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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Srschrial Dtea-taa, Donnerstag und Gsanadeub. Der »mngspreis beträgt monatlich 1.- Golbmark / / 51 zeigen preis für die einspaltige Detitretle oder deren Raum 10 Wo­für amtliche nad avswürtiae Anreiaea 15 Ma-, ReNameretle 50 Dka. / / Druck n. Verlag von Ludwig Suntt Buchbrockerei in SerSfeld.

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Nr. 50

Sonnabend, den 26. April

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1924

5>ie Allworten Frankreichs Englands und Belgiens auf das Gutachten der Sachverständigen sind der Re. parationskommission überleben worden.

Die Gattin D r. Helfferichs ist an dem Ort der ^isenbahnkatastrophe eingetroffen.

Das Reichskabinett hat eine Erhöhung der erwerbslosen unterftüSung u m 20 Prozent be- willigt.

Wochenrückblick.

93on Zeit zu Zeit erinnert ein französisches Schandurteil der Kriegsjustiz im besetzten Gebiet, wie sehr die Regierung in Paris es sich angelegen sein läßt, die eiternde Wunde am deutschen Reichskörper offen zu halten. Letzthin sind wieder vrer Deutsche zu je 20 Jahren, zwei zu je zwölf, drei zu je fünf Jahren Zwangsarbeit wegen Sabotage oder Spionage verurteilt worden, ohne daß es möglich gewesen wäre, bei dem Ausschluß des öffentlichen Verfahrens, ein Bild von dem Tat­bestand desVerbrechens" zu gewinnen. Die Justizmörder arbeiten im Dunkeln; sie haben die Kritik zu scheuen und hoffen, mittels dieser Geheimmethode die Bevölkerung ihren Abtrennungsabsichten gefügig zu machen. Sie werden das Gegenteil erreichen und eines Tages unter der Wucht der moralischen Anklagen vor dem Richterstuhl der Geschichte z-usammenbrechen.

An dem kommenden Reichstag aber ist es, un­ermüdlich auf diesen den Frieden Europas vergiftenden Zu­stand hinzuweisen, der eine Atmoshpäre wütenden Hasses erzeugen muß. Längst ist der passive Widerstand nungen niemals vergessen worden, aber wie die europäische Diplonratie glauben kann, mit der Beibehaltung dieser Schreckensherrschaft könnte ein Dauerfrieden erstehen, bleibt chr Geheimnis. Von Phrasen von Völkerverbrüderung ist feine Abhilfe zu erwarten.

Die Verlängerung der Micum-Verträge bis zum 15. Juni hat in gewissen Kreisen Befremden erregt. Man hat die Reichsregierung des Mangels an Standhaftigkeit bezichtigt und dadurch' bem Außenminister Dr. Stresemann Ge­legenheit gegeben, den Standpunkt der Regierung zu recht­fertigen. Sie steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß das Reich der vertragschließenden Industrie keinerlei finanzielle Unterstützung zu gewähren vermag. Aber die an den Ver­trägen beteiligten Faktoren sind sich selber gleichfalls darüber klar, daß sie auf die Dauer die Ausfuhr von Waren im Werte von 1200 Millionen jährlich aus dem besetzten Gebiet nach Frankreich nicht leisten können. Das gilt vor allem für die Kohlenausfuhr, die sich lediglich mit Hilfe von Aus- Krndskrediten bisher aufrechterhallen ließ, obwohl auch dabei Raubbau getrieben werden mußte. Der Vertragabschluß kam trotz dieser ungünstigen Lage durch die Annahme des Sachver- ständigengutachtens seitens der Reparationskommission zu­stande, wonach Sachleistungen zunächst durch eine inter­nationale Anleihe herbeigeführt werden sollen. Nur unter dieser Voraussetzung ist von der Industrie in die Ver­längerung der Micumverträge gewilligt worden, um der Be­schlagnahme oder Stillegung der Werke vorzrlbeugen, und so ist es zu verstehen, daß sich die Regierung dem Notbehelf der Verlängerung dieser Privatverträge nicht widersetzt hat.

