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Kundgebung für Dr. Jarres erlassen, in der es u. a. heißt: „Nur eine Persönlichkeit, die über den Kampf der Parteien und Verufsstände steht, die unsere christlich-religiösen und kulturellen Güter zu heben und unsere nationalen und wirtsachstlichen Lebensbedingungen gegen äußere und innere Fewde zu schützen gewillt ist, kann das zukünftige Staats- oberhaupt des Deutschen Reiches sein. Nur in Dr. Zar- res sehen wir diese Persönlichkeit."

Die Wirtschaftspakte, des Mittelstandes für Or. Iarres.

Die Wirtschaftspartei des deutschen Mit. leistandes hatte eine Versammlung in Köln einberufen, m der der Reichstagsabgeordnere Dr. Iöriffen und der Landtagsabgeordnete Dr. Klamt über die wirtschafts- politiiche Lage seit den letzten Reichstagswahlen und die von der Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes im Land- mg eingebrachten Anträge referierten. Dabei kam zum Aus- druck, daß die Partei die Unterhaltung von gewerblichen Be. ttieben durch die Kommunalverbände ablehne. B e i d e R e d. ner befür.wprteten ein Eintreten für di'e Pra,identlchaftskandidaturvonl)r. Iarres. Ss wurde jedoch betont, daß dieses Eintreten nicht so zu deuren sei, als ob die Wirtschaftspartei damit eine Echwen- rung zu den Rechtsparteien vorgenommen hätte.

Die deutsch-französischen WirtschaftS-

Verhandlungen.

Ministerialdirektor Posse ist Montag früh in Paris eingetroffen und hat den Vorsitz der deutschen Wirtschasts- oelegatton übernommen. Er hatte am Nachmittag mit dem französischen Handelsminister Raynaldy eine einstündige private Unterredung, über das Programm für die nächsten Suiammentunffe. Eine offizielle Delegationssitzung wurde auf Dienstag vormittag festgesetzt.

Vortrag des deutschen Handelsattaches in London.

Der Handelsattache der deutschen Botschaft in London Dr. Pendler hielt, in City of London College eine Vor- beiung über die wirtschaftliche Erholung De u t i ch la n d s, an der eine zahlreiche Zuhörerschaft teil- .-^ beutsche Botschafter D r. Sthainer hielt am Schluß der Veranstaltung eine kurze Rede, in der er der Hoffnung auf weitere Zusammenarbeit auf wirtsachstlichem (»eo;ete zwischen den beiden Ländern Ausdruck gab, was der neue Handelsvertrag zwischen Deutschland und England er. leichtern werde. Dr. Wendler beschäftigte sich in seinem Ssortrag mit der Lohnhöhe der beiden Länder und betonte, daß die deutschen Arbeitsbedingungen von den Englands völlig verschieden wären. Der Vortrag ist insofern bemer- kenswert, als zum ersten Male seit dem Jahre 1914 deutsche Etliche Vertreter in London einen öffentlichen Vortrag gehalten haben. 8

Jmmer wieder belgische Schandurteile.

Von dem Seuter Kriegsgericht wurde der Feldwebel Johannes und der Eisenbahner Tonback wegen Diebstahls in Abwesenheit zu je fünfzehn Jahren Zwangsarbeit und der Gendarm Franz Stoffel zu lebenslänglicher Zwangs­arbeit verurteilt.

Der zweite Rolhardt-prozeß.

^^?^E^^f. Eberl-Rochardt-Prozeß wurde der frühere pr«ugrfch« Ministerpräsident Braun oetnommen der mit Ebert und cchetbemann als Vorstandsmitglied der S. P. D in die streit Leitung ei ngetreten war. Er erklärte, er habe zunächst wie die übrigen Parteivorstandsmitglieder, den Eintritt abgelehnt dann aber auf Drangen der in den Streif hineingezogenen Parteimit- Keber nachgegeben, um die Bewegung zu einem baldigen Ab- lug zu bringen. Der Fentrumsabgeordnete Giesberts gibt über den ^Vermittlungsversuch 6d>eibemanne mit der Abordnung stakender Arbeiter Auskunft. Er erklärt, daß er Wall raf ganz entschieden davor gewarnt habe, die Abordnung nicht zu empfan.

l x Handlungsweise Wallrafs nachher außer- ordemlich bedauert. Der Streif wäre, wenn Wallraf die Abord- nung emptangen hätte, in 24 Stunden beigelegt gewesen. Die paitung des lozimdemokratischen Parteivorstandes bezeichnet Gies- berts als durchaus richtig. Der sozialdemokratische Landtagsab- geordnete R i ch t e r bet als Arbeiter der Firma Graetz Berlin an einer Arbeiterabordnung teilnabm, schildert die Verhandlung gen m ähnlicher Weise, wie es die übrigen Zeugen getan haben. Der Zeuge Fabrrkdirektor E rn ft sagt, daß er den Streif lambes.

