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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag and Goonabend. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1. Goldmark / / Anzeigenpreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Dfg., für amtliche und auswärtige Anzeigen 1S Mg., Reklamezeile 50 Dfg. / / Druck o. Vertag von Ludwig Funks Bochdruckerei in Hersfeld.

Mitglied des Vereins Deutscher Jettungs Verleger. / / Für die Gchriftleitung verantwortlich Franz Funk in HerSfeld. / / Fernsprecher Rr. 8.

Nr. 89

M

Sonnabend, den 26. Juli

1924

In den Kreisen der deutschen RegierNng »eigt man über die Entwicklung der Singe in Londo« ninw gewissen Optimismus zu, wahrend in fran-ösisches uu 4 englischen Kreisen man immer noch mit einem «Lu zlich resultatlosen Verlauf der Konfer«»^ xrch»«.

In Brasilien planen die R»»»L«tio»Sr« «M« Gegenoffensive.

e- Neue russische Attentatsplä»» in Eerbtr».

tur hinstellt, muß die Zukunft lehren. Einstweilen liegen greifbare Erfolge der Behandlungen nicht vor, es müßte denn sein, daß die Einreisebewilligung für Bolschewisten nach Frankreich ein so schätzbares Entgegenkommen bedeutet. .

WochenrüSbllck

Die letzten acht Tage standen bei uns unter dem Druck der Vorschläge Peretti della Roceas und Snowdens, durch die der Artikel 22 des Versailler Ber« träges eine derartige Ausdehnung erfuhr, daß Deutschland, wenn die Londoner Konferenz dazu Ja und Amen sagen würde, nach wie vor jederzeit territorialen Sanktionen preis- gegeben wäre. Aber die Art von Weltpolttik hatte nicht und so stand

genügend den Puls der Weltfinanz ab^i^, diese Woche derEntscheidungen^ plötzlich v der City und Wallstreets. Die Filigranarbeit der Diplo» waten mit ihren Klauseln, Kompromissen und Konzessionen wurde von der rauhen Hand der englischen und amerika­nischen Geldmagnaten zu einem unförmlichen Klumpen zu- sammengeballt, und damit hätte die Konferenz auseinander- Khen können mit dem Motto: Die schönen Tage von

vor dem Veto

Ehequers sind nun zu Ende wir sind vergebens hier ge­wesen. Aber die Blamage für MaÄonald wäre zu groß gewesen, und so tauchte der Plan auf, mit Hilfe eines an­deren Bankierkonzerns die auf den Sand gefetzte Anleihe eines Erfolges, was Ölungen in der Kom- t käme um seine Darwinismus

Optimismus in deutschen Regierungskreisen.

Die offizielle Erklärung des englischen Foreign-Offiee, aus der hervorgeht, daß der' deutschen Delegatton in London unter keinen Umständen ein Diktat vorgelegt werde« soll, hat in Berliner Regiernngskreisen große Befriedigung hervor­gerufen. Reichskanzler Dr. Marx, der die Führung der deut­schen Delegation in London übernehmen soll, wenn nicht un- vorherzusehende innenpolitische Schwierigkette« seine Au- wesenhett in Berlin erfordern, ist der Auffassung, daß es dringend notwendig ist, in London eine Verständi­gung über die Konferenz des Gutachtens zu erzielen, damit endgültig der Zustand dauernder Spannnnge« und Konflikte beendet werden kann. Ein Schettern der Kon­ferenz wäre nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa ein Unglück. Die deutsche Delegation werde nach Kräften bemüht sein, zu dem Zustandekommen einer Einignng beizutrage«. Man könne schon jetzt voransschen, daß es außerordentliche Schwierigkeiten zu überwinden gibt, ehe die Konferenz zu einem Ergebnis gelangen kann.

Einladung Deutschlands durch MaeDonald?

Der Petit Parisien meldet aus London, Ministerpräsident MaeDonald habe im Einverständnis mit den beiden juristischen Sachverständigen soeben die deutsche Reichs- regierun g ausgefordert, sich b ereit zu halten, ihre Ber-

Keine Reichsiagsiagung während der Londoner Entscheidung.

