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Hersfelöer Tageblatt

Hersfel-er Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

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Nr. 219

Montag, den 18. September

1922

^' 2« der Schwebe. --

rl' Aussetzung der Pariser Besprechungeu.

K^Die Pariser Besprechungen über die deutsch-belgischt Angelegenheit sind bis anf weiteres ausgesetzt worden da alle Beteiligten aus das Ergebnis der Londoner Reise des Reichsbankpräsidenten warten. Der deutsche Ge­sandte in Brüssel hat dem belgischen Minister des Aeu- Bein einen Besuch abgestattet, um ihn davon in Kennt­nis zu setzen, daß Deutschland die belgische Note erst be­antworten könne, wenn die Berliner Regierung über den Ausgang der Londoner Bemühungen des Reichs­bankpräsidenten unterrichtet ist. DemTemps" zufolge hat die belgische Regierung sofort die Botschafter Frank­reichs und Englands von dem Schritt des deutschen Ge- sindten unterrichtet.

Widersprechende Meldungen über Sie Reise Haveusteins. »»Die in Paris eingelaufenen Berliner Meldungen über das Ergebnis der Entschädigungsverhandlungen beweisen, daß wieder einmal durchaus unzutreffende Gerüchte verbreitet waren, wie z. B. von einem angeb­lichen neuen Vermittlungsvorschlag Bradburys. Diese und die von privater Seite aus erfolgte vorzeitige Be­kanntgabe der Reise des Reichsbankpräsidenten nach London haben eine Situation geschaffen, die in Paris im augenblicklichen Mittelpunkt der Entschädigungsver­handlungen als unerhört und besonders von englischer Seite als wohl dazu geeignet bezeichnet wird, den letz­ten Versuch vollständig als aussichtslos zu stempeln. Erschwerend kommt hinzu, daß die in Berlin allgemein verbreitete Information, es handle sich um eine Belei- huna der deutschen Schatzwechsel durch die Bank von England, falsch sei. Vielmehr drehen sich die Verhand­lungen um etwas ganz anderes.

»»DemPetit Parisien" wird aus London gemeldet, daß auch der britische Delegierte Bradbury in London erwartet wird, wo er eine Besprechung mit Havenstein haben wird. Man glaubt in London, daß Lloyd George Bradbury und Havenstein Montag früh empfangen wird. Der Präsident der Reichsbank wird nicht nur mit den Vertretern der Bank von England, sondern auch mit anderen hervorragenden Finanzleuten in London verhandeln.

/Die Aufgabe Havensteins in London.

Die Verhandlungen des Reichsbankpräsidenten in London werden, wie dieDena" zu wissen glaubt, auf der Basis geführt, daß sich Deutschland Belgien gegen­über verpflichten will, die Schatzwechsel innerhalb sechs Monaten einzulöse«, wenn das englische Bankenkonsor- tium dafür die Bürgschaft übernimmt, also im Falle ?Mt eintritt. Diesem

eng

land verpflichten,' 270 Millionen Goldm im Laufe von 18 Monaten zu zahlen nach dem Zahlungsplan, den das Reich der Reichsbank vorgelegt hatte und den diese für möglich erklärt hatte. Die Beratungen v. Haven- steins sind demnach eigentlich private Verhandlungen zwischen der Reichsbank und dem^ c;^ tium, die der Reichsbank die 8

te Verhandlungen englischen Konsor-

, _ _ _____________ ... Rückversicherung geoen sollen. Die deutsche Delegation in Paris Hat in erster Linie die Aufgabe, festzustellen, ob die Reparastouskom- mission sich mit einer solchen Lösung der Frage emver- standen erklären, also zulassen wird, daß die deutscher: Schatzwechsel zunächst nicht von Deutichland, sondern von dritter Seite eingelöst werden.

Kemals Iriedensbedmgungen»

Mustasa Kemal Pascha sagte zu einem Verichterstat- ter derDaily Mail" in Smyrna: Wir verlange« Klem- asien, Thrazien bis znr Marktza nnd Konstantmopel. Wir sind bereit, jede Sicherheit für die freie Durchfahrt durch die Dardanellen zu geben, die wir nicht Beseitigen würden. Die Türken müssen ihre Hauptstadt wreder haben. Im Falle einer Weigerung der Alliierten wäre ich gezwungen, auf Konstantinopel zu marschieren. Au­ßerdem verlangte Mustafa Kemal Pascha Abschaffung der Kapitnlationen, Anslieferung der griechüchen Flotte «nd BezaHlnng von Reparationen dnrch die Grrechen für die während ihres Rückzuges angerichteten Zerstö­rungen. Er sei Bereit, an einer Friedenskonferenz auf türkischem Boden teilzunehmen. Die Türken müßten immer ihren Kalifen in Konstantinopel habem Der augenblickliche Sultan Mehemed V. würde jedoch durch die Nationalversammlung aller Wahrscheinlichkeit nach durch einen anderen ersetzt werden. Zum Schluß sprach sich Kemal Pascha für die Wiederankmipfung der Han­dels- und Frenndschaftsbeziehnnge« mit England aus.