Detraterti«) genannt habe. Der etntrttt Everts und Scher- bemanne in die Streikleitung habe die Beteiligung am Streik vergrößert. Der Redakteur der „Raiionalpost^ K l o t H. der bis Mitte 1919 Socialdemokrat und Porst Header des CRirAbinherru-rh/inAo« ,"„. f™» "---- s-c ßcr Buchvtnderver-

Buchbinderverbandes war, sagt aus, daß band den Streif für verhängnisvoll Zahl der Streikenden sei nach den

vand den totreif für verhängnisvoll gehalten habe. Die Zahl der «streikenden sei nach den Angaben deS Bor- sitzenden des Arbeiterverbandes durch den Eintritt des socialdemokratischen Führers von 60 000 auf 200 000 gestiegen. Der Zeuge erklärt, er habe in seiner langen Streif, eriahrung keinen einzigen Streif erlebt in dem sich die Führer einer Partei an die Spitze der Streikbewegung gestellt haben um die Bewegung abzuwürgen. Wenn sie das gewollt hat. ten, hätten sie es sagen können.

Freiherr von Forstner erklärt daß er Rothardt persönlich nicht kenne aber mit ihm während des ersten Prozesses in Brief­wechsel gestanden habe Der Zeuge schildert dann seine Eindrücke die er von dem Streif der Rüstungs- und Werftarbeiter in Kiel

“’.JbÜü* 19^8 erhalten habe, als er mit dem zweiten Aufklärungs- gefchwader dort eingelaufen sei. Der Ausstand habe seiner Ansicht nach tue Rüstungen der Flotte stark verzögert, vor allem aber seien in den Streittagen und später zahl­reiche Minensuchboote gesunken, " ' ' — " lahmgelegt gewesen sei. Rund ger

Weil eben die Flotte

raqmgclegt gewesen ,«. Rund gerechnet hatte der Streik d.e Unterseeboot-Krtegfuhrung um 2 Monate zurückge- «vorfen. Ich sprach auch mit den Arbeitern, wer den Streik in­szeniert habe. Der Name des Reichspräsidenten fiel nicht. aber man sagte, die Parteileitung habe den Ausstand ange- planet

Als nächster Zeuge wird Kapitän Mersrnann vernommen der wahrend des Krieges Kapitän zur See und Chef der Zentral- abteilung bei der Kaiserlichen Werft in Kiel war. Er sagte aus, die Arbeiter der äwrpedowerkstätten seien schon am 26. Januar in Oen Streit getreten. 9lad) Auskunft der Werftbeamten war der Streik aus pontischen Gründen ausgebrochen und bezweckte einen Streben ohne Annexionen. Der Streit machte sich besonders im Torpedoreffort bemerkbar, wo von den beschäftigten 5700 Arbei- tern 4JX) fehlten. Auch die elektrisch« Zentrale war stillgelegt, ^.b. schon am 29. Januar in Kiel bekannt war, daß die Mehrheits- sozialdemokratis in die Streikleitung eingetreten war, wisse er nicht Am 30. Januar war der unabhängige Abgeordnete Lenke in Kiel und habe zum Ausharren im Streik aufgefordert. Vor San^e Selegfcfmft äußerst zuverlässig. Mit baüe man das Gefühl, daß die Belegschait bet nächster Gelegenheit wieder in eine Bewegung ein- treten wurde.

Preußischer Untersuchungsausschuß für Barmat-Kutisker.

schlägt vor, die Verhandlungen des Retchstagsausschusies, ohne die Berichte zur Verlesuna SÄ !7 P^utzischen Untersuchling^usschuß' mtt

frfwiiEi5.^Ct.tom$tt-c? iu !"nen. Es soll darüber ein Aus- tchustbeschlup gefaßt werden, ferner darüber, ob die von riSe LÄ^‘es ^^rteidiAungsakten Varmats, die den entbalt^ »ki^^ragen und sonstigen Urkun- jollen?^ ^^' 3U bcn Verhandlungen zugezogen werden

Als erster Zeuge wird bann der

frühere Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt

vernommen/ der bereits am Sonnabend im Reichstaasauss-buk emgehen^ Dekundmigen gemacht hat. Der Zeuge soll^aussaqen

