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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag and Sonnabend. Der Bezngspreis beträgt monatlich L— Goldmark / / Anzeigenpreis für die einspaltige Detitreile oder deren Raum 10 Mg., für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Mg-, Rekiamezeile 50 Dfg. / / Druck u. Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld.

Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungs-Derleger. / / Für die Gchriftleitung verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. / / Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 24 Dienstag, den 26. Februar 1924

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kom^^? Deutschland und England P ein Ad- kommen getroffen worden, da- die Nu-fuhrabgad- wesentlich herabsetzt,

— Unbestätigten Nachrichten zufolge soll sich in Bulgarin * Revolution siegreich durchgesetzt habe«,

Vor dem Prozeß.

,®e™ N uicht unvorhergesehene Zwischenfälle ereignen, werden die Verhandlungen während der nächsten Wochenüber öen ^oDemberpxtt^^ Hitlers die Sammellinse des allgemeinen Interesses in Deutschland und weit darüber hin- ?aS ST A fc^elbie Revolte in München entstand, ebenso' schnell fand sie ein Ende, und das sich daran schließende, zwei und einen halben Monat beanspruchende Untersuchungsver- fahren bezeugt durch seine Länge, mit welcher Gründlich-, reit das Anklagematerial zusammengetragen und geprüft worden qt Es hat nicht an Anwürfen gegen die Gerichts- behorden auf radikaler Seite gefehlt: man sprach von Ver- schleppung und legte mehr auf Fixigkeit als auf Richtigkeit der Zeugenvernehmungen Wert. Jetzt läßt sich überschauen, an Hand der umfangreichen Anklageschrift, wie notwendig die an- gebliche Langsamkeit zur Klärung des Tatbestandes war.

Generalfeldmarschall von Hindenburg hat in einem Briefe der Versuche Erwähnung getan, ihn zur Ver­hinderung des unseligen Prozesses zu bestimmen. Er hat den ühw..^arg«^n.n--.!i,o» /f^p^f

anders zu erwarten war, als eine Unmöglichkeit erklÄ^ nur betont, daß nach seiner Ansicht alle Handlungen seines „lieben Kameraden und Gehilfen" Ludendorff auf selbst­lose Vaterlandsliebe zurückzuführen sind und er wie jeder vaterlandsliebende Deutsche mit tiefem Schmerz dem Prozeß entgegensehe. Damit hat er den Empfindungen des überwiegenden Volksteils den richtigen Ausdruck gegeben, hat die Handlungen der Angeklagten ihren Motiven nach erklärt, nicht entschuldigt und ein Beispiel Vorurteilsloser Stellungnahme gegeben.

। Im Zeichen dieser Unparteilichkeit, nüchtern und kühl, muß das deutsche Volk die sich nun abspielende Tra­gödie verfolgen. Freunde wie Feinde. Allerdings ist nicht an- zunehmen, daß im Verlauf der Verhandlungen die Partei­leidenschaften schweigen werden. Wenn je ein Prozeß, so ist der vorliegende eminent politischer Art, und General Ludendorff hat seinen Gegnern genugsam Angriffs­flächen auf politischem Gebiet geboten, als daß sie nicht gegen ihn bei dieser Gelegenheit ausgenutzt werden sollten. Wer es muß gestattet sein, zum Maßhalten zu mahnen und daran zu erinnern, daß man zwar den Politiker Ludendorff ablehnen, aber nicht den großen Heerführer Luden- dorff in den Staub ziehen darf. Jede derartige Beschimpfung, wie sie leider nach dem Kriege in radikalen Greifen gang und gäbe geworden ist, trifft nicht die Persön- ilichkeit des Angegriffenen, wohl aber wird damit das ge­samte deutsche Heer mit seinem heidenmäßigen Aus- dauern und seinen Siegen in den Augen des Auslandes her­abgesetzt. Das kann nur Erbitterung in Deutschland hervor- [rufen und die deutsche Selbstzerfleischung fördern.

