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Hersfelder Tageblatt

Anzeigenpreis für die einspaltige Pelifzelle 10 Pfg. für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezelle 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dadilak. + Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk In Bersfeld. + Fernipredier Dr. 8.

tzersfel-er Kreisblatt'

Mmtüchrr Anzeiger für öen Kreis Hersfelö

Nr. 173 Freitag, den 5. Dezember

Der Bezugspreis beträgt durch die Pols bezogen monatlich 1. (I)k aussdiiiebl. Bestellgeld, für Bersfeld 1. IDk. bei freier Zustellung, Abholer .80 IDk. * Druck und Verlag von budwlg Funks Buchdruckerei in Bersfeld, (fiiiglled des VDZV.

1924

Das Wichtigste.

®te englisch-französischen Ab machunger über e Räumung der Kölner Zone rücken imrnei mehr m mehr in den Vordergrund der politischer D i s k n | i i o n. Mit Spannung blickt man aus die Unter« Hebung zwischen C<hamberIain und Herriot in Paris.

Die einzelnen Wi r t s ch a fts v erh an d lung e n gehen weiter ihren Gang. Nunmehr hat die Regierung den ©e« w e rtschaftsoertretern zu gestanden, sie z u den einzelnen HandeEsvertr«gsv«rHandlungen hinzuzuziehen.

, MacDonald ist wiederum als Führer der eng­lischen Arbeiterpartei nominiert worden.

3n Hannover hat der große Prozeß gegen den Massenmörder Haarmann begonnen. Alan rechnet mit einer Dauer von 14 Tagen. «.

^ ^MK ^Verhandlungen.

Kohle und Eisen.

Die dcutich-französischen Verhandl-ungen werden von dem Gedanken der Kohlenprobuttion und ihrem Verteilungs- problem sowie der Eisen- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands und ihre Wirkung auf den europäischen Markt geleitet. Hauptsächlich steht zur Zeit das Kohlen- Problem im Vordergründe des Interesses. Während Frank­reich mit allen Mitteln versucht, unter Bezugnahme auf die im Krieg zerstörten Kohlengebiete im Artois seine Kohlen- bmis durcheine möglichst hohe Quote aus den rheinisch-west- fülgcheir Bezirken sicherzustellen und noch zu vergrößern, wird ".1M genauen Materials nach- gewiesen, daß weit über 80 Prozent aller zerstörten Gruben wieder in Betrieb sind, und daß die Förderungsziffer dank der neuzeitlichen Einrichtungen ständig im Steigen begriffen ist. Während früher die Einrichtungen in den französischen Bergwerken noch sehr primitiv waren, ist Frankreich durch die Zahlungen Deutschlands in die Lage versetzt, die Betriebe mit technisch hervorragendem Material auszustatten, so daß dadurch die Kohlenförderung rapide zunimmt.

Man muß allerdings betonen, daß im Interesse der besse­ren Verteilung der Kohle in Westeuropa und als Gegend gewicht gegen England, eine französisch-deutsche Regelung der Kohlenfrage nicht unwichtig ist. Neben der englischen Kon­kurrenz, die sich besonders in der Nachinflationszeit für die deutsche Kohlenindustrie sehr bemerkbar machte, sind im Süd- osten und Osten Deutschlands in der Tschechoslowakei und Polen bedeutende Konkurrenten für Westeuropa ent­standen, die aus den Diserenzen in dem Verteilungssystem zwischen Frankreich und Deutschland ihren Nutzen ziehen wer- ben. Die französisch-deutschen Wirtschaftsverhandlun gen können dadurch, ä la longue gefichrt, nicht unbedenkliche Folgen zeitigen.

