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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag. Donnerstag and Goanabead. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1 Golbmart / / Anzeigenpreis für die einspaltige Detitzeile ober deren Raum 10 Dfg., für amtliche and answärtige Anzeigen 15 Mg., Reklame,eile so Pfg. / / Druck n. Verlag von Labwig Fants Buchdruckerei in SerSfeld,

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Nr. 53 Zweites Nach

Sonnabend, den 3. Mai

1924

Ei« deutsch-französischer Handels­vertrag?

In dem kommenden Monat Juni hört nach dem Der- iailler Vertrag das Handelsregime zwischen Deutschland »nd Elsatz-Lothringen, welches seit Ende des Krieges in Kraft getreten war, automatisch auf. Es mutz dann »urch einen besonderen Handelsvertrag ersetzt werden. Der französische Handelsminister Loucheur ist, wie der vlatin mitteilt, bereits mit der Ausarbeitung dieses Vertrages beschäftigt. Es sei daran erinnert, datz Poin- rare in seiner letzten Rede in der Kammer schon von einer Neuordnung des deutsch-französische« Handels- eegimes gesprochen hat. Der Oeuvre teilt mit, datz Lou­cheur mit den Vorarbeiten für eine» völlig »eueu deutsch-franzöfischen Handelsvertrag be­schäftigt sei.

Die Londoner Verhandlungen.

6« I g i e n 6 Vermittlungsvorschlüge für »Heine Aenderungen".

Im britischen Foreign Office ist man recht optimistisch über den Besuch der belgischen Minister, und man glaubt, daß durch diese Verhandlungen die Annahme des Sachverständigenberichts beschleunigt wer­den wird. Die Belgier haben Erklärungen über die Maß- nahmen abzugeben, die Frankreich für notwendig hält, be- sonders über dre Beibehaltung der Kontrolle der deutschen Eisenbahnen für die Bewegun­gen der Besatz u n g s t r u p p e n. Man erwartet, daß MacDonald seine Zustimmung geben nx-rde, und daß nur kleine Aenderungen der Vorschläge porgeponWey werden. < i !

' berichtet aus New Dock: Die

Nation al-City-Bank, das größte Finanzinstitut in den Vereinigten Staaten, tritt öffentlich gemeinsam mit anderen finanziellen und laüfmäunischey Unter­nehmungen für die Verminderung oder Streichung der alliierten Kriegsschulden an Amerika ein. In ihrem Monatsbericht weist big Bank die Amerikaner darauf hin, daß die Annahme des Reparationsvlanes der Sachverständigen ein formelles Ersuchen Europas um Verminderung der Schuld an die Vereinsam Staaten nach sich ziehen werde und die Ameri­kaner bereit sein müssen, eine Antwoi^t ru er- s^»wes

Japan Beteiligt sich an 6er Währunasbanl.

Reuter meldet aus Tokio: Die iaw»»rk^»

Wahrungsbank teilzunehm - m Pfund"/» bet-»'"' ^ ^" Ausland, sich mit 500 000 rauk u» betcil.aen gcdenkt die Regierung durch Ber. kauf vo» Bargeld im Auslande statlrm^be».

Ruhiger Verlauf Öes i. Mai.

Mühelose Unterdrückung der Kommuniste». Demonstration im Berliner Lustgarten.

Nach den bisher vorliegenden Meldungen ist der 1. Mai bis zum Nachmittag im ganzen Reiche im allgemeinen ziemlichruhig verlaufen. Die ArbeitS- «tederlegunge« waren bei weitem »nicht so stark wie in den Vorjahren. Es bildeten sich zwar in allen grössere« Städten in den Vormittagsstunden starke Demonstra. tionszüge, jedoch istesnurinKönigsbergz« ernst­lichen Zwischenfällen gekommen. ? X . '

Nur in Königsberg blutige Zusammenstöße.

Am Vormittag des 1. Mai gegen 11 Uhr bewegte sich in Königsberg trotz des Verbots einDemonstrations- zug von 2000 Personen durch die Hufen- und die Goltz-Allee. AIs ein Polizeikommando den Zug zerstreuen wollte, schlugen die Demonstranten auf die Poliz<^>eamten mit Gummiknüppeln, Stöcken usw. ein. Die Polizuibeamten zogen hierauf ihre Seitengewehre und forderten die Menge auf, auseinanderzugehen. In demselben Augenblick fiel aus der Menge ein Schuß, und der Polizeiober. Wachtmeister Margenfeld brach, am Halse getroffen, zu­sammen; ein ander Po I kzeibeamte r schoß den Täter nieder. Als die Schüsse gefallen waren, stob die

Masse auseinander. Es ist festgestellt worden, daß außer den beiden Schüssen noch andere Schüsse aus der Menge ge­fallen sind. Auch an anderen Stellen wurden die Beamten von der Menge hart bedrängt, so daß sie v o n ihrer Waffe Gebrauch machen mußten.

Die Maifeiern im Reiche.

