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Hershrlöer Tageblatt

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Nr. 64

Dienstag, den 17. März

1925

Das Wichtigste.

Zwischen Chamberlain und Herriot findet ii * ® eine,n eue Unterredung statt, bei der der Sicher heitspakt und die Räumungsfrage besprochen wird. einIn^V^ter der Provinz Ostpreußen Habei ne Entschließung angenommen, in der sie fich gegei wenden 6 ^ 6 ^ ° 1 6 nsn &et Frage des polnischen Korridor! r7 91 6 ^ ° ^ ^urch seinen Botschafter in Paris Frank' »ch,»°,'L ..............

Die nationalliberale Reichspartei hat nach em Uebertreten ihres bisherigen Vorsitzenden, Dr. Maretzki, zur Deutschnationalen Volkspartei einen n e u e n V ° r st a n d g e' wählt und gleichzeitig ihre Anhänger zur Wahl von Dr. Patres aufgerufen.

Dr. Iarres.

r^-^achdem die geplante Einheitskandidatur aller bürger- mfct^ mchtiozialistischen Parteien, die den Reichs- 0r Geßler für den Posten des Reichspräsidenten moHten, gescheitert ist, sind die nationalen Par- rhrem gleich am ersten Tage ausersehenen Kandi- K 3 x r ls' Kuruckgekehrt. Es soll hier nicht unter­richt werden durch wessen Schuld die Kandidatur Dr. Geß- ^ zu Fall kam, es sollen auch nicht die Vorteile oder maus der nunmehr vorgezeichneten Entwicklung der Reichsprastoentenwahl sich ergeben können, beleuchtet werden, es sob vielmehr mit Nachdruck auf den Kandidaten ymgewiesen werden, der die Stimmen aller Nationalen auf sich vereinigen sollte.

- Dr. 3 arres unterscheidet sich von den weiteren bisher ausgestellten Kandidaten vor allem dadurch. daß er kein Par-

Volk DWWW

daß es als eine Wohltat empfunden würde, wenn der erste Beamte bet neuen Deutschen Republik herausgehoben wird aus diesem kleinlichen, niedrigen Parteikampf. Ueber Partei- gefasel und inneren Zwist haben wir die Arbeit vergessen. Wollen wir uns ein Vorbild eines deutschen Mannes wählen, der über dem kleinlichen Denken und Tun des heutigen Deutschland steht, so schauen wir auf den Kandidaten der nationalen Parteien, Dr. Iarres. Er ist ein ernster Arbeiter, der etwas schafft und leistet und nicht mit leeren Worten um Anerkennung buhlt. Mcht Reden wollen wir hören, Taten wollen wir sehen. Dr. Iarres ist ein Mann der Tat.

Als Sohn einer Kaufmannsfamilie wurde er 1874 in Remscheid geboren. Nach dem Studium der Rechtswissen- schaften in Ponn, Berlin, London und Paris widmete er sich vornehmlich der Kommunalpolitik. Ihn reizten die Aufgaben des praktischen Lebens, in denen er seine eigene, in der weiten Welt gesammelte Vielseitigkeit am besten sich auswirken lassen konnte. Nach mehrjährigem Dienst in der Stadtverwaltung von D ü r e n und nach verdienstvollein Wirken als Bei­geordneter der rheinischen Metropole Köln berief ihn 1910 seine Vaterstadt Remscheid an die Spitze der Kommunal- verwaltung. 1914 wählten die Duisburger Stadtväter Dr. Iarres zu ihrem Oberbürgermeister. Die größten Auf­gaben, die einem Kommunalpolitiker gestellt werden können, traten Dr. Iarres hier entgegen. Duisburg ist eine Großstadt, ist der Mittelpunkt des rheinischen Wirtschafts­lebens mit einer gewaltigen Industrie und dem größten deutschen Binnenhafen. Die Verwaltung dieses Gemein- toefens verlangte einen ganzen Mann, zumal in der schweren Zeit, die Dr. Iarres in feinem hot^n Amte durchzumachen hatte. Duisburg stand seit dem Amtsantritt seines Ober­bürgermeisters stets an der Front im Westen. Es hatte die schweren Stürme des Krieges zu überstehen, dort brandeten die Wogen des Revolutionskampfes nach dem Kriege, dort drohte der Kommunismus in sonst nirgend gekannter Stärke alle Errungenschaften des modernen deutschen Wirtschasts- lebens zu vernichten, dort befand sich endlich der Hauptsitz der fremden Machthaber, die gegen Deutschland den Wirt­schaftskrieg mit allen seinen Gräueln erklärten. Fremde Be­satzung waren seit Beendigung des Krieges die ungebetenen Gäste Duisburgs. Es erübrigt sich, die Schwierigkeiten dar- zulegen, mit denen eine Stadt unter solchen Verhältnissen zu sümpfen hat. Nur ein weitblickender, umsichtiger und tatkräf- tige-r Mann konnte den gewaltigen Aufgaben, die sich der Stadtverwaltung entgegenstellten, gewachsen sein. Ein solcher Mann ist Dr Iarres. Durch all die Stürme hat er Duisb urc hinübergerettet in die Zeit des langsamen Wiederaufstieg- des Wirtschaftslebens. Nicht Worte, nein, Taten haben da­vollbracht.

