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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag und GonnabenS. Der Bezugspreis beträgt durch die Dost bezogen monatlich 1500. Mk., für Sersfeld 1500. Mt., Abholer 1300 Mk. / / Anzeigen Preis für die einspaltige Detltzelle oder deren Raum 200. Mt., für auswärts 250. Mk., die Reklamezeile 500. Mt. / / Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Sersfeld.

Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungs-Derleger. / / Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk in HerSfeld. / / Fernsprecher Rr. 8.

Rr. 72

Dienstag den 19. Juni

1923

7 Das Wichtigste.

. Nach einer Pariser Meldung soll die belgische Regierung der Antwort Poinrares an England zug «stimm) haben.

In Berlin haben die Verhandlungen, die zur Fest, legung eines wertbeständigen Lohnes führen sollen, ihren Anfang genommen.

Berliner Börsengerüchte wollen von einer Einstellung der Marknotierung in New Kork wissen.

In der Nacht zum Sonntag begann ein gewaltiger Austzruch des Aetna, der noch andauert. .

Neue Goldwerte.

An der Börse hat der Preis für eine Dollarnote die 150 000-Mark-Grenze fast erreicht und im Innern setzt eine neue Periode der Umrechnung auf höhere Ziffern ein. Durch die letzte Entwicklung der Devisenkurse ist die deutsche Mark nun auch endgültig zu einem niedrigeren Werte geworden, als die österreichische Krone und lediglichderSowjet- r u b e l ist noch das einzige Zahlungsmittel, das in noch weit geringerem Kurse steht. In Beratungen über die letzten Gründe der weiteren Markentwertung sucht man auf theo­retischem Wege Hilfsmittel zur Beendigung des Entwer- trungsprozesses zu finden, obwohl in der Praxis längst die einfache Formel erkannt worden ist, daß nur in der S ch a f - fung neuer Werte durch eigene Arbeit eine Besserung erreicht werden kann. Wenn irgendwo die Versuche gemacht werden in dieser Richtung der Wirtschaftspolitik vorhandene Kräfte zur Bildung derartiger neuer Goldwerte heranzu- ziehen, so ist es in Bayern.

Es sind zwei große ineinandergreifende Arbeitsprojekte, die dort zur Tat reifen und die zusammenzufassen sind in |M«<0mw» tws » n»W'WWMta Auf der einen Seite sollen die vorhandenen Schiffahrts­wege ausgebaut, vergrößert und miteinander verbunden werden und zu gleicher Zeit sollen die Wassermengen des Bayernlandes zur Gewinnung der weißen Kohle, d. h. der Elektrizität herangezogen werden. Eine eingehende Beleuchtung erfuhren die Bestrebungen auf einer kürzlich cvgehaltenen Tagung des Zentralvereins für deutsche Binnenschiffahrt und der Hafenbautechnischen Gesellschaft, die in Regensburg stattfand. Das große Ziel einer Ver­bindung Rotterdams mit dem Schwarzen Meere auf dem Binnenschiffahrtswege soll erreicht werden durch den Rhein- Main-Donau-Kanal, der das letzte Glied in der Kette der schiffbaren Fluß- und Kanalläuse, die von der No rd - see bis nach Odessa führen, darstellt. Durch Eröff­nung des Aschaffenburger Hafens und der Kanalisierungs- ftrecke Hanau-Aschaffenburg konnte die Großschiffahrt die bayerische Grenze erreichen. Nun soll sie über Bamberg bis Nürnberg durch Kanalbauten und Schisfbarmachung der in Frage kommenden Flüsse weifergeleitet werden und über den Jura zur Donau absteigen. In der 600 Kilometer lan­gen Strecke quer durch Bayern von Nordost nach Südwest, von Aschaffenburg über Würzburg, Bamberg, Nürnberg, Regensburg bis Passau, also in den industriervrichsten Gegen­den des Landes werden zu gleicher Zeit 33 Kraftwerke er­richtet, die ca. eine Milliarde Kilowattstunden abwerfen (nach authentischer Auffassung wird eine mittlere Jahresleistung von rund 250 000 Pferdekräften und rund 1H Milliarden Kilowattstunden erreicht werden, wovon nach den angestellten Untersuchungen etwa eine Milliarde Kilo­wattstunden für Licht- und Kraftstrom, elektrochemische Be­triebe und für die Elektrisierung der Bahnen verwendbar sind.) Die bis jetzt ausgebauten bayerischen Kraftwerke er­geben ca. 400 Millionen Kilowattstunden, das Ergebnis der im Bau befindlichen Werke an der Isar und am Walchen- und Kochelsee wird auf 600 Millionen Kilowattstunden ge­schützt.

