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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Der Berugsprels beträgt monatlich 1.50 Golbmart. / / Anreigeanrei« für die einspaltige Detitreile oder deren Raum 10 Dsa . für amtliche und auswärtige Anreisen 15 Via. Reklamereile 30 Pfg. / / Druck u. Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld,

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Nr. 150

Dienstag den 18. Dezember

1053

ÄM

hat der R e i e s Ö ® n Derl-ner Presse gehaltenen Red, hat der Reichskanzler einen ernsten Appell an der Opfersinn des deutschen Volkes gerichtet.

des 7^ '"seiner Antwort auf den Schritt des deutschen Geschäftsträgers, Frankreich sei im Rahmen des Friedensvertrages zu Verhandlungen bereit fordere ledoch d,e Wiederaufnahme der M i l i r k o n tr o l l e

Reichsregierung hat die Reparations- b -f V "" ucht, den von Deutschland benötigten aus- ländlichen Lebens Mittelkrediten den Vorrana vor den Reparationsverpflichtungen einzuräumen.

Aufruf zum Opfermut.

Reden des Reichskanzlers und des Außenministers.

Am Sonntag hat auf einem Empfang des Vereins Ber­liner Presse Reichskanzler Dr. Marx eine ernste Rede ge­halten, in der er u. a. folgendes ausführte:

Wir haben Wochen vor uns, die vielleicht schlimmere Anforderungen an die Charakterfestigkeit des gesamten deutschen Volkes und aller seiner Schichten stellen werden als manche Episode der verflossenen Kriegs- zeit. Schwere Opfer äußerster Art müssen gebracht werden. Geradezu heldenhafte Opfer werden von uns allen verlangt werden, von allen Schichten der Vevöl- kerung.

Die Regierung ist entschlossen, ihre Pflicht b i s zum äussersten zu tun, dem Herzen möglichst wenig die Entscheidung zu gestatten, sondern nur den Folgerungen des klare«, logischen Denkens nach, zugeben, damit alles das geschieht, was not- wendig ist, um das Aeusserste von uns abzuwenden.

Wir erwarten von dem deutschen Volke, dass dieses Vorgehen der Regierung verstanden wird und Widerhall bei jedem einzelnen findet. Wenn wir müssen wir jetzt Opfer bringe« bis zur äussersten Grenze.

Darauf nahm

Außenminister Dr. Siressmsnn

das Wort. Er erklärte u. a.: Die Aufgabe des passiven Widerstandes, die das seelisch Schwerste für die Bevölkerung dargestellt hat, hat bei den Gegnern nicht zum Abbruch des Kampfes geführt und auch nicht zum Anbruch internationaler Verhandlungen.

Die Demarche der deutschen Regierung bei denS französischen Ministerpräsidenten hat zu dem Ein- wand geführt, der passive Wider stand sei immer noch nicht beendet, da die Militär­kontrolle in Deutschland noch nicht wie­der eingeführt sei. (Starke Bewegung.)

Daß die deutsche Abrüstung durchgeführt worden ist, wie noch nie bei irgendeinem Volke, daß wir uns weniger wehren können, als manches kleine Volk, das steht so fest für jeden, der sehen will, daß wirklich an dieser Tatsache kein Zweifel erlaubt ist. Wenn eingewendet wird, für die Kontroll­kommission sei nicht genügende Sicherheit infolge der Erregung des Volkes gegeben, so muß ich nach Pflicht und Gewissen ant­worten: Jawohl, die Erregung ist so groß, daß wir die Ver­antwortung für Leben und Sicherheit derjenigen, die me Kontrolle vornehmen, heute nicht übernehmen können. In diesM Tggen werden

zwei internationale Kommissionen

zusammentreten, von denen die eine die deutsche Leistungs­fähigkeit prüfen soll. Ich kann im Einverständnis mit dem Reichsfinanzminister erklären, daß unsere Bücher vMkommen, offen liegen und wir kein Geheimnis in finanzieller BEhung haben. Diese Kommission kann unserer Unterstützung sicher |em.

