HersA-er Tageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt'
Mtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
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Nr. 179
Freitag. den 12. Dezember
1924
Das Wichtigste.
— Reichskanzler Marx war in Sachen der Regie- rungsNeubildung beim Reichsprä sibauten. Der Rücktritt des Rei ch skab i n et te s ist bis zur Anwesenheit der Parteiführer in Berlin verschoben worden.
— Ueber die Räumung der Kölner Zone, Ruhrräumung und Militärkontrolle machen „Petit Parisien", „Petit Journal" und „Daily Mail" sensationell« Mitteilungen, die ein baldiges Einschreiten der Reichsregierung benötigen.
— Ba lfour erklärt den Sino ws e w-Bries für authentis ch.
— Im Ebert-Prozeß wurden neue Zeugen für das Verhalten des Reichspräsidenten während bei M uni ti o n sarbeiterstreiks 1918 benannt.
ruf Herriot und MacDonald bei diesen Parlamentsverhand-
Jungen erinnert.
Man kann doch wohl nicht gut leugnen, daß das, was nun, um nur die letzten Sturmeszeichen Herauszugreifen, „Petit Parisien", „Petit Journal" und „Daily Mail" ankün- digen — Ankündigungen, bei denen mit Recht die Defürch- tatsächlichen Information bestehen muß —, nichts als eins glatte Ignorierung der Londoner Konfe-
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weiter ist als . H .
renz, soweit die Guthabenseite dieser Konferenz Deutschland betrifft. Unterstützt wird diese Befürchtung noch durchs den Umstand, daß der Franzose an der Ruhr sich wirklich nicht so aus führt, als wenn er die Absicht hätte, das Ruhrabenteuer endgültig zu liquidieren. Wir erwarten unbedingt von der Deutschen. Reichsregierung, daß sie nunmehr mit aller Deutlichkeit diese Vorbereitungen zu neuen Drosselungen als das brandmarkt, was sie sind, als neue Völkerrechtsbrüche gegen«
über Deutschland».
L—r.
Deutschland das Opfer einer englißh' französischen Verständigung..
Als die Schwierigkeiten Englands im Sudan vor einiger
>en ihren Höhepunkt erreichten, wiesen wir warnend da-
Wochen ihren Höhepunkt erreichten, wiesen wir warnend darauf hin, daß der englisch-türkische Konflikt mit einer Einigung Englands und Frankreichs auf Kosten des wehrloser Deutschland endete. Der Einigungspreis war damals bi< Handelsfreiheit zum französischen Ruhrabenteuer. Wei heute offenen Auges die Dinge um die sogenannte Räumuno Kölns und die weitere Ruhrräumung verfolgt, wird sich nickst der Meinung verschließen können, daß die neue Derständigun« Ehamberlains und Herriots darin gipfelt, Deutschland du wenigen Vorteile der Londoner Konferenz, auf die es hoffte hinweg,z udi sp utieren.
MMriiisAefchluß der Keichs- regiemng.
Ueber die Kabinettssitzung am Mittwoch wurde folgende amtliche Erklärung ausgegeben: »Das Reichskabinett beriet über die durch den Ausfall der Wahlen geschaffene Lage. Nach eingehender Aussprache beschloß es den alsbaldigsn Rücktritt. Ueber den Zeitpunkt des Rücktritts wird sich der Reichskanzler mit dem Reichspräsidenten in Verbindung setzen.
