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HersMer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für den Kreis hersfeiö

Nr. 63 . Montag, den 16. März 1925

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Die für die Kandidatur Dr, Zarres' ein tretenden Parteien und Organisationen haben sich z, einem ReichsbIock zusammengeschlossen. Auch die Wirt »chaftliche Vereinigung hat sich hinter Dr. Sattes ae stellt. 3

3 m Genfer Völkerbundrat in Senf legte der Dan Äiger Senatspräsident Sahm den Konflikt Danzias mi Polen in der Brieska stenafsäre dar.

In Halle kam es anläßlich einer Kommunistenversamm. lung zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen der Kommunisten und der Pol lzei, wobei es s: eben Tote und mehr als dreißig Verletzte gab.

Wirtschaftliche Wochenschau. wr^Ä

nwf) weitere Schatten hinzugetreten. Nach den neuesten Be- rtdjten aus den verschiedenen Industrie- und Handelszweigen ist ganz unverkennbar, daß mir uns wieder in einer rück­läufigen Konjunktur befinden. Dazu lassen und ließeir die allerorten und in allen Gewerben aufflackernden neuen Nampfe zwiichen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, in aller- erster Linie der E i s e n b a h n ck r b e i t e r st r e i t, keinen Zweifel, daß auch von der Lohnseite her eine neue Erhöhung Der Herstellungskosten und eine neue Gefährdung des Preis­abbaues, wenn nicht gar eine neue Verteuerung der wich­tigsten Waren droht. Die bevorstehenden Wahlkämpfe dürften nach früheren Erfahrungen auf diesem Gebiete noch Ver­schärfungen der Gegensätze bringen, weil die Versuchung für 0>e äußerste Linke und im Wettbewech mit ihr,M die Sozial-

Unterstützung der Lohn- und Arbeitszeitkampfe zu merben. Der neue Lebenshaltungsindex, der für Februar in der letzten Woche bekanntgegeben wurde, wird diese Entwicklung noch be­günstigen. weil er durch die eingeführte neue Berechnungs- grunölage eine scheinbar gewaltige Steigerung ergibt, wäh­rend nach der alten Methode nur eine geringfügige Verände­rung festzustellen wäre Auch eine nachträglich für Januar nach der neuen Methode vorgenomweite Berechnung ergibt keine erhebliche Verteuerung für Februar; es bleibt als Er­gebnis der Aenderung nur die ziffernmäßige Bestätigung der längst bekannten Tatsache, daß sich die Kosten der Lebens­haltung in Wirklichkeit gegen die Vorkriegszeit viel mehr er­höht haben, als der alte Index uns glauben machen wollte. Daneben begrüßt die Wirtschaft allerdings bei der Neurege­lung in der Rückkehr zur nur noch monatlichen Index­veröffentlichung die Erfüllung eines alten Wunsches, nach­dem die wöchentlich bekanntgegebenen Zahlen mit zuweilen größeren, nachher im Monatsdurchschnitt sich wieder aus­gleichenden Schwankungen oft unnötige Unruhe in die Preis­bewegung und die Lohnverhandlungen getragen hatten. Die Preisbewegung der letzten Woche selbst bot wenig Bemerkens­wertes, denn der Sturz der Getreidepreise an den Welt­märkten hat sich für Deutschland lediglich im Getreidetermin- Handel, hier allerdings anscheinend recht verlustreich, nicht aber bei den Verbraucherpreisen ausgewirkt, da letztere auch

