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Hersfelöer Tageblatt

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Anzeigenpreis für die einspaltige Pelifzelle 10 Pfg. : für amtliche' und auswärtige Anzeigen 15 Pfg.,; die Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen Padilak. + Für die Sdiriftleitung verantwortlich; Franz Funk in Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8.

Hersfelöer Kreisblatt'

Mmtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Der Bezugspreis betrögt durch die Post bezogen monatlich L lllk., aussdhlie&I. Bestellgeld, für Bersfeld 1. Mk. bei freier Zustellung, Abholer .80 lllk. * Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei In Bersfeld, (fiitglied des VDZV.

Nr. HO

Dienstag, den 2. Dezember

1924

Oie «Wg« SfWsreüei-t««»-«. *

H Auf Grund des Artikels 48 her Reichsverfassung hat der Reichspräsident in zwei Verordnungen Steuer­erleichterungen herbeigeführt.

Die allgemeine Umsatzsteuer beträgt ab 1. Januar 1925 nur noch 1% Prozent. Es sind keine Uebergangs- bestimmungen diesmal vorgesehen. Die Folge davon ist, daß alle Einnahmen (bet Versteuerung nach Faktu­ren: alle Lieferungen) bis zum 31. Dezember 1924 noch nach dem alten Satz von 2 Proz. zu versteuern sind, alle späteren Einnahmen bezw. Lieferungen unterliegen dem ermäßigten Satz von 1% Prozent.

Die erhöhte Umsatzsteuer (Luxussteuer) wird beim Hersteller und im Kleinhandel ab 1. Januar 1925 von 15 Prozent auf 10 Prozent ermäßigt. Die Vergütung für Erwerb im öffentlichen Interesse, bei Fahrzeugen für das Fuhrhaltergewerbe, bei Klavieren und Flügeln zu "^»zwecken wird von 10 Proz. auf 6 Proz. gesenkt.

Vom 1. Januar 1925 an sind bei Privatverkäufen Gegenstände, die mit Platin, Gold oder Silber plattiert oder dubliert sind, oder die weniger als 500 Silberge­halt aufweifen, Gegenstände aus Bernstein, Elfenbein, Meerschaum und Perlmutter, ferner Schmucksachen aller Art, soweit sie nicht aus Edelmetall bestehen, von der Luxussteuer befreit.

Der Lohnabzug und seine Nachweisung. Bisher hat­ten die Arbeitgeber allgemein die Verpflichtung, die Ueberweisungsblätter, Nachweisungen über den Lohn­abzug und Zusammenstellungen, einzureichen. Diese Verpflichtung, die dem Arbeitgeber bisher viel Mühe machte, ist durch eine Verfügung des Reichsfinanzmi­nisters vom 29. Oktober für das Kalenderjahr 1925 auf­gehoben worden. Hingegen sind auch ferner die Lohn­zettel, die durch die zweite Steuernotverordnung ein­geführt sind, einzureichen. Im Einzelfalle können je- doch die Finanzämter die Nachweisungen über den Lohnabzug usw. besonders anfordern.

Die Höhe der Verzugszinsen. Vom 16. November an werden die Verzugszinsen für jeden angefangenen halben Monat auf 1% Proz. herabgesetzt. Für das Jahr W«^M» -tute

Steuererleichterungen bei der Einkommen- und

Körperschaftssieuer. Die Vorauszahlungen sind auch über den 31. Dezember dieses Jahres hinaus weiter zu leisten, und zwar so lange, bis die Einkommen- und Körperschaftssteuer ihre gesetzliche Neuregelung findet. Die vorliegende Steuerreform sieht lediglich folgende Erleichterungen vor:

L Vorauszahlungen aus landwirtschaftlich. Einkom­men. Die am 15. November 1924 zu leistende Voraus­zahlung wird um ein Zwölftel herabgefetzt. Die im Februar 1925 zu leistende Zahlung ermäßigt sich um ein Viertel. 2. Vorauszahlungen für Einkommen aus Gewerbebetrieb und Bergbau sowie für Einkommen von Körperschaften. Bei vierteljährlicher Vorauszah­lung ermäßigt sich die Zahlung für das erste Quartal 1925, die im Januar 1925 zu entrichten ist, um ein Zwölftel. Bet monatlicher Vorauszahlung tritt der Er­mäßigung erst bei der am 10. Januar fälligen Zahlung für Dezember ein. Sie macht ein Viertel aus. Alle weiter im Jahre 1925 fällig werdenden Zahlungen sind um ein Viertel ermäßigt. 3. Lohnabzug. Für, die im De­zember erfolgten Dienstleistungen (d. h. nicht für die im Dezember ausgezahlten Vergütungen auf Leistun­gen im November) bleibt jetzt beim Lohnabzug ein mo­natlicher Betrag von sechzig anstelle von fünfzig SJtart steuerfrei. Bei Heimarbeitern, die nicht nach der Zeit entlohnt werden, werden für alle Lohnzah­lungen im Dezember 2 Proz. abgezogen. 4. Mindestzah- lungen der Körperschaften. Von der Januarzahlung an ermäßigt sich die Mindestzahlung der Körperschaften von monatlich ein Halb vom Tausend ihres Vermögens um ein Viertel, d. h. auf monatlich drei Achtel vom Tausend. . - . , .