Für die Beurteilung der Ausführung dieser und an­derer erweiterter Pläne desselben Arbeitsgebietes kommt we­sentlich in Betracht, daß sowohl die,großen Hansastädte der Ausdehnung der Binnenschiffahrt sympathisch gegenüber- stehen, und daß sowohl das Reich, der bayerische Staat, cin- ^elne Städte und nicke zuletzt die Großmduürie,^die zusam­men der Gründer der ausführenden Gesellschaften und. wesent­lich auf die Beschleunigung' der Arbeit hinwirken. , Bei nicht vollkommen neuer Veränderung der wirft cha-Dcken Lage kann man schätzen, dM in 1- bis 2 Jahrzehnten die Drbmren zu einem Abschluß gelangt sein werden. ^ Die weseakftchfte SwMsriqkÄr des Augenblicks liest in der Frage der De^ha'- fung der genügenden ^ite;-en-m Tur eine fl-fte §E- fdpmg der Arbeiten. Im sraßen ctiä «md» ja schon ssr längerer Zeit durch Auseabe van EslkaLliaatianen der Geid- umrkr berangerogen. Es war bei der AusgaSe von «r-f-aS» ver-chreib-r- o?n ask Goldmarkbasts notwendig, den Knßen- ' Kenn der Anleihe nicht allein durch die Ear-Mtie von Reich und Bayern 'Serzuftellen, sondern in die Haftung aus ein im Betrieb befindliches Unternehmen ein-ubefte^n, te^en W^rt und Erträgnisse für den AnlLkbebkenft aufkommen kün- i nen. So hat die RhLcu-Main-Donau-Aktieu-Gelrll'chast f im Großkraftwerk Franken ein Unternehmen, das Lieft hing« j liche Sicherheit für die Goldmarkobligationen durch ftebrr- 1 nahmeeiner Reallaft auf feinen Besitz geleistet hat. Die von

den fertiggestellten Unternehmungen abgeworfenen Ueber« «Asse müssen satzungsgemäß zum Weiterbau verwendet wer« den, d. h. sie dienen immer wieder zur V e r z i n f u n g n e u rufzunehmender großer Baukapitalieu und irst dann wird eine Rückzahlung voraussichtlich erfolgen, venn das ganze Werk vollendet ist.

Die Durchführung aller dieser Pläne wird naturnotwen- )ig zu einer Veränderung der wirtschaftlichen Struktur und Bedeutung des Bayernlandes führen und auch auf die wirt­schaftliche Entwicklung des Deutschen Reiches starken Einfluß msüben. Durch die Verbindung Nordwesteuropas mit den Donauländern wird eine Belebung des Handelsverkehrs auf bem Binnenschiffahrtsryege zu erwarten sein. Die überaus tarke Erzeugung elektrischen Stromes und gleichzeitig Ver­besserung der Verkehrsmittel burd) eine Elektrisierung der Eisenbahnen und durch neue Kanalbauten wird die Ten­denz zu starker Industrialisierung in Bayern, das große Siedelungs- und Ernährungsmöglich- feiten bietet und eine leichte Rohstoffbeschaffung und leichten Fertigwarentransport gewährleistet, erhöhen.

Die ausnehmend große Bedeutung der Arbeiten an einer Verbreiterung der Basis der Binnenschiffahrtswege rnd der starken Erhöhung der Stromerzeugung für ndustrielle Zwecke liegt in der Schaffung neuer durch keine Währungsentwicklung zu zerstörender, unveränderlicher und tets produktiver Werte (das sind mehr als Goldwerte) aus den Kräften der Natur. Wenn auch die Entente durch den Versailler Vertrag ihre Hand auf die Regulierung der deut­schen Flußläufe legen kann, so bleibt doch diese Arbeit inner­halb der deutschen Gaue ein Werk, das unbeschadet äußerer Eingriffe eine Quelle neuer Goldwerte für die deutsche Volkswirtschaft zu werden verspricht.