Nach römischen Meldungen des „Petit Parisien" und des „Petit Journal" ist zwischen Ehamberlain und Herriot eim Einigung dahingehend zustande gekommen, daß nicht nur Köln nicht im Januar geräumt, sondern daß weiter auch du
Grund römischer Informationen, der „Matin", daß in bei entmilitarisierten Zone am Rhein eine ständige Abrüstungs Kontrolle ausgeübt werden solle. Das bedeutet nichts weniger als daß Ausschüsse, in denen Frankreich die Oberhand hat stets in Köln, Koblenz und Mainz auch nach der Räumum der übrigen besetzten Gebiete verbiethen werden. Diese Nach richten sind allerdings vorläufig nur französische Presseäußerungen, Deutschland wird aber nach den bisher gemachten Ev fahrnngen mit derartigen Presseäußerungen in ähnlicher Lagen sehr gut tun, diesen französischen Presse stimmen eim recht erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Diese Hiobspost über die Ruhrräumung, eine der aus schlaggebendsten Fragen der deutschen Souveränität und bei Deutschen Wirtschaft, ist aber nicht die einzige, mit dener Deu-tschland um die Jahreswende beglückt wird. Zu gleiche: Zeit weiß die Londoner „Daily Mail" über Ergebnisse bei interalliierten Kontrollkommission zu berichten, die eigentlicl dürr und trocken das im Wahlkampf von einem Teil bei politischen Parteien abgeleugnete Geheim-Memorandum Her- riots bestätigen. Was in diesem Schriftstück an Verleumdungen Deutschlands gesagt ist, was in diesem Schriftstück an ferneren Drosselungen Deutschlands gefordert wird, das deck! sich voll und ganz mit dem, was in dem abgeleugneten Ge- Heim-Memorandum Herriots an die Alliierten, also England und Italien, ausgeführt und gefordert wurde.
Die Besprechungen innerhalb der Reichsregierung haben, wie in den eingeweihten politischen Kreisen verlautet, nicht die Ergebnisse gezeitigt, die man in den Regierungskreisen zu erzielen gehofft hatte. Das volksparteiliche Blatt „Die Zeit" stellt in einem Artikel fest, daß man sich in den Zentrumskreisen die Lösung der Regierungsftage viel zu leicht vorgestellt habe. Es könne jedenfalls keine Rede davon fein, ~ ernna Mn^ -reie Hand geben könne, damit em her wechselnden Mehrheiten dürfe t die Lage zu lösen versuchen,
man n. . . .. - . ..
denn dadurch werde der eigentlich? Srnn der Reichstagswahlen verkehrt.
Die halbamtlichen Informationen der Berliner Wilhelm- .strafe laufen schon seit Wochen, wo diese Räumung Kölns und 'tue weitere Ruhrräumung in der Luft liegt, darauf hinaus, daß einmal die deutsche Reichsregierung den schärfsten Protest erheben würde, wenn im Januar 1925 die Versprechungen ,auf der Londoner Konferenz unerfüllt blieben, daß anderer- seits aber die deutsche Presse Zurückhaltung üben möge, um die diplomatische Kunst der Berliner Wilhelmstraße nichi zu erschweren. Wir wünschen dieser diplomatischen Kunst Deutschlands schon aus ureigenstem Interesse den reichsten Erfolg, wenn es uns auch nicht recht einleuchtet, daß bei den sich offen vor den Augen der politischen Welt vollziehenden neuen „Entwickelungsprozeß" die deutsche Presse so lang« schweigen soll, bis diese Einwickelung zum Abschluß gelang! ist. Wir sind der Meinung, daß die deutsche Reichsregierung gegenüber diesem Treiben schon längst hätte in der unzweideutigsten Weise Lärm schlagen müssen; das war sie nach unserer bescheidenen Meinung dem deutschen Volke im allgemeinen, der gequälten und ausgepowerten Ruhr- und Rheinbevölkerung im besonderen schuldig. Hat man doch der Ruhr- und Rheinbevölkerung auf Grund der Londoner Versprechungen nicht Erleichterung, 1 andern baldige Erlösung vom fremdländischen Joch vorgegaukelt; hat man doch die Dawes-Gesetzgebung, die Forderung der Londoner Verhandlungen im Parlament, schnrcickhaft zu machen versucht, daß man jeden Zweifel gegen die Einlösung der gemalten Versprechungen niederzuschlagen wußte. Es sei bei dieser Gelegenheit nur an die recht übertriebenen und von einem großen Teile der deutschen Bevölkerung als direkt geschmack- Äg empfundenen Lobeshymnen aus ministeriellem Phmd«
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Die deutschnationale Reichstagsfraktion ist zu einer konstituierenden Sitzung auf Dienstag, den 16. Dezember, einberufen worden. An demselben Tage tritt bekanntlich auch die demokratische Reichstagsftaktion zusammen. Bezüglich der Einberufung des Reichstags ist noch keine Ent- scheidung getroffen. Sie hängt von der Regierungsbildung ab.