' Aehnlich liegen auch die Verhältnisse in der Eisen- und Stahlindustrie. Hier gilt es allerdings, auf die englische Eisen- und Stahlindustrie Rücksicht zu nehmen, da die Beziehungen der deutschen Schwerindustrie bisher mehr nach England ten­dierten. Das ganze Problem der Stahlerzeugung wird zwar -durch einen eventuellen westeuropäischenStahltrufteinschließlich Belgien und England auf eine vollständig neue Grundlage gestellt, aber aus speziellen, mehr technischen Gründen und auch im Interesse des Absatzes, sucht Deutschland lieber, eine engere Fühlungnahme mit Großbritannien. Der französischen Schwerindustrie ist diese Tendenz wohl bekannt, und sie muß notwendigerweise barauf Rücksicht nehmen, da ihr in einer englisch-deutschen Allianz ein Gegner erwachsen würde, der den Abschluß des englisch - deutschen Handelsvertrages hat auch Frankviechs Vermutung bestätigt, daß Deutschland in handelspolitischer Hinsicht mehr nach England neigt als direkt nach Frankreich und Belgien. Auch die englischen Interessen spielen unter normalen Verhältnisse mehr nach Deutschland hinüber, und besonders die Tatsache, daß England in der Frage der 26- prozentigen Reparationsabgabe Entgegen« , zeigte hat in Frankreich Besorgnis hervorgerufen. ^ou Paris wwo in letzter Zeit immer wieder versucht, möglichst besänftigend einzuwirken, man wolle es gewiß nicht anEntgegenkommen fehlen lassen usw. wenn nur kein Pakt mit England zu stände kommt, der der französischen Schwerindust rie gefährlich werden muß. Auch die französische Presse äußert sichin ahn licher Weise. Die deutsche Schwerindustrie sst sich ihres,Vov teils aber wohl bewußt, und sie hat ihn bisi M auch gesclM ausgenutzt und auf das Kohlengebiet Hmubergesp e , s t Frankreich froh war, als am 2. Dezember dm deutichen Sich iverständtgen bep SchwMrdrsstrie Paris vMlHe-n. dgl che»

weise wird nun Frarüfteich versuchen, mit England Beüehun- gen anzukiiüpf'en und nach dieser Hinsicht Versprechungen zu machen. Die neuen Derhandlun'gen beginnen am 17. d. M.

Me gesamte westeuropäische Schwerindustrie muß sich zwar in ihrer Struktur von Grund auf linden:, aber es ist selbstverständlich, daß bei einem Zustandekommen einer Fusion der englisch-französisch-deutschen Schwerindustrie jedes ein­zelne Land seine Vorteile wahren will. Auch durch die neuen Handelsverträge wird besonders die Absatzregelung betroffen. In dem deutsch-englischen Handelsvertrag ist dieser Regelung ein besonderer Passus gewidmet. Frankreich liegt im ganzen bei den Verhandlungen im Hintertreffen und möchte noch retten, was zu retten ist. Man darf ferner nicht verkennen, Daß bei Frankreich auch das Prestige mit vorherrschend ist, auch in der Wirtschaft über Deutschland einen Erfolg buchen zu können.

M die Räumung der Kölner Zone,

Daily Telegraph" berichtet, daß die Besetzung der Kölner Zone durch Großbritannien über den 10. Januar hin­aus verlängert werden würde. Diese Verlangernng bedeute einen schweren Bruch des Vertrages und die erste Verletzung des Uebereivkom- mens, das die Alliierten geradezu erfüllen im Begriff seien, während Deutschland sei­nen Verpflichtungen in den Reparations­zahlungen und der Entwaffnungsfrage nach gekommen sei.

Indessen, so meint der Korrespondent weiter, man müsse noch den Bericht der Militärkontrollkommission abwarten, bevor es möglich sei, darüber zu urteilen, ob Deutschland ein Recht habe, gegen die Aufschiebung der Räumung zu übrigen bfiebe^sr immer noch Raum für ein besonderes Protokoll, das außerhalb des Bertram lege, wonach das Reich eine endgültige Räumung der Ruhr im April bzw. im August erlangen würde, um als Gegenleistung eine Verlängerung der britischen Besetzung Kölns für wei­tere drei bis vier Monate zu gestatten. Solche Vereinbarung könne Deutschland nur willkommen sein und würde, da sie außerhalb des Vertrages läge, keinen Präzedsuzfall fär, die Räumung der zweiten und dritten Zone schaffe«.