Jnterve«tio«8pläne der Alliierte«.

»»Aus London wird gemeldet: In der Sitzung des Kabinetts, die über 2% Stunden dauerte, wurden die Oltfragen eingehend beraten. Ueber die Frage der Auf- rechterhaltnng der «entralen Zone befand sich das Ka­binett in völligem Einklang mit der französischen und italienischen Regierung. Es sollen gemeinsame Schrrtte Bet Mustafa Kemal Pascha in diesem Sinne unternom­men werden. Die Alliierten wollen Verstärkungen tu »die Zone entsenden, falls ein Angriff der .gemaltsten droht. Der alliierten Flotte wurde die Anweisung ge- aebeu, daß keine türkischen Truppen nach Europa her- tüBertommen und auch Transportschiffe zu diesem Zweck 1 nicht zusammengezogen werden dürfen. Angesichts der ^Spannung, mit der Rumänien und Serbien die Aus­sicht an eine Rückkehr der Türken nach Thrazien veob- ' achten, war das Kabinett der Meinung, bau bald eine - Konferenz znr Besprechung der Fricdensbcdmgungcn savaehalten werden sollte, zu der nicht allein die alUrer- len Hauptmächte und die Kriegführenden,.sondern auch

yt um amen uns «suDuawten ericyernen müßten, ange­sichts des direkten Interesses, daß diese Staaten an je­der Regelung der Meerengenfrage und den Europa be­treffenden Teil der Verhandlungen mit der Türkei haben.

Da unzusteffende Berichte in der Presse erschienen find über den kürzlichen Londoner Besuch des Abgesand­ten von Angora, Fethy Bei und auf Grund dieser Nach­richten der Versuch gemacht wurde, die Verantwortung für das türkische Vorgehen der britischen Regierung zu- zuschieben, werden folgende Tatsachen bekanntgemacht: Während Fethy Bei, der nicht Außenminister von An­gora ist, in London war, stellte er nicht die Forderung, daß der britische Premierminister ihn empfangen müßte, auch lehnte die Regierung nicht ab, ihn zu empfangen. Im Gegenteil, Lord Curzon ließ ihn auffordern, zum Außenamt zu gehen, wo er bereits einmal empfangen worden war, und dort Curzon gegenüber eine vollstän­dige Darlegung feiner Sache zu geben. Fethy Bei gab die Erklärung Sem dieufttuenden Staatssekretär und Sem Assistenten der geschäftlichen Abteilung. Da er nichts weiter als den Wortlaut einer nationalen Paktes verauslagen hatte, hieli man es für unnötig, die Sache

türkischen und griechischen Vertretern vorbereitet und Sonderberatungen zwischen einzelnen Mächten mit Ke- mal immer als unvereinbar mit der alliierten Solida­rität betrachtet. . .

Russisches VermittlnugSaNgebot.

Reuter zufolge ist in London eine russische Note aus Moskau eingegangen, die sich mit der türkischen Frage beschäftigt. Die Note ist an die Alliierten gerichtet. Der russische Volkskommissar für Aeußeres erklärt darin, Rußland werde sich durch keine Entscheidung, die von den Alliierten getroffen werden sollte, als gebunden er­achten. Die Note gibt eine Uebersicht der durch den tür­kischen Sieg geschaffenen Lage, spricht von dem heroischen Kampf des türkischen Volkes und fügt hinzu, die Sym­pathie des gttlze« russischen Volkes sei auf Seiten der Türken. Schließlich enthält die Note das Angebot der Sowietregierung, zwischen der Türkei und ihren Fein­den zu vermitteln.

Friedensbereitschaft Griechenlands.

»»Rotterdam. lS. C.) Die «Morningpost" mel­det aus Athen: Der Ausschutz der Kammer nahm den vertraulichen Bericht des netten Ministerpräsidenten über die Lage in Kleinasien entgegen. Der sofortigen Liquidierung des Krieges wurde zugestimmt unter der Preisgabe der Friedensbedingnnge«. die anfangs April

,$ime£* melden aus

»» Rotterdam. (S. C.) Die Athen: Einschließlich ^:s. letzten

Athen: Einschließlich des letzten am 15. August von der Kammer bewilligten Kriegskredits haben die Griechen für die Führung des verunglückten Kleinasienfeldzuges jj Milliarden Drachmen aufgewendet.

