yersM-er Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt' Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö
Nr. 192 Dienstag, den 30. Dezember 1924
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Das Wichtigst«.
Die B o tfcha^ tvDko»fer«ng in P«ir is ist mit ^er Abfassung der Note an Deutschland beschäftigt, in der ine Nichträum ung Kölns am 10. Januar bekanntgegeben wirb. Aus offiziösen Presieineldungen läßt sich vevei'ts ein BW über den Inhalt der Note machen.
— ® ^e ^^ständisch e n in Albanien haben den Regisrungstruppen eine entscheidende Niederlage beigebracht. Der frühere albanische Mine st erpväsident ist mit den übrigen Ministern nach Italien geflohen.
— In Sowjetrußland mehren sich die Un* ruhen vornehmlich unter der Industriebevölkerung. Die Sowje 1 regierung hat zu scharfen Maßnahmen gegriffen.
® ^ Kr ebit g eschäf te der Preußischen Staatsbankische inen sich zu ei ne r rech t pein li chen Tiare ansznwachsen. Unter den neuerdings Verhafteten befindet sich sogar einer der ersten Be- amten der „Sgchandlung".
Zur Jahreswende.
leben wir im Rauschs des eben verklungenen Weih- nachtsfestes,. noch ist die Festesfreude nicht in uns Derftummt, öö rüsten nur von neuem ^m Fest der Jahreswende. Dumpf Jungen Die Glocken vom Kirchturm durch die mondklare Mltternacht, chr Klang tönt weit hinaus ins deutsche Land, sie Der tun ocn. das neue Jahr und läuten dem verflossenen das Sterbegeläut. Mit friedlich-feierlichem Ernst hören wir den I-onen zu und fühlen in uns nochmals all die Erinnerungen widerkllngen, die sich an das alte Jahr knüpfen. Langsam zrehen an unserem Auge die Geschehnisse vorüber. Wir sehen WMWMWWWMWWWM ganze lange Jahr 1924. Gin jeder von uns hat seine persön- nchen Erlebnisse gehabt, die er nun noch einmal an sich vorab erziehen läßt, sie alle, die guten und die weniger guten Er- mnerungeM Dann zieht wohl jeder unter die Summe. dieser Erinnerungen, einen Strich, unter den er das Ergebnis des Jahres setzt, ein Ergebnis, das« Freude oder Trauer in seinem Herzen wachruft. Uns allen, die wir deutsch sprechen und deutsch fühlen, sind aber die Erinnerungen gemeinsam, die wir bei der Betrachtung der Geschicke unseres deutschen Vaterlandes haben.
Noch leben wir immer unter den Nachwehen des Weltkrieges, der uns tiefe, klaffende Wunden geschlagen hat, an denen wir bis heute kranken und leiden. Nicht allein der Krieg selbst, hatte ja das deutsche Volk zerschlagen, nein, nicht minder schlimm waren die folgenden Jahre des „Friedens", in denen die Habgier unserer Feinde unserem ohnmächtigen Lande vollends den Fuß in den Nacken fetzte und aus ihm zu erpressen suchte, was Waffengewalt ihm nicht gebracht hatte. Wozu noch einmal ausgreifen in der Erinnerung bis an das, Ende des Weltkrieges?.'. Dahin! Es ist gewesen, und wir können heute nichts mehr an der Vergangenheit ändern. Begnügen wir uns mit der Frage: Hat das letzte Jahr dem deutschen Volke Fortschritte gebracht auf der Bahn des Wiederaufstiegs? Unzweifelhaft. Die Antwort kann nur eine sein: Jawohl, wir sind ein gewaltiges Stück vorwärts gekommen. Mögen auch Schwarzseher und Mäkler heute behaupten, wir stünden noch da, wo wir am Ende des Krieges standen, so belügen sie sich selbst und sündigen an sich und den Mitmenschen, indem sie sich bewußt den Geschehnissen verschließen und sich und den anderen die Hoffnung, den letzten Rettungsanker, aus dem Herzen reißen. Wie war's denn vor einem Jahre? Das deutsche Volk stöhnte unter der grenzenlosen Inflation. Unbeschränkte Papierfluten rollten über die deutsche Wirtschaft und drohten, sie zu vernichten. Wir standen am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Doch