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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis HerSfeld

Grfcheittt Dienstag, Donnerstag onO Sonnabend. Der Bezugspreis beträgt mmiatli- 1.- Golbmark- / / Anzeigenpreis für die einspaltige Beiltreile oder deren Raum 10 Big., fit amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Mg., Reklamezeile 50 Mg. / / Druck u. Verlag von Ludwig Funks Auchdruckerei in SerSfeld,

Mitglied des Vereins Deutscher ZeitungS-Derieger. / / Für die Schriftleituag verantwortlich Franz Faak in SerSfeld. / / Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 99 Dienstag, den 19. August 1924

Die Deutsche ® eleeation ist wivder in Berlin «Pt»g»»-troffen und hat sofort eine fieberhafte Tätig­keit zur Klärung der parlamentarischen Lage ent- hrttet.

Die Räumung der badischen Städte Offen- bürg und Appenweier ist im Laufe des Montags bereits v o l! zo H e n morden.

Der Auftoktgnden deutsch-belgischen Wirt- schaftsverhandiungeu ist b«eits geschehen. Die Ver­handlungen sollen in Berlin stattfinden, . _

Tagesfragen des Einzelhandels.

Me Londoner Konferenz mit ihrer ausschlaggebenden Bedeutung für die politische und wirtschaftliche Zukunft un­seres Volkes hat die Aufmerksamkeit von den nicht minder wichtigen Vorgängen und Entwicklungsstadien im Innern zu­nächst völlig abgelenkt. Me weiteren Auswirkungen der Wirtschaftskrise und Kreditnot, unter der Deutschland nun schon seit einem halben Jahre leidet, fanden kaum mehr Pe- achtung und Beurteilung. Um so mehr wird man sich jetzt, nachdem die Londoner Abmachungen die deutsche Wirtschaft aufs schwerste belasten, mit diesen Dingen beschäftigen müssen, weil die Möglichkeit, unseren Verpflichtungen auch nur zum Teil nachzukommen, ausschlaggebend von der Qualität un­serer Arbeit und von der (Steuerfreist der breitesten Bevöl- .kerungAnassen abhängig ist. Damit aber wird die Frage der (Erhaltung und Förderung des selbständigen gewerblichen Mittelstandes, des Kleinhandels und des Handwerks neben einer politischen und kulturellen Aufgabe auch zu einem wesentlichen Problem der Wirtschaftspolitik.

In der vergangenen Woche haben nun mehrere Verbands- tage von Verbänden des Einzelhandels - statt, gefunden, die sich mit den Tagessorgen und Forderungen des von boten, tn welchem Umfange noch dieser wichtige Stand durch veraltete und verfehlte Hemmungen und Beschränkungen aus der Zeit der Zwangswirtschaft, der sozialistischen Experi­mente und der Inflation belastet ist. Alle diese Zeiten wirt- schaftlicher und politischer Gegensätze trafen den Einzelhandel als die letzte Stelle, wo Verbraucher- und Konsumenteninter- effen mit denen der Erzeugung und des Handels kollidieren, am schwersten.

Die Renten mark brächte auch dem Einzelhandel zunächst eine kleine Erholungszeit. Als der Käufer wieder Preise ver- gleichen und werten konnte, wurde langaufgespeicherter Bedarf innerhalb weniger Wochen, gedeckt, und der Umstand, daß zunächst nicht nur alle laufenden Einnahmen unter Ver­zicht auf Kapitalbildung für Einkäufe verwendet wurden, sondern auch in irgend welcher Form als fremde Noten, ge­hamsterte Sachwerte, von Gehaltsempfängern erworbene Ef­fekten oder sonstwie noch vorhandene Notgroschen zu Ein­käufen flüssig gemacht und verwendet wurden, ermöglichte dem Einzelhandel bei großen und schnellen Umsätzen, sich etwas zu erholen und seine geleerten Läger zu ergänzen. Leider ließen sich viele Kaufleute von dem günstigen Verlauf der ersten beiden Monate täuschen und gingen durch grosse Bestellungen langfristige Abnahme- und Zahlungsoerpflich- tungen ein, als wenn eine solche Hochkonjunktur von Dauer sein könnte.

