Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
•thatet 9(mA«e. ••Beerbtes uni SmmrtMl. 9er Be)wM«ri< beträgt monatlich 1.50 Golbmart. / / XnieieeeiteK für die einspaltige Detitretle vier bete* Man« !• M«.. für amtliche und answärtise Xnieigen 15 Mo. Reklamezelle 30 Dfg. / / Druck u. Verlag von ßebwia Santa »uchbrnckerei in Versfel»,
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Nr. 154
Donnerstag den 27. Dezember
1923
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Wüßstdot.!, ist i***e|* »» l»»,,» werben.
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' Spannung im Osten.
, «u. ben Nachricht« *bw b« r»isch« England und Afghanlsta« entstandene N«mhkä| läßt sich kein Rares Bild bet Lage gewinnen, ben« st« find entwede« «nglisch ober "Mch vefärbt, «ab eckttHtf*« ^antafte ist auch nicht geeignet, d«, Wahrh«« emf b* ©ein» ,« Reifen. Unbestritten bisher nur di« Sr«or»«ug «nglisch« Offiziere durch Afghanen an der tndtsch^fghanisch«« »re^e und das darauf erfolgte Ultimatum aus London. Ab« auch di« Ermordung selber läßt die Erinnerung an eine entere Untat wach werden, der im Frühjahr dort eine englisch« Dame zum Opfer gefallen sein soll, während ihr« Locht« «g«dlich auf Anstiften bes Kmirs Aman-Ullah entführt würbe, Damal» wurde von feiten der afghanischen Koloni« in Berlin diese Meldung als Räubergeschichte und Handhabe für eine englische Jntrig« ^kennzeichnet, und scho« bemal» würbe von derselben Stelle als Zweck der Anzettelung die traditionell« Sucht England», sich Afghanistan einzuverleiben, angegeben. Man hat dann auch nichts mchr von diese» »»nfltäsftoff gehört, und bie Herren in Downing Street hab« bet offenbar aufgebauschten Grenzfall auf sich beruhen lasse» und auf einen neuen besseren -ewartet, von dem gesagt werte« tsnnie: dieser Mortimer hu» auch seh- gelegen.
-------^-Twmr^waManawt" e«MWirWi'>m»WU»|p für den Fall befürchtet, daß die Moskauer Sowjetregierung größeren Einfluß auf Afghanis^« gewinnen könnt«, bleibe dahingestellt. Augenscheinlich dünkt bes »nglisch«« Diplomatie der Zeitpunkt günsti g, eine alte Meinung mit Kabul zu begleichen. Warum? Da» wfertect einen tuwe« histor». scheu Rückblick.
Schon im 1& Jahrhundert satten bie Afghanen unter tatkräftigen Khanen erfolgreich, Vorstöße bis in» Penschab vorgenommen, im 19. vernieteten sie ein ganze, englisches Heer — „keiner kam zurück au» Afghanistan" schließt bie diese furchtbare Tragödie schildernd« Fontanesch« Ballade —- .«nb nur mühsam gelang es ben Snglänbetn nach vielen Kämpfen das streitbar« voll i« feine Lr«nzen zurückzu- drängen und sich allmählich bet Oberherrschaft zu bemächtigen, fe st« wiederum im »ertrage »en Ravalpindi am 18. August 8519 die Unabhängigkeit Afghanistan» anerkennen mußten. Das hat man in London nicht vergessen; bie alte Wund, schmerzt und verlangt nach Heilung. So ertlärt sich all« ßMchleiernden Beiwerk» entfiel bet da» Ultimatum.