^„^^E Format nicht innerhalb der SoziabdemoktMi« mit Reichsstellen besonders bevor- sind. Der,Zeuge Schmidt wiederholt seine Dm-- sellirng die er bereits im Reichstagsausschiiß gegeben hat Er Wr ^ ^^ bie Ernährungsverhältiilffe im ^Oktober ^^ Wir waren Nicht in der Sage, insbe-

^^^Wubenben Schmuggel an der dänischen und vor allem Srenz« wirksam entgegenzutreten. Wir waren trob über leben Zentner Lebensnnttel, den wir hereinbcfamen

s°rÄ„^E Wege. Barmat habe damals feines Wissens Won solche Waren hereingebracht. Er wurde auch auf d-e fönen fccge englische Liste gesetzt, was von deutsche? Se te aus für euren Kaufmann ein Ehrentitel war. '

s^Ä"' ^f^d^' ^^^ frühere Reichswirtschaftsminister Schmidt gab bei seiner weiteren Vernehmung an daß er niemals habe^ Er kön?/^ im H°tel Bristol teilgenommen

habe. Er rönne unter Eid aussagen, daß er niemals mit Barmat irgendwo oder irgendwie zusammengetroffen sei außer drei- ^ntJri^i n ne?n dureau im Reichswirtschaftsministerium. Eine -nterjutbung über bie Zuverlässigkeit Barmats habe der Zeuge ^uch nachdem bie Oeffentlichkeit sich mit der Angelegenheit be. cba tigte. nicht angestellt. Er habe auch keine of ittellen An- Deilungen wegen Barmat an die einzelnen Stellen erlassen Der

^usfage des Zeugen Staudinger, daß er an- jeorbnet habe, daß Barmat nicht von vornherein die Tür per- tbloffen finden sollte, und daß er nicht besser und nicht schlechter »«handelt werden sollte als andere Bewerber.

Der Kampf Loolidges gegen den Genal.

- -___• 1 zum Ge- neralstaatsanwalt zum zweiten Male ab gelehnt hatte, ver. islflte er sich, um dem Präsidenten Coolidge Gelegenheit zu Persönlichkeit als Generalstaatsanwalt or^uiifjlatien. Cin ©enator erklärte, der Senat wende seine ssion solange fortsetzen, bis der Präsident nachgegeben habe.

Der marokkanische Feldzug.

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erarifF^n111^^01,9 oF Joricn Segen Abd el Krim die Waffen ergriffen haben. Andererseits soll im Riff die feindliche Stimmung gegen Frankreich im Wachsen begriffen An so -^ Sommer mit dem Ausbruch von Kämpfen gegen Fruinkreich rechnet. Französische Brunnen werden an den Riffgrenzen zusammeng7z?gen!^ ^ zchische Resident beim Sultan in Fez soll 'den Befehl zum ^n 9ber e^am^ Vorsichtsmaßregln erteilt haben. —

Midier MM.

36. Sitzung, Dienstag, den 17. März 1925.

Am Regierungstische: Justizminister Dr. Fr « nken.

Präsident Lobe eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Min. und gedenkt des plötzlichen Ablebens der Abg. Frau Dränsfeld iZtr.), die eine der ersten Frauen gewesen sei, die in die deutschen Parlamente eingetreten feien.

„ Vor Eintritt in die Tagesordnung erhebt Abg. Köne« (Komm.) Einspruch gegen die Vorgänge in Halle und Neukölln, wo tlrbett er blut geflossen sei. Das fei eine ungeheuerliche Einleitung gum Prasidentschaflswahlkampf. Der Redner fordert sofortige Behandlung eines Antrages, der die Wahlfreiheit sichert und die Regierung aufforbert, die schuldigen Beamten ihres Dienstes zu entheben.

Gegen die sofortige Behandlung dieser Anträge wird Wider­spruch erhoben.

Die Genehmigung zur Vernehmung der Abgg. Dr. David (Sog.), Dittmann (Soz.^ Fehrenbach (Ztr.), ©iesberts (Ztr.), Scheidemann (Soz.) und Wels (Sog.) als Zeugen in der Strafsache gegen den Miesbacher Anzeiger wegen Beleidigung des ver­storbenen Reichspräsidenten wird erteilt.

Das Kabelpfandgesetz wird ohne Aussprache in erster und zweiter Lesung angenommen.

E- folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über bie

Zusatzsteigerung der Renteu in der Angestellten- Versicherung.