Zwei Sanzlerrede«.

Eingehende Stellungnahme zu den politischen Problemen

(WB.) Reichskanzler Marx sprach in Essen in einer Wählerversammlung der Zentrumspartei. Er sagte u. a.- Ich weiß, daß wir in London wenig erreicht haben im Gegenteil zu dem, was wir erreichen wollten. Ich verlange aber eine gerechte Kritik, und die muß uns zu- aesiehen, daß wir nicht mit leeren Händen aus London zurückgekommen sind. Das Dawesabkommen, darüber müssen wir uns klar sein, ist das Fundament, auf dem es gilt, die deutsche Wirtschaft wieder aufzubauen, um den Verpflichtungen, die wir nach dem verlorenen Krieg nun einmal übernonrmen haben, nach Möglichkeit nach- zukommen und so auch zur großen politischen Freiheit unseres Volkes und Landes zn gelangen. Die Haltung der sog. nationalen Opposition hat unsere Stellung anf der Londoner Konferenz keineswegs erleichtert. Arbeits­fähig nenne ich nur einen Reichstag, dessen große Mehr­heit fest entschlossen ist, den bisher in der Außenpolitik verfolgten Weg weiter M gehen. Eine Abkehr von die­sem Wege mache ich nicht mit. Ich habe die Hoffnung, «idotz das deutsche Volk am 7. Dezember in dem gleichen Sinne entscheiden wird.

Ferner sprach der Reichskanzler in einer Zentrums- versammlung in Düsseldorf. Er wies zunächst darauf Hin, daß er gleich zn Beginn des Wahlkampfes es als eine vaterländische Notwendigkeit bezeichnet habe, den Wahlkampf ruhig und sachlich und ohne unnötige Schär­fen zu führen. Leider müsse er^heute sehen, daß seine

Bitte nicht überall gefruchtet yave. Ler Kanzler legte eingehend die günstigen Auswirkungen des Dawesab- kommens in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht an Rhein und Ruhr dar und fuhr fort: Das alles sind Tat­sachen. die auch die Deutschnationalen nicht leugnen können. Es wäre töricht, das Erreichte etwa nun zu überschätzen und anzunehmen, daß alles in bester Ord­nung sei. Davon sind wir leider weit entfernt. Aber wir stehen doch heute nicht mehr vor einem Chaos und wir haben doch wieder Zukunftshoffnungen. Ueber den Völkerbund sagte der Reichskanzler, wir müssen uns den Schritt des Veitritts sehr wohl überlegen, weil er grotze Verbindlichkeiten mit sich bringen müßte, und wir werden den Schritt erst dann tun, wenn er zum Wohle des deutschen Reiches und des deutschen Volkes geschehen kann. Der Reichskanzler bedauerte den Zwie­spalt über Sie Reichsfarben schwarz-weiß-rot und schwarz-rot-gold und wandte sich dann gegen die Hetze gegen den Reichspräsidenten. Bezüglich der Auf­wertungsfrage erklärte der Reichskanzler, es würde olles geschehen, um den Gläubigern zu ihrem Recht zu verhelfen, aber man dürfe nicht Unbilliges verlangen. Unter allen Umständen müßte an der Stabilisierung der Währung festgehalten werden. Der Reichskanzler be­zeichnete dann die Politik der Mitte als die einzig mög­liche, die allein geeignet sei, den verschiedenen Forde- rungen von rechts und links in gerechtem Ausgleich zu entsprechen.

Die Hanöelsveriragsvschanölungen.

Die Verhandlungen mit der deutschen Delegation über den

deutsch-englischen Handelsvertrag

sind nach einerTimes"-Meldüng erfolgreich zu Ende geführt worden.

Der Wortlaut des Vertrages sei auf einer Grundlage ver­einbart worden, wonach Deutschland nicht nur Meist­begünstigung gewähre, sondern auch gewisse Garantien gegen eine unterschiedliche Behandlung und gegen Einfuhr- beschränkungen gebe. Die britische Regierung übernehme es dagegen, dem Parlament sovato rote möglich erne -t-oo«M-zu unterbreiten, die die Deutschland auferlegten Beschränkungen beseitigt, so daß keinerlei unterschiedliche Behandlung gegen­über Deutschen und anderen Ausländern stattfindet.