Bald aber wandte sich das Blatts Es zeigte sich auf die Dauer, in welchem Maße durch Aufzehrung des Dolksver- mögens und verringertes Einkommen die Kaufkraft in Deutschland nachgelassen hatte, wie schwer oie Steuerlasten aus den verschiedenen Notverordnungen, der Umsatz-, Ein­kommens-, Gewerbe-, Grund- und Lohr-summen-Steuer sich auswirkten und wie soziale Lasten in früher nicht gekanntem Umfange den Geschäftsbetrieb verteuerten. Ebenso machte sich die Vermehrung des Handels durch die vielen tieugründungen der Inflationszeit jetzt geltend, die den gleichen Umsatz auf eine viel größere Zahl von Geschäften verteute Während matt aber in den Kreisen der Kaufmannschaft sich schnell darüber klar wurde, daß allein der freie Wettbewerb mit seiner preis- drückenden, die Qualität der Leistung hebenden Wirkung ge- fundere Zustände für Lieferant und Verbraucher herbeiführett könne, wenn auch manche Existenz dabei zugrunde gehen müsse, fanden die Belange des Einzelhandels bei den Behörden, den -Verbraucherorqanisatiouen und zum Teil auch den Lieseranteq nur geringes Verständnis. Heute noch befteljen die Preis- prüfungsstellen, heute nöch wird vielfach die Preis schildervev- Ordnung angewandt, und trotz vieler Fehlschläge und Bla- magen, trotz Vereinfachung der Justiz werden auch heute noch immer wieder wegen bureaukrathcher Lappalien angesehene, Kaufleute mit zeitraubenden Prozessen bedacht, die eine Meng« ' Menschen und Sachverständige in Bewegung setzen und nach- großen Kosten ausgehen wie das Horneberger Schießen. Da-s sieben klagt der Einzelhandel weiter über die teils offene,, teil» indirekte Förderung und Bevorzugung der Konsumverein» durch die Behörden, bei der meist nicht m^lschastliche, sondern» Politische Momente den Grund bilden. Zu den Konsunwer-» Linen sind aber in großer Zahl .Kommunalfirmen getreten, bi* dem ansässigen Handel mit den Krediten und sonstigen Mög-^ Aichkeiten der Kommunen Konkurrenz inachen und zum Bestenb. bestimmter Ideen, natürlich auf Kosten der Gesamtheit be»

, Steuerzahler, trotz teurer Arbeitsmethoden und Geschäfts- führung, oft eine gefährliche Konkurrenz darstellen. Auch der sich immer mehr ausdehnende Kantinenbetrieb bei Groß­betrieben und personalstarken Behörden, unb die diesen oft angegliederten Warenbeschaffungsstellen und Verkaufsabtei- lungen machen dem EinzelhandÄ das Leben schwer. Schließ­lich wird gerade jetzt wieder experimentiert, indem man durch Zusammenfassung der Warenerzeugung vom Rohstoff bis zum Fertigfabrikat im Kleinhandel unter Inanspruchnahme öffent­licher Gelder angeblich dem Verbraucher helfen will. Bei allen diesen Dingen bemängelt der Kleinhandel mit Recht, daß die Mittel dazu aus Steuern aufgebracht werden, die ge­rade der Einzelhandel in der Hauptsache zu tragen hat, und warnt immer wieder davor, den selbständigen Kauftnann durch übertriebene Besteuerung und Einschrärckung zu erdrosseln, ohne einen dazu noch unzulänglichen Ersatz anders als mit Geldern des Kleizchandels und der Konsumenten schaffen zu können.

Der Kleinhandel leidet unter der Wirtschaftskrise schon an sich schwer genug. Sie bringt auf der einen Seite den immer wiederholten Versuch, die verhängnisvolle Borgwirt- schaft ftüherer Jahre wieder einzuführen, der bei den heutigen Zinssätzen und Steuern noch gefährlicher ist als damals, auf der anderen Seite einen Kampf gegen die Kartelle der Lie­feranten, die vielfach auf der Abnahme der gewaltigen Früh­jahrsbestellungen zu damaligen Preisen und Bedingungen bestehen, trotzdem sich die Preise und Absatzmöglichkeiten stark gesenkt haben und der Einzelhandel in Zeiten steigender Preise stets nachträgliche Erhöhungen bezcchlen mußte. Da ist es verständlich, wenn der Einzelhandel mit der allergrößten Dringlichkeit jetzt eine Revision der auf ihm ruhenden Reichs-, Landes- unb Kommunalsteuern und Bewegungsfreiheit bei Fortfall aller künstlich mit öffentlichen Mitteln großgezogenen Konkurrenz fordert, um feine Existenz zu behaupten und zu

den Lasten des Volkes beitragen zu können.

