Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Erscheint Dtenrtag, Donnerstag and Goanadeuv. Der Bezugspreis betrügt monatlich L— Golömark / / Ametgeaprel» für die einspaltige Detttzetle ober beten Raum 10 Df«.. für amtliche nnb auswärtige Anzeigen 15 Mg-, Reklamezeile 50 Pfg. / / Druck n. Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld,
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Rr.S4 Dienstag, den 6. Mai 1024
Bisher 415 Mandate
gezählt.
Nach dem bis 12 Uhr nachts vorliegenden vor- läufigen Gesamtergebnis, daS bei den Schwierigkeiten der Zahlung immer noch geringen Aenderungen und Schwankungen unterworfen sein dürste, können für den neuen Reichstag als gewählt gelten:
Deutsche Volkspartei ... 46 (bisher 66)
Zentrumspartei.....64 (bisher 68)
Demokratische Partei . .• Sozialdemokratische Partei
28 (bisher 39)
108 (bisher 178)
Bayerische Volkspartei . .
16 (bisher
21)
Völk. u Nat -Soz. Partei .
81 (bisher
81
Deutschnation Volkspartei.
96 (bisher
66)
Nationallib. Vereinigung .
9 (bisher
— 1
Unabh. Sozialvemokr. Partei
3 (bisher
2)
Kommunistische Partei . .
60 (bisher
15)
Deutsch-Hannov Partei . .
5 (bisher
-)
Bayrischer Bauernbund . .
9 (bisher
4)
Deutsch-Soziale Partei . .
2 (bisher
Freiwirtschaftsbund. .
Regierung und Wahlresultat.
Ä« gut unterrichteter Stelle verlautet:
Die Regierung beabsichtigt nicht, zu dem vorläufigen Ergebnis -er ReichstagSwahlen Stellung zu nehmet. Vielmehr wir- erst abzuwarten sein, bis -as genaue Mahlresultat amtlich vorliegt. Dies wird i n z e h n b i s zwölf Tagen -er Fall sein. Dann müssen die g^ wählten Abgeordneten erklären, ob sie die Wahl an. rehmen und danach kann der neue Reichstag zusammen» treten. Die Einberufung geschieht durch den Präsi- , e n t e n d e s a l t e n N e i ch s t a g e s, den auch diesmal wähstr!'. Abgeordneten L o e b e. Wenn dann die Frak» ommen sein, wo die Regierung ihrerseits vo? die ?,: r a g e der Demission gestellt sein wird. Bor» tzsr sind Beschlüsse der Regierung in dieser Richtung licht zu erwarten. Daran ändert auch die Tatsache kiichts, dass sich, soweit dao Wahlergebnis bis jetzt zu iibersehe« ist, die bisherige Basis des Reichskabinetts weiter verschmälert hat.
Ruhiger Verlauf des Wahlsonniags.
Die Wahlen sind im ganzen Reich ohne nennen-- vrrte Zwischenfalle verlaufen. Die Wahlbeteili. gung setzte schon in den frühen Morgenstunden überall recht rege ein und erreichte eine Stärke von durchschnitt- sich 75 Prozent.
In Berlin burchfuhren in den Vormittagsstunden Gefährte verschiedenster Art die Hauptstraßen, um durch Trompetensignale, durch rote, schwcn^-rot-goldene und schwarz-weiß-rote Fahnen,unb durch Verteilung von Flugblättern in großen Mengen Ja» Publikum auf seine Wahlpflicht aufmerksam zu machen. In bet Nacht zum Sonntag ist es v er s ch i e d e n tl i ch z u Zu - fammenstößen zwischen Plakatanklebern der einzelnen Parteien gekommen, wobei mehrfach Personen verletzt wurden.
Um sieben Uhr abends war der Potsdamer Platz bis auf die Durchlässe für den Wagenverkehr von einer unübersehbaren Menschenmenge erfüllt, die mit jeder Minute anschwoll. Und aller Augen richteten sich erwartungsvoll nach einem Fenster des ersten Stockwerkes der Iosty- Hauses, aus dem ein kleiner Trichter herausragte. Der „Lokal-Anzeiger" gab als erster die vorliegenden Wahlresultate bekannt, und zahlreiche Bleistifte setzten sich in Bewegung, um die bedeutungsvollen Ziffern festzuhalten. Eben hatte der Lautsprecher verkündet, daß nunmehr ^ur Ausfüllung der Pause die musikalische Produktion des Blasorchesters beginnen sollte, da rückte ein starkes Wackaufgebot unter der Führung höherer Offiziere heran, und der Lautsprecher tief über den weiten Platz, daß er seine weiteren Mitteilungen mit Rücksicht auf die Verkehrs- Sorung einstellen müsse. Berittene Sicherheitswache macht» hierauf die Straße frei, während die Menge nationale Lieder anfHntmlc.