Das gilt auch für die zweite Kommission, d,e gebildet worden ist und die sich mit der Frage der Kapitalflucht aus Deutschland beschäftigen soll. Die Banken mögen ihr Kontengeheimnis aufgeben, denn wenn das deutsche Volk hier Rot leidet, ar,! und hungert, so darf keine Rücksicht genommenj werden auf solch e Elend en, die ihr Vermögen ,ns

Ausland gebracht haben, um sich von der Rot gemeinschaft des deutsche» Volkes zi trennen. (Starker Beifall.)

wdes

Unsere Mitarbeit stellen wir zur Verfügung Das beste Mittel aber für die weitere Zukunft ist, daß nicht nur das entflohene Kapital, sondern auch frei.. Kapital nach Deutschland gebracht wird, um unsere Wirts'

__________,__...........irtschaft in Gang zu^ bringen, das ist die Sicherheit des Friedens, der Ruhe und der Entwicklung.

Frankreichs Antwort an Deutschland.

Die Antwort der französischen Regierung auf die Demarche des deutschen Geschäftsträgers vom Sonnabend ist Sonntag abend überreicht worden. _ < .

Nach der Agentur H a v a s stellt Ministerpräsident

P o i n c a r 4 darin nochmals fest, daß er jetzt, nachdem der passive Widerstand eingestellt zu sein scheine, jederzeit geneigt sei, sich mit dem offiziellen Vertreter der deut­schen Regierung über alle Fragen zu besprechen, mit denen diese ihn zu befassen wünsche. Was die Fragen. anlange, die auch die übrigen Alliierten interessierten, so behalte sich die französische Regierung das Recht vor, sich mit den Alliierten zu verständigen, bevor sie eine Antwort erteile. Was die Reparationen betreffe, so werde die französische Regierung, wie sie bereits häufig erklärt habe, weder die durch den Friedensvertrag eingesetzte Kommission ihrer Kompetenzen entkleiden, noch irgendeiner Regelung zuzustimmen sich bereit finden, die nicht streng dem Friedensvertrag entspreche.

In der Rhein- und Ruhrfrage habe die fran­zösische Regierung an der von ihr auseinandergesetzten Auf- fassung nichts zu ändern. Sie könne sich nicht dazu be­reit finden, die französisch-belgischen B e s e t - ;un g s b e h ö r d e n im Ruhrgebiet oder die interalliierte Oberkommisson im übrigen besetzten Gebiet ihrer Kom­petenzen zu entkleiden. Was

die Festsetzung 5 modus vivendi im Ruhrgebiet oder im altbesetzte, grinland anlange, so sei der französische Ministerpräsident durchaus geneigt, die V r s ch l ä g e der Berliner Regierung anzuhören und sie ge- gebenenfalls gleichzeitig mit seiner Stellungnahme dazu den zuständigen Behörden mitzuteilen. Er wäre namentlich bereit - zu allen Unterhandlungen be iiglich der Abmachungen mit ; den Industriellen, der Wiederherstellung des Wirtschaftslebens ' znd bezüglich der Verwaltungsfragen. Voraussetzung sei dabei, daß die französische Regierung ihr unbedingtes Recht wahre, die Rückkehr ausgewiesener Per­sonen nach Prüfung der E-. nzelfülle zuzulassen.

.......Poinears erklärt zum ^ Antwort, daß die

U nte r aKlii erte Mi l i ta ^' . t ro l l k o in m: jj s ihre regelmäßige Tätigkeit ) nicht hätte auf- Ur e h m e n können, und daß dementsprechend Deutschland .nicht behaupten könne, daß es den Friedensvertrag loyal ausführe.

In Derf n noch v°chl emoetroffen.

