Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 10 Dienstag, den 23. Januar 1923
MUMM der Eisenbahner
Vollständige Einstellung des Personenverkehrs. Ver- Haftung zweier Stationsvorsteher in Bochum. Befristete Forderung der Bergarbeiter auf Freilassung der ver- Hasteten Bergbanvertreter. Krtegsgerichtsverhandlmrg am Dienstag. Die Zechendirektoren im Milrtärgefäng- «is. Energischer Protest der Reichsregierung in Paris.
r^Aus Bochum wird gemeldet: Die Eisenbahner Ses «eubesetzten Gebietes find auf Sonntag in einen 24$ stündigen Proteststreik eingetrete«. Der Personenverkehr ruht vollständig.
Aus Dortmund wird gemeldet: Die Eisenbahner tes Dortnrnnder Hauptbahuhofes sind wegen Verhaftung des Stationsvorstehers Sonntag morgen 5 Uhr in den Streik getreten. Auf dem Bahnhof Süd haben nachmittags 3 Uhr die Eisenbahner ebenfalls wegen Verhaftung des Stationsvorstehers die Arbeit »iedcr- gelegt. Außerdem war eine französische Wache vor dem Bahnhof aufgestellt worden. Die Eisenbahner verlangten die Zurückziehung der Wache und Freilassung des Stationsvorstehers. Diesem Verlangen haben die Franzosen entsprochen, sodaß aus Dortmund-Süd am Montag früh die Züge wieder fuhren. Aus dem Haupt- bahnhof ist öle Lage unverändert.
Verstopfung der Nangierbahnhöfe.
Zu der Lage auf den Eisenbahnen erfährt die „T. U.* von zuständiger Stelle in Esien folgendes: Die Eisen- bahner des gesamten alten und neubesetzten Gebietes halten sich strikt an die Weisungen des Verkehrsmini- sters Grüner. Ueberall da, wo die Franzosen einen Kohlenwagen oder Kohlenzüge beschlagnahmen, wird sofort die Weiterleit«»« dieser Züge verweigert. Verschiedene Gleise auf den Rangierbahnbösen können nicht mehr für durchfahrende Wage» benutzt werden. Da aber auf den rheinisch-westfälischen Rangierbahnbösen Hunderte von Gleisen auf jedem Bahnhof zur Verfügung stehen, kann einstweilen.noch um so gesperrte Gleise herumgefahren werden. Jede weitere Beschlagnahme aber erschwert den Eisenbahnbetrieb. Man erwartet daher, falls die Be- schlagnahmungen weitergehen, das; anfangs dieser Woche der acsamte EiseuSahngüterverkehr dermaßen zerrüttet beladene Kohlen- und Kokswagen im Bezirk. Gestellt waren 18 712 für Kohle und 5540 für andere Güter Gefehlt haben insgesamt 1188 Wagen. Es bennden sich nur noch 13 023 leere Wagen im Bezirk.
Eisendahupräsident Iah» wieder frergelasse«.
Gegen die Verhaftung des Eisenbahndirektionspra- sidenten bahn in Essen haben die Eisen,bahngewerrschaf- ien schärfsten Protest erhoben und die Ertzreisung von Gegenmaßnahmen angedroht. Die Franzosen haben daraufhin Iahn wieder freigelassen, ebenso auch den Oberbaurat Pusch.
Ultimatum der Bergarbeiter.
Aus Essen wird gemeldet: Unter Vertretung der Arbeiter und Angestellten der Essener Steinkohlenbergwerke Aktiengesellschaft und der ungegliederten Zechen begab sich eine Abordnung nach Mairrz, um mttndlr^ Protest gegen die Verhaftung des Generaldirektors Tengelmauu» und der übrigen Bergbanvertreter ern- zulegen und deren Freilaisültg zu fordern. Die Entschließung, die in Mainz überreicht wurde, hat folgenden Wortlaut:
Arbeiter und Angestellte der Essener Steinkohlenbergwerke und der ihnen angegliederten Zechen erheben schärfsten Protest gegen die rechtswidrige Inhaftierung unseres Generaldirektors und der übrigen leitenden Personen des Ruhrbergbaues, weil sie in diesem Vorgehen seitens der Besatzungsbehörde eine schwere Gefahr für die persönliche Freiheit der Arbeiter und Angestellten erblicken. Angestellte und Arbeiter versichern, daß sie anch nnr das tun werden, was den Interessen des deutschen Reiches und Volkes entspricht. Die Arbeiter und Angestellten der genannten Zechenanlagen fordern binnen 48 Stünden die Freilassung der inhaf- lierteu Personen, widrigenfalls alle gesonnen sind, geeignete Maßnahmen dnichzusühren.