Die Deutschnatidu«!« Partei erhebt öffent. liche Klage über das Verhalten der Hamburger Polizei gegen die deutschnationalen Parteihelfer am gestrigen Wahltag Die Partei ließ, wie auch andere Parteien, Kraftwagen zu den verschiedenen Wahllokalen fahren, um junge Mitglieder des Bismarckbundes als Helfer dorthin zu bringen, wo solche fehlten, Zwei dieser Wage« wurden in dem üambUWkr EtadH-
teil Barmbeck von der Polizei angehaNen und ihre Mitglieder mit der Begründung verhaftet, sie trügen Hitleruniformen, es sei Befehl erteilt worden, solche uniformierten Leute festzunehmen. Auf Protest bei der Hauptpolizeibchörde wurden die Wagen und die Leute nach längerer Zeit zwar wieder freigelassen, den jungen Leuten aber nicht gestattet, die Wagen wieder zu besteigen, sondern sie mußten einzeln zu Fuß zurückgehen. Dadurch konnten sie sich vor den Mitgliedern der radikalen Parteien nicht schützen, die sich vor der Polizeiwache angesammelt hatten. Nahezu alle jungen Leute wurden von ihnen überfallen und so schwer verletzt, daß sie auf der Polizeiwache selbst ärztlich versorgt werden mußten.
Der neue Reichstag.
Es liegt in dem Wahlergebnis begründet, daß man bei den Mittelparteien, die bisher in Deutschland in allen möglichen Kombinationen regiert haben, nur wenige neue Gestalten antreffen wird. Hier wären nach den »isherigen Ergebnissen namhaft zu machen etwa der Pfarrer Üli^ta vom Zentrum, der freilich schon der Nationalver» «mmlung als Abgeordneter angehört hatte, und bei der Deut- 'chen Volkspartei der Führer des Reichslandbundes Hepp rnd der frühere Staatsminister Leutheußer, der von Thüringen entsendet wird. Unter den bisher neugewählten Kommunisten ist nicht ein einziger, der sich außerhalb seiner Partei bisher bekanntgemacht hätte. Dagegen haben die Veutschnationalen mehrere markante neue Vertreter zu Der* ieichnen; so den Großadmiral v. Tirpitz, den jungen
Fürsten Otto von Bismarck, den Führer der Wirt- chastsftiedlichen Arbeitneymerorganisattonen Wisch» irwski Dr. v. Dryander, der bisher nur dem Preußi- ^chen Landtag angehört hatte, den bekannten Pfarrer von 1er Frankfurter Stadtkirche Conrad D e i d t, einen alten Be- Knuten aus der Nationalversammlung, der damals nach kurzer Zeit sein Mandat niederlegte; und endlich wäre noch »er Mi^^,»»«»««^ -ff au nennen, der bei
>xm Kapp-Putsch eine gewisse Rolle gespielt hat. IfnteFTSetr leugewählten Vertretern der Deutschvölkischen ist in erster Keche General Ludendorff namhaft zu machen, und ne* sen ihm der aus dem Münchener Novemberputsch und dem Hitler-Prozeß speit bekannt gewordene Oberamtmann F r i ck.
Von bekannten Persönlichkeiten können als gewählt gelten:
Deutsch nationale: Sergt, Fürst von Bismarck, Geisler, Biener, Wallraf, Dr Barth-Zwickau, Dr Mumm, Nippel, Laverenz, Graf Westarp, Schiele-Magdeburg, Dr. Reichert, Prof. Hötzsch, Dr. Albrecht Philip, Dr Everling, Beruht, Gock, Brechelbaum, v. Tirbitz, Behrens, Graf Guten« bürg, Dr. v. Dryander, Neuhaus, Oberfohren, Lohmann, Wxilnböck, Bazille.
Deutsche Volkspartei: Stresemann, Prof. Kehl, Heinze, Scholz, Dr. Most, Kempkes, Runkel, Leutheusser, Beythien, Dr. Wunderlich, Thiel, Dr. Becker-Hessen, Kuhlen- kampff-Magdeburg, Dr. Kalle-Hessen, Hepp-Hessen, Dr. Mol- denhauer.