Nichts hat inzwischen darauf |ingebeutet, daß Afghanistan kriegslustig etwa gegen Indien verflogen wollte. 6» ist auf einen modernen Krieg mit Fliegertruppen, Panzerwagen, kanks, Bombenflugzeugen, Giftgasen usw. nicht eingestellt, sondern hat nur bie nördlichen Zugangtweg« und bie Zugäng« von Indien über den Khaiber- und Botanpaß mit Festungswerken versehen, soll auch übet einige Deschütztürm« verfügen, aber seine auf 50—60 000 Mann geschätzt« reguläre Truppen- macht mit 400 Geschützen vermag nur einen Kleinkrieg, begünstigt durch die Natur de» Lande», zu führen, und in dieser ^ Jahreszeit kommen als sicherste Bundesgenossen bie Echne«. / fälle und Winterstürme in Betracht. Ob bie Regierung in Kabul von anderen Seiten Beistand zu erwarten hat, ist ungewiß. Nach dem 1921 in Moskau abgeschlossenen türkisch- afghanischen Verträge hat Afghanistan Anspruch auf bie Unterstützung der Türkei gegen bie'iSroberungs- und Ausnutzungspolitik* einet fremden Macht im Orient. Es liegt ein unanfechtbares Schutz- und Trutz- b ü n d n i s vor, nur ist es fraglich, ob die Angoraregierung den Kriegsgang wagen und bie gesamte orientalische Frag« Aufrollen will. Vertraglich ungebunden ist Sowjet-Rußland, vber er unterhält zu Afghanistan freundnachbarlich« B»- ziehungen und hat wie keine andere «uropätsch« Macht leb- Haftes Interesse an der Aufrechterhaltung d« Unabhängigkeit »es südöstlichen Grenzlandes. Auch haben die Bolschewisten ihre Fühler längst danach ausgeftredt und es aU Sprungbrett brach Indien angesehen. Di« bolschewistisch« Propaganda hat »nchrfach die englische Regierung beunruhigt und st, zu Pro- testen veranlaßt. Jetzt wird »o« Mo»?au verbreitet, das MItimatum habe von der afghanischen Regierung ben Abbruch BÖ« Beziehungen zu Rußland vwlangt, und ein £>wwnti von Kondsn ist nicht ausgeblkbo«, d« ein selche. Anst«»«« eine« verletzenden Herausforderung d« mckstschen Hegtet weg gleich«
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100 000 Sowjettruppen zusammengezogen sei. Als Antwov darauf sollen die Engländer an der afghanischen Grenz 74 Flugzeuge angesammelt haben. Man kann also auch um einer englisch.russischen Spannung reden, bö den Frieden im Osten gefährden und einen Weltkrieg ent zünden könnte, wenn nicht die englischen Wahlen die Kriegs- lust der Konservativen dämpfen würden. Baldwin arbeite! alte Reste auf und wird Bedenken tragen, eine kriegerisch« Politik zu inaugurieren, die von seinem Nachfolger bodi sofort zu den Akten gelegt werden würde. Das Ultimatum ist als eine «inschüchternde Grimasse gedacht uni wird sich vermutlich nach einigen Grenzplänkeleien und Schar, mützeln in Wohlgefallen auflösen, ohne damit auf die Er. reichung des Hauptziels zu verzichten. Die Unabhängigkeit Afghanistan, verträgt sich nach englischer Auffassung nicht mit der Sicherheit Indiens, und deshalb muß von Zeit zu Zeit der englische Standpunkt herausgestrichen werden, um den Russen zu zeigen, daß man auf dem Posten ist. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet verliert die Situation viel von ihrer Bedrohlichkeit und läßt erhoffen, daß di« Zwölf-Nächt« nicht durch Kriegslärm gestört werden.
Der belgische Kaufmann G y a U v k n sah, daß etwa zehn bis zwölf grüne Polizeibeamte sich an der Ecke der HunsrUck« straffe nach den: Hindenburgwall zu aufstellten, und daß auf dem Hindenburgwall starkes Feuer eröffnet wurde. Darrst zog die Schupo ihre Waffen und erwiderte das Feuer. Li« Zivilist, der vom Hindenburgwall mit erhobenen Händen auf Die Schupo zueilte, fiel, in den Hinterkopf g«< troffen, konnte also nichtvon derSchupo erscholl«« worden sein. Bevor die Schupo schoß, war schon einer be» ihrigen am Arm verwundet. Der Zeuge wurde zwei französischen Gendarmen gegenübergestellt, die bekundet haben, daß
troffen, konnte also nichtvon derSchupoer!
