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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Der Bezugspreis beträgt durch die Dost bezogen monatlich 50. Mk., für Hersfeld 40. Mt., Abholer 35. Mt. / / Anzeige«, preis für die einspaltige Detitreile oder deren Raum 4. Mk., für auswärts 5. Mt., die Reklamezeile 15. Mk. / / Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungs-Verleger. / / Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. / / Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 237

Dienstag, den 17. Oktober

1922

Die Dollarkalkolakion.

Im Handelsblatt der Frankfurter Zeitung lesen wir:Wir haben oft und nachdrücklich auf diese Gefahr früher hingewiefen und den Standpunkt vertreten, daß ein Verkauf von Waren unter dem Wiederanschasfungs- preis für den Kaufmann ein Verlustverkauf ist, daß man deshalb auch unmöglich eine Gesetzgebung aufrechter­halten kann, die darauf ausgeht, unter Verschlietzung der Augen vor den Tatsachen der Geldentwertung zu einem Verkauf mit Kapitalverlust zu zwingen. In den letzten Monaten hat sich unter dem Eindruck des heftigen Stur­zes des Markwertes die Erkenntnis von der Notwendig­keit, die Geldentwertung in der Kalkulation zu berück- stchtigen, in der radikalsten Weise in der Wirtschasts- praxis durchgesetzt. Heute handelt es sich, abgesehen von der immer noch notwendigen Beseitigung einiger un­möglicher Gesetzesbestimmungen, nicht mehr darum, den Blick der Kaufmannschaft dafür zu schärfen, daß der Ver­kauf zu Verlustpreifen ungesund ist, sondern man ist umgekehrt dazu gezwungen, sich mit den Ausschreitungen zu beschäftigen, die beim Nebergang zu neuen Kalkula­tionsmethoden immer häufiger sichtbar werden. Diese Ausschreitungen zeigen die Tendenz, nicht nur den Er­satzbeschaffungswert im Preise wieder hereinzubringen, auch nicht nur die Gewinnquote unter Umrechnung nach dem Dollarstande zu sichern, sondern möglichst noch dar­über hinausgehende Sonderprofite aus dem Umrech­nungsverfahren zu erzielen.

Das Streben, bei schwankendem Geldwert Kalkula­tionsmethoden zu finden, die den berechtigten Bedürf­nissen der Wirtschaft entsprechen, hat zunächst einmal zu einem fürchterlichen Wirrwarr der in der Praxis herr­schenden Berechnungsmethoden und Lieferungsbedin­gungen geführt. Fast jeder Verband hat nach eigenen Methoden feine Berechnungsgrundsätze aufgestellt, und jeder Verbandssyndikus- hat sich bet seinen Unterneh­mern besonders beliebt gemacht, wenn er bei der Um­stellung veralteter Kalkulationsmethoden auf neue Wege in einer Richtung arbeitete, die die Preise und damit die Gewinne seiner Branche möglichst an die Spitze der all­gemeinen Bewegung brächte. Wenn die Preise ein­schließlich der in ihnen enthaltenen alten Gewinnquoten einfach in ihrer Gesamtheit auf den Dollarkurs bezogen werden, so ergibt sich als Folge, daß die Warenprodu­zenten resp, die Warenbesitzer mindestens die Folgen der Geldentwertung restlos von um auf w< Wto auf die Verbraucher, abwülzen, oft aber noch darüber hinaus Sondergewinne erzielen. Bei jeder Steuer findet ein Kampf um die Abwälzung zwischen den ver­schiedenen Schichten der Bevölkerung statt. Daß dre In­flation, soweit sie aus der Deckung des Finanzbedarfs des Staates durch die Diskontierung von Schatzwecyieln entspringt, die ungerechteste Form der Steuer ist, bei der der Staat fast jeden Einfluß auf den Kampf um die Ab­wälzung verliert, ist der Theorie längst bekannt. In den schärfsten Formen prägt sich dieser Charakter der Jnfla- tionssteucr jetzt in der Praxis der Kalkulationen aus. Wenn, «sie wir sahen, der' Wärenbesitzer beim UebergaM zur Dollarrechnung sich sowohl für ferne Vermogens- erhaltung, als auch für seine Gewinnquote.für semen Teil der Wirkung der Inflation restlos entzieht, so R- deutet das natürlich nichts anderes,, als eine um w schwerere Belastung derjenigen Schichten durch öie,e Steuer, die nicht in der Lage sind, die gleichen Schutz- wllwl anruwenden ö. h also, diese reine Dollarrechnung cebt^a^Kosten der arbeitenden Schichten der Bevötte- rung deren Einkommen aus Lohn, Gehalt oder freien Honoraren nicht der gleichen Anpaim un selbstverständlich in noch mel schärferem Maße auf Kosten aller Rentner, deren Bezüge überhaupt keine Anvasiunasmöglichkeit haben. Die praktischen Nutz­nießer dieser Abwälzung der Jnflationssteuer pflegen ihre angenehme Position damit zu verteidigen, daß sie volkswirtschaftlich die Erhaltung des Proöuktronsappa- rates auf Kosten der Konsumeinschränkung der breiten Masse Mr notwendig erklären."

