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Hersfelöer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für -en kreis Hersfels

Nr. £0 Dienstag, den 13. Januar ^=1925

Anzeigenpreis für die einspaltige Petitzeile 10 Pfg. für amtliche und ausmärtige Anzeigen 15 Pfg., die ReWamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dadifah. + Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk In Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8.

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Das Wichtigste.

Die Bemühungen D r. Luthers um die Bildung nner Reichsregierung in möglichst überparteilicher Zufamm-en-- sehung dauern fort. Das Zentrum hat Dr. Luther mit siner Absage geantwortet.

Der amerikanische Staatssekretär Hughes hat ganz überraschend seinen Rücktritt erklärt. Sein N a ch - folg er wird der amerikanische Botschafter in London, Kel­logg. Im Zusammenhang damit werden wesentliche Verände­rungen auf den Botschafterposten stattfinden.

Die interalliierte Finanzkonferenz in Paris scheint bereits zu einer Einigung in der Frage der ReM- rationszahlungen und der alliierten Schulden gekommen zu sein.

Dr. Marx ist mit dem Ministerium für die be­setzten Gebiete betraut worden.

Die VsrhelEfiuKg Ssr dmifchsn Wirtschaft.

Lohn soziale Lasten Steuern Frachten und ihr Verhältnis zum Umsatz.

Bei dem prozentualen Anteil des Lohnes ist zunächst ganz allgemein zu bemerken, daß die heutige Nominallohnsumme, auf den Kopf eines Arbeiters errechnet, wohl ausnahmslos die Friedensnominalsumme erreicht und in weitaus größtem Umfange sogar überschritten hat. Man kann sagen, daß der Nominallohn im allgemeinen auf ungefähr 105 Prozent des Vorkriegsstandes liegt. In gewissen Industrien, so vor allem in der Textilindustrie und in der Baustoffindustrie sowie be­sonders in den wichtigen Zweigen des Bergbaues, liegen die Löhne sogar vielfach auf 125 Prozent des Friedensnominal- standes. Man wird daraus also folgern können, daß die deutsche Industrie heute mindestens dieselbe Gesamtnominal- summe in Reichsmark aufzubringen Ijat, wie vor dem Kriege. Eine Einschränkung wäre nur für die Werke mit verringerter Arberterzayl oder mit Kurzarbeit zu machen.

aügemeuren auch einem entsprechend verringerten Umsatz gegenübersteht. Ebenso allgemein dürfte unbestritten ange­nommen werden, daß die Gesamtumsatzzahl bei der heutigen schlechten Wirtschaftslage wohl durchweg mehr oder weniger erheblich unter den Umsatzziffern der Vorkriegszeit liegt.

Schon' aus dieser allgemeinen Betrachtung ergibt sich, daß der prozentuale Anteil des Lohnes am Umsatz nur in ganz besonderen Fällen sich verringert haben mag, zum Beispiel in den Fällen, wo die Umsatzziffer durch eine besonders hohe Steigerung der Rohstoffpreise aufgebläht ist. Als Beispiel kann hier vielleicht die Textilindustrie angegeben werden. Würde man eine solche Tatsache verallgemeinern, so kann fest­gestellt werden, daß ein Rückgang der prozentualen Lohn­ziffer gegenüber dem Umsatz nicht zu dem Schritte führen darf, daß der Lohn eine ungerechtfertigte niedrige Höhe habe. Es müßte, wenn man angesichts der Steigerung, vor allem auf dem Gebiete der Steuern und Frachten, von einem Zurück­bleiben der Löhne reden wollte, durchweg ein gwrz erheblich niedrigerer prozentualer Anteil des Lohnes am Umsatz oder an den Geschäftsunkosten erwiesen sein. Im Gegenteil, man wird zu der Feststellung kommen müssen, daß es angesichts der erheblichen Mehrbelastung der Firmen auf den anderen Ge­bieten immer'wieder verwunderlich ist, wie die derzeitige Lohn- fumme von der deutschen Wirtschaft noch aufgebracht werden kann.

