Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 261
Dienstag, den 12. Dezember
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I3- Der Londoner Konferenz überreicht. Innere und
" äußere Goldanleihe von je 3 Milliardeu. Sofortige Zahlung von 4% Milliarde». Dafür endgültige Festietzung der Eutschädigungssnmme, wirtschaftliche Meistbegiinstigung und Moratorinm bis zu 5 Jahren. Stabilisierung bet Mark.
^Entsprechend ihrer Absicht, in der Entschädigungsfrage eine Politik der Aktivität, der Aufrichtigkeit und der Geschäftsklarheit zu treiben, hat die deutsche Regie- wng zu Beginn der Konferenz der alliierten Ministerpräsidenten einen Schritt in London unternommen. Sie hat die Dringlichkeit einer endgültigeu Lösung der Reparationsfrage erneut nachdrücklich betont und, um eine solche Lösung durch zweckmäßige Vorschläge anzubahnen, in Ausführung der Note vom 14. November ein System von inneren und äußeren Anleihen zur Erörterung gestellt. Das dafür zu gewährende Moratorium soll je nach der Höhe des Zeichnungsergebnisses bis zu fünf Jahren (nach der nachstehenden Meldung aus London bis zu sechs Jahren) betragen. Außerdem soll Deutschland im Sinne der Note vom 11. November für die Dauer des Moratoriums für alle sonstigen Zahlungen aus dem Vertrage von Versailles befreit und seine wirt- schaftspolitische Gleichberechtigung wiederbergestellt werden. Der Ertrag der ausländischen Anleihe soll ganz, der Drtrag der inländischen Anleihe zur Hälfte her Entschädi- kumgskommifsion zur Verfügung gestellt werden. Die andere Hälfte der inländischen Anleihe soll der Stabilt- jsierung der Mark und dem Ausgleich des Retchshaus- Halts dienen.
P Ueber den Inhalt der deutschen Note, die in London übergeben worden ist, wird von dort gemeldet: Die Note ist von einem Brief des Reichskanzlers Dr. Evno be- Iglettet, der darin sagt, daß Herr Bergmann, der zufällig in London anwesend sei, der Konferenz alle wUnfchcns- ioerten Erklärungen mündlich geben könnte und daß die Leigefügte Note dazu Beiträgen könnte, für die weiteren Verhandlungen der Alliierten eine brauchbare Grundlage zu sichern.
Die Note selbst trägt den Titel: „Versuch der deut- ischen Regierung zur vorläufige« Regelung der Neya- rationsfrage". Sie besteht aus zwei Teilen und einem Anhang.
Im ersten Teil ist von der Siabilisierung der Mark die Rede .Die deutsche MegieryW schlägt «Uabilisterung selber in die Hand zu nehmen 1. gegen MwiKignnq eines Moratoriums vsu mehreren Jahren, 2. gegen Anerkennung Deutschlands als eine meist begünstigte Macht im Handelsverkehr durch dre Alliierten.
Der zweite Teil der Note bezieht um auf 3ie Neya- ralionsfrage. In dieser Frage schlägt die deutsche Regierung vor, eine auswärtige und eine innere Auleitze aufznnehmen, und zwar die letztere sofort. Der Anhang ist in drei Punkte geteilt:
1. Innere Anleihe. Die deutsche Regierung plant eine Anleihe von 3 Milliarden Goldmark mit 4 Prozent Zinsen und |1% Prozent Tilgungszinsen. Um einen Erfolg zu sichern, beabsichtigt die dcuifche Regierung, Vorteile für die Zeichner der Anleihe zu bewilligen in der Absicht, damit die- Rückkehr von deutschem Kapital aus dem Auslande, wo der größte Teil verborgen wird, zu begünstige». Zu diesen Vorteilen gehören die Bc- srcinuq vo» jeder Steuer sowie Amnestie für diejenigen, die unrechtmäßigerweise ihr Geld ins Ausland gebracht haben. Die Bezahlung würde in ansläudischen Deviseu nach dem Dollarkurs zu erfolgen haben und konnte an ten Märkten von Amsterdam, London, Neuyork und Zürich erfolgen. Die Hälfte des Ergebuisses^ dieser Anleihe würde der Neparationskommisston znflreßeu. Die andere Hälfte, ungefähr 1% Milliarden Goldmark, würde für die huww Bedürfnisse des denischen Bnd- Sets und für die Stabilisierung der Mark verwendet werden.
2. Auswärtige Anleihe. Die deutsche Regierung schlägt vor, Gutscheine etwa in Höhe von 3 Milliarden Goldmark der Reparationskommission zu tibergeben, bannt diese sie im Auslande finanziert. Zinsen und Tilgungszinsen wären sofort zahlbar.
