Einzelbild herunterladen
 

HersMer Tageblatt

Anzeigenpreis Für die einspaltige Petitzeile toPfg. für amtliche und ausmürtige Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dadilab. * Für die Schriftleitung oerantoortlich Franz Funk In Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8.

^ Hersfelöer Kreisblatt^ [

* i Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfelö !

Der Bezugspreis betrügt durch die Post bezogen monatlich 1. Mk., ausschilekl. Bestellgeld, für Bersfeid 1. Mk. bei freier Zustellung, Abholer .80 Mk. * Druck und Verlag non budwig Funks Buchdruckerei in Bersleld, (Ditgiied des VDZV.

Nr. S

Sonnabend, den 10. Januar

1925

Das Wichtigste.

Die Alliierten haben beschlossen, die Antwort auf die b« utfche Räumungsnote erst in ungefähr vierzehn Lagen zu geben.

Reichskanzler D r. Marx hat seinen sechsten Ver­such zur Bildung einer Regierung im Reiche bisher auch noch nicht mit Erfolg beendet.

Im Verlauf der Pariser Finanzkonferenz scheint eine Annäherung Mischen England und Amerika über Amerikas Anteil an den deutschen Repara - bionszahlungen zustandegekommen zu sein.

Das bayerische Konkordat ist angenommen worden.

Der Beginn eines zweiten Magdeburger Prozesses Ebert Rothard steh t kurz bevor.

Zum 10. Januar.

Am 10. Januar 1920 trat der Friedensvertrag vo« Versailles zwischen Deutschland und der Entente in Kraft.

Der 10. Januar ist ein dies a t e r in der Geschichte des deutschen Volkes und wird es bleiben in der kommenden Geschichte und bei kommenden Geschlechtern, wenn die Ge­rechtigkeit auf Erden nicht noch einmal hier eingreift. Der 10. Januar, an dem das einst so stolze deutsche Volk sein Haupt unter das Joch steckte, das ihm die Entente bereitet hatte, ist ein deutscher Trauertag. Noch nie ist in der Welt­geschichte ein so schmählicher Friedensvertrag geschlossen wie der in Versailles am 10. Januar 1920. Noch nie ist ein be- siegtes Volk so seiner Ehre beraubt worden wie das deutsche Volk. Und das nach einem ruhmvollen Kriege, in dem das deutsche Volk länger als vier Jahre gegen eine Welt von Feinden standhielt. Wollen wir hier nicht rechten über die Gründe, die zu dem plötzlichen ZusamunubÄch der deutschen Armeen führten, einig ist sich wohl das gesamte deutsche Volk mit dem Friedensvertrag von Versailles angetan hat und die das deutsche. Volk nicht verdient hat. Man hört viel in der Geschichte von der Großmut des Siegers gegenüber dem Be- pegten, hört viel von einer Anerkennung, die der Sieger seinem tapfer im Kampfe stehenden und doch unterlegenen .Feinde zollte. Doch das waren andere Zeiten, Zeiten, in denen das WortEdelmut" noch keine leere Phrase war. Die Entente kennt dieses Wort ja überhaupt nicht, für sie sind allein Neid und Haß die Triebfedern ihres Handelns. Als man den sogenanntenFriedensvertrag" aufsetzte, wußte die Entente genau, was sie mit ihm bezwecken wollte.Friedens­vertrag" ist ja nur ein leerer Name für die in Versailles niedergelegten Bestimmungen, den wahren Frieden atmet er nicht. Dafür hat dieser Vertrag der Entente aber die Mög­lichkeit gegeben, aus einem wehrlosen Volke noch das zu er­pressen, was die Waffen im ehrlichen Kampfe nicht erringen konnten. Ober wollte jemand behaupten, daß wir seit dem 10. Januar 1920 Frieden haben? Ist die schmachvolle Be­setzung des Rührgebietes ein Akt des Friedens, ist die Be­handlung einer ohnedies armen und schwer arbeitenden Be­völkerung an Rhein und Ruhr ein Friedenswerk? Oder soll man es Frieden nennen, wenn Deutsche vor französischen Kriegsgerichten zum Tode oder den schwersten Kerker­strafen verurteilt werden, ohne daß dieAngeklagten" selbst etwas wissen von ihren Vergehen? Die Entente gibt schließ­lich selbst zu, daß es für sie noch keinen Friedenszustand gibt, denn bei ihnen gibt es ja nochKriegsgerichte". Der gegen Deutschland großgezüchtete Haß feiert Triumphe und kann sich nicht genug tun an der Unterbrücfung und Knebelung des gefürchteten Feindes. Das deutsche Volk nahm in seiner Machtlosigkeit diesen Vertrag an; daß es ihn nicht freiwillig anerkannte, sondern nur unter dem Drucke der Verhältnisse, das weiß man bei der Entente auch genau. Und daher das schlechte Gewissen bei unseren Gegnern, daher die ewige Furcht vor dem Auflebcn des deutschen Revanchegedankens. Nur allein die Furcht, die nie aus dem Herzen der Bedrücker weichen sairb, drängt sie zu den Kontrollbesuchen, bei denen sie in jedem Winkel unseres Vaterlandes herumschnüffeln, die Heeresformationen besuchen, die Polizei bewachen und die Fabriken inspizieren. Jede von ehrlosen Schurken ihnen gemachte Angabe setzt sie in Erregung und bringt den ganzen Untersuchungsapparat in Bewegung. Ostziere mit einem Troß von Beamten durchrasen in ihren Plutos das Land, kontrollieren die Polizeiorgane und prüfen den Polizeietat, auch wenn sie am Ort nur einen Polizeibeamten vorfinden, der zugleich die Nachtwache hält über das friedliche Städtchen. Das alles geschieht auf Kosten des ausgepowerten Deutschen Reiches. Was kümmert die Herren die Kostenfrage. Deutsch­land muß alles "wzahlen, und kann es das nicht, so werden Zwangsmaßnahmen das G»!d erpressen. Aber nicht genug damit. In diesen Sagen erleben wir es, daß sich die Entente nicht einmal um die Bestimmungen, die sie selbst diktiert bat, kümmert. Köln wird nicht geräumt, obwohl es der Versailler Vertrag Vorsicht. Man findet fade Grundefür eine weitere Besenilnq. Warum and) nicht? Das deutsche Volk liegt ja in Fesseln, es kann sich ja nicht wehren, oder wehe ihm!