Zentrum: Mrch, Fehrenbach, Diez, Gustav Bauer^ Dr. Fleischer, Dr. Bell, Giesberts, Klöckner, Imbusch, Schlack, Dr. Kaas. v. GuLrard, Tremmen, Bolz, Andre, Marx, Dr. Epahn, Frau Dransfeld, Frau Teusch, Iooe, Hofmann, Ersing, Mtzka.
Sozialdemokraten: Dr. David, Ulrich-Hessen, Etücklen-Derlin, Silberschmidt, Dittmann, Ströbel, Seger, Bender, Dißmann, Hoch, Scheidemann, Geck, Schöpflin, Soll- mann, Robert Schmidt, Wisse!, Bernstein, Zubeil, Fleißner, Toni Sender, Hermann Müller, Seaer. Lipinski, Otto Braun, Auer, Simon-Augsburg, Limbertz, Frau Schroeder Bock Or. Rosenfeld, Frau Wurm, Keil, Hildenbrand, Wels, Hüferdrug, Kuhnt, Paul Levi.
Deutschvölkische: Ludendorff, Jürgen vonRamin, Graefe-Goldebee, Weisenhöfer, Wulle, Stöhr, Ehatal, Blume Graf Reventlow, Köhler, Gottfried Feder von Mücke
Demokraten: Graf Bernstorfi, Schuckmg. Dernburg- Potsdam, Siemens-Berlin, Schiffer-Magdelntrg, Büll.
Kommunisten: Ruth Fischer, Buchmann-München, Stöcker, Höllein, Scholem, Heckert-Sachsen, Kanzler-Baden, Frölich, Geschke, Thälmann, Remmele, Eichhorn, Ströbel.
Bayer V o l k s p a r t e i: Emminger, Leicht, Schirmer, Gerstenberger, Schwarzer, Frau Sang.Bruntann, Rauch Dauer, Gerauer, Dr. Pfleger.
Bayer. Bauern- und Mittelstand s bun b Prof. Fehr, Bachmeier.
Die Stimmen der Kreise.
Wahlkreis 1. (Ostpreußen).
Vorläufiges amtliches Wahlergebnis: Dn 395 413, Dv. 85 112, Nat. Freiheitspartei 7695,, D. Völk. soz. Block 87149, D. Soz. 27 337. Lentr. 85 075. Dem. 35 937.
Soz. 155 780, Komm! 118168, Anabh. 6125, Mas. B. 877, Polen 13177.
Wahlkreis 3. (Potsdam IL)
Dem. 87 265, Soz. 150 889, D. Soz. 40 142, Komm. 113 383. Dv. 91972, Dn. 222186, D. Volk. 55 979, Zentr. 28 920, Soz. B. 3940, Wirtsch. 34 240, Heußerb. 374, Rep. 5132, Poln. V. 1590, Arbeitnehmerpartei 2638, Rat. 6737, Rat. Fr. 2304, UnUabh. 15 492.
Wahlkreis 4 (Potsdam I).
Dn. 283 267, Dem. 43 736, Soz. 17 8 8 7 2, Komm. 130 691 D. Soz. 23 848, Dv. 68 267, D. Volk. 50 696, Wirtsch. 38 546, Häußerbund 797, Zentrum 18 484, Soz. Bd. 4136, Unabh. 17 321, Polen, 1114, Rep. 2554, D. Arbeit». 3162, Rat. Vereinig. 8290, Nat. Freiheitsp. 2384.
Wahlkreis 8. (Frankfurt a. DJ
Vorläufige sEndergebnis: Dn. 826 708, Dv.
64 615, Rat. 4612, D. Volk. 39 987, D. Soz. 24 634, Wirtsch, 18 863, 3entr. 50 710, Dem. 34 998, Soz. 161549, Komm. 54 776, Unabh. 6351, Rep. 1668, Wend. V. 2232, Pol. 6638, D. Arbeitn. 3386,
Wahlkreis 6. (Pommern.)
Dn. 436 600. Dv. 41601, Zentr. 7587, Dem. 23138, Soz. 197 724, Komm. 76 924, D. Völk. 65 133, Volksb. d. Entrecht. 12 884, D. Soz. 17 971, Freiwirtsch. 2970, Heußerb. 1357, Dep. 1012, Pol. 2926, Wirtsch. 18 336.
Wahlkreis 8 (Liegnitz).
Vorläufiges amtliches Wahlergebnis: D. Bölk. 8848, Dn. 189 640, Dv. 48407, Zentr. 52 993, Dem. 45 790, Soz. 166 394, Komm. 36 396, Rep. 1483, D. Soz. 23 224, Rat. Freiheitsp. 5456, Wirtsch. 33 297, Wend. Vp. 2077.