Die Regierungsparteien beabsichtigen, bald eine Vertagung des Reichstages herbeizuführen, da man annimmt, daß die fichrenden Mitglieder der Reichsregierung Anfang nächster Woche in London sein werden. Eine Tagung des Parlaments während der entscheidenden Verhandlungen ut London sei nach ihrer Ansicht ein Ding der Unmöglichkeit. Man würde damit der Regierung in den Rücken fallen, me in London volle Handlungsfreik^it braucht. Indessen hat die deutschnationale Reichstagsfraktion die Absicht, gelegent- Ach der Beratung des Notetats im Reichstag eine außen­politische Debatte aufzurollen, die es erforderlich machen würde, daß der Reichstag bis Mitte nächster Woche imne Tagung fortsetzen müßte. Die Deutschnationalen halten es im Hinblick auf London demgegenüber für wichtig,, daß der Regierung Direktiven zu den sich vielleicht, entspinnenden Verhandlungen gegeben werden. Die Regierungsparteien sind bemüht, dies zu verhindern.

treter nach London zu entsenden. Man rechne auch mit einer an die ReparationsÄmmission, sich nach Lon-

v*w'ya**»*JWU VW ^- V»V^|Z | V WWV MfHI VU VllU/t^ unter dem Leibe weggezogen; bleibt er in der Konferenz Sieger, so hinterläßt er ein wirtschaftliches Trümmerfeld und muß erwarten, daß die um das An- leihegeschäft gebrachte Großfinanz ihren Aerger an dem

Aufforderung ai don zu begeben.

Tinies dürfte

Nie interalliierte Militärkontiolle.

Die Verhandlungen der Reichsregierung mit der i n = ier alliierten Militärkontrolle habm einen ver­hältnismäßig günstigen Verlauf genommen und werden m den nächsten Tagen abgeschlossen werden. Es handelt sich dabei vor allem darum, daß die Kontrollkomnnnwn ihre ^n- spektionen in Zivilkleidung'vornimmt und,alles ver- meidet, was einen auffälligen und aufreizenden Charakter tragen könnte. Nach den Inspektionen des franzö­sischen Kriegsministers General Rollet haben die fran^o- k E Offiziere sich den Wünschen der Reichsregierung gegen- über entgegenkommend gezeigt. Allerdings hat m d« ^rage der Beend iauna der Kontrolle eine bestimmte Zusage bisher nicht erzielt werden können. Die Kontrolle wrrd m ersten Hälfte des August beginnen, und die Rmchs- ' ' '' - i e n vor, dre den detreffensen

leihegeschäst gebrachte Grast Frank ausläßt. Ein E t u das einzige zu sein, "was weitere Volks» kreise in Frankreich zur Besinnung zurück» rufen könnte.

eint

Das Revolutionsfieber ist in Brasilien ausgebrochen, doch hält es schwer, ein wahres Bild der Lage zu gewinnen. Von Sao Paulo, dem Ursprungsherd des Auf- starides, aus hat sich die Bewegung nach der Provinz Santos fortentwickelt, und sie ist Schauplatz blutiger Kämpfe ge­worden. Brasilien verdankt diese Wirrnisse nicht in letzter Linie einem Vertrage mit Frankreich, wonach französische Offiziere die Ausbildung der brasilianischen Armee über­nommen haben. Das war ein Mißgriff der Regierung in Rio de Saneiro, denn die Sympathien der Brasilianer stehen und standen selbst rm Kriege, wo sie gezwungen wurden, sich auf die Ententeseite zu schlagen, zu Deutschland. Fran­zösischer Hochmut. Provokationen der Offiziere, von denen einer von Brasilianern niedergehauen wurde, taten ein übriges, um den Widerstand bis zum äußersten zu entfachen: Man verhaftete die Instrukteure und sperrte sie ein. So endete vorläufig diese Militärreform. Es ist noch nicht ~ zusehen, ob nicht andere Provinzen, wie Minas Geraes

und

Espiritu Santo, dem Beispiele von Sao PaMr folgen wer­den, mit der Tendenz, ihren Föderalismus zu «weiter» und sich von dem Uebergewicht der Zentralregierung zu befreie«.

