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Hersfel-er Tageblatt

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p yersfel-er Kressblatt" [

- Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö !

Der Bezugspreis beträgt durch die Pott bezogen monatlich 1. Mk., ausschtiebl. Beltellgeld, für Bersfeld 1. Mk. bei freier Zutielluag, Abholer .80 Mk. « Drude und Verlag von budwlg Funks Buchdrucherei In Bersfeld, (Dliglied des VDZV.

Nr. 50 (3meitt5 Statt)

Sonnabend, den 28. Februar

1925

Sinnsprüche

Denn wie der Mann in Tat und Handeln groß, im Dulden und im Leiden!

So ist's das Weib

Die Jugend und selbst frisch und jung.

Der Aufschub ist

Rittershaus.

* der Umgang mit ihr erhält uns

D h h e r r n.

der Dieb der Zeit. Noung.

-ste Mensch wird manchmal zornig, Kein Liebespaar kann immer kosen Die schönsten Rosen selbst sind dornig, Doch schlimm sind Dornen ohne Rosen.

Boden stedt.

Der be1

Lazarett aus richtete ich an die Verwaltung eine Bitt­schrift, in der ich um meine Ueberführung in die Abteilung der Politischen bat. Mein Gesuch, vom Arzt befürwortet, wurde dem Präsidenten übermittelt, während ich vorderhand unbehelligt blieb. Bald dar­auf hieß es, das Lazarett verlassen und ins Lager zurückkehren. Doch auch hier erwies sich die Befür­wortung des Arztes für mich von großem Nutzen, indem man mir leichte Arbeit überwies, die in der Sortierung der von den Pomoren gekauften Fische bestand. Die Pomoren erwiesen sich übrigens in jeder Weise freundlich und waren voller Mitgefühl für unsere Lage, sie schenkten uns oftmals Tabak, Brot, ja sogar selbstbereiteten Spiritus.

Für andere freien, ist bedenklich. G o e t h e.

Nach Sowolki verschickt.

Wie es mir dort erging und wie ich floh.

, Von Iwan Hwostoff.

(Schluß.)

Gegen Morgen war es mir gelungen, etwas ein- zuschlafen. Doch bald erwachte ich wieder infolge der quälenden Kälte. Gegen 9 Uhr erschienen die Be- gleitsoldaten der Roten Armee. Man zählte uns und führte uns hinaus; zwei fehlten: eine Frau fand man erfroren, und ein alter Mann lag in tiefer Ohnmacht in seinem Winkel in der Baracke.

Unsere Schar, die sich infolge der furchtbaren Entbehrungen nur noch schwer aus den Füßen hielt, trieb man nun- auf einen zum Zentrallager führenden Berg, wo die Verteilung vorgenommen werden sollte. Unsere Begleiter kümmerte unser Schicksal wenig. Erst als wir uns dem Hauptlager näherten, suchten sie einigermaßen Ordnung herzustellen. Hier erhielten wir zum erstenmal etwas zu essen, schwarzen wie- «ÄWäL . . .

Person des Jnselbefehlshabers, des Herrn Silberkind, einem äußerst elegant gekleideten brünetten jungen Mann, von einer Anzahl Beamten der Tscheka (Kom­mission für den Kampf gegen die Gegenrevolution) und noch anderen Personen begleitet. Unsere Vertei­lung schien sich bis in die Nacht ausdehnen zu wollen. Jeder wurde verhört, wobei seine Akten einer, ge­nauen Prüfung unterzogen wurden. Schließlich aber trug Herr Silberkind Verlangen nach seinem Mittagessen, und dank diesem Umstände kam endlich Leben in die Sache. Nachdem Silberkind viele Stunden benötigt hatte, 18 Personen zu verhören, wurden die übrigen 163 in einer halben Stunde abgefertlgt. Ich kam in die Baracke 79 und durfte selbige ohne Be­gleitung aufsuchen. Die hauptsächlich von den Eng­ländern im Jahre 1918 während der Besetzung von Solowki erbauten Baracken befanden sich noch in durchaus gutem Zustande; sie boten Unterkunft für ungefähr 2000 Verbannte. Die Bewohner des Lagers waren höchst verschiedenartig. Hier gab es alle Klassen Menschen: Gebildete und Ungebildete, Priester, diebische Sowjetbeamte und Taschendiebe. Einen großen Teil bildeten die Bauern, die um ver­weigerter Steuern willen und wegen Anteilnahme am Aufstande gegen die Sowjetmacht zur Verschickung verurteilt worden waren, außerdem Kaufleute, dre Privathandel getrieben hatten.

