Berliner Börse vom Mittwoch.
Die ausländischen Zahlungsmittel blieben an der heutigen Börse im wesentlichen unverändert. Selbst der frau- Kösische Frank zeigt kaum veränderte Haltung, lediglich fällt die Differenz der Bewertung des Wechsels London-Paris auf, der in London mit 87,70 Fr. pro Pfund, in Berlin mit 87,25 Fr. gehandelt bzw. genannt wird. Ob hier eine Wirkung der Stützungsaktion der französischen Regierung vorliegt, ist schwer zu entscheiden. Die Bewertung der Mark im Auslande zeigt nennenswerte Aenderung nicht, doch liegt sie in Holland fester. Nach einem letzten Kurs von 0,59 Gulden pro Goldmark konnte sie auf 0,61 Gul- den anziehen, in London hält sich der Kurs von 19,50 Billionen Mark pro Pfund. Am Berliner Markt hat der B e d a r f in Hauptdevisen um 10 bis 15 Prozent gegen den Vortag nachgelassen, in nordischen Valuten sogar um etwa.60 Prozent. Auf dem Ab- lieferungswege über die Reichsbank sollen die Abgaben im Wachsen sein. Zuteilungen sowohl als auch Kurse blieben unverändert. London erhielt bei 19,5 Billionen Mark 20 Prozent, Holland bei 1630 Milliarden Mark 15 Prozent. Der Dollarkurs und der Kurs der Dollarschatzanweisungen und der Goldanleihe blieben, wie sich von selbst versteht, unverändert. Auf Dollarschatzanweisungen wurde % Prozent zugeteilt, Beträge unter 1000 Dollar fielen aus.
Amtliche Devisen .Aotterung.
Devisen
VorkriegS- Paritäi
9 Januar
8. Januar
Geld
i Briei
Held |
Briei
M.
3 n
UU i 1 t < 0
n e n M
r f
Dollar ....
4.20
4189500
4210500
41895001
4210500
Engl. Pfund
20.00
18254250
18345750
18254250|
18345750
HoL. Gulden
1.67
16/5925
1634075
1625925
1634075
Dän. Krone .
1.12
756105
759895
758100;
761900
64 web- Kr. .
1.12
1137150
1142850
1137150
1142850
Italien Lire
0.80
186533
187467
189525
190475
Echwei«. Fr.
0.80
755607
759393
758100;
761900
Franz. Fr. .
0.80
209475
210525
216458
217542
Helg. Fr. .
0.80
187032
187968
1910 2
191978
Lschech. Kr. .
—
125685
126315
128178:
128822
Span. Peseta
0.80
543638
546362
553220,
553380
Essektenverkehr.
Die heutige Börse hat keine Befferung der Tendenz gebracht. Vielmehr setzten die Kurse entsprechend dem gestrigen Tage ihre rückläufige Bewegung fort. Die Preiseinbußen hielten sich ungefähr in den gestrigen Grenzen und nur wenige der im variablen Verkehr gehandelten Papiere waren als fest zu nennen. Im übrigen beliefen sich die K u r s e i n b u ß e n durchschnittlich wieder auf einige Billionen Prozent und prägten sich am stärksten am Mon- tanaktienmarkt sowie in einzelnen Spezialpapieren aus. Di« Börse zeigte das unveränderte Bild des gestrigen Tages. Wenn auch die Spekulation weniger mit Abgaben an den Markt kam, so beeinflußte doch auf der anderen Seite das Ausbleiben weiterer Käuferschichten die gesamte Stimmung. Der Geldmarkt zeigt bisher ein unverändert flüssiges Bild, der Satz für Tagesgeld wurde wiederum mit etwa % Prozent genannt. Jedoch macht sich in der letzten Zeit die starke Differenzierung zwischen den Renten mark - und den Papierkredi- ten schärfer geltend, zumal die Banken nicht geneigt zu sein scheinen, Rentenmarkkredite anzunehmen, sondern, weil dies lohnender ist, sich in der Hauptsache auf die gewinnbringenderen Papiermarkkredite versteifen. Die Bewegung am Devisenmarkt gab zu irgendwelcher Anregung keinen Anlaß, obgleich es sich zeigt, daß die Mark teilweise im Ausland etwas fester als bisher liegt. Von inländischen Anleihen waren Reichsanleihr wenig ver- ändert und Konsols ziemlich gut gehalten.
®er£|gjyej^ .Skuutat.
Trotz reichlichem Angebot verhielten sich die Käufer am hiesigen Produktenmarkt wiederum sehr zurückhaltend. Im allgemeinen hielten sich die Preise auf gestriger Höhe.
