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HersMer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt"

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Nr. 76

Dienstag, den 31. Mär;

1925

Die Reichspräsidenten.

Das Gesamtergebnis der Wahl.

Kein endgültiges Ergebnis: ein zweiter

Mahlgang.

Dr. Karl Jarres (Reichsblock) . .

Otto Braun (Sozialdemokrat) . Wilhelm Marx (Zentrum) . . . Ernst Thälmann (Kommunist) . . Dr. Willi Hellpach (Demokrat) . Dr. Heinrich Held (Bayer. Vpt.) . Erich Ludendorff (Nationalfoz.) .

Abgegebene Stimmen: Absolute Mehrheit:

. 11 021 341 Stimmen

. 8 256 430

. 4 289 370

. 1 989 700

. 1684 398

, 1194 720

389170

28 825129

14 414 565

Bei der Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 wurden rund 30 Millionen Stimmen abgegeben. Da keiner der sieben Wahlkandidaten mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erreicht hat, so ergibt sich die Notwendigkeit eines

zweiten Wahlganges,

der für den 2 6. April anberaumt ist

Schlußergebnis des Reichswahlleiiers.

Die vorläufig abgeschlossene Zählung des Präsident- schastswahlergebnisses beim Reichswahlleiter hat Montag morgen 27 291401 gültige Stimmen festgestellt. Ferner wurden noch 3 0 0 0 0 Splitterstimmen auf nicht offizielle Kandidaten gezählt. Dieses Ergebnis ist vollständig bis anf wenige Landgemeinden, die nichts mehr ändern. Bei der letzten Reichstagswahl wurden insgesamt entsprechend den Kandidaturen 29 622 835 Stimmen abgegeben; die Wahlbe­teiligung war also gestern 10 Prozent geringer. Keiner der gestrigen Kandidaten hat die erforderliche absolute Mehrheit

en,

mokraten, Zentrum) haben zusammen 13 407 749 Stimmen gegen 10 787 870 Stimmen der vier Rechtsparteien des Iarres-Blocks erhalten.

Der Großkampftag der Präsidentenwahl ist unter Aufbietung aller dekbaren Kräfte, die die politischen Kreise mobilisiert hatten, a u s g e f o ch t e n worden. Das bisherige Ergebnis zeigt aber, daß diesmal noch keine Ent­scheidung gefallen ist und der Kampf um die Reichspräsident- schaft am 2 6. April nochmals ausgefochten wer­de n m u ß. Es war vorauszusehen, daß der bürgerliche Reichsblockkandidat Dr. 3arres nicht schon im ersten Wahl­gang den Sieg davontragen würde, denn über 50 Prozent aller abgegebenen Stimmen konnten die Wähler des Reichs­blockes bei der gegenwärtigen politischen Konstellation un­möglich aufbringen. Immerhin hat Dr. Jarres sehr starke Teilerfolge erzielt, die dem Rechtsblock schon jetzt für den Ent scheidungskampf eine sehr starke und gefestigte Position ver­leihen. Daß der bürgerliche Kandidat von allen anderen die meisten Stimmen erhalten würde, war selbstverständlich bei dem offen zutage tretenden Zug nach rechts. Die größten Erfolge hat Dr. Jarres in Nord- und Ostdeutschland davon- getragen. In den östlichen Provinzen hat er an einigen Stellen sogar mehr als 50 Prozent aller abgegebenen Stim­men erhalten.

Der Sozialdemokrat Braun, der die nächstgrößte Stimmenzahl erhalten hat, konnte als Parteikandidat der So- zialdemokratie n i ch t so viele Stimmen aufbringen, wie seine Partei erwarten konnte und mußte. Das liegt daran, daß viele sozialdemokratische Wähler es vorgezogen haben, für einen der anderen Kandidaten zu stimmen.

Der Kandidat,des Zentrums, vr. Marx, hat über den Rahmen der Zentrumsstimmen vom 7. Dezember hinaus nicht unansehnliche Kräfte von anderen Parteien her gewinnen können. Erstaunlich ist, daß, wie aus den zurzeit vorliegen­den Meldungen hervorgeht, Marx auch in nichtkatholi - scheu Gegenden, wo man eher mit einem völligen Aus­fall von Zentrumsstimmen gerechnet haben würde, nicht ohne Erfolg blieb. Besonders starke Teilerfolge hat jedoch Marx in Westdeutschland, in Baden, Hessen un Württemberg erzielen können.

Der Demokrat Dr. Hellpach kann gegenüber Marx und Braun schwer aufkommen, denn abgesehen von den süddeutschen Ländern und den Großstädten im Norden hat er gegenüber den anderen Kandidaturen weit Zurückbleiben müssen.