Gott verließ den Deutschen nicht. Mit ungeahnten Schritten nahte die Befestigung der deutschen Valuta. und dämmte die dräuende Papierflut ein. Der größte Fortschritt seit dem Kriegsende liegt ohne Zweifel im verflossenen Jahre 1924. Sind wir nicht gewaltig emporgestiegen im wirtschaftlichen Wiederaufstieg? Wir wissen heute, womit wir rechnen können, zählen heute wieder unser Einkommen nach Reichsmark, die es uns möglich macht, einen geregelten Haushalt des einzelnen und des Staates zu führen. In unserem Wirtschaftsleben regt sich die alte, gerühmte Kraft und Energie des Deutschen, und schon hören wir aus der Welt Stimmen, die stark mit der deutschen Konkurrenz auf dem Weltmarkt rechnen. Freilich läßt sich ein zertrümmertes Wirtschaftsleben nicht von heute auf morgen wieder herstellen; was Jahre zerschlugen, können nur Jahre wieder errichten. Niemand wird behaupten können, daß wir in unserem nie versiegenden Optimismus mehr sehen als wirklich geschehen ist. Hören wir doch nur, auf die Stim- men unserer einstigen Feinde. Schreien pe nicht laut genug chr pereat der deutschen Wirtschaft? Ja, aber warum denn? Sie müssen den unaufhaltsamen Wiederaufbau mit ansehen und die alte deutsche Wirtschastsmacht wieder erstehen sehen. Wozu denn all die Repressalien, von denen wir jetzt gerade am die Jahreswende ein Meisterstück erleben müssen? All die böswilligen Anfeindungen, die Aufhetzung der Welt gegen Deutschland sind doch mix Gegenmittel, am das Wieder- IrKarken des deutsche». Stoßes zu brechen ____.
Das Jahr 1924 brächte uns die Aufhebung der Ruhr- politik, wie sie mit all ihren kriegerischen Maßnahmen nach dem Kriege einsetzte. Der Versailler Schandvertrag fand in dem Dawes-Gutachten eine Auslegung, die den Franzose:: sicherlich nicht erwünscht war. Unter der Herrschaft Herriots fand sich Frankreich bereit, Teile des besetzten Ruhrgebiets zu räumen und die deutsche Verwaltung wieder einzusetzen. Schwer erkauft haben wir zwar in London diese Erleichterung, aber — man mag über das Londoner Abkommen denken wie man will — unzählige unserer deutschen Brüder an Rhein und Ruhr sind befreit wori^ i von der Tyrannei der Unterdrücker. Leider müssen wir gerade in diesen Tagen erleben, wie wenig sich die Feindbundstaaten an geschriebene Verträge gebunden fühlen. Durch die Rämung der Kölner Zone wäre die Befreiung des besetzten Gebietes gekrönt worden, der 10. Januar 1925 wäre ein Befreiungstag für weitere Tausende deutscher Bürger geworden. Er wird vergehen, und die Befreiung wird nicht erfolgen. Die Drahtzieher namentlich französischer Politik haben es wieder einmal verstanden, die Welt von der „Böswilligkeit" Deutschlands zu überzeugen. Heimliche Rüstungen, Ausbildung eines Volksheeres und ähnliches, was in dem Hirn eines Franzosen herumwirbelt, will die Kontrollkommission festgestellt haben. Elende Verleumdungen, die nur aus Neid und Habgier geboren sind! Sollen wir es denn wirklich erleben, daß uns die Früchte des vergangenen Jahres gerade zur Jahreswende genommen werden? Wir können ja nichts weiter tun als mit schriftlichen und mündlichen Protesten gegen diesen Derleumdungs- feldzug anzukämpfen. Die Lüge hat noch nie in der Welt den Sieg davongetragen, der Wahrheit gehört das Feld. Unb die Wahrheit liegt beim deutschen Volke!
Darum wollen wir beim Tönen der Neujahrsglocken unsere feste Hoffnung nicht abwerfen, daß uns das neue Jahr doch weiter bringen wird in vvW Aufstieg zu früherem Glänze. Deutscher Wille und deutsche Krash werben sich in der Welt durchsetzen, und wenn die Welt ‘inC Teufel wär'!
Die Pariser Verhandlungen über die Räumungsfrage.