Die neuen Lohn-Forderungen.

leberall wachsende Streik st immung. Die Be-

__müh an gen der Gewerkschaften.

Innerhalb der Gewerkschaften ist die Bewegung nach Erreichung wertbeständiger Löhne in ständigem Steigen be­griffen. In einzelnen Berufsgruppen (z. B. unter einem Seil der Eisenbahnhandwerker) ist die Stimmung bereits der- irt aufgepeitscht worden, daß man mit wilden Streiks :echnen muß, falls es den Gewerkschaften nicht gelingt, sie Massen zum Abwarten der Verhandlungs- Ergebnisse zu bewegen. Die Besprechung der Gewerk- chaftsführer mit dem Vertreter des Reichsarbeitsministe- nums konnte bisher noch keinen Weg zur Neugestaltung der Bohne zeigen. Man sucht also vorläufig

nach einem Wertmesser,

her möglichst ohne allzuschwere Erschütterung der Wirtschaft nnen Durchschnitt ziehen soll zwischen Lebenshaltungskosten, Loldzollaufgeld und Großhandelspreisen unserer Inlands- rrzeugung. Der Große Ausschuß der Gewerk­schaften hofft, daß er in seiner Sitzung am kommenden Freitag bereits eine Formulierung des Pro­gramms wird geben können. Um nicht die Tarifvertrags- gemeinschaft in Gefahr zu bringen, wird man vermutlich zu dem Mittel der

Festsetzung eines Mindesi-Re^Nohnsatzes greifen, der durch automatisch dem Reichsindex folgende Teuerungszuschläge erhöht werden würde. Am Sonnabend werden die Beratungen über die Frage, wie man zu einer wertbeständigeren Lohnrechnung kommen kann, in der Zentralarbeitsgemeinschaft fortgesetzt. Im Reichsarbeitsministerium ist den Gewerkschaften zugestan­den worden, daß zunächst die Ermittlung derIndex- ziffer in kürzerer Frist als bisher erfolgen solle und daß die Regierung bereit fei, an einer Lösung des großen

Problems mitzuarbeiten. -

Dalöwm über Englands Aufgaben.

B 2 l d w i v erklärte am Sonnabend in einer Rede in Oxford, die Zivilisation sehe man heute in die Brüche gehet. Die gesamte Welt erhoffe das Heft vom britischenJjeW und ron bat Bereinigten ernten von Amerika. xssnn die Welt wieder aufaebaat werden so-lle, so müsse dies Sroßbritannien tun. Die Männer, die Hand^ an dieses Work leget, so schloß Saibotn, brauchen bar Du t eines Pitt und den Glauben eines Lincoln. Lir v:ü-n hoffen, daß jeder von uns sich ;as HMphü!

an der Vollendung dir es Werk es mit-Reifen. _

, Deftmmft« Gszetts -chreibi zur Rede BaldwinS tn ~ ^ find es kei zu hoffe«, daß England in seiner Außrooslirik am Ende der wohlwollenden Impotenz angetangt sei und da? es im Laufe der Entwicklung der augeMMichon Steife .kior Derben würde, daß Großbritannien $o ie 6 er _e tn $ fe^e Politik habe, deren Zweck, jObermann vr-AsME fei, ^ - i

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Belgien mit Krankreichs Antwort 1 einverstanden.

Der Korrespondent der Times in Brüssel macht übet bey Entwurf der Antwort PoincarSs auf die englischen Fragen über die Einstellung des passiven Widerstandes im Ruhrgebiel folgende Mitteilungen: Die belgische Regierung hat der Ant! wart Poincares z u g e st i m m t. Poincarö stellte d i« schon bekannte Forderung auf, daß die deutsche Regierung eine Verordnung veröffentlichen müsse, durch die allen Beamten aufgetragen werde, ihren Widerstand im be­setzten Gebiet einzustellen und mit der französischen Ver­waltung zusammenzuarbeiten. Auf die weitere Frage Eng­lands, welche Form die Besetzung des Ruhsgebietes an- nehmen würde, wenn das Reick seinen Widerstand einstellt, hat Pomcare erklärt, man würde zu derunsichtbaren Besetzung" (l) zurückkehren, wie sie am 11. Januar, organisiert war, als die französischen Truppen ins Ruhr­gebiet gesandt wurden. . ^ --- --- ^ '

DieReinigung" des Kabinetts pomcare.

