Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 52 (erstes Matt)
General von Seeckt ist zu einem Besuch in Mün- . ch e n eingetroffen.
— Theunis und seine Mitarbeiter Rnb zu der Besprechuna uber^das Sachverständigen-Gutachten nach London a b g e
. . ®ös ®uö9et Snowdens ist vom Unterhaus einstimmig angenommen worden.
Snowde^A B^Agsi angenommen.
Das englische Unterhaus hat am Dienstag einstimmig die Budgetvorschläge des Tchatzkanzlers Snowden angenommen. Das Haus wo nein seinem ersten Zusammentritt nach den Ofterfc rWartung der (Einbringung des ersten Budgets der ...regierung dicht besetzt. Schatzkanzler Snomden, wurde bei Betreten des Hauses von seiner Partei lebhaft begrüßt. Er eröffnete seine Budgetrede kurz vor 4 Uhr mit der Bitte um Nachsicht des Hauses, indem er daran erinnerte, daß er die Verantwortung seines Amtes ohne vorherige ministerielle Erfahrung übernommen habe. Snowden sagte dann, der Ueberschuß für das vergangene Jahr betrage 48 329 000 Pfund, der zur Verminderung der Schuld verwandt sei, und gab dann detaillierte Angaben über das Budget.
A s q u i t h nannte das von Snowden aufgestellte Budget ein durchaus gesundes Werk und sagte, in ihm scheine nichts enthalten zu sein, was alle Liberalen nicht von ganzem Herzen unterschreiben könnten, wenn sie sich auch die Freiheit ihres Urteils vorbehielten Asquith kennzeichnete das Budget als ein Freihandelsbudget und sprach seine Zustimmung aus zu dex.vmSnowden bezüglich der arta«tennn=Wsntf^ Nach Beendigung seiner Rede ging Asquith zusammen mit Lloyd George zum Sitz des Schatzkanzlers,und beide schüttelten Snowden die Hand.
Die Mac Kenna-Zölle bleiben vorläufig.
Wohl selten ist ein Minister innerhalb 24 Stunden so gänzlich u m g e f a l l e n , wie es S n owden getan hat. Während er sich am Montag noch mit Händen und Füßen gegen die Beibehaltung des Ma^Kenna-Schutz- Solls sträubte, hat er am Dienstag zur allgemeinen Ueberraschung im Unterhause nicht nur keine Herabsetzung des Zolls, sondern seine Beibehaltung gefordert, allerdings mit einem Zusatz, und in diesem Zusatz liegt wohl die Konzession, daß der Zoll vom 1. August ab gänzlich aufgehoben werden soll. Der Vorschlag hat ein großes Staunen hervorgerufen, schon weil er nie- mand recht befriedigt hat.
Die Gegner des Zolls
hatten erwartet, daß dieser Vorschlag sofort nach der Annahme Gesetz werden würde, während die Anhänger des Zolls durch den Aufschub bis August nicht allzusehr befriedigt sind. Außerdem herrscht bei beiden die Furcht, daß es bis zum August eine lange Zeit ist und daß in unseren politischen Tagen manches in diesen Wochen geschehen kann. We Beteiligten hätten die Sache gern erledigt gesehen.
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Der Plan der Reparations» kommission.
Die Reparationskommission, die am Dienstag war in einer Sitzung von knapp einer Stunde sich mit den Antworten der Regierungen befaßte, wird die ganze kommende Woche hindurch in offiziösen Sitzungen fich mit dem Sachverständigengutachten beschäftigen. Sir hat insbesondere Techniker ernannt, die in einer eigene« Kommission mit der Ausarbeitung eines R e - parationsptanes auf Grund des Sachverständigengutachtens beschäftigt sind. Dies sind von französischer Seite Gailler und Billotea«. von belgischer Seite Fürst und Janson, von eng. lischer Seite Lcith-Roß und von italienischer Seite M a z z u ch -11 e. Die offizielle Stellungnahme der Re- parationskr-mmission ist also für die nächsten Tage kei. neswegs erwarten. Amerika wird weder in der Eisenbahn-, noch in der Jndustrieorganisatio«, wie der New Aork Herald zu wissen glaubt, vertreten sein, wohl aber in dem Aussichtsrat für die ®«h»«fi«' bans. Hierfür werden als Kandidaten Amerikas genannt Dwight, ferner Morrow, außerdem Thomas L a m o n t oder H a r d i n g, der frühere Präsiden« d« i Federation Reserve Board. Die Reparatronskomm.ssio« hat ihrerseits noch nicht die Mitglieder für d»e Eisen»
Donnerstag, den 1. Mai
Sahnorganifatio« ernannt. Es unterliegt aber wohl kei nem Zweifel mehr, daß hierfür nur in Frage komme» der französische Sachverständige Leverve und Ac b o r t h. Für die Jndustrieorganisation werden seitens der Reparationskommission noch keine Kandidaten ge-
Cooüöges Urseit üöer den Dawes- ? Bericht.