ver-

Her Aufwärtsbewegung vorher nur wenig gefolgt waren; die weitere Steigerung der Butterpreise entspricht wohl der Witterung, der Jahreszeit und den spekulativen Einwirkun­gen des bevorstehenden größeren Osterbedarfs. Dagegen ist die nad) Wochen völliger Geschäftsstille an den Wert­papierbörsen eingetretene Belebung und Befestigung beachtenswert. Sie erklärt sich wohl in erster Linie neben größerer Geldflüssigkeit an dem für außenstehende Privat­leute nicht in Frage kommenden Markt fürtägliches Geld" aus deni wachsenden Einfluß der Dividendenergebnisse auf die Kursbildung und die namentlich bei sogenannten Kassawerten vielfach überraschend günstigen Dividendensätze für 1924. Es scheint trotz der sommerlichen Krise und aller pessimistischen Erklärungen über die Lage der Wirtschaft und der Industrie im Jahre 1924 vielfach recht gut verdient worden zu sein; außerdem wirkt sich in den Gewinnergebnissen noch das spätste Einsetzen selbst eines müßigen Preisabbaues und die starke innere Festigung der Unternehmungen bei den scharfen Kavitalzusammenlegungen günstig aus. Um so mehr ver­stimmt die Börse und die privaten Aktienbesitzer die Divi­denden politik mancher sogenannter Standardunternehmun­gen, deren Aktien durch den Mangel jeglicher Gewinnaus­schüttung und die einseitige Verwaltungspolitik mehr und mehr aus Ausland abgegeben werden, das fid) besser als der deutsche Aktionär das Durchhalten rentenloser Papiere ge- ftntten kann. Von den Börsen ist noch das weitere Vor- drtnaen der Kapiürlbeteiligungsform der aus Amerika über- uommenenEonvertible-Bonds" in die deutsä,en Finanzie- rarnasMethoden zu erwähnen; als erstes dieser Papiere, die dem Besitzer die Rechte des Inhabers einer hypothekarisch siche-rgestellten, hochverziusliäM SchuldversäMibung, zu- gleich mit einem Anspruch aus Umtausch dieses Papiers in eine vollgültige Aktie gelobtsten und also sicheren Zinsertrag mit der Beteiligung an besondere günstiger Entwicklung des Unternehmens verbinden, mürben diejenigen der Harpener Rerqbu ugesellschaft mit einem Kurse von 130 Prozent bei zunächst sieben pro jentiqer Verzinsung notiert. Ob die gegen HMÄ heg: Woche von einem Teil Nt BüHe gehegt« Hojj,

nung aus eine der Aufwertung günstigere Einstellung der Regierung begründet ist, blieb ungeklärt, hingegen zeigte sich beutlid) eine neue Verschiebung der Aufwertungsregelung und die reserviertere Stellung der Deutschnationalen zu dem ursprünglich auch von ihnen vertretenen Best'schen Auf- wertungsentwurs wurde viel beachtet. Eine Verschiebung er­fuhr durch die politische Entwicklung auch die Finanzreform, die die Wirtschaft, je mehr darüber bekannt wird, mit um so gemischteren Gefühlen betrachtet, weil man einsieht, daß das letzte Ziel der Regierung die Erhöhung der Steuereingänge und der Steuerbelastung ist, und sich hieraus und aus der Gestaltung der Handelsbilanz immer deutlicher zeigt, welch unvereinbarer Widerspruch zwischen dem augenblicklichen Ertrag der Wirtschaft und der aufzubringenden Daweslast klafft. Die für die Milderung der Dawesverpflichtungen ausschlaggebenden Verhandlungen über Handelsverträge und über einen deutschen Zolltarif solcher Gestalt, das er in seiner Einheitlichkeit und seinen Sätzen eine wichtige Waffe für diese internationalen Abmachungen bietet, machten immer noch keine wesentlichen Fortschritte, vielmehr stehen wir in einigen Fällen heute ungünstiger da, als noch vor wenigen Wochen. Unter solchen Umständen berechtigen auch die weni­gen erfreulichen Zeichen, die fortschreitende Belebung am Baumarkt, die Entspannung des Reichsbankstatus und die Befestigung an den Börsen, nicht zu hoffnungsvoller Be­urteilung der nächsten Wochen und der in ihnen sich ab- spielenden, von großen Hoffnungen getragenen weiteren Frühjahrsmessen im Reich. M.

Ein Reichsblock für Dr. ZarreS.

Wie wir erfahren, hat sich auch die Wirtschaftliche Vereinigung offiziell und geschlossen für die Kandidatur Dr. Iarres erklärt. Die hinter dieser Kandidarm stehenden Parteien und Organisationen haben sich als Reichsblock konstituiert. Dr Iarres hat S^^wM^ fReibung der Bayerischen Volkspartei wird in der Sonn­abend in München stattfindenden Sitzung gefällt werden.

Von den dem Reichsblock angehörenden Verbänden seien vor allem der Stahlhelm, der W e r w o l f, die General- feldmarschall von Heeringen nahestehenden Kriegerver» eine, der Deutsche Offizier-Bund und die natio­nalen Turnerschaften erwähnt. Hinzukommen viele andere Organisationen, besonders auch aus Angestell­ten- und Arbeiterverbänden, die den nationalen Parteien nahestehen.

