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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 22 Donnerstag, den 21. Februar 1924

l. e 1 $8* 09 hat seine Arbeit mit der Besprechun ! d^alz-Jnterpellation ausgenommen.

| - Nach Meldungen aus Paris soll P o i n c a r 6 sich mit der -unsichtbaren« Besetzung da Ruhrgebrets ernverstandenerklärt haben.

Der Fiume-Vertrag ist von Serbien ratifizier worden.

Fre'eWirtschaftunöGchutzzsll. Zur Umstellung unserer Wirtschaftspolitik.

.. ®p Beeinflussung des gesamten Wirtschaftslebens durch und die Wührungssanierung hat den -vliu des deutschen Volkes von den meisten anderen wirt- i chaftlichen Problemen abgelenkt. Nachdem es jetzt ak>er gelungen ist, durch die Sanierung der Währung eine Grund­lage für normale wirtschaftliche Entwicklung und ein Mittel gut Kalkulation und zur wirtschaftlichen planvollen Be- tangung über den Tag hinaus zu schassen und nachdem auch die sozialpolitischen Probleme, insbesondere die Frage der Arbeitszeit und der Betriebsverfassung, wieder in einer ruhigeren organischen Entwicklung sich befindet, gilt es auch, die allgemeine Wirtschaftspolitik wieder planvoll zu gestalten und den durch den Weltkrieg und seine Folgen veränderten Verhältnissen anzupassen. Es kommt hinzu, daß auch gewisse, im Versailler Friedensvertrag enthaltenen Fristen demnächst ablaufen, daß ebenso eine Anzahl von Handelsverträgen zu erneuern oder überhaupt erst in der nächsten Zeit abzu- I erließen sind und daß außerdem manche, die Außenhandels­beziehungen und das Zollwesen betreffenden Vorschriften und Abmachungen des Versailler Vertrages erst jetzt bei stabiler Währung und normalen Handelsbeziehungen in ihren Aus­wirkungen klar werden und in Erscheinung treten. Schließ­lich erfordert die im Zeichen der Rentenmark klar erkenntlich gewordene Kapitalverarmung Deutschlands nach mancher Richtung eine gänzlich andere Wirtschafts- und Außenhandelspolitik, als sie früher angebracht war.

Die Außenhandelskontrolle, soweit sie die Ausfuhr und die Ausfuhrpreise betraf, ist in den letzten Monaten tatsächlich bis aus gewisse Reste abgebaut worden. Bestehen geblieben ist aber vorläufig eine Ein - f u h r k o n t r o l I e, die u. a. noch vielfache Einfuhrkontin­gentierungen und Einfuhrverbote enthält. Es läßt sich nun immer deutlicher erkennen, daß die Einfuhrsperren nicht lange mehr aufrechterhalten werden können. Deutschland ist im höchsten Grade auf Steigerung seiner Ausfuhr angewiesen, muß also bei anderen Staaten offene sTüren finden. Das ist aber nur bei Gegenseitigkeit [in den meisten Fällen zu erreichen, und schon augenblicklich [leibet die deutsche Wirtschaft darunter, daß sich in einer Reihe von Fällen, wo deutscherseits Einfuhrverbote bestehen, die Hauptlieferländer der betreffenden Waren sich ihrerseits durch besondere Zölle auf deutsche Erzeugnisse oder durch Einfuhrverbote revanchiert haben Dazu kommt ein weiterer, zweifellos gewichtiger Mißstand. Die Einfuhrverbote und Einfuhrkontingente waren zum Teil in der gefährlichsten Jn- flationsperiode zum Schutz einheimischer Industrien erlassen, haben sich aber jetzt zu einer h ö ch st schädlichen Farce ausgewachsen, die unsozial wirkt und dem Preisabbau im Wege steht. Es gibt heute Branchen, wo vor dem Kriege einer deutschen Ausfuhr eine erhebliche Einfuhr für den Inlandsverbrauch gegenüberstand und wo augenblicklich Ein­st, broerbote es zuwege gebracht haben, daß künstlich erzeugte Z^arenknappheit die deutschen Inlandspreise bis auf das Doppelte der Weltmarktpreise und darüber getrieben hat, wo von einem Preisabbau feit der Stabilisierung also gar nicht die Rede gewesen ist. Diesen nur für die betreffenden wenigen Unternehmer erfreulichen Zustand kann sich das verarmte deutsche Volk nicht länger gestatten.