Nach einer Meldung der Pariser Chicago Tribune aus Washington werde im Weißen Hause erklärt, Präsident Coolidge würde voraussichtlich mit General Dawes und den übrigen amerikanischen Sachverständigen eine Be- lprechung haben, obwohl noch keine endgültigen Vor- kehrungen hierüber getroffen worden wären.
Der amerikanische Botschafter in London, Kellog, er« starte in einer Rede auf einem Frühstück der ehemaligen bri« "schen Kriegsmissionen in den Vereinigten Staaten, die englisch-amerikanische Freundschaft sei eine vollendete Tatsache. Niemals sei diese Freundschaft so auftichtig und so allgemein unter dem amerikanischen Volk gewesen wie heute. Nach fast sechs Jahren seit dem ^Kriegsende sehe man immer noch in Europa bankerotte Re- jgierungen völlig in Not, zerstörte Industrien, Rassenhaß und Eifersucht. Kellog erklärte: Hier ist das größte Feld für die Staatsmänner von heute. Gestatten Sie mir, Ihnen eine
Botschaft des Präsidenten
der Vereinigten Staaten mitzuteilen. Am 22. April hielt er eine bemerkenswerte Rede vor amerikanischen Pressevertretern, die sich zum größten Teil mit den auswärtigen Angelegenheiten beschäftigte. Ich werde Ihnen eine Stelle daraus vorlesen, die bisher nicht ausführlich in der Presse wiedergegeben worden ist. Präsident Coolidge erklärte: „Es scheint aller Grund zu der Hoffnung zu bestehen, daß der Bericht bet Sachverständigen, der als Dawesbericht bekannt ist, eine Grundlage für eine praktische Lösung des Reparationsvroble'ns bietet' Ich vertraue darauf, urtp-rr p<9 tri re n rtt- -j n europäischen Regierungen anempnehlt als eine Methode, durch die sie mittels gegenseitiger Zugeständnisse zu einer en b« gültigen Regelung des Reparations- problems gelangen können, und daß ein solches Ergebnis die Wiederherstellung Deutschlands und die größtmöglichen Zahlungen an die Gläubiger-Regierungen erlauben wird."
Die Befprechsma
der MmflerprZsihenien-
Der Brüsseler Berichterstatter der Times teilt mit, Theunis und Hymnus werden, begleitet von ihren Kabinettschefs Terlinden und Vicomte Davignon, Donnerstag vormittag nach London abreifen, wo sie die Nacht verbringen und am Freitag mit dem belgischen Botschafter Baron Moncheur frühstücken werden. Unmittelbar danach werden sie nach Che- gners fahren, wo sie bis Sonnabend Gäste Mac- Donalds sein werden. Am Sonnabend nachmittag kehre» fte nach Brüssel zurück.
Mailand-Konferenz am 16 Mai.
Nach dem Brüsseler Berichterstatter des „Echo de Paris" wird die Zusammenkunft Mussolinis mit Theunis und Hymans am 16. Mai in Mailand stattfinden. So werde, fügt der Korrespondent hinzu, die neue interalliierte Konferenz herbe geführt,,die nach den deutschen. und französischen Wahlen stattfinden werde, und die wohl die Endregelung der Reparationen bringen werde.
General van Gee^: in München.
; Der Chef der Reichswehr, General v. Seeckt,-ist am Montag in München ei n getro f fen. Aus Anlaß dieses Besuches fand am Dienstag abend im Hause des Lan- desrommandanten an der Schönfeidstraße ein Empfang statt, zu dem Ministerpräsident Dr. von Knilling mit den übriaen Ministern, ferner Vertreter des diplomatischen Korps mit dem Nuntius P a c e I! i und eine Reihe anderer hochstehender Persönlichkeiten erschienen waren. Um %10 Uhr acenbs begann die militärische ccte n ade unter Be- tviligung der vier militärischen Musikkorps des Standortes München. Eine gewaltige Menschenmenge hatte sich trotz des schlechten Wetters zu dem militärisch-musika- kschen Schauspiel eingesunden.
Motorrad-Unglück eines französischen KoNl-oli-OrfiMrs.
In der Nähe von Lauscha in Sachsen stieß ein Mit- aUeb der französischen Kontrollkommission mit einer Begleiterin auf einem MB-rrad auf der Ehaiipee r."t einem Radfahrer zusammen. er .otarradsahnn er .tt einen schweren Schädelbruch, teilte Begleiterin Hauti
1924 abichürfungen, während der Radfahrer einen schweren Bein, bruch davontrug. Der Franzose wurde ins Krankenhaus überführt, wo er bald darauf seinen Verletzun. gen erlag.
