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Nr L8S
. KmuprsWitz-HoMuNg.
H- Aus London wird gemeldet: Der Freitag war rvie- derum Privatbesprechuugen gewidmet. Allein die Tatsache, daß die auf 11 Uhr an gesetzte Konferenz abgesagt und auf später verschoben wurde, genügt, um die Hon- nung, ein Kompromiß doch noch zustande zu bringen, neu' zu erwecken. Die Sonderberatngen der drei Mr- nisterpräsidenten begannen vormittags in der Downing- street und wurden von nachmittags 4 Uhr an bis in die späten Abendstunden hin fortgesetzt. Französische Blätter versichern, daß eine Verständigung wieder auf gutem Wege sei.
Die Richtlinie« Wr ein Moratorium.
Der SonderberichterstaLter der Havasagentur meldet aus London: Die französische Delegation hat vormittags eine Richtnoie erhalten, die von der britischen Regierung anschließend an den Kabinettsrat den alliierten Vertretern zugehen sollte. Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, daß Lloyd George davon Poincaree in emer Unterredung Kenntnis gab, die beide vornnttags %10 Uhr, mit ■ dem belgischen Ministerpräsidenten hatten. In dieser Unterred mg wurden neue Bemühungen um eine Ber- stLnöignüg gemacht. Nach offiziösen Auskünften sollen die britischen Borschläge folgendermaßen lauten:
Dentschland erhält ein Moratorinm für Barver- Pflichtnugen bis zum 31. Dezember 1922. Es muß dagegen slle seine Sachlieferungen ausführen, Sewnders bis Lieferung von Holz und Kohle. Dieses Moratorium wird unter folgenden Bedingungen bewilligt: Einführung von Gesetzen-gegen die Kapitalflucht, Autonomie der Reichsbank, Konsolidierung der schwebenden Schuld, sowie endlich Ausübung einer wirksamen Kontrolle der deutschen Finanzen durch die Ksparatwnskommrsüom Schließlich soll die Reparationskomminron den Wert von 26 Prozent der deutschen Ausfuhr ttttd die Zorlem- nahmcn einkassieren und in Bereitschaft halten. Wie betont wird, können diese Summen Deutschland geae- Venenfalls wieder zur Berfüg-ng gestellt werden, wenn . die.Repamtivuskommission dies für notwendig erachtet. \ Hierzu wird uns noch aus Paris gemeldet: , ^t*S)ie Unterredung der drei Premicrnnnister,rn Lon- : WF galt der Prüfung eines Kompromisses aus Grund - Gleiter englischer Gegenvorschläge, die aus zehn
^^Ä^Äi^möm^öer 'Ähaiit *2. ^SlEaöc^'mr M Pro zent auf die deutschen Ausfuhreimkahmen. 3. Be- Ma Mahure-der Mutschcht Zollemnahn-en, 4. Kontrolle der Ratlichen Richrbergwerke mrd der linksrhenmchen Maa tssorsten. Die Punkte 5 bis 9 beziehen sich auf die DuräiMhrung der in den-ersten vier Punkten erwähnten üstcißp iahmem Der Artikel 10 schlägt vor, daß Deutschland un- Moratorium für die ZahlunMU in fremd-« Devise» bewilligt werden soll, fprccyr über Nicht von der Dauer dieses Aufschubs. Währeno des Moratoriums sollen die Zahlungsforderungen keinesfalls höher fern als die Estmatzmen ■ aus der Ausfuhrabgabe, Ein «E Plan Mr eine üitermitfoMIe ^teilte soll auf dieser Griindlage aufgebaut werden. Die Anleihe, ohne die eine ÄösMB des IceMrationsproSlems und eine Bese- stiguna des Markkurfes nicht möglich erscheint, soll also mit dem beabsichtigten Kompronnß verbunden werden, Bon dunen x0 Pumktenüind nach dem iranzonschen Blatt Die ersten 6 .von den drei Premierministern angenommen worden. Die Besprechung uoer die letzten vier Artikel wurde am Nachmittag fortgesetzt.
DentschlanS soll danach ein Moratorium für die Barzahlungen bis Ende dieses Jahres erhatten Es hatte sie drei nächsten Zahlungen von je 50 Millionen Goldmark und die Beiden Zahlungen für Aovember und Dezember von je 60 Millionen Goldmark nuht zu leiden.
