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Hersfelöer Tageblatt

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" I göttlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Der Bezugspreis befragt durch die Post bezogen monatlich 1. Mk., auss±liebl. Belfelfgeld, für Bersfeld L MK. bei freier Zustellung, Abholer .80 MK. * Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei In Bersfeld, (Ditglied des VDZV.

Nr. 172

Donnerstag, Sea 4. Dezember

1924

Das Wichtigste.

Der deutsch-englische Handels vertrag if aumnehr in Londonunterzeichnet worden. Die übriger Hanü e l s ve rtrags verhanblungen sind im voller Dange. Nicht ohne Einfluß auf die Derhandlung» dürfte die Stellungnahme Gilberts zur 26proz Ausfuhrabgabe fein.

England -hat mit der Oeff-nun g f einer Archiv« begonnen.

Der Bolsche rotste »putsch in Estland kann ai» mißlungen betrachtet werden.

Lloyd George ist zum liberalen PaKLev Führer in England ernannt worden.

Der deutsch-englische Handelsvertrag unterzeichnet

Ausfuhrabgabe noch nicht geregelt.

wurde um 3 Uhr

Die Verhandlungen über den Handelsvertrag zwischen Deutschland -und England sind Dienstag nachmittag 3 Uhr in London zu Ende geführt, und der Vertrag ' ' nachmittags im Foreign Office in London durch den deutschen Botschafter in London und Herrn Ministerialdirektor Schubert für Deutschland, sowie den britischen Staatssekretär für aus» vartige Angelegenheiten und Lord D'Abernon für Groß- »ritannien unterzeichnet.

Dies ist der zweite Handelsvertrag, den Deutschland mit einem fremden Staate in letzter Zeit unter» zeichnet hat. Der 10. Januar 1925 ist der Termin, wo das Deutsche Reich von der einseitigen Meistbegünstigungspflicht »er Artikel 264267 des Verfailler Vertrages frei wird, fluch bei diesem Handelsvertrag zwischen Deutschland und England mit Amerika ist 'bereits ebenfalls ein Handels-

töcht der beiden Länder gewahrt. Diese mn der soviel Aufhebens gemacht wird, ist eine tündli-chkeit für beide Staaten, denn Handelsverträge werden

kommen als mit den außenstehenden Nationen. Die gegen- eitige Meistbegünstigung des neuen deutsch-englischen Der- nages bezieht sich u. a. auf Zölle, auf die Aus- und Einfuhr, ruf die Seeschiffahrt und auf die Anerkennung von Handels- zesellschaften als juristische Personen.. Ferner ist neben der Anerkennung der Fischerei- und Binnenschiffahrt die gegen- -eitige Anerkennung der Konsuln gewährleistet. Alle ent- tehenden Schwierigkeiten werden einem Schiedsgericht unterbreitet. Dieser Gedanke ist umso bemerkenswerter, als such das Dawesgutachten bestimmt, daß jede entstehende Streitigkeit durch ein Schiedsgericht geschlichtet werden soll. Üls besonderes Protokoll hängt dem Vertrag noch eine Klausel an, die sich auf die England und Deutschland- noch

msstehenden parlainentarffa-en Verhandlungen über neue Zolltarife bezieht. Es wird hierin ausdrücklich bestimmt, daß Seutschlmrd und England sich nicht durch gegensei- iige Kampfzölle in handelspolitischer Hinsicht schädn

wird von dieser Klausel rch nur verhindert wer­

gen. Die Höhe der

.richt direkt beeinflußt. .

den, daß Deutschland oder England aus irgend einer Schikane Arten besonders wichtigen Importartikel mit einer solchen Steuer belegt, daß dem Gegenkontvahenten das Geschäft un­möglich gemacht wird. Der ganze Vertrag est auf fünf Jahre

Parlamente nicht bis zum 10. Januar 1925

durch die beiden Parlamente nicht bis zum 10. Januar 1925 möglich sein wird. In diesem Falle wird wahrscheinlich ein qi o 'd u s vivendi geschaffen, sodass auf irgendeine Weise der Vertrag doch seine Gültigkeit erhält.

