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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Mitglied des Vereins Deutscher ZeltuagS-Derleger. 7 / Für die Gchrlftlettuug verantwortlich Franz Funk in HerSfeld. / / Fernsprecher Rr. 8.

Nr. 56 Sonnabend, den 10. Mai 1924

blach einem sozialdemokratischen Vorschlaq letzte Entscheidung über das Sachverständigen^ Gutachten durch Volksentscheid herbeigeführt werden.

~ Durch den Kohl zahlreiche Werke worden.

enmangel im Ruhrgebiet find zur Stillegung gezwungen

^^^drr von Brandenstein hat sein Amt als Ministerpräsident wiederübernommen.

Wochenrückblick.

, Die Wahlen beanspruchen noch immer dar meiste In- , f daß sogar Angelegenheiten in den Hintergrund treten müssen, die der Beachtung würdig sind und berech­tigten Anlaß zur Verallgemeinerung geben. Das gilt für . Haltung, die vom Rechtsradikalismus eingenommen wird, einer noch sehr jungen, zurzeit erfolgberauschten Partei. Ihre Bedeutung soll nicht verkannt werden, nur ist die Art, wie sie diese Bedeutung zum Ausdruck bringt, bedauerlich. In Thüringen hat sie schon einmal die Rechtsregierung wanken gemacht, in Bayern ist man daran, herauszurechnen, daß sie ledcrzeit, wenn sie sich auf die Oppositionsseite wirft, die Regierungskoalition lahmlegen kann; in Mecklenburg waren die Deutschvölkischen die Urheber desRücktritts des Kabinetts Branden st ein, eines zwar schnell überwundenen Intermezzos, das indessen angesichts der sich darin ausdrückenden Sinnesart leicht wiederholen und säch­sische Zustände herbeiführen könnte. Das ist Bruderkrieg und von übler Vorbedeutung für eine Regierung, die im Reich den Zug nach rechts zur Konsolidierung der deutschen ^«rn venugenrwiL ^e unl-eo,«me» Vorspiele inbenl oandern haben leider rn weiten Kreisen die Vorstellung er­weckt, als wenn infolge der einer festen Mehrheitsbildung rbgünstigen Parteikonstellationen bereits wieder Neuwahlen oor der Tür ständen. Man sollte sich einem derartigen Fata­lismus nicht hingeben und lieber auf Verbesserung der Lage durch Abschleifung der Gegensätze innerhalb des Bürgertums bedacht sein. Die Wahlmüdigkeit, die bei der voraussichtlich sich einstellenden Abnutzung der Wahlmaschi- nerie zu erwarten ist, dürfte manchen Stürmern und Drän- gern einen Strich durch die Rechnung machen und die Par- teienzersplitterung, die schon jetzt einen ungeheuerlichen, Kraftvergeudung bedeutenden Umfang gewonnen hat, noch vergrößern. Die Niederlage im Weltkrieg hat die Deutschen nicht geeint, sondern auseinandergesprengtsund Fortinbras rückt klirrend ein, das Reich zu erben". Diese Aussicht sollte schrecken, aber Leuten, die sich sogar mit Kommunisten gegen, eine Rechtsregierung verbünden, predigt man vergeblich Ver-^ nunft.

