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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Der Bezugspreis beträgt durch die Dost belogen monatlich 50. Mk., für Hersfeld 40. Mt., Abholer 35. Mt. / / Anzeigen­preis für die einspaltige Vetitzeile ober deren Raum 5 Mk., für auswärts 6 Mt., die Retlamezeile 15. Mt. / / Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Sersfelb.

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Nr. 245 Sonnabend, den 4. November 1922

a auch unsere ganze wirtschaftliche und politische beeinflußt und bestimmt, beschäftigen.uns heute

i Ber- ds ae-

l Wochenschau.

" Trotz der politischen Ereignisse, die sich in der letzten Zeit in England und Italien abgespielt haben und die auch für uns insofern von Bedeutung sind, als heute in einem früher kaum für möglich gehaltenen Grade bte Entwickelung der politischen Verhältnisse in den Sieg»- staaten auch unsere ganze wirtschaftliche und polstrsche Lage beeinflußt und bestimmt, beschäftigen uns heute doch am meisten die Dinge, die uns gegenwärtig direkt berühren. Da ist es in der Hauptsache die E n t f ch a - digungsfrage, die noch heute genau so wie vor Jahresfrist, als der politische Zusammenbruch Deutsch­lands sich in verschärfter Form wirtschaftlich auszu- wirken begann, ungelöst ist. In einer ganzen Reche von Konferenzen haben sich Wirtschafts- und Finanzsach­verständige neben den politischen Staatsmännern mit diesem Problem befaßt. Eine Lösung war aber un­möglich, weil sich die allgewaltigen Ententestaatsmanner in ihrem Siegesrausch, dem aber eine starke Dosis Angst vor der Wiedererstarkung Deutschlands, das dann für die ihm angetane Schmach und Knechtung Revanche ver­langen könnte, beigemischt ist, der nüchternen Vernunsts- erkenntnis der Wirtschaftssachverständigen, daß dw Deutschland aufgezwungenen Verpflichtungen einfach beim besten Willen und bei der Auferlegung der größten Beschränkungen in der eigenen Lebensführung immer noch bei weitem unerfüllbar sind, stets verschlosien haben. So mußte die deutsche Regierung bald erklären, ba6 sie am Ende ihrer Leistungsfähigkeit augelangt sei. Wohl oder übel mußte sich die Entente damit begnügen, nur noch recht spärlich aus dem versiegenden deutschen »Re- parationsbrunnen" zu schöpfen. aber Frankreich, das in der Vorstellung lebte, Deutschland werde alles be- »ablem kann sich doch nur sehr schwer an diesen Ge­danken gewöhnen und versucht alte Hebel in Bewegung M setzen, um zu seinem vermeintlichenRecht, bezahlt u werden", zu kommem In seiner Reparationspolitik ist es, wenn es auch gerne allein gegen Deutichland vor- mehen und sich mit Gewalt das verichaffen mochte, was es aus Deutschland herauspressen will, von seinen ehe­maligen Verbündeten, die den 5knebelungsvertrag mit unterschrieben haben, abhängig. So ist escmmeram

bünbeten ein Kuhhandel auf Kosten Dautß

^S dieser Woche hat sich dle Ref-arationskommission unter ihrem neuen Vorsitzenden Barthom der den Ehr- rmf^ aordischen Knoten der Entichadigungsfrage

E -Ucb es ihm getinner, w^ dürfte sich ja halb ermeiten in Berlin eingefunden,, um Mit oer Reiws- regierung zu verhandeln. Die Reise ist mit einer 3j5m< si^ aeräuschvollen Gewaltmusik der franzosifchen Pratze Mr^et woräen Bisher ist aber, soweit sich erkennen läßt nur in konzilianter, wenn auch eftvas .autichu - BsSÄ'Ä

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sSn Ete mit dem Gedanken eines freien .souveränen StaatIn-cht ftr Einklang gebracht werden können. Un- tf.rp gegenwärtig wieder äußerst kritisch. . ^&Ä?.»

