Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 41 Sonnabend, den 5. April 1924
r, < ®ie ^"^ Reichsfinanzministerium mitteilt be Nnöen sich zurzcii 70000 Deutsche in Italien. f-ie^lk7> d"'«t der Sachverständigen wird L 6 u n 9 übergeben und Deutschland zu schriftlichen Aeußerung zugeleitet werden.
3m Eisenbahnerstreik steht eine Ei ni gung bevor.
Woche Akblick.
flottem Tempo hat der Wahlkampf eingesetzt eine Deriammlung lost die andere ab, und die Zeitungen spiegeln die bCS P^teibetriebes wieder. Das gilt auch "für e n t r u m s p r e f f e. Aus ihr erfahren wir, daß das Zentrum der ihr blutsverwandten Bayerischen Volkspartei gekündigt hat, was durch die Aufstellung Zentrumskandidaten in den vier bayerischen Reichs- wahlkreisen zum Ausdruck gelangen soll. Dieser Bruch hat und dem ^^"-f ^'^^ dem föderalistischen Bayern Vnrae^^hr unitarisch gerichteten Zentrum beleuchtende SÄ™ d'eies empfmdet die Abspaltung seiner baye-
^"der mit Unbehagen, weil es dadurch im Reichstag als Fraktion von den rechtsstehenden bürgerlichen Fraktionen wenn nicht überflügelt, so doch annähernd auf dieselbe Mitgliederzahl heruntergedrückt worden ist. Aus diesem Scelen- zustande heraus ist es zu verstehen, wenn Zentrumsvertreter der Bayerischen Dolkspartei vorwerfen, sie sei mehr und mehr ein Anhängsel der Deutschnationalen geworden, untergrabe den Kredit des Zentrums, schwäche die vornehmlich von ihm repräsentierte Staatsautorität, lasse hochverräterische Bestrebungen grobfahrlässig groß werden und habe Urhebern und Mitschuldigen am Kapp-Putsch Asyl gewährt. Woher Volkspartei gegen die Zentrumskandidatur für den Festtrumsmann Hofmann (Ludwigshafen), der Gna^e vor ben Augen der Bayern nur finden soll, wenn er zu ihrer Partei Übertritt, und r^is der Ablehnung einer Listenverbindung beider Parteien. Das bedeutet cne Kampfansage bis aufs Messer und verhindert jeden Brückenschlag, ein warnendes Beispiel für andere sich nahestehende Parteien. Eine andere Frage ist es, ob der Zentrumsvormarsch über den Main Früchte tragen wirH. Darüber wird uns die Entscheidung am 4. Mai belehren.
Noch eine andere Zersetzungserscheinung erfordert Beachtung: die Bildung einer Nationalliberalen Vereinigung innerhalb der Deutschen Volkspartei. Dr. Stresemann hat keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß seine Partei die /Vereinigung als Fremdkörper nicht dulden .kann, und diese hat, ungeachtet des Widerspruchs, sich auf die Anerkennung ihrer Organisation versteift, ihre Mitglieder jedoch, soweit sie Reichstagskandidaten der Deutschen Volkspartei sind, gebeten, aus der Vereinigung auszutreten.
In Frage kommen die bisherigen Abgeordneten Dr. Gilde- Meister, Dr. Vögler, Dr. Q u a a §, Dr. Maretzki und Dr. Pieper. Folgen sie der Aufforderung, so ist äußerlich der Bruch vorläufig vermieden. Damit ist indessen nicht gesagt, daß die Vereinigung auf Aufstellung eigener Kandidaten verzichten will; täte sie das, dann würden ihre Mist- glieder und die mit der Haltung der Volkspartei unzufriedenen Elemente sich wahrscheinlich stillschweigend auf die deutschnationale Seite schlagen.
Nebenbei sei erwähnt, daß die D e u t s ch v ö l k i s ch c Freiheitspartei den Wahlkampf nicht nur gegen links und die Deutschnationalen, sondern auch gegen sich selbst führt, indem nämlich Dr. Dinier, einer ihrer Führer, sich der Partei nur zur Verfügung stellen will, wenn sie sich von den Unbesonnenheiten der Berliner Bettung (v. Gräse, Wulle, Hennings) freimacht.