Amtlich fest-resat-L" Preise. Getreide und Oelsaaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm. In Goldmark der
Goldanlethe oder in Rentenmark. Weizen, märkischer 156—158, Roggen, märkischer 140—142, pommerscher 138—139, westpreußi- scher 137—138, Gerste, Sommergerste 165-168, Hafer, märkischer 112—118, pommerscher 108—110, westpreußischer 106—108, Mais loko Berlin 169—171, Weizenmehl per 100 Kilogramm frei Berlin brutto inkl. Sack (feinste Marken über Notiz) 24—28,25, Roggenmehl per 100 Kilogramm frei Berlin, brutto inkl. Sack 23,25—26, Weizenkleie frei Berlin 7,80—8, Roggenkleie frei Berlin 7,60 bis 7,80, Raps 280, Leinsaat 450—400. Viktoria-Erbsen 38—40, kleine Speiseerbsen 20—24, Futtererbsen 16—17, Peluschken 14—15, Ackerbohnen 12—14 Wicken 15—16. Lupinen, blaue 14—16, Lupinen, gelbe 15—17, Seradella 16—18, Rapskuchen 11,50, Leinkuchen 25—26, Trockenschnitzel 8 20—8 30, vollw. Zuckerschnitzel 18 bis 22, Torfmelasse 30/70 8. Kartoffelflocken 18.
Heu und «trotz. Bericht der Preisnotierungskommission für Rauhfufter (nichtamtlich). Großhandelspreise pro 50 Kilogramm ab märkischer Station für den Berliner Markt (in Goldmark): drahtgepr. Roggen- und Weizenstroh 0,60—0,80, desgl. Haferstroh 0,50—0,70, desgl. GerstenstrM 0,50—0,65, Roggenlang- stroh 0,40—0,50, Vindfadengepr, Roggen- und Weizenstroh 0,40 bis 9,50, Häcksel 1,20—1,40, Handelsübl. Heu 1—1,10, gutes Heu 1,20—1,40.
Berliner Schlachtvieh ru.e-.rtt von- 9. Januar. Auftrieb: 1433 Binder 500 M en, 318 Ochsen. 615 Kühe und Für- fen. 1500 Kälber, 1763 Schafe, 6511 Schweine, 18 Ziegen, 719 Memelschweine. Verlauf: bei Rindern, Schafen und Schweinen ruhig. Preise: Ochsen: a) 48—50, b) 42—46, c) 35—40, d) —32. Bullen: a) 48—50. b) 42—c) 38—40. Kühe und Fersen: t) u. b) 42—50, c) 35—40, ch) 22-33, e) 24- 211 Fresser: 35—40. siälber: a) —,—. b) 85- - S c) 73-80 d) 50- 60, e) 30—40. Schafe: a) 48—53, b) 38-45, c) 2 3-30., Weste astschafe: a) . 0 —,—. Schweine: a) —,- b) 7, ■ ; ; H 70— 7" d) 65—70. i) 60—35. f) 65 58. Sauen: im —08. r b 7:n 25—15
Jan im M»»r. .Z ^
’Roman von Luise Westkirch. 1/1
2) (Nachdruck
Unwillkürlich glitt sein Blick seitwärts, gezogen von einem dunklen Instinkt, und begegnete dem Blick eines braunen Burschen, der abseits von den Spielenden stand wie er, eines Burschen mit fast schwarzen, tiefliegenden Augen, mit glattem dunklem Haar, mit hervortreten- den Backenknochen und allen Merkmalen der Tatern- leute, nur verfeinert, gemodelt durch die Kultur einer militärischen Erziehung. Er hatte als Gemeiner in der Schwadron gestanden, in der Jan als Unteroffizier diente, und war von dem Bauern vor sechs Wochen als Knecht mit heimgebracht worden auf dessen Vaterhof. $Vn einem langen Blick blieben die zwei Augenvaare ineinander haften, mit unruhigem Lauern die schwarzen, übermütig und schier ein wenig spöttisch die blauen. Dann sprang auch Jan Osmer hinaus in den Abendsonnenschein, der die Gestalten der Spielenden in langgezogenen Schatten über den Wiesengrund warf. Hilmers Latte hatte wieder einmal den Ball verfehlt. Mit der flachen Sand schlug ^an den ziellos hüpfenden Ball Anna Allmer zu. Die haschte ihn gewandt, schleuderte ihn zurück. störe Augen blitzten dabei.
»Jein verstehst Ball zu schlagen, Jan Osmer. Könntest Hilmer Povve das mal weisen."
„Mach dir kein' Umständ'." wehrte Hilmer steif. „Ich halt' dafür, daß ein' ein rechtschaffenen Menschen sein kann, auch wenn er Ball zu slagen nich versteht."
