Reisfelder Tageblatt hersfel-er Kreisblatt" Mmtiicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
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Nr. 195
Montag, den 21. August
1938
Verhandlungen?
Die Zwaugsvollstrecker auf dem Wege nach Berlin.
«m- Der von der Reparationskommission über die Ent fendung einer Delegation nach Berlin ausgegebene amt liche Bericht sagt, daß diese Persönlichkeiten die Berti «er Reise unternehmen zu dem Zweck, von der deutschei Regierung einige unbedingt nötige Aufklärungen (In termahonen) zu erhalten. Bradburn und Maucler, werden vom stellvertretenden Generalsekretär der Re parationskommission, Bergern, und dem Finanzsachver ständigen Felkin begleitet. Sie verlassen am Sonnabeni abend mit dem Warschauer Ervretzzug Paris. Es wiri hervorgehoben, daß der Beschluß zu dieser Entsendun einstimmig gefaßt worden ist, daß also auch Frankreiö den Berliner Besprechungen zugestimmt hat.
In Paris wird angenommen, daß die ersten Ver Handlungen der Vertreter der Reparationskommissior mit dem Reichskanzler Wirth bereits am Montag statt- finden werden.
Deutschland soll sich freiwillig unterwerfen.
»-»Aus Paris wird gemeldet: Nach der ganzen Sachlage wird man annehmen dürfen, daß es der Repara- tionskommissivn in erster Linie darum zu tun ist, vor der deutschen Regierung die freiwillige Zustimmung zi ernem großzügigen vermutlich bereits bestehenden Kom pronnsse zu bekommen. Die Engländer scheinen Zuge ständnifle gemacht zu haben, wohl unter der Bedingung baß nur solche Garantien und Pfänder an Frankreih kommen dürfen, zu denen die deutsche Regierung frei willig und ohne Zwang ihre Zustimmung gibt.
Dreimonatiges Moraiorinm.
V-» In französischen offiziellen Kreisen verlautet, das nach dem bisherigen Verlauf der Sitzungen der Repara, tionskommissivn sich die Aussicht auf eine Einigung n der Moratoriumsfrage gebessert habe. Man rechnet be stimmt mit einem dreimonatigen Moraiorinm, für dai die Vorschläge Lloyd Georges in etwas veränderte: Form die Grundlage bilden würden.
Ein Danaergeschenk.
August geschuldet würden, binnen vier Wochen von diesem Tage an zu fördern. Von diesem Tage an beabsichtigen sie, das Abkommen vom 10. Juni 1921 zu kündigen und Schritte zu tun, um einzeln mit der deutschen Regierung Abmachungen über die Regelung aller Salden zu treffen, die ihnen auf Grund der wirtschaftlichen Bestimmungen geschuldet werden. Diese Abmachungen sollen der Revarationskommission zur Einverständniserklärung unterbreitet werden.
Aus der Note ergibt sich, daß auf dem Gebiet der Ausgleichszahlungen usw. weitere Barzahlungen von der deutschen Regierung bis Mitte September nicht gefordert werden.
Frankreich für ein Moratorium gegen Pfänder.^ im Genf. (S. CJ Die Havas-Agentur widerspricht 6 einer am Freitag abend ausgegebenen Note der Mel
dung, daß die französischen Vertreter der Reparations kommission angewiesen wären, gegen das Moratoriup zu stimmen. Sie seien lediglich beauftragt, das Mora torium von Sicherheiten und Pfändern abhängig zi
machen.
Sicherheiten und Pfändern abhängig zi
Italien für ein Moratorium.
meldet arrs Rom: Der Ministerpräsident informiert! die Presse, daß er den Vertretern Italiens im Reparcv tionsausschutz den Auftrag gegeben habe, für ein Mol ratorium an Deutschland bis zum 31. März 1923 z« stimmen.
Wie im Kriege.
w- Geuf. '(S. C.) „Echo de Paris" meldet, daß die in Paris und im Seinedepartement sich anfhaltenden Deutschen polizeilich beauftragt worden sind, sich von 19. August täglich persönlich in den Polizetbureus zu melden. Die Maßnahmen bereiten anscheinend auf die Zwangsausweisung der Deutschen auch aus Paris vor. Abermalige Erhöhung der Eiseubahutarife in Oesterreich
d» Wien. (S. C.) Die seit dem 15. August gültigen neuen Eisenbahntarife werden am '
15. August gültigen
1. September noch-
mals um 80 Prozent erhöht. Eine Fahrt von Wien nach Innsbruck dritter Klasse kostet alsdann 14 200 Kronen.