Die Meldung, der stellvertretende Chef des rumänischen Generalstabs sei in Warschau auf Einladung des polnischen Kriegsministers eingetroffen, würbe keinen Anspruch auf Beachtung haben, wenn nicht gerade jetzt die in Wien tagende russisch-rumänische Konferenz jäh abgebrochen wäre. Krestinski hat als Unterhändler einen unerhört scharfen Ton angeschlagen und die 1918 erfolgte Besetzung Befsarabiens durch rumänische Truppen, die, als Provisorium gedacht, einen dauernden Charakter angenommen hatte, als Raub bezeichnet. Sowjetrußland verlangt für das mehrfach bei den Abstimmungen seiner Volksvertretung durch rumänische Waffengewalt vergewaltigte Bessarabien ein Plebiszit, das über die staatliche Zugehörigkeit der Bes rabie- gemäß dem Selbst- bestimmungsrecht der Völker entscheiden oll. Eine Abstimmung würde, wie mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen ist eine rumänische Sowjetrepublik mit dem An- fAluft an den großen ruffischen Bruder ergeben, und darum ist die Hartnäckigkeit Rußlands in dieser Frage zu verstehen aber auch der Ernst der sich daraus entwickelnden Konse
quenzen. Rumänien scheint auf alles gefaßt zu sein, ha Truppen von der Walachei und von Transsylvanien nad Bessarabien verlegt, seine Gendarmerie verstärkt, einer Ueberwachungsdienst eingerichtet, und die Regierung hat die Oppositionspresse angesichts der gefahrvollen Lage-auf ihre Seite gezogen. Dienn es auch von groben Worten bis zu Schlägen ein weiter Weg ist und die Ausdrucksweise eines KrestinsS für seine Regierung und ihre Politik nicht als bindend gelten muß, könnte doch ein Funken in das Balkan Pulverfaß fliegen, den rechtzeitig aus- zutreten keine Macht Lust erspüren wird. Es fehlt in diesem Falle ein Vermittler, und der Besuch des Generalstabschefs Floresku in Warschau scheint a’ " alles andere als auf eine Tierständigungsaktion hinzudeuten. Zwischen Polen und Rumänien besteht ein militärisches Schutz- und Trutzbündnis, und dieses auf seine Haltbarkeit n^ebzuprüfen, wird der Zweck der Warschauer Aussprache kein. Eine Wettervoraussage wäre gewagt, aber gerade im nahen Osten ist schon des öfteren aus nichtigen Anlässen die Kriegsfackel entzündet worden. Jngoilawcen und die Tschechoslowakei sind nicht geneigt, sich auf eine Einmischung zugunsten Rumäniens einzulassen, dagegen haben Ungarn und Bulgarien eine alte Rechnung mit Bukarest zu. begleichen; das mahnt die rumänische Diplomatie zu Vorsicht und Nachgiebigkeit.
Der „L u s i t o n ia" - Fkll treibt unerwartet neue Sprossen. Seit oer oberste amerikanische Gerichtshof die Versenkung des mit Kriegsmaterial gefüllten Dampfers als einen infolge einer gesetzl'ch gestatteten Kriegshandlung entstandenen Unfall erklärt hatte und der als Fachmann an- zusprechende amerikanische Admiral Sims sich in demselben Sinne geäußert hatte, durfte man in Deutschland den 'Fall ah erledigt betrachten. Da vernehmen wir aus MacDonalds Munde, die Vereinigten Staaten hätten von Deutschland als Entschädigung für die Torpedierung der „Lusitania" 22600 Dollar verlangt. Diese Nachforderung ist mehr als befremdlich und augenscheinlich bisher dem Auswärtigen Amt in Berlin «rryr »Hgtm e ^ tu ■*****iug«M^ nicht ersichtlich, warum der englische Premierminister im Unterhaus diese seine Wissenschaft preisgegeben hat. Will er damit einen in diesem Falle durch Gerichtsurteil widerlegten Beitrag zur Schuldlüge liefern? AIs Stimmungsfymptom ist die Erklärung immerhin wertvoll und sicherlich kein Freundschaftsdienst für Deutschland, das sich mit allen Kräften dagegen wehren muß, daß eine rechtskräftig auf- geklärte, abgetane Sache noch einmal ausgegraben und als Druckmittel benutzt wird. —nd»
Feierliche Ltebergabe des Gach- verständigenbenchis.
Die Ueberreichung des Berichts der Sachverständigen ,m die Neparationskommission wird, wie von unter- eichrerer Seite gemeldet wird, in einer feierlichen ^teung ver Kommission stattfinden. General Dawes wird die Schlußfolgerungen seines Komitees über die ü’ttttel, das deutsche Budget ins Gleichgewicht zu brin- zen und die deutsche Währung zu stabilisieren, darlegen. Nr wird eine Ansprache halten ebenso wie Mac £ - n - j, der den Bericht seines Komitees über die deut- schen Aeslandskapitalien und über die Mittel, sie wie- ^er nqch Deutschland zurückzubringen, übergeben wird. Der Verstrende der Neparationskommission, B a r t h o u, wird sodann eine Rede halten, um den Sachverständigen zu banken für die gewaltige Ausgabe, die sie übernommen, und die Arbeit, die sie seit drei Monaten verrichtet haben. Er wird seine Anerkennung aussprechen für die Stetste, die sie den Alliierten und der europäischen Wirtschaft geleistet haben. Die Kommission wird sodann 6b« die Veröffentlichung des Berichts beschließen.
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Deutschland soll schriftlich antworten.
Offiziös wird heute vom Petit Raunen mitgeteilt:
„Die Neparationskommission wird beschließen, die Berichte der Sachverständigen der deutschen Regierung amtlich mitzu teilen und diese «kidr zeirig aufsordern, sich zu den Berichten schriftlich z Ä äußer n."