einer Abstimmung in der Kammer nur 131 von 309 Stim­men. In den Reihen der Opposition stecken offenbar vier monarchistische Elemente, die sich nicht herauswagen. Velbsi der fern vom Schuß weilende Venizelos ist in den B«> dacht geraten, gegen die Republik zu wühlen, aber seine An>» Hänger nehmen ihn gegen diese Unterstellung in Schutz. Gestürzt wurde die Regierung durch das Versagen der Libe­ralen, die ihre Neutralität aufgaben; jetzt wird versucht ein ' Koalitionskabinett auf die Beine zu stellen. In Verbindung mit den stürmischen Kammerverhandlungen steht ein Zn» sammenstoß eines Ministers mit einem Abgeordneten, bet zu einer Dnellforderung führte. Das ist ein an sich beian^ loser Zwischenfall, aber deshalb bemerkenswert, weif er an die merkwürdige Bestimmung erinnert, wonach zur Au» fechtung von Duellen dieser Art die Genehmigung des Par­laments eingeholt werden muß. Die republikanischen Sitten sind, wie wir sehen, in den verschiedenen Ländern r*At schieden.

Während der deutsch-russische Ä»wfW< wegen der Handelsvertretung Rußlands in Berlin M sumpfen scheint, befreundet sich die Eowjetz» Legierung m i t Frankreich. Herriot hat in lichen Worten die Wiederaufnahme normaler B^i zur Kenntnis Tschitscherins gebracht, und dieser hat fehlt, den französischen Bürgern dieselben gungen in Aussicht zu stellen. Ob die Freundschaft totsäcf)li& so dick geworden ist, wie es die Russische Telegraphs«.^^,

das wahrscheinliche Ergebnis der Ber

des neuen juristischen Ausschusses darin bestehen, daß einige der Dawesvorschlage für in den Rahmen des Friedensver­trages paffend angesehen würden. Andere befänden sich allerdings außerhalb des Friedensvertrages. Für die Mittei­lung der ersteren an Deutschland würde die Reparatiorcs- kommission die gegebene und ausreichende Mittlerin sein, für die letzteren müßten deutsche Delegierte berufen werden, um durch ihre Unterschrist den neuen Bedingungen volle Zu­stimmung zu erteilen. Es bestehe Grund zu der Annahme, vaß die britische Regierung in Uebereinstimmung mit ihren Alliierten Deutschland mitgeiellt habe, sich berettzuhalte«, Delegierte nach London zu entsend«!.

Rene Bedingungen der amerikanische« Finanz.

Finanzteile Kreise und auch ein großer Teil der politi­schen Presse äußern sich ziemlich ungehalten über die Stellungnahme Serriots in London und greifen die Haltung Frankreichs in der Frage der Ruhrbesetzung scharf a«, Herriot wird, falls es in London schief geht, für alles weitere verantwortlich, gemacht. Die Skepsis der Finanzkreise wächst, und es werden unabänderliche, auf Frankreich gemünzte Voraussetzungen für die Anleihe aufgestellt:

1. Frankreich gibt Sicherheit, daß es Invasion«! t» Deutschland unterläßt, da dieses sonst nicht kreditfähig ist

2, Der Dawesplan stellt in seiner augenblicklichen For» das äußerste Zugeständnis an Frankreich dar.

' 3. Sicherheiten gegen einen neuen Krieg.

4. Die Reparattonsfrage muß augenblicklich des PolM« kern entwunden und einem internationalen Komitee unter­breitet werben.

5. Der Zweck der Anleihe muß genauesten» umfsieben werden.

6. Hypothekarische Sicherungen im Falle einer deutsch« Versäumnis.

Die Plenarsitzung der interalliierten Konferenz wird nichtoorMontag wieder fortgesetzt werben. In­zwischen bleiben die Bankiers in den Garantiefragen für die dentsche Anleihe fest, die das Rückgrat des laues bildet Der Streit dreht sich vornehmlich um das Frankreichs auf eine unabhängige Aktion über die en, die im Falle von Verfehlungen seitens Deutschlands verhängt werden sollen.