Schließlich liegt für die Freigabe der Einfuhr und der Ausfuhr auf manchen Gebieten ein weiterer wesentlicher Grund darin, daß im Interesse einer gleichmäßigen, von grossen Schwankungen freien Preispolitik sind doch zwei­fellos die Preisschwankungen an den deutschen Warenbörsen, wie sie in den letzten Wochen zu verzeichnen waren, für die Zeit stabiler Währung ganz anormal groß der deutsche Warengroßhandel wieder in die Lage versetzt werden muß, sich am internationalen Termingeschäft'zu beteiligen und da­durch langfristiger zu kalkulieren und Risiken abzudecken. Die bedeutende Rolle, die Deutschland zum Vorteile der eigenen Versorgung und des Volkseinkommens hier auf ge- wiffen Märkten, namentlich für Getreide, Zink, Seide und Zucker früher spielte, ist ganz auf ausländische Plätze über­

gegangen, ja der Terminhandel ist bislang immer noch ver­boten. Mit diesen Ueberresten der Zwangswirtschaft muß natürlich einmal gebrochen werden.

Andererseits erfordert die Schwächung der Wirtschaft und ihre Kapitalverarmung natürlich andere und häufigere Schutzmaßnahmen als früher. Es gibt Wirtschaftsgruppen, deren Erhaltung und Stärkung heute weit mehr als früher Lebensinteresse unseres Volkes ist.. Es gibt andere, die, einst wettbewerbsfähig, durch die Inflationsperiode verarmt sind und denen Erholungspausen geschaffen werden müssen, soll nicht das Volksvermögen durch ihren Zusammenbruch schweren Verlust erleiden. Es gilt schließlich, Verschiebungen in den Wettbewersverhältnissen und in den Absatzgebieten bei der Handelspolitik zu berücksichtigen. So braucht z. B. die in schwerer Kreditkrise befindliche deutsche Landwirt­schaft, die gerade in Zeiten dieser Kreditkrise erhebliche Investierungen vornehmen soll, um den Bodenertrag stark zu steigern, wahrscheinlich Schutzzölle für verschiedene Artikel zum Ausgleich der Freigabe der Ein- und Ausfuhr. Das gleiche wird für viele Fabriken hochwertiger Fertigerzeug­nisse gelten, insbesondere z. B. für Automobile und Ma­schinen. Andererseits dürfen die Schutzzölle ihrer Höhe nach sich nicht zu einer Prämie für wirtschaftliche 'Trägheit aus­wachsen. Und von Fall zu Fall wird zu prüfen fein, ob der Gesamtwirtschaft größerer Nutzen durch die Blüte des zu schützenden Gewerbezweiges oder durch die Benutzung bil­ligerer ausländischer Erzeugnisse erwächst. Alle diese Dinge drängen in den nächsten Wochen zur Entscheidung. Es gilt, nach der Neuordnung der Währung und der Finanzen eine Neuordnung der Wirtschaftspolitik durchzuführen. Die Tendenz der Regierung dabei kennzeichnete der Reichswirt­schaftsminister vor einigen Tagen in seiner ersten Rede über diese Probleme als Abkehr von der Zwangswirtschaft mit den Worten: Ziel und Mittel unserer Arbeit muß die Frei­heit der Wirtschaft sein. G.M.

Verzicht poiritareS auf die ^ußrbefstzung?