»Times" zufolge bleibt die Frage der 26prozentige» Abgabe weiterhin offen.

Eine Formel sei jedoch gefunden und in Berlin vorgelegt worden, die es der deutschen Regierung gestatten werde, den Vertrag zu unterzeichnen und ihn dem Reichs­tag zur Ratifikation zu unterbreiten und die Ab gabe- frage einer späteren Regelung überlasten. Die britische Regierung habe in dieser Hinsicht ihre Bereitwilligkeit geäußert, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Han­delsverkehr zu erleichtern. Sie werde es jedoch ablehnen, einen Vorschlag in Erwägung zu ziehen, der dem Grundsatz der Abgabe selbst oder den Bestimmungen des Dawesberichtes zuwiderlaufe.

Aus den deutsch-französischen Wirtschaftsoerhandlungen.

Ueber die deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen metöet derIntrans igeant": Die schwerindustriellen Sachverständj^en haben miteinander Fühlung genommen und beraten. Wir glauben zu wissen, daß man auf dem Wege zur Bildung eines internationalen Schwerindu- striellen-Kartells ist, das die Schwerindustriellen Frankreichs, Englands, Belgiens, Luxemburgs und Deutsch­lands umfassen wird. Auch die Kohlenindustrie wird diesen, Beispiel folgen.

Nach einer englischen Meldung verlautet, daß General Primo de Rivera ernstlich seinen Rücktritt als Haupt des Direktoriums und die Uebernahme des Postens als Ober­befehlshaber der Truppe« in Marokko erwäge. Allgemeiv werde Admiral de Magaz für seinen Nachfolger schalten.

König Alfons von Spanien sagte in einer Unterredung mit dem Berichterstatter derSunday Times", daß die Lage in Marokko zwar unangenehm, aber nicht ge­fährlich sei. Durch den Rückversicheruirgsvertrag mit Frank­reich sei Spanien in der Lage, im Falle einer Gefahr drei Armeekorps aus den Pyrenäen in die Festungen zu legen.

Amerikanische Abrüstung!!

WieNew York Herald" aus Washington berichtet, hat der Generalstabschef der Armee der Vereinigten Staaten in seinem Jahresbericht dargelegt, daß eine Vermehrung der Landstreitkräfte eine zwingende Not­wendigkeit für die Vereinigten Staaten sei. Nichts­destoweniger weise der Bericht darauf hin, daß die Infan­terie immer noch zu Angriffszwecken das Rückgrat der Armee sei; auch sei der Gedanke, daß die Grundsätze der Kriegfüh­rung sich geändert hätten, in Bettacht zu ziehen. Der Generalstabschef verlangt, daß die Stärke der Armee 13 000 Offiziere und 130 000 Mann betragen soll.

Die Nuchi des chinesischen Exkaisers in die japanische Gesandschaft.

Havgs berichtet aus Peking, .daß den Anlaß zu der

Flucht des jungen Exkaisers in die japanische Gesandtschaft Gerüchte gaben, denen zufolge F e n g j u h - s i a n g beabsichtige, in Peking Unruhen zu erregen. Wenn man diesen Gerüchten Glauben schenken könne, dann sei die Sicherheit von Tschangtsolin und Tuantschijui bedroht, und die Wiederübernahme der Regierungsgewalt in Peking durch Fengjuhstang sei nahezu gewiß. In diesem Falle sei der junge Exkaiser in großer Gefahr.

Es verlautet, daß der ehemalige Kaiser von China so lange in der japanischen Gesandtschaft bleiben wird, bis seine Stellung vollkommen klargestellt ist. Er hofft, Japan, Amerika und auch England besuchen zu können. Vor der japanischen Gesandtschaft halten Polizisten Wache, um den Kaiser zu schützen. Der Ministerpräsident Tuantschijui empfahl dem ehemaligen Kaiser, in das kaiserliche Palais zurückzukehren. Es ist wenig wahrscheinlich, daß der ehe­malige Kaiser diesem Rat folgen wird, zumal der christliche General Fengjuhsiang den Oberbefehl über große Stteitkräfte um Peking behalten wird.

Ein neuer KriegsenischädigungSfluuöal in Frankreich.