Beschlagnahme der Braunkohlen.
Wie den zuständigen Stellen in Berlin aus Köln gemeldet wird, hat die französische Unterkmnmlsston dem
Ä”Ä Ä Ä"B-I-« »•<>«« ^ den kann, so ist die deutsche Bevölkerung, soweit sie aus Braunkohlen- und Brikettbrand angewiesen ist Swm los sehr hart getroffen, denn das Rheinische Braunkoh lensundikat liefert täglich 8500 bis 1000 Waggons seiner Erzeugnisse nach dem unbesetzten Dentschmno.
Kriegsgerichtsverhandlung am Dienstag.
' »-»Aus Mainz wird gemeldet: Der Verteidiger der 'verhafteten Zechendirektoren, Rechtsanivalt GUmm, Amt von der Besatzungsbehörde die. Erlaubnis "Ha^m die verhafteten Herren Montag früh 9 II ü^chen zn sönnen. Die Kriegsgcrichtsvcrhanbluug ist auf Dreuv-
. des verhafteten Generaldirektors Wüsten^ Mainz begeben hat, um das dortige Besatzunmrom mando dringend zu ersuchen, seinen alten .und krank.
lichen Vater aus der Haft zu enttassen und thu dafür selbst inhaftieren zu wollen Diese Nachricht wirkt umso erschütternder, als sich die verhafteten Herren nicht, wie vielfach angenommen wird, in Ehrenhaft, sondern im Militärgefängnts befinden.
Rene Verhaftungen in Dortmund.
Der Zollrat Bernab und der Zollamtmann Plate sind unter einem Aufgebot von 20 Mann mit aufgepflanztem Bajonett verhaftet worden.
Protest in Paris.
>-t®er deutsche Geschäftsträger in Paris ist angewiesen worden, bei der französischen Regierung wegen der in den letzten Tagen von der französischen Besatzungs- behörde im Ruhrgebiet rechtswidrig vorgenommenen Verhaftung dentscher Beamten und ZeHendirketoren Protest zu erheben, die sofortige Freilassung der Verhafteten zu fordern und zu erklären, daß sich die deutsche Regierung sämtliche Ansprüche wegen Genugtuung vorbehält.
»Heller Unsinn!"
Die „Neuyork World" bezeichnet den Stoß Poinca- rees gegen das Ruhrgebiet als dazu angetan, Deutschland gänzlich zu zerreißen und es dadurch völlig vom Weltmärkte zu verdrängen, da sein Kredit ruiniert werde. Den Gedanken, daß durch eine solche Maßnahme »Reparationen* zu erlangen feiest könne man nur als hellen Unsinn bezeichnen. Durch ein derartiges Vorgehen könne man wohl politische Unruhen, Hungerrevolten, Haß und Empörung erzeugen, nie aber werde dadurch ein einziges zerstörtes französisches Dorf wieder aufgebaut, noch der französische Kredit wieder hergestellt oder gar die französische »Sicherheit" gerettet,
Stkmmvngsumfchwung in Parkst
^London. Die »Times" melde« aus Parisk DÄ unerwartete, «zehr zunehmende, statt abnehmende Widerstand De»tschla«ds erweckt in Frankreich zahlreich» Befürchtungen und läßt in manchen Kreisen den Wunsch «ach Verhandlungen entstehen, um die unbefriedigenden Ereignisie im Ruhrgebiet zu beenden, bevor ein nicht wiedergutzumachender Schaden herbeigeführt sei. „
Der Völkerbund als Vermittler.
*-»Paris. Dre Veremigung- sranzllsischet! GejeilsMfT ten für -e« Völkerbund ersuchte Poincaree, das Ent- schädigungsproblem uud die Frage der interalliierte« Schulden dem Völkerbund zu unterbreite«. - — -
Englisches Urteil. .
w London. Die gesamte Presse beurteilt die infolge der französisch-belgischen Maßnahmen entstandene Lage im Ruhrgebiet als äußerst ernst und stellt fest, daß der Widerstand der deutschen Bevölkerung stetig wachse, statt abnehrne. J
Oberbergrat Ahreus wieder frergelafsen. 1
»-»Esse«. (T. U.) Oberbergrat Ahrens ist am Montag morgen von der franzöfischeu Besatzungsbehörde gegen Stellung einer Kaution von 100 000 Mark wieder freigelassen worbeu. Daraufhin ist die Arbeit auf den staatlichen Zechen nach Zurückziehung der französischen Truppen überall wieder ausgenommen.
