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Kersfelöer Tageblatt

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Heesfelöer KreLsblatt"

Amtlicher Anzeiger Dr den Kreis Hersfelö

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Nr. 61

Freitag, den 13. Mär;

1025

Das Wichtigste.

— 3« her mit Spannung erwarteten giebt des englischer Außenminister» Ehamberlain auf der Völkerbund- r a t f i b u n q in Genf betonte dieser br» Schaden der Sanktionen und fonberte den Abschluß von Svnderverträgen zwischen den einzeln»^ Staaten

— Das Gutachten 6 e • Generals Fach über die Er­gebnisse der Miliiärkonrrollr in Deutschland wirb ton neuem verzögert.'

— 3m Reichstag wurde am Donnerstag der Stell­vertreter des Reichspräsidenten. Dr, Simons vereidigt.

Eine Entscheidung über die p»n den bürgerlichen Parteien angestrebte Samreelkandidatur Seiler für bie Reichspräsidenienwahl ist noch nicht gefallen. Den Ausschlag werden die Fr e k.". s n »st tz u n gen des Zen- trums und der Deut ich »».tspaleu geben.

Die VergewMgvnß des

SentMlns in derMechoilowakei.

Kein Lag vergeht, an dem nicht aus der Tschechoslowakei Notschreie der deutschen Bevölkerung zu uns dringen, Not­schreie von Deutschen, die unter der Knute des neuen Herrn leiden, entrechtet und geknechtet. Es scheint den Tschechen besonders zu Kopse ^gestiegen sein, feitbem ihnen dank der Einkreisungspolitik Frankreichs Großmachtsideen und Groß- machtswahnsinn eingeimpft worden sind. Frankreich i)at die ^schechei dazu ausersehen, daß sie ein Stachel im kranken Leibe Deutschlands ist, der stets sticht und peinigt. Schon mehrfach hatten' wir Gelegenheit von den geradezu märchen­haften Rüstungen der Tschechen zu hören, die mit fran$bfi= schem Gelde bewerkstelligt werden. Frankreich hat wirklich MMWWWMMWMWWWW sind vielmehr Vasallen Frankreichs, dazu bestimmt, im Rücken Des stets gefürchteten deutschen Reiches als Bennrnhigunas- faktor zu dienen.

Die Tschechen verstehen die ihnen von Frankreich zuge- dachte Rolle musterhaft zu spielen, und sie leisten auch etwas für den Frankensegen der französischen Republik. Positive Werte schaffen, bedeutet „leisten* bei den Tschechen nun aller­dings weniger, dafür leisten sie aber um so mehr in der Unter­drückung des Deutschtums. Sie führen einen scharfen Kampf liegen deutsches Schulwesen, weil sie in richtiger Erkenntnis hier das Deutschtum an der Wurzel zu treffen meinen. Die deutschen Schulen werden geschlossen, der Unterricht der deutschen Sprache verboten, so glaubt man bei den Tschechen Dem Deutschtum den Dolchstoß zu nersehen, der deutschen Bevölkerung ihr Volkstum zu nehmen. Der Präsident Ma- saryk hat anläßlich seines Wjührigen Geburtstages die Quit­tung erhalten, die Deutsck-en fanden den Mut, ihn: in einem besonderen Schreiben zu erklären, daß sie davon Abstand nehmen würden, an den Feierlichkeiten für den Jubilar teil- zunehmen angesichts der unwürdigen Behandlung der Deut­schen. Der Schlag war gut geführt und wird kaum fehlgehen. Mag Herr Mafaryk daraufhin vielleicht auch noch schlimmer die Knute über die Deutschen in seinem Lande schwingen, die Zukunft wird's zeigen, wer es länger aushält. Das Un­recht findet doch dereinst feinen Retter