, Abg. Lemoach (Dn.) lehnt die sozialdemokratischen Wünsche auf Beseitigung dieser Sonderversicherung ab. Die Angestellten- versicherung müsse aufrechterhalten werden. Im April fei" nach den „?mgm der Regierung eine Vorlage zur Revision des An- gesteUtenverstcherungsgesetzes zu erwarten. Der Reichstag solle ?.™lef zurückhaltend fein und die Initiative der Reichsregierung

Abg. Hoch (Sog.) will durch eine Verschmelzung der An- gesieuten- und der Invalidenversicherungen bie Leistungen ver-

der ent«

Be- Da be-

Von Demokratischer Seite spricht der Abgeordnete Schneider- Berlin und stellte fest, daß die Rot der Rentner eine Erhöhung der Renten »erlange. Die Demokraten wünschen, die" Versicherungs-

Der Abgeordnete-Thiel von der Deutlchen Volkspärrei halt eine Annahme der demokratischen Anregungen ohne Ausschußprüfung für unmöglich.

.. i-^si.^f..A^ehnung aller Aenderungsanträge werden die Aus- schutzbeschluffe in zweiter und dritter Lesung bestätigt. Die Reichsregierung, wird aufgefordert, dem Reichstage unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, der neben einer Erhöhung ' Versicherungspflichtgrenze in der Angestelltenversicherung eine sprechende Erhöhung der Leistungen vorsieht.

Darauf beantragt Abg. Sötten (Komm.) erneut die sprechung der Vorgänge in Halle, Neukölln und Stuttgart, wiederum widersprochen wird, kann die Angelegenheit nicht handelt werden. (Lärm bei den Kommunisten.) , . D°s Haus setzt nunmehr die Beratung des Haushaltplans beim Reichsiuftizministerium fort.

Abg. Brodauf (Dem.) bedauert die Vergiftung der politischen Atmosphäre. Das zeige sich besonders in der ungeheuren Zahl von Beleidigungsprozessen. Geradezu erschütternd sei es qe- Stm Rothardtprozeß ein Beamter des verstorbenen meichsprastdenten mitteilen mußte, daß dieser Prozeß der 143. Be- leidigungsprozeß fei, den der Reichspräsident führen mußte, be- 3ei$nenb fei es daß man sich bemüht habe, gegen den Reichs­präsidenten Zeugen zu beschaffen, von der Art des Siertq und •nreu. Ein deutiÄnationaler Pastor habe dabei bervorraaend mit-

Der Fall Grünbaum.

Kriminalroman von Otfrid v. Haustein.

B1 (Nachdruck ten.)

»Sehr schön —, dann sind Sie bis neun Uhr im Hause gewesen — ich meine, am Nachmittag beim Professor Koltermann."

»Nun ja —"

„Wenn Sie mir nun nicht genau angeben können, wo Sie sich in der Zeit von neun bis elf Uhr aufgehalten haben, dann halte ich es für sehr wahrscheinlich, daß Sie sich in dem Hause versteckt hielten und auf eine Gelegenheit warteten, bei Grünbaum einzudringen. — Diese bot sich, als der alte Mann Wächter hinausbegleitete. — Sie waren voraussichtlich irgendwo auf der dunklen Treppe — warteten, bis Wächter hinunter war, und schlichen sich hinter Grünbaum, der im Korridor stand. Dann haben Sie ihn mit dem Chloroform, das Ihnen ja reichlich zur Ver­fügung stand, betäubt und ihm das Geld geraubt." Schür- lein rannte wütend auf und nieder.

»So etwas wagen Sie mir zu sagen? Ich bin es ja im Gegenteil gewesen, der ihn gerettet hat."

„Natürlich — Sie konnten es ja am leichtesten tun. Es ist bequem, eine Diagnose zu stellen, wenn man selbst die Krankheit hervorgerufen hat."

Schürlein blieb stehen.

„Soll das Ernst sein, oder machen Sie einen Scherz?" Fast wie Wächter gesprochen, nur daß hier der ganze Mann vor Zorn bebte.

„Ernst, verlassen Sie sich daraus."

Schürlein zwang sich zur Ruhe.

„Wie sollte, ich, ein gebildeter Mann, auf solchen Ge- danken kommen?"

»Sie führten einfach aus, was Ihnen Wächter einmal in einer Laune gesagt hatte — es war Ihnen ja gut tm Gedächtnis, denn Sie haben es gleich brühwarm mir selbst erzählt, als ich zu Ihnen kam, und wollten damit den Ver- -acht aus Wächter lenken."