3. Als Gegenleistung verlangt die deutsche Regierung ein Moratorium von 2 Jahren für alle Zahlungen, die sie schulde, außer für die Sachliefetnugen, deren Beträge aus den Aktiven des deutsche» Budgets entnommen würden. Die innere Anleihe würde eine solche Operation erleichtern. lleBerbicS verlange die deutsche Regierung für jede weitere Milliarde, die sie über die c-eplanlen Zahlungen hinaus der Neparationskommls- Jtw zur Verfügung stelle, ein weiteres Moratorium um kein Jahr. Im Ganzen würde der Zahluugsausschnb hin zu li Jahren betragen. Schließlich regt die deutsche lRegierng an, daß das Erträgnis der deutschen Zolle als ^Sicherheit für die auswärtige Anleihe benutzt tverden
Vfüss.
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| <h Paris. Ueber die Haltung der alliierten Miuister- Ipräsidenten zu den deutschen Vorschlägen wird bekannt: «Poincaree, der in der Sitzung dieBorfchlüae als erster
und am energischsten als eine Falle bezeichnete und ihre Ablehnung verlangte, hat in einer Aussprache gegenüber Pressevertretern sich gegen die Annehmbarkeit der Note geäußert. Die deutsche Regierung verspreche „den betrügerischen Industriellen" Straffreiheit und biete den Alliierten als „Entschädigung für das Moratorium" keine Garantien und keine Pfänder an. Wir bekommen nichts, sagte Poincaree, oder wir hören nur Summen, die niedriger sind als die im Zahlungsplan vorgesehenen jährlichen Leistungen. Die Note ist zweifellos nur ein Verschleppungsversuch. Mussolini hat seine Meinung in folgende Worte zusammengefaßt: Die deutschen Bor- schläge sind unannehmbar. Sie sind auch nicht ange- nommen worden. Sprechen wir nicht mehr darüber. Bonar Law lehnte es ab, derartige kurze Charakteristiken der Note zu geben. Es ist aber bekannt qeworden, daß er in der Sitzung empfohlen habe, die deutschen Bor- schläge mit einem Gegenvorschlag zu beantworten, der u. a. wie folgt formuliert worden ist: Die Alliierten fordern vor allen Dingen, daß die deutschen Industriellen eine sofortige Zahlung von 500 Millionen Goldmark leisten, um ihre Absicht, an den Plänen der deutschen Regierung mitzuwirken, da' rit kundzugeben. Die Aj» liierten ihrerseits bewilligen Deutschland nur eine Aufschubsfrist von 3 Monaten, üm die angekündigte Anleihe in dieser Zeit zu realisieren. Nach Verstreichung dieser Frist werden dann neue Beschlüsse zu fassen sein. lBei der Meldung darf nicht überiehrn werden, daß sie aus französischer Quelle stammt und daher stark tendenziös gefärbt sein dürfte. Daß natürlich Poincaree von den Borschlägen der Regierung Cuno nicht gerade freudig überrascht wurde, ist erklärlich; denn sie bilden ein großes Hindernis für seine Annexionspolitik.)
Die dentschen Vorschläge nicht abgelehnt.
^London. (B. T.) Die Behauptung Mussolinis, die Vorschläge der deutschen Regierung könnten bereits als abgelehnt gelten, ist unzutreffend. Im Gegenteil haben sich England «ud Belgien auf den Standpunkt gestellt, unbedingt eine Aussprache darüber herbeizn- führen.
Nnr Vorschläge des Reichskanzlers.
^Berlin. (T. 11.) Wie die „T. U." von zuständiger Seite erfährt, handelt es sich bei der Ueberweisnng der deutschen Vorschläge keineswegs um eine Note, wie von der Havasagentnr gemeldet wurde, sondern um einen Vorschlag des Kanzlers, der in die Form eines Briefes gekleidet worden ist. Dem Briese sind ausführliche Anlagen beigefügt. Infolgedessen kann auch von einer Ablehnung der Note keine Rede sein.