Anfang November wurde ich wieder zur Lager­kommandantur berufen. Dort wurde mir bekannt- Politischen

gegeben, daß ich fortan zur Abteilung her .

gehöre. Das war mir eine unerwartet angenehme Nachricht, und ich begab mich alsbald in Begleitung

von Zwei Wachtsoldaten in die auf der

Hauptinsel Einsiedelei

Als wir eines Abends von der Arbeit heim- kehrten, bemerkten wir eine Pomorenschaluppe, die unweit des Ufers Anker geworfen hatte. Bald jähen wir einen Kahn abstoßen, der sich auf Solowki zu bewegte. Der uns begleitende Aufseher begab sich ans Ufer und begann den Insassen des Kahnes Zei­chen zu machen. Groß war aber mein Erstaunen und nicht minder meine Freude, als ich unter den im Kahn befindlichen auch jenen Pomoren erblickte, der im ver­gangenen Herbst sich mir so freundlich gezeigt hatte. Unser Aufseher schickte uns an unseren Holzplatz zu­rück, um die anderen Wächter von der Ankunft der Pomoren zu benachrichtigen. Diese eilten denn auch so schnell wie möglich ans Ufer, um recht viel von der beliebten Flüssigkeit zu erstehen. An Ort und Stelle aber begann sofort das Probieren der Ware.

Da sich der Somogon von bester Qualität erwies, beachtete niemand meine Anwesenheit, sodaß ich ge­nügend Zeit fand, meinem alten Freunde, dem Pomo­ren, aus meinem traurigen Leben zu erzählen. Mitt­lerweile wurde es Nacht. Bei schnell entfachtem Feuer setzte man das Trinken fort und vergaß mich ganz.

Nun, Herr, willst du mit?" hörte ich plötz­lich meinen Pomoren flüstern. Der Gedanke an Flucht war in mir bis zu diesem Augenblick niemals aufgetaucht. Doch dann kroch ich, der Aufforderung schnell entsprechend, in den Kahn und streckte mich auf dem Boden desselben aus. Die Pomoren verab­schiedeten sich von den Aufsehern, worauf das Boot abstieß. Vom Ufer her aber erklangen immer leiser und leiser die Lieder meiner trunkenen Wächter.

Mein Wohltäter versah mich mit Kleidung und brächte mich nach Norwegen. Ich war weiteren Peini­gungen nicht mehr ausgesetzt, mein Leben nicht mehr in Gefahr, ich war wieder ein freier Mensch.

Unseren Frauen. AMtte^MrrereDrntes.

Kostspielige Bäder. Die in Amerika üb­

liegende, von den Politischen bewohnte (Skit). Die Politischen waren hier in den früheren Mönchszellen untergebracht. Die Lebensbedingungen waren weit besser als im Zentrallager. Vor allen Dingen waren meine Parteigenossen meist gebildete " sich unterhalten konnte.

Auch boten die Zellen einen befriedigenden Aufent­halt. Weit schlimmer waren indes die Beziehungen " y fühlte die Zügel der Tscheka

und deren versteckte Feindschaft, die bei den einfachen Soldaten der Roten Armee im Zentrallager nicht vorhanden war. Das Haupt der Verwaltung gab sich alle Mühe, die Lage der Gefangenen zu verschlimmern und freute sich, wenn Zusammenstöße entstanden. Als Politische" genossen wir verhältnismäßig viel Frei­heit. Zu irgendwelcher Arbeit wurde man hier nicht angehalten, im Gegenteil, die Verwaltung unter­drückte jede Neigung zur Arbeit.

