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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für Den Kreis Hersfeld

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Nr. 46

Donnerstag, den N. April

1924

Antwortder deutschen Regierung auf da,

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- Die Golddiskoatbank hat am Mittwoch ihre Ar- bett auf genommen. J

Warnung vor Optimismus.

Uns Deutschen hängt der Himmel gar zu schnell voller Deigen. Kaum waren die Sachverständigenberichte in ihren Umrissen bekanntgegeben, als man sich schon ein günstiges Urteil darüber zu bilden begann und in der Einmütigkeit, wonnt dre Sachverständigen ihre Unterschriften geleistet ^^"/ den Anbruch einer besseren Zeit erblickte. Vorsichtigen Leuten wollte allerdings die Bereitwilligkeit der fwnzösischen und belgischen Mitglieder eher verdächtig er­scheinen, unb die letzte Hetzbankettrede Poincares rechtfertigt diese Auffassung. Ein Lob aus seinem Munde für die Arbeiten der Sachverständigen und der vorbereitenden Be­ratungen der Reparationskommission muß Befürchtungen er- Ecken, besonders wenn er dabei versichert, die Stunde der Ruhe habe geschlagen. Es lohnt sich nicht, auf die chm in Fleisch und Blut übergegangene Verdrehungsmanie einzu- gehen, aber das dadurch in der chauvinistischen Presse geweckte Echo, der Ruf nachmilitärischen Maßnahmen" gibt zu denLn; desgleichen die Zustimmung Englands und Italiens zu den Berichten. MacDonald hat sie zwar im Unterhaus als ein unteilbares Ganzes anerkannt, aber die Sachverstän­digen haben nach dem jetzt vollständig vorliegenden Bericht erklärt, sie dürsten gemäß ihrem Auftrag die Frage der

r C n. und so wird diese Gegen st and der Verhandlungen zwischen den beteiligten Mächten sein. Nach allem, was wir hierüber an Erfahrungen mit der englische» Politik gesam­melt haben, gehört ein unverwüstlicher Optimismus dazu, von MacDonald Taten anstatt Worte zu erwarten, und doch ist gerade die Befreiung des Ruhrgebiets der Angelpunkt aller deutschen Erwägungen. Räumen die Franzosen die Ruhr nicht, dann ist die wirtschaftliche Demobilisierung des besetzten Gebiets eine leere Redensart und nicht durchzufüh- ren. Es wird sich bald zeigen, wie sich die Reichsregierung, nach­dem sie ihre Mitarbeit an der Durchführung der Sachver­ständigenberichte in Aussicht gestellt hat, zu dieser Angelegen­heit stellt. Sie kann nur unter der Voraussetzung an den Konferenztisch treten, daß gleichzeitig die wirtschaftlichen und militärischen Verhältnisse des Ruhrgebiets einwandfrei ge­regelt werden. Da Deutschland in die Verlängerung der Mieum-Verträge eingewilligt und somit seinen guten Willen bezeugt hat, darf es auf der Erfüllung seiner Vorbedingung bestehen. Weiterhin ist eine Lücke in des Dawesschen Bericht bei den Beratungen auszufüllen; es fehlt in ihm die Fest­stellung der vollen Höhe der Verbindlich­keiten Deutschlands und die Angabe darüber, ob das Ulti­matum von 1921 über die 6600 Millionen Pfund Sterling noch in Kraft ist. Auf Anfrage eines Unterhausmitgliedes hat MacDonald erklärt, er wisse sehr wohl d-L der Bericht nur für einen Zeitraum von sechs Jahren ousE arbeitet iei und darüber hinaus ein gewisser Mechanismus für unbe- stimmte Zeit in Betrieb bleiben solle, doch werde die Bestim- mung der vollen Höhe der deutschen Leistungen Gegenstand einer Verständigung sein müssen. Wüt Recht hat der Reichs­kanzler Marx in feiner Unterredung mit den Fraktions- führern diesen Mangel beklagt und sich über die im Bericht vorgeschlagene Höhe der deutschen Schuld beschwert.

Diese Sachlage ist dazu angetan, selbst einen in der Wolle gefärbten Optimisten in seiner Hoffnungsfreudigkeit zu stören und stutzig zu machen. Was bedeutetein gewisser Mechanis­mus für unbestimmte Zeit" für weitere Abzahlungen? Doch nichts anderes als die Verewigung einer schon jetzt unerträg­lichen Schuldknechtschaft, wenn das Londoner Ultimatum nicht aufgehoben wird. Denn die ersten Serien der von Deutsch­land hinterlegten Obligationen im Betrage von 50 Milliarden sind mit 5 Prozent zu verzinsen, und wenn Deutschland nach 1928 jährlich nur zwei Milliarden auf Reparationskonto gut« geschrieben werd- können sind w-r nicht einmal im­stande, die Zinsen i Obligationen z u zahlen. ~