Englisch-französischer Gegensatz in der Orieutsrage.

»»Paris. (F. G. A.) Zu dem Beschluß des englische, Kabinetts zur Orientfrage bemerkt derPetit Parisien" daß der französische Standpunkt in ganz wichtigen Punk­ten von dem englischen Programm abweiche. Frankreich sei rckcht in der Ansicht, daß die Verbündeten den Trans­port türkischer Truppen nach Thrazien verhindern müß­ten, sondern wünsche nur die Respektierung der neutra­len Zone durch die Türken.

Bombardement Smyrnas durch die Engländer?

v» London. (L. A.) Die Engländer wollen das türkische Viertel von Smyrna bombardiere«.

Die Zerstörung Smyrnas.

»»Paris. fF. F.) Nach Nachrichten ans Smyrna liegen das griechische, armenische und europäische Vier­tel völlig in Asche. Die Zahl der Opfer beträgt über 1110 000. Zehntansende von Einwohnern «Ud etwa 2M)ÜOO Flüchtlinge sind obdachlos. Es fehlt an Nah- rUngsmWel«. Sämtliche europäischen Kolonien und Niederlassungen sind ein Raub der Flammen geworden. Nach englischen Meldungen sollen die Türke« die Stadt in Brand gesetzt haben, um die Spuren der von ihnen in den griechischen und europäischen Vierteln verübten Massakrcs und Plünderungen zu verwischen. Einzelne französische Zeitungen behaupte» dagegen, daß, da die Türken keinerlei Interesse daran gehabt haben, die von ihnen eroberte Stadt einzuäschern, man annehmen müsse, daß die Griechen die Urheber der Katastrophe seien.

Italien und die Ereignisse im Orient.

w Rom. Die gesamte italienische Presse nimmt für die Regierung und gegen Englauo Partei für eine sofortige Einberufung der Venediger Konferci^ und die Rege­lung der Dardanellenfrage mit den Türken, um eine Ausbreitung des Krieges nach dem Balkan und vom Balkan imch Europa zu verhindern. Die Lage Italiens gilt als außerordentlich schwierig. Die Teilnahme an der Verieidigung der Dardanellen würde große Kosten verursachen und Italien gegen sein Interesse in einen schweren Konflikt mit den Türken bringen. Bei einer Weigerung Italiens bestehe aber die Gefahr, daß Eng­land und Frankreich unter Vermittlung des aus London in Paris eingetroffenen italiensemölichen Benizelos sich einigen und den Auftrag dem italierfieindlichen klei- aeu Verband übergeben würde, sodaß Italien inter- mtional ausgeschaltet wäre. Als einziger Ausweg gel­ten sofortige Frie-e«sverhandlu«ge». ^'^ ~

Rette 1VVpro-e«ttge Tariferhöhung der Eisenbahn.

^Berli«. (B. T.) Infolge der noch ungedeckte« ««sgabesteigeru»» von monatlich 26,6 Milliarden Mark beabfichtigt der Reichsverkehrsminister, die Güicrtorife zum 1. Oktober über die bereits beschlossene Erhöhung von 33 Prozent hinaus um weitere 100 Prozent, ferner die am 1. Oktober in Kraft tretenden, um 50 Prozent erhöhten Personentarife vom 1. November ab um wei­tere 100 Prozent zu steigern. Die Reichsbahn ist im üb­rigen bemüht, für Güter, deren Transporisäbigkeit durch die Anpassung der Tarife an die Geldentwerinng tu Frage gestellt ist, Tarifermätzignngen in Erwägug zu ziehen.

lern. Die Reichsbahn ist im üb-

Hafeuarbeiterstreik in Danzig.

w Danzig. <L. A.) Die Danziger Hafenarbeiter h« ben mit großer Mehrheit beschlossen, in den Streik zr treten, weil ihre Forderung, den jetzigen Tageslohr von 650 auf 1300 Mark zu erhöhen, abgelehnt wurde. Eiuschränkung der französischen Wiederausbaukredite. »»Paris. (L. A.) Die Finanzkommission der franzö­sischen Kammer hat beschlossen, Kredite für den Wieder­aufbau der zerstörten Gebiete in Höhe von 300 Millio­nen Franken zu streichen.

England will seine Kriegöschulde« bezahle«.