Oitnatiou-karte zu dem afghanische« Konflikt
Mohiftsiekung in Ind en?
Wie der Daily Mail aus Allahabad gemeldet wird, hat die britische Regierung die Bewachung sämtliche» Verkehrswege und Wasserstationr« durch besonder« Patrouillen, die aus Engländern und Hindu bestehen, besohlen. Diese Maßnahme wurde im Hinblick auf die Möglichkeit einer allgemeinen Alobilisa. t i o u ergriffe«.
JCV. Schachts Ernennung vollzogen.
. Sieform plän« bei der Reichrbank. h
Der Reichspräsident hat am Sonnabend, entsprechend dem Vorschlag des Reichsrats, den Währungskommissar und bisherigen Bankdirektor Dr. Schachtzum Reichsbankpräsidenten ernannt. Dr. Schacht behält seine Stellung als Reichswährungskommissar bei. Wie der „Lokal- Anzeiger" erfährt, scheint eine Reihe von Maßnahmen geplant zu sein, die auf eine Reform der inneren Verwaltung der Reichsbank abzielen. Danach soll die Geschäftsverteilung aus dem Direktorium in die Hände des Reichsbankpräsidenten gelegt werden und die Ernennung der Mitglieder des Direktoriums durch den Reichspräsidenten auf Vorschlag des Reichsbankpräsidenten erfolgen. Außerdem soll die im Beamtenabbaugesetz vorgesehene Altersgrenze auch auf die Mitglieder des Reichs- bankdirektoriums ausgedehnt werden. Da es sich hierbei um eine Aenderung des Autonomiegesetzes in ver- waltungstechnischer Hinsicht handelt, wird auch der B«ich,tag mit dieser Frage befaßt werden.
AusläKöe^MssageLr Lm Düsseldorfer Schupo-prozeß.
5n her letzten Verhandlung vor dem Französischen Kriegsgericht in Düsseldorf erklärte der holländische Kaufmann Feck», daß er Separatisten und einen Redner, der vom Auto aus sprach, mit einem Revolver in der Hand gesehen habe. Etwa 20 Separatisten sah er einen blauen P o l i z i st e n m i ß b i ? d e l n. Ein 9tan der Rheinlandswehr l)ab« auch dem Ze.c en eine Pistols ins Gesicht go-e^i
die Schupo zuerst schoß. Der Zeuge, der vom Fenster seiner Wohnung gerade den günstigsten Platz hatte, von dem di» Vorgänge überblickt werden konnten, erklärte auch den Gen« barmen gegenüber ganz bestimmt, daß die Vorgänge sich su zutrugen, wie er sie schilderte. Er habe durchaus kein« S y m p a t h i en f ü r die Deutschen, er sei Belgien « könne aber nicht anders aussagen.
In der Nachmittagssitzung sagt der Polizeibsamt» Orß- mann aus, er sei von einem Separatisten mit weißer Arn» binde und Revolver angehalten worden. Als eine Ablösung von drei Polizeibeamten kam, fielen sofort Schüsse. Di» Ab» lösung wurde von den Separatisten Überfällen und pH Gummiknüppeln oder Stöcken geschlagen.
Nach PWlchMNg weiterer Zeugeg KyM
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^ Hoesch bei poincarS.