*

Die Begegnung Herriots mit Chamberlain in Paris steht d)iie jeden Zweifel mit diesen Räunrungssragen im engsten Zusammenhang. Besonders auffallend ist die Tat­sache, daß diese Zusammenkunft der beiden Staatsmänner voraussichtlich nur einige Stunden dauern wird, und daß man in dieser Zeit kaum entscheidende Besprechungen durch, führen kann. Man hat daher in Berlin den Eindruck, daß es sich bei dieser Begegnung lediglich um eine vorberei­tende Besprechung für die weiteren diplo­matischen Unterhandlungen handeln kann. Da-, bei liegt selbstverständlich der Schluß nahe, daß der englische Außenminister die Frage der Räumung der Köl­ner Zone anschneiden wird. Angesichts der immer zcchl- reicher auftauchenden Pressemeldungen über die angeblichen französisch-englischen K o m p r o m i ß a b s i ch t e n empfiehlt es sich, deutscherseits die notwendige Zurückhal- t u n g z u w ahr e n, damit die in Vorbereitung befindliche» diMmattschM Schritte nickst gestört werden.

DasEcho de Paris" bereitet die ftanzösische öffentliche Meinung deutlich darauf vor, daß trotz des Drängens Deutsch- lands die Räumung der Kölner Zone zum 10. Januar 1925, wie es im Versailler Vertrag vorgesehen worden ist, gänzlich unmöglich sei, und zwar aus folgenden, unmöglich anzuerkennenden Gründen: Die interalliierte Kommission würde ihre Generalinspektion erst am 20. Dezember beendet haben und mehrere Wochen zur Zusammenstellung des Be- richts brauchen. Nach Ansicht der Inspektionskommission werde es sich erst später erweisen, ob Deutschland wirklich alle Bedingungen so erfüllt habe, wie es Frankreich glauben machen wolle. Wahrscheinlich werde es sich dann zeigen, daß Deutschland nicht zur volle» Zufriedenheit Frankreichs aHe? Nötige erfüllt habe.

Aus den deuifch-französifchm Wirtschaft Verhandlungen.

Die deutsch-französische Wirtschostskonftvenz hat eine Sitzung abgehalten, in deren Verlauf die Delegier­ten der eisenverarbeitenden Branchen Bericht erstatteten. Nach demEcho de Paris" hat man sich über die Tariffrage geeinigt. Da über gewisse Punkte noch keine Einigung erzielt wurde, seien neue Beratungen festgesetzt worden, und zwar eine Sitzung der deutschen und französischen Sachverständigen für die Landwirtschaft.Iournee Industrielle teilt mit, das vie deutschen Sachverständigen der Chemie m den nächste i Tagen in Paris erwartet werden. Die Sachverständigen fm

die Schwerindustrie würden bereits am Donnerstag in Paris eintreffen, um über das Ergebnis ihrer Beratungen mit den Industrien Bericht zu erstatten.

Gewerkschaftsvertreter bei den Handelsverirags- verhandlungen.

Den Spitz enge w erkschasten aller Richtungen ist vom Auswärtigen Amt mitgeteilt worden, daß die Reichsregierung den Wünschen der Gewerkschaften etnsprechend zu den künf. tigen Handelsvertragsverhandlungen auch Vertreter der Ge­werkschaften hinzuziehen will. Die Spitzenverbände sind auf­gefordert worden, Vertreter zu benennen.

Der Kommunistenfpuk in Paris.

In ganz Paris herrscht Auftsgung wegen eines höchst bezeichnenden Zwischenfalls zu Beginn der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Rußland. Der ehemalige französische Kapitän S a d o u l, der am 8. November 1919 wegen Desertation und Einverständnis mit dem Feinde zum Tode verurteilt wurde, ist am Hellen Tage, trotzdem die Geheimpolizei von seiner Ankunft Kennt­nis hatte und sämtliche Grenzbahnhöfe von der Polizei über­wacht wurden, unbemerkt über die französische Grenze ge­kommen und in Paris eingetroffen. Er soll sich im Gebäude der russischen Botschaft befinden, wo er nicht verhaftet wer­den kann.