Einen weiteren Beitrag zum deutschen Erbübel der Un­einigkeit liefert die W e l f e n p a r t e i in Hannover. Am 18. Mai wird in den fünf hannoverschen Regierungsbezirken darüber abgestimmt werden, ob diese ein selbständiges Land bilden sollen. Die Weimarer Verfassung hat in ihrer Ueber- klugheit, ungeachtet ihrer unitarischen Tendenz, diese Abstim­mung vorgesehen, und wenn die deutsch hannoverische Partei davon Gebrauch macht, verfährt sie nach dem uralten Grund­satz: Qui jure suo utitur, neminem laedit sWer sein Recht benutzt, schädigt keinen). Unerhört ist die partikularistische Regung also nicht, und man sollte richtiger die Urheber der Verfassungsbestimmung beim Kragen nehmen, die gerade jetzt, wo Deutschland in außenpolitische Schwierigkeiten' schlimmster Arten verwickelt ist, hervorgeholt wird. Die An-, tragsteller haben beweglich Klage geführt bei der Reichsregie- rung über Vergewaltigungen ihrer verfassungsmässtgen Agi­tationen, die Farben möglichst dük aufgetragen und sogar bie. sofortige Berufung eines unparteiischen Reichskommissars zurj Kontrolle der Abstimmung gefordert. Die preußische Staats-; regierung sowie der Reichskanzler haben dies abgelehnt undj vor dem Versuche, das Reich zu zertrümmern, gewarnt. Wenn' die von vaterländischem Geiste erfüllten Darlegungen auch) bei den in der Wolle gefärbten Partikularisten kein Gehör

finden, werden sie doch die übrigen Parteien zu einmütigem Widerstände zusammenschließen. Das Ergebnis der Abstim-^ munq mag sein, wie es wolle, ausschlaggebend bleibt Ar-t tikel 18 der Verfassung, wonach, auch wenn sich eine Mehrheit; für die beantragte Neubildung ansspricht. die Reichsregierung s dem Reichstag ein entsprechendes Gesetz zur Beschlußfassung' vorzulegen hat. Die gentrumsfrakticm wird dann zu er­wägen haben, ob sie ihre drei deutsch-hannoverschen Hospi­tanten beibehalten will. "

In dem deutsch-rusinchen Exterritorial-

Jonflit haben die Sowjetvertreter mit zu scharfen Mit-- teln geputzt und ihre eigene Ee 'chrläufe beschädigt. Das wird sich i" s er Handelsbeziehungen!

Herausstellen. Zunächst wollen wir uns vergegenwärtigen was es mit der Immunität der Berliner Handelsvertretungs stelle auf sich hat, nachdem die Untersuchung ergeben hat, das in 500 Zimmern des Mietshauses ein ganzes Angestellten Heer untergebracht ist oder war. Unter diesen mehr als 100C Personen befanden sich auch deutsche Staatsangehörige, und ein Raum war mit kommunistischer, von der Berliner Polizei beschlagnahmter Agitationsliteratur vollgestopft, also ein Hehlernest. Wo in aller Welt ist ein solches vor polizeilichen Zugriffen geschützt, und welche völkerrechtliche Bestimmung sieht den Schutz von Deutschen vor, wenn sie sich in einem privaten, von Russen gemieteten Geschäftslokal befinden?! Das käme einem Aufgeben der deutschen Staatshoheit gleich und wäre ein Freibrief für Verbrecher! So weit sind wir noch nicht.nd.

Volksentscheid über das Sachverständigengutachten.

Ein sozialdemokratischer Borschlag.

Wie der sozialdemokratische Parlamentsdienst er­fährt, hat der Vorstand der Sozialdemokraten in seiner letzten Sitzung einstimmig den Beschluss gefasst, in der Frage der Annahme oder Ablehnung der SachverstLn- digenvorschläge den Volksentscheid herbeiz«- führen. Da der Kampf zwischen 23 Parteien die er­forderliche Klarheit nicht gebracht habe, solle d a s V o l k selbst durch ja oder nein entscheide«.

Neuer Jraukensiurz.

Wanken geraten. An der Londoner Börse hatte der Frankkurs bis zum Schluß der Nachbörse heftig geschwankt und fiel bis zu 74 Frank für das Pfund. Dieser plötzliche Franksturz wird im Leitartikel der Times darauf zurück-- geführt, daß in den letzten Tagen die nachdrücklichste Interventionstätigkeit zugunsten des Frank aufgehört habe und daß Besorgnisse ent­standen seien bezüglich der prominenten Durchführung der Finanzreform in Frankreich, die ausdrücklich als Vorbedin- gung für die Frankstützung durch ausländische Geldmittel zugesagt worden sei.