Das ist derFrieden von Versailles , unter den das "deutsche Volk am 10. Januar 1920 seine Unterschrift gab?

Seitdem ist es ein Sklave, der unter der Knute des Sklaven­halters st^nachtet. Dr. M.

Reichskanzler Marx verhandelt noch.

Im Reichstag wird die Möglichkeit erörtert, daß infolge neuer Schwierigkeiten der Reichskanzler Dr. Marx seinen Auftrag an den Reichspräsidenten zurückgeben könnte. Von unterrichteter Seite wird es als richtig bezeichnet, daß die Minister Dr. Luther und Graf Kanitz nicht geneigt sein dürften, in ein überparteiliches Kabinett einzutreten, um dessen Zustandekommen sich der Reichskanzler heute bemüht hat. Infolgedessen wird es an der angeführten Stelle für sehr wahrscheinlich gehalten, daß die Rückgabe des Auftrages durch den Reichskanzler Marx erfolgen wird. An ferner Stelle käme dann die Beauftragung des Reichsfinanzministers

Dr. Luther mit der Bildung des Kabinetts in Frage.

Zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler fand eine Aussprache statt, auf Grund derer der Reichs­kanzler morgen die Verhandlungen fortführen wird.

Die Regierungsbildung wieder auf dem toten Punkt.

Berlin. 10. Januar. Am Freitag abend um 6 Uhr begab sich Herr Marx zum Reichspräsidenten, um, wie aus feiner Umgebung erklärt wird, endgültig seinen Auf­trag in die Hände des Reichspräsidenten zurückzulegen. Wer nunmehr mit der Bildung des Kabinetts beauftragt werden wird, steht nochnicht fest

Deutschland kann warten.

Me Alliierten haben beschlossen, die deutsche Note wegen der Räumung Kölns frühestens in zehn bis vierzehn Tagen zu beantworten, keineswegs aber vor Schluß der Pariser Konferenz.