Nicht geklärt ist in -diesem Handelsvertrag die Beseitigung der 26prozentigen Reparationisabgabe. Es muß allerdings vorweg gesagt werden, daß die Tatsache, daß sich England überhaupt zu einer Aenderung resp. Beseitigung dieser Ab­gabe bereit erklärt hat, als ein Erfolg der deutschen Re- gi-evung anzusehen ist. Zwischen den beiden Regierungen ist es zunächst zu einem paktum de contraheudo gekommen. Die weiteren Verhandlungen über eine anderweitige Er- hebungsmechode liegen bei dem Generalagenten und dem Transfer-Komitee. Wenn eme zufrieden­stellende Lösung gefunden- wird, wird die britische Reglermng, geleitet von dem ernsten Wunsch, zu einer gegenseitigen Mr- ständigung zu kommen, eine Aenderung der ledigen Er. Hebungsart herbeiführen,---ohne daß allerdings ine EinnolE.^ der britifdien Regierung vermindert wer-

den. Dieser letzte Passus ist zum mindester unklar. Nach beut Dawesautachten hat England das Recht, aus den An­nuitäten 22 Prozent zu bekommen. Möglicherweise wird die --- - - - "irrn einer Pauschalsumme

Erhebung der neuen l vorgenommen werden,

von den

nicht bereit, in -der Zahlung der Pauschalsumme eine Ur-ier- brechung eintreten zu lassen, so würde dadurch ein Zustand ein-treten, der möglicherweise bedenkliche Folgen haben könnte. Man muß sich unter diesen Verhältnissen fragen, ob man überhaupt von einem deutsch-englischen Handelsverträge sprechen kann, solange die Frage der 26prozeuttgen Abgabe noch nicht geklärt ist. Wir sind der Auffassung, daß dieser Handelsvertrag schwerlich durch die beiden Parlanrente rati­fiziert wird. Die deutsche Regierung muß im Interesse der Deutschen Volkswirtschaft aus eine sofortige Klarstellung in dieser Frage drängen und- nicht einen schwebenden Zustand lassen, der möglicherweise für -die Folge unangenehm werden kann. la­

Sie HandeWeckaWvsrhand!«ngen

Der deutsch-englische Handelsvertrag ist unterzeichnet. (Siehe Leitarttkel.)

Die deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen.

Die Sachverständigen der deutschen und der französischen Großeisenindustrie haben in der Vollsitzung der deutsch-fran­zösischen Wirtschaftskonferenz die allgemeine Grundlage ihrer bisherigen Aussprache erörtert. Die ^Zach-verständigen konnten naturgemäß zu irgendwelchen konkreten Ergebnissen bisher nicht kommen; die Besprechungen haben aber die bestehenden Fragen in beftiedi-gender Weise geklärt, so daß eine Weiter- führung der Verhandlungen sichergestellt ist. Die deutschen Sachverständigen der Schwerindustrie verließen Paris, um mit ihrer Industrie Fühlung zu nehmen.

Der Stand der deutsch-belgischen Handelsvertrags» verhandlungen.

In den gemeinsamen Sitzungen der deutschen und der belgischen Delegationen wurden die beiderseitigen Zollwünsche einer eingehenden Prüfung und Erörterung unterzogen. In einer Anzahl von Punkten konnte -bereits eine wesentliche Annäherung der gegenseitigen Auffassungen herbeigeführt werden. Nachdem nunmehr das gesamte vorliegende Ma­terial besprochen worden ist, treten beide Delegationen eine

schen des anderen Teiles herbeiführen. Zu diesem Zweck hat sich die belgische Delegatton nach Brüssel begehen. Der Wie- derzusammentritt der Delegationen wird Mitte Dezoniber erfolgen.

Die deuisch-rnsstschen Wirtschastsverhandlunge«.

