hersfel-er Tageblatt
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"EM^sL^ Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfel-
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Nr. 102
Donner-tsg, den 17» August
1922
l namKinnge jum vonaoner Fiasko.
' w Der „Neuyork Herald" will aus gut unterrichtete, pariser Kreisen erfahren haben, daß der belgische Mini Uerpräsident Theunis alle Anstrengungen mache, um seh tzald eine neue Konferenz in Brüssel einzuberufen 8rankreich und Belgien werden Mes daran setzen, un merika z« einer Teilnahme zu veranlassen unter den Versprechen, daß sie sich verpflichten, vorderhand keiner fei Entscheidungen z« treffen. „Nenyork Herald" wil ferner wissen, daß Pvincarae eine neue Note an die ab Liierte« Regiernngen und die Bereinigten Staaten aus- iarbeite« werde, um die in London von Frankreich eingenommene Haltung auseinanderzusetzen. Die »Daily Mail" weiß ebenfalls zu berichten. Satz Theunis bei seiner Abreise aus London einem Vertreter des Blattes erklärt habe, es lasse sich aus der gegenwärtigen Sackgasse ein Ausweg finden, und zwar in allernächster Zeit Dieser Ausweg werde zur allgemeinen Befriedigung auslaufen. Der „Eclair" berichtet ebenfalls, daß mar ta belgischen Kreisen von einer neuen Konferenz w Brüssel spricht. Dem Vertreter der „Evening News hat Theunis auch erklärt, er sei fest davon überzeugt, das M die Alliierten in Kürze wieder versammeln werden
Französischer Ministerrat.
! »»Die Abreise der französischen Delegation erfolgte, ohne daß ihr Lloyd George das Geleit bis zum Bahnhof gab. Poincaree und die übrigen Persönlichkeiten sind um 6,35 Uhr in Paris auf dem Nordbahnhof einge- Eroffen. Alles hängt nun von den Entscheidungen des Ministerrates ab. der am Mittwoch unter dem Vorsitz Millerands in Rambouillet stattfindet. Poincaree führ! mit seinen Kollegen von Paris dorthin und wird noch am Abend nach der Hauptstadt zurückkehren. Der Mr- inisterrät wird sich auch über die Notwendigkeit der Einberufung des Parlaments schlüssig werden.
Einberufung der französischen Kammer.
»»Die französische Kammer und der Senat sind füi den 22. August nach Parts einberusen worden.
Die Isolierung Frankreichs.
»»Aus Erklärungen, die der belgische Mimsterprast- Sent Theunis und der Außenminister Jaspar dem Sonderberichterstatter des-Pariser „Jntransigeant" gegeben haben, erhält man den Eindruck, daß die Belgier sich bei Her kommenden Abstimmung in der Reparationskom- «Mission nicht auf die Seite Frankreichs stellen werden Die beiden belgischen Delegierten erklären, daß sie dic feste Hoffnung haben, daß das letzte Wort noch nicht ge- sprachen sei.
Wie es zum Abbruch kam.
Eine amtliche Mitteilung^übertzen SÄUmtzerLmu ^ läßt bte~-&-j&^^
Versammlung, Großbritannien ser genullt: L den ita- lienrschen Vorschlag auf Vertagung der Konferenz bis Ende des Jahres anzunehmen, 2. die Frage des Moratoriums der Reparationskvmmisston zu überleben Z zuzustimmen, daß die bereits vom Garantieausschuf geforderten und von Deutschland angenommenen Ga- rantien sofort angewandt würden, 4. vonden alliierter Schuldnern bis zur nächsten Konferenz Ende des Jahres keine Zinsen zu fordern. Die britischen Vorschlag' wurden von sämtlichen Alliierten Menommen, ausgenommen Frankreich. Poincaree erklärte, zu seinem Be ^uern könne er dies nicht annehmen. Frankreich nehme den Standpunkt ein, daß ohne neue Garantier seitens Deutschlands kein Moratorium gewahrt werder könne. Lloyd George erwiderte, er könne der Vertagung der Konferenz ohne Moratorium nicht zustirmnelc Die Konferenz habe neue Garantien in der Annahw
das Moratorium notwendig ser und es ' - - ~——"—a zu entscheiden
vollkommen ausgeschlosser Großbritannien mitzbillr.
erörtert, daß das Moratorium notwem scheine nutzlos, sich für eine Vertagung
Sie von den französischen Vertretern vorgeschlagener neuen Garantien nicht aus irgend welcher Nachsicht fü Deutschland, sondern weil es überzeugt sei, daß dieß Garantien ihren Zweck nicht erfüllen werden.