Die wichtigste politische Frage des Tages, die Folgen b e g deutjlhen Schrittes bei Poincare, ist ge­genwärtig noch in einem Stadium, das eine Stellungnahme /noch nicht zuläßt. Die von Poincare dem deutschen Ge- ' schäftsträger zugesagte schriftliche Erwiderung auf dw schrrft- !lichen Darlegungen des Herrn von Hosch war b,s Mon­tag mittag noch nicht bei den amtlichen Ber- l in er S t e l l e n e i n g e tr o ff e n. Man weiß in Berlin noch nicht, ob Herr von Hösch diese schriftliche Erwiderung .überhaupt schon erhalten hat, wie ein Havasbericht zu mel- / den wußte. Es versteht sich von leibst, daß em« sachliche : Beratung der Reichsregierung über diesen Schritt in Paris und die daraus resultierenden Folgerungen erst dann möglich ist, wenn der authentische Text der Antwort Poincares vorlicgt. Vorher haben die verschiedenen - Kommentare im wesentlichen hypothetischen Wert.

Vsrmi^ .

Den» Brüsk das belgische unverzüglich

belgischen Auhriruppen.

Berichterstatter zufolge sol : ngent im Nuhrgcbie c r m i n b c r t werden. Die Kon trolle des besetzten Gebietes aus dem rechten Rheinufei werde e i« e m e i n z i g e n B e f e h l unterstellt werde, mit den, Hauptquartier in Duisburg. Die belgische R« gierung Prüfe die deutschen Vorschläge i Wohlwollen d e m 65 eilte und werde versuchen, s zu handeln, dass die Tür für Verhandlungen osfe:

bleibe.

Vorstellungen der evangelischen Kirche belOr^outtl

Der Generalsuperintendent der Rheinprovinz v. K l i n aemann, der Präsident des Evangelischen Konsistoriums Frhr. v. d. Goltz und der Präsident der Rheinischen Pro. vinzialsynode v. Wolff sind am 12 Dezember bei der Im teralliierten Rheinlandkommission und am 14. Dezember bei dem Kommandierenden General Degoutte wegen Frei las- sunq der politischen Gefangenen, wegen Zurück­nahme der Ausweisungen und wegen Freigabe der beschlag- nahmten Pfarr- und Gemeindehäuser vorstellig geworden. Der Empfang, der den Vertretern der evangelischen Kirche der Rheinprovinz zuteil wurde, läßt der Hofftlung Raum, daß die Erfüllung der vorgetragenen Wünsche in Erwägung gezogen werden wird.

Die Priorität der LebenSmittelkredite.

Die deutsche Kriegslastenkommission m Paris hat eine Not« der Reichsregifrung überreicht,, durch die W

N e p a r a t i o n s k o m m i s s to n ersucht wird, eine gvunv- ätzliche Erklärung in der Richtung abzugeben, daß für enu« ür den Ankauf von Brotgetreide und Fett ta timmten dreijährigen Kredit m Hohe lns zu 70 Millionen Dollar gemäß Art. 251 des Vertrages d« Vorrang vor den Reparationsverpflichtungen «ngeraumt wird. Die deutsche Regierung bittet im Hinblick auf die $iW li.^eit um eine Beschleunigung der Entscheidung.

Notmaßnahmen in der ^echtspfleg».

Ruhen aller Priva tklagen.

Ueber einschneidende, durch die Zahlungsschwicrigkeikt« des Reiches notwendig gewordene Maßnahmen zu« Verbilligung der Rechtspflege äußerte sich stizminister Emminger zu einem Vertreter der kurzer Postzeitung" wie folgt:

Eine Verordnung zur Vereinfachung der Straft«cht» pflege auf Grund des Ermächfigungsgesetzes wird einen «- ganischen Abbau ohne grundstiirzende Aenderungen herbei- führen und vielen Leerlauf und viele kostspieligen Umständ­lichkeiten beseitigen. Aber diese Verordnung wird P^ erst am 1, April 1024 in Kraft treten sönnen. Dambsn aber sind , ^hmen radikalster Art

als UebergangsmagnaymeN bis zum 1. April 1»?' 'j°^^^ Ich bin feit vielen Jahreii, sagte der Minister ur starke« Beteiligung des ßaienelements an der Rechtspflege emg» treten und empfinde es als bitteres Schicksal, 'Nit chuancht auf die Unn,öglichkeit die Kosten fur 6 JÖffe« Und Geschworene aufzutreiben auf deren Wirkung vorübergehend ganz z u verzichte

ich vor die Wahl gestellt bin, eiitweder die ganze Strasrecht^ pflege in wenigen Wochen überhaupt strügelegt zu seh«« oder sie einstweilen nur mit Berufrrichtern durch. dies, Uebergangszeit hindurchzuführen, so bring,- ich den Mut ajlf, auf eine allerdings nur kurz bemessene Zeit auf « Wirkung von Laien bei der Strafrechtspflege zu verzuhtW. Di« Reichsregierung ist

einstimmig dieser Auffassung beigetret««.

Weiter kommen unter anderem in Betracht das Ruh«» kung inm Rechtsmitteln, kurz ~ e nur in tat äußersten Rot ertragen werden fön nett, die aber dem gan­gen deutschen Volke, namentlich auch der fd)werleibenbe* Beamtenschaft, anschaulich zeigen, wie ernst, wenn auch hoffnungslos, unsere Finanzlage ist.

Generalsdiktatur oder Große Koalition k

j! Die Kabinettsbildung in Polen.

Aus Warschau wird gemeldet: Der vom EtaatspräsidM- ien mit der Kabinettsbildung betraute Führer der radikalen Volkspartei, T h u g u t t, plant die Berufung von Marschall P i l s u d s k i und General S i k o r s k i als Kabinettsmit- glieder, die Durchführung einer neuen Wahlordmatron und neuer Sejmwahlen sowie Finanzreform im radikalen Sim. Demgegenüber schlägt die christliche DemokrafielKorfanty) die Bildung einer großen Koalition vor, die mit

Spitze sämtliche Parteien von der äußerste,: RechtM^ bis zur Sozialdeinokratie umfassen sollte.

Ende der Scharnhorster Zugkontrolle. In den nächste« Lagen wird die Kontrolle der P e r s o n « n, ü g « in Scharnhorst und Brackel ihr Ende nehmen. Die Kontrolle wird dann auf dem Hauptbahnhof Dortmund und auf dem Bahnhof Dortmund-Süd stattfinden. Dadurch kommt oft stundenlange Aufenthalt auf der Fahrt in das unbeietzt« Deutschland und ins Ruhrgebiet in Wegfall, und die Zu-e Iverden wieder fahrplanmäßig verkehren.

Autounfall Elsmenceaus. Aus Paris wird gemeldet: Llsinenceau wurde am Sonntag bei einem Zusammenstoß seines Autos mit einem anderen Kraftwagen in der Nähe von Ef. Germain verletzt. Er konnte aber nach seiner Woh^Wt, jurückkehren. Sein Zustand ist nicht ernst.

Das Ende des Achiflun-eniages. Ärehrleistunsoabkommen in Stahlindustrie *** Bergbau.

1 Wt« bereits kurz «emeldst, ist eS durch da» «i» areij«« daS ReichsarbeitSministerS gelungen, i« Kv Eife». «nd Stahlindustrie deS Ruh»- g«SieteS eine Verständigung über die Arbeitszeit herbeizuführe«, nach der die Schwerarbeiter 54 Stunden i« der Woche arbeite«, für alle übrigen Arbeiter die Wochenarbeitszeit aber auf 5» Stunden festgesetzt wird. Ein ähnliches Mehrleistungsabkommen ist auch i« Äergba« getroffen worden.

Insbesondere liegt noch die Mitteilung vor, daß du Arbeitnchmev- und Arbeitgeberverbände im oberschlesischen, niederschlesischen, sächsischen und Ibbenbürener Steinkohlen-