Ganetzki, der Vorsitzende der Sowjetdelegation bei den Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland, erklärte, daß auf der Konferenz von beiden Seiten der gute Wille zutage getreten sei, die Schwierigkeiten zu überwinden, die aus dem Unterschied zweier Systeme des Außerchandels entstehen. Die Sowjetdelegatton habe unter anderem den Vorschlag unter­breitet, im Vertrag die Regeln des Sowjethandels in Deutsch­land, welche das Außenhandelsmonopol sicher- stellen, festzühalten, ferner einen Konventtonszolltarif festzu- stellen, auf Grund dessen die zollfteie Einfuhr des Sowje-t- getteides und anderer Lebensmittel nach Deutschland sich vollziehen könnte. Die Sowjetunion wäre gern bereit, mit Deutschland ein engeres Mrtschaftsabkonmren M schließen, wenn Deutschland der Sowjetindustrie finanzielle Hilfe ge­währen könnte, wofür Deutschland russischerfeits natürlich entsprechende Zugeständnisse erhalten würde. Vor Weih­nachten würden sämtliche Fragen besprochen werden.

Von den deutsch-italienische» Handelsvertragsverhandlungen.

Der Generalsekretär des italienischen Jndustriellenver- bmides, Olivetti, glaubt sich in einem Interview pessimistisch über die Aussichten der ldeutfch-ltalienischen Handelsvertrags- Verhandlungen aussprechen zu müssen. Die deutsche Indu­strie, so behauptet er, werde binnen kurzen: wieder imstande sein, die Weltmärkte zu übevschwemmen. Die italienische In- dustrie sei vielfach noch in der Entwicklung, so daß besondere Vorsicht bei Abschluß eines langjährigen Handelsvertrages notwendig fei. Eine wirkliche Gefahr sei darin zu erblrcken, daß allem Anscheine nach Deutschland versuchen werde, die größten Vorteile mit kleinsten Konzessionen zu erreichen.

Gilbert gegen die 26proz. Ausfuhrabgabe.

Ueber den Standpmckt des Reparationsagertte» Parker Gilbert zu den deutsch-englische« und etwaigen deutsch-fran- zöstsche« Vereinbarungen über die Recovery-Abgabe erfahren

Gilbert steht auf dem Standpunkt, es könne zu Verein- barnnaen welcher Art auch immer kommen man könne sich auf eine Pauschalsumme einigen oder auf eine andere For- 2: Er brauche die Zahlmlgen auf die Reeovery-Abgabe nicht zu ersetzen, und er werde fie nicht ersetzen.

Gilbert betrachtet die Festhattung dieses Standpunktes als den wichtigsten Punkt feines augenblicklichen Programms und betont, so lange er sich weigere, die Summen, die die Entente mit Hilfe der Reeovery- Abgabe selbst gesammelt habe, wieder z« ersetzen, könne nur zweierlei eintreten:

Entweder könne Deutschland keine Waren mehr aus-

England öffnet seine Archive.

Das englische Auswärtige Amt, will eine _ Sammlung oon Dokumenten, welche die europäische Dorkriegslage be­leuchten, hevausgeben. Diese Entscheidung ist in einem Brief des Staatssekretärs des Auswärtigen an Watson enthalten, der die Aufmerksa-nrkeit des Außenministers auf den Schaden gelenkt hatte, der aus der Nichtveröffentlichung der eng­lischen Akten zur Kriegsschuldftage entstünde. In dem an Watson gerichteten Brief teilt Ehamberlain ferner mit, daß später auch die Archive des Auswärttgen Amtes bis zum Jahre 1878 der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Gegenwärtig sind nur ine Dokumente bis 1860 ver­fügbar. Diese Regelung wird in Kraft treten, sobald die Zu- stimmung der Dominions erteilt worden ist

0er mißlungene Bolschewisienputsch in Esthland.