Das wäre keine Lösung der Reparationssrage und unvereinbar mit den Vorschlägen der Sachverständigen. Die Lösung liegt eben in der Feststellung einer Endsumme. Erst wenn darüber Klarheit geschafft ist unter WürdiW-K der manaelWen deutschen Leistungsfähigkeit, wahrend tae bis. her gebundenen Finanzkräfte zugunsten der Gläubigerunaler

sich frei entwickeln können. Dazu ist jedoch auch erforderlich, daß das unvollkommene Moratorium vervoll­ständigt und eine Anleihe gegeben wird, ohne die sogar nach Ansicht des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht die deutsche Währung wiederum gefährdet ist. Das sollten sich alle Opti­misten «gesagt sein lassen. Ein belgisches Blatt will gehört haben, nach Berichterstattung der deutschen Delegierten an die Reparationskommission würden noch vor Ostern die Be­vollmächtigten der alliierten Regierungen zusammentreten, um die deutsche Gesamtschuld zugleich mit der Ruhrbesetzung und eventueller Sanktionen, falls Deutschland mit der Aus­führung des Reparationsprogramms im Verzug bleibt, zu er« Örtern. Deutschland stände danach von Anfang an unter dem Druck von Drohungen. Das sind recht unerfreuliche Auspizien für die kommenden Verhandlungen. W. 0

Die deutsche Antwort in Paris überreicht.

Der Vorsitzende der Kriegslasienkommisiron in Paris, Ministerialdirektor Dr. RupPel, hat Mittwoch mittag die Antwort der deutschen Regierung wegen des Sachverständigengutachtens der« Vorsitzenden der Re- mrrationskommission, Barthou, überreicht. Die dentsche Antwort gibt die formulierte bejahende Ant- vort auf die Frage der Reparationskommission, ob die »eutsche Regierung bereit ist, auf der Grundlage des vutachtens der Sachverständige« an der Lösung der Re­parationsfrage mitzuarbeite«.

Amerika gewährt Priorität.

Nach halbamtlichen Meldungen aus Washington ist die amerikanische Regierung bereit, der deutschen Anleihe eine Priorität über die Forderung für die Kosten der amerikanischen Besatz ungs- t r m e e zu gewähren.

England nimmt an.

Offizielle Stellungnahme MacDonalds tm Unterhaus.

Die britische Regierung hat die volle Annahme der Vorschläge des Sachverstandigenberichtes beschlossen und ferner, alle anderen beteiligten Regierungen aufzusor- »ern, denselben Weg einzuschlagen. Diese An­kündigung wurde heute nachmittag von MacDonald im Unterhause abgegeben, und zwar als Antwort auf eine vorher verabredete Anfrage, die durch B a l d w i n, dem Führer der Opposition, an die Regierung gerichtet ivurde. Dadurch wird besonders unterstrichen, daß alle Parteien einig hinter der Regierung stehen in dem Bestreben, eine schleunige Lösung per europäischen Probleme herbeizuführen.

Mac Donald erklärte

folgendes: Die Berichte stellten nach Ansicht der Regierung ein unparteiisches, sorgfältig erwogenes Bemühen dar, den beteiligten Regierungen bei der Aufgabe zu helfen, eine Regelung dieses vitalen lange schwebenden Problems zustandezubringen. Die Regierung sei der Meinung, daß von solcher Autorität gestützte Berichte die allgemeine Zustimmung gebieterisch heischten und daß der allgemeine Wunsch bestehen würde, die Gelegenheit, die derartige autoritative Dokumente böten, zu benutzen, um dem bestehenden Zustand einer noch nicht erreichten Regelung ein Ende zu machen. Ein Punkt, der besondere Betonung verdiene unb in dem Bericht des ersten Komitees unzweideutig ausgesprochen sei, sei der, daß der Bericht ein unteilbares Ganzes sei. Die Regierung messe den vereinbarten Empfehlungen, die sofort ausgeführt werden könnten, so hohe Bedeutung bei, daß sie bereit sei, den Plan in seiner Gesamtheit ihrerseits zu unterstützen, vorausgesetzt, daß alle anderen Parteien bereit seien, dasselbe Verfahren ein- zuschlagen.

powar'5 droht weiter.

Poincar6 hielt Dienstag abend um 8 Uhr aus dem Bankett der republu ch demokratischen unb io5iaiutv schen Partei eine groye politudjc R ede. Der Frieden", so meint Poincarä,den wir nicht nur in frau zösischem, sonder- ch im Interesse der anderen Natwne. wünschen, muß auu, wohltuendes und fruchtbares Er gebnis tragen. Auch heute, nachdem o i c A r b e t1 e n i c Sachverständigen und die vorbereitenden Beratwiger greifbare Gestalt zu gewinnen scheinen, dürfen wir nu,

glauben, daß alles geregelt ist und daß die Stunde der Ruhe geschlagen hat. Ich habe in deutschen und überraschenderweise auch in französischen Blättern gelesen, daß die Sachverstän. digenberichte die Verurteilung der auswärtigen Politik Frankreichs, besonders der