Die letzte« VermittelungsvorsÄsSse.
i^. Paris. Der „Petit Parisien" erfährt aus London! Im Laufe der Besprechungen der Ministerpräsidenten, Sie am Dienstag vormittag in der Downing Street statt- fanden, hat Theunis sich benrüht, eine abschließende Jorm zu finden und folgende Vorschläge gemacht: Da der Zahlungsaufschub für Deutschland abgelehnt werde, könne Deutschland ermächtigt werden, seine Zahlungen durch Wechsel mit gestaffelten Verfalltagen zu erledigen, die von drei deutschen Banken, der Diskontogesell- schast, der Dresderrer Bank mrd der Deutschen Bank, zu verbürgen sind. Das Blatt fügt hinzu: Angesichts der Zuspritzung des Konfliktes hat der belgische Vorschlag keine feste Form annehmen können. Ferner sei im Laufe dieser Verhandlungen von der Möglichkeit einer späteren Sitzung die Rede gewesen. Ein Beschluß sei nicht gefaßt worden, und auch dieser Plan habe keine bestimmte Form angenommen. Indessen scheint es als ausgemacht zu gelten, daß, wenn eine Konferenz dieser -Art im Spätherbst stattfinden sollte, als Tagungsort Mrüssel gewählt würde. Wie man erführt, ist der Bor- fschlag des belgischen Ministerpräsidenten noch keines- Swegs als erledigt zu betrachten. Ferner soll sich der Miederherstellungsausschuß zur Zeit damit beschäftigen.
? Was wird Frankreich tun?
»» Berlin. (B. 3 ) Allgemein wird dem französischen iMinisterrat, der am Mittwoch stattfindet, eine beden- itungsvolle Rolle beigemessen. Er soll zunächst darüber
entscheiden, welche Haltung'die Regierung einzunehmen hat und ob das Parlament einberufen werden soll. Von den verschiedenen Hypothesen lautet die eine, es soll vorläufig garnichts geschehen. Das „Journal" schreibt mit oder ohne Reparationen soll Frankreich schnell handeln und fordert die Reparattonskonrmission auf, die nunmehr den Schlüssel in der Hand habe, ihre Entscheidungen schnell zu treffen. Eine Pariser Konferenz aller Gläubiger-Staaten soll nach dem „Matin" ein Vorschlag mr Lösung sein, die, von Frankreich einberufen, alle Unterzeichneten des Versailler Vertrages, die an der Neparationsfrage interessiert sind, versammeln soll, ehe Frankreich zirm Bruche schreitet.
Fach und Degontte zur Verfügung.
?» Paris. Nach einer Havasmelduna verlautet, daß Marschall Foch und General Degontte ersucht wurden, sich nach Rambouillet zu begeben, um sich zur Verfügung des am Donnerstag stattfintzenden Ministerrats zu halten.
Poincarees Empfang in Paris.
** Poincaree und die französischen Delegierten wurden bei ihrer Ankunft in Paris von einer großen Menschen- menge am Bahnhof begeistert begrüßt.
Enttäuschung in Amerika.
»»In amerikanischen Finanz- und politischen Kreisen wird der Fehlschlag der Londoner Konferenz tief bedauert, weil dadurch die für die amerikanische Wohlfahrt Ebenfalls nötige Wiederherstellung des Gleichgewichts in Europa verzögert werde. Die Geschäftsleute erkennen an, daß Deutschland zunächst in die Lage versetzt werden müsse, den Markkurs wieder zu heben, ehe es an eine höhere Besteuerung denken könne. Zu diesem Zweck aber müsse Deutschland eine große äußere Anleihe erhalten, die es aber wiederum nicht auf Grund des he«- ligen Standes der Reparationsfor-ernnge« anfnehmen könne.
Polucaree, der Unruhestifter in Europa.
»»Der Neuyorker Vertreter des „Daily Telegraph" hatte eine Unterredung mit einer Persönlichkeit, die dem amerikanischen Kabinett nahesteht. Diese erklärte, daß poincaree, wenn er so fortfahre, den Platz des Unruhestifters auf dem Kontinent einnehmen werde. Seine Politik sei eine Politik des Unrechts. Er solle es sich vohl überlegen, bevor er den letzten Sprung ins Dunkle tue.
Neue Note wegen der Ausgleichszahlungen.