»Die Haltung Englands.
r^- London. Ueber die Haltung der englischen Regierung weiß der Londoner „Temps"-Berichtcrstatter zu melden: Man betont vor allem die Notwendigkeit eines MsWü«Liu-ms hLr»-L-W^ar«-m-" tmfr erkilirt e» ~ Ms Hauptaufgabe, daß die Ziffer der Reparationssnmme auf eine Höhe gebracht wird, die der Zahlungsfähigkeit Dentschlands entspreche. Man glaubt in London, daß Deutschland im ganzen 40 Milliarden Goldmark bezahlen sollte. Frankreich würde das Prioritätsrecht für den Wiederaufban erlangen. Gewisse Pfänder, nämlich Bergwerke und Waldungen könnten nach Anschammg der englischen Regierung genommen werden. Bor allem betrachtet man es als Hauptaufgabe der Konzerenz auf englischer Seite, daß die Mark stabilisiert werde- denn ohne diese Stabilisierung wäre jede internationale Reparastonsanleihe unmöglich und ohne die internationale Anleihe werden die Reparationszahlungen Dcursth- lands in den nächsten Jahren vollkommen unzureichend sein. Nach Brüssel würde England nur gehen, wenn in London ein vollkommenes Einvernehmen über die dent- sche Frage erzielt wird. Die Londoner Konferenz be- trachtet Poincaree als bloßen Gedankenaustausch. Un- terschriflen sollen nicht gegeben werden, nicht einmal ein Protokoll soll unterzeichnet werden. Bonar Law erklärte dcgegen, daß er an einer militärischen Operation niemals teilnehmen werde.
Was Havas meldet.
^ PMis. Der Sonderberichterstatter der Agentur Ha- vas berichtet aus London: Die Vorschläge der deutschen Regierung, die in der im Foreign Office überreichten Note enthalten sind, sind von den Pr-miLrrnttüNcrn gc- prüst warten. Deutschland erkläre sich bereit, Schatzbonöv im Werte von 3 Milliarden Goldmark zu übermitteln, die die Alliierten auf dem internationalen Geldmarkt un- terbringen sollen. Der Reichstag plane eine interne Anleihe, deren Höhe noch nicht bestimmt sei, deren Betrag über nicht geringer als 134 Milliarden Goldmark fein soll, aufznnehmen. Es wurde einstimmig entschieden, daß die Borschläge nicht die Grundlage einer ^ guna bilden sollen. Die Beratungen über dieGezamt- heit der Reparationen wurde darauf fortgesetzt.
Kein Verzicht Großbritanniens an den Reparatienen
»^ Paris. Der Sonderberichter atter des „Echo de Paris" meldet: Bouar Law, der auf die englischen Forderungen an die Alliierten verzichten wolle, sei jedoch anscheinend nicht geneigt, auf den Anteil GE britmn-tens an den Reparationen gemäß dem Ablom- men von Spaa zu verzichten.
Lloyd Georges Ängriff.
Mit der Veröffentlichung der Artikel Lloyd Georges über sie Ankunft Europas ist begonnen worden. Ter erste Artikel trugt die Ueberschrift: „Der Part «ist ^raur- rench". Das „Journal" schrieb, wie der Pariser Beriwt- erstutter der „T. U." meldet, eine Vorbemerkung, in der es heißt, daß Frankreich das Recht habe, in bieten Ar
titeln den großen heftigen Kampf kennen zu lernen, den sich hier gleich zu Beginn in einer fürchterlichen Stasi klageschrift gegen die französische Politik und ihre Leiter antünbigt Dieser erste Artikel lasse die ganze Hefnqkeit dieses Kampfes voraussehen. Lloyd George wendet sich zunächst gegen den französifchen Chauvinismus im allgemeinen und gegen Clcmeuceau im besonderen, betont die Tatsache, daß Millionen Deutscher im Rheiulanö unter fremdem Joch stehen, und bezeichnet die Gefahr, daß die 15 Jahre Besetzung im Rheinlano ins Ungeuiessens geben könnte, salls nicht bis zum Ablauf der 15 Jahrs Frist in Frankreich ein Kabinett bestünde, dem jeden Chauvinismus widerstrebt, denn sonst sei der Friedy der Welt in Frage gestellt. England imb Amerika anen? können die Katastrophe aufhalten. Besonders e.ngebendi beschäftigt sich Lloyd George mit der Bemerkung Cle^ menceaus hinsichtlich der Garantien Englands für Frankreich gegen ein deutsches Eingreifen. Lloyd George Habs in Cannes Briand ein Angebot gemacht, doch fei das englische Angebot mit Verachtung zurückgewiesen wor-, den, weil für Frankreich bei Abschluß dieses Vertrages! jede Möglichkeit für die Annexion des liiitcii Rheinnfersi geschwunden wäre. Lloyd George schließt mit dem em-c sten Novell an Amerika, daß es rechtzeitig ein tätiges Interesse an der Entwicklung nehnie, die sich am Rhein vollzieht. Besonders aber verdient bemerkt zu werden, daß Lloyd George wiederholt Frankreichs Unrecht am Rhein geißelt und daß er sich ehrlich bemüht, die Gefühle und den heißen Zorn der nnterdritckten Rheinländer zu verstehen.