Die Rede des Prälidenten der Ver­einigten Staaten EooIidae ist in Paris mit der Zensurkaum befriedigend" versehen worden. Die Presse sucht ihn gewissermaßen damit zu entschuldigen, daß er eine Kandi- datenrede habe halten müssen, aber über die Deutschland nicht abgünstige Tonart kommen die Tadler nicht hinweg. Die An­griffe auf den Präsidenten gingen sogar so weit, daß sich das auf Vornehmheit haltendeJournal des Däbats" dagegen aussprach und einen unangenehmen Eindruck von diesem Vor­gehen auf Amerika befürchtete. Daß Coolidge sich für die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftseinheit (lies: Räumung des Ruhrgebiets) ins Zeug legen will, ist bekannt, auch daß er Deutschland in den Stand setzen möchte, mit Amerika wieder Geschäfte zu beiderseitigem Nutzen zu machen. Diese Stellungnahme erheischt Vorsicht, und darum haben im Verlauf der Pariser Preßkampagne die Herren einige Löcher zurückgesteckt, vielleicht auch deshalb, weil Frankreich von der Beteiligung des privaten amerikanischen Kapitals an einer internationalen Anleihe Vor' . für sich selber er- warten darf.

Im Balkanwinkc fort es " immer. Seit

Russen in der beßaraduchen Frage .2 Miene zum bösen Spiel gemacht und die Entscheidung über den Besitz des von Rumänien besetzten Landes auf gelegenere Zeit vertagt haben, hat der Streit seine Schärfe Detleven. Trotzki, der wieder in Gnaden ausgenommen, hat verkündet, die vorn Auslande ver­

breitete Nachricht über eine Mobilmachung der Roten Armee sei eine Fabel, es sei vielmehr nach Demobilisierung des Jahr­gangs von 1901 nur der Jahrgang 1902 einberufen worden, und damit ist offiziell mit den Kriegsaussichten aufgeräumt worden. Moskau wird die Selbstbestimmung Beßarabiens auf friedlichem Wege" (was man im Sowjet-Paradies so unterfriedlich" versteht) durchzusetzen suchen. So kann der Friedensengel seine Flügel im Osten entfalten, nachdem sie ihm beinahe durch einen Sondervertrag zwischen Jugoslawien und Rumänien gestutzt worden waren. Dieser Versuch ist jetzt definitiv gescheitert, allerdings mit der sonderbaren Be- schwichtigungserklärung, daß Jugoslawien nie und nimmer mit Rumänien einen Vertrag gegen Rußland schließen werde, wobei die Frage eines russisch-jugoslawischen Vertrages offen gelassen ist. In Frankreich ist man über diesen Ausgang ver­schnupft und will die Unterzeichnung eines französisch-rumä- nischen Vertrages als Trost im Leide abwarten.nd.

Die Antworten der Alliierten überreicht.

s Wie in Paris zuverlässig verlautet, sind Freitag mittag sowohl die englische, als auch die belgische und französische Antwort bei der Reparationskom­mission eingetroffen. Halbamtlich wird versichert, dass alle diese ^Antworten im Prinzip die Gesichts­punkte der Sachverständigen und der Repa- cationskommission als Grundlage für die weite­ren Besprechungen annehmen. Eine offizielle Sitzung der Reparationskommission wird auch weiterhin richt vor nächsten Dienstag erwartet, jedoch bleibe« W

tuch weiterhin möglich. Die noch ausstehende italienische kluttvort erwartet man spätestens für Sonnabend abend, die Reparationskommission wird zu entscheiden haben, »b diese Dokumente veröffentlicht werden ollen. Ueber die e n g l i s ch e A u t w o r t verlautet, dass ie sich im Inhalt und im Geiste vollständig mit »er Erklärung MacTonalds im Parlament ►erst, in der der britische Ministerpräsident erklärte, die Regierung sei bereit, den Plan in allen ferne« Punkten zu unter stützen, vorausgesetzt, dass auch »lle anderen beteiligten Parteien gewillt seien, denselben Weg einzuschlagen.