UebWwcisnug an deN Sachverständigeu-Ansschuß-
-^-Ans Lmrhrm wird genieWet: Nach einer siebenstün- digen Diskussion der Premierminister wurde beschlossen, die englischen Vorschläge Bein Sachverständigen-Aus- schuß zu üb erweisen, der abends 9 Uhr zusmnmentrat, um sie zu überprüfen. Von offiziöser englischer Seite wurde mitgeteilt, es sei nicht richtig, wenn man sagen wollte, daß bereits ein Einverständnis erzielt worden sei. Aber es habe den Anschein, daß eine Grundlage für eine Verständigung in Sicht sei. Sobald die Sachverständigen ihr Gutachten über die englischen Borschläge abgegeben haben, werden.diese nochmals von den Ministerpräsidenten geprüft MG falls dann Äu Einverständnis erzielt wird, einer Vollsitzung der Konferenz zur Bestätigung vorgelegt werden.
Entscheidende WenöNNg?
. w Aus Paris wird gemeldet: NaG dem, was in London am Freitag bekannt wurde, läßt sich sagen, daß eine xutscheidende Wendung eingetreten ich und zwar durch das Nachgeben Poincarees, der aus die Zollgrenze am dsirande des besetzten Rheinlartdes und des htuhrge- bictes verzichtet hat.
^citc Sachverstängigenvcratttngert.
(S. C.) Havas meldet Freitag mtttaa Loüdon: Der französische Ministerpräsident ^ 3 m k &.Ä» Vorschläge Lloyd Georges mU de * , der Sachverständigenberaiuuaen ch i verstanden erklärt. Poincaree hat die französischen ^u löwnti Sucht, in London zu bleiben und ßuFöe Neparationskommission, DuboiL,
^ ^'"^ränkirng der französischen Forderungen.
«^^"^/W §4 Der „Temps" meldet aus Parst s ^^n^priiffPnmK ^es französischen Ministerrats eine S^dt veröffentlichen Zusatz enthalten habe, der Poin raree ermächtigt, acht vvn,ben fecl)3crj.n_.^
Montag, den 14. August
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Frankreichs für die fetzige sonferens fallen zu lasier Auch der „Matin" meldet: Die Einschränkung in öü Vollmachten Poincarees sei für einen Teil der franzt fischen Bedingungen aufgehoben worden.
Die Finanzkontrolle.
r^- Genf. sS. C.) Havas meldet aus London: In 6« Besprechungen der alliierten Ministerpräsidenten an Freitag ist u. a. vereinbart worden, daß das Bestinr utungsrecht über die deutschen Staatseinnahmen nn! -Ansgaben am 1. September endgültig auf die Entent übersebt. • - ■ -
Vor bet Entscheidung in London.
e^- London. (L. A.) Man erwartet, daß das Protokol noch am Sonnabend den drei Mintsierpräsidenten über reicht werden wird. Lloyd George, Poincaree unt Theunis werden Sonnabend nachmittag eine Unterre dung haben. In den Kreisen der französischen Delega, tion ist man über die schwebenden Verhandlungen fehl zurückhaltend. Es ist jedenfalls anzunehmen, daß du Konferenz bis Montag dauern wird.
Einigung auf Deutschlands Koste«.
^* Paris. (L. A.) Lloyd George hat, wie schmr seit geraumer Zert vernmtet wurde, vorgeschlageu, die Eirt- Aiciöung über die strittigen Punkte dem Bolterbunde in iibcrwelsen. Poincaree hat diesen Vorschlag mit dem Bemerken zurückgewiesen, er wolle mit England zu ei- tem Ernvernehmen kommen oder die volle Handlungs- ireiheit für Frankreich zurücknehmen. Ueber die befon- xererr Berchandlungen zwifchen Llovd George und' Poincaree beruhtet der „Matt«" vom Sonnabend merken. Das Blatt behauptet, Lloyd George lege es darauf G Frankreich hinsichtlich gewisser Pläne zu einem Ba- allen Englands zu machen. Als Sonwenfation dafür verde er Frankreich ZugestäuLursse i# der Rexaratiüns- xage machen.
6-4- London. lB. Z.) Die Sachverständigen, die an Freitag die Vorschläge Lloyd Georges berieten, tagte: bis Mitternacht. Dann wurde die Weiterberatung BU auf Sonnabend vormittag verschoben. Im allgemeiner berrscht hier die Auffassung, daß die Entente noch ein mal gerettet sei und daß
Ssch noch keine Uetzercinstimmung.
te London. Reuter erfährt: Obgleich die Besprechuu gen des belgischen und des französischen Ministerpräsidenten am Freitag gegen sieden Stunden andauerten kann doch nicht gesagt werden, daß eine Uebereinstimmung erzielt worden sei.
. Einberufung des Varltierausichusies?