Es ist schon so viel über den Prozeß und seine Vorgänge Im Versammlungen und in der Presse gesagt worden, die poli- stische Atmosphäre ist so mit dem Für und Wider erfüllt, daß [eine Beeinflussung der richterlichen Entscheidung nicht zu be­fürchten steht. Ueber den Putsch vom 8. November hat sich das Münchener Volksgericht längst sein Urteil gebildet. Die An­läufe der Hitlerschen Militärdiktatur scheiterten, Gewalt wurde, durch Gewalt begegnet, die Aufrührer unterlagen bet der Machtprobe und verloren dadurch den Zulauf jener unklaren Köpfe, die, befangen von der Agitationskraft eines rede­gewandten Führers, auf seine Worte geschworen hatten. So ist der Aufstand eine kurze, nutzlos blutige Episode geblieben und hat sich, im Keime erstickt, keinen Boden in der allgemeinen Volksstimmung erobern können. Politnch ist der Fall nicht weiter aufzuklären. Die bayerische Regierung hat ihren Standpunkt behauptet und inzwischen mit dem Reich Freden geschlossen, jetzt kommt nur noch die juristische Seit e der Medaille in Frage. Wir wollen hoffen, daß auch nach dieser Richtung vollste Klarheit geschaffen wird, nachdem die Entscheidung in die Hände eines bayerischen Gerichts ge­legt ist selbst auf die Gefahr hin, daß bayerische Regierungs- stellen dadurch kompromittiert werden. Das Kabinett Knilling cheint dies nicht zu fürchten und hat einen umfangreichen Apparat zur Ermittlung der reinen vollen Wahrheit bereit gestellt und wenn es mit diesem Mittel gelingt, ein die Volks­seele befriedigendes Urteil zu erzielen, ohne Ansehen der Per­

son, ohne Heimlichtuerei und Verschleierung, wird wieder eiw dauernde Beruhigung in Deutschland einkehren

Der Schauplatz -er Verhau-lunge« gegen Hitler.

Ueber die Räumlichkeiten, in denen sich der Hitlerpr^ej abspielen wird, bringen die „Münchner Neuesten Nachrichtmr" folgende Schilderung:

Die Räume, die für den Prozeß zur Verfügung stehen, liegen in der Hauptsache im ersten Stock. Der Verhanchlungs- saal ist ziemlich geräumig, besonders fällt er durch seine Breite auf, die dem Zwecke sehr zugute kommt. An der Stirnseite des Saales ist über die ganze Breite ein Podium errichtet worden, auf dem mehrere Tische für den Gerichtshof und für den Staatsanalt aufgestellt sind. Der Mittelraum vor dem Podium ist freigehalten. Rechts, an der Seite, stehen die Tische für die Verteidiger, ihnen gegenüber links die Tische für d i e A n g e k l a g t e n. An diese Tische schließt sich, die Breite des Saales einnehmend, eine Reihe von etwa einem Dutzend Stühle, auf denen Aufsichtsbeamte Platz nehmen werden. Per» fonen, die Eintritt erhalten, werden auf Waffen unter­sucht.

Durch eine Tür getrennt, sind in der zweiten Hälfte des Ganges die Zimmer für die Angeklagten herge­richtet. Jeder Angeklagte, der in Haft ist, erhält ein Zimmer, das ihm Unterkunft für die ganze Dauer des Prozesses ge­währt. Damit entfallen die in mancher Hinsicht nicht ange­nehmen Transporte der Angeklagten vom Unterfuchungs- gefängnis ins Gerichtsgebäude.

Nach einer Anordnung des Staatskommissars für Mün­chen wird zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ein begrenztes Gebiet um die ehemalige Kriegsschule für die Dauer des Prozesses unter besondere Bestimmungen

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Deutsch-englisches Ausfuhrabgabe- Abkommen.

Herabsetzung von 26 auf 5 Prozent.