Menschen, mit denen man

zur Verwaltung. Man

Währeno des Tages durfte man^sich

innerhalb nach dem :r Namen

des Lagers frei bewegen. Um 8 Uhr Abendessen, fand alltäglich die Verlesung statt, und die Baracken galten offiziell für geschlossen, in Wirklichkeit aber konnte man, ohne befürchten zu müssen, erschossen zu werden, im Lager umhergehen und die benachbarten Baracken aufsuchen. Meine Tä­tigkeit bestand in der Säuberung der Räume. Diese Arbeit war leicht und nahm nicht mehr als 2 bis 3 Stunden täglich in Anspruch. So dankte ich Gott, daß meine augenblicklichen Lebensbedingungen noch leidlich günstige waren. Leider verleiteten mich diese zu einer Unborf" hatte. Ich begann ein Tagebuch zu führen, man Bleistift und Papier in meinen Hände merkte, wurde ich sofort der Verbindung mit dem Auslande beschuldigt. Man drohte mir mit Er­schießen und verurteilte mich zu Erdarbeiten. Diese Arbeit zählte zu den allerschwersten und währte 6 Stunden täglich ohne Unterbrechung.

Nachdem ich fünf Tage diese Marter ertragen hatte, erkrankte ich schwer und kam nun glücklicherweise

Unvorsichtigkeit, die ich schwer zu büßen

Händen be-

ins Lazarett. Als ich nach Tagen gänzlicher Bewußt­losigkeit erwachte, fühlte ich sofort die günstige Ver­änderung der Verhältnisse. Das Lazarett war gut eingerichtet, und es wurde mir vor allen Dingen herzliche, mitleidsvolle Behandlung von feiten des Personals zuteil. Der Lazarettarzt hielt mich nicht nur moralisch aufrecht, sondern erteilte mir auch viele gute Ratschläge. Dank diesem gelang es mir später, von der schweren Erdarbeit, die unfehlbar mich' zu Grunde gerichtet hätte, freizukommen. Vom

____ oskau abkorirmättdierten

Eichmanns. In unserem öden Leben wurde dies zum Ereignis; wir empfanden einige Freude hierüber. Dies- wurde indes bald in das Gegenteil verwandelt. Es hieß, in Moskau sei man darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Politischen in Solowki ein allzu gutes Leben führten. Alsbald nach der Ankunft Eich- inanns fühlten wir daher den Druck von oben. Die Aufseher, die uns mehr oder weniger als Menschen behandelt hatten, wurden durch Beamte der Tscheka ersetzt, die sich irgendeine Strafe zugezogen hatten. Diese behandelten uns grob und entdeckten selbst­verständlich allerlei Verstöße gegen Regeln, von deren Vorhandensein wir keine Ahnung hatten. Da meine Ueberführung von den Parteilosen zu den Politi­schen in der Tat nicht ganz gesetzmäßig erfolgt war, hielt das Haupt der Verwaltung es für richtiger, mich vor der Revision zu entfernen: ich wurde daher zur Waldarbeit in der Nähe des Weißen Meeres be­stimmt. Auf dieser meiner entfernten Arbeitsstätte hatte man mich scheinbar völlig vergessen, ja, ich bekam sogar, dank der guten Beziehungen zum ältesten Aufseher, den Posten eines sogenannten Schreibers.

Ist der Winter im eisigen Norden schon an und für sich höchst eintönig, so war er doppelt fühl­bar in der Oede unseres Lebens. Es herrschte fast be­ständige Dunkelheit, nur einige Stunden am Tage war es hell. Als Nahrung diente uns fast ausschließlich gefrorener Stockfisch, während unsere Beschäftigung nu Hauen, Spalten und Hacken von Holz bestand. Lo verging ein Tag nach dem anderen. Im Laufe der Woche brächte man uns aus dem Zentrallager Le­bensmittel. Dadurch erfuhren wir wenigstens hin und wieder etwas Neues.

Aber auch der Winter hatte schließlich sein Ende erreicht, und ganz plötzlich, wie dies auch nur im Norden zu geschehen pflegt, meldete sich der Lenz. In wenigen Tagen verschwand der Schnee, die Schnee­wasser rauschten in das Meer, und das Gras begann zu sprießen. An mein Dasein erinnerte sich auch weiter scheinbar niemand. Damit wäre ich nun sehr zu­frieden gewesen, wenn sich nicht die Lebensmittelfrage von Tag zu Tag verschlechtert hätte. Von meinen Mit­gefangenen erfuhr ich, daß sich dieser Zustand häufig im Frühjahr einstelle. Solange die Wachtsoldaten, die dem Trupp der Verwaltungsbeamten angehören, uns gutmütig einen Teil ihrer Vorräte überließen, war es noch' einigermaßen erträglich, als aber diese Möglichkeit aufhörte, peinigte uns der Hunger entsetz­lich. Um diesem Uebel abzuhelfen, begaben sich unsere Aufseher fast täglich auf die Jagd, und eine eifrige Suche nach Wild, besonders nach dem Hirsch, setzte ein.