Der Reichstag
wird aller Wahrfcheiulichkeit nach nun doch noch im Laufe dieses Monats einberufen werde». Ursprünglich war die erste Sitzung des Reichstages am 5. Januar 1925 beabsichtigt. Dagegen ist aber das Bedenken geltend gemacht worden, daß dadurch die Neubildung der Reichsregierung unnötig verzögert werde, was um so mehr bedauerlich sei, als die neue Reichsregierung vor einige sehr wichtige außenpolitische Fragen in kürzester Zeit gestellt werde. Das ist die Verschie» bung der Räumung der Kölner Zone und die Frage der Militarkontrolle. Höchstwahrscheinlich wird der Reichstag bereits am 22. oder 28. Dezember zusammentreten.
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Der Reichskanzler hat dem Reichspräsidenten einen Besuch abgestattet, um ihm über den Verlauf der Kabinetts- sitzung Bericht zu erstatten. Gegenstand der weiteren Besprechung war dann die Frage, zu welchem Zeitpunkt der im Prinzip beschlossene Rücktritt des Kabinetts verwirklicht werden solle, was voraussichtlich nächste Woche der Fall sein werde.
An unterrichteten Stellen nimmt man an, daß der Reichspräsident zunächst Dr. Marx zur Neubildung der Regierung wieder auffordern wird. Bei einer Ablehnung des Auftrags wird der Reichspräsident nach Marx entweder einen anderen Zentrumsführer oder den Reichsaußenminister als Führer der Volkspartei zunächst mit dem Versuch einer Regierungsbildung beauftragen.
Nach einer weiteren Meldung wird Reichskanzler Dr. Marx dem Reichspräsidenten empfehlen, den Außenminister mit der Bildung des neuen Reichskabinetts zu be- auftragen. 06 der Reichspräsident diesem Rat Folge leisten wird, hängt jedoch von den Besprechungen ab, die er in den nächsten Tagen mit den Führern der neuen Reichstagsparteien haben wird. . t,.....
Granate und einen Schilling und sechs Pence *r jeden Zunder einer größeren Sorte dieser Granate p-us 5 Prozent Zinsen. Da Vickers und seine Unterfabrikanten Millionen solcher Zünder während des Krieges hergestellt haben, handelt es sich natürlich um eine ganz e n o rm eSu r m e. Krupps Forderung basiert auf einer Abmachung zwiichen ihm und Vickers vom 1. Oktober 1902, nach der Vickers sich verpflichtete, für jeden Zünder, der nach Krupps Anordnung ;emaht werde, obenerwähnte Tantiemen zu zahlen. Sie wurden auch bezahlt, bis der Krieg ausbrach. Vickers beruft sich auf den Vertrag von Versailles, Artikel 299a und 306, wonach alle Verträge zwischen Feinden als aufgelöst zu betrachten sind, „von dem Augenblick an, da aus den Parteien Feinde wurden".
Der preußische Staatsrat gegen den Handels-
. vertrag mit Spanien.
Im preußischen Staatsrat wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten eine Entschließung angenommen, in der der Staatsrat gegen den deutsch-spanischen Handelsvertrag Front macht. Die Vertreter der Parteien, die den Beschluß unterzeichneten, stimmten darin überein, daß dieser Handelsvertrag die Interepen der deutschen Winzer aufs schwerste schädige. Außerdem bedeute der Vertrag für die deutschen Fischereiinteressen eine schwere Schädigung. i
Auf einer Reise in die Pfalz kam der bayerische Wcrt- schaftsminister Prof. Fehr auf den deutsch-spanischen Handelsvertrag zu sprechen und verlangte im Interesse des Fortbestehens der Landwirtschaft die Zurücknahme des Vertrages. Wenn wir unsere Landwirtschaft vor dem völligen Zusammen- bruch bewahren wollen, sagte der Minister, so müssen wir alles aufbieten, um ihr zu helfen, denn in unserer Landwirtschaft und Industrie liegt der WiederauMg deq deutschen Volkes.
