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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag and Sonnabend. Der Derngspreis betragt monatlich 1. Golbmark , / Anretgeopreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 9(a für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Dfg-, Reklamezeile 50 Ms. / / Druck u. Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld.

Mitglied des Vereins Deutscher Zeituags-Derleger. / / Für die Gchriftleitung verantwortlich Franz Funk in HerSfeld. / / Fernsprecher Rr. 8.

Nr 42 Dienstag, den S. April

1924

Das Ergebnis der bayerischen Wahlen zeic ein starkes Anwachsen der F l ü q e I par tei en. Da Volksbegehren ist abgelehnt worden.

~ ^MsoHnt ^"^ bei den Wahlen in Italien einer vollen Erfolg erzielt.

mni^J3?16^ in Hannover wird a»

Mahlen in Italien und in Jähem.

^^I Mussolinis über seine Gegner war kein Helden- stuck, denn sie waren mundtot gemacht, nicht so sehr durch Regierungsmaßnahmen wie durch die Erfolge der Schwarz- hemden, die, antimarxistisch und antiparlamentaristisch, ein neues, vom Geiste nationalsten Imperialismus beseeltes Italien m den Sattel fetzten. Die faschistische Bewegung fegte die Schacherpolitik der alten Parteien hinweg, trieb die So- ztaidemokratle und den Kommunismus gewaltsam in ihre Schlupflöcher zurück und stellte in blinder Anhänglichkeit ihren abiolutlstischen Führer auf den Platz des Diktators. So be- durfte es nicht der Wahlpraktiken, wie sie bei den französischen Prafekten im Schwange sind, um das neue Parlament zu einem gefügigen Werkzeug in der Hand des Premierministers umzuwandeln, und der Ausfall der Abstimmung war nur eine formelle Bescheinigung einer vollendeten Tatsache. Man brauchte keinem Ideal mehr nachzujagen; das Ziel lag offen­kundig erreicht vor aller Augen da.

Wenn ein Volk infolge inner- und außenpolitischer Schwierigkeiten nicht mehr recht ein und aus weiß, ist es geneigt, in der A u t o k r a t i e das Heil zu erblicken. So hat Rußland die mit einem Scheinparlament bekeidete Sowjet­regierung hingenommen, so Spanien seine militärische Dikta- s>aich:smus nach dem italienischen Vorbilds anzusprechen, selbst die langjährige Herrschaft Poincarss mit ihren auto- kratischen Allüren ist nichts weiter als eine aus dem Faschisti­schen ins Chauvinistische übersetzte Erscheinung.

Es konnte nicht ausbleiben, daß in Deutschland mit dem' Wiedererstarken des nationalen Gedankens ähnliche Regungen sich zeigten. Im Hitlerprozeß mußte die Einsetzung einer Direktorial-Regierung, eines Triumvirats, ernstlich erörtert werden, und Bayern vor allem war das Land, wo ein Vor­gehen gegen die heutige R.gierungsform am tiefsten Wurzel gefaßt hatte. Dazu gehören die Absage von Parteihader und Einigkeit. Wie ist es darum innerhalb der weißblauen Grenz- pfähle bestellt? Es haben sich 18 Wahlvorschläge eingefunden, und in München allein kämpften erbittert 15 verschiedene Parteien am 6. April gegeneinander. Das liegt weitab von einer idealen Einigung und muß mit einem Bedenklichkeits- vermerk versehen werden. Doch ist nicht zu verkennen, daß die für das Bürgertum abgegebenen Stimmen gewachsen sind und somit der Zug nach rechts, gegen die Sozialdemo- kraten und ihren Anhang, sich ausbreitet, allerdings auch ein Anschwellen des Kommunismus zu verzeichnen ist, das durch die Rechtsradikalen jedoch aufgewogen wird. Was bis jetzt über den Vorstoß des Zentrunis gegen die Baye­rische Volkspartei ziffernmäßig gemeldet wird, klingt für das als christlich-soziale Partei auftretende Zentrum nicht er­freulich. In München z. B. brachten die Christlichsozialen nur 2319 gegen 59 636 Stimmen der Bayerischen Volkspartei auf; in Würzburg Stadt II war das Verhältnis 934 zu 4490. Es hat nicht den Anschein, als ob das Zentrum einen seiner Kandidaten wird durchsetzen können, und so würde die Pro­testdemonstration nur seine numerische Schwäche offenbart hecken. Eine ähnliche Kraftvergeudung verraten die Anstren­gungen der Parreiblätter der Beamtengruppe Kratofil und der Beamtenpartei.