Weitere Verhaftung und Ausweisung. »-»Mainz. Der Vorstand des Hauptsteueramts, Direkt tor Offenbuch, wurde verhaftet. Seine Familie erhielt den Bescheid, daß sie die Wohnung binnen vier Tagen zu räumen habe.
Neue Verhaftung eines Schutzpolizeibeamten.
»-»Dortmuud. bn Sorhmmö konnte man trotz des Verbots der Besatzungsbehörde viele Gruppen von Hunder-; ten von Personen durch die Stadt ziehen sehen, die patriotische Lieder saugen und gegen die Besetzung protestierten. Ein Schutzpolizeibeamter wurde verhaftet, rveil er einen französischen Offizier nicht gegrüßt hatte.
Was wird mit den verhaftete» Zechendirektoren? »^Mülheim. Unter Leitung des Regierungspräsidenten Dr. Griitzner sprach eine Abordnung von Arbeitern tmd Angestellten des Tüussen-Konzerus bei den Geneq raten Denvignes und Simons vor und erklärte dem Vertreter der abwesenden Generale, daß die Arbeitnehmer des Tüyssen-KonzernS aufs schärfste gegen die Ber- öafhtna Thomas und der Beamten protestierten und die sofortige Freilassung verlangten, bn einer späteren Verhandlung, der die Generäle beiwohnten, erklärte« sie sich für die Beschwerde unzuständig und versprachen, diese an den General Degoutte weiterzuleiten. Den, tVröeitneüment wurde gesagt, daß es noch fraglich sei, ob überhaupt gegen die Verhasicte» ein militärisches Strafverfahren eingeleitet werde Die Vertreter der firbeitnehmer erklärten zum Schlutz, daß dte Besatzungs- öellorde bei Aufrechterhaltung der Verhaftungen sich die Folgen selbst zuzuschreiben labe und daß die Arbeiter and Angestellte-l hieraus ihre Konsegueuzen ziehen würden.
Die Behandlung der Verhafteten.
fr* Essen. Nach hier vorliegenden Nachrichten werdest die Verhafteten im Mainzer Kriegsgerichtsgefängnis ganz unwürdig behandelt. Am Tage der Verhaftung blieben sie ohne Essen.
Drohung mit dem Generalstreik.
M Easscl. Einem am Montag vormittag 10% Uhr hier ein Getroffenen Sitnationsbericht aus dem Ruhrgebiet ist zu entnehmen, daß wegen der Verhaftung der Direk- ioren einige Grnben von Thyssen, Stinnes und die Steinkohlenbergwerke in Essen in den Streik getreten sind. Eine Abordnitna ist nach Mainz unterwegs, um
die Freilassung der Verhasteten zu fordern, anderrtsallS der Generalstreik beschlossen sei, der dann am Mittwoch, Eintreten würde. Es sind keinerlei Ausschreitungen vorgekommen.
200 000 Mann Truppen für das Rnhrgebiet.
»-»Paris. Wie der „Temps" meldet, äußerte sich der persönliche Adjutant des Generals Degoutte, Kapi^ tritt Brassard, daß im Rheinland 30 000 französische Truppen stehen, während iusgesamt die Besatz,i«g des Ruhrgebietes mit 200 000 Mann vorgesehen sei.
»^-Frankfurt a. M. Wie wir von zuverlässiger Teits Erfahren, werfen Sie Franzosen immer neue Truppe^ Nach dem Rheinland. Mainz ist üb er füllt von französischen Truppen. Ständig werden Truppen nach dem Ruhrgebiet verladen. Ebenso treffen immer neue Truppen aus dem Innern Frankreichs ein.
Besprechnnge« des Kanzlers mit deu Gewerkschaften.1 w Berlin. (B. T.) Stuf Einladung des Reichskanzlers begeben sich, wie das „B. T." Hörr, Vertreter sämtlicher Gewerkschaften und Angestellteuoerbände am Tienstaa nachmittag 4 Uhr zum Reichskanzler Dr. Cuno zur weiteren Besprechung über die durch die Besetzung des Ruhrgebiets geschassenen Lage. Die Svitzenorgamm-^ Honen der deutschen Gewerkickasten stehen in ständiges Fühlung mit den Arbeiterorganftationen des Ruhrgebiets.
Einig im Kampfe.