Das Rheinland weiß, was es an diesem Manne hat, der weit über die engen Grenzen seines Wirkungskreises hinaus der Führer des rheinischen Wirtschaftslebens ist. Auch bas Reich erkannte beizeiten in ihm den tatkräftigen Mann, der fähig ist, am Wiederaufbau Deutschlands an erster Stelle mit zuwirken. Darum wurde Dr Iarres auf den Posten des Reichsinnenministers gerufen. Das Rheinland aber vermißt« ihn, und er selbst sah dort sein Tätigkeitsfeld. Auf dem rhrei Nischen Vorposten stand er an der besseren Stelle. Die Duis bürget nahmen ihren Oberbürgermeister mit offenen Arme-

wieder auf und haben oft genug die Hochachtung offen bekundet, die sie ihm zollen. Das Duisburger Handwerk begrüßte ihn nach seiner Rückkehr mit einer Adresse, die in den Worten

Indust Wesel

wieder über- tft an der

gipfelt:Wir sind davon überzeugt, daß das gute Ver­hältnis, das unter Ihrer Amtsführung zwischen Verwaltung und Handwerk bestanden hat, auch künftighin obwalten wird." Die Niederrheinische

' rie- und Handelskammer Duisburg- begrüßte ihn mit einem Schreiben, dessen Eingangs­worte lauteten:Es ist uns ein Bedürfnis, an dem Tag, an dem Sie die Geschäfte der Stadt Duisb nehmen, Sie auch namens der Wirt, ,

Stelle aufs herzlichste wieder will kommen zu heißen... In schweren Zeiten haben wir Sie hier entbehrt..." Hieraus spricht die Anerken­nung verschiedener Berufskreise. Aber auch die bürger­lichen Parteien des Rheinlandes, welcher Färbung sie auch sein mögen, geizten nicht mit ihrer Hochachtung vor dem großen rheinischen Sohne. So begrüßte ihn der Führer des Duisburger Zentrums mit den Worten:

... Gerade in den schwierigen Zeiten des Krieges, der Re­volution und der Besetzung haben Sie gezeigt, daß d i e B ü r - gerschaft wohlberaten war, als sie im Jahre 1914 Sie zum Oberbürgermeister wählte." Kaum treffender konnten die Eigenschaften Dr. Sattes gekennzeichnet werden, als es durch das Duisbur­ger Zentrumsorgan, dieDuisburger Volkszeitung", geschah:Versprechungen sindbillig, aber sie sind nicht wertlos im Munde eines Man­nes, von dem man weiß, daß bei seinem Wort auch die Tat steht, und daß er nichts verspricht, was er nicht halten will oder kann." Die rechts bürgerlichenNiederrhei­nischen Nachrichten" nennen ihn einen Mann,der durchgreift, aber ausgleicht." Für ihn prägten sie das Wort:Was er an fängt, das führt er klar und sicher zu Ende." ®eit demokratisch sin­gest e l l t eDuisburger Generalanzeiger"