Sollte die deutsche Regierung verlangen, daß ihre Vertreter deswegen von der N e p a r a t'. o n s t v m . / i s s i o n g e - hd- r werden, so wird, wie bereits beuchtet, die Kommission Wr»u eine Gelegenheit geben. Es erscheint heute morgen noch völlig ungewiß wann die Vertreter der amtierten Ne- gierringen sich zur Beratung der neuen Lage zusammen^-yde.. werücn.
Das erpreßte Vertrauensvotum.
In der Abenbsitzung vom Donnerstag hat d-e Kammer kurz vor JO Uhr die Tagesordnung des Deputierten Adolphe Cheron, die der Regierung das Vertrauen der Kamme: ausspricht, mit 408 gegen 1516timmen angenommen Dorhergegangeu waren kurze Redeo Bla'sot« und des Sozialisten Darenne. Dieses Vertrauensvotum hatte eine rechi bezeichnende Vorgeschichte. D'.e Nachmittagssitzunq schlof nämlich mit einer Sensation. Als kurz nach 6 Uhr die Debatte über die Interpellationen noch nicht beendet war, wurde die Vertagung der Westerberatung guf den anderen Tag vor- geich lagen. Nun stand plötzlich P o i n c a r e auf und erklärte, daß er sofort demissionieren würde, wenn man die Weiterberatung auf morgen festsetze. Ungeheure Der- b I ü f fun g in der ganzen Kammer und Vertagung der Sitzung von 6,40 Uhr auf den Abend. So fürchterlich hat die Drohung Poincares gewirkt.
In der Nachtsitzung erhielt Poincarö dann ein erpreßtes Vertrauensvotum.
Verständigung im Eisenbahnerstreik.
Die Verhairdlungen zwischen dem Reichsverkehrsminister und den Organisationsvertretern haben erfreulicherweise den Erfolg gehabt, daß grundsätzlich eine Verständigung über d i e L o h n f r a g e erzielt worden ist. In Berlin wurden die Etundenlohnc von 45 und 75 Pf. erhöht und in den Beratungen über den Reichsmanteltarif, die heute vormittag begonnen haben, sollen nunmehr die-Sätze für die einzelnen Zonen festgelegt werden. Da die Regierung den Eisenbaht^n ein weitgehendes Entgegenkommen in der Lohn frage bewiesen hat, erklärten sich die Gewerkschaften vereit, ist anderen fragen, so bei den sozialen L e: st u n gen, ihrerseits n a ch z u g e b e n, so daß die beidVioüene iReteivbarung von beiden- Testen nnnennuuuen "werden rann. <^hnTT/i^smTn?rTTTrrrsrwr-^^
minister den von Minister Oeser gemachten Lehnaufbesferungs- vorschlägen seine Zustimmung nicht versagen wird. In einer Funktionärvecsammlung des Deutschen Eisenbahnerverbandes sind bereits Richtlinien über die Taktik fcftgcicgt worden, die einzuschlagen ist, falls gegen alles Erwarten das weitgehende Entgegenkommen der Regierung vom Deutschen Eisenbahnerverband abgelehnt werden sollte.
GesetzLiche Bestrafung von Schul- versäummffen.
Wie wir vor einiger Zeit berichteten, bestand in den letzten Jahren eine Lücke im Gesetz insofern, als in Preußen Schulversäumniffe nicht auf Grund eines Gesetzes geahndet werden konnten. Diesem Uebelftanb wird jetzt abgeholfen:. Ein Gesetzentwurf über die Bestrafung von^ Schulverfäumnissen ist im Preußischen Kul»! tusministerium fertiggestellt worden. Nach dem - Entwurf werden die Schulaufsichtsbehörden ermächtigt, wegen Schulversäumniffe schulpflichtiger Kinder gegen diejenigen,^ denen die Sorge für die Person zusteht, i m Wege der Verordnung Strafvorschriften zu erlassen und Geldstrafen von 50 Goldpfennigen bis zu 50 Goldmarl anzudrohen.
In der Begründung des Entwurfs wird darauf m®. wiesen, daß das Ksmmergericht in mehrfachen Entscheidungen ausgesprochen hat daß Verletzungen der Schulpflicht nach Jn^ krafttreten der Reichsverfassung in den landrechtlichen Gebieten Preußens mangels einer rechtsgültigen Strasbestim- mung strafrechtlich nicht geahndet werden können. Da irach dem Bekanntwerden dieser Entscheidungen die Schul Versäumnisse in erschreckendem Maße zugenom- men haben, so muß, so wird betont, schwerer Schaden für die Durchführung des Unterrichts entstehen, wenn nicht in Preußen alsbald mit größter Beschleunigung ein ausreichender Straffchutz für die Schulpflichtigen gewährt wird.
Schacht über den Sachverständigen- bericht.
Die Vorbedingungen der Lösung.
Reichsbankpräsident Dr. Scha ch t hat den Chefredatte^ Krüger der Braunschweigischen Staatszestung ^u aw Unterredung über die Besprechungen empfangen, die er m Paris mit dem Sachverständigenkomitee in der vergangenen Woche gepflogen hat. Zu den Beiprechungen äußerte )t^ Dr. Schacht wie folgt: Ich kann nur zum Ausdruck fangen, daß die Experten an die Frage mit großer Sachlich-