Halbamtlich verlautet: Die deutsche Regierung hat mit der englischen Regierung ein Abkommen über die Herabsetzung der 26prozentigen Reparationsabgabe auf 5 Prozent geschlossen. Das Abkommen ist am 23. Februar gezeichnet worden und trittbereitsam 2 6. Februar für alle Waren, die am oder nach diesem Tage nach England eingehen in Kraft.

♦

Die Erhebung erfolgt in genau der bisherigen Weise in England. Der englische Importeur hat also 5 Prozent der gü^nung bei der Einfuhr der Waren in England an die britische Zollbehörde zu entrichten und zahlt 95 Prozent der Rechnung an seinen deutschen Exporteur unter gleichzeitiger Uebersendung des Gutscheines über 5 Prozent. Die deutsche Regierung verpflichtet sich, diese Scheine später, wenn die deutschen Finanzen geordnet sind, in einer dann noch genauer festzustellenden Form einzulösen.

Henderson erhebt Anklage gegen Versailles.

Der englische Minister des Innern Henderson hielt in einer Versammlung in Burnley eine wahre Anklagerede gegen den Versailler Vertrag und erklärte, daß dieser i n seinen territorialen und wirtschaftlichen Klauseln den 14 Punkten W i l s o n s, aus die der Waffenstillstand aufgebaut sei, widerspreche, und daß er von den Besiegten unmögliche Schadenersatz- forderungen verlange,

in dem Glauben, dass man das wirtschaftliche Leben eines Landes ohne üble Folgen für dasjenige der Nachbarn zerstören könne. Der Premierminister be- mühe sich, die notwendige Atmosphäre zu schaffen und hoffe, dass durch Vermittlung einer Welt- knnfercnz des Völkerbundes oder durch beide zusammen Dritte getan werden, um zu sehen, ob es nicht möglich ist, a u f d e n b o m P r ä s i d e n. ten Wilson angenommenen Ausgangs­punkt, oder jedenfalls auf eine klare Politik zu- rückzukommen, wie sie die alliierten Staatsmänner 1915, 16 und 17 geübt hätten.

Auch Briand . . .

Nach dem stenographischen Wortlaut der Rede, die Briand in Carcassonne gehalten hat, sagte er, infolge des Krieges sei Deutschland wie alle anderen kriegführenden Staaten ver­armt und könne die ungeheure Summe, die es auf 'Grund des Versailler Vertrages schulde, nicht bezayten, es wäre gut gewesen, ihm den notwendigen Zahlungsauf­schub zu gewähren, daß es sein finanzielles Gleichgewicht hätte wiederfinden können; man hätte ihn, durch mternat o- nale Anleihen helfen sollen, die es gleichzeitig Frankreich

gestattet hätten, einen Teil seiner Schulden abzutragen. Am Schlüsse seiner Rede gab Briand folgende Wahlparole aus: „Es genügt nicht zu sagen, der Nationale Block müsse ver­schwinden, sondern der Nationale Block muß auch tatsächlich verschwinden!"

Die zurückgegebene Pfalznote

Der „höfliche" Poincare.

emanns

Havas veröffentlicht eine offiziöse Note, in der es heißt, in offiziellen Kreisen werde die Erklärung Dr. Stres I bestätigt, daß die französische Regierung dem deutschen Bot­schafter die letzte Note über die Pfalz ohneAntwortzu- rückgegeben habe. Die Tatsache sei in Paris ge­heimgehalten worden, um zu vermeiden, daß man ihr einen unangenehmen Charakter beilege. Tat­sächlich sei auf verschiedene andere Noten, die den gleichen Gegenstand behandelten, vorher geantwortet worden. Eine

neue Antwort hätte nur die Fortsetzung einer er­gebnislosen Kontroverse herbeiführen können. Diese Note sei der deutschen Regierung in derhöflichsteu Form und ohne die Absicht, die deutsche Regierung zu be- leidigen, zurückgegeben worden. Poincarö habe nur zum Aus­druck bringen wollen, daß er, da er alle wünschenswerten Erläuterungen gegeben habe, der Ansicht sei, daß er ihnen nichts mehrhinzuzufügen habe.