»» London. (L. A.) Großbritannien hat in Washing­ton offiziell erklären lassen, daß es bereit sei, seine sämt­lichen Schulden an die Bererntgten Staaten zurückzu. zahlen.

Wiederz«samme«tritt der Parlamente.

»»Berlin. (B. T.) Der preußische Landtag ist zum 27. September einberufen. Die ersten Arbeiten dienen der Erledigung der aus dem Sommer rückständig ge­bliebenen Vorlagen. Der preußische Staatsrat tritt in der nächsten Woche zusammen, um die Stadt- und Land- gemeindeordnung zu beraten. Der Reichstag wird am 17. Oktober seine Arbeiten wieder aufnehmen.

Das deutsche Papiergeld im Auslande.

»»Washington. (F. G. A.) Nach amtlicher Berech­nung beträgt der in Händen amerikanischer Spekulanten befindliche Betrag an deutschem Papiergeld 7% Mil­liarde» Mark. Der außerhalb Deutschlands befindliche Betrag an deutschem Papiergeld wird aus insgesamt 15 Milliarden Mark geschätzt.

Die Verhandlungen Haveusteins in Loudon.

»»London. (L. A.) Auch der englische Vertreter im Wiederherstellungsausschuß, BraSbury, ist Freitag abend in London eingetroffen. wo er sofort eine Unter­redung mit dem Reichsbankpräsidenten Havenstein hatte. An den weiteren Besprechungen wird auch der britische Schatzkanzler Sir Robert Horne teilnehmen.

Poiucarees Stellung erschüttert?

der die Erschüterung der Stellung Poiucarees durch den Gegensatz zwischen dem Ministerpräsidenten und der großen rechtsrepublikanischen Gruppe erörtert. Es handelt sich dabei um einen Schutz von neuen Präfekten,' den die Rechte gegen die Linke der Kammer durchsetzest möchte. In außenpolitischer Beziehung wirst man Pom-- caree vor, daß er ebenso wenig wie ferne Vorgänger und der Revarationsfrage fertig werde.

Die Memoiren Wilhelms II.

** Paris. (F. Z.) Die Agentur Radio teilt mit, daß sie die Memoiren Wilhelms H. für Frankreich und die Kolonien erworben habe. Mehrere Zeitungen, darunter derMatin",Petit Parisien",Petit Journal",Echo de Paris", dasJournal" und andere teilen mit, daß sie Sie Memoiren veröffentlichen werden.

Oesterreichs Finanznot.

»»Wien. In derArbeiterzeitung", die immer noch das einzige Blatt ist, dessen Erscheinen die Arbeiter zu­lassen, tritt mit einem Aufsatz mit der UetzerschristWeg mit der Notenbank" der Bolkswirtschaftler Dr. Gustav Stolper der Absicht entgegen, heute noch den vom Früh­jahr stammenden Plan einer neuen Notenbank zu ver­wirklichen. Die durch die Auglobank und die Länöer- bank hervorgeruseue Verzögerung und die von den bei­den Banken gestellten übermäßigen Bedingungen machen die Durchführung unmöglich. Der Notenum­lauf der bisherigen österreichisch-ungarischen Bank habe für August schon 150 Milliarden Kronen betragen. Sie bis Ende September auf mindestens 2300 Milliarden Kronen anwachsen würden. Die Nationalbank würda also bei ihren: Jnslcbentreten Mitte Oktober mit einet Erbschaft von 3000 Milliarden belastet werden, denen eine ganz ungenügende Deckung gegenttberstänöe. VoN Mitte Oktober besteht dann die Gefahr des Zusammen« brucks der Staats- und Privatwirtschaft. Oesterreich sollte vor allem erst einmal einen brauchbaren Finanz- plan aufstellen.

Milde Strafe.

Das Militär-Appellationsgericht in Brüssel bat die Strafe des Gendarmen Huens auf zwei Jahre ermäßigt. Wie erinnerlich, hatte Huens in Duisburg and Zorn, daß ihm ein dortiger Wirt befehlsgemäß keinen Schnaps^ ausschenkte, dessen 13jähriges Töchterchen erschossen. Erst war vom belgischen Kriegsgericht in Duisburg zn sie-n den Jahren Gesängnis verurteilt worden. DerPeurle 3 meldet jetzt die Ermäßigung der Strafe und schreibt aus! .. Anlaß der Besprechung der Oberkasseler Vorgänge da | zu:Wir wollen nicht nach Gründen forsch«:, die Demi Berufungsgericht diese Milde diktiert haben. Ader glaudt» man, daß eine solche Stellungnahme uns das Recht gwt,r gegen andere sehr streng zu sein?"