Wahlkreis 9 (Oppeln).
Endergebnis: Dn. 101333, Dv. 17 768, D. Bölk.
17 552, D. Soz. 10 703, Zentr. 182 170, Dem. 11046, Soz. 24 795, Komm. 125 408, Polen 48 364.
Wahlkreis 10 (Magdeburg-Anhalt).
Vorläufiges amtliches Gesamtergebnis: Dn. 207 000, Dv. 125 577, Dem. und Deutsch. Bauernbund 60 800, Soz. 299 880, Komm. 88 000, Zentr. 15 829, Volk.
^WcM«is 11 Werfeburg).
Vorläufiges Gesamtergebnis: Dem. 36 195, Dn. 195 659, Soz. 110 963, Unabh. Soz. 11985, D. Soz. 4957, Nation. Freiheitspartei 3319, Komm. 188 721, Bölk.- Soz. Block 61756, Wirtschaftspartei 11842, Dv. 75 482, Zeytr. 8776.
Wahlkreis 12 (Thüringen).
Soz. 244 978, Komm. 171 744, Landbund 138 042, Du. 135 619, Dn. 132 343, D. Bölk. 109 228, Dem. 52 675, Wirb, schastspartei 39 441, Zentr. 38 405, Arbeitnehmerpartei 11458, Unabh. Soz. 10 718, Mieterschutz 8898, Freiwirtschaftsbund 3888, Nation. Minderheiten 1584, Häusserbund 1493, Rep.
Wahlkreis 13 (Schleswig-Holstein).
Amtliches Ergebnis: Dn. 230 424, Soz. 186 738, Dv. 90 583, Komm. 76 408, D. Bölk. 55130, Mieterschutz 12136, Unabh. Soz. 7926, Schlesw. Vereinigung 7659, Schlesw.-Holst. Landespartei 5594, Zentr. 7454, Freiwirb» (chaftsbund 3630, Häusserbund 1153, Dem. 60 956, Rep. 760.
Wahlkreis 14 (Weser-Ems).
Vorläufig esGesamtergebnis: Komm. 26 813, Dem. 36 596, Soz. 83 600. Volk.-Soz. Block 33 203, Thristl.» Soz. Volksgemeinschaft 17 516, Freiwirtschaftsbund 3632» Zentr 120 762, Poln. Volkspartei 888, Unabh. Soz. 1901, D. Soz. 8625, Deutsch-Hannov. Partei 16 898, Rep. 962, Vv. 55 258, Dn. 77 879.
Wahlkreis 15 (Hannover-Ost).
Vorläufiges Gesamtergebnis: Soz. 98 456, Dem. 17 980, Dv. 42 275, Komm. 35 233, D. Soz. 5719, Völk.-Soz. Block 40 833, Häusserbund 410, Polen 1000, Deutsch.-Hannov. Partei 144 023, Zentr. 4340, Christl.-Soz. Volksgemeinschaft 3215, Dn. 72 052, Arbeitnehmerpartei 2567. — Es fehlen noch die Kreise Blumental und Derben, außerdem vier Gemeinden und zwei Bezirke.
Wahlkreis 16 (Hannover-Süd—Braunschweig).
Vorläufiges Gesamtergebnis: Dn. 142 902, Dv. 133 691, D. Bölk. 69 387, D. Soz. 12 536, Zentr. 47 205, Dem. 42 159, Soz. 292 873, Komm. 76 539, Deutschhannov. Partei 137 179, Arbeitnehmerparte! 3791, Christl.-Soz. Volk», zemeinschaft 4993, Unabh. Soz. 9153, Poln. Volkspartei 97^ Häusserbund 709.
Wahlkreis 18 (Westfalen-Süd).
Dn. 152 863, Dv. 143 885, D. Völk. 938, Zentr. 320 629, Dem. 56 059, Soz. 194 269, Komm. 26. 840, Polen 11062, D. Soz. 6070, Haeufferbund 955, Christl.-Soz. Volksgemeinschaft 23 317, Nationale Freiheitspartei 3 231, NTPD. 30 568, Dölkischsozialer Block 17 503. Der Restkreis HattingW steh) noch aus.
Wahlkreis 19 (Hessen-Nassau).
Vorläufiges Ergebnis: Dem. 98 000, Unabhängige 9 300, Soz. 222 000, Zentr. 178 000, Dv. 192 000, D. Volk. 59 60^ Du. 187 QOQ, Komm. 58 400. . .. lili1,.JÜ4.,Ä