Der Korrespondent der Chicago Tribune in LoudW

Stellen--r und Der Sry uZ porrze. ^w

Haltung gegenüber * der Kontrollkommission vorschre-ben Men. In den Richtlinien wird besonders hervorgehoben, daß dafür Sorge zu tragen sei, die Inspektion möglichst un­auffällig zu erledigen und jeden Störungsversuchen mit den größten Vorsichtsmaßregeln zu begegnen.

Russische Attentatspläne in Serbien.

Eine in Belgrad lebende russische Prinzessin hat der dor­tigen Polizei eine Anzahl Anzeigen über ein rveitver- zweigtes Komplott erstattet, an dessen Spitze ein hoher russischer Beamter im Ministerium des Aeußereu T a - rasevia steht. Haussuchungen sollen Beweise dafür er­geben haben, daß der Genannte Attentate auf den ser­bischen König und Pasitsch vorbereitet habe und für die Ermordung des ehemaligen Mruisters des Innern verantworlich sei. Tarasevie soll auch iu Beziehungen zu bolschewistischen Kreisen gestände« haben. Mehrere Funktionäre des Ministers des Aeutzere« wurden bestraft, weil sie die Sektion nicht genügend bewacht hätten. Eine Bestätigung dieser Meldung bleibt noch abW° warten.

meldet, daß

Morgan

ver-

dem Gouverneur der Bank von England vorgeschlagen habe, den Vermittlungsvorschlag Theunis' in der Sanktionsftage anAunchmcn, dagegen seien die amerikanischen Bankiers nach wie vor entschlossen, den Borschlag abzulehnen. Sie wolle« nichts von einer Anleihe wissen, solange die Reparations» Kommission das Recht habe. Wer die Verfehlungen zu ent- scheiden und Sanktionen zu beschließen. Derselbe Korrespon« deut will wissen, daß Herriot jemanden nach Paris gesandt häbe, um Paine a r 6 zu ersuchen, bei der Wiedereröffnung des Senats sich aller Angriffe gegen die Konferenz zu ent- Ijaiten, denn er sei überzeugt, daß Frankreich auf der Konfe­renz Erfolg haben werde. ;

Der Militarismus in Sowjetrußland.

Rußland wächst sich immer mehr zur stärksten Mi­litärmacht der Welt aus. Die Einführung eines Milizsystems wurde verworfen und die allgemeine Wehrpflicht wieder eingefiihkt. Die allgemeine Dienstzeit beträgt zwei Jahre, drei Jahre bei de« Fliegern und vier Jahre bei -der Marine. . Sowjetrußland wird in absehbarer Zeit sechs Millionen aus« gebildeter Soldaten stellen können. Es wird starkes Gewicht auf die militärische Ausbildung der Jugend gelegt. Die-'e Ausbildung beginnt bereits mit Berit f e ch zehnten Jahre, so daß die Jugend bereits in den letzten Jahren vor der eigentlichen Dienstzeit kaserniert wird. Der eigentliche Rekrut mit zwanzig Jahre« ist daher bei nahe schon so gut wie ausgebildet. Die künftigen Kommandanten werden schon zur Zeit der Iugendausbildung sorgfältig unter den jungen Leuten aus« gesucht. Die Ausbildung der Offiziere ist daher methodisch«! und sorgfältiger als je in einem anderen Militärstaat.

Während also der internationale Sozialksmus gegen MS Rüstungen bemonftrieert, rüstet der Staat, in dem der marxistische Traum zur Wirklichkeit gebracht werden soll, eine Armee aus, wie sie größer und furchtbarer nie bestände« hat.

Lm Sie Anerkennung SowjetrußlandS.

Tokioter Meldungen zufolge wird nach einem wich­tigen Kabinettsrat Japan gegenüber Rußland eine neue Politik einschlagen. Man nimmt allgemein an, daß die japanische Regierung nunmehr bereit ißh die Sowjetregierung offiziell anzuerkennen.

Was die "kennung Sowjetrußlands durch Franko reich anbet^fft, so muß man unterscheiden zwischen der ^^