Wie man aus Paris meldet, wird die radikale Par­tei die zu ihr gehörigen drei Minister aufforhssrn, hre Demission e i n z u r e i ch e n. Für den Fall einer Weigerung werden sie aus der Partei ausgeschlos- ' e n werden. Es handelt sich um den Kolonialminister, den pygiene- und den Postminister. Durch die Kammerabstim­mung in Mitleidenschaft gezogen sind ferner die Unterstaats­sekretäre für den technischen Unterricht und für die Handels­flotte, die der republikanisch-sozialdemokratischen Partei an- gehören, sowie der Unterstaatssekretär für die Luftschiffahrt, der Linksrepublikaner, aber Antiklerikaler ist.

Vp^eWUNU oes Etfel-Lunnels. M

Wie jetzt erst bekannt wirb, ist in der Nacht vom 14. bis 15. Juni der Tunnel der Eifel-Bahn

(KölnTrier) bei Kall gesprengt worden. Die Strecke ist damit völlig unterbrochen; eine Um- gehungsbahn besteht nicht, vielmehr müssen die fran­zösischen Transporte jetzt von ltöln den Rhein hinunter bis Koblenz gehen und können nur auf diesem Umwege Trier erreichen. Die Franzosen haben, wie üblich, die schärfsten Absperrungsmaßnahme« ge« troffen, so daß die Kunde von dieser großen Sprengung bisher verborgen bleiben konnte. Aus dem gleiche« Grunde läßt sich das Ausmaß der Sprengung nicht beurteilen; zwei bis drei Wochen sind aber unter »llen Umständen das Mindestmaß, das man für die Reparaturarbeiten bis zur Wiederbenutzbarkeit der Strecke wird ansetzen müssen.

Unser der Kranzosen-Knuie.

Die verhinderte Feldb«stellung. gum Selbst­mord getrieben. Der hinausgeworfene Reichs«.

' ' kommissar.

Aus dem Landkreis Hörde werden Beschwerden der Landwirte laut, daß sie infolge der äußerst scharf gehandhab» ten Paßkontrolle ihre diesseits der Grenze des Ein- bruchsgebietes befindlichen Felder nicht bestallest können. »

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In Offenburg hat sich der LokomoflvWrer Stock« lin das Leben genommen. Der Mann befürchtete feine Ausweisung und wollte seiner Frau und seinen Kindern sein kleines Besitztum sichern, das er sonst Hätttz }£ ^r üäl af f en müssen. *

Der Reichskommissar Mehlich muffte sein Ge­bäude inDortmunddis Sonnabend 6 Uhr räumen. Das Mobiliar müßte zurückgelcnien werden. Die Akten durfte er mitnehmen. Das Haus Seien Träf e 25 (d os alte Gerichts- .reöäsder miste ebenfalls aermnnt werden. In dem Gerichts« erbäude sind ungefähr MC Burrouräume. Durch die e plötz- e n. umuuo "nb n:-üftich die Sei i äste der Stadt. rersL.tnna. dir .sar«W in der 2a*-: Ä. die Bureaus -'s 'chuell andrrsM» uuuerrtSrisge», aufs äußerste ge» fahrbet

Eiafiellung der Marf-Nonerrmg M K-w'^prk?

Ts der Berlmer ScA warben leMftr Serüchv. --sgr- or«tzt, 'SsZ ückÄge bet Kftlu^srftDllL-: bet ceorSesif*» $tmc Knaurx LÄchoL i KüH^r bte esilkche Marknoite« : sag in A - w Kork zur: a ne i Iu n s$ gelangen «erd«. Die Gerücht«, die mULrldh zu: DrsisttchaM« das Ihrige bei« ragen, fanben esttänng lerne De stätigung und sind da- y« mit größter Vorsicht auszuuehmem