Er trat gekränkt aus dem Kreis. Anna zuckte die Achseln. Das Spiel ging weiter. Es gina flotter, seit Hilmers Ungeschicklichkeit nicht mehr störte. Mit unfehlbarer Sicherheit schlug Jan die Bälle, und die jungen Menschen sprangen, haschten, muchzten. Dumpf klang des Vorstehers Stimme durch die geschlossenen Fenster. Seine Tochter war der Ausgelassensten eine.
Nur ab und zu sah sie verstohlen zu dem grollenden Hilmer hinüber und blickte gleich wieder weg. Geschah ihm recht, wenn er nun einsam sich boste. Warum alich er
nicht, em wenig nur, dem anderen, der seine Glieder zu gebrauchen wußte und feine Zunge auch?
*
Jetzt quoll der Strom der Kolonisten aus der Jrei- tür. Die Tagung war zu Ende. Janfredrik Povve trat zu seinem ältesten Sohn, einem grobschlächtigen, sehr blonden Menschen.
„Die Landstraße kriegen wir nich. Wilm, Vorsteher Allmer is dagegen."
Jan Osmer, der in der Nähe stand, lachte. „Wie'n Pastor auf der Kanzel hat er geeifert. Direkt in'n Höl- lenpfuhl würden wir fahren auf der neuen Landstraße. Wie ich da nich mehr gegen an konnt', bin ich fortgelaufen zum Ballsviel."
„Was sagst da?" Anna sagte es, atemlos vor Zorn.
„Das is so," gestand er gelassen. „Ich muß immer lachen, wenn Menschen ihr Steckenpferd reiten. Dein' Vater sein Steckenpferd is die Tugendhaftigkeit. Schade, daß er nich ein paar hundert Jahre früher gelebt hat. Seitdem hat die Welt andere Sorgen."
„Vaööer is der klügste un der beste Mensch in'n gansen Moor!" rief Anna. „Da frag', wen du magst. Un' ich leiö's nich, haß ein wie du, der zehn Jahr lang von Haus fort war und kaum seine Nase wieder in die Kolonie steckt, sein Spott hat über ihn un sein Erfahrung! Verstehst? Ich leid' das nich!"
Pfeilgerade aufgereckt stand sie vor ihm, feindlich jeder Zug. Ihre Wanaen brannten, ihre Augen flammten vor Empörung. Er betrachtete sie stumm, ein halb verstecktes Lächeln um die Lippen.
„Schämen WO dich!"
„Jein siehst aus in dein' Zornigkeit, Anna Allmer."
Sie wandte ihm wortlos den Rücken, sah sich nach Hilmer um. Aber Povves waren fortgegangen.
Schwer und schwül lag die Pfinastnacht über Wever- damm. Kein Stern flimmerte. Hinter dichten Wolken verschwand die feine Mondsichel. Still in unbewegter Luft standen Binsen und Jlockengras um bleiern ruhende Tümpel. W^e mit verhaltenem Atem warteten die jungen Birken auf die Sonne. In tiefem Dunkel lagen die Gehöfte und bleiern war der Schlaf der müden Menschen. Denn die Pfinaittage unterbrachen mit kurzer Rast die mühseligen Wochen des Torfstechens, und was Bauern wie Knechte vom Jest als willkommenste Gabe ersehnten, war Schlaf, ausgiebiger, ungestörter Schlaf nach einer Reihe von siebzehn- bis zwanzigstündi- gen Arbeitstagen. Dennoch war um die Gehöfte, in denen lebfrische Dirnen auf die freier warteten, ein leises Streichen und Schleichen. Ihrer Ermüdung zum Trotz ließen iWS die Burschen nicht nehmen, in der Pfingstnacht der Liebsten den Maibaum vor die Tür zu pflanzen, die iunoc Büke, mit bunten Bändern geschmückt. Und die Dirnen lagen heimlich wach in den Wandbetten, horchten in Dunkel und Nacht ßmaus, ob der ersehnte Baum emoornWWW vor ihrem Fenster, ratend, wer ihn stiftete, oder bangend, daß die Rachsucht eines verschmähten Liebhabers mit dem Schimpf heimzahle, einen be-i schnittenen Baum zu pflanzen, behängen mit den Leibern von toten Hunden oder Kanen.