„Herrgott — das Geld ist doch bei lym gesunden!"

„Sie irren — es ist in einem Briefe gesunden, der nach Mailand postlagernd gerichtet war und der als Ab­sender und Empfänger den Namen Rolf Wächter trug."

„Nun also! Heiße ich vielleicht Rolf Wächter?!'

„Das nicht, aber der Sachverständige für Schriftproben hat festgestellt, daß Wächters Handschrift nicht die geringste Abnlichkeit mit der auf dem Kuvert hat, während die Ihrige —'

„Die kennen Sie ja gar nicht!"

„Ich hatte mir erlaubt, Ihnen zu diesem Zweck heute vormittag einige kleine Nervenschmerzen voiizutäuschen — daß Sie nicht erkannt haben, daß sie nur simuliert waren, kann ja schließlich dem besten Arzt passieren, aber das Attest, welches Sie mir ausstellten, war mir als Schrift­probe sehr angenehm. Wenn ich nun hiermit den Um­stand in Verbindung bringe, daß Sie im Begriff stehen, nach Italien, und ausgerechnet nach Mailand, zu reisen — daß Sie auf Wächter eifersüchtig waren und es eine Be­friedigung Ihres, eigentlich eines Mannes von Ihrem Stande auch nicht recht würdigen Hasses gewesen wäre, ibn für Sie leiden zu lassen, wenn ich ferner bedenke, daß Ihnen die Schulden bis zum Kragen sitzen und daß Grün- baum eben der Mann war, der Sie — ich weiß nicht, ob mit oder ohne Berechtigung — vor den Staatsanwalt bringen wollte — so dürfen Sie es mir und dem Herrn Untersuchungsrichter nicht übelnehmen, wenn wir es für wahrscheinlicher halten, daß Sie, der Sie ja als Mann von ungezügelten Leidenschaften, als wilder Spieler und Lebemann bekannt sind, die Tat vollführten, nicht Wächter, der sorglos, verliebt und plötzlich zu Reichtum gekommen war. Es sei denn, daß Sie mir nachweisen können, wo Sie in jenen beiden Stunden gewesen sind und wer Sie in dieser Zeit vielleicht gesehen hätte. Dann würde ich natürlich nicht unstehen, alles zurückzunehmen und Sie wegen des ungerechten Verdachtes in aller Form um Entschuldigung zu bitten. — Auch ein Kriminalkommissär kann irren."

Noch immer rannte Schürlein auf und nieder.

„Wie soll ich Ihnen jetzt sagen, wo ich am Mittwoch war?"

„Nun — so lange ist es doch nicht her — und — viel­leicht haben Sie einen ärztlichen Besuch gemacht? Viel­leicht steht in Ihrem Journal etwas?"

„Gar nichts kann ich Ihnen sagen — ich weiß recht gut — spazieren bin ich gegangen."

»

»

.Sehr schön."

.In den Tiergarten."

.Hat Sie vielleicht ein Bekannter gesehen?" .Nicht, daß ich wüßte."

.Oder sind Sie eingekehrt?"

„Auch das nicht."

„Also weiß von diesem Spaziergang niemand etwas, wie Sie allein."

„Wer sollte sonst etwas davon wissen?"

„Sehr schade! Hat wenigstens jemand gesehen, daß Sie das Haus um neun Uhr verließen?"

„Soviel ich weiß, war niemand auf der Treppe."

„Auch der Portier nicht?"

„Ich habe ihn nicht gesehen."

„Dann werden Sie mir zugeben, daß ich Ihre An­gaben nicht als einen gelungenen und glaubwürdigen Alibibeweis betrachten kann."

Dr. Schürlein schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Aber es ist doch so!"

„Das zu entscheiden, wird Sache des Gerichts sein/ „Meinetwegen."

„Herr Doktor Schürlein — es ist meine Pflicht, Sic wegen dringenden Verdachts, den Raub an dem Neuste, Grünbaum begangen zu haben, in Haft zu nehmen."

Jetzt zum erstenmal verlor der Arzt die Beherrschung

„Verhaften wollen Sie mich?"

„Ich hätte vielleicht davon Abstand genommen, wenn ich Sie nicht im Begriff gefunden hätte, ins Ausland zr reisen. So liegt Fluchtverdacht vor. Zudem haben Su mich ja noch heute morgen zu täuschen versucht, indem Sn mir angaben, daß Sie erst morgen, und zwar in bai Niesengebirge, reisen wollten."

Morifetzung folgt.)