Ruhrbesetzung

enthielten. Sie sind im Gegenteil", so erklärte Poincarch die beste Rechtfertigung der Abstimmung, die der Senat und die große Mehrheit der Kammer vollzogen haben. Die Berichte bezeugen, daß Deutschland tatsächlich fähig ist zu bezahlen. Deutschland hat zugelassen, daß 16 750 Millionen ins Ausland geflüchtet sind, es hat bei sich zu Hause aus- ländische Devisen im Werte von einer Milliarde und 200 Mil­lionen, und es bezahlt nicht annähernd so viel Steuern wie die alliierten Stationen (1). Seit 1919 hat Deutschland seine industrielle Ausrüstung ständig verbessert und sein Eisenbahnsystem vervollständigt. Das Land besitzt reiche natürliche Hilfsquellen und die Mittel, sie in weitem Maße auszunutzen. Diese unsere Besetzung, die im übrigen produk­tiv geworden ist, ist also, wie wir erwarteten, zugleich eine D e- monstration gegenüber unseren Alliierten und eine Zwangs Maßregel gegenDeutschland. Wir sönnen unseren Ring u m das Ruhrgebiet nicht lockern ohne die Möglichkeit, im Bedarfsfälle ihn schnell und sicher wieder herzu stellen. Der Be­richt sieht sogar vor, daß

politische Sanktionen

zur Sicherung des vorgeschriebenen Planes wünschenswert werden könnten. Den Verteidigungsvertrag, der uns 1919 versprochen war, werden wir, da eine Vernachlässigung dieser Frage durch das Wiedererwachen des deutschen Imperialis­mus unmöglich gemacht wird, mit unseren Freunden be­sprechen.

Geheime Uttferrebuno mif drewe.

Ministerpräsident Poincars hatte Dienstag nachmittag eine Unterredung mit dem englischen Botschafter Lord Erewe, über deren Inhalt unbedingtes Stillschweigen gewahrt wird Man darf aber annehmen, daß der Minister­präsident und Lord Creme ihre Ansicht über die Loge, die sich

I land ergeben würde, und über die etwaige Form oer un- I schließenden interalliierten Verhandlungen ausgetauscht haben.

Die Golddiskontbank in Tätigkeit.

Die Golddiskontbank hat am Mittwoch ihren Betrieb in Berlin eröffnet. Wenn man annimmt, daß der Schalterraum oom drängenden Publikum überfüllt ist, hat man sich eine falsche Vorstellung gemacht. Der Hauptverkehr wird sich kei­neswegs im Schalterraum, sondern im Wege der Kor­respondenz erledigen. Und schon jetzt wird konstatiert, daß v o l l a u f z u t u n ist. Es walten noch vielfach Miß- serständnisse über die Funktion und den Zweck der deutschen Golddiskontbank. Alle möglichen Kreditgesuche von Privatpersonen gehen ein, die natürlich nicht berück­sichtigt werden können, weil die Bank nur für Zwecke »erIm-und Exports errichtet ist. Gewiß können auch »ndere Kredite gewährt werden, sobald ant Schluß eine Export­deckung vorhanden ist. Die Entwicklung des Verkehrs wird sich uwhl in absehbarer Zeit klären und Umrasse annehmen, jj« jebMt Geschäftsmann oerftanblid) sein werden.

G>ünnts Göttin Alieinerbin.

Ueber das Testament von Hugo Stinnes macht das Blatt des Verstorbenen, dieDeutsche Ällgem. Zeitung", die knappe Mitteilung: Hugo Stinnes hat seine Gattin, Frau Cläre Hugo Stinnes, geb. Wagenknecht, zur alleinigen E r b i n eingesetzt. An der Zusammensetzung und Verwaltung der Renten wirb nichts geändert.

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«Kturmfahrt des italienischen ZI.

Drei Mann oom Haltes eil abgestürzt.

Aus R o nl wird gemeldet: Der neueZeppelin I*, der kürzlich eine Probefahrt unternommen hatte, entging am Dienstag mit knapper Not der Zerstörung. Als das Lust- schiff aus der Halle gezogen worden war wurde es von einem starken Windstoß erfaßt und hochgemssen, bevor die Mannschaft vollzählig an Bord war. i' re 1 Mann, die die Haltetaue nicht rechtzeitig losließen, wurden mit hochgezogen und stürzten aus einer Hohe von 70 Metern ab; sie waren sofort tot. Der Restmannschaft von neun Man gelang es, nach einem harten Kainpf mit dem EchirvLko das Luftschiff zmn Landen zu bringen.

Am 15. vormittags ist bei Osterburken in Baden ein französisches Flugzeug niedergegangen. Das von zwei Personen besetzte Flugzeug erlitt bei der Lamung schwere Beschädigungen: der eine Flügel wurde bemat^ völlig zerstört. Der Führet des Flugzeuges, ein Offtzrer, gab an, in Neustadt aufgestiegen zu sein und sich verirrt zu haben. Er h le sich zur Notlandung entflossen, um sich M