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einen geschickten Diplomaten, einen ech seit Deutschen". Aus allen Lagern des Rheinlandes klingt das Lob über Dr. Iarres. Und der Rheinländer muß für uns Deutsche vor allem tonangebend sein, er hat das meiste durch­gemacht, ihm gebührt es, daß wir anderen seine Aeußerun­gen und Urteile beachten. Endlich sei noch das Urteil des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert erwähnt, der beim Ausscheiden Dr. Iarres' aus feinen Aem­tern als Reichsminister des Innern und Vizekanzler das folgende Schreiben an ihn richtete:Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen bei diesem Anlässe mit dem Ausdrücke meiner aufrichtigen Anerkennung herzlichst zu danken für Ihre hingebende und erfolg­reiche Wirksamkeit als Reichsminister des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers."

Das alles sind beachtenswerte Urteile, die uns zu denken geben sollten, und die uns mehr sagen, als alle Aufrufe und Ratschläge von Parteien. So einmütig wie die Rheinlande in ihren schwersten Zeiten hinter Dr. Iarres stehen, so sollte sich auch das gesamte deutsche Volk zu ihm bekennen, wo es gilt, ihm das lchchste Amt der jungen Deutschen Republik zu übertragen. Dr

Ein Fünf- oder ein Sie-enmächle- ablommen?

Das Zusammentreffen Lhamberlains mit Herriot.

Der zweiten Begegnung Lhamberlains mit Herriot in Paris mißt man, nachdem die internationale Lage durch die Genfer Aussprache einigermaßen geklärt worden ist, weitest- gehende Bedeutung bei. Die Aussprache wird sich in erster Lücke auf die geplanten Sonderabkommen beziehen, die Lhamberlain in seiner Genfer Rede wiederholt erwähnt hat. Die ftanzösische Ocffentlichkeit rechnet zurzeit mit zwei Mög­lichkeiten: dem Abschluß eines Fünf- oder eines Sieben- mächte-Abkommens, letzteres unter Einschluß der Tschecho­slowakei und Polens. Die Pariser Blätter betonen die weit- gehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und England in diesem Punkte und bereiten sich auf einen schwierigen Gang der diplomatischen Verhandlungen vor. Die sich an die Unterredung unmittelbar anknüpfen werden. Man betont in Pariser politischen Kreisen, daß die Stellungnahme Frankreichs in entscheidendem Maße von den Besprechungen beeinflußt wird, die Dr. Benesch unmittelbar nach dem Aus­gang der Unterredung LhamberlainHerriot mit Herriot und Graf Skrzynski haben wird. Zur Sprache dürfte eben­falls die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund gebracht werden.

Große Bedeutung wird in englischen politischen Kreisen der Tatsache zugemessen, daß schon vor der Abreise Lhann berlains aus London am Freitag vor einer Woche Herriot den deutschen Botschafter in Paris dahingehend unterrichte! hat, daß. die französische Regierung den deutschen Vorschlag als eine mögliche Diskussionsbasis bezeichnet habe. Die

Frage ist, ob Herriot sich an diese Andeutung halten wird Wenn ja, so sind die Aussichten sehr viel besser, denn die Grundsätze des deutschen Angebots und des Paktoorschlages von Chamberlain Hütten viel Gemeinsames. Ein Argument zugunsten dieses Planes besteht darin, daß Polen auf die Dauer einen Vorteil davon haben würde, wenn es Deutschland den polnischen Korridor und denjenigen Teil Oberschlesiens, der jetzt zu Polen gehört, zurückgeben würde. Wenn Polen den Preis bezahle, der allein den Sicherheitspakt möglich macht, dann würde es unzweifelhaft eingeladen werden. Partner des Vertrages zu werden zusammen mit Frankreich. Deutschland, England, Italien, Belgien und der Tschecho­slowakei.

Vor Der Entscheidung in der Krage der Räumung Kölns.