Der neue russische Botschafter in Paris, Krassin, traf am Nordbcchnhof in Paris ein. Die Konnnunisten wollten diese Ankunft zu einer großen kommunistischen Kundgebung ausgestalten, und es waren auf Weisung der französischen Regierung seitens der Polizeipräfektur umfassende Maßnah­men getroffen worden, um Zwischenfälle zu verhindern. Mi- nisterpräsident Herriot hat die Absicht, unmittelbar nad) der Ankunft Krassins mit diesem über den Fall Sadoul zu ver­handeln, da dieser Fall von den regierungsfeindlichen Kressen erklärlicherweise besonders stark ausgenutzt wird gegen die 9InertennungspoIiti£ Herriots Rußland gegenüber. DieHu- manit6" veröffentlicht einen großen Auftuf:Sadoul ist in Paris. Laßt die bürgerlichen Zeitungen schwatzen. Bereitet euch vor zu einer Kundgebung für eine völlige Amnestiei"

FrankrerU^ ^-^^ der elfcWfchen Eisenbahner ab.

Im Laufe der Sitzung erörterte die ftanzösische Kammer das Budget der elsaß-lothringischen Eisenbahnen. Es wurde dabei von den Forderungen der Eisenbahner gesprochen, die eine Delegation nach Paris senden wollten,'der die Der- waltung aber den Urlaub verweigerte. Der Mnister für öffentliche Arbeiten erklärte, es gche nicht an, daß die el- sässischen Arbeiter Sonderforderungen stellten. Was sie for# dorten, müsse im Rahnlen der Gosanstorganisation der ftan. zösischen Eisenbahner bleiben. . , .

Der französische Kriegsminister gegen jede Heeresverminderung.

Kriegsminister General Rollet erschien vor dem Kammer- ausschuß für das Heereswesen, um über die Frage der mehr­monatigen Beurlaubungen von etwa einem Drittel des Jah- resbestandes sich M außer». Der Kriegsminister sprach sich gegen jede Maßnahme aus, die de« Effektivbestand des Heeres herabsetzen könne, solange die Neuorganisation des Heeres, die augenblicklich in Vorbereitung sei und deren Prüfung mit wünschemsMysttzk Eile erfolge, noch nicht durchgeführt werde» täune.

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Die Deutschenhaß in der Tschechei.

Der tschechoslowakische Eiseubahnminister Stribny wird auf dem Kongreß der tschechischen Nationalsozialisten eine Rede halten, die sich auch mit ben deutschen Minderheiten be­schäftigt und schon in einem Auszug wiedergegeben wird. Es heißt darin u. a.: Wir wollen die Deutschen nicht zu Tschechen machen, aber wir lassen auch nicht einen einzigen Tschechen verdeutschen. Die Liebe der deutschen Mürderheiten soll durch nichts erkauft werden, was die Einheit des Staates gefährden könnte. Daß sich die Nationen in der Tschechoflowakei vertragen müssen, ist notwendig, aber über allen politischen und nationalen VU- schiodenhejten steht der Staat.

England und Aegypien.

In einer Rede, die der englische Außenmüssster Austen Chamberlain über den Völkerbund hielt und in der er sich sehr warm für den Völkerbundgedanken einsetzte, erklärte er, daß die ägyptischen Ereignisse nicht unter die Bestimmungen des Völkerbundpaktes fielen, die ein Eingreifen des Völker­bundes notwendig machten.

Nach einer Reutermeldung aus Kairo spricht eine Pe­tition der Deputierten von einerbrutalen Usurpation" und erklärt, daß das Land keine Bedingungen annehmerr werde, die seine Unabhängigkeit gefährdeten. Die Handlungen beg. neuen ägyptischen' Ministeriums stellten eine iB<»^unä*r Verletzung dar. ' ;