Wieder ein Schandurteil eines französischen Kriegsgerichts.

Das Kriegsgericht in Lille hat die deutschen Generale von Heinrich von Grävenitz, von Zöllner und von Tessi« in Abwesenheit wegen angeblicher Mißhandlung von Kriegs­gefangenen zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Der preußische Generalsiedlungsplan.

Zwischen Vertretern der preußischen staatlichen und kom­munalen Behörden fand in Alton« eine Besprechung statt, die sich mit dem preußischen Generalsiedlungsplan für die nähere und weitere preußische Umgebung von H a m b u r g beschäftigte. In den Erörterungen wurde dargelegt, daß eine planmäßige E r s ch li un g^ d e s Unter-Elbegebietes gerade im Interesse der Städte in naher Zeit vorgenommen werden muß. Ausführlich wurde die verwaltungsmäßige Durchführung des Planes an her Hand eines unverbindlichen Entwurfes für einen Siedlungs- verband erörtert. Die Verhandlungen sollen bald fortgesetzt werden.

Danzig wahrt sein Postmonopol.

Die Post- und Telegraphenverwaltung der Freien Stadt Danzig veröffentlicht eine Bekanntmachung, in der die Art des polnischen Postdienstes als ein Verstoß gegen das durch Verfügung und Gesetz geschützte Monopol der Postverwal- lung der Freien Stadt Danzig bezeichnet und bekanntgemacht wird, daß die Post- und Telegraphenverwaltung der Freien Stadt Danzig den Post- und Fernsprechdienst mit Polen auch jetzt noch unumschränkt in bisherigem Umfange - weiter ausübt.

Annahme des Konkordats.

Der Verfassungsausschuß des bayerischen Landtages hat dem Konkordat und den Verträgen mit den evangelischen Landeskirchen mit 15 gegen 12 Stimmen bei einer Stimm- enthaltung zugestimmt.

Dr. Höfle und der Äarmat-Skanöai.

Der Rücktritt des Reichspostministers Dr. Höfle wurde von einigen Stellen darauf zurückgeführt. daß der Mi­nister dem Barmat-Konzern in leichtsinniger Weise Kredite gegeben habe. In einer Mitteilung erklärt der Reichspost­minister Dr. Höfle, daß der von der Reichspostverwaltung dem Barmat-Konzern zur Verfügung gestellte Kredit von 14,5 Millionen durch ein Effekten und Wechseldepot sicher gestellt und außerdem bei 17 in- und ausländischen, von den Sachverständigen anerkannten Versicherungsgesellschaften voll versichert ist. Entgegen anderen Behauptungen wird festgestellt, daß dieser Betrug auf durchaus ordnungsmäßigem Mge der deutschen Girozentrale in Berlin übermittelt wurde, die ihn als Treuhänderin der Post an den Barnrat Konzern weiterleitete. Mch der Mitteilung ist schließlich die Darstellung über die Tätigkeit des Zentrumsacheordneten

Lange-Hegermann frei erfunden und auch die Be­hauptung falsch, daß die Zentrumsfraktion den Rücktritt des Reichspostministers beschlossen habe und der Rücktritt sofort vollzogen worden sei. Ebenso wird die Nachricht über Nie- derlegung seines Reichstagsmanidats vom Reichspostminister als unrichtig bezeichnet.

Ostpreußen gegen den Vertragsbruch an der Weichsel.

Gemäß einer Mitteilung der Botschafterkonferenz sollen die Bestimmungen über Ostpreußens Zugang zur Weichsel am 1. Februar 1925 endgültig in Kraft treten. Den ein­deutigen Bestimmungen entgegen hat Polen auf dem rech­ten Weichselufer einen strategischen Brückenkopf erhalten, der Ostpreußen vom Weichselstrom völlig abriegelt. Es kann hier nicht auf die politischen und wirtschaftlichen Gefahren eingegangen werden, denen durch diesen Vertragsbruch Ost­preußen und namentlich die Bevölkerung der Marienwerderer Niederung ausgefetzt ist. Es dürfte wohl kaum irgendwo auf der Erde ein Gegenstück für die Tatsache geben, daß ein Land keinen Zugang für einen Strom hat, an den es grenzt. Ostpreußen verlangt den ihm vertragsmäßig zustehenden freien, ungehinderten Zugang zur Weichsel, die Rückgabe des rechten Weichfelufers mit den fünf von Polen besetzten Dör­fern, den Hafen von Kurzebrack und den Deich, der unter einheitlicher deutscher Verwaltung bei Hochwassergefahr den Schutz des Niederungslandes gewährleistet. Die Ostpreußen fordern, daß die Reichsregierung auch gegen diesen Pariser Machtspruch alle Mittel einsetzt und die Revision des bereits jetzt unerträglichen Zustandes auf Grund der klaren, gerade für die vom Mutterlands abgerissene Provinz Ostpreußen wahrlich genügend schweren Bestimmungen des Versailler Diktats verlangt.