500 000
w0<^^(^WfiÄ^ haben den beteiligten alliierten Regierungen am 15. August eine Note überleben, in der es heißt: Mit gleichlautenden Noten vom [4. Juli hatte die deutsche Regierung gebeten, eine Neu- cegelung für die Verpflichtungen Deutschlands aus dem Slusgleichsverfahren zu treffen. Auf diesen Antrag ist ihr eine Entscheidung bisher nicht zugegangen. Dre deutsche Regierung befindet sich hinsichtlich der Deckung des Devisenbedarss für ihren dringendsten Bedarf in siner sehr schwierigen Lage. Seit dem 14. Juli ist dre Nark von einem Hundertstel ruf ein Zweihuntzertstel hres Friedenswertes weiter gesunken. Es ist der deut- chen Regierung daher beim besten Willen nicht möglich, sie am 15. August fällige Rate von 2 Millionen Pfund nr Verfügung zu stellen. In ihrer Note vom 5. August tat die deutsche Regierung der franzosychen Regier,mg irklärt, daß sie auch für den Fall des Ausbleibens einer gemeinschaftlichen Entscheidung der beteiligten Regie- ungen bestrebt sei, ihre vertragliche Verpflichtung tm rahmen ihrer Leistungsfähigkeit zu erfüllen. In Uebereinsttmmmrg hiermit'und mn eine Verständigung in der Frage der Ausgleichszahlungen zu erleichtern auf welche sie den größten Wert legt, wird die deutsch« Regierung unter Zurückstellung der sich aus der Devi- senlage ergebenden schweren Bedenken den von ihr mil ihrer Note vom 14. Juli unter günstigeren Verhältnissen angebotenen Pauschalbetrag von 500 000 Pfund den beteiligten Regierungen zur VerMgung stellen. Sie that die zuständigen deutschen Stellen mit entsprechenden Weisungen versehen. Die Zahlung des in der Note angegebenen Betrages ist heute erfolgt.
!*
Nach dem Beschluß des Sachverständigenausschusses auf der Londoner Konferenz soll die Summe von 2 Millionen Pfmrd Sterling, die am 15. August fällig war, innerhalb 4 Wochen bezahlt werden.
Angriffe Poincarees gegen Lloyd George.
«»Paris. Die Presse veröffentlicht eine lange Erklärung Poincarees, in der er die Ereignisse der letzten zehr Tage bespricht und feststellt, daß die französische Regierung in ihrem Wunsche nach Entgegeukonmren weit über das Unausgegangen ist, was die inneren Jnter- effen ihr geboten. Poincaree klagt Lloyd George an, daß er, obwohl er in dem Vorwort zu seinen Vorschlägen die Verfehlung Deutschlands anerkannt habe, diese Ver-- fehlung nicht habe feststellen lassen wollen, und einen Zahlungsmifschub zu bewMigen gedächte, der als G-e- genleistuna teilte anderen Sicherheiten bringen könnte als die, die der Garantieansschntz in Berlin festgesetzt hat, ia der sogar sein Versprechen, den Sitz des Garantie- ausschusses von Paris nach Berlin zu verlegen, nachträglich zurückgezogen hat, mrd zwar auf Empfehlung seiner Sachverständigen. Den ernsten Vorwurf, den Poincaree Llmid Georgs macht, ist der, er habe dadnrch nicht freundschaftlich gehandelt, daß er, ohne Frankreich zu fragev, öffentlich, erklärt.hat, er beviilliae den ner-
rangren Zahlungsaufschub nnö Englantz werde für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund eintreten.. Poincaree erklärt vor der Presse, man habe hier gesagt, der Mißerfolg der Konferenz vedente den Brnch deS Verbandes. Er habe geantwortet, daß er daran nicht glanbe nnd daß er auch seinerseits alles unternehmen werde, um ihn zu verhindern. Allerdings wolle er die Interessen seines Landes nicht opfern. Ein Bruch zwischen der frmrzöstschen unb der englischen Regierung fei tatsächlich ein großes Uebel. Aber die gegenseittge Ab- neiguna der beiden Völker wäre noch ernster. Wenn die französische öffentliche Mietnung annehmen sollte, Uran würde eine Politik der fortgesetzten Nachgiebigkeit treiben, dann würden sie einen großen Schmerz darüber empfinden. Anstelle der Unterzeichnung eines Protokolls, in dem die Uneinigkeit festgestellt wird, hat er vor- ^eschlagen, es bei seinem bisherigen Stand zu lassen, also mit anderen Worten, alles im Ungewissen zu lassen. So zeige sich die Lage, wie Poincaree sie aufiasse.
Die Berliner Beratungen. j
»»BeM«. (B. Z.) Das Reichskabinett wird am Miti-^ woch erneut in Besprechungen über die Lage eintreten. Die Stunde dafür ist vorläufig noch nicht festgelegt. Reichskanzler Dr. Wirth hat angesichts der Revarations- und Finanzkrtse seine Urlaubspläne zuruckgestellt. Er bleibt ebenso wie die anderen beteiligten Ressortminister vorläufig in Berlin.