-^r-Paris. Nach der „Chicago Tribune" soll die Reparationskommission beschlossen haben, den internationalen Bankierausschutz zum erneuten Zusammentritt ir Paris aufzusordern. Datz die Tagung ftattfindei werde, stehe fest. Als direkten Anlatz zu dem Beschluß führt das Blatt eine am Freitag rus London eingegan- zene offizielle Mitteilung an, datz die Klärung über dir Reparationsfrage zwischen Frarrkreich und London st gut wie erzielt sei.
Anrnf des Weltgewissens.
in- Bcrli«. (T. U.) Die Reichsregierung ist noch mit Erwägungen beschäftigt zu denen von hier zu ergreiferl- den Maßnahmen gegen die herzlofe Brutalität der französischen Regierung. Die Durchflihrung der Entschlüsse tann aber erst nach dem Eintreffen der Verbalnote Frankreichs über die Ausweisungen aus dem Elsaß erfolgen. welche Sonnabend früh von Frankreich eingehen dürfte. Aus dieser Note wird es sich ergeben, ob weitere Ausweisungen Deutscher aus dem Elsaß in ölussicht genommen sind und ob die bereits erfolgten Ausweisungen im Falle eines vorläufigen Morato- nums nicht hinfällig sind. Die Gegenmaßregeln der reuischen Regierung werden wahrscheinlich in einem Protest an die ganze zivilisierte Welt bestehen.
Frankreichs Schulden an Amerika.
k-r Paris. (L. A.) Aus Washington wird gemeldet Der französische Vertreter Parmcnticr ist von der ante Manischen Schulden-Konsolidierungskommifsion dar über befragt worden, wann Frankreich in der Lage seit werde, feinen Plan über die Zurückzahlung seine Schulden an Amerika vorzulegen. Parmentier hat dies Frage nach London gekabelt und darauf von Pvincare den Bescheid erhalten, die französische Regierung hoffe dazu in etwa zwei Jahren in der Lage zu seim
Die Verstäudigrmgsansstchten.
6^ Parks. Nachrichten, die aus London in Paris ein getroffen sind, lassen mit Bestimmtheit darauf schließen daß noch am Sonnabend die Grundlagen für eine Ber ständigung auf der Konferenz gefunden werden. Dii Liompromißverhandlungen werden am Sonnabend vor mittag fortgesetzt werden.
Die AusWeifNNg der ersten Fünfhundert.
'Amtlich wird aus Berlin gemeldet: Der Reichst regierung ist die Nachricht zugegaixgcn. Satz in Paris eine Bcrbalrwte der französischen Regierung übergeben worde, die den Inhalt der bereits in der Presse verbreiten Meldung über die Auswestnng deutscher Staatsangehöriger Bestätigt. Danach sollen 509 Deutsche aus Elsaß-Lothringen bis zum 12. August ausaewicsen werden. Es wird ihnen gestattet, Handgepäck sowie Se« Gegenwert von 10 000 Mark für eine Familie und von 5000 Mark für die unverheirateten Personen mitzn- tlebmcn. Die Ausweisung weiterer 560 Personen wird in Aussicht gestellt für den Fall, daß die französifchen Forderungen uicht eMillt werden. , .
19258
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Die Dentfchen-Answttinngen.
»^ Paris. (T. U.) Nach dem „Petit Parisien". der eine Liste von 100 Ausgewiesenen veröffentlicht, befindet sich unter diesen auch Dr. Wiggemever, ein berühmter Straßburger Arzt. — Wegen der Beschlagnahinc der Bankguthaben der Ausgewreseuen veröffentlicht der „Messaggero" eine Erklärung, daß bis jetzt noch keine Lösung erfolgt fei, sodass den Ausgewiesenen Gelegenheit gegeben sei, ihr Vermögen zu liquidieren.
o-«- Paris. Entgegen den letzten beruhigenden Meldungen. die am Freitag veröffentlicht wurden, werden am Sonnabend die gefürchteten Massenausweisungen aus Elsatz-Lothringen erfolgen. Wie die Blätter milicilem kündigt eine Mitteilung des Generallonunisiars in Stratzburg an, daß am Sonnabend 500 unerwünschte Deutsche ausgewiesen würden, und zwar 100 aus dem Departement Oberrhein, 150 aus dem Departement Nie- derrhein und 250 aus dem Departement Mosel. Die Durchführung der Maßnahme hat bis Sonntag mitter- nacht zu erfolgen. Die Ausgewiesenen müssen einzeln abreifen. Ein Sonderzug wird nicht gestellt. Die Maßnahmen sollen in rücksichtsloser Weise, ohne Frist der Ausgewiesenen durchgeführt werden.