Die K o m m u n i st e n haben, wie sich bei der Präsiden, tenmahl zeigt, an Stimmen nicht unerheblich eingebüßt. Ihr Zählkandidat Thal m a n n scheint kein gutes Barometer für die kommunistische Sache zu sein. Die nationalsozialistisch« Sonderkandidatur Ludendorff zeigt sich ebenfalls als eir schwerer und entscheidender Mißerfolg.

Der Verkauf der Wahl

war in Berlin wie im Reiche als verhältnismäßig ruhig zu bezeichnen. Die Straßen Berlins boten kein sonntägliches Bild, da sie vielfach mit Flugblättern der verschiedenen Par­teien überschüttet waren. Bis zur Mittagsstunde konnte fast überall festgestellt werden, daß die Beteiligung der Bevölke­rung am Wahlgeschäst gegenüber den letzten Reichstags­wahlen geringer war.

Im allgemeinen ist der Wahltag in B e r l i n ruhig ver­laufen. Wie jedoch festgestellt wurde, sind durch die Schuld der Linken auch einige ernste Zwischenfälle zu ver­zeichnen gewesen. Ein großes Lastauto der Kommunisten schleifte im Straßenschmutz eine schwarzweiß- roteFahne hinter sich her. Aus der Menge wurde gegen

:es Weiterfahren

die jungen Burschen, die den Wagen bemannten, heftige Drohungen ausgestoßen. Nur beschleunigt« " bewahrte die Sowjetjünger vor einer tüchtigen Tracht Prügel.

Gegen 3 Uhr nachmittags wurde ein Personenzug auf der Strausberger Strecke beschossen. Nach Zeugen­aussagen sind drei Lastkraftwagen mit Reichsbanner-

l euten die Tresckowalloe von Karlshorst in Richtung Friedrichsfelbe entlang gefahren. Von einem der Wagen soll der Schuß abgegeben worden sein. Personen sind nicht verletzt, es ist lediglich eine Fensterscheibe zertrümmert wor­den. Auch aus Dem Reiche wird über ernste Zwischenfälle außer den üblichen kommunistischen Rüpeleien nicht berichtet.

Teilergebnisse.

Wahlkreis 2. Berlin. Jarres (Reichsblock) 325 096, Held (Bayr. Bp.) 1348, Ludendorff (Nat.-Soz.) 3984, Marx (Zentr.) 56177, Hellpach (Dem.) 120 227, Braun (Soz.) 395 877, Thälmann (Komm.) 179 861, zersplittert: 240.

Wahlkreis 3. Potsdam II. Jarres (Reichsblock) 372 996, Held (Bayr. Vp.), 1205, ßubenborff (Nat.-Soz.) 3979, Marx (Zentr.) 37 962, Hellpach (Dem.) 118 319, Braun (Soz.) 261 739, Thälmann (Komm.) 84 478.

Wahlkreis 4. Potsdam I. Jarres (Reichsblock) 394 970, Held (Bayr. Bp.) 1830, Ludendorff (Nat.-Soz.) 5292, Marx

nhlkreis 1 (Königsberg). Jarres (Reichsblock) 548 392 (511 521), Held (Bayr. V.) 2917 (), Ludendorff (Natsoz.) 11 327 (62 248), Marx (Zentr.) 8 546 (80 373), Hellpach (Dem.) 32 735 225 844 (208 415), Thälmann (Komm.)

(39 891), Braun 45 100 (86 663).

Wahlkreis 6 (Pommern). Jarres (Reichsblock) 530 227 (526 612), Held (Bayr. V.) 2487 (), Ludendorff (Natsoz.) 10971 (38 229), Marx (Zentr.) 10 819 (8387), Hellpach 26 770 (34 097), Braun (Soz.) 214 563 (223 314), Thälmann (Komm.) 33 281 (57 861).

Wahlkreis 7 (Breslau). Jarres (Reichsblock) 315105 (365 000), Held Bayr. V. 2444 (), Ludendorff (Natsoz.) 5437 (13 000), Marx (Zentr.) 167 245 (183 000), Hellpach (Dem.) 33 361 (43 000), Braun (Soz.) 344 715 (306 000), Thälmann (Komm.) 18 563 (29 000).

Wahlkreis 8 (Liegnitz). Jarres (Reichsblock) 239 903 (275 719), Held (Dv.) 1644 (), Ludendorff (Natsoz.) 2886 (9080), Marx (Zentr.) 48 331 (54 815), Hellpach (Dem.) 59162 (49194), Thälmann (Komm.) 11 617 (20 165).