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Gegensatz Frankreich-Zeigten.
Die Ronferenj zwischen de« Belgiern und den französischen Ministerpräsidenten hat mi offenbaren ernsten Meinungsverschie b e n heit geendet. Pokncarä hat trotz aller Gegen ^iii>de fyft an seiner bisherige« Auffassung gehalten Kern Nachgeben ohne neue Sanktionen «nt Garantien, und so hat er nach dem Oeuvre und anderen Blättern die Aufgabe der Bahnen r « « d > abgelehnt. Nach dem Gaulois kann die Zurück- ziehung der französischen und belgischen Truppen aus den besetzten Gebieten ebensowenig in Frage kommen. Poincar« hat sich wieder einmal allen Einwend«nge« verschlossen und wurde dabei, wie das Journal hervor- h-bl, auf das beste sekundiert vom Marschall Foch. Nur schwer lässt sich noch der große Gegensatz »wische« Frankreich, Belgien und England verbergen. Die Belgier haben zweifellos versucht, PoincarS von seiner in- transigenten Haltung abzubringen, der die Entscheidung bis mindestens nach den französischen Wahlen, also nach dem 11. Mai, hinausschieben will. Dagegen aber er» heben sowohl Brüssel als auch London ganz entsch k«. den Einspruch. PoincarL aber hat sich bereits so festgelegt, daß er nicht mehr zurück kann. Die Lage gleicht jetzt tatsächlich der im Januar 19 23 vor demEinfall ins Ruhrgebiet.
Minifferpräfidenienkonferenz in London.
Chicago Tribune glaubt zu wissen, daß Poineart
LonSon gehen hrevde. Diese Fühlungnahme würde daT Vorspiel zu einer allgemeinen i«LeraHi- ierten Konferenz sein. — Nach der Rückkehr von seiner geplanten Sizilienreise wird Mussolini eine Zusammenkunft mit Theunis vnd Hymans haben. Als Ort der Konferenz, die voraussichtlich Mitte Mai stattfinden soll, ist Mailand vorgesehen.
Die deutschen Beauftragten.
Amtlich verlautet: Die Kriegslastenkommission in Paris hat der Reparationskommission die Namen der Mitglieder mitgeteilt, die die deutsche Regierung in den Organisation»- komitees für die Reichsbahn und die Industrieoblisationen vertreten sollen. Für 'das Eisenbahn-Organi- sationskomitee wurden von deutscher Seite benannt: Staatssekretär Vogt und Staatssekretär Bergmann. Für das Komitee zur Organisation der Industrie- obligationen: Staatssekretär Trendelenburg Md Geheimrat B ü ch e r.
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Gesamtassspcrrung der bayerischen Bauarbetter. Her Vorstand des bayerischen Baugewert-everbandes beschloß ein» Stimmig, am 2. Mai sämtliche Bauarbeiter Bay. ir n s ouszusper r e ». Den Blättern zufolge bürsten itwa 40 000 bts 50 400 Arbeiter in Frage kommen; mehr als >0 Prozent der Bauarbeiter streiten bereits.
Der Mctollarbeiterstrei! in Mitteldeutschland, der im- olgc der Tarisstrcitiqleiten ausgebrochen ist, nimmt gr5« leren Umfang an. Nachdem in den größeren Dessauer Betrieben die Belegschaften in den Streik getreten sind, laben auch die -Metallarbeiter in Käthen, Harzge» : ode , Z erbst und Werni gerade die Arbeit meder» zelegt. Auch ut der Zcitzer Metallindustrie, u. a. in der Zeitzer Maschinenfabrik und (Eisengießerei A. G., ist mit veitcrer Ausbreitung bey Streiks zu rechnen. In den Halle- ichen (Eisengießereien wirb vorläufig noch gearbeitet. Man rechnet aber mit Arbeitsniederlegungen am 1. Mai.
Wechsel im britischen Rhein-Oberkommando. Wie Daily Telegraph erfährt, wird General Sir Alexander Godley, Oberbefehlshaber der bri!-chen Rheinarmee, in Bälde nach kngland zurückkehre^ und durch Generalleutnar^ 5ir Pohn d u L a n e ersetzt werden.
Konflikt zwischen Argcntin'en und dem Vatikan. Wie Information" meldet, wird der Sons Litt zwischen dem Va» : i! a n und Argentinien a i s «ehr ernst betrachtet, vekanntlich besteht die argentin-iche Slegierung darauf, daß Nonsignore de Andrea zum Erzbischof von Buenos Aires ernannt wird. Die ivn; chenden Bemühungen des argentinischen Gesandten beim Buk ton sind gescheitert und der 31 u n t i u s aus P u e n o s A i r e s wird zurückbe- : u s e n w e r d e n.