Um aber ein Bild zu gewinnen von dem tschechischen System der Unterdrückung des Deutschtums in der Tschecho­slowakei wollen wir unsere Blicke auf die unglücklichen Be­wohner des Hultschiner Ländchens wenden. Hier erkennen wir das System in all seinen Feinheiten, hier er­kennen wir die Entrechtungspolitik der Tschechen, die Nicht­achtung des Rechtes der Minoritäten, die Nichtachtung des im Friedensvertrag von Versailles feierlichst verbrieften Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Das Hultschiner Länd- chen gehört zu den wirtschaftlich wertvollsten Teilen Ober- schlesiens und ist ein Gebiet von ungefähr 340 Quadratkilo­metern mit rund 50 000 Einwohnern. Den wirtschaftlichen Mittelpunkt bildet die Stadt Hultschin. Landwirtschaft, Berg­bau und Forstwirtschaft stehen in dem kleinen Lädchen in vollster Blüte. Die Landwirtschaft liefert auf dem fruchtbaren Boden der Oderniederung reiche Erträge. Musterwirtschaften in der Ackerbestellung und Viehwirtschaft haben ihr hohes Vorbild in den Großwirtschaften der Familien Lichnowsky und Rotschild. Berühmt geradezu ist aber dieses so wenig beachtete Ländchen durch seinen Flachsbau geworden. Bereits 1918 wurden >100 Morgen mit Flachs bestellt, die einen Ertrag von 128 000 Zentnern lieferten. Fast 400 Be- amte und Arbeiter fanden hier ihr Brot. Daneben liefert das Ländchen aus feinen Kohlengruben von Petershofen bie hochivertige Seinkohle, die sie infolge ihres hohen Heiz­werte» zur Koksbereitung und als Schmiodekohle geeignet macht. Die Grube beschäftigte im Jahre 1918 eine Belegschaft von 2744 Mann und förderte 696 000 Tonnen, einen wahrlich «icht unwesentlichen Anteil an der Ausbeute aus dein beut- {eben Kohlenbergbau. Besonders umfangreich sind die Wälder, üppige hohe Wälder, die auf dem guten Boden einen hohen Holzertrag liefern. Die Bevölkerung ist zu zwei Dritteln in cer Land- und Forstwirtschaft tätig, ein Drittel ist in Indu­strie Und Bergbau beschäftigt: weit über die Grenzen bekannt eher ist da» kleine Hauüereroülkchen, da» ran» die, «u» un

Sommer ganz Deutschland und Oesterreich durchzieht, um erst im Winter wieder in die Heimat zurückzukehren und das er­worbene Geld meist in Grundbesitz anzulegen. Die Bevölke­rung, die im geschäftlichen Leben sich nur der deutschen Sprache bedient und ihre mährische Sprache nur im häuslichen Verkehr gebraucht, ist und denkt kerndeutsch. Niemals hat das Völkchen für den tschechischen Nachbarn auch nur das Geringste übrig gehabt, und auch während der Sturmtage des Krieges hat die Bevölkerung durch ihre unerschütterliche Treue und Opferwilligkeit ihre Anhänglichkeit und Liebe zum Deutschtum bewiesen.

Nach dem Bersailler Vertrage hätte die Bevölkerung selbst darüber entscheiden müssen, ob sie weiter zu Deutschland ge­hören wollte oder ob sie die neue Herrschaft der Tschechen mehr lockte. Der Ausfall einer Volksabstimmung war nicht zweifelhaft; er hätte für die Tschechen eine geradezu nieder­schmetternde Niederlage bedeutet. Kaum hätte sich wohl ein Verblendeter gefunden, der zugunsten der Tschechei feine Stimme abgegeben hätte. Darum übersah man im feindlichen Lager die Friedensvertragsbestimmungen und hoffte auf die Macht des Stärkeren. Ohne sich an das Recht der Bevölke­rung zu halten, wurde das Hultschiner Ländchen zur Tschecho­slowakei geschlagen. Gegen dieses schreiende Unrecht und die geradezu empörende Nichtachtung der Vertragsbestimmungen verhallten alle Einsprüche der Bevölkerung. Eingaben des Kreisausschusses an den Obersten Rat blieben unbeachtet. Fürst Lichnowsky als früherer deutscher Botschafter in Lon­don wandte sich telegraphisch an den englischen Minister Balfour, um seine Aufmerksamkeit auf das sich hier vollzie­hende Unrecht zu lenken, Abordnungen der Bevölkerung unter Führung des nie ruhenden Vorkämpfers für das Deutschtum, Dr. 9B e i g e I, gingen nach Prag, Berlin und Paris. Erfolg- los. Die Bevölkerung nahm auf eigene Faust eine Abstim­mung vor, bei der 93,7 Prozent der Abstimmungsberechtigten sich für ihr Verbleiben bei dem deutschen Reiche erklärten. Alles war ohne Erfolg. In weiterer Mißachtung des Ver- failler Vertrages, nach dem die Minoritäten nach den Grund­sätzen der Freiheit und Gerechtigkeit verwaltet werden sollen, bürgerlichen Rechte wurden unterbunden, die Versammlungs­freiheit aufgehoben. Tschechischer Unterricht wurde mit Ge­walt in den Schulen eingefiihrt, sämtliche Gemeindevertre­tungen aufgelöst. Der Bevölkerung wurde die tschechoslo­wakische Gesetzgebung beschert, die einen Zustand von Rechts­unsicherheit und Verwirrung brächte. Die Landwirtschaft wurde zugrunde gerichtet, Eintragung von Zwangshypo­theken war durchaus keine Seltenheit. Der Stand der Bau- und Bergarbeiter wurde vernichtet. Nunmehr Ausländer in der Tschechoslowakei waren sie bei Arbeiterentlassung an erster Stelle brotlos, und in tschechischen Betrieben fanden sie als jüngste tschechische Bürger keine Arbeitsstelle.