Ruhe und schwache Beteiligung im Ruhrgebiet.

Kleinere Zusammen stöße in Bremen.

Die Maifeier ist auf den Zechen des Ruhr- gebiets ruhig verlaufen. Von den Belegschaften der Morgenschicht des gesackten Ruhrgebiets, die sich auf etwa 255 000 Mann belauft, haben 71000 gefehlt, das sind 27,48 Prozent. Bei der Maifeier im Jahre 1922 waren 49,51 Pro- zent der Gesamtbelegschaft der Morgenschicht nicht zur Arbeit erschienen.

Anläßlich der Maifeier kam es in Bremen bereits in den Vormittagsstunden zu Zusammenstößen zwischen den Kom­munisten und der Polizei. Die Beamten wurden mehrfach tätlich angegriffen. Eine Bierhalle, in welche die Angreifer geflüchtet waren, wurde mit blanker Waffe ge­räumt. Eine unter das Verbot fallende kommunistische Ver­sammlung im Bürgerpark wurde von der Polizei aufgelöst und der Redner verhaftet, später aber von der Menge wieder befreit. Im Anschluß daran kam es auf dem Vahnhofsplatz, wo die Menge einen Wagen der Straßenbahn anhielt und' die Fahrgäste zum Aussteigen nötigte, zu kleinen Z u s a m m e n st ö ß e n , die zu mehreren Ver­haftungen führten.

Im Anschluß an eine Wahlversammlung des Deutsch- völkischen Blocks kam es gestern abend in Greiz zwischen Veulschvölkischen und Kommunisten zu blutigen Zusammen­stößen. Eine Anzahl Verhaftungen konnte vorgenommen werden. Auch inGera kam es zu blutigen Unruhen, wo- bei die Haupträdelsführer der Kommunisten zum Teil^ fest* letzte gegeben. / -

Drei Todesopfer in Hmöenburg.

In Hindenburg kam es gelegentlich eines trotz Verbots abgehaltenen Demonstrationszuges zu einer Schießerei. Ein Polizeiaufgebot suchte den Zug zu zerstreuen. Dabei fielen aus der Menge Schüsse, worauf die Polizei das Feuer erwiderte.' Drei Personen wurden ge­tötet, fünf verletzt, darunter eine lebensgefährlich. Der Anführer der Leute, die geschossen hatten, ein gewiper Glodnick aus Kochlawitz (Polnisch-Oberschlesien), wurde fest- genommen.

Blutige Unruhen in Gera.

Auch in Gera kam es an mehreren Stellen der Stadt zu blutigen Unruhen. Am Abend wurde die gesamte in Gera stationierte Landespolizei sowie die blaue Polizei zur Säuberung der ganzen Innenstadt eingesetzt, da sich vor dem Wahlbureau der Deutschvölkischen eine immer größer werdende Menschenmenge angesammelt hatte, anscheinend in der Absicht, das Bureau zu stürmen. Die Polizei trieb die Menge auseinander, wobei eine große Anzahl Personen verletzt wurden. Außerdem erlitten sieben Polizeibeamte Kopfverletzungen durch Knüppelschläge. Auch aus Weida werden Ausschreitungen der Kommunisten gemeldet.

Bor neuen Oeuischen-pogromeo in Oberschlesien.

Eine warnende Note der Reichsregierung.

Die Bedrohungen der deutschen Bevölkerung Polnisch. Oberschlesiens haben Formen angenommen, die das Schlimmste befürchten lassen, zumal der polnische Sejm am 4 April d. I. einem Dringlichkeitsantrag zuge- stimmt hat, der die Regierung auffordert, als Vergeltung für die in Deutsch-Oberschlesien vorgenommenen Verhaftun. gen, die in der Wojewodschaft Schlesien ansässigen Reichs- deutschen auszuweisen. Die Reichsregierung hat sich infolge- dessen veranlaßt gesehen, in einer Note, dre am 25. $Ipnl d. I. in Warschau übergeben worden ist, mit Nach dru ck auf die außerordentlich ernsten Folgen hmzuwel- sen, die ein Andauern der bedrohlichen Lage, wie sie sich für die Deutschen in Polnisch-Oberschlesien berausgebildet hat, notwendigerweise für die Beziehungen der beiden Länder mit sich bringen muß, und im übrigen der Erwartung Aus- druck zu verleihen, daß sich die polnische Regierung auch ihrer­seits zu der Auffassung bekennen wird, daß für sie kein Anlaß zu Vergeltungsmaßnahmen vorhanden ist, wenn Deutsch­land gegenüber seinen eigenen Staatsangehörigen von den Machtnnttelu des Staates Gebrauch macht.

Regierungskrise in M ckenborg.

Die Deutschvölkisch °n stürzen den Minister p r ä i i d e n r e n.