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Ä entgegensehM es wird nun an Ort und stelle von den Sachverständigen untersucht werden, wie wei? Deutschland zahlungsfähig ist und welche G^runde dem Zusamnienbruch der Rtark geführt haben. Stete pmmandsreic Feststellung durch Sachverständige wird M;Ententestaaten und besonders in Frankreich

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Bankerotts durch die eigene Wirtschaft und Regierung

^ ^Äalicn haben die Faszisten einen vollständigen KLÄii« S »»^ S &»ä^

Der neue Martsturz

Der Dollar über 6000. _ -

- Die weitere sprunghafte Aufwärtsbewegung der aüs- ^länsischen Devisenkurse nach dem Beginn der Berliner § Entschädigungsverhandlungen mit der Reparationskom- .lmission darf wohl als ein Zeichen für das .geringe Ber- ii trauen angesehen werben, das aw einen günstigen 9luv- ' gong dieser Verhandlungen nnb eine positive Regelung U m- r Entschttdigungsfrage und vor allem auch der Fraae 8 der Markstabilisierung, die bei den Berlimr Verband- Oberen ähnlichen Verhandlungen beeinflußte wenigstens "zunächst immer die Ungewißheit über bereit Ausgang den

Devisenmarkt m der Richtung, daß eine Abschwachung eintrat. Diesmal ist es aber ganz anders. Selbst dir in verbindlicher Form gehaltenen Reden bet der Eröff­nung der Berliner Besprechungen haben jeden Eindruck verfehlt und es nicht vermocht, wenigstens solange, bis die Besprechungen konkrete Ergebnisse gezeitigt haben, einen Stillstand in der Kursbewegung herbeizusühren. Die Hauptschuld hieran trägt wohl die allgemerne Auf­fassung, daß Frankreich in seinen überspannten Forde­rungen auch weiter unnachgiebig bleiben oder wenig­stens nicht so weit nachgeben werde, das; eine. Grundlage gefunden werden könnte, auf der sich eine Einigung er­zielen hätzt. Die Unsicherheit ist heute größer denn je. Vor allem muß befürchtet werden, daß uns neue Bedin- gungen drohen, die unser ganzes Wirtschaftsleben, das schon jetzt einen äußerst harten Existenzkampf führt, aufs schwerste gefährden, in erster Linie eine verschärfte Fi­nanzkontrolle und eine iveitere Einengung des Devisen- ankaufs, durch den die auf den Rohstoffbezug aus deut Auslande angewiesene Industrie schwer getroffen wer­den würde. Daß bei diesen Aussichten die Stimmung immer nervöser wird und dann auch die Spekulanonpro- fitiert, ist leider eine Tatsache, die durch gesetzliche Mahl nahmen nicht wirksam verhindert werden kann.Mf^A>Ä ......Der neue Sturz der Mark muß aber auch die Repa­rationskommission davon überzeugen, daß nS die biv- herige Entschädigungspolitik in falsch m Bahnen bewegt und' daß sie selbst früher, als vorauszu,eben war, zum Zusammenbruch dieser Politik und zum Ende mr,erer Leistungsfähigkeit geführt bat. Die Reparatwnskommn- sion soll sich auch schon, wie aus Berlin gemeldet wird, angesichts des neuen Markstnrzes mit der Reichsregie, rung in Verbindung gesetzt haben, run hier einen Aus­weg zu finden. In welcher Richtung sich die^ Maßnah­men bewegen, die erwogen werden, ist ledoch nicht ange­geben. Bei dem bisherigen Verhalten Frankreich», das auch für die Tätigkeit der Reparationskomnnmon maß­gebend war, wird man mit einiger Spannung erwarten können, wie Herr Varthon gedenkt, den Sturz der Mark aufzuhalten. Bei der gegenwärtigen Zuspitzung, der Verhältnisse dürfte sich auch die Reparatronskomuns- sion mib ihr neuer Vorsitzender wohl kaum der Einsicht verschließen können, daß wir bet dem. gegenwärtigen

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wen ist die

mehr leisten können. Unter diesen Umständen ist die Ausrottung der gesamten EntzchadigungZirage eme yoh* tische und wirtschaftliche Rstwendigteit. selbst die Sta­bilisierung der Mark durch, eine Ausländsanleihe und ein auf mehrere Jahre befristetes Moratorium würden rn keiner dauernden Gesundung. fsihren. Es konnte allenfalls NA eine Erleiwrccuug für MG nndeii.e .uu- tive Besserung des Markkurses erreicht werden, die aber später wieber durch neue Lasten illuwrisch gemacht wer­den würden. Solange die Bermlichmngenau» dem Versailler Vertrage wie ein Alpdruck auf Deutschland lasten, ist keine Stetigkeit in der Wirtschaft und den Finanzen möglich. Neben den inH^^^n ausicßuitgen

für ein Wiederemporkommen Deutschland^ist auch da» Vertrauen des Auslandes eine unerläßliche Vorbedin gunm Beides kann nicht erreicht werde» solange das Versailler Dauwklesschwert über Deutschland hangt, wk.