Sächsische Forderungen znr Devisenverorönnng.

Das Gesamtministerium des Freistaates Sachsen bat folaenden au den Reichsart gerichteten Antrag an- amommen: Der Reichsrat wolle beschließen, die Reichs- renierung zu ersuchen, unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach die Preisberechnung nach fremder Währung nur noch für den Teil einer Ware gefordert Eden darf, der nachweislich importiert und in frem­der Währung bezahlt worden ist.

Das Ergebnis von Mudania.

Es hat nicht leicht gehalten, die alliierten Generale und den türkischen Stabschef zu einer gemeinsamen Aussprache zusammenzubringen. Unbeschadet seiner spä­teren groben Verstöße gegen die Solidarität der Alliier­ten muß man das Zustandekommen der Konferenz ^rankltn Bouillon als Verdienst anrechnen, der in ei­nem Augenblicke der politischen Hochspannung, als die»- seits und jenseits des Kanals das Wort Sweet in aller todtste war, die Welt mit der Tatsache einer Militari- toen aufamme überraschte. So sicher der Krieg -vorher schien, so überschwenglich prophezeiten denn Em- i treffen jener entspannenden Nachricht London und Paris eine friedliche Regelung, undalle Welt stritt, wessen i Verdienst für den Frieden großer sei das yranklin i Ämlillous, der Angara zum Konferenztisch trachte, oder

S S der durch zurückhaltende Ausführung seiner Londoner «uftrultioncu den scheinbar unvermeid-

- tchen Zusammenstoß bei Tschanak vermied.

! Die zuversichtliche Stimmung hielt, nicht lange vor. ' j ^er amter der Konferenz selbst, Bouillon, leistete sich einen diplomatischen Seitensprung, der gegenüber der

kühlen Sachlichkeit Harrington ferne Wirkung vollkom­men verfehlte. Man stritt über die thrazische Räu­mungsfrage. Den geureinsamen Instruktionen der al­liierten Generale gemäß, verwies Harrington die Frage auf die bevorstehende endgültige Friedenskonferenz. Bouillon aber veranlaßte in einer Privatunterredung den französischen General Chapry, die gemeinsamen In­struktionen zu überschreiten und dem türkischen Verlan­gen nach sofortiger Besetzuna Thraziens entgegenzukom- men. Harrington tat das einzige, was er in dieser Lage tun konnte,- er fuhr nach Konstanttnopel und sandte ein alarmierendes Telegramm nach London an seine Regie­rung. So sehr die Haltung Bouillons eine berechtigte Kritik herausfordert, so zweifelhaft erscheint es, ob die englische Regierung richtig handelte mit dem Versuch, die Erörterung der thrazischen Frage in Mudania von vorn­herein und unter allen Umständen zu verhindern.