Auch Anna Allmer lag wachend und harrend. Zwar ihr Maibaum war ihr gewiß. Hilmer Povve vflanzte ihr den, seit sie aus der Schule gekommen war. Wahrscheinlich yflanzlen ihn ihr auch noch andere. Es mochte leicht ein kleiner Wald werden. Denn sie war das einzige überlebende Kind des Vorstehers, und es gab ein Wettrennen unter den jüngeren Söhnen in allen Kolonien im Teuselsmoor vm aus den Allmerhof einzuhei- raten. Aber Christoph Allmer hatte seiner Tochter Hilmer Povve zum Mann bestimmt, getreu feinem Grundsatz:
„Kauf Nachbars R'nd - frei Nachbars Kmö, _ Du weißt, wer Be de sind." - - -
• (JortleMna folgt.)
AmlilG KkkliUtMlllhNW
Hersfeld, den 7. Januar 1924.
An die Herren Büramrmetster des Kreises.
Die starken Schneefälle in den letzten Wochen lassen bei eintretendem Witterungsumschlag Hochwassergefahr befürchten.
Die Herren Bürgermeister der in Frage kommenden Gemeinden mache ich auf diese Gefahr aufmerksam, mit dem Ersuchen, geeignet erscheinende Vorkehrungen, die im eigenen Interesse der Anwohner liegen, zu treffen, damit Schadensfälle nach Möglichkeit vermieden werden; ferner sind die stark gefährdeten Anwohner auf die Gefahr noch besonders hinzuweisen. Holzvorräte und sonstige der Gefahr des Avtreibens leicht ausgesetzte Gegenstände sollten überall rasch gesichert werden. (I A l Nr. 150)
Der Landrat und Vorsitzende des Krersausschusses I. V.: Dr. Heimerich, Neg.-Ref
Hersfeld, den 4 Januar 1924
An die Herren Bürgermcifter dcs Kreises.
Am 7. November 1923 ist eine Verordnung des Slaatsministeriums über die Au'wertung von Ab- ; gaben und Vereinfachungen im Besteuerungsver fahren ergangen. Die Verordnung, die^n der Preuß Ges.- Sammlung Seite 501 veröffentlicht ist, findet Anwendung auf die Gebühren, Beiträge, direkte und indi-ckte Steuern der Gemeinden. Ich ersuche, sich mit den Bestimmungen der Verocduung eingehend vertraut zu machen, damit si bet üdnändigcu Abgaben sachgemäß und zum Vorteile der Gemeinde in Anwendung gebracht werden. Nötig ist vor allen Dingen auch eine ein ehende Instruktion der Ge- meindecechner.
Bet Zweifelsfragen ist zu be;schien, damit Auf- klärung erfolgen kann. . (I Ä 1 Nr 17)
Der Vorsitzende des Krcisansschnsses I. V. t Dr. Heim er ich, Reg.-Ref.
.^_____ ~. ,„ ,^. .,„a.^U0»,-„^M'»<.>.'«V''U«M^^ ■HI^W..^«J»«I>««IM-'.'>.W»M»»»WI|‘» ^Il^—n» Iivr ' *•
Aelaaktmachünsea der gladtdehördea.
RechtsWk««stsstelle
Rathaus, eine Treppe, am Dienstag und Freitag nachmittags 5 bis 6 Uhr.
Der Magistrat
Wir bieten an:
GchwefelfAmmoniak Reismehl 124,65 "䔓" “
Kalkstickstoff Thomasmehl Kali Kainit
Gesamkuchenmehl
(46,32 °/o Fett)
Weirenfuttermehl Wetzentleie Roggenkleie
In kürzester
Roggen und Weizenmehl
Rotklee, Luzerne, Gchwedenklee, Weißklee, Gelbtlee, Rev^ gras, Thumotee, Grassamen-Mischung für Wiesen, Leinsaat.
Männer-Rrbeitsstiefel (Doppelsohle und benagelt) Männer-Gportstiefel (Doppelsoble) Frauenhalbschuhe lRindleöer) Männer- und Frauen-HauSschuhe
Geschäftsstelle „Hessenlanö Hünfeld
Lager in Hünfeld, Eiterfeld, Burghaun, Neukirchen u
liefern wir alle Arten D ruckarbeit.en
für Industrie, Handel, Gewerbe, Behörden, Vereine und Private
Ludwig Funks Buchdruckerei
■ 8 ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■
3
■
■
Fernruf 8
Verlangen Gle VrelSan geböte!
Stühle werben zum Flechten angenommen
Untere Frauenstr. 30
Hinterhaus.
Gebrauchen Sie eine
* ^4 uCDräuciißn oic eine
m!elvMläae lhiiibü *# Brucimi
so wenden Sie sich vertrauensvoll an die
vorrätig in
Ludwig Funks Auchdrulkerei.
so wenden Sie sich vertrauensvoll an die
Hersfelder Kunstglieder-Industrie
Carl Tietz, Hersfeld.