstehung und Wiedergeburt sind keine Taten, sondern Erlebnisse. W o - gerader kommen sie?

Aus der Natur wie der Frühling? Das Leben der Na- tur, wo aus Winter Frühling wird, ist ja nur ein B i ld. Für uns handelt es sich um ein Geschehen auf einer ganz anderen Ebene. Wir bedürfen eines Zentrums von Kräften aus einer ganz anderen Sphäre. Allgemein ist sie Erkenntnis gewachsen, daß wir mit den Mitteln des Dies­seits und des Jetzt unserer Not nicht Herr und unserer Auf­gabe nicht mächtig werden. Man findet immer mehr Ver­ständnis für das große Rätselwort: des Diesseits werden mir bloß Herr aus einem Jenseits, der Zeit bloß aus dem Twigen! Wenn alle Selbstsucht und jeglicher Ehrgeiz ausge­schaltet ist, wenn allein der Sinn für die große Sache Herz und Gewissen lenkt, dann ist Aussicht auf ein gutes Gelingen. Wie kommen wir aber mit diesem Ewigen in Berüh­rung? Es bietet sich dem einen hier und dem anderen da. Vielen in der Kirche, wo die Botschaft von dem Aufer- standenen ertönt. Anderen begegnet es in den großen Werken der Dichtung und der Kunst. Wieder andere empfangen seinen Gruß aus bem Geheimnis der österlichen Frühlings- , natur. Wenn das Erreichte nur Jeden e ch t und ganz berührt, wenn ein Jeder es nur in sein Inneres hinein- gelangen läßt. Er braucht nichts davon zu wissen: Wenn es nur im untersten Grund seines Wesens versenkt ist. Dann kann's nicht fehlen: Maßstäbe, Ideale, Urteile, Lebensziele müssen anders werden. Davon wird zunächst die Umgebung etwas spüren. Aber die Wirkung kann weiterreichen. Wenn es ein paar Tausend, wenn es gar ein paar Hundert- tausend würden, denen es ganz ernst ist mit dem Ewigen und mit unserem Volk, dann würde man es auch in der Oeffentlichkett, im ganzen Volksleben spüren. Aber wir wollten uns ja vor Holden Träumen hüten. Dennoch darf vor unserem Blick das Ziel unserer Wünsche und unserer Hoffnungen nicht verschwinden, sondern soll bewußt und un­bewußt unser Denken und Handeln regieren: ein auf- erstandenes Volk Deutsche OsternI

Der Wahlaufruf des AeichsblockS.

Der Reichsblock erläßt folgenden Wahlaufruf:

Deutsche Männer, deutsche Frauen, deutsche Jugend!

Am 29. März haben sich zehneinhalb Millionen Deutsch durch ihre Stimmabgabe zur Reichsprästdentenwahl in den Willen vereinigt, an die Spitze des Reiches einen nationalen christlichen und sozial empfindenden Mann zu stellen. Dr Gegensätze von Parteien und Konfessionen sind dabei bewutz

ausgeschaltet worden. Unser Kandidat, der Reichsminister a. D. Dr. Jarres hat sich mit der ganzen Kraft seines Geistes und seiner tapferen Persönlichkeit in den Dienst dieser Bewegung gestellt. Ihm dafür den Dank der Millionen, die hinter ihm standen, auszusprechen, ist uns Pflicht und Be­dürfnis.

Für den 26. April steht der zweite Wahlgang bevor. An diesem Tage den Endsieg für den vaterländischen Gemein- schaftsgedanken zu erringen, ist das Ziel aller guten Deut­schen, die das Vaterland über die Parteien stellen. Diesem Gedanken folgend, haben die Bayerische Volkspartei, der Bayerische Bauernbund und die Deutsch- H a n n o v e r s ch e Partei sich bereiterklärt, sich auf Hin - denburg als gemeinsamen Kandidaten mit den in dem bisherigen Reichsblock zusammengeschlossenen Parteien und Verbänden vereinigen zu wollen. Von Anfang an hat Dr. Jarres betont, daß eine Einigung auf breiterer Grundlage an seiner Person keinesfalls scheitern dürfe. Er hat damit wieder das Vorbild eines wahrhaft deutschen Mannes ge­geben. Ihm folgend, hat die nunmehr so verstärkte Front des Reichsblocks beschlossen, dem deutschen Volke den Mann für das Amt des Reichspräsidenten vorzuschlagen, dessen Name in aller Welt das Programm deutscher Ehre, Treue, Kraft und Festigkeit bedeutet: Generalfeldmarschall von Hindenburg.

Hindenburg hat als der getreue Ekkehard des deutschen Volkes sich diesem Rufe nicht entzogen, sondern sich in stets bewahrter Pflichterfüllung bereiterklärt, das große Opfer dieser Kandidatur zu bringen.