Curzon übernahm zum zweiten Male die undank­bare Aufgabe, die Fehler der englischen Lrienwontik in Paris nach Möglichkeit zur korrigieren. Mit einem ge­harnischten Protest gegen Bouillons Verhalten in der Tasche fuhr er zu Poincaree. Das Ergebnis der Bespre­chungen aber war lediglich ein weiteres Zurückweichen der englischen Auffassung vor der Front Frankreich-An- gora. Man wird den in Thrazien etnrückenden Türken Gendarmerieuniform anziehen, damit der Schein des englischen Standpunktes gewahrt bleibt. Man wird ^die neutrale Zone bei Tschanak so verändern, daß die Tür­ken, ohne ihre jetzigen Stellungen zu verlassen, dennoch außerhalb stehen werden, d. h. die neutrale Zone wird sich nach den Türken und nicht diese werden sich nach der neutralen Zone zu richten haben.

Griechenland scheidet bei diesem Spiel der diploma­tischen Kräfte vollkommen aus. Die energische Geste, mit der der griechische Vertreter in Mudania seine Zu­stimmung zu jeder Lösung der thrazischen Frage ver­weigerte, bevor er nicht mit der Athener Regierung Füh­lung genommei habe, ist wirkungslos versunken vor dem Beschluß des griechischen Ministerrats, iede Lösung

anzunehmen, die von den Großmächten einstimmig ge­troffen werden würde. Warum denn mußte Konstantin gehen, der doch nur das Werk sortierte, das Venizelos 1918 begonnen hatte und dem damals ganz Griechenland miubelte? Stand nicht über der griechischen Revolution als oberster Leitsatz: Festhalten an Thrazien, Aufbie­tung her äußersten Energie des Landes zur Rettung der "Wiwr Die TNsache?bcm beirre nyvu, wentgodmen

__________ __________________ __________die größte Bedeutung dieses Krisis: an den Orientfra Die Taisackg', daß yeme schvn,"wentge^Wvmen » -a*i-««»U*. sich, .zu«^rjun MÄö^nnr k<v-Auu^L lmsturz, ein Telegramm des in Paris weilen- Welt die Undurchführbarkeit der Friedensverträge.

psychologische Wirkung dieser dcastischen Lektton wir

nach dem Umsturz, ein Telegramm des in Paris weilen­den Venizelos genügt, den heilig verkündeten nationalen Grundsatz der Revolution klanglos beiseite zu schieben, läßt den unparteiisch Urteilenden vermuten, daß nicht die Rettung Thraziens das erste Kiel war, sondern daß trotz allen nationalen Gepränges der Bewegung Kon­stantin gehen mußte, um Venizelos Platz zu machen.

Lloyd Georges Rede.

Aus London wird berichtet: Lloyd George wurde bei seinem Besuch in Manchester ein wundervoller Emp­fang zuteil. Ueber 7000 Personen hatten Zulassung be- rntragt, Platz war aber nur für 300. Die Rede enthielt keine bestimmte Ankünöigimg einer baldigen Auflösung »e§ Parlaments. Ueber den nahen Osten sagte er, die Kegierung habe den einzigen sicheren Weg zum Frieden zewählt und ihn erreicht. Das verdanke England in weitem Maße dem Takt, der Urteilskraft und der Ent- ichlossenheit Sir Charles Harringlon und des weisen Katgebers Sir Horace Rumbold, zum großen Teil auch )er Geduld und dem Eifer Lord Curzons, aber und; das ist keine Herabsetzung für sie es wäre unmöglich! »ewesen, wenn wir nicht fest und entschlossen Unter- tützung für Harrington entsandt hätten, die auf das wientalische Gemüt Eindruck machte. Die Regierung hatte ein dreifaches Ziel: 1. Die Freiheit der Meerengen für den Handel aller Nationen zu sichern, 2. zu verhin­dern, daß der Krieg auf Europa Übergriff, 3. zu ver­hindern, daß in Konstanttnopel und in Griechenland sich die Szenen unerträglichen Grauens wiederholten, die in den letzten sechs ors sieben Jahren in Kleinasien vor sich gingen. Wir wurden von unseren Armee- und Marinebehörtzen dahin beraten, daß wir die Freiheit der Meerengen für friedlichen Handel nicht sichern könn­ten, wenn wir nicht beide Ufer besetzt hielten. Die Tür­