Die Konferenz am heiligen Ab«n
Nachdem bte notwendigen Instruktionen süs M» neue deutsche Demarche bei der französischen Regierung im Verlaufe des Sonnabendabends vollständig eiw gegangen waren, hat der deutsche Geschäftsträger Nv« Hoesch PoincarS um eine Zusammenkunft ersuch«« lassen. Diese ist am heiligen Abend im Lauf« des Nachmittags erfolgt. Der Besu
fennzosttchen M«
es Herrn vo
Fortsetzung der bereits vor etwa einer Woche begonno- nen Aktion der deutschen Regierung zur Wiederaufnahme der direkten Besprechungen zwischen Berlin «nt Paris dar, andernteils den eigentlichen Beginn der sachlichen Auseinandersetzungen übe» die Rhein- und Ruhrsrage, nachdem der erste Schritt erst eine Fühlungnahme über die Möglichkeit «ine« solchen Aussprache bedeutet hatte.
Zu dem neuen Besuch des Herrn v. Hoesch verlautet noch an unterrichteter Stelle: „In Berliner politischen Kreisen ha» man auf Grund der Betrachtungen, die über diesen Gegen- tanb in der französischen Presse erschienen sind, den Ein« )ru(f, als ob die französische Regierung beabsichtige, die deut« chen Anregungen zwar entgegenzunehinen, dann aber bie Herren Dsgoütte, Tirard und F r a n tz e n als eigentliche Verhandlungsinstanzen dazwischen zu schieben. Auf« fallenderweise legen die Franzosen beträchtlichen Wert nur auf die V e r l ä n g e r u n g der M! c u m > V e r t r ä g «. Gerade in diesem Punkte müssen jedoch die Schwierigkeit«» und Bedenken, die schon vor einiger Zeit von Berliner untw- richteten Stellen hervorgehoben wurden, erneut unterstriche« werden. Es ist bekanntlich zweifelhaft, ob die Micum-Veo- träge bis zu ihrem Ablauf, dem 15. April, überhaupt durch- gehalten werden können. Jedenfalls ist diese Frage vo« de» Frage der Kreditgewährung in stärkstem Maß,
Frage der Kreditgewährung abhängig, und da für die rheinischen Industriellen in erst»» Linie als Kreditgeber nur die Rentenbankin Betracht komnien kann (besonders, da die ausländisch«» Kredit- quellen versiegen), so ist hier ein Moment vorhanden, »»ich« erhöhte politische Bedeutung insofern gewinnen kann, ab» st» Rentenmark-Kredit für die Durchführung der Micum-B«»» träge selbstverständlich nur dann in Frag« kommen Kuate, wenn das Rente nbank-Ge setz auch für b«s besetzte Rheinland Geltung gewimU. Die Frm» zosen würden also genötigt sein, ihre Widerstände gegen Me Zulassung der Rentenmark und auch gegen bie Hu»6<$«mm _ hypothekarischen Rentenbasis auf das Ahetuttud ^«rück- zustellen. Inwieweit diese Fragen durch die fest wieset ie Paris angebahnten Besprechungen geklärt v«rdD» kryttzt» Mlß gbgeMrtet Wrden." .
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Ssuifchlanö und die Wirren in Merlk».
Der Generalkonsul von Mexiko, Herr Enrique Stetem, Vertreter der konstitutionellen Regierung des Präsident« Obregon in Hamburg, gibt bekannt, daß er provisorisch tw Hotel Fürst Bismarck das mexikanische Generalkonsulat tr» stalliert hat und daß nur seine Untirschriftin vrm - der Regierung anerkannt werden. Der genannte Konsulat» Vertreter macht das Publikum darauf aufmerksam, daß bis deutsche Regierung mit der Regierung desGenerai» Obregon in Verbindung steht und er mürbe es daher m» einen hostilen Akt gegen seine Regierung ansehen, sich »E Bureaus oder Personen in Verbindung zu setzen, welch« ach als Rebellen erklärt haben, wie die, welch« sich im ftww* an der Alster 65 befinden. Man bestätigt ben JrrttreffttE bie vor 14 Tagen gegebene Nachricht, daß bw Hafen W^ Peracruz für ben Seediemst geschlossen ist »»b M « W