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Der Siedler"

Einwintern des Gemüses.

Drei Verfahren stehen zum Einwintern des Ge- ,müses zur Verfügung: das Einteilern, das Einmieren und Das? Eingraben.

Nicht jeder Keller ist zur Gemüseüberwinte­rung geeignet. In warmen Kellern welkt das Ge­müse zu sehr, in feuchten Kellern fault eS leicht. Daher werden Keller zum Ueberwintern oft nur für Diejenigen Gemüsemengen benutzt, die in Der Zeit des strengsten Winters verbraucht werden sollen, weil i nn Mieten und Gräben nicht geöffnet werden. n. Der Ueberwinterungskeller muß dauernd gut ge­lüftet werden; selbst bei leichtem Frost sann' aS Kellerfenster Tag und Nacht offen bleiben. Es ist ratsam, reinen Sand oder leichte, von Düngerr. n freie Erde in den Keller zu bringen, in den die Wur .1# gemüse gänzlich und Kohlgemüse wie auch Pomee mit den Wurzeln dicht beieinander eingegraben werden. ;

Im Freien werden in Mieten, ähnlich wie Kartoffeln, überwintert: Kohlrüben und Mohrr en, Weißkohl, Rotkohl und Wirsingkohl. Die beiden ge­nannten Rübenarten werden vorher entblättert, on Den Kopfkohlarten werden die Wurzeln abgeschn n. Der geeignetste Platz für die Miete ist gut durchlä er Boden: wo sich Nässe hält, tritt leicht Faulen ein. eft wird geraten, eine 20 Zentimeter tiefe und 1 Meter breite Grube auszuheben: wo aber die Gefahr einer Wasserstauung besteht, ist es besser, die Miete auf ebener Erde zu errichten. Die Kohlköpfe werden mit den Strünken nach oben dicht an- und übereinander gepackt und zu einem spitzen Haufen, etwa 80 Zenti­meter hoch. Darüber kommt Langstroh und daraus eine tüchtige Schicht Erde. Bei langanhaltender, stren­ger Kälte wird zur Sicherung noch eine Lage lang­strohiger Dünger aufgelegt.

Nur die eben genannten Gemüse können einge­mietet werden. Rosenkohl, Kohlrabi, Sellerie und Porree sind luftbedürftig, sie können daher im Fr n nur nach dem dritten Verfahren überwintert werden, nämlich in Gruben oder Gräben. Diese so! en etwa 1,20 Meter breit und V« Meter tief sein; die ausgehobene Erde wird an den Seiten als Wall auf­gehäuft. Im Graben werden die Pflanzen mit ihren Wurzeln eingeschlagen. Ueberflüssige Blätter sind vor­her entfernt worden. Die Grube wird durch Stangen und Bretter geschlossen und zum Frostschutz Kraut, Blätter, Reisig, Laub oder Erde darübergeschicktet. Nur die beiden Enden bleiben offen, damit Luft hin­durchstreichen kann. Erst wenn strengerer Frost ein- tritt, werden auch sie geschlossen.

Winterschutz der Rosen.

Wer sich auf die immer bereiten Wetterpropheten verlassen will, braucht sich mit seinen Rosen für biegen Winter nicht viel Arbeit zu machen, da sie einen mild n Winter voraussagen. Wem seine Rosen aber zu kost­bar und zu lwb sind, als daß er sie^dem Risiko des Erfrierens aussetzen könnte, der wird sie nicht schutz­los überwintern, sondern wenigstens vorbeugende Maß­nahmen treffen, die hernach je nach Bedarf ergänzt werden können. Den genannten Schutzvorkehrungen können wir nicht zurechncn das Einbinden der Kronen in Packpapier. Bei ernstem Frost reicht es keines­wegs aus.