Die Stavittsierung der Mark

ster den Betrag von

erten der Repara-

^Berlin. (B. T.) Nach demB. T." find in Krei­sen der deutschen Sachverständigen die!Ansichten über die Frage der MarkstabMsiernng einstweilen «ach. ge­teilt. Was den Gedanken betrifft, einen Tcüdes Reichs­bankgoldes für die Markstabilisierung tu Anspruch zu nehmen so sind sowohl der Reichskanzler als auch Reichsfinanzminister Dr. Hermes diesem Gedanken^ ab­geneigt und würden es vorziehen, wenn eine Losung dieses Problems auf dem Wege über eme. auslandiWe Goldanleihe erzielt werden könnte. Auch über den Be­trag. auf den eine solche Anleihe lauten ü»uW, ist vor­läufig noch keine endgültige Einigung erzielt worden. Richtig ist, daß der Reichsfinanzminister den Betrag von 500 Millionen Goldmark den Delegierten der Repara. tionskommisston genannt hat. Sir John Bradbury hat aber bemerkt, daß eine solche Summe u>ohl nicht aus­reichen würde, um einen Erfolg der geplanten -lktwn

x Paris. Havas berichtet aus Berlin: Die LösE Reichsfinanzminister Hermes zur Stabilisierung dcr Mark vorgeschlagen habe, sei die Emission, eruer A - leihe, bereit Ertrag einzig und allein zum Wrederaufbau Deutschlands bestimmt sein soll. Dw Frag^ der Gman den ergäbe jedoch große ^miengtcite^ nicht ob der Mstirster der Kommission einen anderen

Vorschlag unterbreiten werde. .....-

MeMslanWchvMLnM

« Die ausländischen Sachverständigen, die inzwischen vollzählig in Berlin eingetroffen sind, haben einer Em-i ladung des Reichskanzlers Dr. Wirth Folge greiftet. Es waren erschienen die Herren Vessering, Easiel, Brand. Keynes, Dubois und Jenks. Der Reichskanzrer begrüßte die Herren mit einer Ansprache, in der er nach entter- tenden Begrützungsworten folgendes ausstihrte:

Die Möglichkeit, die Mark zu stabilisieren, ist auch bet uns auf eingehendste geprüft worden, und um so intensiver, je mehr die Entwertung der Mark sortschre;- tet und je verhängnisvoller die Folgen dieser Entwer­tung für die deutsche Volkswirtschaft und die ver Länder sind, mit denen Deutschland Handel treibt und Händel treiben muß. Die eine Meinung über dieses Problem ist die, daß der Versuch einer Stabilisierung ver Mark verfrüht sei und keinen dauernden Erfolg gewährleiste.

so lange nicht zwei Voraussetzungen erfüllt seien oder, ihre Erfüllung in nahe Aussicht gerückt sei, nämlich die!

Balauzierung des Budgets und die Balanzierung der

ZahlungsSUauz. So lange ferner die Wareneinfuhr die Warenausfuhr so stark übersieigt wie in der letzten Zeit

das Defizit der Ausfuhr muß leider noch als sehr viel größer angenommen werden, als die bisher vcröf^ fentlichten Zahlen erkennen lassen, so lange zu dieser Passivität der Handelsbilanz aus verschiedenen Gründen noch weitere passive Faktoren dazu kommen, muß sich das Defizit in unserer Zahlungsbilanz noch vergrößern.

Unglücklicherweise hängt aber die Erfüllung dieser bei­den Voraussetzungen zu einem großen Teil von der Sta­bilisierung der Mark selbst ab. So gehen Ursache und Folgeerscheinungen inetnanber über und diese Situation führte die aude're Meinung zn der . .orüerung, diesen circulus virtiosus zu durchhauen und die Mark zunächst einmal auf irgendeine Basis festzulegen, wenn auch nicht endgültig, so doch provisorisch, um auf jeden Fall das weitere Abgleiten der Währung zu verhindern, und dies schnell und mit Entschlossenheit, denn lange könne bei dem jetzigen Rückgang der Mark nicht mehr gewartet werden, wenn die deutsche Wirtschaft nicht völlig zusam- menbrechen soll.