Nach Meldungen aus Helsingfors herrscht jetzt wieder vollständige Ruhe in Reval. Die Arbeiten in den Fabriken sind im Gange, und alle Geschäfte sind geöffnet. Aber die zahlreichen Militärkontrollen durchgehen die Straßen. Irr der Provinz sind, soviel man weiß, keine Unruhen norge» fallen. Im Parlament wurde allgemein Front gegen die Kommunisten gemacht. Auch die Sozialdemokraten erkannte« die Haltung der Regierung an. Die 20 Kommunisten, die zum Tode verurteilt waren, wurden in der Nacht hingerichtet. Der Prozeß gegen die übrigen TeTnehmer an der Revolte wurde festgesetzt. Zum Beweise für den Anteil der Moskauer Regierung an dem Aufruhr führt man den Umstand an, daß bolschewistische Kriegsschiffe während der Kämpfe an der Küste gewach't haben. Ferner ver­weist man darauf, daß Trotzki in einer Rede vor zwei Wochen erklärte, im Laufe kurzer Zeit w'ürden wichtige Ere'-ignifse in eiNLM dtzx baltischen Staaten eintrete«. ^

Herabsetzung der amerikanischen

Schadenersatzansprüche.

Nach einer Drahtmeldung aus Washington ist das ame­rikanische Etaati-oepaWMEoerett, sie atges Donqchtm» erhobenen Schadenersatzansprüche von 4 Milliarden Goldmark auf 1,26 Milliarde» zu ermäßige».

Diese Summe soll aus dem Betrage der deutschen Jahres- leistungen bezahlt werde». Die Besatzungsunkosten der amerikanischen Rheinarmee bleiben uuverMert «t V2 Milliarde Dollar festgesetzt. - ' '

Spannung zwischen Brasilien und Japan.

Nach einer Meldung aus Tokio benachrichtigte der back silianische Konsul die japanische Regierung, er habe Instruk­tionen, die Gewährung von Visa für Auswanderer nach Bv» silien zu suspendieren. Der Chef der EinWanderungsabtei- lung des Außenamtes Akamatsu erklärte, sillls diese Mit­teilung eine Ausschließungspolitik gegen. Japaner arrzerge, nehme die Lage, was Japan betreffe, einen ernstes Cäa- rakter an. ^ '._ <

Die deutsche Sprache im Ersatz

In der französischen Kammer kam es bei Erörterung des Budgets von elsaß-lothringifcher Seite zu einer interessante« Debatte über das Sprache nproblem. Abg. Peyrotes erklärte die meisten Elsässer 'belauschen nicht die französische Sprache und, obwohl die elsäffische Jugend große Fortschritte in der Erlernung des Französischen mache, sei der Gebrauch des Deutschen bei Gerichtsverhandlungen, im Theater, in der Kirche, auf der Kanzel und in der Presse unent­behrlich. Insbesondere müsse die deutsche Sprache vor dem Gericht mit Rücksicht auf die -unbemittelten Klassen zw

Kirche undffieciter-

Vertagung der interaMierten Nnanzkonserenz?

Havas berichtet ausLondon, in offiziellen Kreisen werde bestätigt, daß die Konferenz der interalliierten FinanzmiMster^ die im Dezember stattfinden sollte, in den Januar verlegt worden sei. Alan sei nicht der Meinung, daß der Grund bet Übertragung darin zu suchen sei, daß England sich Wer best Anteil zu unterrichten wünsche, der auf Grund des Sachver- ständigenplanes an die Vereinigten Staaten sowohl hinsicht­lich der Kriegsschäden wie hinsichtlich der Besatz m^skoste» zu zahlen sei. Diese Frage würde wahrscheinlich auf der Konferenz aufgeworfen werden. Die Vertagung sei darauf zurückz-uführen, daß die Sachverständigen ihre Arbeiten noch nicht beendet hätten, und daß der Staatssekretär für aus- wärttge iringelegenheiten, Ehamberlain, zu Beginn der Er- Lffaung des britischen Parlaments in Rom sein werde. Es fei aber ausgeschlossen, daß Ehaniberlain und der Schatz, langer gleichzeitig der Parlamentseröffnung feajblejiea.

,Ausfuhr aMM».