Ein neuer' großer Skandal, bei dem der französische Staat wiederum mindestens um eine Million Franken be- trogen worden ist, wurde in Chalons für Marne entdeckt. Auf den Schlachtfeldern gestattete der Staat ein­zelnen Firmen, nach Metallen, wie Kupfer, Eisen, Blei usw., zu suchen, wobei der Staat sich lediglich das Recht vorbehielt, das gefundene Metall mit wenigen Centimes sich bezcchlen zu lassen. Eine Firma in Reims hatte es unternommen, mit Hunderten von Arbeitern die Schlachtfelder der Marne nach Metallen abzusuchen. Das gefundene Kupfer wurde aber nicht an den Staat abgeführt, sondern von dieser Firma direkt verkauft. Bis jetzt hat es sich herausgestellt, daß über 200 Tonnen Kupfer auf diese Weise unterschla­gen wurden bei einem Preis von 5400 Frank die Tonne. Dies ergibt also eine Schädigung von fast einer Million Frank. Etwa 30 Verhaftungen wurden bereits vorgenommen. Die Angelegenheit wird sich zu einem neuen großen Skandal auswirkeu.

Herriots Stern im Verblassen.

Ministerpräsident Herriot ist in Begleitung des Unter- richtsministers in St. Diä in den Vogesen eingieiroffest. Bei seiner Ankunft machten einige Gegner -den Versuch, den M- nisterpräsidenten auszupfeifen, diese Kundgebung ist aber, wie Havas berichtet, durch die Ovationen der Anhänger des Ministerpräsidenten erstickt worden.

In St. Diö besuchte Herriot das Grab von Jules Ferry und sagte bei einem Empfang, der ihm zu Ehren gegeben wurde: Ich empfehle allen Einigkett für den Friede» un>b die Sicherheit. Es ist eine Verleuncdung, zu behaupten, daß wir die Rechte Frankreichs aufgeben, daß wir nicht die gleiche Sorge um die Rechte Frankreichs hätten wie unsere Gegner. Frankreich kann seine Waffen nicht niederleges, bevor ihm nicht die Sicherheit gewährt wird, aus die es An­spruch hat. Diese These habe ich in Genf zum Siege geführt. Schiedsgericht, Entwaffnung und Sicherheit: Auf diese drei Ziele sind meine Augen fortwährend gerichtet. _ Frieden im Innern und Frieden- nach außen, das ist das schönste Pro­gramm für mich, der ich der Ansicht bin, daß die Moral in den öfentlichen ©trugen obsiegen muß.

Von St. Diä reiste Herriot nach Epinal, wo ihm zu Ehren ein Bankett stattfand. Im Gegenfall zu anderen- Mel­dungen- behauptet die Opposittonspresse, baß Herriot auf fei­ner Reise nach den Vogesen schlecht ausgenommen worden sei und daß ihm sowohl in Epinal wie in St. Diö feind­liche Kund gedungen bereitet wurden. So meldet die Siberte", daß Herriot in. St Di6 auf dem Bahnhöfe mit den Rufen empfangen wurde:Es lebe.Frankreich! Nie­der mit den Bolschewisten! Nieder mit den Scheckempfängern! Nieder mit § erriot f" Herriot habe sich in sein Auto zurückgezogen. Das Auto­mobil sei von den Zuruftn der Menge verfolgt worden. Die lokale Polizei habe versucht, die Kundgebungen zu unter­drücken. In E p i n a l hatten sich die feindlichen Kundgebun­gen in verstärktem Maße fortgesetzt. Kaum habe sich Herriot auf den: Bahnhöfe gezeigt, als er von einem wahren Sturm von Zurufen empfangen worden sei. Die Polizei tonte nur die allergrößten Schreier zurückhalten. Herriot habe sich wiederum in sein Auto begeben, das unter dein Tumult der Menge davonraste. Die übrige Presse meEbet ähnliche Vorfälle. i

Nach Meldungen derselben Opposittonsblätter hatten sich auf dem Bahnhof in N a n c y einige tausend Personen, dar­unter Mitglieder der Republikanischen Iugendliga, zusam- mengcrottet, um Herriot bei der Durchfahrt zu belästigen. Die Behörden veranlaßten im letzten Augen- blick eine Aenderung der Fahrtrichtung. Als ein anderer Zug einlief, in dein die Menge Herriot vermutete, kam es zu lär- menben Kundgebungen und zu erregten Zwischenfälleu. V Personen wurden festgenommen-. j

Mussolini willsäubern".

Der römische Berichterstatter desNew York Hevald^ gibt den Inhalt eines Rundschreibens von Mussolini wieder, des auf der Tagung -er Führer der faschistischen Ortsaus­schüsse zur Verlesung gelangte. Mussolini tritt demnach für bis völlige^ Normalisierung eim Er WtprjMt 1. WchMchk