RevslrZiion in Bulgarien?

Nach Telegrammen aus Sofia istinBulgariendie Rep ublikerklärt worden. Verschiedene Mitglieder des Kabinetts, darunter auch der Ministerpräsident Z a n k o f f, sollen ermordet, König Boris auf das Land verschleppt wor­den sein. Es heißt, daß die Kommunisten, die von der Re­gierung im letzten September niedergeschlagen wurden, sich gartsche GesandsHaftenDementieren biete MelöüNgrN energisch. Im Laufe des Montags trafen auch keinerlei wei­tere positive Nachrichten über den angeblichen Umsturz ein. Eine in den Mittagsstunden über London eingetroffene Meldung aus Athen besagt lediglich, daß die jüngsten Nach­richten von der revolutionären Bewegung den griechi - schen Grenzposten von bulgarischen Bauern mitgeteilt worden sei. Sämtliche Verbindungen zwischen Griechenland und Bulgarien sind unter­brochen. ____....—........— •

Line Gerichtsentscheidung

gegen die Aufwertungsverordnung.

Die 21. Zivilkammer des Landgerichts I Berlin hat in einer Hypothekenaufwertungsstreitigkeit den Antrag des Hy- potherenschuldners auf Aussetzung des Verfahrens gemäß 8 10 Verordnung vom 4. Febrrmr 1924 durch Beschluß vom 21. Februar 1924 abgewiesen. Das Gericht hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die dritte Steuernot­verordnung insofern redjtsunwirft am ist, als ste das durch die Reichsgerichtsentscheidung voni 28. November 1923 anerkannte Recht auf angemessene Aufwertung beichrankt

sie insofern gegen Artikel 15 3 Absatz 1 bet Verfassung des Deutschen Reiches vom 11. August 1919, welcher d^s Cigentum gewährleistet, verstößt. As Landgericht I Berlin schließt sich hiermit dem bekannten Be- Muß an, melden der Verein der Relchsgerrchtsrate gefaßt w als die Absicht der Regierung, das Auswertungsrecht zu SS Ä würd" D>; Fm« «Mit durch dich-- Urteil noch nicht ihre endgültige Klärung, da weitere Instanzen erst Stellung dazu zu nehmen haben. * ________

Veränderungen im Reichsfinanzdi-mst. Der Staats­sekretär im Reichsfilranzministerium Dr. S ch r o d e r ist aus dem Reichsdienst ausgeschieden; er ist als P r a 1 i d e n t d' Ci Preußischen Staatsbank in Auspcht genommen. An seine Stelle tritt der bisherige dritte Staatssekretär nn Reichsfinanzministerium und Vorsitzende der Kriegr-lasimr- kommission Fischer. Zu dessen Nachfolger in Paris i|t der Dirigent im Wiederaufbauministerium (Geheimer rngierungs- rat Dr. R u-p p e l unter Beförderung zum Annsstermldire im Reichsfinanzministerium ernannt wocrcn.

„Beqnadiaunq" Raubes. Nach einer amtlichen Wlittei- lung aus Paris ist die Strafe für den am 8. September 1923 durch das Kriegsgericht in Düsieldorf wegen des bekannten 5>andgranaten-Attentats zun; Tode verurteilten " Raabe in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt worden.

Wiederaufnahme der deytfch-ftanzösischcn Schiffahrt. Aus einem soeben getroffenen Uebereinkonnnen Milchen Sfd£n und französischen «fahrtsgesM die Wiederaufnahme der Landungen m anzossichen Hafen seien folgende Einzelheiten mitgeteilt. -anlaufen

Damnser der einen franst« d)en vast!^ . antausen