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Kersfelder Tageblatt

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Nr. 38 (Erstes AM)

Sonnabend, den 14. Februar

1925

Das Wichtigste.

— Reichskanzler Dr. Luther weilte in der Nacht vor Mittwoch zum Donnerstag an der Stätte des Grubenun glücksbeiDortmund und ließ den Hinterbliebenen der Opfe das Beileid des deutschen Volkes ausdrücken.

— In dem Untersuchungsausschuß des Preußische, Landtages für die Barmat-Kuttsker-Affäre wurde de: frühere preußische F i n a n zm i n i st e r gehört, vor den Reichstagsaus schuß wurde der deutsche Botschafter in Wa shington Freiherr von Maltzan vernommen.

— Ministerpräsident Dr. Marx begegnet bei der Regie rungsbiDung immer noch größten Schwierigkeiten. (Es ist $aum anzunehmen. daß er schon in den nächsten Tagen ein Kabi­nett zustandebringt.

— Vor dem belgischen Kriegsgericht wurden neue Schandurteile gegen frühere deutsche Offiziere g e - fällt. Zwei wurden zum Tode, einer zu 20jahriger Zwangsarbeit verurteil.

AM Festnahme im FinanzskMdal Samat-Kutister.

In Verfolg der Untersuchung in dem Finanzskandal Barmat-Kutisker-Seehandlung stieß die Staatsanwaltschast im Verein mit der Kriminalpolizei aus Kanten des bekannten Berliner Rechtsanwalts Iustizrats Dr. Wert- Hauer und seiner Sozien Dr. Engelbert und Dr. Pröll. Au^ den Kanten und den Aussagen von Kutisker und verschiedenen Zeugen ging hervor, daß die genannten Anwälte sich schwer gegen die Gesetze vergangen haben zu­gunsten des Kutisker-Konzerns. Daraufhin hat sich die trüge, zum Schaden der Preußischen Staatsbank (Seehand- lung) und Beihilfe zum Konkursverbrechen.

Iustizrat Nr. Werthauer ist vom Polizeipräsidium nach Moabit gebracht worden und wird durch den Landgerichts­direktor Dr. Schneider einem eingehenden Verhör unterzogen. Mit bet Wahrnehmung feiner Interessen hat Iustizrat Dr. Werthauer den Vorsitzenden der Strafrechtlichen Vereinigung, Iustizrat Dr. Löwenstein, beauftragt. Der gleichfalls fest- genommene Sozius Werthauers, Rechtsanwalt Engelbert, ist inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt worden

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern, Severing, ein Urlaubs­gesuch des Berliner Polizeipräsidenten Richter genehmigt.

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Richters Privatsetretär, Herr Stöcker, der auf Privat- dienstvertrag angestellt ist, reichte sein Entlassungsgesuch ein und bat, ihn zum 1. April aus dem Dienst scheiden zu lassen. Diesem Gesucht wird statt gegeben.

preußischer Untersuchungsausschuß für die Barmat-Kutisker-Affäre.

Angesichts des Zwifchenfaltes bei der Ausweisung kommu­nistischer Ausschuß,Mitglieder ist im Landtag« eine Schutzwache von einem Major und zwölf Beamten vom Berliner Polizeipräsidium anwesend.

FinanzMinister a. D. V. Stichter soll Aussagen machen über die Vorkommnisse bei der Staatsbank im Laufe des letzten Jahres, insbesondere darüber, in welcher Weise das Auffichtsrecht bes Fiaanzministcriums gegenüber der Stcaisbank geübt wor­den ist.