Wir betrachten es als die ganz selbstverständliche Pflicht aller Deutschen in Stadt und Land, ohne Unterschied des Standes und des Bekenntnisses, sich mit ganzer Kraft und Hingebung für unseren Hindenburg einzusetzen.

Hindenburg war euer Führer in großer und schwerer Zeit. Ihr seid ihm gefolgt, ihr habt ihn geliebt, er hat euch nie verlassen. Kämpft für ihn auch fetzt, wo er in alter Führertreue wieder an eure Spitze treten will, um seinem Vaterland« in Frieden und Aufbau zu dienen.

Unsere Losung lautet deshalb,' Mit Hindenburg zum jMjiliiiji^^

Hindenburg, der Retter aus der Zwietracht.

Der Reichsblock.

Der Frontkriegerb und, der Iungdeutsche Orden, der Stahlhelm und der Bund Wicking haben einen Aufruf erlassen mit der Aufforderung, am 26. April Hindenburg zu wählen.

*

v. Tirpitz über die Kandidatur Hindenburgs.

Großadmiral von Tirpitz äußerte sich über die Kandi­datur Hindenburgs u. a. folgendermaßen:Ich bin dankbar erfreut, daß der Generalfeldmarschall dem Vaterland« das große Opfer bringen will, die Kandidatur anzunehmen, nach­dem die Ergebnisse der ersten Wahl einen Erfolg für Dr. Jarres zweifelhaft erscheinen ließen. D e r W u n s ch, Hin­denburg an der Spitze des Reiches zu sehen, ist aus dem elementaren Drang desdeutschen Volkes nach Führung, Reinheit und Klarheit geboren. Hindenburg ist eine Persönlichkeit, der das Vaterland über die Parteien geht. Eine Persönlichkeit, die mehr sein, als scheinen will, und deren Lauterkeit über allen Zweifel erhaben ist. Die ruhige, würdige und abwägende Art des Feldmarschalls sollte auch dem Ausland die Erkenntnis bringen, daß ein Deutschland unter feiner Leitung für die stetig fortschreitende friedliche Lösung der europäischen Pro­bleme die denkbar beste Gewähr bietet."

AuSsührunßSvorjchrüten zur zweiten Präsidentenwahl.

Aus einem Runderlaß des Preußischen Ministers des Innern an die Nachgeordneten Behörden wird folgendes mitgeteilt: Für den zweiten Wahlgang sind die gleichen Stimmlisten und Stimm- karten wie im ersten Wahlgang zu verwenden. Ihre Berichtigung darf sich jedoch nicht nur auf die. Streichung etwa verstorbener Personen usw. beschränken, sondern muß auch Zu- und Abzug um­fassen. Der Stimmzettel enthält am Kopf den AufdruckReichs- Präsidentenwahl II. Wahlgang". Um die versehent- liche Verwendung von Stimmzetteln, die für den ersten Wahlgang bestimmt und unverwendet geblieben waren, zu verhüten, wird der Reichsinnenminister anordnen, daß für die Stimm- zettel grünes Papier verwendet wird. Der Reichswahl­leiter wird nach Ablauf der für die Einrichtung von Wohlvor- fchlägcn gesetzten Frist, also am 17. April, ein Uhr morgens, den Text des Stimmzettels wieder unmittelbar den Amtsstellen oder den Druckereien mitteilen und ihn außerdem durch W. T. B. ver­öffentlichen. Das Wahlrecht für die Seeleute usw. ist unverändert geblieben. Auszugoben sind zunächst die schon einmal benutzten und noch brauchbar gebliebenen Umschläge. Selbstverständlich fini sie auf ihre abermalige Verwendbarkeit sorgfältig durch;»sehen und bei der Unterverteilung der. Umschläge ist darauf zu achten, daß zur Wahrung des Wahlgeheimnisses mindestens in jedem illbstimmungsraum nur Umschläge von gleicher Art und Farbe be­nutzt werden. Auch beim zweiten Wahlgang gilt d i e gleiche Mahlzeit wie beim ersten Mahlgang, also von neun Uhr vormittags bis sechs Uhr nachmittags Die Abstimmungsvorsteher haben solche Stimmberechtigten die auf Grund eines schon vor dem ersten Wahlgang ousgcftdlten Stimmjcheins ihr Wahlrecht ausüben, besonders darauf hmzu-

weisen, daß, falls sie inzwischen umgezogen und an ihrem neuen Wohnort in das Stimmverzeichnis eingetragen sind, sie keinesfalls zu einer doppelten Wahlausübung befugt sind, sich vielmehr durch solche Doppelwahl nach Paragraph 108 Abs. 2 RStGB. strafbar machen würden. Zum Schluß seiner Ausführungen weist der Minister auf das allgemeine Interesse hin, das an einer mög­lichst schnellen Feststellung des endgültigen Ergebnisses besteht.

Der Sicherheitspakt unv die österreichische SicherheitSfrage.