Im Ruhrbergbau beträgt heute der Anteil des reinen Lohnes am Kohlenpreis 57,38 Prozent, gegenüber 53,48 Prozent im Frieden. Es handelt sich hierbei um Zahlen, die der Verein für die bergbaulichenIntereffen in Essen in einer langen Polemik mit dem Bergarbeiterverband und dem Reichs- und Staatskommissar Mehlich als absolut einwandfrei ermittelt hat. In der B r a u n k o h l e n i n d u st r i e ist von einem typischen Werk die Lohnsumme von 970 000 aus 1320 000 Mark gestiegen, bei einer Steigerung des Umsatzes der Gesellschaft von 2,9 auf 4,6 Millionen Mark. Während früher der Lohn also ungefähr 33.Prozent des Unisatzes aus- machte, beträgt er heute nur 28 Prozent. Dies hängt damit zusammen, daß diese Gesellschaft in den Tagebaubetrieben zu ganz bedeutend erweiterten maschinellen Aufarbeitungen des Abraums und der Kohlengewinnung übergegangen ist, wo­durch also eine verhältnismäßig geringere Arbeiterzahl als vorher beschäftigt zu werden braudjt. Bekanntlich wundert man sich immer wieder über die Menschenleere der in vollem Betrieb befindlichen Braunkohlenwerke.

Beieiner norddeutschen Firma der Maschinenbranche sind folgende Zahlen hierfür zu nennen:

Umsatz Löhne

1913'14: 6 551675 M. 1499 309 M. = 22,88 % des Umsatzes, 1924: 3 788 621 M. 698 800 M. = 18,58 %

Die Zahlen sind deshalb so instruktiv, weil sie beweisen, daß die Firma bei einem um fast die Hälfte verminderten Umsatz mit entsprechender Einschränkung der Arbeiterzahl eine Lohnsumme aufzubringen hat, die in ihrem Anteil am Umsatz nur wenige Prozent hinter bem entsprechenden Prozentsatz der Vorkriegslohnsumme zurückbleibt.

Neben 'der bekannten S te ue r b e l a st u n g müssen heute noch verschiedene Kalkulationsposten beachtet werden, Wenn man sich ein Bild über die Vorbelastung der deutschen

Produzenten und die dadurch zwangsläufig gebildete Kon­kurrenzunfähigkeit im Export und selbst im Jnlandsinarkt gegenüber ausländischer Konkurrenz nmchen will. Der Anteil der sozialen Lasten am Umsatz ist beispielsweise gegen früher auf das Doppelte gestiegen. Die Durchschnittserrech- nung des gemischtgewerblichen Arbeitgeberverbandes für drei Firinen kleiner, mittlerer und großer Ausdehnung ergab als Anteil der Sozialabgaben in Prozenten des Umsatzes für 1913 0,79 Prozent, für 1924 1,76 Prozent. Vor allem ist auch die­jenige soziale Vorbelastung zu erwähnen, die die deutsche Wirtschaft auf dem Gebiete der tariflichen Sozialpolitik über- nommen hat, die weitgehende Bezahlung von Krankheitstagen und vor allem die Gewährung eines bezahlten U r l a u b s , die z. B. der belgischen und fran­zösischen Industrie völlig unbekannt ist, und von den dortigen Arbeitgebern mit der größten Energie abgelehnt wurde.

Diese Vorbelastung der deutschen Wirtschaft, unter der die Steuerlast naturgemäß die erste Stelle entnimmt, muß die Wettbewerbsfähigkeit auf das allerschärfste hindern. Auch die Frachtsätze sind in Deutschland dermaßen hoch, daß die Belastung von dieser Seite her in keinem Verhältnis zu den Sätzen steht, wie sie in anderen europäischen Ländern gel­ten. Die letzte Ermäßigung von 10 Prozent hat hier nur ganz unwesentlich entlastend gewirkt. Bei den heutigen Tariffätzen und den sonstigen Vorbelastungen ist die deutsche Wirtschasts- fähigkeit von vornherein aus dem Felde geschlagen.

Dr. LOrrs demWmgm um eine Reichsregl'enmg.

In der Sitzung der Zentrumsfraktion des Reichstages wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: Die ben Ver­tretern der Aentrumsfraktion am elften Januar in den Ver­handlungen mit dem Reichsfinanzminister Dr. Luther über­mittelten Erklärungen ermöglichen es der Zentrumsfraktion nicht, sich an dem vorgesehenen Kabinett zu beteiligen.