So haben die wenigen Jahre seit dem „friedenbringen- ben" Verträge von Versailles genügt, um ein arbeitsames und in seinem Rahmen wohlhabendes Völkchen arm und ent­rechtet zu machen. Rücksichtslos wurde es der Bergewalttgung der Tschechen überliefert, die es knechten, um aus ihm gute Tschechen zu machen. Und doch haben die Hultschiner bis heute nicht verzagt, und unbeugsam bleibt ihr Wille zur natio­nalen Selbstbehauptung. Sie kämpfen weiter für ihr Recht voller Hoffnung und Zuversicht auf die Hilfe des deutschen Reiches. Treu den deutschen Grundsätzen: „Das Recht muß uns doch bleiben", harren sie aus. Ein Vorbild der Treue, eine Mahnung an uns Deutsche!

Ehamberiam wer das Genfer Protokoll und den Gicherheits-akt.

Ehamberlain beginnt seine Rede mit der Feststellung, daß die britische Regierung auf das sorgfältigste das Genfer Pro­tokoll studiert habe. Leider wäre es hier wegen der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen, die Anschauungen der Dominions anders als auf telegraphischem Wege zu hören. Die Annahme des Protokolls wäre sowohl für Kanada, für Australien, Afrika und Indien nicht möglich. Die Anschauungen der irischen Regierung wären Ehamberlain nicht bekannt. Fort­fahrend gibt er im ersten Teil seiner Ausführungen eine ein­gehende Würdigung der Gründe, aus denen die britische Re­gierung einen großen Teil des Protokolls nicht unterzeichnen konnte, läßt aber die Möglichkeit offen, das Protokoll von neuem durch die- Vollversammlung beraten zu lassen. Die britische Regierung teile nicht die Ansicht, daß ohne Sank­tionen der ' Völkerbund ohnmächtig wäre, alle Sanktionen hingen von der Kraft der Verträge ab. Wenn die Verträge wertlos seien, so würden es auch die Sanktionen sein. Wir besitzen, sagte Ehamberlain, keine andere Sicherheit, als uns auf das gegebene Wort zu verlassen. In besonderen Fällen könnten die Sanktionen allerdings beibehalten werden. Wir glauben nicht an die in der Welt verbreiteten Alarmrufe. Das wichtigste Mittel, sie zu bekämpfen, ist, die Bestimmungen des Paktes zu verstärken und aus dem Pakt ein In­strument zu machen, das uns den Frieden sichert. Das Protokoll bringt uns die Frie- densversicherunq nicht, es verschärft wohl die Ver- antwortung der Pöllerbundmitglieder, aber es erleichtert ihre Aufgabe nicht. Welche Lösung gibt es für uns? Wie können wir die Sicherheit und vor allem das Gefühl der Sicherbeil gewährleisten? Der Völkerbund ist aus einer Zeit der tief­

sten Feindschaft erwachsen, die aus historischen und anderen Gründen die großen und mächtigsten Staaten der Welt teilte. Es ist möglich, daß diese Feindschaften grundlos waren, aber wenn sie tatsächlich vorhanden sind, so wird es nicht gelingen, sie durch die erste Methode der Regelung der Streitigkeiten zu beseitigen. Wir befürchten in Zukunft nicht die Ungerech­tigkeit in der Welt, sondern wir befürchten einen neuen Krieg, der aus dem Gefühl der Rache entstehen würde. Deshalb ist die britische Regierung der Ansicht, daß es nur eine Lösung gibt, den Pakt zu ver­vollständigen und ihn durch Sonderabkommen zu ergänzen, die den besonderen Verhältnissen und Beziehungen der ein­zelnen Staaten zueinander Rechnung tragen. Um einen dauernden Frieden zu gewährleisten, müß­ten diejenigen Staaten, die aufeinander angewiesen sind, durch besondere Verträge gebunden werden, denn diese Staaten können am ehesten den Anlaß zu neuen Kriegen geben. Es wird nicht schwer sein, eine bessere Garantie gegen zukünftige Unglücksfälle zu finden. Lham- berlain wiederholt weiter die Bedeutung des Eintritts Ame­rikas in den Völkerbund.