Der zweite Magdeburger Prozeß.

Die schriftliche Urteilsbegründung im Prozeß des Reichs­präsidenten gegen den stellvertretenden Schriftleiter der Mitteldeutschen Zeitung" in Staßfurt, Rothard, ist nun­mehr sertiggestellt. Nach Zustellung des Urteils wird von Landsberg und Heine, auch die schriftliche Begründung ihrer Berufung erfolgen. Me neue Verhandlung, die diesmal vor der großen Strafkammer beim Landgericht Magdeburg stattfindet, wird Ende Februar oder Anfang März beginnen. Der große Fragenkomplex, der die erste Instanz mehrere Tage lang beschäftigte, wird diesmal ausscheiden. Es han­delt sich dabei bekanntlich um die Behauptung, daß die So- zialdemokratie durch ihre ganze Haltung während des Krieges die Landesverteidigung erschwert oder durchkreuzt habe usw. Der Beklagte Rothardt hat auf neue Beweise nach dieser Richtung verzichtet. Die Frage, ob gegen die beiden be­kannten Zeugen Syrig und Gobert aus der ersten Verhand­lung ein Verfahren wegen fahrlässiger oder wissentlich fal­scher Bekundungen angestrengt wird, ist noch immer nicht entschieden. Bon dem Reichspräsidenten ist gegen die beiden Zeugen kein Strafantrag gestellt worden. Durch die zu­ständige Staatsanwaltschaft wird also binnen kurzem die grage geklärt werden, ob gegen diese Zeugen, deren Aus­sagen nicht einwandfrei erschienen, ex officio die Vor­untersuchung eingeleitet wird.

Aus dem Reichsrat.

In der letzten Reichsratssitzung wurden die Satzungs­änderungen der Rheinisch-Westfälischen Bodenkreditbank in Köln und die Verordnung über die Bildung von Wasser- straßenbeiräten genehmigt und ein Gesetzentwurf zur Aende- rung des Handelsgesetzbuches und des Genossenschaftsgesetzes angenommen.

Ferner hat der Reichsminister Dr. Iarres seine Ab­schiedsrede gehalten und mitgeteilt, er gehe als Oberbürger­meister nach Duisburg zurück.

Französische Truppenbesichtigungen in Bochum.

Der französische Oberkommandierende General Guilleaumat inspizierte die Truppen des Bezirks Bochum. Stuf der Hauptverkehrsstraße der Stadt, die eine Stunde für jeden Straßenverkehr gesperrt war, fand eine Parade statt, an der Artillerie, Infanterie und Kavallerie teilnahmen.

Die italienische Opposition gegen Mussolini.

Berichte aus Rom erklären, die Oppositionspartei ver­öffentliche in ganz Italien Aufrufe, in denen erklärt wird, die Regierung Mussolinis trete die fundamentalen Gesetze und die Verfassung des Staates in den Staub. Sie ersticke bic freie Stimme der Presse und unterdrücke das Recht, Ber- sammlungen abzuhalten. In dem Aufruf heißt es, die Re­gierung l)abc kein Recht, eine allgemeine Wahl arrszuschreiben, und dieser Schritt sei nur ein neuer Versuch, den Willen des, Landes zu fälschen.

Die interalliierte Finanzkonferenz.

Nach einer amtlichen Erklärung bat die interalliierte Sinn:-.; erenj auf Vorschlag Clementels folgende Arberts. Methoden angenommen Sämtliche strittigen Punkte, die von