M.

nmingsfrist erweckt die allerftärtfben Bedenken, unb es fei nach wie vor keine Ursache vorhanden, die teilweise Erleichterung als eine wirklich tragbare Lösung der militärischen Räumungsfrage anzuseherr- Roch bedenklicher ober sei die Tatsache, daß die deutsche Delegation in London nicht die Möglichkeit wahrgenvuunen hat, in der Frage der Kriegs - f ch. u l d l ü g e eine Erklärung abzugeben. Me deutschnatio­nale Reichstagsfraktion werde bei ihrer ©tellungua^me zu den Ergebnissen der Londoner Konferenz die Frage zu prüfen haben, ob die sieben Punkte, die von deutschnationaler Seite als Vorbedingung zur Annahine des Sachver­ständigengutachtens aufgestellt waren, erfüllt wovderr find oder nicht. Eme Zustimnmng der Deutschimtionalen zu den Aus- führungsgesetzen erscheint nach Lage -der Dinge ganz unwahr- ^cheinlich.

In Regierungskreifen arbeitet man fieberhaft an einer schleunigen Klärung der parlamentarischen Situation, die augenblicklich schwieriger denn je ist. Bei dem Empfang der Parteifiihrer dürfte Reichskanzler Dr. Marx die Ge- kegenheit wahrnehinen, auf die außerordeirtlich große Bedeu­tung der bevorstehenden Enffchetdung hinzuweisen. , Die Reichsregiemmg muß jetzt dafür sorgen, daß deutscherseits so schnell wie möglich die Vorbedingungen für das In­krafttreten des Sachverständigengutachtens beschafft werden, damit die wirtschaftliche Räumung sofort durckzge- S werden kann. Es ist gar nicht daran zu zweifeln, daß

spräsident Ebert die Auflösung des Reichstages voll­ziehen wird, wenn die Ausführungsgesetze nicht die erforder-, liche Mehrheit im Reichstag erhalten.

England ist zuftiedev.

Köms Georg sandte dem Ministerpräsidenten Mac- Donald für die erfolgreiche Beendigung der Londoner Kon­ferenz ein im herzlichen Ton gehaltenes Glückwunsch- 1 telegramm.

Die Londoner Schlußkomödie.

In der Londoner Presse macht eine stark komödiantenhaft' <-führt» SäKukiten^ der Konferenz viel von sich reden.

f Die deutsche Delegation ist Montag vormittag 8^ Ahr mittels Sonderzuges auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin eingetroffen, wo sich zur Begrüßung die übrige:.

des Kabinetts und Staatssekretär Maltzahn eingefunden hat-

lges auf sich zur

Begrüßung

m Mitglieder

ten. Me Ankunft, die ursprünglich 8 Uhr 15 Min. auf dem Berliner Bahnhof Friedrichstratze erfolgen sollte, wurde im letzten Augenblick durch ein Telegramm des Außenmmisters nach dem Lehrter Bahnhof zerlegt, um so etwaigen Kund- gcbungen des Publikums zu entgehen. Die Anordnung hat auch ihren beabsichtigten Zweck "erreicht; denn die auf dem Berliner Bahnhof Friedrichstratze versanrmelten Vertreter der in- und ausländischen Presse sowie die Photographen und zahlreiches Publikum mußten mit langen Gesichtern a^ieheu. - . Der Reichspräsident

empfing bereits am Montag vormittag Reichskanzler Dr. Marx, Reichsaußenminister Dr. Stresemann urch Reichsftnanziuiuister Dr. Luther zur Berichtevstattmrg über die Londoner Konferenz.

Eine Kabinettssitzung

fand bereits am Montag nachmittag statt; daran schloß sich ein Empfang der Parteiführer. Dienstag findet WE Los» ferenz der Ministerpräsidenten der Länder statt-

Berliner politischen Kreisen

zieht man gegenwärtig das Fazit der Londoner Konferenz. Man ist dabei der Ansicht, daß für Beurteilung der Verhand­lungen der Dawesplan unb die Sonderverhand- lungen, die man als dreieckig charakterisiert, aus­einandergehalten werden müssen. Hinstchtüch best