Wahlkreis 9 (Oppeln). Jarres (Reichsblock) 144 036 (141312), Held (Bayr. V.) 2041 (), Ludendorff (Natsoz.) 4574 (8200), Marx (Zentr.) 220121 (221 550), Hellpach (Dem.) 8957 (12 086), Braun (Soz.) 46 440 (36 530), Thälmann (Komm.) 45 381 (66 096).

Wahlkreis 10 (Magdeburg). Jarres (Reicheblock) 409 946, Held (Bayr. V.) 1493, Ludendorff (Natzso.) 6648, Marx (Zentr.) 17 735, Hellpach (Dem) 37 907, Braun (Soz.) 347 596, Thal- mann 38 672.

Wahlkreis 12 (Thüringen). Jarres (Reichsblock) 495 412 (476 159), Held (Bayr. B.) 2200 (), Ludendorff (Natsoz.) 15 820 (60 297), Marx (Zentr.) 47 294 (51 198), Hellpach (Dem.) 42 152 (58 626), Braun (Soz.) 305 355 (316 099), Thälmann (Komm.) 100 574 (147 938).

Wahlkreis 15 (Ost-Hannover). Jarres «.Reichs block) 221 339 (165 025), Held (Bayr. V.) 30 927 (123 886), Ludendorff fNatfoz.) 3515 (22 199), Marx (Zentr.) 7284 (6747), Hellpach (Dem.) 14 455 (20 570), Braun (Soz.) 142 763 (141 745), Thälmann (Komm.) 14 302 (22 425).

Wahlkreis 16 (Süd-Hannover). Jarres (Reichsblock) 386 565 ( 338 000), Held (Bayr. B.) 35 948 (122 000), Ludendorff (Natsoz.) 8723 (34 000), Marx (Zentr.) 53 146 (53 000), Hellpach (Dem.) 36 975 (49 000), Braun (Soz.) 379 304 (361 000), Thälmann (Komm.) 28 576 (46 000).

834 (412 208), Hellpach (Dem.

Wahlkreis 17 (Westfalen-Nord). Jarres (Reichsblock) 367 943 (291 223), Held (Bayr. B.) 3771 (). Ludendorff (Natsoz.) 6860 (13 639), Marx (Zentr.) 379 ..... \

22 444 (37 633), Braun (Soz.) 227 943 (237 572), Thälmann

(Komm.) 48 712 (68 888).

Wahlkreis 18 (Westfalen-Süd). Jarres (Reichsblock) 320 276 (334 000), Hold (Bayr. B.) 3124 (), Ludendorff (Natsoz.) 8343 (14 000), Marx (Zentr.) 349 096 (351 000), Hellpach (Dem.) (76 000), Braun (Soz.) 320 767 (316 000), Thälmann (Komm.)

80 '

108 938 (156 000).

Wahlkreis 19 (Hessen-Nassau). Jarres (Reichsblock) 383 812 (402 000), Held (Bayr. V.) 4025 (), Ludendorff (Natsoz.) 3554 (29 000), Marx (Zentr.) 189 305 (202 000), Hellpach (Dem.) (99 000), Braun (Soz.) 347 699 (374 000), Thälmann ' 43 898 (64 000).

In Stadt (Dort Ergebnis): Jarres 58 035, Hrid 854 uns 2612, Marx 96 856, Hellpach 11525, Braun 59 412,

du . .

That wann 20 231.

Wahlkreis 22 (Düsseldorf-Ost). Jarres (NeichkblqK 296 495. Held (Bayr. Bp.) 2126, Ludendorff (Natsoz.) 7280 Marx Rwr4 227 044, Hellpach (Dom.) 24 569, Braun (Soz.) 160313. Thalinann (Komm.) 152 039.

Wie Jarres' Vaterstadt wählte.

Duisburg. Jarres 36 802 (35 639), Held 210, Ludendorff 775 (1591), Marx 31810 (30 613), Hellpach 2332 (4844), Braun 27 987 (24 922), Thälmann 10 278 (14 564).

Wahlkreis 25 (Niederbayern). Jarres (Reichsblock) 36 333 Held (Bayr. Bp.) 226 407, Ludendorff (Natsoz.) 8715, Marx (Zentr.) 2104, Hellpach (Dem.) 6462, Braun (Soz.) 44 633, Thälmann (Komm.) 7315.

' Wahlkreis 28 (Dresden-Vauben). Jarres (Reichsblock) 396 067, Held (Bayer. V.) 2034, Ludendorff (Natsoz.) 5081, Marx (Zentr.) 17 556, Hellpach (Dem.) 88106, Braun (Soz.) 356 076, Thälmann (Komm.) 36 622, zersplittert 624.