v. Richter erklärt, er habe, als er Kuumzu.,unsrer wurde, das Auffichtsrecht gegenüber der Staatsbank in derselben Weise geübt wie es von seinen Vorgängern Sä misch, 8ü bemann. Süds k u m, Simon usw. geübt worden ist. Diese Herren heit­ren aus dem Standpunkt gestanden, daß es unmöglich sei. daß die Geschäfte der Staatsbank seitens des Finanzministeriums einzeln beaufsichtigt werden könnten. Würde man das verlangen, ic würde das selbstverständlich bedeuten, daß das Finanzministerium sich dazu eine eigene Abteilung mit einem eigenen Deamtenappa- vat schaffe. Während der Etat der Staatsbank im Preußischen Landtag beraten wurde, habe ich selbstverständlich von diesen Zu. ständen keine Kenntnis gehabt. Als ich im vorigen Jahr im Haushaltsausschuß und Plenum des Landtages den Etat der Staatsbank mit vertreten habe, war mir von den Angelegenheiten Kuttster-Darma, nichts bekannt. Ais Finanzminister habe er nur einmal einen Empfehlungsbrief zugunsteu^des Abg. H e i I ■ mann an den Präsidenten der Staatsbank, Schröder, gerichtet Heilmann, so fährt der Zeuge fort, sagte mir damals, er kenne den neuen Staatsbankprästdemen Schröder nicht habe aber ge­schäftlich mit ihm zu sprechen. Ob er dabei den Namen Bar- m a t genannt hat, weiß ich nicht mehr. Heilmann bat mich um eine Einführung beim Staatsbankpräsidenten, die ich ihm selbst­verständlich zusagte, weil ein Minister ein gewisses Entgegenkom­men gegenüber einem einflußreichen Abgeordneten nicht gern ver­missen läßt. Selbstverständlich habe ich in meiner (Empfehlung für Heilmann sachlich nicht Stellung genommen zu dem, wa» Heilmaun vom Staatsbankpräsidenten wollte Ich hätte das auch nicht gekämmt, weil mir diese Verhältnisse nicht so bekannt waren um mir überhaupt ein Urteil darüber zu erlauben.

Vorsitzender Dr. Leidig verliest dann das Schrei- den Heilmauns a n Richter, das folgenden Wortlaut hau „Sehr verehrter Herr Minister! Ich wäre Ihnen dankbar, wenn

Sie meutern Freund Julius Barmat, einen GroHkaufmaun, der bisher mit der Staatsbank in Beziehungen gestanden hat. auch dem neuen Präsidenten der Staatsbank zu wohlwollender Be­rücksichtigung empfehlen wollten/ Dieses Schreiben ist vom 3L März 1924 datiert. Auf der Rückseite des Briefes hat am ö. April 1924 Finanzminister v. Richter an den Präsidenten der Staatsbank folgendes geschrieben: „Beifolgend beehre ich mich, Ihnen ein mir vom Abg. Helmann übermitteltes Schreiben er- gebenft weiterzureichen, und wäre Ihnen zu Dank verbunden, wenn Sie dem Anliegen des darin erwähnten Herrn Barmat entgegenkommen, und ihm zu einer Unterredung Gelegenheit geben würden."

Auf eine Frage von Zentrumsseite, ob die Vorgänge bei der Seehandlung nicht vielleicht an dem ungünstigen System lagen, das es ermöglichte, daß Dr. Rühe und Hellwig diese Sachen machen konnten, und daß dieses System dann hätte geän­dert werden müssen, erwidert Zeuge v. Richter, er glaube nicht, daß hier ein Fehler des Ministeriums vorliege. Solche Sachen könnten auch Vorkommen, wenn hundertmal vövgefchrieben ist, die und tue Sache müsse von einem Kollegium vorgetragsn und ge- nelimtgt werderb. Nach außen trete das gar nicht in' die Erschei­nung. Der Zeuge glaube nicht, daß es an einem System- fehler liege, sondern daran, daß Ruhe und Hellwig diese wichtigen Angelegenheiten nicht vorgetragen haben.

Der Untersuchungsausschuß des Reichstags trat am Freitag wieder zusammen. Botschafter v. Maltzan mürbe vereidigt und vernommen Zunächst betrifft die Vernehmung die. Frage, wer war und wer ist Julius B a r - m a t und was ist seine Familie, und wie kam er nach Deutsch­land? v. Maltzan erklärt, er habe die betreffenden Akten nicht gesehen und könne nur nach dem ausfagen, was er in seiner Tä. tigkeit als Legationsrat von Weihnachten 1917 bis April 1919 in Amsterdam gehört habe. Im wurde gesagt, Barmat sei 1917 schon in Spionagesachen und Ueberläuferfragen für Deutschland tätig gewesen. Im Januar 1918 stellte sich Barmat dem Zeugen vor, der ihm sagte, er könne ihm keine Empfehlungen geben; übernehme alter das Auswärtige Amt die Garantie, so sei es etwas anderes, ^n einem Telegramm vom 23. Januar habe er vor Barmat gewarnt. Ueber Barmat sei dann ein Schrift­wechsel mit dem Auswärtigen Amt entstanden. Barmal habe er nur viermal gesehen. Barmat erhielt, als martrgen Amts zur Einreise. Als Maltzan dann Mi- iniiertalbtreffor im Auswärtigen Amt war, verwandte sich der Abge vdnete Stücklen bei ihm für die Einreise einer Schwester Barmats. was aber Maltzan ablehnte. Mrt Barmat habe er sonst nie in Beziehungen gestanden, wisse auch nicht, daß Barmat die „Geschmacklosigkeit" be- Esten habe, ein Liebesgabenpaket an den Präsidenten Ebert zu schicken.