Don anderer Seite erfahren wir, daß es sich bei diesem ^fichssisi ^- ^»ttawf<ye4L ve» »uiuuug» handelt, und daß sich das Zentrum zu weiteren Verhand­lungen bereit finden würde. Das Zentrum hat am Sonntag den Deutschnationalen einige Anfragen zugehen lassen; u. a. x über ihre Stellungnahme zur Flaggenfrage und dein Verhal­ten des deutschnationalen Vizepräsidenten beim Besuch des Reichstagspräsidiums beim Reichspräsidenten Ebert.

Reichsfinanzminister Dr. Luther hat auf Grundlage des Beschlusses des Zentrums am Montag früh die infor­matorischen Erörterungen mit dem Zentrum und den übrigen Fraktionen fortgesetzt.

Sollten die Bemühungen Dr. Luthers von Erfolg sein, so werden Dr. Strefemann, Or. Brauns und Dr. Geßler, Lewald (Inneres) und ein Deutschna­tionaler als Anwärter genannt. Den deutschnationalen Abgeordneten H e r g t nennt man im Falle der Kanzlerschaft Dr. Luthers als Nachfolger auf dem Posten des Finanzmini- sters. Für das Justizministerium taucht der Ran« Dr. Emming er s auf. Das Reich swirtschafts- Ministerium soll der Deutschen D o I k s p a r t e i überlassen werden.

Bemerkt sei, daß das alles jedoch nur Kombinationen sind, die sich von Stunde zu Stunde ändern.

Zu der Fvaktionssitzung des Zentrums am Sonntag nach- mittag erfahren wir folgendes: Von der Fraktion waren nur etwa 20 Mitglieder anwesend; die rechtsstehenden Zentrumsabgeordneten erklärten sich im großen und ganzen mit den durch den Finanzminister Dr. Luther übermittelten Zugeständnissen der Deutschnationalen einver­standen, nämlich: Festhalten an der Verfassung, Respektierung der verfassungsmäßigen Stellung des Reichspräsidenten, Fest­halten an der bisherigen Linie der Außenpolitik, Einfchrän- kung der polemischen Presseangriffe, Zusicherung von zwei bzw. drei Ministerposten. Meinungsverschiedenheiten blieben be­stehen in der Flaggenfrage, in der Kandidatur Hergts für den Finanzministerposten und in einigen Stehen fragen. D a aber der frühereReichskanzler Wirth seine prinzipielle Ablehnung jeder Verbindung mit den Rechtsparteien betonte und sogar mit Trennung und Begründung einer neuen Partei drohte, glaubten die rechtsstehenden Abgeordneten die Entscheidung der Gesamtfraktion überlassen zu müssen und erklärten sich mit der vorläufigen Ablehnung der bisherigen Zugeständnisse einverstanden.

Dr. Marx Minister für die besetzten Gebiete.

Der Reichskanzler hat den bisherigen Kanzler Marx mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Ministeriums für die besetzten Gebiete betraut.

Ganz Deutschland für Köln.

In Verbindung mit dein Deutscher: Frauenarrsschuß zur Bekämpfung der Schuldlüge und den im Westausschuß zusam- mengeschlossenen Landsmannschaftlichen Verbänden verun­staltete der Arbeitsausschuß Deutscher Ver­bände am Sonntag nachmittag in der Neuer: Aula der Universität Berlin eine Kundgebung gegen die weitere Besetzung der Kölner Zone. Bis auf den letzten

Platz war die Aula von Mitgliedern der genannten Verbände und Organisation wie auch von Vertretern aller Sreife des öffentlichen Lebens gefüllt.

Zur Aufwertungsfrage.