Die zweite Zusammenkunft Chamberlain- Herriot.

Das Ministerium des Aeutzern in Paris teilt amtlich mit, daß die zweite Zusammenkunft zwischen Herriot und Chamberlain auf Montag, drei Uhr nachmittags, fest­gesetzt ist. Die beiden Alinister werden ihre Unterredung über die S i ch e r u n g , die A b r ü st u n g D e u t s ch l a n d s, den Generalbericht der Kontrollkommission und die RänmnngderKölnerZone fortsetzen.

Die Antwort auf das deutsche Völkerbund­memorandum.

Aus Genf wird gemeldet, daß der Vorentwurf einer Antwort des Völkerbundrates auf das letzte deutsche Bölker- bundmemorandum abgefaßt wurde und in einer öffentlichen Sitzung von dem Rate besprochen wird. Ueber den Inhalt der Antwort erfährt der PariserMatin", daß der Rat zu- nächst den Wunsch Deutschlands, dem Völkerbund beizutreten, zur Kenntnis nehme und darauf Hinweise, daß Artikel 16 zu den notwendigen Verpflichtungen der Mitgliederstaaten des Völkerbundes gehöre. Gleichzeitig stelle die Antwort fest, daß der Rat von Fall zu Fall Maßnahmen erwägen werde, die ein Staat auf Grund der Verpflichtungen des Artikels 16 zu übernehmen habe. Sobald Deutschland Mitglied des Rates geworden sei, habe es Gelegenheit, feine Auffassung in dieser Frage näher bekanntzugeben. Zum Schluß werde zum Aus­druck gebracht, daß die Mitgliedstaaten des Völkerbundes den Beitritt Deutschlands unter den obenstehenden Voraussetzun­gen mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen würden.

Der Danziger Senatspräsident vor dem Völkerbund.

Der Danziger Senatspräsident S a h m hielt im Genfer Bölkerbundrat folgende Rede:Die Frage des pol­nischen P o st d i e n st e s, der Anfang Januar in der Freien Stadt Danzig eingerichtet worden ist, hat Danzig in allen seinen Bevölkerungsteiien außerordentlich erregt. Die ganze Welt hat an dieser Bemegung lebhaften Anteil ge­nommen. Nach unserer Meinung hat selten ein Streitfall zwischen Danzig und Polen so klar gelegen, selten daher auch die Bevölkerung Danzigs so sehr der Entscheidung ihres hohen Protektors entgegengesehen, wie in dieser Frage. In dieser Angelegenheit gaben bereits zweimal die Instanzen des Völkerbundes dem Danziger Standpunkt recht. Wir erheben auch von dieser Stelle vor allen Mitgliedern des Völkerbundes Protest gegen eine solche Handlung, gegen die bis heute, acht Wochen nach dem Vorgehen, der schwache Freistaat keiner­

lei Schutz erfahren hat. Nicht mtermähnt bleiben darf auch, daß die Republik Polen durch schärfsten wirtschaftlichen Boykott während der letzten Wochen versucht hat, Danzig ihren Wünschen gefügig zu machen. Dieses ßerfobren hat neben der direkten Schädigung durch den Bofthievst, der für die Haudelskrelte Danzigs eine untragbare Verwirrung in allen Eeschäftsoesiimmunqen herbeigeführt hat, starke wirt­schaftliche Schäden für die Freie Stadt im Gefolge gehabt, u. a. 10 090 Arbeitslose hervorgerufen. Wir erhoffen von der diesmaligen Ratstagung eine klare Entscheidung der Frage. Wenn der Rat es für notwendig hält, ein Gutachten darüber einzuholen, so hat Danzig dagegen im Bewußtsein seines Rechtes nichts einzuwenden. Schwerste Bedenken muß ich jedoch gegen die vom Herrn Berichterstatter in Aus­sicht gestellte mehrmonatliche Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes erheben. Ich nruß den Rat dringend bitten, die­sen Bedenken dadurch Rechnung zu tragen, daß er, wie jeder andere Richter, zunächst für die Wiederherstellung des Status quo ante sorgt. Ich bitte daher den Rat, in diesem Sinne seinen Beschluß zu fassen."

Die englische Oeffenttichkeit zum deutschen Sicherungsvorschlag.