Wirth über Deutschlands Zahlungsunfähigkeit.
«»London. „Datly Chronicle" veröffentlicht eine Unterredung seines Berliner Berichterstatiers mit dem Reichskanzler Dr. Wirth. Der Reichskanzler sagte u. 0.5 Das Ergebnis der Konferenz sei eine Katastrophe .Deutschland sei bereit, zu zahlen im Verhälttris feiner Zahlungsfähigkeit, die jedoch von Tag z« Tag abnehme. Während der allernächsten Monate können und werden wir unsere Verpflichtungen nur soweit durchführen, als es die Achtung vor der Existenz des Volkes zuläßt. Erst Brotversorgung für das Volk, dann Wiederherstellung. Ein Moratorium müsse sich anf viele Monate erstrecke«, wenn es prakttschen Wert haben soll. Das, was wir brauchen, sagte Wirth zum Schluß, sei Vertrauen.
Wirth will Poincaree antworte«.
»»Berlin. (B. T.) Wie das „B. T." hört, beabsichtigt Reichskanzler Dr. Wirth, auf die Erklärungen,, tue der französische Ministerpräsident Poincaree vor iemev Abreise aus London der Presse gegeben bat, in derselben Form eingehend zu anlworte«. Die ^l^fWr*'^-----
■twmenjv M die Dchecho-Slowakei und die angebliche Kapitalverschiebung durch deutsche Bank-Filtalgründun- gen im Anslande — soviel Unrichtigkeiten, daß sie nicht ohne Richiigstellung gelassen werden können. _____*
Vor der Sntschekdung Bayerns.
»»Der Bayerische Bauernbund hat bereits seine Zu-, stimmung zu den Berliner Vereinbarungen erklärt. DiK „Münchener Neuesten Nachrichten" sagen für den Falb der Ablehnung des Berliner Protokolls durch die anderen Regierungsparteien eine ernste Krise voraus und glauben, daß dann wohl der Bayerische Bauernbund- nicht mehr mitmachen werde und daß eine Mintsterkrisck die Folge sem werde.
Der bayerische Ordnurtgsblock an LerchenfelS, M »»München. (B. T.) Der bayerische OrdnmlgsbloÄ hat der „Minchener Zeiticng" zufolge an den Grafen Lerchenfeld einen Brief gerichtet, in dcmr u. a. Magk wird: In Bayern wünscht man nicht, daß bayerischev- feits die Gepflogenheiten nachgeahmt werderr, die die Siutzenpolifik des Reiches gegen Frmkreich mimendes indem sie jedes „Niemals" und „Unmöglich" unter den« Druck der Drohungen diensteifrig in das Gegenteil verwandelt. Am Schluß des Brieses wird Graf Lercheri- seid aufgefordert, denwkrattsche Gesetzesmittel anzuwen- sen und das bayerische Volk durch BvlksabstinmMg um seine Meinung zu befragen. - * ^
Schweres Bauunglück in Berlin,
»»Berli«. (V. Z.) Ein schwerer Unfall hat sich Mit^ woch vormittag gegen 11 Uhr in der großen Halle deK Anhaltes: Bahnhofs ereignet. Dort werden am DM gegenwärttg Jnftandfetzungsarveiten ausgeführt. Ein Hängegerüst, das in der Mitte der Halle hing, brach aus! noch nicht bekannter Ursache plötzlich zusammen. Die, auf dem Gerüst stehenden Arbeiter stürzten in die Tiefe. Zehn von ihnen waren sofort tot. Zwei andere wurden mit schweren inneren und äußeren Verletzungen in er« Krankenhans gebracht. An ihrem Aufkommen wird.
gezweifelt. •
Vertrauensvotum für de Facta.
►* Rom. (T. U.) Der italienische Senat hat die Re-, gierungserklärung durch die Annahme eines Vertrau ensvotzuns gutgeheißen. --- ----- - <
®ine Ehrhar-t-Ba«k?
«»Aus Mitnchen wird gemeldet: Zu der von Berlin, verbreiteten Nachricht über die Erricütunq einer Ehv- , Ssi-Bank unter dem Namen »Unsarische Treuhand-.^ engefellschast" melden die „Münchener Neuesten'.r Nachrichten", es sei noch nicht bekannt, ob' die tn Miw- chen und Berlin vorgenommenen Haussuchungen dre g Annahme der Berliner Polizei bestäfigen, daß die Un- 8 garische Treuhandgesellschaft den Zweck habe, Geheim- k bünden als Geldgeberin zu dienen.
Amtsenthebung Dr. Momms.
Aus Wiesbaden wird gemeldet: Durch EntscheidwgI der Rheinland-Kommission ist Reaierungsvrasidem. Dr.«