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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint 'Dienstag. Donnerstag und Sonvabenv. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.- Goldmark / , »ureigenprels für die einspaltige Detitzeile ober deren Raum 10 Mg., fit amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Ms. Retlamereile 50 Mg. / / Druck n. Verlag von Ludwig Funks Dochbruckerei in Hersfeld, ajllißlieh des Vereins Deutscher ZeitungS-Derleger. / / Für die Gchriftleitun« verantwortlich Fran» Funk in tzersfeld. / / Fernsprecher Rr. 8.

Nr. 109 Donnerstag, den 11. September 1924

In Sachen derNatifizierungderKriegslchuld- note scheint die deutsche Regierung unbedingt an der Notifizierung fest halten zu wollen.

Nach Pariser Meldungen will sich Frankreich an der Anleihe für Deutschland mit 10 Millionen Dollar beteiligen.

In Südbaden, besonders in der Gegend von La b r, richtete ein Orkan große Verheerungen an. Mehrere Menschenleben sind zu beklagen.

Die Knegsschul-noie.

Ueber die Kriegsschuldnote wird das Kabinett frü'rsteus in einer Sitzung Anfang nächster Woche beraten. Sk dahin ist wohl bestimmt mit der Rückkunft des Kanzlers n Berlin zu rechnen. In den Berliner politischen Kreise« glaubt man an eine beginnende Klärung. Der Verlauf der Dinge wird wahrscheinlich folgender sein: In dem entschet- denden Kabinettsrat wird daran festgehalten werde«, das die Bindung, welche die Reichsregierung eingegangen ist, nicht abgeleugnet werden kann. Hingegen dürfte die Formulierung dieserNoteunddie Art ihrer Ueher­ne t t l u n g noch Gegenstand eines lebhaften Meruungsaus- taufches sein. Der Reichsaußenminister wird sich bemühen, die weiteren Wirkungen, welche diese Note in Paris und Lon­don haben könnte, durch die begleitenden Umstünde und die Art der Formulierung nach Möglichrett abzumachem Der Außenminister beabsichtigt außerdem bei feiner Schweizer 2^o ur.it frrnzöstsch-tk -Staatsmänner». wöMtz^en^ffe mit , Herriot selbst, in Verbindung zu treten nstd hier Erklä­rungen abzugeben, welche die Absichten der Reichsregierung ^^MSWjWÜ^MM^M^jL^MwkdWert darauf gelegt werden, zu betonen, daß diese Rote keinen Akt dorstellen soll, der irgendwie zu einem Borwand dienen kann, sich der eingegangenen Verpflichtungen zu entbinden oder die Revision des Versailler Vertrages aufs neue zur Erörterung zu stellen. Es wird darauf hingestrebt, daß die Außenpolitik der Reichsregierung in den nächsten Monaten einen Charak­ter tragen soll, der klar erkennen läßt, daß sich die Reichs- regierung nicht von innenpolitischen Rücksichten in der Behand­lung der außenpolitischen Dinge leiten läßt und daß sie nicht den einzelnen Parteiforderungen einseitig nachgibt, sondern eine Außenpolitik vertreten will, die, von Parteirücksichten losgelöst, auf einer rein sachlichen GrunAc^e beruht.

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Herriot empfing nach seiner Rückkehr aus Meaux die Pariser Pressevertreter und erklärte auf die Frage, wie er über die Kriegsschuldsrage denke, folgendes: Soweit er unter­richtet sei, lasse diese Note die Wiederherstellungszahlungen und das Londoner Abkommen völlig unberührt. Nur die mo­ralische Seite komme in Frage. Uebrigeus wisse man noch gar nicht, ob die Rote überhaupt überreicht werde. Sollte dies der Fall sein, dann würde Frankreich mit einer energi- scheu Segennote antworten.

Frankreichs Beteiligung an der deutschen Dawes-Anleihe.