Allgemein muß auch in diesem Fall beachtet wer­den, daß die verschiedenen Rosensorten verschieden frost­empfindlich oder winterhart sind, und daß man in ge­schützten Lagen, im Weinklima, nicht so ängstlich zu sein braucht, wie in rauhen, nördlichen Lagen. n JeDem Falle jedoch sollten die Rosenstöcke Mitte o* bember zur Erde nieder gelegt werden. Fr ;er ist das Holz noch nichtreif", d. h. es ist die Be­wegung der Saftströme noch nicht zum Stillstand ge­kommen. Vor dem Einwintern sollte auch alles Li ub von den Zweigen entfernt werden. Das Niederbiegen der Stöcke geschieht in der Weise, daß erst an der Seite, nach der die Rosenstöcke niedergebogen werden sollen, etwas Erde weggenommen wird. Das Biegen muß vorsichtig geschehen: die niedergebogenen Stöcke werden mit einem Haken an der Erde festgehalten. An dem Platz, wo die Krone liegt, wird der Boden blank gemacht. Bliebe dort Gras, Laub oder Dünger liegen, so wäre die Gefahr des Faulens im Winter­lager groß. Vom Eintritt stärkeren und anhaltenderen Frostes ab muß die Krone besonders geschützt werden. Meistens genügen einige Spaten reiner Erde. In be­sonders gefährdeten Gegenden jedoch wird die Rosen- stockkrone in eine geräumige Grube gebettet, die mit Brettern gedeckt und später nötigenfalls mit langem Dung noch weiter gegen Frost geschützt wird. Wenn diese Art der Einwinterung jedoch zu lange dauert, ersticken die Rosen. Der Stamm der Rosen erfriert im allgemeinen nicht; man könnte ihn jedoch zum Schutz gegen Glatteis mit Stroh umwickeln.

Hyazinthen treiben auf Glas.

Der Blumenfreund kann sich den ganzen Winter hindurch Blumenschmuck verschaffen, wenn er einige Dutzend Hyazinthenzwiebeln am Fenster treibt. Die eigens dafür hergestellten Gläser werden so weit mit; Fluß- oder Regenwasser gefüllt, daß die Wurzelscheibe den Wasserspiegel eben berührt. Die Gläser werden am besten umhüllt und die Zwiebel mit einer Tüte bedeckt, denn Licht ist dem Wachstum, das ja gewöhnlich! in der dunklen Erde vor sich geht, nicht zuträglich.! Die Gläser werden nur mäßig waxm gestellt 5

vts 10 Grad Celsius sind am zuträglichsten und das Wasser wird regelmäßig ergänzt. Wenn der Trieb! etwa 5 Zentimeter lang ist, werden die Gläser wärmen gestellt; Die Tüten bleiben solange darauf, bis Der Schaft sich entwickelt. Zeigen sich an den Zwieb. n Faulstellen, jo kann man sie noch retten, indem Die fauligen Stellen abgewischt und mit Jodoformpulvev bestreut werden. Man muß den Jodoformgeruch Dann aber mit in Kauf nehmen. Aufgeblähte Pflanzen hallen sich länger, wenn man sie kühl stellt. '

Die Sbstaufbewahrung.

Obst über Winter einzulagern, entspringt einem doppelten Bedürfnis: Manche Obstsorten erlangen erst nach längerem Lagern ihre volle Genußreife und außer­dem ist es ein Erfordernis geregelter Hauswirtschaft, daß der reiche Segen des Herbstes zum Verzehr über einen möglichst langen Zeitraum verteilt wird. Es muß daher die Lagerung der Vorräte so geschehen, daß das Nachreifen begünstigt, Einbußen durch Fau en ' oder Minderungen im Aussehen und Geschmack mög­lichst vermieden werden. Das Welken und Einschrumy- fen der Aepsel, dumpfiger Kellergeschmack oder Der widerlich süßliche, faulige Strohgeschmack sind immer Folgen falscher Lagerung. Zur Aufbew > rung als Dauerobst sind nur vollkommen ausgebilv es und fehlerfreie Früchte wert. Schon beim Pflü n sind kleine verkrüppelte und fleckige Früchte zur 10# fertigen Verwendung ausgesondert worden. Bringt man das ausgelesene, einwandfreie Obst jedoch an ungeeignete Lagerplätze, so ist noch viel zu ver­derben. Ganz ungeeignet sind feuchte, dumpfige Keller. Ein guter Obstkeller darf nur für Obst ver­wendet werden; er muß peinlich sauber gehalten und dauernd gelüftet werden. Wer nicht über einen solchen, besonderen Kellerraum verfügt, tut besser daran, eine nach Norden oder Osten gelegene Kammer oder schlimm­stenfalls einen Bodenraum zu benutzen. Der Raum soll eine möglichst gleichmäßige, kühle Temperatur und nicht zu trockene Luft haben. Solange draußen noch nicht anhaltender Frost herrscht, soll das Kammer- vder Kellerfenster geöffnet bleiben. Denn je mehr frische, kühle und etwas feuchte Luft das Obst um» spült, umso besser hält es sich. In trockener, warmer Luft muß das Obst wegen der Wasserverdunstung ein­schrumpfen.