Dawes-Berichts

könne man von einem positive nErfolgeder deutsche» Delegation reden, obwohl auch dieses Gutachten kein Ver­gnügen, sondern ein Uebel sei. Immerhin sei es doch ge­lungen, diesem Uebel wenigstens seine größten Schärfen zu nehmen. Jinmerhin müsse man Erkennen, daß der Haupt- erfolg in der Durchsetzung des Schiedsgerichtsg»- bantens liege und daß jetzt auch Deuffchland in der Lage fei, in jeder einzelnen Phase ein Schiedsgericht anzurufeu. Wenig günstig werden die deuts ch-französisch-bel-- zischen S o n d e r v e r h a n d l u n g e n beurteilt. Die Alliierten, die auf jeden Fall den Dawes-Plan verwirk- lichen wollten, kamen dann zu der Auffassung, Deuffchland Herriots Forderungen schlucken zu lassen, um Herriot zu halten. Man weiß vozi einer Unterrebung MacDonalds mit Herriot, in der dieser erklärt haben soll, daß er binnen vier» undzwanzig Stunden aus her Ruhr herausgehe, wenn die alliierte Schuldeiifragi gelöst werde. Auf die Verneinung ÄMcDonalds fei von Herriot kein weiteres Zugeständnis zu erzielen gewesen als feine Erklärung, das eine Jahr f ei Maximalfrist, und man müsse zu seines Versprechen Vertrauen haben.

In den Kreisen

der beutfdmattoualen Reichstagsftaktion

erklärt man, daß das Ergebnis der Londoner Konferenz nicht besriedigend sei. Die 3uftimmung zu der einjährigen Räu-

Dclegätiönon zum andern ging, jedem die Hand schüttelte und ihn: gratulierte. Als er zu Marx kam, hielt er seine Hand, führte ihn zu Herriot, legte die Hände der. beiden Gegner ineinander und trat lächelnd zurück, um sein Werk zu betrachten, während Marx und Herriot sich nolens volens die Hände schüttelten. Unter dem Eindruck dieses Händeschiittelns steht nun die ganze Presse Londons.

Die M stirns von Offenburg und Appenweier.

Die basischen Städte Offenburg und Appenweier find am 4, Februar 1923 infolge der Aufhebung der internationalen Züge ParisWarschau und Pari» Prag seitens der deutschen Behörden als Sanktion von -e« französischen Truppen besetzt worden. Eine von Havas veröffentlichte französisckze Note besagt: Da der Verkehr dieser Zug- kürzlich wiederhrrgestellt worden ist, haben sich die französische und die belgisclw Regie­rung darüber geeinigt, diese Ortschaften räumen z« lassen. Die französischen Truppen toerden am A8. August aus ihnen nbziehen.

Der neuernannte Kommandant des Brückenköpfe» Kehl, General Boquet, hat bereits dem Oberamtmann, von Offenburg und einem Vertreter des Stadtrates mit­geteilt, daß das neubesetzte Gebiet von OiHenburG Appenweier sosorr geräumt werden wird.

Um oie Räumung,'Ri^irorfe.

Daily Telegraph berichtet über das Scheitern d^«» Verhandlungen über die Räumung Ruhr^ v r t s , daß Herriot zur Räumung durchaus bereit gewesen wäre, nachdem M a c D o n a l d den Widerstand der Arbeiter-, partei wegen Fortsetzung der Ruhrbesetzung zum Ausdruck gekrackt hätte. Erst durch seine Begleiter sei Herriot darauf aufmerkn in genmcht worden, daß Ruhrort, solange das Ruh» gebiet beser . sein würde, durch die Franzosen nicht frei« gegeben werde,, sönne. Daraufhin habe sich Herriot goMigtj gesehen, feine uU Entscheidung wieder umzustotze«.

Haftent affr.th o»,gekiügter Pfalzer.

Bcfa »-ngsb'hörden huben, wt»

_ Die fransn jrf'i.. man uns aus M >. «> ' pclratiktenafsäl-i' in ,<» sonen aus Pirm.ln'Ns > Verfahren ivegen Dioroc ..... o .

Februar d. I. hier im Gefängnis zapen, aus der Saxt eu t laf se n und Las Verfahren eilige st eilt.

.d t, die in der suchungshaft be

Per-

anderen Orten, gegen die ei« eingeleitet war, und die feit

Bmerftas Freude Ü6t, -onös«.

Der LmLüner Berichterstatier desPetit Pari neu" friste eine Unterredung mit einer hohen amerikanischen Persönlich­keit, die u. a. erklärte: Dos S-Hlußprotokoll von London itk ein Schriftstück dem die Unterzeichneten in voller Freiheip beigetreten sind. Alle Delegierten haben ein Recht auf da« höchste Lob, am meisten der sranzösische Ministerpräsideut, der. 'der große Künstler der Einigung war. Sofort als bief Einigung bekannt wurde, hat sich General Dawes beeilt, durch-

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