Das Komitee, das aus dem Direktor im französischen Außenministerium Laroche und je einem Sekretär und einem Offizier der verschiedenen Kontrolldelegationen besteht, hat den Entwurf zu einer Note ausgearbeitet, die zur Erklärung der Nichträumung der Kölner Zone nach Berlin gesandt wer- den soll. Der Entwurf wurde an die alliierten Regierungen gesandt. In diesem Entwurf heißt es: „Die alliierten Mächte stellen fest, daß am 10. Januar gemäß dem Versailler Vertrag die Kölner Zone von den alliierten Truppen geräumt werden sollte, vorausgesetzt, daß Derüschland alle im Vertrage festgelegten Verpflichtungen erfüllt hat. Die Botschafterkonferenz ist noch nicht im Besitze eines definitiven Berichtes der Militärkontrollkommission. Dieser wird erst gegen den 20. Januar abgegeben werden. Ohne ihn jedoch erwarten zu müssen, gestatten die vor- läufigen Berichte der B otschafterkonserenz den einheitlichen Eindruck, daß deutscherseits zahlreiche und sehr ernste Verfehlungen begangen worden sind und noch begangen werden." Es folgt eine ausführliche Darstellung dieser „Verfehlungen", insbesondere in bezug auf die Abrüstung. Die Schlußfolgerungen sind sehr kurz gefaßt: „Die Frage der Räumung Kölns kann nur dann in Betracht kom- men, wenn Deutschland die Verträge beachtet."
Gewisses Aufsehen erregt in Paris ein Londoner Havas- bericht, der angeblich den offiziösen Standpunkt englischer Regierungskreise über die Räumung Kölns wiedergeben soll. Es heißt darin: „Es unterliegt keinem Zweifel, daß die diplomatischen und militärischer. Stellen in London wie in Paris bereits jetzt sich dahingehend verständigt haben,, daß weder die Militärkontrolle noch die Besetzung Kölns aufgehoben werden kann, solange Deutschland nicht die fünf bekannten Punkte der Botschafterkonferenz erfüllt hat." Ueber den Zeitpunkt der Räunrung wird gesagt: „Es ist anzunehmen , d a ß die Engländer im besten Fall die Ueberfüh- ru n g ihrer Truppen aus Köln nach England ober in die zweite Be s a tz un g sz o ne nicht vor dem Monat Juli ins Auge fassen." Schließlich behauptet der Havasbericht, daß die Note der Botschafter- konferenz lediglich die Antwort auf die deutsche Protestnote gegen eine eventuelle Fortsetzung der Kölner Okkupation dar- stelle. Eine zweite Note dagegen, die in der Zeit zwischen dem 5. unb 10. Januar auf Grund des Schlußberichtes der Kontrollkümmifsion ausgearbeitet werden soll, sei dazu bestimmt, die endgültigen Beschlüsse der verbündeten Mächte über die Räumung Kölns und die Aufhebung der Militärkontrolle mitzuteilen. Es ist unmöglich, in Pariser diplomatischen Kreisen eine Bestätigung für diese Havasmeldung zu erhalten. Nach dem „Journal des Debats" haben sich bei der Abfassung der ersten Note gewisse Meinungs- verscki edenheiten zwischen Frankreich und E n g l a n d ergeben. Der Pariser „Temps" dementiert die -Sielbungen über noch bestehende Differenzen zwischen Paris rah London. „Auf jeden Fall," schreibt das Blatt, „besteht weder auf englischer noch auf französischer Seite die Absicht, die Frage der Hinausge- i c^o benen Räumung Kölns mit der einer
beschleunigten Räumung des Ruhrgebietes zu verknüpfen. Die Räumung der Ruhr durch die franko-belgischen Truppen am 15. August 1925 wird ausdrücklich von der loyalen Inkraftsetzung des Sach» verfländigenberichtes und der' Londoner Abmachung durch Deutschland abhängig gemacht. Der englische General Morgan erhebt in einem Artikel wütende Angriffe gegen Deutschland, dem er ungeheure Rüstungen nachweisen zu können behauptet. Unter dem Vorwande des Schutzes vor der konmmnistischen Gefahr unterhalte Deutschland einen General st ab für 20 Divisionen und habe den Artilleriebedarf für 20 Armeekorps gedeckt. Sämtliche Geheimbünde seien den stehenden Kompagnien angeschlossen worden, man erstrebe die Errichtung einer Militärmacht nach dem Beispiel Moltkes. Ein Jahr nach Auflösung der Kontrollkommission werde Deutschland seinen Bestand an Kanonen und Mu- nition auf den Stand von 1918 gebracht haben. In General von Seeckt sei ein neuer Rtoltke zu erblicken. General Morgan zieht daraus die Schlußfolgerung, daß Köln und Mainz auf unbestimmte Zeit besetzt bleiben müßten, für den Fall der Räumung könne der Frieden Europas nicht länger als ein Jahr verbürgt werden.
