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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Der Derugspreis beträgt für ^ September 300 000. Mt., für Abholer 280000. Mk / / Anzeigenpreis für die einspaltige Detitzeile oder deren Raum 5 Mg., Reklamereile 15 Dkg. mal Zeitungsanreigenschlüssel für Mittelbentschlanb (die Hälfte des amtl. Großhandels Index). / / Druck a. Verlas von Ludwig Funks Bach- druckerei in Hersfeld. Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungö-Derleger. / / Für Sie Gchrifüeituaa verantwortlich Frau, Funk in Hersfeld. / / Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 109

Donnerstag, den 13. September

1923

Das Wichtigste.

In einer amtlichen Bekanntmachung wird darauf hinge- wiefen, daß die P a p i e r m a r k a l, Zahlungsmittel be- stehen tleiben soll.

Infolge eine« im Landtage erhaltenen Mißtrauens­votum« ist die thüringische Regierung zurück­getreten.

Die Anmeldung der Edelmetalle muß bi, zum 21. d. M. erfolgt sein.

Gewitterschwüle.

«ou unserem Berliner politischen Mitarbeiter.

Berlin, den 12. September.

5n parlamentarischen Kreisen sowohl als in der Welt der Wirtschaft und der Finanzen herrscht seit einigen Tagen eine kaum mehr erträgliche Gewitterschwüle. Gerüchte über Verständigungsversuche der Reichsregierung wachsen wie Brombeeren in den Spalten aller Zeitungen. Die Ungewiß­heit über die Art, wie die zusammengebrochene deutsche Wäh­rung gesundgemacht werden kann, wird durch einander wi­dersprechende Nachrichten über den Kamps zwischen den vier zur Beratung stehenden Plänen innerhalb der Ausschüsse der parlamentarischen Körperschaften und des Reichskabinetts von Tag zu Tag gesteigert. Nur eins läßt sich, da die In­flation immer riesenhaftere, kaum noch vorstellbare Dimen­sionen annimmt, mit einiger Sicherheit voraussatzen, daß der Dollar und mit ihm alle Preise ins Mär­chenhafte steigen. .

Es ist erklärlich, daß die Regierung wenigstens den V er - such machen will, die Stickluft der politischen Atmosphäre von diesen atembeklemmenden Dünsten zu reinigen. Der Reichskanzler will deshalb heute abend eine neue große po­litische Rede halten. Aber schon ihre Ankündigung hat zu neuen Gerüchten über ihren Inhalt Veranlassung gegeben, ^Äpj.y^^ mußten»'------

Es wird abzuwarten sein, was Herr Dr. Stresemann sagen wird, ehe man sich ein Urteil über das erlaubt, was die Regierung während der letzten Wochen auf dem Gebiet der äußeren Politik, die ja vom deutschen Standpunkt aus ganz und gar von dem Kampf im Ruhrgebiet beherrscht wird, und auf dem Gebiete der Wirtschafts- und Finanzpolitik, das mit jenem in nie unterbrochener Wechselwirkung steht, unter­nommen hat. Aber schon jetzt kann man mit einiger Sicher- Heit feststellen, daß der deutsche Reichskanzler Fühlung mit den offiziellen Vertretern der beiden Besatzungsmächte genommen hat, und daß diese Fühlung nicht, wie die Regierung Eun o s es als uner­läßliche Bedingung bezeichnet hat, von der Räu­mung des Ruhrgebietes ausgegangen ist, son­dern von der Lösung der Reparationsfrage. Ne­ben den in Berlin sowohl mit den Botschaftern Belgiens und Frankreichs von Abgesandten des Reichskanzlers eingeleiteten Erörterungen haben Gespräche zwischen den einschlägigen Mi­nistern und dem Vorsitzenden der Garantiekommission statt- gefunden, die von diesem für so wichtig gehalten wurden, daß er zur Berichterstatung nach Paris reiste.

Man hat augenscheinlich gehofft, zunächst durch inoffi­zielle Verhandlungen in Brüssel und Paris den Glauben zu erwecken, daß das Ministerium Stresemann in der Lage ist, durch neue Vorschläge die Reparationsfrage zu lösen. Der Widerhall, den diese Versuche in Paris gefunden haben, ist nicht dazu angetan, den Glauben an die Möglich­keit ihres Erfolges zu erwecken. Denn nach wie vor er­klären die Organe der öffentlichen Meinung in Uebereinstim- mung mit den leitenden Staatsmännern Frankreichs, daß man sich in Paris und in Brüssel nicht dar. über äußern werde, ob die Vorschläge der deutschen Regierung annehmbar sind oder nicht, bevor das Rei chskabinett nicht durch «ine öffentliche Kundgebung und durch die Aufhebung ihrer für das Ruhrgebiet erlas­senen Verordnungen zur Aufgabe des pas­siven Wider standes aufgefordert habe. Aber damit nicht genug. Herr Poincare erklärt auf das bestimm­teste, daß die Besatzungstruppen das Ruhrgebiet auch dann nicht räumen werden, wenn der passive Widerstand auf ge­geben worden ist, und daß Deutschland nicht das Recht habe, für seine Waffen streckung irgendwelche Zusagen zu verlangen.