Doch noch Zusammenkunft MacDonaSdpomcare.

Der Mal in glaubt, mitteilen zu können, MaeDo - » a l d habe den Wunsch geäußert, mit PoincarS bald per- sönlich zu verhandeln. Die Zusammenkunft werde wahr- scheinlich im Laufe des Mai stattfinden. Am 16. Mai empfange Paris Ras Dafri, den Regenten von Abesst- nien, und am 25. Mai den König von Jugoslawien. Zwischen diesen beiden Besuchen werde wahr­scheinlich die Zusammenkunft stattfinden.

Wie aus London gerne! bet wird, enthielt die Mitteilung, die Ramsey MacDonald durch den britischen Botschafter in Paris an Poincare übersandte, die Ankündigung einer noch eingehenderen Schilderung der Chequers-Konserenz von bel­gischer Seite. Dementsprechend verlautet, daß der f r a n z ö - fische Bots chafter in Brüssel einen ausführ­lichen Bericht über die Besprechungen nach Paris gesandt habe. 'Dieser Bericht soll nach der Pa­riser Presse in den amtlichen Kreisen Frankreichs einen

außerordentlich guten Eindruck

gemacht haben. Wie bereits betont wurde, wurden in den Besprechtingen in Ehequers keine Beschlüsse irgendwelcher Art gefaßt. Der Wert der Zusammenkunft lag in dem freien und formlosen Meinungsaustausch und in der freien und freundlichen Besprechung der einzelnen Punkte. Verschiedene Zeitungen berichten bereits, daß e i n weiterer Vrief - Wechsel zwischen den Ministerpräsidenten oder eine bal­dige Konferenz der Alliieren '' ) wäre.

Um ^en Wett-Ger chisbof.

Im Senat R agte Lodge, Präsident Coolidge solle; ermächtigt werden, me Einberufung eines v o m T ö ! t e r»r bünd unabhängigen o ch i edsg e r i ch t e s anzu»; regen. Eine vorbereitende Konferenz der Signatar-: m ächte im Haag solle über die Mitglieder dieses Schieds­gerichtes entscheiden. Der Gerichtshof soll nach dem Antrag, aus 16 Richtern bestehen, wovon je ein Richter einen der 16 größten Staaten vertreten solle. Das Gericht hätte jährlich mindestens einmal Sitzungen abzuhalten und konnte zu außer­ordentlichen Sitzlmaen von einem Präsidenten zusammen- berufen weichen. Die Beschlüsse des Gerichts waren als ob­

ligatorisch anzusehen. Man weiß nicht, ob diese Ent­schließung von der amerikanischen Regierung unterstützt werden wird, neigt aber in Washington zu dieser Ansicht, da Senator Lodge Präsident der Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Senats und auch einer der markantesten Führer der republikanischen Partei ist.

Das Erliegen der Mrindustrie.

Die Lage im Ruhrgebiet ist zurzeit dadurch charakterisiert, dass in Auswirkung des mit unvermin­derter Stärke fortdauernden Streiks zahlreiche Be­triebe zum Erliegen gebracht worden find. Auf den Kruppwerken in Essen wird durch Anschlag der Di­rektion bekann«gegeben, dass voraussichtlich vom 11. d. M. ab infolge Kohlenmangels Kurz- und Feier» schichten m i t Verdienstausfall eingelegt wer­den müssen. Durch die Stillegung der Kokereien auf den Ruhrzechen ist die Ferngasversorgung für Benrath mit seinen ausgedehnten Industrieanlagen unterbrochen. Die Gutehoffnungshütte in Oberhausen gibt bekannt, dass in­folge Gas- und Strommangels die Werke bereits im Laufe des Donnerstags zum grössten Teil zum Erliegen kamen und nur noch für einen geringen Teil der Beleg­schaft Arbeitsgelegenheit vorhanden sein wird. Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter legt Wert aus die Feststellung, dass die Arbeiter aus der die Städte Mün­ster und Hamm mit Gas versorgende« Zeche Radbod nicht streiken, sondern ausgesperrt worden sind. Der Betriebsausschuss habe fich erboten, den Kokerei- betrieb aufrechtzuerhalten, dies sei ihm jedoch der» weigert worden.