Der PariserMatin" behandelt die in Frankreich viel umstrittene Frage: Soll das Land sich an der ersten Dawes- Anleihe von 800 Millionen Goldmark beteiligen oder nicht? Es wird hierbei an den kürzlichen Besuch Mellons erinnert, der deswegen auch längere Besprechungen mit Herriot, dem Finanzminister Elemente! und dem Gouverneur der Bank von Frankreich, Robineaux, hatte. Es wurde Mellon ange- deutet, daß seit 1871 keine deutsche AnIeiche je­mals an der Pariser Börse notiert wurde. Die französischen Banken werden höchstwahrscheinlich etwa 5 Proz. übernehmen, doch soll diese in Dollar für Frankreich aus» gestellt werden. Es ist noch unentschieden, ob diese 10 MT- lionen Dollar im Tresor der Bank von Frankreich bleiben oder an der Börse in Paris gehandelt werden. Darüber wird die französische Regierung demnächst eine Entscheidung treffen. . .c

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Die französische« Militaristen saboüeren.

Die PariserEre Nouvelle" verzeichnet an hervorragen­der Stelle die Nachricht, daß der Amnestie-Erlaß zugunste« der im besetzten Gebiet verurteilten Deutschen von den fron- zwischen Militärbehörden nicht ausgeführt würde. So find beispielsweise die deutschen Gefangenen in Dortmund «och i.nmer nicht freigegebeu, und die Kriegsgerichte fahren mit den Verurteilungen fort wie zu den schönsten Zeiten des Poisearis- mus. Das Blatt drängt aus eine stritte und sofortige Durch­führung der absoluten Amnestie mit der Begründung, daß eine Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland aus- o^M allen tei. fcüuw ^«dt»^ dchaMt« S%m M

deutsche Untertanen in ftauzöfischen Kerkern schmachten. Das Problem, das zur gegenwärtigen Stunde sämtliche anderen beherrsche, sei das der franko-deutschen Bauchungen, und man könne sich nicht verhehlen, daß es in hohem Maße von den VölkerbundverHandlungen in Gens unabhängig sei.

Die Franzöfierung in Elsaß-Lothringen.

In einer Besprechung der französischen Herbstmanöver in Lothringen schreibtEcho de Paris":

Wir befinden uns hier in einer rein deutschen Gegend. Das ganze Arrondissement weist nicht einen französischen Ortsnamen auf. Nur dem unermüdlichen Eifer unserer Volksschullehrer nach dem Kriege ist es zu verdauten, dah jetzt alle Kinder im Aller von 10 bis 14 Jahren die franzö­sische Sprache erlernt haben. So können diese Kinder jetzt als Dolmetscher zwischen den französischen Truppen und der völlig hilflosen, nur deutsch sprechenden erwachsene» Bevöl­kerung dienen."

Die Deutschenhaß in der Tschechei.

In einer Rede des tschechischen Ministers Dr. Ma» kowitsch wurde erwähnt, daß die Deutschen in der Tschechoslowakei über vier f!) Mittelschulen verfügen. Die Zahl der Deutschen in der Tschechoslowakei beträgt 14 0 0 0 0.

Amerikanische Kredite für Frankreich.

DerNew Park Harald" meldet, daß vier amerikanische Banken den französischen Eisenbahn gesell schaften der Paris- und Orleanslinie eine Anleihe von IVMillionenDol- l u r vorgestreckt haben. Der ZinsftlH beträgt 7 %. Die -An­leihe ist nach 30 Zähren rückzahlbar Die amerikanische Fi- nanzwelt, bemerkt das Blatt, fei überzeugt, daß die Finanzie­rung europäischer Geschäfte gegenwärtig, nach Annahme des Dawesgutachtens, mit keinerlei Risiko verknüpft sei. Frankreich

seines Eisenbahnnetzes rechnen.

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Achtung ausländische Spitzel!