Die deutsch-französischen Wrrischaftsverhandlunge«
Die deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen wer- linden, vor- unö nachmittag
Sachverständigen statt Seit einigen Tagen haben die Vertreter der deutschen chemischen Jnoustrie Tarifverhandlungen mit den Vertretern der französischen Industrie auf genommen, jedoch konnten ihre Besprechungen noch nicht so weit gefördert werden, daß die beiderseitigen Experten in Ge. meinschast mit der Delegation verhandeln konnten. Die Der- Handlungen, die die landwirtschaftlichen Sachverständigen Deutschlands seit Ende voriger Woche führen, werden fort- aesetzt und mit Ausnahme der Verhandlungen über den • Kein, die wegen der Gegensätzlichkeit vorerst vertagt wurden, um den deutschen Sachverständigen Gelegenheit zu geben, mit den interessierten Kreisen in Deutschland Fühlung zu nehmen. Jetzt beginnen die Verhandlungen über die Textcl- waren. Man erwartet, daß diese etwa acht Tage tn Anspruch nehmen werden und daß sie so gefördert werden können, daß die Vollversammlung sich mit den erzielten Ergebnissen be» schuftigen kann. ------ .-----'■•■"'^
Maltzan Botschafter in Washington.
Staatssekretär Frhr. v. Maltzan ist, wie amtlich mttgeteM Botschafter in Washington in Aussicht genommen.
wird, zum Botschafter in Washington m Aus^Ml genommen. Seine Geschäfte werden von den; Mmisterialdirettox «M Schubert weitergesührt. . ^^ _^, -^-.xi. -^,
daß man jeden Zweifel gegen die Einlösung Versprechungen niederzuschlagen wußte. Es je
Krupp gegen Vickers.
Der Prozeß Krupps gegen Vickers, der im nächsten März vor dem englisch-deutschen gemischten Schiedsgericht in London ausgetragen werden soll, erregt dort größtes Interesse. Krupp verlangt eine Zahlung von einem Schil- smg und zwei Penre von jedem Zünder einer gewissen
Der Prozeß des Reichspräsidenten.
Zu Beginn der neuen Verhandlung in Magdeburg wurde das Protokoll über die Vernehmung des Rerä^prafl- deuten in Berlin verlesen. Aus dem Protokoll geht hervor, daß der Zeuge Syrig in feiner Gegenüberstellung ferne erste Aussage vor Gericht vollkommen aufrechterhalten hat, ja sogar durch weitere Einzelheiten ergänzt hat. Der Reichspräsident hält demgegenüber daran fest, daß es unmöglich sei, daß er die ihm von dem Zeugen beeidete» Aeußerungen getan habe. Die Verteidiger des Angeklagten Rothard benannten neue Zeugen, dw die Aussagen -des Syrig bestätigen könnten, und stellten fest, daß der Reichspräsident bei seiner Vernehmung am 26. November vorher die Frage gestellt habe, ob er überhaupt Auskunft in der Ange legenhect der Stellungsbefehle an dre.Streckenden geben müsse. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurde ein Brief des Richard Müller, des Lorsitzenden der «Streikleitung im Januar 1918, verlesen, m rein Müller gegen die Behauptung Eberts protestiert, daß Ebert dahin gewirkt habe, den Streik abzuwürgen. In dem Falle eines Ge- linaens des Streiks hätte Ebert die,e Gelegenheit, sich zur Macht ernporzuschwingen, genau so gut benutzt, wieder es nn November 1918 getan habe. Er, Müller, towie andere Zeugen könnten beweisen, daß Ebert rn keiner Messe gegen den Streik Stellung genommen habe. ,. ^ ^..^<. ~.«^
sagen bes < , Reichsprüs
1
Das Ende der belgischen Mimm-Oelegatton.
Die belgische Micumdelegation wird HM des 3JÄ ^gültig nach Mlgien zurückkchvW, ;~ .