Diese Erklärungen scheinen während der letzten vierund­zwanzig Stunden den mit der Verhandlung betrauten Ver­tretern der deutschen Regierung mit solcher Entschiedenheit gemacht worden zu sein, daß Herr 0r. Stresemann sich von der Fortsetzung der Unterhaltung keinen Nutzen mehr verspricht. Denn es ist klar, daß nur ein Mann mit erstaunlich kurzem Gedächtnis sich den Bedingungen fi^en kann, von denen Herr Poincar« nicht ein

Iota opfern zu wollen erklärt. Im Vertrauen auf das Ver­sprechen, daß der Frieden auf Grund der 14 Punkte des Prä- sidenten Wilson geschlossen werden würde, hat Deutschland vor fünf Jahren die Waffen gestreckt und erfahren müssen, daß dies Versprechen schmählich gebrochen worden i st. Wie kann man denselben Mächten, die uns da- mals in so unerhörter Weise betrogen haben, glauben, daß uns aus der Aufgabe des passiven Widerstandes irgendein Vorteil erwachsen wird, daß nicht vielmehr diese Auslieferung der einzigen uns noch gebliebenen Waffe ebenso wie die Waffenstreckung im November 1918, weit entfernt, eine Erleichterung herbeizuführen, das Schicksal des Deutschen Reiches besiegeln wird.

Herr Dr. Stresemann, der aus dem Nährboden der deut­schen Wirtschaft zur Macht emporgestiegen ist, kann unmöglich über den Vertrag von Versailles hinausgehende Versprechun­gen machen, ein Drittel des Besitzes sämtlicher deutschen Aktiengesellschaften an die Reparationskommission ausliefern, wie es ursprünglich nach Verlautbarungen aus sehr gut ein­geweihten Kreisen seine Absicht war, wenn er nicht eine über jeden Verdacht erhabene Bürgschaft dafür besitzt, daß der einzige Zweck dieses ungeheuren Opfers von gar nicht abzu- sehenden Folgen, nämlich die endgültige Befreiung des Ruhrgebietes und die rück­haltlose Widerher stellung der deutschen Handelsfreiheit, erreicht wird.

Diese Bürgschaft aber wird er nicht erhalten. Denn die dreißig Prozent der deutschen Aktiengesellschaften machen trotz der papiernen Milliardenwerte auf dem Kurszetel noch nicht zwei Prozent der Summe aus, die wir nach dem noch immer zu Recht bestehenden Londoner Zahlungsplan zu entrichten haben, und Herr Poincare will Deutschland die Freiheit nicht geben, bevor diese Summe be­zahlt ist.

An dieser klaren und unbestreitbaren Tatsache kann auch die zu erw artend

was sie auch enthalten möge. Und es wird" deshalb vor ihr wie nach ihr unklar bleiben, wie die Befreiung des Ruhr­gebietes erreicht und die Reparationsfrage gelöst werden soll.

Dagegen kann und wird in den nächsten Tagen höchst­wahrscheinlich die von uns selbst abhängende Lösung der Währungsfrage auf die eine oder andere Weise herbei­geführt werden. Und das wäre, abgesehen davon, daß diese Lösung nötig ist, um die Restbestände unserer Wirtschaft und die Bevölkerung vor vollkommener Verelendung zu retten, auch deshalb ein gewaltiger Fortschritt, weil sie gleichzeitig die Vorbedingung für die Möglichkeit der Fortsetzung des K a m f e s um unsere politische Freiheit ist. Mg.

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Wertbeständige

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U M bei Seuischen Reiches.

ZeiKnung-vrei» 100% bei W SEneimaüIumen 95% V S« kleinste Stück 1 Sonor. Seichmnaen können bei der Reich«- dank und bei den im Proibekk anae- «ebenen Siesten sowie bei diesen durch Bermittlnng sämtlicher Sanken, _ Lautier«, SUarkaifm und Kredit- «enostenschaften bewirkt

Siegeszuversicht in Paris.

Wir im Herbst 1918".

DerPetit Parisien" stellt fest, daß man sich täuschen werde, wenn man annehme, die Initiative des deutschen Kanz­lers bedeute bereits den Wunsch, die Ruhrbesetzung bedingungslos hinzunehmen. Im Gegenteil scheine es das Ziel Stresemanns zu sein, auf den vassiven

Widerstand nur gegen gewisse Gegenleistun­gen zu verzichten. Frankreich und Belgien hätten hingegen erklärt, der passive Wider st and müsse vor jeder Verhandlung a u f h ö r e n.