Das Oberpräsidium in M ü n st e r berichtet aus H a n - n o v e r : Wie uns bekannt geworden ist, haben zwei -Ange­hörige der Interalliierten Kontrollkommission versucht, die Heeresübungen einer Division des Reichsheeres zu beobachten. Es erscheint uns nicht ausgeschlossen, daß ein ähnlicher Der- such auch bei den Truppenübungen, die in den nächsten Tagen in der Gegend des Leister stattfinderr, von Angehöri- gen der Milisärkontrollkommission gemacht wird. Abgesehen davon, daß derartige Versuche eine Ver­letzung der mit der Interalliierten Kontrollkommission getroffenen Vereinbarungen darstellt, wird durch diese Maß­nahmen die allgemeine Abneigung gegen die Kontrollkommission in unverantwort­licher Weise weitertgeschürt. .

Die deutschen Manöver im englischen Licht.

Die englische Presse enthält sich bisher jeglichen Kommen­tars über die deutschen Manöver und gibt lediglich kurze Tatsachenberichte. Der Berliner Korrespondent derTimes" beschränkt sich auf die folgenden Anmerkungen: Im Vergleich zu dem großen und üppigen militärischen Schauspiel, das alljährlich in der Kaiserparade im Herzen Berlins bargeboten rouvde, muß das gegenwärtige Manöver, welches die erste Herbstparade seit dem Jahre 1914 ist, für viele Zuschauer fast nüchtern und enttäuschend erschienen sein. Doch war sie eindrucksvoll in Anbetracht derTatfache, daß alle mili- tärischen Verbände in diesen Tagen in anstrengenden Manövern beschäftigt waren und ihre Mar'che in einem Regensturm auszufühsLn hatten. Die Haltung der Truppen war bewundernswert. Eine allgemeine Manöverschlacht zwischen den gegnerischen Armeen gab der ganzen Veranstaltung eine Note von Bewegung und Farbe. i

Amerika und die neue Entwaffnungskonferenz.

DasEcho de Paris" meldet aus Genf, daß die Re­gierung von Washington auf die Einladung zur Teilnahme an einer Entwaffnungskonferenz geantwortet habe, daß sie bereit sei, ein Einladung zu einer solchen Konferenz anzu. nehmen, um eine Formel zu finden, den Handel mit Waffen und Kriegsmunition einzuschränken.

Ein internationaler Kontrollausschuß für Deutschland.

Nach einer Meldung aus Gens hat der Völkerbundrat im Verlaufe einer privaten Sitzung beschlossen, daß der inter- nationale Kontrollausschuß, dessen Bildung die permanente Militarkommission des Völkerbundes bereits in die in.ab genommen hat, nicht nur die Entwaffnung Oesterreichs uni)

Ungarns, sondern auch die Abrüstung Deutschlands nach prüfen soll. Die zweite Kommission prüfte in der Nachmittagssitzung den vom Generallammissar Emith vorgelegten Bericht über den Wiederaufbau Un­garns. Nachdem eine Reihe von Rednern zum Bericht Stellung genommen hatte, sprach die Kommission einstimmig ihre Befriedigung über das Ergebnis aus. Als Bericht- erstatter für die Kommission wurde der Italiener Caraz- z o n i ernannt.

Kaws aus dem Stettiner Gefängnis entwichen.

Aus dem Stettiner Gerichtsgefängnis sind vier Ge­fangene entwichen, darunter der in dem Graff-Prozeß wegen des Mordes an einem Belgier zum Tode ver. urteilte Schupodeamte Kaws. Einer der Entflohenen konnte bereits wieder gefaßt werden. Statue befindet sich noch auf freiem Fuß.

Wieder ein Attentat auf ein rumänisches Munitionslager

Von unbekannten Tätern wurde auf das Munitionslager der Festung Afumatzi in der Nähe von Bukarest ein Attentat verübt. Zehn Waggons mit Raketen und Explosivstoffen sind in die Lust geflogen. Der angerichtete Schaden beträgt über zehn Millionen rumänische Lei. Die Aufregung in Bukarest ist sehr groß.