Die Answeisnngsnote in Berlin.
w Berlin. (T. U.) Die dem deutschen Botschafter in Paris von der französischen Regierung übergebene 9tote über die Ausweisungen aus dem Elsaß ist Sonnabend morgen in Berlin eingetroffen. Die Reichsregiernng ist zur Zeit mit ihrer Prüfung beschäfttgt und wird nn- verzüglich zu ihr Stellting nehmen. Ueber die Stellungnahme der Regierung dürfte ein amtlicher Bericht ausgegeben werden.
Zustimmung des bayerischen Kabinetts.
«^Müuchen. lB. Z.) Der bayerische Ministerrat ist Sonnabend morgen 9 Uhr zusaunnengetreten, um über das Ergebrlis der Berliner ‘Beratungen Beschluß zu fassen. Später traten zu diesem Zweck auch die Führer der Koalitionsparteien zusammen. Wie von gut unterrichteter Seite der „Voss. Zig." gemeldet wird, soll der ^iinifterratda|JBerIinei^
g?r^e von wesentlicher Be
deutung, insbesondere betreffend das ReichSkriminal- Polizeigesetz Abändernugswünsche bei einzelnen Koa- litionsparteien gezeittgt haben.
Ernste Bettrteil««z k« Berlin.
»< Berlin. lS. C.) Das Reichskabinett hat die Veant- voriung der letzten französischen Note vertagt, bis dir Ergebnisse der Londoner Konferenz vorliegeir. Es bc- leht die Absicht, falls es in London zu neuen Zwangs- natznahmen gegen den Bestand des Deutschen Reiches mimt!, den Auswärtigen Ausschuß und vielleicht auch len Reichstag selbst einzuberu-en. Seit Freitag abend betrachtet man aud? in amtlichen Berliner Stellen die kage für Deut;chlaud als uuocrwunbar ernst.
' Noch 1600 verschleppte Deutsche in Pole«. t-^Vreslau. (S. C.) Es ist ieffaeftcHt worden, daß ur Zeit noch fast 1600 veriwlerptc Deutsche auf pol- sischem Gebiet festgehalien werden.
Die MmnfWßU der RgänWß vom RM.
Der Reichskanzler Dr. Wirth gewährte dem Ber-- liner Vertreter der „Kölnischen Volkszciwng" eine Un- terredirng, in der er über die Frage, die die rheinische Bevölkerung gegenwärtig besonders bewegt, u. a. nachstehendes aussührtc: „Die denffche Regierung hat in ihrer Anttvort wegen der Ausgleichszahlungen der französischen Regierung erklärt, daß sie alles in ihren Kräften Liegeride tun werde, um ihren Verpflichtungen näch- zukommen. Unsere Haltung war diktiert von dem Wunsche, den Notwendigkeiten, die sich aus unseren
finanziellem Verpflichtungen ergeben, im Einklang mit
den Lebensintcressen unseres Volkes gerecht zu werden." Auf die Frage: „Bestehen Archaltspunkte zu einer besonderen Beunruhigung der rheinischen Bevölkerung? Wird die Reichsregierung die rheinische Bevölkerung schützen?" antwortete der Reichskanzler: „Was uns noch bevorsteht, wissen wir nicht. Was aber auch kommen mag, eins ist immer Ziel unserer Politik und Haupt- beweggrnnd auch für das Schwerste gewesen, was wir auf uns genommen habendder Gedanke an die Einheit des Reiches, an die Leiden und Gefahren der Grenzbe- völkerung und insbesondere des Rheinlandes. Nie und »immer werden wir die Interessen des Rheinlandes im Stiche lassen. Mit keinem Wort, mit keinem Gedanken ist von der Reichsregiernng jemals die Preisgabe rhein- landtscher Interessen erwogen worden. Ein einzigcs Zand der Liebe und Trene verbindet die deutschen^ Stämme des Ostens und Südens Mit denen am Rhem. ^strin gibt es kein Wanken und Weichen^ welche Matz- yahmen auch herausgeklügelt werden mögen, um bett, einen oder anderen Teil der deutschen Bevölkerung zu trenS die weitere Frage: „Ist der Reichsregierung besannt, daß im Lande von einzelnen. Leuten Gerüchte verbreitet worden sind, wonach man in Berlin bereit fei, dem Ausland die Konzession in der Errichtung einer rheinischen Autonomie außerhalb oder innerhalb oes Reiches zu machen?" erwiderte der Reichskanzler: „Bou solchen Gerüchten ist mir nichts bekannt. Sie sind auch wohl M nnünnig, um ernstlich einer Widerlegung zu bedürfen. Auch eine Antmiomiesrage existiert nicht oder nur in den Köpfen einzelner völlig bederitnngsloser Personen sowie in der Vorstellung schlecht unterrichteter Ausländer." . . ;