Endlich taute auch das Eis des Meeres auf, und die ersten großen Fischerschaluppen zogen bei uns vorüber. Zuweilen hielten sie in der Nähe des Ufers, um Schmuggelware abzusetzen. Die grüße Rolle da­bei aber spielte natürlich der Samogon, der je tost zubereitete Spiritus, der bei den AufsichtSbeamten und der Roten Armee reichlich Absatz fand.

liche Redensartin Whisky einweichen" hat durch einen amerikanischen Milliardär eine neue Illustration erfahren. Während die meisten Leute sich damit be­gnügen, das feurige Naß in größeren oder geringeren Dosen innerlich sich einzuverleiben, wendet dieser es äußerlich an, indem er, zur Stärkung seiner Nerven, Whiskybäder nimmt; ein Vergnügen, das ihm jährlich 5000 Dollar kostet. Eine der beliebtesten Schauspiele­rinnen des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten nimmt während des Sommers täglich sowohl morgens wie abends ein Bad von Seewasser, Milch und Rosen- essenz. Rosenwasserbäder, sind bei denen, die sich's leisten können, von jeher beliebt gewesen. Daß sre für das Gros der Menschheit jedoch unerschwinglich srnd, beweist die Tatsache, daß eine bekannte amerikanische Schönheit jährlich 25 000 Dollar dafür verausgabt. Dieser Rekord wird- indes von einer Dame der Lon­doner Aristokratie, die ihr Bad mit echtem Parma­veilchenparfüm mischt, noch übertroffen. Das Parfum langt in versiegelten Metallgefäßen an, deren jedes etwa 4y2 Liter enthält, und die jährlichen Kosten die­ses Bades betragen mehr als 7000 Pfund Sterling. Sarah Bernhardt hatte eine große Vorliebe für Ba­der aus Kölnischem Wasser und Seewasser, die ihr, wie sie sagt, ein Gefühl so köstlicher Frische gaben, wie kein anderes Bad. In New Aork gibt es eine hydropathische Anstalt, in der Blumenbäder zur Hei­lung der verschiedensten Nervenleiden verabfolgt wer­den. Man kaun dort u. a. Bäder von gekochten Ro­sen und Lilien für erschlaffte Nerven, Fichtennadelbäder mit Veilchenessenz gegen Melancholie und dergleichen mehr erhalten. Das teuerste dieser Bäder soll das Newport Schönheitsbad" sein, das täglich einen Liter feinste Maiblumenessenz erfordert.

Dies und das.

Silberne Bestecke halten sich ausgezeichnet blitzblank und sind immer sofort gebrauchsbereit, wenn man sie allseitig mit Mehl bestreut und in ein mit Mehl bestreutes Flanelltuch einschlägt.

Zu Beefsteaks, die recht locker und saftig sein sollen, verwende man nur selbst gehacktes tyleim) und mache eine kleine Zugabe von ungekochter süßer Milch oder Sahne.

Fettflecke aus Leder stühlen entfernt man dadurch, daß man mehrere Bogen starkes Filtrier- Papier mit Benzin durchtränkt, auf dre flecke legt und mit einem geeigneten Gegenstand beschwert. vsp nach einer halben Stunde der Fleck nicht, oder nicht ganz verschwunden, so muß das Verfahren wiederholt

In Gardinen befindliche Locher lassen sich sehr viel bequemer und besser stopfen, wenn man das betreffende Stück mit etwas Papier unterheftet. Man kann das Papier dann auch gleich mit durcy- stopfen Was sich nicht mühelos nach getaner Ar- abzupfen läßt, geht bei der Masche heraus, und der gestopfte Fleck ist nun tadellos. j