Das Hauptgewicht der Entscheidung liegt darin, ob mittels eines Dolksentsckzeida ^ Zweidrittelmehrheit für das von der Vaterländischen Arbeitsgemeinschaft (Bayerische Volkspartei, Deutschnationale und Deutsche Volkspartei) er- strebte neue Derfassungsgesetz zu erzielen ist. Dem Volks­entscheid war eine Abstimmung über ein Volksbegehren vor­angegangen, dessen Ausfall gute Aussichten auf Annahme eröffnete. Das Gesetz bezweckt die Ermächtigung des Land­tags, die' bayerische Verfassung mit einfacher Mehrheit zu ändern und einen Staatspräsidenten und eine zweite Kammer (Oberhaus) zu schaffen. Kommt ein großer nationaler Block einschließlich der Nationalsozialisten zustande dann dürfte die Erledigung des neuen Verfassungs- gesetzes auf keinen unüberwindbaren Widerstand stoßen. Aber

Hoden sich die «usHd>Un DCrbun!«lt. mch die Stimmung »er -RrfUsrobünkn laßt d°!u-chl-n. M der Hitlerprozeß und die dabei ins volle Licht gerückte Politik Kahrs sich in einer scharfen O p p o > i t r o n a u chg e - aen d ie M i t t e l p a r t e i e n äußern werden. Stellen- Mise werden Zahlen über den Volksentscheid gemeldet, die

eine Ablehnung mehr als wahrscheinlick mache». Ls wäre wohl zuviel gesagt, wenn man von einem derartigen Mißerfolg der Mittelparteien annehmen wollte, sie könnten dadurch ihre ReyierungsfÄhigkeit einbüßen. Aber die unberechenbare völkische Bewegung, die in sich wiederum gespalten ist, vermag unter Umständen die Regierung zu lahmen und damit die Geschäfte des Linksradikalismus zu be­treiben. Der Faschismus, wie ihn sich Hitler und Genossen gedacht haben, hat in Bayern unb noch mehr in Deutschland einstweilen ansgespielt trotz des im extremen rechten Lager zu verzeichnenden Wahlgewinnes, und mit diesem Gewinne sollten sich die Nationalsozialfften zufrieden geben und den Kampf nicht gegen die bürgerliche Mitte, sondern gegen den Marxismus führen und den Sieg des Bürger­tums über ihn nicht durch Mißklänge stören. Schon pocht der 4. Mai vernehmlich an die Pforte und mahnt zur Aus­gleichung der Gegensätze. Möge der 6. April als Lehrmeister im guten Sinne nachwirken und die noch miteinander Strei- tendeu darauf Hinweisen, daß der wirkliche Feind links steht.

Rechtsruck auch in Wm.

Das EVgetnriS der Landtagswahlen.

Die $erfaffu«e«6Bbfrung abgelehnt.