Lloyd George tadelt Clemenceau, weil er seine Be^ schwerden in Neuyork vor Ausländern vorgebracht habe, und nicht in Paris vor Männern der eigenen Rasse, fo=i dann besprach er die Haltung der Franzosen auf den Genueser Konferenz und führt aus, er beschwere sich nicht über die Haltung Barthous in Genua. Dieser sei bereit gewesen, aus der Kousereuz loyal zu Handelu. Aber jedesmal, wenn er einen Schritt gemacht habe, sei ihm mit einem Telegramm aus Paris ein Lasto um den Hals geworfen worden. Die biplomatifcßen Vertreter hätten in Genua gesehen, wie sich die Handlungsweise etneu Großmacht auf das Scheitern der Konfereuz gerichtet, habe. ___j
^Poiucarees Abwehrversuch.
Poincaree hat die französischen und englischen Presto vertreter empfangen und in heftigen Worten auf einen Artikel geantwortet, den Lloyd George im „Daily Chro- nicie" über die Rheinlandfrage veröffentlicht hat. Poincaree gab der Hoffunng Ausdruck, daß der frühere Premierminister feine Verleumdungen gegen die Alliierten einstellen werde, Lloyd George würde in seinen Schlüssen Recht haben, wenn er in seinen Voraussetzungen Recht hätte: aber die Voraussetzungen seien auf ttötlig , fclCMc.TaNachLU. ausaoüauti. ivv tet iiiuiliiiiiJtlig.~BUfe eu» Staatsmann mit einer Erfahrung, wie sie Lloyd Georgs habe, sich in so eigenartiger Weise täuschen ließe. Lloyd George erklärte in seinem Artikel, daß es in Frankreich eine Partei gäbe, die beabsichnqe, die Rheinlands zu an- uektiercu. Poincaree erwiderte, daß eine derartige Partei in Frankreich nicht existiere, außer in der Vorstellnng Lloyd Gorges. Es gibt und werde in Frankreich, so erklärte er, nie weder eine Regierung, noch einen Minister, noch einen Parlamentarier geben, der so unvernünftige Pläne hege. Frankreich wolle das deutsche Volk nu- ter keinen Umständen einer französischen Herrschaft unterwerfen.
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Dann hätten allerdings die geheimen Veratnngen im Elysee am 27. November keinen Sinn gehabt. Poincaree wird in London wahrscheinlich für seine Worte einffeßen müssen.
Der Sturmlauf gegen Poincaree.
w London. Der hochoffiziosr „Daily Telegraph" identifiziert sich ganz mit der scharfen Warnung, dre Lloyd George Frankreich wegen ferner Rvempolltrk erteilt und gibt zn. daß die öffentlich: Meinung hierin Lloyd Georges Ansichten teilt. Nach Pariser Meldungen wirb Pom- caree tatsächlich als Faustpfand die Ruhrkohle verlangen. Inspirierte englische Anslasinngen erklären sich ement gegen die französiirden Rhein- und Ruhrpläne, welche einen politischer', nicht wirtschaftlichen Charakter trugen Sie,zeigen, daß die hiesig: Regierung die Ansicht der ru- ternationalen Sachverständigen teile.
Poiucarees Protest.
M London. Havas veröffentlicht eine Mitteilung Bei züglich des Artikels AoyS Georges, worin letzterer Frankreich die Absicht znschreibt, das linke Rheinnfex nach 15 Jahren der Besetzung zu annektieren. Hierzu erklärt Havas: Es ist sehr wahrscheinlich, daß auf der Versammlung der Ministerpräsidenten Poincaree ener- gisch Protest gegen die tendenziöse Anslassling der französischen Politik durch den früheren enalischen Ministerpräsidenten erleben wird.
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' Anarchie in EricchevlanS.
Nach den in London aus Athen einaetrosfetlen Nachrichten herrscht dort vollkommene Anarchie. König Georg lmt seine Forderung wiederholt, daß er unbe-^ dingt auf den Thron verzichten werde, falls daS revv-^ lutionäre Komitee nicht aufgelöst werde. DiesTst K-W der Lage und übt diktatorruhe Gewalt aus. ~te /»bt^ tation für die republikanische Staatssvrm gewinnt ü av-r big an Boden, so daß ein Thronverzicht Georgs die Republik zur Folge haben könnte. ; J