Das Echo National stellt auch tatsächlich fest, dass Poincars gegenwärtig im Begriffe stehe, in der Rnhrfrage zu kapitulieren. Um das Ansehen Zu wahren, würden die Sachverständigen Vorschlägen, die französisch-belgische Militärkontrolle an der Ruhr aufrechtzuerhalten. Das bedeute aber gleichwohl, dast die Ruhrpolitik Poincarss falliert habe. Poincarä sei jetzt bereit, sich m i t b l o st e n Z a h l u n g s- Verpflichtungen zufriedenzugeben.

Ueber die Lage in P a r i s verlautet weiter:

D a w e s und Y o u n g haben am Dienstag mit Poincars eine zweistündige Unterredung gehabt. Außerdem fand beim Ministerpräsidenten eine besondere interne Konfe - x e n z statt. Dieser Besprechung wird in Paris eine ganz be­sondere Bedeutung beigemessen. Gegenstand war einmal Berichterstattung der Sachverständigen über ihre bisherigen Beratungen sowie über die Pläne'vr. Schachts, seine Vorbehalte zur Schaffung der Goldnotenbank, ferner Mitteilung P o i n c a r e s an die Sachverständigen über feine Auffassung hierüber, mit anderen Worten also Richt- linienfürdieSachverständigen über den Stand­punkt der französischen Regierung. Hierbei hat sich heraus­gestellt, daß beide Meinungen ziemlich

weit auseinandergehen.

Nicht unerwähnt bleibt auch, daß es an lebh a f ten B e = mühungen Englands und Amerikas n;cht fehlt, Frankreich dazu zu bewegen, dem R u h r g e b i e t o a i £ seine wirtschaftliche Unabha n g i g t e : t w i e - derzugeben und die Sicherung der sranzofuchen m^er nur durch die Aufrechterhaltung einer m ö g l i ch st u n s r a) t - baren militärischen Besetzung vorzunehmen In amerikanischen Kreisen wird versichert, daß man m ueter Frage wohl mit einem N a ch g e b e n Fr a n r r e i könne, wenn ihm Garantien gegeben wurden daß^ Deutschland zu bewilligenden Moratoriums die 9taturallte^ runge?, besonders die an Kohlen, nicht unterbrochen würden; . . A

andernfalls aber würde ein neuer w e t t stär­kerer Konflikt in der ganzen innerhalb der Entente ausbrechen, unv »rannem) dann alle Pläne der Sachverständigen rundweg v e r

In her Besprechung wurde auch 5r^ der deutschen Eisenbahnen gehlst, danach ve. Umwandlung sich sehr viel leichter dem New York Herald liegen bereits na h a^ geböte amerikanischer Banken hierüber vor.

In ihrer Unterredung mit Poimarö

Young sich über ihren SchluHberrch. ge .ch ) Dieser Siblub bericht der S a ch v e r st 4 i > » . . > nad b« «Ä Stibune -uch S fraiqöMm MIM-rpMd-n'm « »i sr - montier unterbreitet worden hcui. -i- - -

sch aftlich e Räumung des Ruhrgebietes uni eme rem geschäftliche Lösung des Reparations Problems.vor, Poincarö soll sich, so behauptet das Blatt g r u n d i a tz l j ch m i t d e n S ch I u ß f o l g e r u n g e n d e - Berichtes einverstanden erklärt haben. B

1000 französische Flugzeuge gegen 100 englische.

Erneute Bedenken im Unterhaus.

Bei der Debatte über die Luftverteidigung Englands in Unterhaus erklärte der frühere Luftfahrtminister H o a r e in der Begründung eines von ihm eingebrachten Antrages, in oen Verhandlungen, denen der Premierminister gegenüber fteye, würde er es a:s keinen Nachteil empfinden, hinter sich eine vorherrschende Flotte zu haben " und als keinen Vorteil, eine Luftstreitmacht zu Habens die, während sie an Qualität ausgezeichnet, an Quantität vollkommen ungenügend wäre. Kein Teil der Oeffentlichkeit des Landes sönne mit Gleichgültigkeit die Tatsache ansehen, daß die Hauptstadt des britischen Reiches und die Küste Englands in einer so verwundbaren Stellung gegenüber der furchtbarsten aller, modernen Angriffswaffen >es Krieges wären. England habe jetzt etwa