Der Vorsitzende stellt aus Grund der Sitten des Geuevalkon- iulates Amsterdam bett. ungünstige Berichte des Generalkonsu­lats über Barmat eine Reihe von Fragen an Herrn v. Maltzan, deren Beantwortung nichts Neues ergibt. Auch der Inhalt die­ser Aktenstücke ist bekannt. Auf Fragen des Vorsitzenden, ob es richtig sei, daß Barmat von den schlechten Aus­künften über ihn an das Auswärtige Amt fast in der Regel unverzüglich Mitteilung bekam, erwidert von Maltzan: Jawohl! Er hatte telephonische Verbindung mit dem Auswärtigen Amt, und wär über alle Maß. nahmen besser orientiert, als wie in Amsterdam. (Be- wegung.)

Anierluchu-tgsausschuß für die preußische LandLs-Kreditanffatt

Der Untersuchungsausschuß Des Land­tages über die Vorkommnisse in der Preußischen Landesk redit-Pfandvriefan st alt trat am Don­nerstag unter dem Vorsitz des Abg. Leinert (Soz.) zusammen. Dem Leiter des Institutes, Geheimrat Rehring, wer­den unlautere Kreditgeschäfte mit den Herren v o n Etzdorf, von Zitzewitz und von Car l o w i tz zum Vorwurf gemacht, wodurch die Anstalt und der preußische Staat um ehr erhebliche Summen geschädigt worden seien. Ein Mini- sterialrat erklärt, ihm persönlich sei im August als Vorsitzen­dem des Verwaltungsrates eine Mitteilung über Unregel­mäßigkeiten gemacht worden, die Geheimrat Nehring dahin aufgeklärt habe, daß es sich lediglich um ein Geschäft der Stettiner Sparkasse handele. Ministerialdirektor Conze spricht die Bereitwilligkeit des Ministeriums aus, jede gewünschte Auskunft zu geben. Bei dem Institut sind vier Direktoren vorhanden. Die Aufsicht führte Nehring. Drei Direktoren sind im Hauptamt, einer im Nebenamt beschäftigt. Gerade der letztere ist von der Kenntnis der Sache ausgeschlossen mor­de?: und hat den Anstoß zur Aufdeckung gegeben. Zur nächsten Sitzung werden als Auskunftspxrsonen der ganze Vorstand und ein Oberbuchhalter geladen werden.

Ludendorff, von Grae,e unö Straffer legen die Michsführerschatt nieder.

GeneralLudendorff gibt folgende Erklärung ab: „Da jetzt die Neugliederung der Nationalsozialistischen Frei­heitsbewegung Großdeutschlands bevorsteht, gebe i ch Das Mandat der Reichsführerschaft an die bis­her geeinte Bewegung zurück mit dem Wunsche, daß die Bewegung in neuer Form und auf neuen Wegen, aber m einheitlichem Ringen um so eher ihr großes, unverrückbar feststehendes Ziel, das deutsche Volk zur wahren Volksgemein­schaft und zur Freiheit zu führen, erreiche. Die Herren o. Graefe und Straffer legen mit mir das Mandat Der Reichsführerschaft der Nationalsozialistischen Freiheits­bewegung Großdeutschlands nieder. In meinem Verhältnis zu den völkischen Verbänden, deren Schirmherr ich bin, tritt

eine Veränderung nicht ein. Ich ersuche diese Verbände, sich einer besonderen und einseitigen politischen Betätigung zu ent­halten, damit sie auch weiterhin das Bild voller Geschlossenheit bieten."

Um die Veröffentlichung des Kontrollberichtes.

Wie der Londoner „Daily Telegraph" berichtet, sind die Gründe für die Verzögerung des Kontrollberichtes noch nicht ganz aufgeklärt. Man habe jedoch allen Grund, zu glauben, daß die Anweisungen für die Verzögerung nicht von Herriot, sondern von irgendeiner anderen Autorität ausgegangen seien. Nach langen Auseinandersetzungen habe man eine Reihe von Beschuldigungen gegen Deutschland wegen Nicht­erfüllung der Vertragsklausel ausgeschieden, von denen viele rein technischer Natur gewesen seien. Wenn der Bericht in Den Händen der alliierten Regierungen sei, werde auch die Frage der Veröffentlichung erledigt. Frankreich sei für Die teilweise oder vollständige Veröf. fentlichung des Berichtes, während man anschei­nend in britisch n Kreisen es nicht für ratsam halte, das Dokument der Öffentlichkeit zu über geben.