Ueber die ErgebatU« der bayerischen Landtags- ivahl rnd des Volksentscheides urteilt die Münchener Zeitung wie folgt: Eine zuverlässige Uebersicht über das Abstimmungsergebnis ist noch nicht mög - Iich. Fest scheint zu stehen, daß die Bayerische Volkspartei die stärkste Partei bleibt. Um die zweite Stelle werden sich Sozialdemokratin und völkischer Block streiten. An vierter Stelle werden lvohl die Kommunisten stehen. Der Bauernbund hat sich scheidung $at die für eine Verfassungsänderung nötigen Stimmen nicht aufgcbrachi. Aus 57 Stim «kreise» bzw. Bezirken einschließlich München liegen bis seist r« dem bayerischen Landtags­

wahlen folgende Ergebutste twn

Bayerische v-tkspardei..... 296 348 Völkischer Block ....... 185 943 Sozialdemolrattsche Partei . . . 141439 Kommunisten....... . 77 593 Bauernbund ......... 62 012

Nationale Rechte....... 57 275

Deutscher Block........ 24 771 Christlichsoziale ........ 12098

Beamtengruppe........ 7 507

Deutsche Volkspartei...... * 978

Nationalliberale Landespartei . . 4 862

«e^nuteupartei 1628, Mittrlstandsbnnd Südga» 3168, Mieterliste 305, Heimattreue Eobnrger 466, Gewerbe- vorschlag 3814.. Beim Volksentscheid stimmte« «hin SÖGIM mit nein 4 4 5 8 7 8.

Der Wahlverlauf in München.

geigten das gleiche typische Bild wie die letzten deutschen Wahlen überhaupt. Die c x t r em e n P ar t c ien haben auf Saften der benachbarten Mittelparteien zugenomaren. In München ist besonders der Völkische Brock Nutznießer, die Leidtragenden sind die B a y e r i s ch e Volkspartei, deren bisheriges absolutes Uedergewicht in Bayern vernichtet ist, die De uti chn at i o n a l e n und die National liberalen. Aber auch die sozialistisch-kom- «un'.sMche Linke als Ganzes genommen hatschwereVer- !«7.e «ttt^n, ke USPD. ist vollstäudig ger- rieben. Die Soz ial dento traten in München haben an die 1^n7munisteii Taurs^ abgegeben, diese wiederum Tausende an die LöMschea. 9m Jahre 1919 hatten die Mehrheits- saMlÄernokr-aten awt dk llSP. (Komnnrnlsten tarnen da- ^(5 ^ichl w Betracht) zusammen 163 512 Stimmen, im y«chv? 3920 Mehrheitssozialisten, US.P.D. und Kommunisten «56508, 3,6t erreichten die radikalen Parteien zusammen xni 100 858 Stimmen! ein Spiegelbild der fortschrei- ^,P^<» Enttäuschung der Arbeitermassen durch die nachrevo- iMttond'.xi Entwicklung. Unter dieser Täuschung hat auch die Gwwosratische Partei den beispielsloien Rückgang von 61 122 tat 1939 iSier 26 365 in 1920 auf jetzt ganze 7642 Stimmen. Dr» ?tückgang wäre noch katastrophaler geworden, wenn sie sich m Bayern nicht hinter dem NamenDeutscher Block ver­steck: m* so sich Stimmen von den Altliberalen bewahrt

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Die Propaganda der Völkischen.

Entsprechend ferner außerordentlichen Bedeutung setzte der Wahltag in München gleich sehr lebhaft ein. Das Bild der Stadt vor den Walstlokalen ist das übliche. In aller Frühe rückten die Wahlzettelverteiler und Verttauensmänner aus, brachten ihre Plakate an und faßten Posto. Im Stadtürnern sind die Hauptverkehrsstraßen von Flugblättern der Deutschvölkischen bedeckt. Die Dölttschen allein habe« auch einen Wagenpark von Motorrädern und Autos unter Hakenkreuzstandarten aufgebracht, die dem Zweck der Propaganda, aber auch der Herbeischaffung Kranker und am Gehen Behinderter dienen. Auch von fest« (ich geschmückten, grün bekränzten Leiterwagen herab wird ge­worben. Me Wahlhelfer der Völkischen übertreffen an Zahl um ein Vielfaches die der anderen Parteien.

UeOerfegener Wahlsieg Mussolinis.