In dieser ungeklärten Situation hat die Reichsregie­rung das Bedürfnis gehabt, zu hören, wie man dieses

Problem vom Auslande aus ansieht, und aus diesem Bedürfnis heraus die Einladungen an die Sachverstän­digen gerichtet. Die Konferenz von Genua und insbe­sondere das Sachverständigenkomitee hat sich mit dieser Frage schon eingehend beschäftigt und ein bedeutsames Gutachten erstattet, aus dem nur ein Satz in die Erin­nerung zurückgerufen werden soll. Das Sachverständt- genkomitee hat damals in feinem Gutachten gesagt:

Wenn die äußere Schuldenlast eines Landes seine Zahlungsfähigkeit übersteigt und wenn dieses Land nicht durch äußere Anleihen Hilfe erhalten kann, so müßen die Anstrengungen, diese Verpflichtungen zu erfüllen, notwendig znr Folge haben, daß einmal die Märkte t« anderen Ländern gestört werden und daß weiter eine fortgesetzte Entwertung der Währung des Schnlduer- landes eintritt, die das Schuldnerland vollständm daran hindert, irgendeinen Schritt in der Richtung der Stabsti- sierung der Währung zn unternehmen."

~"^i^7^TW^rtrTO^ «o . ziehung auf ein bestimmtes einzelnes Land abgegeben worden. Jetzt handelt es sich darum, und das ist die Bitte, die an die Sachverständigen gerichtet wirb diese . Frage besonders im Hinblick auf die deutsche Währung zu prüfen und ein Gutachten darüber abzugeben:

l. Jst nuter Leu gegeuwärtige« Umständen eine Sta­bilisierung der Mark möglich?

2. Wenn uein: Welche Voraussetzungen müssen ge­schaffen werden, um eine Stabilisierung zu ermöglichen?

3. Welche Maßnahmen müßen zur Stabilisterung ge­troffen wxrden, sobald die Boranssetzungsn vvrl'cgen?

Die Sachverständigen haben völlige Freiheit, ihre

Arbeit und Beratung ganz nach ihrem eigenen Ermessen einzurichten und durchzusühren. Sie können dabei gmrz unter sich bleiben, sie können aber, wenn sie über eine Reihe von Gegenständen, über bte deutsche Handels- und Zahlungsbilanz, über das deutsche Budget und anderes besonders unterrichtet werden wollen, um eine sichere wird sicher im In- und Ausland mit Spannung errvar- schen Ministerien oder an deutsche Sachverständige der

Wissenschaft und der Praxis richten.

Die Antwort der Sachverständigen auf diese Frage tet werden und tiefe Beachtung finden.

werden und tiefe Beachtung finden.

Deafldje EnMBdigungsdenliMrilt

als Grundlage für die weiteren Verhandlungen.

r-r-Die Reparationskommifsion und der Reichsfinanz- Minister Hermes haben am Donnerstag drei Besprechun­gen abgehalten, in deren Verlanf die Aufstellungen bet deutschen Regierung, die den Haushalt für 1922 uud 1923 betreffen, sowie die Frage der Stabilisierung der

Mark und der schwebenden Schvld dargelegt würben.

Im weiteren Verlauf der Beratungen wurde verein­bart, daß Minister Hermes in der Nachmittagssitzung am Freitag eine offizielle Tarlegnng der von der Reichs- regierung vorgesehenen Lösung vorlegen wirb. Die weiteren Erörterungen werden auf der Grundlage dieser offiziellen Mitteilnngen geführt werden.

Die voraussichtlichen deutsche« Borschläge.

»»Die Denkschrift, die Hermes der Reparationskom­mission vorlegen wird, wird neben positiven Vorschlägen znr Frage der Markstabilisierung eine ausführliche Dar­stellung der Eutwickluug der finanziellen und wkrt>chast- lichen Lage Deutschlands enthalten. Voraussichtlich wird die Kounnission die Vorschläge ohne weitere Auswrachc entgegennehmen und sich erst am Sonnabend vormittag in einer internen Sitzung mit, ihnen befassen. Am Nach- mittag soll bann die eigentliche Tiskunwn über die dentschen Vorschläge ausgenommen werden.

Ohne Ausländsanleihe keine Markstabilisierung möglich «»DerLoL-Anz.* schreibt zn der Mitteilung, daß

Hermes die deutsche Entschädigungsdenkschrift verlegen ? soll, it. a.: Wenn die Reichsregierung ein Moratoriums von fünf Jahren verlangen würbe, so würde sie bamiin die Ansichten der deutschen Wirtschafts- und Finanz-I kreise zum Ausdruck bringen. Eine Stabilisierung bei 3 Mark dürfte kaum denkbar fein, wenn wir nicht ovw Z Auslande eine Anleihe erhalten. Die Reichsregieruns wird vermutlich den Staudpuukt vertreten, daß eine An- V

s leihe von ungefähr 500 Millionen Dollar uns vielteich: befähigen würde, zu einer Stabilisierung der Marr zi: schreiten. Der in Berlin weilende Amerikaner Stanke