Aus Schwerin wird uns gemeldet:

Die Fraktion der Deutschvölkischen Freiheitspartei hat dem Vorsitzenden der Deutichnationalen Landtagsfraktion ev klärt, daß sie nicht in der Lage sei. gegen den von den 6» zialdemokraten und Kommunisten angekündigten Miß trauensantrag gegen das Ministe, um Brandenstein pi stimmen, wenn nicht vor dem W:eherzuiammentritt des Land­tages der Rücktritt des Ministerpräsidenten Freiherrn von Branden st ein erfolgt wäre Freiherr von Brandenstein sei infolge seiner Stellimgnohm« zu den Sachverständigengutachten für die Freiheits- Partei untragbar. Da dem Vernehmen nach die Deutschnationale Volkspartei nicht gewillt ist, den Freiherr« von Brandenstein zum Rücktritt zu veranlassen, so ist der Sturz des Ministeriums unvermeidlich, falls die Freiheitspartei auf ihrem Standpunkt verharrt. Alsdann wird ein L i n k s m i n ist e r i um, das sich auf Demokraten. Sozialdemokraten und K o m m u n i st e n stützt, unabweisliche Folge sein. Allein die Deutschvölkische Freiheitspartei trifft somit die Schuld, wenn das Land Mecklenburg-Schwerin wieder eine Links- regierung erhält. Die Zusammensetzung des Mecklenburger Landtages ist bekanntlich Deutschnationale 19, Deutschvöl­kische 13. S"< äi demokraten 15. Wirtschaftspartei 1» Deutsche Volks na / Kommunisten 9 . . . .

680 Milliarden Dollar Kriegskosten.

Wie aus New Park berichtet wird, hat die Bank-Trust-Lom- pany eine sehr interessante Studie über die interalliierten Schulde« auf Grund der ihr vorliegnden Unterlagen veröffentlicht und da­bei die gesamten Kosten des Kriege, auf etwa 6 S 0 Milliarden Golddollar geschätzt. Hiervon ent- MBfeg^A^ iii «ww»-^w!wki «iw «W«« ww f rra machte 30,36 Prozent.

Ein Polizeioberleutnant als Spien. Der Strafsenat des Breslauer Oberlandesgerichts verurteilte den 27 Jahre alten Polizeioberleutnant Adolf Büchner wegen Spionage zugunsten Frankreichs und Polens zu 1 2 Jahren Zucht­haus. Büchner war in Kattowitz mit dem französischen Kapitän de Roux, der dort ein Nachrichtenbureau unterhielt, und Arbeiter ins Ruhrgebiet entsandte, in Verbindung ge­treten, hatte für ihn Reifen unternommen und ihm in 30 Briefen allerhand Mitteilungen gemacht, deren Geheimhal­tung im Interesse des Deutschen Reiches gelegen war.

Der neue Neichsangestellten-Tarifvertrag. Die Ver­handlungen über den Abschluß eines Tarifvertrages für die eingestellten bei der Reichsverwaltung wurden am Freitag im Reichsfinanzministerium zu Ende geführt. Der neue Reichsangestellten-Tarifvertrag wird dem­nächst im Reichsbesoldungsblatt veröffentlicht. Er tritt mit dem 1. April 1924 in Kraft.

Tausend Nothelfer in Ostpreußen eingesetzt. Infolge der Ausdehnung des Streifs in der ostpreußnchen Landwirtschaft auf weitere Kreise ist die Zahl der Güter, auf denen die tech­nische Nothilfe beschäftigt ist, auf über 200, die der eingesetzten Nothelfer auf rund tausend gestiegen.

Die schützende Hand über den Separatisten. Nach einer Münchener Blättermeldung hat General de Metz bei.der bayerischen Regierung Schritte wegen der Entlassung eines von den rechtsrheinischen Behörden unter Beschuldigung, des Landesverrats verhafteten Separatisten namens Eilcher aus Lauterecken unternommen.

Der rumänische Außenminister in London. Der Man­chester Guardian meldet, daß der rumänische Außenminister Duca in London eingetroffen ist und morgen eine Unter* cedung mit MacDonald haben werde. Duca wird darauf auch Paris zurückkehren und wird wahrscheinlich das rumäni­sche Königspaar bei seinem Besuche des Sekretariats des Völkerbundes begleiten.

Abberufung des chinesische« Gesandieu aus Moskau. Wie an sowietamt:ichcr Stelle verlautet» ist der chinesische Ge­sandte in Moskau. Lien zurückberufen worden. Seine Zurückberufung ist die Folge der ungünstigen Entwicklung des russisch-chinesischen Konfliktes.

Der 1. Mai in Dänemark. Die dänisa> Arbeiterschaft beging den 1. Mai anläßlich der Bildung des ersten, sozia­listischen dänischen Kabinetts mit besonderer Begeisterung mrd in festlicher Form. Eine große' Menschenmenge huldigte dem neuen Staatsminuter Staun in g.

Pensionen für Mütter. Im U n t c r h a u s sagte Schatz­kanzler S n o w d e n im Laufe der Budgetdebatte, er hoffe in dieser Session eine CMehe-morlaqc ein zubringen, welche Pensionen für M ü t Er mit Kindern vorsehe