; Am besten wird das Obst in Horden ein- gelagert in mehreren Schichten übereinander. Jede ' Sorte liegt für sich. Es muß regelmäßig nachgesehen werden, damit Fäulnisherde nicht entstehen können. Birnen wollen etwas wärmer gelagert sein als Aepsel. Wenn strenger Frost einsetzt. müssen die Obsthorden

Gartenfreund bereitet die Beobachtung und Versor­gung seiner Obstschätze nicht weniger Genuß, als ihre Pflege und ihr Wachstum im Sommer. Die Früchte sind gewissermaßen kleine Sonnenbälle, die uns etwas von der Sommersonne für die trüben Wintermonate ausspeichern. '

Warnung vorItalienerhühnern."

Wir meinen natürlich nicht die bei uns seit lan­gem eingewöhnten und gezüchteten Jtalienerrassen, zu denen auch die vorzüglichen Leghorns gehören, sond n jene unter dem NamenItalienische Legehühner" in der Nachkriegszeit bei uns aus dem Auslande eingeführten Hühner. Tiere, die unmittelbar, z. B. aus Italien, bei uns eingeführt werden, können natür­lich keine hohen Erträge liefern, weil ihre Lebensbe­dingungen mehr Wärme und eine andere Haltung er­fordern, als bei uns möglich ist. Vor ihrem Ankauf muß aber weniger gewarnt werden, weil er zu einem wirtschaftlichen Mißerfolg führt, als vielmehr deshalb, weil erfahrungsgemäß mit diesen Hühnereinsuhren verheerende Seuchen, wie Geflügelpest und Cho­lera, eingeschleppt und dadurch auch unsere heimischen Bestände gefährdet werden. Aus den verschiedenen Gegenden Deutschlands ist in der letzten Zeit von ein­geschleppten Seuchen berichtet worden. Um größeres Unheil zu verhüten, empfiehlt es sich in jedem Fall, das aus fremder Hand bezogene Geflügel vier Wochen lang von der übrigen Herde getrennt zu halten.

Vom Schaulyp zum Leistungs- typ der Wyandotten.

Die Ueberschrift fenngei^net die Richtung der neueren Zuchtentwicklung. Von der Sportzucht findet man immer mehr die Wege zur Leistungszucht, unter dem Drang der wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden die Zuchtziele nicht mehr von den Forderungen des Auges nach Schönheit Der Formen und Farben, son­dern von Der rechnenden Vernunft im Sinne befriedi­genden wirtschaftlichen Erfolges gestellt. Während man früher das Wyandottenhuhn massig, fleischig und fast

kugelförmig haben wollte, sucht man heute den musku- loien, trockenen Leistungstyp der Eierlegerin. In der englischen Fachpresse konnte man kürzlich sogar eine ^unghenne sehen, die in ihrem Junghennenjahr (vom August 1923 bis 1. August 1924) die Riesensumme von 322 Eiern gelegt hatte. Das ist eine Spitzen- le:stung, von der die Zucht im allgemeinen noch weit entfernt ist. Es ist aber außerordentlich kennzeichnend für den Fortschritt in dieser Richtung, wenn ein so beiannter Parteigänger der Sportzucht wie A. Wulf in derGeflügelbörse" den Satz schreiben konnte:Es Vr mit Freude zu begrüßen, wenn der Begriff der Le stungsform allgemein Anerksnnung findet und die Züchter dahin streben, möglichst ertragreiche Tiere au züchten, die ja auch durchaus schön sein können, so ern man sich einmal an ihren Schnitt gewöhnt hat, d.un der Begriff der Schönheit ist doch im wesentlü n Liv e ache." Die Notlage unseres Volkes verlangt von u- auch aus diesem Gebiet Hinsort aus Luxusnwirn zu verzichten.