^Berlin. (B. T.) Die -eutschen ©ewerffd)astete und Beamtcnverbäude aller Richtungen haben am Montag vormittag in einer gemeinsamen Sitzung eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: Wir billigen e-U- wütig die vo» den Berqarbeiterverbande» anfgestcckte« Forderutigen. iusbesoudere die »ach sofor tiger Freigab« der Bergwerke und Znrnckziehnng der französischen und belgische» Soldaten von den Arbeitsstätten, Freigabe der völkerrechtswidrig verhaftete» Bergleute und Beamten. Wir fordern die gesamte Arberternehmerschast auf, an diesen Fordernugeu festznhalicn. Im Name« aller Arbeiter, Angestellten und Beamte« im ganze« Reiche sichern wir mit Zustimmung,des ganzen Volkes den deutsche» Brüdern im Ruhrgebiet in ihrem gefah« vollen Kampfe nachdrücklichste Uutersiützung zu.
Berlin. Wie die Blätter aus Bochum melden, eine am Sonntag außerhalb des besetzten Gebier^) von! öer Sozialdeuwkratischen Partei und von. Gewe.-t maf, ten aus dem aitbeseeten und der» neußetevten Geowr aboehaftene Versammlung dem Beschluß öer Berftner -BEanöSkonferenz vom 10 Januar einstimmig beige-! treten. Die Berichte aus öen verschiedenen Bezirke» stellen den einheitlichen Kamvfwilleu dar, der öie gesamte Arbeiterschaft beherrscht. Es wurde erklärt, daß weder mit Zuckerbrot noch mit der Peiticke die Fran-ro-- fett die Arbeiter für ihre Zier- gefügig mache» ko«nie«.
Neuer Erlatz des Rekchsfinanzmiursters. ^
Der Reichsfinanzminister veröffentlicht folgende BÄ ranutmachung: Unter Verletzung des Rhemlandabkon, mens will die RheinlanSkommisswu, Anwerzungen gehon chend, die, wie sie betont, gewisse Oberkommrnare vor ihren Regierungen erhalten haben, die D^tichland zu stebenden Zölle, die Kohlensteuer und die Ausfuhrabgm bcu in die" Kassen des Auslandes leiten. Diese AuorSl nunge« sind rechtsunwirksam. Deutsche Beamte weröetz Zahlungen, die Deutschland entzogen werden und frerÄ den Mächten zugeführt werden wllen, nicht entgegen^ men. An die Kasten des oeseisiea Gebietes ist daher um zu zahlen, solange die deutschen Beamten sich bereit eA klären, die Zahlungen für deutsche Rechnung eMgegc^ zuuchme«. Wird Anna^oM verweigert, so befreit nul noch die Zahlung an deutsche Kassen un unbesetzUn Ga biet von der Steuerschuld, Es wird von der Bevölkerung erwartet, daß sie nicht durch Zahlung von Zollen, >loh> lensteuern oder Ausfuhrabgaben an fremde Beamte uns an fremder Gewalt unterworfene Kasten den Willen uni die Macht stärken, die Deutschland vernichten wollen. .
Euischlossener Wille zum Durchhalten.
Die Reichsminister, die preußischen Minister und hie Vertreter der übrigen Länder haben enng über du weiter zu ergreifenden NGtznahmen beiateri. Er- ist eine Einmütigkeit dabei zutage setreten, die in unsers Sinne das Beste verspricht, sowohl für die, A ustEnng unsrer Gegenmaßnahmen nach außen als für die Durchführung der für das Inland bestimmten Anordnungew Wir müssen uns darüber klar werden, daß mir in einem nur formal nicht ausgesprochenen ^rieg^zustmw l^ Die Kriegswirtschaft muß, um dem zcrnölrmen, Begehren Einhalt tun zu können, bis zu einem gewissen Grade wieder erngeführt werden. Unsere Mittel und Kräfte mir Ernährung des Volkes und zur Aufrechterbaltung der industriellen und gewerblichen Betriebe munen gesammelt werden. Die Hauptsache ist unsere Produk. tivkraft möglichst konzentriert zur Geltung zu lrui-..^n, um die Beschäftigung und die Versorgung der rung ifttt dem Notwendigsten in befriedigender ^.-cisr aiisrechterhalteu zu können.
Aufruf des Lberpresidenten von Westsale».
Der Oberpräsident von West alen, ©ronmovfi, lisit an die Bewohner der Pr^ou; eu-eii Anum cr es u. a. heißt: Während öer 51 SpeßSW kein bewaffneter Framoie VI
ctti-i aber, 50 Monate nach bim ^afrei jtutnane \a^ » $ bahre nach dem Frieden-Zernag, i;E die gram e nt..n als bewaffnete KriegsinaÄt in d^Fiedlicke um ^'-c-i freudige Provinz Westfaien ern. Männer und FiE^ Alle Leiden und Lasten wo ^u wir i<ü(n und tttst tränen.