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Ärsfe (£uTtg^^

Freitag Vormittag habe« in der Bergwerks- direktion Rerklinghaufen, unter deren Verwal­tung die staatlichen Zechen im nördlichen Bezirk bei Ruhrkohlenbergbaues stehen, Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern begonnen, um bie Möglichkeit einer Lösung des Konfliktes zu erörtern.

Maffenversammluntzen der Belegschaften.

Gegen die Generalstreikparole. Fest halten au der sieben ständigen Arbeitszeit.

Den großen Revierkonferenzen der Bergarbeiterverbände find am Donnerstag im gesamten Ruhrrevier die Beleg» s ch a f t s v e r s a m m l u n g e n gefolgt, deren Zahl auf über 300 geschützt wird. Soweit Meldungen vorliegen, haben sie alle einen ruhigen Verlauf genommen. In allen Ver­sammlungen die überfüllt waren und teilweise unter freiem Himmel stattfanden, wurde das Vorgehen der G r u benbesrtzer auf das schärfste verurteilt, der Wille der Bergarbeiter zur Arbeit entschieden betont und

jede Streikparole nachdrücklich abgelehnt.

Aufforderungen zum Generalstreik, die in einigen Versamm­lungen von 9Irrgängern der Union erhoben wurden, fanden bei dem Gros bet Teilnehmer entschiedene Ablehnung Es wurde gefordert, daß die Bergarbeiter nicht allein die Träger der Reparationslastsn fein dürften, diese Lasten feien viel­mehr gleichmäßig auf alle Schultern des Volkes zu legen. An der Forderung der Beibehaltung der 7 - S t u n d e n» f ch i ch t unter Tage und der 8-Stundenschrcht über Tage werde die Ruhrbergarbeiterichast festhalten. Die Deichlüffe der Revierkonferenzen wurden einmütig gebilligt.-as 'Un- gebot des Schiedsspruches

in der Lohn- und Arbeitszeitftage

sei für die Bergarbeiter unannehmbar. Die Bergarbeiterver- bände sind des den Stadt- und Gemeindeverwaltungen vor- steklia geworden, um eine Unterstützung für die arbeitslosen Bergarbeiter zu erreichen. Die Ltädte werden gebeten, der allgemeinen Not durch A u^ gäbe von ^ebensmrt» teln zu steuern.

Die Gireiklage im oberschlesischen Industrieaehiet hat sich nach den neuesten Mstellungen gebessert Es haben Teile der Belegschaft der einzelnen Gruben die Arbert wieder ausgenommen, so daß jetzt arbeiten Komgm Lmie mit 2£ Delbrück.Schächte mit an i*ig Wumch-Grube nut 80 Sub- wiMück mit 21, Eaüeienao Mit Bi Prozent und Deuthener und Friedrichsgrube mit vollen Belegicharten. ^I Eisenhütten hat sich Die Lage insofern gebefiert, als bte Gleiwißer Hütte d e Arbeit v o I! st a n d l g a u f g e n o m - men hat. Es streiten nur noch Iuiienhütte. Kokswerke Re- denhütte, Rütgerswerke voll nnb Donnersmarckhutte mit 30 Prozent. Ber Reparatürarberten im Schacht der Hedwig Wunsch-Grube brachen, als ein Damm beschlagen wurde, gif­tige Gase in den Schacht ein. Bon den fünf Mann, die an dieser Stelle arb-i eien. konnten vier gerettet werden, wäh­rend bet fünfte tot zutage gefordert worden üt.