Der erste Ueberblick der Ergebnisse der Kammer- Wahlen zeigt, datz, wie z« erwarten war, die national« Liste dnrchgedrnngen ist, womit die faschistische Regierung eine Zweidrittelmehrheit er­halten hat. Die Wahlbeteiligung war im allgemeine« massig, teilweise sehr schwach. Besonders i« Rom verlief die Abstimmung bis zur Eintönigkeit ruhig, wozu auch das schlechte Wetter beigetrage» haben mag. Die faschistischenKandidate«, etwa 220 an der Zahl, können als gewählt gelten. Eine ziemlich starke Vertretung werden von der Oppositton die ge- mäßigten Sozialiste« in der neue« Kammer »ufweifen, wahrend die Demokraten, Liberale« und die Maximal-Sozialisten nur eine geringe Vertreterzahl er- rangen. Die Mandate der Katholischen Volkspartei werden start verringert. Zahlenmäßig liege« bis fetzt nur unvollständige Teilresultate vor. In Sarno ist es zwischen Faschisten und Vertretern der Oppositio« i* feuerten Re vol ver ?chüsfe auf die Faschist«« ab. Die Polizei hat fünf Verhaftungen vorgenomme«.

Kur mit Deutschlands Einverständnis.

Veröffentlichung der Sachverstäudniff« am Mittwoch.

Die englische Presse beschäftigt sich allgemein mtt den zu erwartenden Berichten der Sachverständigen und spricht von einem kritischen Tag nicht nur für die englische Regierung, sondern für ganz Europa. Der Bericht wird jetzt taum vor Mittwoch erwartet. Aus Paris lammt die Er­klärung, daß der Bericht erst vom Englischen ins Französische und dann wieder vom Französischen ins Englische zurück übersetzt wurde, um späteren Mrß- Verständnissen vorzubeugen, und daß damit viel Zeit verloren wurde. Ferner sollen im letzten Augenblick Aenderungen vorgenommen worden sein, um, wie z. B. dieDaily News sich ausdrücken, die Pille f ii r Deutschland schmackhafter zu machen. (!) Der Korresswndent dieses Blattes betont, daß die panier Kreise es nicht für sonderlich wichtig halten, was Poincar^ tun »der lassen möge, daß man nur eine Furcht kenn^namüch die Ab leh^ nung des Berichts durch Deutschlands S» ziemlich die ganze englisckze Presse steht heutt an ^dem 1 punkt, daß nur mit D e ut s ck lan d s Eln v erst a n#-> uis die Vorschläge der Sachverständigen durchgeführt Ää>

den dürfen.

Nm die Muordnung des Schulwesens, lautet, der Denkschrift der preußischen Unterrichtsverwaltm^s über die Neuordnung des höheren Echulweiens zugestnnmt, so daß nunmehr die Arbeit an den Leh r p l aneu be- ginnen kann. Hierbei ist die Mit a r b e t * wertest er Kreise erwünscht. Die Richtlinien für die Mitarbeit an den Lehr planen werden demnächst bekanntgegeben werden.

Wenii hier und da d,e Befürchtung ausgesprochen wurd^ daß über die Grundsätze der Neuordnung entschiedn worden sei ohne daß die breitere Oeffentlichkeit genügend Gelegen­heit zur Stellungnahme gehabt habe io '« ^.o"^^"^ triefen, tot für biete «Set zung ente lebt breite ®rut*- foae vorlzanden war. Es war der Ertrag der Reichs- schulkonferenz, der pädagognchen Arbeit des letzten ^2>rzehntes und zahllose: Gutachten von Behorden. Orga- ÄSnunb^ zu verarbeiten, ^rner

hat die Unterrichtsverwaltung bereits im August v. 3- bte leitenden Gesichtspunkte der Reform bekanntgegeben. Dar | auf sind ihr erneut so viele gutachtliche Aeußerungen zu^- gangen, daß von einer neuen Schulkonferenz neue Ge- sichtspunkte nicht mehr zu erwarten waren. i Sebließlich ist den beteiligten Kirchen und Behörden eben erst'Gelegenheit gegeben worden, zu einzelnen, noch nichts restlos geklärten Fragen Stellung zu nehmen.