Die gleiche Auffassung tritt in einem Artikel von Pertinax imEcho de Paris" hervor. Es verstehe sich von selbst, daß die Verhandlungen nicht fortgesetzt werden können, solange der passive Widerstand noch andauert. Die Ereignisse von heute gleichen denen im September und Oktober des Jahres 1918. Auch damals zögerte Deutschland die Waffenstillstandsverhandlungen übermäßig lange hinaus, bis schließlich alles im revolutionären Chaos verschwand. Die französische Politik, die am 11. Januar eingeleitet fei, stehe unmittelbar vor einem Triumph. Pertinax hofft, daß die französische Regierung in der Lage sein werde, alle Vorteile aus dieser Politik zu ziehen und keine unprodtlk- live Lösung der Reparationsfrage ins Auge fasse.

Fieverhafie Spannung in Brüffel.

<!lug Brüssel wird gemeldet: Obwohl im hiesigen Aus- wärtigen Amt bis jetzt nichts über eine neue Note Strese- manns bekannt ist, hat sich den hiesigen Kreisen eine fieberhafte Stimmung bemächtigt. Besonders in den finanziellen, aber auch in politischen Kreisen hörte man gestern von der u n - erwarteten W e n d u n g, welche durch die offiziösen Ver- Handlungen zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien hervorgerufen worden sei. An der Börse ft i e g der Kurs des belgischen Franke n in unerwarteter Weise. Man behauptet, daß das Eintreffen einer deutschen Note nur noch eine Fr a ge v o n St u n d e n (!) sei. Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches k ö n n e n i ch t m e h r verhindert werden (!), aber Frankreich und Belgien hätten nichts zu verlieren. Die nationalistischen Soitunpen wollen im Aus­wärtigen Amt noch erfahrest hoben, d ß Stresemann am Sonn­abend bei seinen Besprechungen mit dem französischen und belgischen Botschafter den Wunsch ausgesprochen habe, zu einer Einigung zu gelangen. Man habe Stresemann auf­gefordert, ein neues Angebot zu machen, was auch geschehen werde, r-vy-VfTv

Ernie-Raub. .

Die Franzosen beschlagnahme« ganze Kartoffel - Becker.

In einer Anzahl von Gemeinden im Rheingau find die Franzosen jetzt dazu übergegangen, die Karto-f. feläcker mit der ganzen Ernte zu beschlag­nahmen. Die Kartoffeln sollen zur Ernährung der Truppen dienen.

Aus Gelsenkirchen wird gemeldet: Me Franzosen starteten Dienstag mittag der städtischen Hauptkaste ihren all- wöchentlichen Besuch ab. Mit v o r geh a l ten en Re- o o l v e r n nahmen sie die Kassenbestände fort, wobei ihnen nicht weniger als 41,9 Milliarden Mark in die pänbe fielen. Am gleichen Tage erschien auch in Buer eine Abteilung Belgier auf dem Rathaus und besetzte die Stadt­kaste. Alles vorhandene Geld, etwa 6 0 b i s 7 0 Milli­arden, wurde toeggenommen. Die auf die Auszahlung des Geldes wartenden Erwerbslosen wurden aus dem Rat- Haus vertrieben.

Vor kurzem ist der evangelische Pfarrer Zander, der älteste Geistliche Essens, im unbesetzten Gebiet gestorben. Seine Leiche wurde nach Essen übergeführt. Der Sattin des Verstorbenen wurde von den Franzosen aber das Betre­ten des besetzten Gebietes nicht gestattet. Sie durfte die Leiche nur bis an die Grenze des be­setzten GebieHs begleiten.

An einem der letzten Abende wurden auf dem Wege von Buer nach Kassel eine 25jährige Bürobeamtin und eine 16- jährige Klavierspielerin von einem belgischen Feldwebel und einem belgischen Soldaten überfallen und verge­waltigt. Die beiden Soldaten konnten festgestellt und verhaftet werden.

Die Verordnung über die Anmelde­pflicht der Edelmetalle.

Die Verordnung über die Anmeldepflicht für Edel­metalle, die wir inhaltlich bereits mitteilten, liegt nunmehr im W o r t l a u t vor. Wir geben die wichtigsten Paragraphen im folgenden wieder:

Der Eigentümer von Edelmetallen und deren Legierungen hat die am 12. September 1923, vormittags 8 Uhr

a) im eigenen Gewahrsam,

b) in fremdem Gewahrsam (auch auf dem Transport) befindlichen oder bei ihm unter Zollverschluß gehaltenen Be- J stände nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen b i s z u m 21. September 1923 anzumelden.

§ 2. I

Der Anmeldepflicht unterliegen alle Edelmetall« (Silber, Gold, Plafin und Platin-Metalle) und deren Le­gierungen in Form von Münzen sowie Roh-