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Während die englische Presse in meist nüchternen Berichten zu den Beratungen in Paris Stellung nimmt, führt der größte Teil der Pariser Presse mit dem schamlosesten Hetzfeldzug gegen die deutsche Rüstung fort. Die Stockholmer Zeitungen verurteilen scharf die Absicht der Nichträumung der Kölner Zone am 10. Januar, in der sie einen flagranten Bruch feierlich übernommener Verpflichtungen sehen. Während die Washingtoner Re- gierung betont, sie sei offiziell an der Kölner Frage uninteressiert, versichern politische Kreise weiterhuL-Shn^
um die Frage aus 'oer ^Welt zu schaffen. VerschlLdeue amen, konische Zeitungen melden, daß die amerikanischen Besitzer deutscher und französischer Anleihen über die von Europa eintreffenden Berichte nervös geworden seien. In politischen Kreisen wird vielfach auf die Verbindung der Ruhr-Rhein- Frage mit dem Dawesbericht verwiesen. Die „New Park Times" erklären, niemand könne ernstlich anne^ men, daß Deutschland in absehbarer Zeit fähig sei, Frankreich militärisch anzugreifen. Selbst wenn die Kontrollkommission fünfmal mehr Waffen gefunden hätte, würde Deutschland zu einem derartigen Angriffe längst nicht gerüstet sein.
Weitere Verhaftungen bei der preußischen Staatsbank.
Die Affäre „Kulisler" hat eine überraschende Wendung genommen. Einer der höchste» Beamten der Preußischen Staatsbank, Geheimrat Dr. Rühe, ist am Sonntag verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Der Schaden, den big „Seehandlung" durch ihre Geschäfte mit der Staatsbank erlitten hat, wird den Betrag von 15 Millionen übersteigert. Die Staatsbank selbst ist durch diese Verhaftung sehr überrascht worden; denn Dr. Rühe galt bisher als ein sehr ruhiger, gewissenhafter Bsamter. Gleichzeitig ist auch der Bureauinspektor Blodow festgenommen. Die Anklage lautet auf Urkundenfälschung. Der Bankinspektor Kersten soll Blodow geholfen haben; auch dieser wurde vor einigen Tagen verhaftet. Weiter ist ein Dr. iur. Michael Feld festgenommen. Ihm wird Betrug und Bestechung vorgeworfen. Die interessanteste Verhaftung ist dann noch die des jüngsten Sohnes von Kutisker, Max K u t i s k e r. Der junge Mann ist 19 Jahre alt und „Direktor" der Antomobil-Motoren-Akt.-Ges. Dieser junge Mann hat Wechsel ausgestellt, die der Vater dann mit seinem Giro versah. Für die Wechsel war natürlich keine Deckung da. Max Kutisker soll von der absoluten Wertlosigkeit dieser Wechsel überzeugt gewesen sein. Die Anklage lautet: Wechselfälschung. Kutisker gibt jetzt alles zu und belastet die Beamten der Staatsbank erheblich.
<§in Pariser Zeitungsskandal.
Wie ein Pariser Blatt mitteilt, hat der französische Justizminister gegen die Pariser nationalistische Zeitung „Eclair" Anklage erhoben, da sie Dokuniente veröffentlicht habe, die die äußere Sicherheit des Staates gefährden. Es handelt sich hier offenbar um das vor zwei Tagen veröffentlichte Protokoll der Verhandlungen, die Ministerpräsident Herriot mit dem ehemaligen englischen Premierminister MacDonald im Monat Juni in Ehequers geführt hat. — Kriegsminister Rollet hat Strafantrag gegen den politischen Redakteur des „Eclair" gestellt wegen Veröffentlichung eines Berichtes, den General Rollet irr feiner Eigenschaft als Vorsitzender der Interalliierten Kontroll- kömmission über die angebliche militärische Organisation Deutschlands im Monat April an die Interalliierte Militä-