Der deutsche Vorschlag zur Sicherheitsfrage beschäftigt die englische Oeffentlichkeit unausgesetzt. Die Wochenblätter stellen ohne Ausnahme den deutschen Vorschlag an die erste Stelle. Ein Blatt sagt, das Problem der Sicherheit sei in eine neue Phase eingetreten. Der deutsche Vorschlag eines FUnfmächtepaktes sei in seiner Entwicklung von allererster Bedeutung, und seine Bedeutung sei durch die ernsthafte Auf­nahme durch Allsten Chamberlain in der letzten Woche im Unterhause vermehrt worden. Es sei in der Tat ein in jedem Sinne bemerkenswerter Schritt, den die deutsche Regierung unternommen habe. Der deutsche Vorschlag sei gerade im richtigen Augenblick erfolgt, um seinen bedeutenden Einfluß aus die englische Politik auszuüben. Das Kabinett habe aber eiuLL-.Sonder-abkommens mit Frankreich und

Heiten gekommen, die durch den deutschen Vorschlag beseitigt würden.

Die poincariffen meisten sich.

Die Senatsgruppe der französischen republikanischen Union hielt unter Vorsitz des Senators Eheron eine Sitzung ab, in der die äußere Lage und das Sicherheits- Problem besprochen wurden. Es fand eine längere Dis- kussion statt, in deren Verlauf diese Frage nach jeder Richtung hin geprüft wurde. An der Diskussion beteiligte sich auch P o i n c a r 6. Sodann hat die Gruppe einstim- mig ihre Zustimmung zu den von der Senatskommission für Auswärtige Angelegenheiten getroffenen Beschlüssen gegeben. Sie gibt besannt: sie vertrete jetzt die Ansicht, daß es zweck­mäßig wäre, im Einverständnis mit den Alliierten den Bericht der Interalliierten Militärkontrollkommission über die Ver­fehlungen Deutschlands zu veröffentlichen, sie sei ferner der Meinung, daß diese Kommission ihre Tätigkeit weiter aus» üben müsse, bis die von der Botschafterkonferenz aufgestellten fünf Bedingungen von Deutschland erfüllt seien, und daß mit Deutschland keine Abkommen getroffen werden dürfen, bis Deutschland gemäß den allgemeinen Bestimmungen um seine Aufnahme in den Völkerbund nachgesucht habe. Die Gruppe gibt ferner bekannt, daß sie der Ansicht sei, daß angesichts der allgemeinen Verfehlungen Deutschlands hinsichtlich seiner Ent- waffnungsverpflichtungen die Besetzung der Kölner Zone auf­rechterhalten werden müsse.

Wieder ein belgisches Knegsgerichtsurteil.

Der deuffche Leutnant Richard ist vom Kriegsgericht wegen zweifachen Mordes, den er während des Krieges be­gangen haben soll, in contumaciam zum Tode verurteilt worden.

Panische Hetze.

Ein Pariser Blatt bringt ein Interview seines War- schauer Sonderberichterstatters mit dem polnischen Kriegs- minister Sikorski. Auf die Frage, ob Kriegsgefahr bestehe, antwortete Sikorski:Von russischer Seite bestehe keine Ge­fahr. Die' russische Armee sei unzuverlässig, außerdem liege den Sowjets nichts daran, einen siegreichen General in Ruß­land zu haben. Anders sei es mit Berlin (!). Nach Schätzun­gen des polnischen und des französischen Generalstabes fei Deutschland in der Lage, zwei Millionen Soldaten sofort ins Feld zu schicken (!). Polen verfüge über ein Friedensheer von 250 000 Mann und könne im Kriegsfalle eineinhalb Millionen aufbringen. 20 neu geschaffene Waffenfabriken seien ein besseres Unterpfand als jede deutsche Garantie- umerfebrift. Aus Gesprächen mit hohen Offizieren der pol­nischen Armee gewann der Berrchterstatter den Eindruck, daß Polen rein zahlenmäßig die deutsche Armee nicht schlagen könne, aber anderthalb Millionen von glühendem Patriotis­mus beseelte Männer würden in einer Schlacht nicht zu­grunde gehen (!). Außerdem würden Rumänien und Ser­bien in den Konflikt eingreifen. Die Hypothese eines örtlich begrenzten Krieges sei deshalb unhaltbar.

Der Genfer Vertreter derChicago Tribune" will von durchaus zuverlässiger Seite erfahren haben daß Polen im K^etdor Truppen zusammenziehe. ,.