^chweyer und der bayerische Jusnzminister Gürtler, sind im Sonnabend vormittag 9 Uhr hier eingetroffen. Um 611 Uhr begaben sich die Herren in Begleitung des myerischen Gesandten Dr. von Preger, der sie am Bahn- >of erwartet hatte, zum Reichskanzler zu der angekün- sigten Rücksprache über die Vereinbarungen der bleichs-
; tegierung mit dem Ministerpräsidenten Lerchenseld.
Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften.
>» Berlin. (S. C.) Reichskanzler und Reichswirtschaftsminister haben am Freitag die Besprechmigen mit den Gewerkschaften fortgesetzt. Sie betrafen am Freitag hauptsächlich die Wiedereinführung der Zwangswirtschaft. Wie verlautet, ist dieser Plan sowohl vom Kanzler wie vom Reichswirtschaftsminister als zurzeit undurchführbar zurückgewiesen worden, da er bei dem jetzigen Tiefstand der Mark keine Verbilligung der Lebensrnittel bringen würde.
Zum Tode Euver Paschas.
»-«-Zürich. sS. C.) Das „Echo de Paris" meldet aus Konstantinopel: Die Berichte über Enver Paschas aoö widersprechen sich. Nach der ersten Meldung ist Enver Pascha in Baldouat im Kampfe mit .oten Truppen umzingelt und mit seiner ganzen Truppenabteiluug nte= hergehauen worden. Spätere Meldungen besagen zuverlässiger, daß Enver Pascha mit seinem Generalstab von den Bolschewisten gefangen genommen und auf dem Wege in das Jnternierungslager angeblich wegen Fluchwersuchs mit seinen Begleitern von den roten ^luvoeu ermordet worden ist.
. Die Neuordnung der Strafgerichte.
«^- Berlin. Die Morgenblätter veröffentlichen Einzel- ieiten aus dem Entwurf eines Gesetzes zur Neuord- kung der Strafgerichte, der bereits dem Reichsrat zu- iegangen ist. Mit Ausnahme der Reichsgerichtssachen ollen in Zukunft in allen Strafsachen in erster Instanz md der Berufungsinstanz Laien entscheiden oder mit altscheiden. In der ersten Instanz entscheiden künftig lietne Schöffengerichte, große Schöffengerichte und Schwurgerichte. Das kleine Schöffengericht, befetzt mit tinem Vorsitzenden Richter und zwei Laien, hat im we- tzntlichen die Zuftäudigkeist &x M chil lMMWMchm^A
Zrichter
Gerade das muß stutzig machen.
Dana
ein- hin
«■Sem „B. L.-Ä." fällt auf, mit welcher Entschlossen. Heit die französische Presse von rechts bis links auf mal verständigungsbereit ist, wie auf einen Wink
Die Befatznugsar
nständigkeit der bisherigen
Kavinettsfitzung.
chen Besuch gelten.
»-«-Das Reichskabineft hat sich in seiner Sitzung Freitag mittag in erster Linie mit dem Ergebnis der Verhandlungen über die Erhöhung der Beamtengehäl- ter befaßt und ihr zugesffmmt. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete die Reparationsfrage. Durch du Note der Alliierten über die Ausgleichszahlungen, wonach Deutschland bis Mitte September keine derartiger Zahlungen zu leisten hat, ist im Augenblick eine genug, Etttspannimg der Lage eingetreten. Dem Kabinett Ia< weiter die offizielle Mitteilung der Reparationskom- mission vor, daß ihre beiden Mitglieder Bradbury um' Mauclere am Montag abend in Berlin emfteffW würben, um mit der deutschen Regierung über dte Repara- iionsfrage zu verhandeln. Diese Besprechungen durf-
' •' am kommenden Dienstag beginnen. Ein« abinettssttzung hat entgegen anderslautender Meldungen nicht mehr stattgefnnden.
Amerika bleibt abseits.
ten ölet weitere
am
Der „Chicago Tribune" zmolge nimmt der stellvertretende amerikanische Delegierte in der Reparation^- kommission, T. Logan, an den gegenwärtigen Besprechungen der Reparationskommission in keiner Weise teil
Frankreichs Fiasko in Washington.
Die Blätter melden aus Washington, daß der französische Unterhändler in der Frage der Kriegsschulden bei Amerika, Parmentier, am nächsten Mittwoch Neu- york verlassen wird. Es wird hinzugefügt, Parmentiet habe beim Schatzamt vorgesprochen und Schatzsekretür Mellon von seiner Abberufung in Kenntnis gesetzt. Er habe weiter fein Bedauern ausgesprochen, daß es seiner Mission nicht gelungen sei, irgend etwas bei den Verhandlungen über die Fundierung der französischen Schulden zu erreichen.