Een gingen gegen uns vor, die Franzosen zogen sich zu- ' " teil ihnen dicht auf. Nehmen Franzosen schwächlich gefolgt.- " it in Tschanak gewesen, das Nächste, was sich dann ereignet hätte, wäre das Ueber- schreiten der Meerengen gewesen. Hätte jemand die Türken aus der Stellung nach Osten vertreiben können, wenn sie nicht vor der Konferenz nachgegeben hätten? Natürlich nicht. Noch etwas hätte sich im Bosporus er­eignet. Die Tiirken wären in Konstanttnopel gewesen. Was sich dort hätte ereignen können, wenn wir ihnen erst einmal den Einmarsch gestattet hätten, ist zu schreck­lich, um es sich vorzustelleu. Es hat keinen Sinn, ein erstklassiges Kampftier zu bluffen, und das ist der Türke, was er auch sonst fein mag. Man kann, wenn man will, sagen, wir drohten. Es ist immer ein Fehler, zu drohen, wenn man es nicht so meint, und weil wir nicht nur drohten, sondern es auch so meinten und der Türke das wußte, haben wir jetzt Frieden.

Dann sprach Llocd George über die Kritik der libe­ralen Führer.Mein Lauf ist klar. Ich werde jede Regierung unterstützen, die sich solchen Maßnahmen wid­met. die dem Lande nicht dauernden Schaden bringen, ob sie nun reakttonär oder revolutionär sind. Die Zu­kunft ist verwomen, und es gibt Schwierigkeiten für jeden auf dem Wege, aber die Lage unseres Landes und der Welt ist Alt ernst, als daü. jemand, in einer Partei

rück und die Italiener folgten wir an, wir wären den F:

Die Kemalisten wären dann

persönliche Manöver versuchen dürfte. Ich stelle die nationale Sicherheit über die Interessen jeder Partei. Ich werde mich stets mit Stolz erinnern, daß die Hilfe, loyaler Kollegen mir in dunklen Stunden ermöglicht hat, einem Lande zu helfen." Lauter und wiederholter Bei­fall dankte ihm.

Bald eine zweite Rede Lloyd Georges.

s-^Aus Paris wird gemeldet: Londoner Meldungen zufolge ist in allerkürzester Zeit eine zweite große Rede, Lloyd Georges zu erwarten. Ueber den Zeitpunkt deß Parlamentswahlen wird die Entscheidung möglicher­weise schon am Dienstag oder am Mittwoch fallen. Der Londoner Korrespondent desEcho de Paris" glaubt, daß diese Wahl kaum vor Mitte Januar zu erwarten fei. Ein Grund für diese Verzögerung liege darin, daß das Parlament, das am 14. November zusammentritt, über die irische Verfassungsneuwahl beraten und damit für Lloyd George in der irischen Frage ein größer politischer Erfolg bedeuten soll.

Begeisterte Ovationen für Lloyd George.

t* Aus London wird gemeldet: Ll ryd George war am Sonntag bei seiner Rückkehr aus Manchester Gegenstand: einer begeisterten Kundgebung. Eine außerordentlichj große Volksmenge bewillkommnete ihn am Bahnhof un« begrüßte ihn enthusiastisch benn Verlagen des Zuges. Die Kundgebungen wiederholten sich in der Dowmng- ftreet vor der Wohnung des Ministerpräsidenten. Im Laufe des Nachmittags hatte Lloyd George eine längere Unterredung mit Churchill.

Englands Orientpolitib.