Theunrs Pariser Reise.

Wie bereits kurz gemeldet, wird T h e u n i s in Beglei­tung des Außenministers H y in a n s am Montag in Paris eintreffen. Der französische Botschafter m Brüssel hat den Besuch der belgischen Minister in Paris bereits amtlich an­gekündigt. Ein Programm für dieie Zusammenkunft liegt noch nicht fest, doch werden die Pariser und Brüsseler Regie­rungen voraussichtlich die Einzelheiten der Konferenz tele­phonisch näher besprechen. Die belgischen Besucher werden «m 2. Mainach England kommen und in C he qu ers, dem offiziellen Landsitz Mac-Donalds, wohnen.

Die Briefe an Barihou

Petit Parisien" erfahrt, daß der französische Minister­präsident nicht einen, 'andern mehrere Briefe an Barthou in der letzten Zeit gerichtet habe. aber daß diese Korrespondenz nichts mit der Reparationskommission zu tun habe. Die offizielle Antwort Frankreichs auf den letzten Be­schluß der Reparationskommission iei ei n neues Doku­ment, über dessen Inhalt der Quai d'Ormy vollkomme­nes Stillschweigen bewahre.

Triumphzuq TroWs.

Aus Moskau wird gemeldet: Trotzki ist wieder nach dem Kreml zurückgekehrt. Seine Ankunft wurde von einer großen Memckenmenge jubelnd begrüßt. In einer Ansprache verkündete er, daß er seine alte Stel lung wieder einzunehmeu beabsichtige. Die Sowjetregierung hat in den lebten Tagen 264 Person e n in Hafi genommen, darunter sieben höhere Sowjetbeamte. ferner viele Geschäftsleute und 21 Wissenschaftler. Von letz­teren wurden zwei A e c z t e und neun Lehrer wegen Agitation gegen die Sowjetregierung z u m T o d e verurteilt. 79 Verhaftete wurden nach Nordsibwien geschafft., 164 werden in Moskau in strengster Haft gehalten. Der Grund zu diesen neuen Verfoloungen st darin zu iehen b'1- es dem linken Flügel der komm u nist i' che n t tei gelungen ist, sich in der Sowjetregierung durchzn

In der Schreckenskammer von Bellinzona.

In der Totenhalle von Bellinzona sind die Ueber» este von 1 3 Leichen aufgebahrt, von denen die »eisten keine Köpfe mehr haben. Der Bor­ther des Gerichtmedizinischen Instituts in Zürich, örof. Z a n g e r, hat unter ihnen die fünf toten Eise«» »ahnangestellten identifiziert. Wie von der Station in Bellinzona mitgeteilt wurde, befinden sich aber unter

1 en Trümmern immer noch Leichen.

Neu identifiziert unter den Toten wurde der deut» che Professor Weishaus, dessen Wohnort un- ekannt ist. Ferner wurde unter den Toten der Direktor >o« der Stahl-Beton A.-G. Siegfried Werthei« ms Charlotten bürg, Rönnestr. 11, festgestellt« In der msgefundenen Leiche einer Dame vermutet man die krau des Direktors Wertheim. Eine Beftnti- Mug liegt aber noch nicht vor.

Die Erkennung Dr. Helfferichs wurde hauptsächlich da- »urch herbeigefiihrt, daß unter den Trümmern ein go lde- ter Fingerrin g gefunden wurde, in dem der N a m e gelfferichs eingraviert war, ferner aud) politische Dotumente, die das Reparationsproblem behandeln.