Das christlichsoziale Hauptorgan Oesterreichs, dieReichs- post", erhält von diplomatischer Seite eine Darstellung über den Stand der Anschlutzfrage, in der erklärt wird, es sei keine Rede davon, datz die Ausführungen Dr. Benefchs dahin auszulegen wären, in dem deutschen Sicherhmtsvorschlag sei die Anerkennung eines neuen deutsch-österreichischen Anschluh- verbotes enthalten. Wohl treffe es zu, datz Dr. Benesch bei seinem Aufenthalt in Paris Herriot überzeugt habe, datz ein neues Anschlutzverbot notwendig sei, Benesch habe in diesem Sinne auch die Zustimmung Herriots erhalten. Wahr­scheinlich sei auch, daß in dem Fragebogen, der Deutschland vorgelegt werden soll, auch die Anschlutzfrage enthalten sein werde, aber der Fragebogen liege noch nicht' vor, und Deutsch­land hätte keine Veranlassung, vorher hierzu Stellung zu nehmen. ............

polnische Rüstungen.

In einer Unterredung mit einem Vertreter desMatin" gab der polnische Kriegsminister, der sich zurzeit in Paris aufhält, feinem Mißmut über die deutsch-französu' schen Sonderverhandlungen Ausdruck, über die Polen trotz formeller Abmachungen nicht auf dem laufenden gehalten werde. Seine erste Pflicht sei es daher, sein Land auf alle Möglichkeiten vorzubereiten. Er wisse aus zuverlässigen Do- kumenten, daß sowohl in Königsberg wie in Danzig alle Offenss^ n ausholen zu fämteufl). Gegenüber diesen Bedrohungen sei es ihm eine Genugtuung, daß sich Polens Rüftungszustand von Jahr zu Jahr bessere. Polen verfüge über 45 Divisionen, in zwei Jahren sogar über 70. Vier Millionen Männer seien wehrfähig. 14 Munitions­fabriken deckten die Hälfte des polnischen Bedarfs und über­nähmen Bestellungen aus dem Auslande. Kriegsschulen und ein sorgfältig organisierter Eeneralstab ermöglichten, jedem Angriff zu begegne». Polen sei friedlich gesinnt (?). Wenn aber gleichzeitig in Berlin und Moskau Drohungen ausge­stoßen würden und die Presse Großbritanniens Polen zu einem Tauschobjekt herabwürdige, müsse Polen an die Zu­

kunft denken.

Deutsche Facharbeiter für Frankre ch?

Aus Hamburg kommt die Meldung, daß in vielen deut­schen Städten, vor allem im besetzten Gebiet durch französische Agenten versucht wird, deutsche Monteure und Facharbeiter durch Prämien- und Handgeldversprechungen für die fran­zösische Flugindustrie anzuwerben. Die Abwanderung dieser Facharbeiter, die angeblich nur für Erdarbeiten und Kraft­werke Verwendung finden sollen, würde eine schwere Gdjäbi- gung der deutschen Wirffchaft bedeuten, um so mehr, als ihre Ausbildung mit großen Kosten verbunden war. Im Intel- esse der deuffchen Wirffchaft muß deshalb nachdrücklichst vor derartigen französischen Werbungen gewarnt werden. v

Vor dem Sturz Herriots?

Die Lage des Kabinetts hat sich weiter stark verschlechtert. Der Widerstand gegen die Finanzpläne nimmt auch im Lager der Mehrheitsparteien ständig zu. Die Erklärungen de Monzies haben einen sehr ungünstigen Eindruck her- uorgerufen. Die Regierung erleidet einen Mißerfolg noch dem anderen. Nach der schweren moralischen Weder läge des Unterrichtsministers im Senat haben die Sozialisten trotz der dringendsten Vorstellungen des radikalen Kanuneraus- schusses befchtossen, an ihrem Gegenprojekt einer z e h n p r o . zentigen Kapitalabgabe unter allen Umftänben festzuhalten. Dazu kommt der schwere Konflikt zwischen der Regierung und der Dangue de, France. Es hat sich l)eraus- gestellt, daß die G e l d u m l a u^f g r e n z e von 41 Milliarden um mehr als 2 2 0 0 Millionen überschritten wurde, und zwar auf Grund der ständigen Vorschüsse, die das Kabinett von der Banque de France seit Januar erzwungen hat Der Brief des Gouverneurs der Bank, dessen Verlesung der Finanzminister gestern verhinderte, enthält die schwersten Vorwürfe gegen die Regierung. Die Regierung hat es nur dem allerschärfften Druck zu verdanken, daß der Brief zurück- gezogen wurde.

Jni Senat kam es im Rahmen der Debatte über das Unterrichtsbudget zu einer bedeutsamen Abstimnrung. Die Regierung beantragte bei Artikel 178 (Schüler-Freistellen) eine Erhöhung des von der Finanzkoinmission bewilligten Kredites. Es kam zu einem lebhaften Zusammeisstoß zwischeg