Die englische Drientvolittk liegt heute zu einem gutem Teil in Scherben. Wäre es zum skriege mit den Türkem gekommen, so waren nach der Meinung Garvins einet Million Soldaten und fast unermeßliche Geldsumme» notwendig, um die englische Herrschaft über Indien zu^ behaupten. Aber auch ohne Krieg hat das Ansehem Englands bei seinen hungert Millionen mohammedani­scher Untertanen in einer Weife gelitten, deren praktischZ Folgen sich heute noch nicht übersehen lasten. Und warum das alles? Weil Lloyd George, indem er seine bekannte Griechenpolitik einschlug und sich damit auf das tote Pferd setzte", einen der bewährtesten Grundsätze englischer Staatsklugheit über Bord warf und an seine Stelle den Vertrag von Sevres setzte. Hier liegt vielleicht:

nicht geising sein. Der Schluß liegt nahe, daß, wenn d eine Vertrag nichts taugt, die anderen wahrscheinlich ni

mit größerer Weisheit gemacht sind, und tatsächlich kann man in den englischen Blättern bereits diesem Gedank

begegnen.Vier Jahre nach Friedensschluß hat Eng land den Weltkrieg verloren.* DerObserver* der die­sen Satz schrieb, meinte damit nur die Lrientfragen, aber die breite Masse des englischen Volkes, für die schließlich die Bedürfnisse des Imperiums erst an zwei­ter oder zehnter Stelle stehen, denkt dabei vor allem an die wirtschaftliche Lage des Landes. Die Ueberzeugung, daß das Kabinett Lloyd George, wenn auch nicht den Krieg, so doch den Frieden verloren hat, ist heute ziem­lich Gemeingut des englischen Volkes, und diese Ueber­zeugung ist es auch, die aeqenwlirlia die Parteien von rechts nach links im Kampfe gegen das Kabinett zusam- menfübrt.

Aegypten gegen die englische Bevormundung.

»^Aus Paris wird gemeldet: Aus Cairo wird des Times" berichtet, daß die ägyptische Regierung offiziell) ihren Wunsch ausgesprochen habe, zu der bevorstehen­den Friedenskonferenz zugelassen zu werden. Da dass Land noch keinen diploma-ischen Vertreter bei den frag­lichen Regierungen hat, ist diese Forderung in allen Staaten durch Vermittlung des Generalpräsidenten mit­geteilt worden. Für die Forderung soll folgende Be-< gründung geltend gemacht,ein: Wenn Aegypten bei den Verhandlungen über den Vertrag von Sevres noch durch die britische Regierung vertreten war, haben sich die Verhältnisse inzwischen verändert, da das Land heute eine von allen Mächten an erkannte Verfassung besitzt.

Zur Kriegsschuld.

Russische Fälschungen. Romberg widerlegt Biviani.

Ein Vertreter des W. T. B. hatte Getegenbeii zu einem Gespräch mit Freiherrn von Romberg, dem Her­ausgeber der SchriftDie Fälschungen des russischen Orangebuches". Freiherr von Romberg äußerte sich da­bei au den Bemerkungen Bivtanis über diese Vcrüffenl- lichungen folgendermaßen:

Herr Biviani schreibt:Deutschland habe den Zu­stand der zhriegsgefaür erklärt, bevor es von der rus­sischen Mobilmachung Kenntnis hatte, und die Erklärung? des Zustandes der Kriegsgefahr bedeute für alle ernsten Leute dasselbe wie die Mobilmachung." Hierzu ist zw bemerken: In Wirklichkeit ging die Meldung von den russischen Gesamtmobilmachung im Auswärttgen Amt in Berlin am 31. Juli 1914 um 11 Uhr 40 Minuten vor­mittags ein (Deutsche Dokumente 473>, und erst dann? wurde 1 Uhr nachmittags die Erklärung drohender^ Kriegsgefahr erlassen. Daß diese Erklärung soviel wiez Mobilmachung bedeutet, ist, wie jedermann weiß, natür-D lich falsch. Aber wenn wir uns einmal auf Herrn Bi-D vianis Standpunkt stellen wollen, so ergeben sich geradeI daraus Schlüsse, die für Deutschland hinsichtlich der« Schuld am Kriege sehr günstig sind. Denn wie stand e3| mit den anderen Ländern? Der deutschen Maßnabmeß einer Erklärmrg drohender Kriegsgefahr entspricht näm-Z lich in Rußland derBeginn der Kriegsvorbereuunas-. veriode", der bekanntlich auf den 26. Juli fiel. Aus die-