Zur Beerdigung und Ueberführung der sterblichen Ueber« este der ums Leben gekommenen Deutschen hat sich eine Be- tattungskommission von Bern nach Bellinzona begeben. Im Saufe des Donerstagvormittag konnten an weiteren Toten identifiziert werden: Frau Melitta Godet aus Altrahi- tedt bei Hamburg, ferner Kaufmann Elvizion Polanzi ius Mailand. Man hofft, auch noch die übrigen Toten iden- äfizieren zu können.

Helfferichs Gemahlin an der Leiche ihres Gatte«.

. N.>li' mij y

I o n a eingetro ffe n. Sie hat die Leiche Hres Gemahls viedererkannt. Freitag vormittag findet die von den Gemeindebehörden von Bellinzona veranstaltete Trauer- 'eier für Helfferich statt. Die sterbliche Hülle wird provisorisch nach Zürich gebracht werden. Vertreter der StaL» Bellinzona werden die Leiche begleiten. Die Ueberrefte der Seichen der noch nicht identifizierten Reisenden werden eben­falls nach Zürich gebracht und sollen dort aufgebahrt werden. Der Zustand des schwerverletzten Dr. Hoffmann aus Berlin, der im Kantonhospital in Bellinzona behandelt wird, ^at sich gebessert.

Die drei bereiteten

des verbrannten deutschen Wagens sind Professor Adre D i - n oi$ aus Nancy, Erich Wolfgang Mehler und Paul 6 ch ö n tha I aus Frankfurt a. M. Für das verbrannte Gepäck wurde ihnen ein Schadenersatz von 1400 Franken aus- flezahlt. Wie sie aus dem brennenden Wagen herausgekommen sind, wissen sie nicht mehr zu sagen. Einer glaubt sich erin­nern zu können, daß er durch den Druck der Implosion aus dem offenen Fenster ins Freie geschleudert wurde. Ein Effenarbeiter, der, um 85 Centimes Fahrgeld zu sparen, als blinder Passagier in dem verunglückten Heizwagen miffuhr, fand dort mit einem anderen Kollegen den Tod. Zwei weitere Sahnangestellte, die zwischen den Trümmern sechs Stunden lang eingeklemmt waren, mußten mit Sauerstoff­schneideapparaten aus ihrer Lage befreit und beiden mußte je ein Bein amputiert werden. Die Schilderungen, tvelche ein Postbeamter des Baseler Zuges sowie einige der geretteten Mitreisenden über die furchtbareDerzweif- lung der Insassen des explodierten deut- schen Wagens geben, sind so entsetzlich, daß es unrnog- lich ist, sie wiederzugeben.

Beileidskundgebungen zum Tode Helfferichs

Der Reichskanzler hat an Frau Staatsminister Helfferich folgendes Telegramm gesandt:Tief ergriffen er- fahre ich, daß Ihr Herr Gemahl durch das Bahnunglück am Gotthard den Tod gefunden hat. Au's neue ist Deutschland eines feine gsten id bedeutend­sten F it I) t e r -worden. ~ . eichichte, deren Blick nicht durch den Kampf der politischen Tagesmeinung getrübt ist, die vor allem Ziel und Mollen des Schaffens prüft, wird in bem Verblichenen einen Mann sehen, der mit seiner ganzen starken Persönlichkeit das G l ü ck s e i n e s V o l k e s erstrebte. Mit ihm persönlich verband mich besonders die Liebe und Sorge für: das beichte Schein land, dessen Söhne wir beide sintn Ich bitte Sie, d.c Versicherung meiner und der Reichs­regierung aufrichtigen Trauer eutgegenzuirehmeu.

gez. Reichskanzler Marx."

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Der Vorsitzende der De u ts ch nati onalen D o l k s p n r t e i, Exzellenz Hergt, bat an Frau Staats­minister Helfser:ch^nachstehendes Telegramm gerichtet:Unter dem furchtbaren o ndrutt von dem Hrnpheiden unseres un­ersetzlichen Freundes, Führers und Vorktuppfer^ der Zw-