Die Botschafterkonferenz kündigt an, daß sie im Einvernehmen mit den alliierten Regierungen auf Grund des Schlußberichtes der Interalliierten Kontrollkommission demnächst eine ausführliche Rote nach Berlin richten würde. Die deutsche Regierung soll durch eine gemeinsame Rote end- lieh genau in Kenntnis gesetzt werden von den festgestellten Verfehlungen in Ausführung der Militärklausel des Ver- sailler Vertrages und von den Bedingungen, die Deutschland z« erfüllen hat, damit die Bestimmungen des Art. 429 er­füllt werden. Hieraus soll sich dann ergeben, ,/oelche Ver­pflichtungen die Reichsregierung getreulich zu beobachten hat, damit Die Kölner Zone geräumt wird." Auch heute wurde am Quai d'Orsay die aus englischer und belgischer Quelle stammende Information dementiert, die von einer englisch- französischen Konferenz in London wissen wollte zur Be­ratung über die Schlußfolgerungen des Schlußberichtes der MmtäöwntrolltommW»». .»^aaMiMEMi^ai«^

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Die Pariser Wirtschaftsverhandlungen.

Wie das Pariser Blatt „Oeuvre" mitteilt, erscheint es nach wie vor fragwürdig, ob die für Ende der Woche ange­setzte Vollsitzung stattfinden könne. Man versichere jedoch, daß die Besprechungen eine Wendung zugunsten der deut­schen Forderung aus Einräumung der Meistbegünstigung ge­nommen hätten, obwohl die französischen Unterhändler nach wie vor auf dem Standpunkt ständen, diese Konzession werde auf dem internationalen Markt für Frankreich die größte« Schwierigkeiten nach sich ziehen, vor allen Dingen für die Gesanmtheit der französischen Verbraucher. Die französische Oesfentlichkeit vertrete den Standpunkt, daß die Verbraucher im Verlauf der Verhandlungen direkt zu Wort kommen müßten.

Besprechungen CooUdges mit dem Verwalter des deutschen Eigentums.

Präsident Coo lidge hatte eine Unterredung mit dem Vevwalter des beschlagnahmten deutschen Eigentums, Mil­ler, in der Coolidge nochmals zum Ausdruck brächte, daß die sofortige Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Eigen- tums nicht möglich sei, da dies zu Verwicklungen mit den alliierten Mächten führen könnte. Miller erwiderte darauf, daß auch er den gegenwärtigen Zeitpunkt zur Rückgabe nicht für geeignet halte, daß aber Amerika nicht von seiner tra- ditionellen Politik der Unverletzlichkeit des privaten ■ " ■ > tums abweichen dürfe, und daß zu ein : fn"^ i doch einmal den Deutschen ihr Eigenen.., ü u- rückgegeben werden müsse. .•„,.*-... „ .

Belgische Schandurteile.

Das Kriegsgericht in Namur verurteilte in contumaciam mehrere deutsche Offiziere wegen an­geblicher, im August 1914 begangener Verbrechen. Oberst­leutnant von Giese, Kommandeur des Leib-Küras­sier-Regiments Nr. 1, der beschuldigt wurde, zu den Greuel­taten von Bisvre, wo 17 Personen erschossen und 72 Ge­bäude eingeäschert wurden, den Befehl gegeben zu haben, wurde zum Tode verurteilt Rittmeister Hesterberg, Adjutant einer Kavallerie-Division, wurde eines in Eheste begangenen Mordes beschuldigt und ebenfalls zum Tode verurteilt. Die Leutnants Schu­mann und Stienke, Befehlshaber von Transportkolon- nen, waren der Brandstiftung von 31 Wohngebäuden in Silenrieux angeklagt und wurden zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Eine amerikanische Materialsammlung über die Ursache des Weltkrieges.

Der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten in Washington hat den Antrag des Senators Ow e n ange­nommen, wonach die Bücherei des Kongresses angewiesen wird, eine unparteiische Zusammenstellung des Tatsachen­materials zur Frage der Ursachen des Weltkrieges vorzu- bereiten.