Belgiens Bedingungen zum Achtstundenabkommen

Der belgische Arbeitsminister gab einem schweizerischen Pressevertreter gegenüber folgende Erkärung ab: Belgien ist bereit, das Washingtoner Abkommen anzuerkennen, aber unter drei Bedingungen: L müssen alle Länder dem Abkommen zustimmen, 2. die gefehlt dje Dorausset- zu ngPrr feine Durchführung jdorren. 3. muß Deutsch­land sie annehmen und Sarf sich nicht auf feinr rrrter« nationalen Verpflichtungen berufen, um eine längere Arbeit?- Staaten einzuführen. England

in den anderen Staaten dem Washingtoner Abkommen zuzu- stimmeu.

Bor der Auslieferung des Erzbergermörder.s

Der Budapester Untersuchungsausschuß hat an den Ge­richtshof in Offenburg das Ansuchen gerichtet, die auf die Ermordung Erzbergers bezüglichen Akten entweder im Ori­ginal oder in beglaubigter Abschrift zur Verfügung zu stellen. Erst nach dem Eintreffen dieser Akten wird die Entscheidung darüber gefällt werden, ob die Auslieferung Schulzes er- folgen wird. Wie verlautet, haben sich auf Anweisung des Gerichts in Offenburg neuerdings zwei deutsche Kriminal« bearnte nach Brrdapest begeben.

Dänemark und Deutschland.

Die Sotomotiofirma Frich in Arhus hat die erste Expreß- lokomotive für die dänische Staatsbahn geliefert und hat gleichzeitig den Auftrag bekommen, zukünftig alle Lokomo­tiven für den Staat zu bauen, so daß Dänemark in Zukunft nicht mehr auf den Import von Lokonio- t i v e n angewiesen ist. Bis jetzt wurden die für die dänische Staatsbahn gelieferten Lokomottven hauptsächlich in Deutschland bezogen.

Sowjetrußland und der Aufruhr in Georg en.

Bolschewistischen Zeitungen zufolge bekämpfen die Sow- fettruppen und die Tscheka' den Aufruhr in Georgien mit großer Grausamkeit. Besonders hat darunter auch die friedliche Bevölkerung, die mit dem Aufstand nichts zu tun l^t, zu leiden. Nach dem Distrikt DusjelskGori wur- den starke Abteilungen des kaukasischen Roten Heeres ent- fanbt In Kutais versuchten die Arbeiter sich in den Besitz der Regierungsgebäude zu setzen, wurden aber vom Militär vertrieben. Line große Anzahl von ihnen wurde getötet. Zwischen Datum und Stiflis wird der Eisen­bahnverkehr nur mit Hilf« von Panzerzügen aufrechterhalten. Unter den Aufrührern sind viele frühere Offiziere. LautDui" herrscht auch in Transkaukasien eine starke Gärung. 24 geor- maische Aufruhrleiter sind bereits standrechtlich er- fd)offen worden. Trotzdem hat der Aufruhr an Starke zu- genommen. -i

Bor einem faschistischen Z^achezug?

Ein römischer Berichterstatter des PariserSoir" macht auf^ehenerregendeMitteilungen über eine be» vor ehende ZusammenziehungfaschistischerAb- teilungen in Rom, die an den Gegnern des Faschis­mus blutige Vergeltung üben werden. Die National- fa'chistische Miliz habe' Befehl erhalten, am 20. und 21. Sep­tember 25 000 Mann in Rom und Umgebung zu konzen- trieren. Diese Konzentrierung soll in der Zeit vom 12. bis 18 September vor sich gehen. Waffen, die aus dem Depot her regulären Armee entnommen wurden, sollen an die Mitglieder der Miliz sofort nach Wiedereintreffen in Rom