Angorakaninchen.

7 Dem Namen nach würden diese Kaninchen eben# in wie die Angoraziegen aus der Gegend von Angara n Kleinasien stammen; man kann auch noch tn ganz reuen Veröffentlichungen zur Kaninchenzucht lesen, daß ie dort verrvildert vorkommen. Davon habe ich bei reinem Besuch im Jahre 1918 nichts feststellen können. Sie wurden früher auch Kaschmirkaninchen genannt, rett ihr Haar Achnlichkeit mit den Haaren Der Kasch- rirzieae hat. Kaschmirziege und Angoraziege sind" 'man Der sehr ähnlich. Vielleicht darf man annehmen,, raß Die Angorakaninchen eine englische Züchtung dar- stellen und ihren Namen wegen der Aehnlichkeit ihrer/ 'angen seidigen Haare mit Den Haaren Der Angora-i vegen erhalten haben. Aus unseren ältesten Cchri n 5ber die Angorakaninchen geht hervor, daß die er,.n Tiere etwa im Jahre 1777 aus England cingefüörv morden sind. Man hat sie auch mit dem sehr guten Namen Seidenkaninch en benannt. Er weist uns oaraus hin, daß in den Haaren die Hauptnutzung zu erblicken ist. , ,

Das Angorakaninchen gehört zu den mittel- schweren Rassen, deren Gewicht nicht über 10 Pfund hinausgeht. Wennschon das Fleisch als schmackhaft gerühmt wird, so kann man in der Fleischleistung doch nur eine Nebennutzung erblicken. Die Ohren stehen straff aufrecht und tragen an der Spitze mit-' unter pinselförmige Haarbüschel, die von Liebhabern besonders gewettet werden. Es gibt rein weiße und schwarze, blaue, graue und braune Schläge. Die weißen Schläge haben rote, die übrigen dunkle Augen.

Die Angorahäsinnen werfen 45 Junge und gelten als gute Mütter. Die Jungen sind gar nicht so -veichlich, wie oft geklagt wird, und wachsen rasch heran. Diese Rasse ist nur gegen Nässe emo-! ' i n d l i ch und verlangt trockene Ställe. Die Tierch :n verlangen nur insofern eine besondere Pflege, als sie wöchentlich einmal gekämmt werden müssen. Al^ hie Tiere zum erstenmal nach Deutschland kamen, mur* den die Haare durch Ausraufen gewonnen. Das war, eine barbarische Tierquälerei. Schon bald wurde das Auskämmen der Haare mit einem gewöhnstro' Frisierkamm empfohlen. Heute ist das Ausbü N mit Stahlbürsten wohl am meisten in Uebung. ^iL oft 20 Zentimeter langen Haare verfilzen leicht. Die verfilzten Knoten sind durch Anfeuchten leicht zu li n. Damit ist nicht natürlich nicht gesagt, daß man eme Wäsche bis an die Haarwurzeln vornehmen darf. Die ausgekämmten Haare werden gesammelt und zu De$ verschiedensten seidenweichen Geweben verwertet.

H. Tillmann.

Das Ueberwintern von Blumen- knolle«.

Die Freilandblumenknollen sind teils winterhart, teils dagegen frostempfindlich. Die erstgenannten blei­ben im Boden, die anderen müssen herausgenom :n und in geeigneten Räumen überwintert werden. Win­terhart sind Krokus, Tulpen, Hyazinthen, Lilien, Kai­serkronen. Auch Tritona und Montbretier.' können bei etwas Fürsorge draußen bleiben. Währ nd die Montbretien, die den Gladiolen ähneln, nur mit etwas Laub, Torfmull, Dünger o. a. bedeckt werden, empfiehlt es sich, über die Tritona erst einen alten Korb zu stülpen, damit sie nicht ersticken, und Dann erst die Schutzschicht darüber zu bringen. ;

Dahlien- und Cannaknollen sowie Gla- diolenzwiebeln dagegen sind frostempfindlich. Sie müssen jetzt, wenn das Kraut abgestorben ist, aus der Erde genommen und an einem luftigen, trockenen und frostsicheren Ort aufbew >rt werden. ^