Wahlkreis 29 (Leipzig). Jarres (Reichsblock) 265 633, Held (Bayr. V.) 1699, Ludendorff (Natsoz.) 4214, Marx (o-ntr.) 6410, Hellpach (Dem.) 44 234, Braun (Soz.) 274 232, Thalmann (Komm.) 67 320, zersplittert 1080.

Wahlkreis 30 (Ehemniv-Zwickau). Jarres (Reichsblock) 360 615, Held (Bayer. V.) 2308, Ludendorff (Natsoz.) 14 226, Marx (Zentr.) 7 394, Hellpach (Dem.) 37 301, Braun (Soz.) 292 933, Thal- mann (Komm.) 99 928.

Der Eindruck in Paris.

Die ersten Ergebnisse der deutschen Präsidentenwahl wurden in Paris Sonntag abend gegen 9 Uhr bekannt. Um 2 Uhr morgens wußte man bereits, daß keiner der Kandi­daten die absolute Mehrheit erhalten würde. Daß Dr. Jarres an erster Stelle stehen würde, entspricht den allge­meinen Voraussagen, ebenso auch die von den Sozialisten erzielte Stimmenzahl. Man findet in Frankreich, daß Marx nicht unerheblich ins Hintertref­fen geraten ist, und zieht gewisse Schlüge aus der Stimmenzahl, die für den kommu­nistischen Kandidaten Thälmann abgegeben wurden. Im allgemeinen herrscht die Auffassung vor, daß die Ergebnisse der Präsidentenwahl ungefähr denen der letz­ten Reichstagswahl vom 7. Dezember entsprechen. Unver­kennbar großen Eindruck ruft die Niederlage Luden- dorffs hervor, der erneut von den Blättern als der große Besiegte des Tages bezeichnet wird. Die Mehrzahl der Blätter hält auf Grund des allgemeinen

Line englische Stimme gegen die Verwaltungs« methoken der Saarkommission.

Der britische Kommissar im Saargebiet, Baugh, übt scharfe Kritik an den Methoden der heutigen Verwaltung mn Saaraebiet. Er stellt ausdrücklich fest, daß der französische Kommissar, der mit den Stimmen der Belgier und Dänen stets die Mehrheit erhalte, seine Anordnung ausschließlich nach den Wertungen des Quai d'Orsay richte, ohne sich auch nur im geringsten um die Bestimmungen des Dersarller Ver­trages zu kümmern. Die Saarkommission habe sich unter dem Druck der Pariser Regierung unverantwortliche Uebergrrffe zuschulden kommen lassen.

Die privaten Wirtschaftsverhandlungen der Schwerindustrie. industrie. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der deutschen und der französischen Schwerindustrie sind fortge­setzt worden mit dem Ziel, auf dem Gebiete des Eisens die natürlichen Beziehungen, die durch den Friedensschluß gestört worden sind, wieder herzustellen. Die Verhandlungen ver­laufen normal und werden unmittelbar nach Ostern in Köln fortgesetzt werden. . .

Die Unterkommission für das Saargebiet hat heute eine Sitzung abgehalten und wird in der nächsten Woche eine wei­tere Sitzung abhalten.

Kein Garantiepatt ohne Deutschlands Beitritt zum Völkerbund.

Die Kammerkommission für auswärtige Angelegenheiten in Paris hat heute eine Delegation zu Herriot entsandt, die von dem Ministerpräsidenten die förmliche Zusage erhielt, daß Frankreich mit Deutschland keinen Garantiepakt abschließt, solange Deutschland nicht bedingungslos dem Völkerbund beitritt

Tschechisch-polnische Verbrüderung.

Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Polen und der Tschechoslowakei sind gegenwärtig unterbrochen, jedoch rechne: man mit einer Wiederaufnahme schon in den nächsten Tagen uird hofft, daß der Vertrag in den ersten Tagen des April unterzeichnet werden kann. In Warschauer politischen Kreisen hält man die gegenwärtige politiidje Lage für eine Annäherung Polens cufbie Tschechoslowakei für ausgezeichnet da sich gerade in der Garantiepaktfrage die Seme infam feil der Interessen der beiden Länder gegen die deutsche Gefahr (!)

Der englisch-Selgisch-rranzösische Meinungs­austausch beendet.

Airs Paris wird mitgeteilt, daß der zwischen den Kabi- netten von London und Paris geführte Ateinungsaasknnch über das deutsche Garantieangebot zu einem vorläufigen Ab-.