Teilweise Aufhebung der Ausweisungen.
»»Aus Paris wird gemeldet: Es verlautet, daß angesichts der Erregung in der öffentlichen Meinung, die m Elsaß-Lothringen durch die Ausweisung der Deutschen entstanden ist, die Regierung beabsichtigt, zahlreiche der vorgenommenen Ausweisungen wieder rückgängig zu machen oder wenigstens abzuschwächen. Die Abschwä- chung wird vor allen Dingen diejenigen Deutschen betreffen, die aus Elsaß-Lothringen ausgewiesen wurden, die aber Saarländer sind. Die Regicrungskmmnission in Saarbrücken ist zu ihren Gunsten eingeschritten. Man hat, wie verlautet, ihr die Versicheruua gegeben, daß an dem Eigentum dieser Personen nicht gerührt würde, Diese Maßnahmen würden auch auf die Staatsangehörigen der Pfalz und des linken Rheinlandes ausgedehnt werden, falls sich solche unter den Ausgewiefeuen befinden sollten.
Neuregelung der Ausgleichszahlungen.
Die britische Regierung hat der deutschen Botschaft 17. August folgende gemeinsame Antwort der 911= — ten auf die deutsche Note vom 14. Juli mitgeteilt: Hinsichtlich der Barzahlungen, die von Deutschland aus Grund der Abschnitte 3 der Wirtschaftsbestimmungen geschuldet werden, beabsichtiaen die alliierten Siegierun- gen, die .Zahlung der 2 Millionen.Pfund,, die am.15.
am
liierten auf die deutsche .iilsichtlich der Barzahl
er Besatzungsarmes für das vierte Quartal 1922 festgestellt. Der Beschluß lautet, daß der Kopfbestand der alliierten Armee in Deutschland auch für das kommende VierteljaHr unverändert zu bleiben hat.
Die unerfüllbare« Kohlenlieferunge«.
w Genf. (S. C.) Der „Matin" meldet: Die deuk- fchen Kohlenlieferungen sind vom 1. bis 15. August wiederum um 35 Prozent hinter der Pflichtmenge zurückgeblieben. Der Reparationskommission liegt der Antrag Frankreichs vor, eine Verfehlung Deutschlands festzustellen.
Die Verhandlungen über die Pfänder.
»»-Paris. (B. Z.) Die Agence Havas veröffentlich folgende Meldung: Es ist selbstverständlich, daß währen: des Aufenthaltes Sir John Bradburys, des Vorsitzender des Garanriekomitees Manclere, des Generalsekretär; Bergery und des Finanzsachverständigen Felkin in Ber, lin die Reparationskommission weder Beratungen nock Entscheidungen treffen kann. Um die Wartezeit abzui kürzen, hat die Reparattonskommission beschlossen, ihre Bevollmächttgten nach Berlin zu senden statt die deutsche Regierung aufzufordern, zuständige Persönlichkeiten nach Paris zu schicken. Der Schriftwechsel zwischen diesen und ihrer Regierung hätten sicher die Besprechungen verzögert. Die Verhandlungen beginnen wahrscheinlich am Montag vormittag. Sie betreffen die Bedingungen, unter denen die Reparationskommission die Genehmigung des von Deutschland beantragten Moratoriums in Erwägung ziehen kann. Die Mitglieder der Kommission hoffen, daß die deutsche Regierung gutwillig die Pfänder und Garantien geben werde, ohne welche die jranzösische Regierung einem Moratorium nicht zusttm- nen kann. Jedenfalls sollen die Besprechungen nicht länger als einige Tage dauern.
Frankreich für ein Moratorium gegen Pfänder.
M>®enf. (S. C.) Die Havas-Agentur widerspricht in einer am Freitag abend ausgegebenen Note der Meldung, daß die französischen Vertreter der Reparationskommission angewiesen wären, gegen das Moratorium m stimmen. Sie feien lediglich beauftragt, das Mora- kortum von Sicherheiten und Pfändern abhängig zn machen.
Belgie« und die E«ttMötMM<st-frage.
»-«- Haag. (B. T.) Gegenüber einer Nachricht der „Steile Helge" ist festzustellen, daß sich Theunis und Jaspar volle Freiheit Vorbehalten haben in Bezug auf die Haltung Belgiens in der Reparationsfrage.
Eine Warnüüg der Reichsregierung.