Die Empfehlung der Sonderoerträge in dieser nachdrück­lichen Form, wie dies von Ehamberlain geschah, hat in Völ­kerbundkreisen große Aufmerksamkeit erregt, da der deut- liche Hinweis auf eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich als Vorbedingung für den Weltfrieden sehr gut verstanden wurde.

Der Völkerbundsrat zu Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund.

In einer mehrstündigen, streng vertraulichen Sitzung hat sich der Völkerbundrat in Genf unter dem Vorsitz des Englän­ders mit der Note der deutschen Regierung vom 12. De­zember, betreffend den eventuellen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, beschäftigt. Ueber die Aufnahme oder MMWMMW^M^WWMMMM^j^M^D^ÜLLaWt»

lich nicht zuständig, sondern einzig und allein die Vollver- sammlung. Der Rat hat bloß den Boden zu ebnen und das Terrain zu sondieren. Immerhin ist im Schoße des Rates einstimmig zum Ausdruck gekommen, daß der Eintritt Deutschlands wünschenswert sei.' Unter welchen Voraus- fetzungen, wird nicht gesagt, wie überhaupt über den Gang dieser Verhandlungen nichts Zuverlässiges verlautet. Es steht aber soviel fest, daß an die deutsche Regierung eine Note gerichtet werden soll, in der daraus hingewiesen wird, daß die Völkerbundversammlung ein von Deutschland aus- gehendes Gesuch wohlwollend prüfen werde. Auch zu den von Deutschland, betreffend Artikel 16 des Paktes (wirt­schaftliche und militärische Sanktionen gegen ein fehlbares Mitglied) gemachten Vorbehalten hat der Rat nicht ausdrück­lich Stellung genommen.

Weitere Verzöge- ung des Fock-Gutachtens.

Das neue Gutachten des Marschalls Fach über den Ge­neralbericht der Kontrollkommission und die Maßnahmen zur Abrüstung Deutschlands wird erst im Laufe der nächsten Woche erstattet. In französischen Kreisen scheint man neuer­dings auf eine rasche Erstattung des Schriftstückes keinen be­sonderen Wert mehr zu legen, solange sich die diplomatische Lage aufgrund der Genfer Besprechungen nicht geklärt hat. Außerdem wird die Botschafterkonferenz erst nach der er­neuten Begegnung Chamberlains mit Herriot in der Lage sein, die Prüfung des Generalberichts an Hand neuer Wei­sungen wirksam wieder aufzunehmen.

Wie die Berliner „Tägliche Rundschau" erfahren haben will, sind die Mitglieder der französischen Militärkontroll- kommission wieder in Berlin eingetroffen. Das ließe darauf schließen, daß mit einer Fortsetzung und wohl auch mit einer Verschärfung der Militürkontrolle gerechnet werden müsse.

Nach Blüttermeldungen aus Genf soll Wiesbaden der Sitz der ständigen Kontrollkommission des Völkerbundes für die entmilitarisierte Rheinzone werden.

Ehrliche Worte des amerikanischen Botschafters in Berlin.

Der ehemalige amerikanische Botschafter in Berlin, Houghton, hatte nach seiner Rückkehr lange Besprechun- gen mit Coolidge und Kellogg, in denen er auf die außer- ordentliche Besserung der deutschen Wirtschaftslage hinwies. Er entwickelte seine Ansichten über die deutsche Abrüstung und betonte nochmals, daß Deutschland völlig entwaffnet sei.

Die Vereidigung des

Aeichspräfidentenstellvertreters.

Donnerstag mittag fand die Vereidigung des stellver­tretenden Reichspräsidenten Dr. Simons vor den ver­sammelten Reichstagsmitgliedern statt. Kurz vor zwölf Uhr versammelten sich die Abgeordneten im Plenarsitzungssaal. Sämtliche Reichstagsfraktionen waren vertreten bis auf die K o m m u n i st e n. In der Diplomatenloge bemerkte man verschiedene Vertreter der fremden Wlädjte. Kurz nach