80 Frontmaschinen,

>ie endgültig für den Heimatschutz bestimmt wären. Wenn nun diese Zahl mit den entsprechenden Zahlen in Frankreich vergleiche, so sehe man, daß im gegenwärtigen Augenblick in Frankreich etwa 1000 Front-Fl ugzeuge vor­handen wären. Allgemein gesprochen, befänden sich in Frankreich im gegenwärtigen Augenblick etwa 1000 Front- aaschinen gegen wenig mehr als 100 Maschinen in England, wäre erklärte unter dem Beifall der Opposition, jedes Mit- kied des Hauses werde zustimmen, daß dies

eine bedenkliche Ungleichheit st. Während des Krieges habe der größte Betrag von

. eines eiMgeu. Ilonats geworfen wurde, 12 Tonnen betragen. 800 Flug- euge könnten 170 Tonnen auf London werfen, nicht im laufe eines Monats, sondern im Laufe von 24 Stunden, md ein Bombenangriff von 75 Tonnen täglich könne für inen unbeschränkten Zeitraum aufrechterhalten werden. Dies ei eine sehr dunkle und bezeichnende Tatsache, die jedes Ritglied des Hauses erwägen müsse. Das liberale Mitglied Generalmajor Seely sagt, vor einem Jahre hätten die Franzosen es in ihrer Macht gehabt, bei einem einzigen ^lug auf irgendeinen gewählten Punkt mehr als z e h n n a I soviel als das Gewicht der Bomben zu werfen, das üe D e u t f ch e n in einem Monat auf England warfen. (Benn eine derartige Angriffsmacht benutzt würde, um Ge- äude in Brand zu fetzen, so könnte

ganz London in Flammen aufgehen.

Senn beschlossen wiirdel Ei>onbahnMittelpunkte anzugreifen, o würden die Züge aufhören zu gehen, und London müßte nnerhalb von wenigen Tagen geräu-mt werden. Aus jedes eindliche Flugzeug müsse mit einem eigenen Flugzeug ge- mtwortet werden.

Ssrbien rai'fizisri den Kmme-Verttag.

Der Vlvtin meldet auS Belgrad, dass nach sehr leb­haften Debatten die Sinptichrna mit 12 3 gegen 2 1 klimmen den mit Italien abgeschlossenen Vertrag wegen Fiume, und ferner den Freundschafts- > e r t r a g m i t I t a l l c n r n t i f i z i e r t h at. Die Me- eikalen und Agrarier, ferner die deutschen Abge- »rdneten hatten den Saal vorher zum Zeichen des Prolestes verlassen.

Zwischen Republik und Königium.

Der Kamps um die griechische Staatsform.

Der ehemalige Min sterprüsident Gonata hat fid) in der rriechischen Nationalversanunlung gegen die Dynastie ge vandt und eine Resolution ein gebracht, in derdasKöni g- u m f ü r a b g e k e tz t und die parlamentarische Republik :ür d e r T ün de t erklärt wird. Eine zweite Resolution in »ein gleichen Sinne ist von der Gruppe der republikanischen Abgeordneten eimn bracht worden, während der stellver retende Borsitzendr der republikanischen Union eine dritte Resolution in Vorschlag bringt, in der die Ausrufung de stepubuk unter der Bedingung verlangt wird, daß die Ver assung durch eine Volksabstimmung sanktioniert werde.

Oeckeneinsturz bei einem Wiener Bankett.

' Aus Wien wird gemeldet: Bei dem 1000. Konzert des Schulart-Bundes fand im Mozartsaale des Konzerthause »in F e st e s s e n statt, an dem mit anderen Ehrengästen ane l«r deutsche G e s ch ä ftsträger teilnahm. Währen -er offiziellen Reden senkte sich nach verdächtigem Knistcr ilötzlich ein Teil der Saeioecke. Die Tischgäste eilten daran ün in den nicht gefährdeten-Raum des Saales^ Im gleiche Augenblick stü r z t c n e Ho a z lf Quadratmet"