»»Berli«. (V. Z.) Wie die „B. Z." meldet, steht die Regierung auf dem Standpunkt, daß die gegeuwär- !ige außerordentlich starke Devisenhansse {einerlei fachliche Begründung hat. Die Reichsregiernvg kommt als Dcviseukänferin jetzt nnd für absehbare Zeit nicht in Frage. Die Ausgleichszahlungen seien für vier Wochen Snndet, die Devisenzahlnnge« in der Schwebe. Die iirchtnngen wegen der bevorstehenden französischen Maßnahmen scheinen durchaus übertrieben. Die Reichs- reniernng warne deshalb eindringlich vor einer übertriebenen Nervosität.
Die bayerische« Unterhändler in Berlin.
».»Berlin. lT. lt.) Die beiden Bevollmächtigten der »ayerffchen Regierung, der, bayerische Jnnenminister Wr.
en) me ____________________ ______
Das Verfahren von den beiden Arten " -- - - - che. Die Berufung gegen
geht stets an die Straf-
Strafkaunner. Das Verfahren von den beiden Arten von Schöffengerichten ist das gleiche. Die Berufung gegen hie Urteile der Schöffengerichte geht stets an die Strafft beamteten Richtern und drei wie das große Schöffengericht, be- rrgericht behält der Entwurf bei.
kammer, die mit zw<
Schöffen, also ebenso wie das große Schö setzt ist. Das Schwurgericht behält der Ersinn Die Betrugsdelikte werden demselben entzogen.
Britisches Weißbuch.
*» London. Am Freitag wurde hier ein Weißbuch veröffentlicht, das über die Vorbesprechung zur Genueser Konferenz berichtet und die zwischen der britischen und der französischen Regierung gewechselten Korrespondenzen enthält.
Ehrung Hiudeuburgs in München.
^München. Anläßlich des Besuches Hindenburgs ist München am 21. August wird von sämtlichen bayerischen Offtziersvereineu eine Parade abgehalten werden. Der bayerischen Reichswehr wurde durch telegraphischen.Befehl des Reichswehrministers die Beteiligung an dieser Parade verboten.
Deutsche Kriegsgefangene in Marokko.
»^ Paris. Havas meldet aus Las Palmas: Neun Deut- toe, die vom Hafen Cuby kamen, sind hier gelandet. Sie erklärten, sie seien ehemalige deutsche Soldaten, die ur der Türkei von Franzosen gefangen genommen worden seien. Sie seien in Algier interniert gewesen, nach dem Innern Marokkos gebracht und von den Eingeborenen gefangen genommen worden, die sie an einen spanischen Kommandanten versauft hatten. Sie erklärten, daß sich noch weitere Deutsche in der Gefangenschaft der Stämme befänden.
Der Anschluß Oesterreichs Rettung.
»»Wien. (B. Zü Die Führung der äußeren Politik in Deutsch-Oesterreich steht vor einem sensationellen, aber nicht unerwarteten Werrdepunkt. Wie matzgcbeu- denorts mitgeteilt wird, hatte der Bundeskanzler Dr. Seipel Besprechungen mit den Wiener Vertretern der Entente. Er erklärte dabei, das österreichische Problem könne jetzt nicht mehr als ein finanzielles, sondern müne im Zusammenhang mit der Weltlage als ein politisches betrachtet werden. Da in erster Reihe durch Veränderungen in Oesterreich die Nachbarstaaten in. Mitleidenschaft gezogen wiirden, sehe sich die offene tarn die Regierung veranlaßt, mit den führenden Nachbarstaaten Verhandlungen zu suchen und sei bereits mit Berlin, Rom ,md Prag in Verbindung getreten. Bundeskanzler Dr. Seipel wird noch Sonntag abend zu einem eintägigen Aufenthalt nach Prag reisen, um mit dem. hmediuaKit Ministerpräsidenten Dr. Benesch die Situation Demi ch- Sesterreichs zu besprechen. Montag abend reut der Bundeskanzler von Prag nach Berlin, wo er vom Reichv- kanzler Dr. Wirth erwartet wird. Ohne die Absichten der deutsch-österreichischen Regierung im einzelnen zu kennen, kann doch gesagt werden, daß offenbar jetzt als 1 letztes Hilfsmittel der Anschlutzgedanke in den Vordergrund tritt. ------—— —L
Japan ränmt Sibirien.
Der Oberbefehlshaber der japanischen «Streitsrüste ht Sibirien setzte den Beginn der Räumung des von einen Truppen besetzten Gebietes auf den 26. August
einen Truppen besetzü.. _____________ .. . ..........
est. Das zu räumende Gebiet wird in vier Zonen ein-
geteilt. ,