Die Aussprache zwischen Chamberlain und Herriot wird nur knapp zweieinhalb Stunden dauern, weil der britisch« Außenminister seine Reise nach London fortzusetzen gedenkt. Außer der Frage der militärischen Sonderabmachung und dem Beitritt Deutschlands zum Völkerbünde werden dir dringenden Fragen der Abrüstung Deutschlands, der Prü­fung des Eeneralberichts und der Räumung der Kölner Zone eine unmittelbare Lösung erhalten. Die Situation hat feit der ersten Besprechung Lhamberlains mit Herriot inso­fern eine Aenderung erfahren, als sich die auswärtigen Kom­missionen des Senats und der Kammer inzwischen einstim­mig für die Fortsetzung der Besatzung Kölns bis zur Lösung des Sicherhettspxoblems ausgesprochen haben und Herriot vermutlich auf der Verquickung des Sicherungs- und des Kölner Problems bestehen wird. Alles läßt darauf schließen, daß es zwischen den beiden Ministern über diese Frage eine lebhafte Auseinandersetzung geben wivd. Die Pariser Blät­ter bestreiten jwar an und für sich die Richtigkeit der eng­lischen Auffassung, nach der entsprechend Artikel 429 des Versailler Vertrages Köln nach Erfüllung der deutschen Ver­pflichtungen geräumt werden muß. geben aber unzweideutig zu verstehen, daß es Frankreich für den Fall einer solchen ^iMa*Mj&äMaaMMM^aÜdüabaaiti_lrKr_grjinj> her nllnemeinLN______ Abrüstung Deutschlands und der Enttmlitariperung der Rheinlande an Entgegenkommen fehlen lassen wird.

Ostpreußen gegen die Hetzpolitik Polens.

Die Vertreter der Provinz Ostpreußen haben den zuständigen Regierungsstellen nachstehende Ent- s ch l i e ß u n g zugehen lassen:

In einem gegen die Ausführungen Lhamberlains in einer Unterhausrede, die den Polen rät, sich zu mäßige», ge- richteten Artikel der Gazeta Warszawska schreibt das genannte Blatt:nicht der mit dem lächerlichen NamenKorridor" be­zeichnete Gebietsstreifen ist die Quelle des Unfriedens in Europa, sondern die Tatsache, daß Ostpreußen bei Deutschland geblieben ist" und knüpft daran die Forderung, daßder- jenige, welcher den Versailler Vertrag in seinen Osteuropa betreffenden Bestimmungen verbessern wolle, der deutschen Herrschaft in Ostpreußen ein Ende machen möge." Es tritt hiermit immer unverhüllter die agressive Tendenz der Pole» hervor. Polen erweist sich klar und offen als der Ruhestörer Osteuropas, und es können diese fortdauernden Bedrohungen eines rein deutschen Landes von 21^ Millionen Einwohnern, in dem bei der letzten Reichstagswahl nur die verschwinden« Minderheit von 6000 polnischen Stimmen abgegeben ist, Bedrohungen, die noch dazu von einem Staatswesen, dessen Einwohnerschaft bereits jetzt zu ungefähr 40 Prozent frem- stämmigen Minderhetten angehört, ausgehen nicht scharf genug zurückgewiesen werden. Wir dürfen von der Reichs- regierungen ermatten, daß sie Ostpreußen in dieser Zurück­weisung auf das NaiWrücklichste unterstützt

Der Vorsitzende des Provinziallandtags, gez. von Berg.

Der Vorsitzende des Provinzialausschusses, gez. Dr. Brandes.

Der Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen, g^. von Brüuneck."

Ohne Revision keine Sicherheit."

Eine englische Mahnung an Polen.

Ohne Revision keine Sicherheit", schreibt ein Londoner Blatt in einem Artikel, in dem es ausführt: In seiner Entscheidung über das Genfer Protokoll habe England für seinen eigenen und gleichzeitig für den Frieden Europas ge­handelt. Zu dem Problem übergehend, zieht das Blatt einen Vergleich mit dem deutsch-französischen Frieden im Jahre 1871. Damals habe Frankreich unter militärischem Druck Elsaß Lothringen preisgegeben. Frankreich habe aber niemals der Abtretung zugestimmt. Die Revision dieser Neuordnung sei Deutschland wiederholt nahegelegt worden. Ohne die Annektierung Elsaß Lothringens wäre Deutschland vielleicht Herr der Welt geworden. Sieben Jahre später jei dann der Antrag von Berlin nach dem Berliner Kongreß