Das Reichsfinanzministerium hatte Ende voriger Woche die Vertreter der Banken zu einer Besprechung eingeladen, um über die Frage der Aufwertung der deutschen Anleihen zu beraten. Das R ei ch s f i nan zm in i st er i um hatte den Borschlag gemacht, daß für je tausend Mark nominal Anleihe ein Betrag von fünfzig Reichsmark im Umtauschwege bar vegütet würde. Die Banken ihrerseits waren mit dem Vorschlag nicht einverstanden. Sie waren besonders deshalb verstimmt, weil der Reichsfinanzminister einen scharfen Unterschied machte zwischen den Anleihezeichnern und den Anleihebesitzern, das heißt also denen, welche im Laufe der Zeit Stücke der Vorkriegs- und Kriegsanleihen er­worben hakten. Auch über den Modus des Umtausches wurden gewisse Bedenken erhoben. Es ist jedenfalls zu begrüßen, daß der Reichsfinanzminister endlich einmal einen positiven Borschlag in der Aufwertungsfrage, über die bereits seit Jahren in der Oeffentlichkeit diskutiert wurde, gemacht hat. Allerdings bewegt sich der Vorschlag von 1000 Mark nominal gegen 50 Reichsmark noch erheblich unter der fünfzehnprozenti- gen Aufwertung, wie sie in der Dritten Steuernotverordnung vorgesehen ist. Letzten Endes liegt die ganze Frage der Auf- Wertung bei bem neuen Reichstag, und es ist unter diesen Verhältnissen wohl anzunehmen, daß der Reichstag zu der Frage selbst in den Ausschüssen demnächst Stellung nehmen wird.

Das Verfahren gegen die Oberlandführer.

Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht München hat nunmehr gegen den seit dem Hitlerputsch in Haft befindlichen Führer des Bundes Oberland, Dr. Friedrich Weber, ferner gegen den Generalmajor a. D. Adolf Aechter sowie gegen die beiden Vorsitzenden des Deutschen Schützen- und Wander- dändes tL. D. ürs,L-«iALUiti§UsLs

imer, die Anklageschrift wegen" ' hrung des verbotenen Bundes Oberland f e r t i g g e sie es md die Eröffnung des Hauptverfahrens vor dem Schwur ESrH ; AlLn- chen beantragt e, Nr

Stillstand in den deutsch-japanischen Wirtschasts-

Verhandlungen.

Wie wir erfahren, ruhen die deutsch-japanischen Han- delsvertragsverhandlunge« zurzeit vollständig. Da es Deutschland nicht möglich ist, einen Handelsvertrag mit Japan abzuschlietzen, wenn die jetzigen Einfuhrbestimmuu- gen für deutsche Farbstoffe in Japan bestehen bleiben, hat die japanische Delegation bei der Regierung in Tokio telegraphisch um weitere Instruktionen gebeten.

Freigabe des Eigentums der deutschen Missions­gesellschaften in Südafrika.

Südafrikanische Blätter melden, daß das bisher unter Aufsicht gestellte Eigentum deutscher MissionsaesellschaftM wieder freigegeben ist. Die namentlich aufgeführten Misst- onsgesellschaften erhalten von neuem das volle Besitzrecht über ihr Eigentum und können darüber wieder in derselben Weise verfügen, wie sie dies vor dem Kriege tun konnten.

Eine Hetzrede Millerands in Honett.

In einer Rede in Rouen wies der frühere Präsident der französischen Republik Millerand darauf hin, daß die finanziellen Schwierigkeiten Frankreichs ledig­lich durch die Verfehlungen Deutschlands entstanden seien. Sämtliche Regierungen Frankreichs feien auf den schlechten Willen und die Unehrlich- keit Deutschlands gestoßen. Die Frage der Ruhr­besetzung müsse mit der Frage der Unterzeichnung eines stän­digen Wirtschaftsabkommens, der Räumung Kölns und der Lösung des interalliierten Schuldenproblems verknüpft werden.

Diegefährlichen" Waffen.

Ein Gesanaverein in Machendorf (Pfalz) beabsichtigte, am zweiten Weihnachtsfeiertag die Aufführung des Dramas , Toni" von Theodor Körner. Da zur Durchführung ein- zclner Szenen Waffen benötigt wurden, wandte sich der Verein an die französische Bezirksdelegation in Franken- thal mit der Bitte, die im Gemeindehaus aufbewahrten alten Waffen verwenden zu dürfen. Das Gesuch wurde nach einigen Tagen abgelebt und die Aufführung des Dranras verboten.

Die englisch-russischen Beziehungen.

Ein Londoner Blatt berichtet, daß sich Rakowski zu einer Konfererxz irach Moskau begehen habe. Vor seiner Weise hatte er eine Unterredung mit Chaucherlam über«